Ausgabe 
6.3.1943
 
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Nr. 55 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesien)

6./ 7. März WZ

Aus -er Stadt Gießen.

Das große Ziel!

In der Oberklasse der Schule ist es mäuschenstill. Die kleinen Unaufmerksamkeiten, die sich sonst in jeder Stunde unausbleiblich einstellen, sind wie fort­gezaubert. Gebannt hängen die Schüler am Munde des Lehrers, ihre Hände liegen ruhig auf den Bän­ken, es ist, als sei hier eine Musterklasse versammelt. Aber es ist keine Musterklasse, es sind vielmehr recht temperamentvolle Jungen dabei, nur daß sie heute ganz Auge und Ohr sind für das, was der Lehrer ihnen vorträgt. Der Lehrer spricht von dem großen Ziel. Dieses große Ziel geht alle an, und es ist keine Kleinigkeit, was sie zu hören bekommen. Der Lehrer ist ein älterer, erfahrener Mann, der schon manche Generation der Schuljugend betreut hat; seine Worte sind diktiert von starkem Verantwortungsgefühl und von der Liebe zu der ihm anvertrauten Jugend. Er spricht langsam und bedachtsam, jedes Wort ist gleichsam eine Feststellung, um die es kein Aus­weichen oder Herumdrücken mehr gibt.

Die Jungen wollen sich auch nicht herumdrücken, in ihnen ist eine begeisterte Bereitschaft, auf das große Ziel loszustürmen. Das große Ziel, so erklärt der Lehrer mit Nachdruck, sei die Entfaltung allen Könnens im Dienste der Gemeinschaft. Die Gemein­schaft des Volkes gewährt hervorragende Rechte, es ist ein stolzes Bewußtsein, zu dieser Gemeinschaft zu gehören, aber sie setzt auch Pflichten, und die rest­lose Erfüllung aller Pflichten ist gerade heute wich­tigstes Gebot. Nur kurze Zeit noch dauert die Schul­zeit, dann stellt das Leben den einen in die Ma- schinenhall". den anderen an die Hobelbank, dieser muß die Feile führen, jener bat die Kelle in die Hand zu nehmen. Auf die Tätigkeit kommt es nicht gn. wohl aber auf den Willen, an dem Platz der Tätigkeit alle Kraft und alle Fähigkeit auf die Lei­stung zu konzentrieren. Erst wenn alle wirklich diese Tachereitschoft aufbrinaen, sind sie würdig, der Ge­meinschaft anzugehöxen.

Oberstleutnant Wolf 65 Zahre alt.

Am morgigen Sonntag, 7. März, wird der Stand- ortvffizier der Wehrmacht in Gießen Oberstleutnant Robert Wolf 65 Jahre alt. Oberstleutnant Wolf, am 7. März 1878 in Stralsund geboren, ist ein Sohn des inzwischen verstorbenen Wirk!. Geh. Kriegsrats Fritz Wolf. Im Mai 1896 beim Jnf.-Regt. 116 (Kai­ser Wilhelm) in Gießen eingetreten, wurde Robert Wolf im Dezember 1896 Portepee-Fähnrich und am 18. Oktober 1897 Leutnant in diesem Regiment. Im Januar 1908 wurde er zum Oberleutnant, im Juni 1913 zum Hauptmann befördert. Beim Ausbruch des ersten Weltkrieges im August 1914 rückte er mit unserem Gießener Jnf.-Regt. 116 ins Feld. Wenige Tage später, am 22. August 1914, wurde er schwer verwundet. Im weiteren Verlaufe des Krieges war er nach kurzer Verwendung bei der Etappen-Jnsvek- tion II mehrere Jahre lang Adjutant der 21. Infan­teriedivision, später beim Generalkommando des XVIII. Armeekorps, bis er im September 1920 unter Verleihung des Charakters als Major aus Hern Heeresdienst ausschied.

Wie einst als Soldat, so galt auch im zivilen Leben die Pflege und Förderung der soldatischen Tradition und des Gedankens der Wehrfreudigkeit ihm allezeit als eine der wichtigsten Aufgaben. Von diesem Standpunkt aus fand die Wiederaufrichtung unserer Wehrmacht durch den Führer und deren starker Ausbau bei ihm freudigen Widerhall. Er stellte sich denn auch der neuen Wehrmacht wieder zur Verfügung. Am l.Juli 1940 wurde er zum Major, am 1. Januar 1943 zum Oberstleutnant be­fördert. Er leitet die Dienststelle des Wehrmacht­standortältesten in Gießen.

Seit 1936 ist Oberstleutnant Wolf Traditions- verbandsführer der alten llöer-Kameradschaften im NS.-Reichskriegerbund. Als alter 116er-Offizier, der feit vielen Jahren in Gießen heimisch geworden ist, genießt er in weiten Bevölkerungskreisen in Stadt und Land große Wertschätzung.

im O enste des Kriegs-WHW

Seit heute morgen sind die Männer der Waffen- ff mit den bekannten roten Sammelbüchsen für das Kriegs-Winterhilfswerk in den Straßen der Stadt unterwegs, um für die großen und vielseitigen Auf­gaben des WHW. neueMunition" in Gestalt von Geldspenden aller Volksgenossen zu sammeln. So­weit bisher zu sehen war, wurde allenthalben rege Spendefreudigkeit bekundet. Neben dieser Straßen­sammlung hat die Sanitäts-AusbWungskompanie der Waffen--- aber noch mancherlei weitere Deran- staltungen im Hause der ---Standarte an der Ecke Gartenftraße/Hitlerwall und auf dem Platze vor dem Theater vorgesehen, die am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag durchgeführt werden sollen.

Im ---Heim können die Besucher, nachdem sie durch eine Tasse Kaffee kostenlos erfrischt worden sind, in mehreren Zimmern eine interessante medi­zinische Schau in Augenschein nehmen, die ihnen in vielfältiger Weise Kenntnis von dem Aufbau und den Funktionen, aber auch von den wichtigsten Lei­den des menschlichen Körpers vermittelt. Die Be­sucher können sogar durch Mikroskope wichtige Krankheitserreger kennenlernen, sie können aber auch ihren Blutdruck und die Sehschärfe ihrer Au­gen prüfen lassen, außerdem können sie sich einer WHW.-Musterung unterwerfen, von der sie einen schriftlichen Musterungsbewnü mitnehmen können. Medizinstudenten mit höherer Semesterzahl (An­gehörige der Waffen---) werden hierbei wirken und auch durch kleine Aufklärungsvorträge den Bou­chern zu Diensten fein. Diese Schau verspricht den Besuchern sehr viel, so daß ihre Benutzung nur emp­fohlen werden kann. Wer von den Beluchern sich photographieren lassen will (Paßbilder) kann im ---Heim ebenfalls alle Wünsche erfüllt bekonnnen.

Auf dem Platze vor dem Theater wird man in einem Sanitätszelt wertvolle Beispiele und Hinweise der ersten Hilfeleistung bei Unglückssällen seben, ' außerdem auch wichtige Luftschutzgeräte usw. ken­nenlernen können. Für die Kinder ist frofye Unter­haltung beim Reiten auf Eseln, beim Kasperl-Tbe- ater und bei einem Kinderkarussel vorgesehen. Am Selterstor wird nn einer Verkehrsschranke Weazoll zugunsten des WHW. erhoben werden. Im Caf6 Wien sind für heute und mortrm, jeweils ab 15 bzw. 20 Uhr, frohe Unterhaltungskonzerte mit Variete- Einla"en norgefe^n, bei denen «"ich ü'**» Wünsche der Besucher erfüllt werden können. Im G^oüa- Palast wird eine interessante Bühnenschau zu sehen fein.

Alles in allem also eine Programmfolqe, die sich sehen lassen kann und die den hoffentlich außeror­dentlich zahlreichen Besuchern reiche Belehrung und gute Unterhaltung bietet. Als Gegenleistung ist nur die Spende für das Kriegs-WHW. aufzubringen.

DieneuenArbeMameradmen in dendeirieben

Unterredungen mit Detriebsführern und Meistern. Ueberall wird es den Helferinnen leicht gemacht.

Die erste Woche des Kriegsarbeitseinsatzes der Frauen und Mädchen ist abgelaufen. In den kommenden Wochen werden weitere Hun­derttausende weiblicher Hilfskräfte in die Be­triebe strömen. Am vorigen Samstag haben wir nach Unterredungen mit zahlreichen Frauen und Mädchen die volle Bereitschaft der weib­lichen Helferinnen zur Kriegsarbeit feststellen können. Gestern hatten wir Unterredungen mit Betriebsfichrern, technischen Leitern und Mei­stern, in denen das am vorigen Samstag er­kennbare erfreuliche Bild des weiblichen Ar­beitseinsatzes noch verstärkt wurde.

Wir sitzen mit dem Betriebsführer, einem Proku­risten und dem Betriebsobmann eines bekannten industriellen Unternehmens zusammen. Die Erfah­rungen der ersten Woche des weiblichen Kriegsein­satzes sind Gegenstand der Unterredung. lieberem- sttmmend hören wir von unseren Gesprächspartnern, daß die Frauen und Mädchen, die aus allen Be­völkerungsschichten zur Krieasarbeit in den Betrieb gekommen sind, sehr guten Willen und unverkenn­bare innere Bereitwilligkeit zur Erfüllung der un­gewohnten Arbeitsaufgaben mitgebracht haben.

Der freundliche und verständnisvolle Empfang, der ihnen bereits bei der Anmeldung zur Arbeit zuteil wurde, sowie die hilfsbereite Haltung der Meister, der Arbeitsk^meraden und Arbeitskamera­dinnen haben denNeuen" den Weg im Betrieb sehr erleichtert, und auf diese Weise werden auch den weiteren Helferinnen nach bester Möglichkeit alle Steine aus dem Wege aeräumt. Bekanntlich ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen, und so wird es auch bei diesen Frauen und Mädchen etlicher T>ae bedürfen, bis sie in ihren neuen Arbeitskreis völlig hineinaewachsen sind. Zuerst werden sie mit einfachen Arbeiten beschäftigt, die an sich natürlich auch kriegswichtig sind, bann kommen sie je nach persönlicher Eignung auch an verantwo^t"nasvollere, aber körperlich leichte Arbeiten heran. Wünsche wer­den, soweit es iraenbroie möglich ist, berücksichtigt, wobei unter Umstänben auch ein Auswechseln ber Arbeitsplätze erfolgen kann, wenn es nach Maßaabe der betrieblichen Möglichkeiten vertretbar ist. R "'ck- sichtnahme auf die körperliche Leistungsfähiakeit der Helferinnen oder auf häusliche Erfordernisse wird weitgehend geübt, damit sich alle im Krieaseinsatz stehenden Frauen und Mädchen an ihrem Arbeits­pläne wohlfühlen können. Ein Teil der Helferinnen arbeitet den ganzen Tag nut, ein Teil leistet Halbtagsarbeit. Alle leb^n mit den ..Alten" im Be­fried in Harmonie und schöner Arbeitskamerad­schaft, .wozu die verständnisvolle Aufgeschlossenheit berAllen" gegenüber denNeuen" viel beigetragen hat. Dadurch ist den Helferinnen die Umstellung aus ihrem bisherigen Lebenskreis in den Bereich der bislang ungewohnten Arbeitspflicht erheblich er­leichtert und die Kriegsarbeit zu einer Sache gemacht worden, bei ber man auch mit frohem Herzen dabei sein kann. So konnten wir denn auch von dem Be- triebsführer und seinen enaften Mitarbeitern die befriedigende Feststellung hören, baß sie mit dem bisheriaen Einsatz derNeuen" zufrieden sind, deren guten Willen und tatfrohen Eifer anerkennen und die Ueberzeuaung haben, daß diese Frauen und Mädchen wertvolle Hilfe bei der Erfüllung der Kriegsarbeitsaufgaben leisten werden.

In Unterhaltungen mit verschiedenen Frauen an ihrem Arbeitsplätze in den Werkstätten erhielten wir die erfreuliche Gewißheit, daß sie ihrem neuen Pflichtenkreis die beste Seite abgewonnen haben und nicht nur äußerlich, sondern auch gesinnungs­mäßig zufrieden und verantwortungsbewußt ihre Arbeit verrichten in der Ueberzeu-gung, damit an ihrem Teile einen wertvollen Beitrag für unsere Rüstung zu leisten. Die umfassende soziale Betreu­ung und die anerkennenswerte Fürsorge des Betrie- bes für die körperliche Kräftigung aller Arbeits­kameraden durch gute Leistungen der Gemeinschafts­küche und durch schöne Freizeit in einem großen Speifesaal aber auf geräumigen Grünflächen tragen erheblich dazu bei, daß sich auch dieNeuen" in diesem Kreise der Arbeit wohlfühlen.

*

In einem anderen Betrieb stellt die Frauen­arbeit in den Werkstätten Neuland dar. Hier herrschte bisher uneingeschränkt die Kraft der Män­ner. Es war daher zunächst beinahe ein Problem, als die Betriebsleitung nunmehr auch an dieser Stelle Frauenarbeit ins Auge fassen mußte. Die Ergebnisse der ersten Woche des Frauenschaffens in den Werkräumen haben jedoch gezeigt, daß die Frau auch hier bei Arbeiten, die ihren Kräften und ihren Möglichkeiten entsprechen,ihren Mann stellen" kann.

Die Frauen und Mädchen, die zum Teil Halb­tagsarbeit, zum Teil Ganztagsarbeit leisten, werden zunächst einige Tage in ber Lehrwerkstätte beschäf­tigt, wo sie sich mit den Grundelementen des Be­triebs und den verschiedensten Betriebsmitteln ver­traut machen können. Dann kommen sie in den Werkstätten bei Arbeiten zum Einsatz, die ihren körperlichen Kräften angemessen sind. Die Betriebs­führung, die Werkmeister und die Arbeitskamera­den lassen den Frauen und Mädchen alle Förde­rung und Arbeitserleichterung zuteil werden, um ihnen das Einarbeiten in den ungewohnten Schaf­fenskreis zu erleichtern. War bei manchen Frauen und Mäd^en anfangs die Scheu vor dem Betrieb und den Maschinen ein Moment der inneren Hem­mung, so ist dieserStein des Anstoßes" inzwischen aus 6em Wege geräumt worden; meist schon nach wenigen Stunden ober Tagen haben die Werk­stätten und die Maschinen für die Frauen und Mädchen ein ganz anderes Gesicht als das früher vermutete, be'd" sind ihnen vertraut geworden, und nunmehr fühlen sie sich diesen vorher gefürch­teten Dingen überlegen. In zweckmäßiger Arbeits­kleidung, in der sich die Helferinnen im Kreise der männlichen Arbeitskameraden wohler fühlen und inmitten der Maschinen sich ungefährdeter bewegen können, verrichten sie jetzt ihre Arbeiten, als ob sie schon lar^i .Reit urh nicht erst seit env^n Taaen an diesem Matze gewirkt hätten. Zum Teil haben sie hochgualifizie''te, üerantroorhmas-ünHe Aufgaben wchrmnehmen, deren einwandfreie Erfüllung ihre Arbeitsleistung dem Betrieb besonders wertvoll macht.

So konnten mir z. B ein funges Mädchen beob- , achten, das bisher als Äinbergartnerbt tätig gewesen mar und jetzt mit Präzisionsarbeiten beschäftigt ist, die außerordentlich diffiZil sind und haargenaue Aus- führuna erfordern. Mit feinstem Fingerspitzenge- sühl erfüllt dieses Mädel feine Aufgabe fo vortreff»

lief), daß die Betriebsführung und der Werkmeister sich zu dem guten Griff beglückwünschen, den sie mit der Verpflichtung dieses Mädchens für diese Arbeit getan haben. Eine Arbeitskameradin, die früher als Kassiererin in einem Geschäft tätig gewesen war, er­füllt an einem benachbarten Werkplatz ihre Aufgabe ebenfalls sehr zufriedenstellend. Die Frauen und Mädchen wissen sich mit ihrer Arbeit bei der Be­triebsführung und den Arbeitskameraden geschätzt. Daneben haben sie die Gewißheit, daß ihre soziale Betreuung durch den Betrieb und ihre kamerad­schaftliche Förderung durch die Arbeitskameraden gut ist, so daß sie sich nach jeder Richtung hin in dem neuen Wirkungskreise wohlfühlen. Hinzu kommt auch hier, daß ihnen die Möglichkeit gegeben ist, die Gemeinschaftsküche des Betriebs mit in Anspruch nehmen und dadurch täglich gute Verpflegung ge­nießen zu können, ohne zu Hause nach den'Arbeits­stunden im Betrieb erst noch den Kochlöffel schwin­gen zu müssen.

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Frauen und Mädchen als Helferinnen bei der Arbeit waren in einem weiteren Betrieb, den wir besuchten, schon im ersten Weltkriege geschätzte Kräfte. Hier sind sie auch in diesem Ringen schon feit vielen Monaten eifrig wieder mit an der Arbeit, um unserer Rüstung zu dienen. Jetzt sind nach dem Aufruf aller Hilfskräfte zum totalen Kriegseinsatz noch mehr Frauen und Mädchen in diesen Werk­räumen zusammengekommen, um immer noch mehr für unsere Soldaten zu leisten und ihnen immer wieder die besten Waffen bereiten zu helfen.

Selbstverständlich wird der Einsatz der Frauen und Mädchen von dem Betriebsführer wie auch in den beiden anderen besuchten Betrieben in der Weise gelenkt, daß ihnen vor allem die leichten Arbeiten zugewiesen werden. Und auch hiermit können die willigen Helferinnen sehr wertvolle Dienste leisten, die im Rahmen der Gesamtarbeit ihren bedeutungsvollen Platz haben. Mit Rücksicht auf häusliche und familiäre Verpflichtungen hat sich

In Anwesenheit des mit der Führung der Ge­schäfte des Landesbauernführers beauftragten Landesobmanns Bauer W e i n tz und des Lanoes- hauptabteilungsleiters Bauer S ch a r ch, Windhau­sen, fand am gestrigen Freitag in der Zuchtvieh­halle Rhein-Main in Gießen eine in jeder Hinsicht wohlgelungene Zuchtvieh-Absatzveranstaltung durch das Tierzuchtamt Gießen statt. Der Landesverband der Rinderzüchter und der Landesverband der Schweinezüchter führen alljährlich im Frühjahr und im Herbst durch das zuständige Tierzuchtamt als Geschäftsstelle der provinziellen Züchtervereinigun­gen größere Absatzveranstaltungen durch, die sich insbesondere dadurch immer mehr einbürgern, daß gerade hier beste und wertvollste Zuchttiere, die be­sonders ausgewählt werden und in Form und Lei­stungen überdurchschnittlichen Anforderungen ent­sprechen, zum Auftrieb gelangen.

Bereits am Vortrage sand durch die Körkommis- fionen unter dem Vorsitz von Landwirtschaftsrat Dr. Wagner, dem Leiter des Tierzuchtamtes Gießen, die Sonderkörung und Einteilung der Tiere in Wertklassen statt. Als Körkomm'issions-Mitglieder bei den Höhenfleckvieh-Bullen wirkten Bürgermeister Seim, Groß-Felda, und Bauer G ö r l a ch, Ober- Hörgern, bei den Rindern Bürgermeister Stroh, Brauerschwend, und Heinrich Bopp, Griedel, bei den Zuchtebern Bezirksbauernführer E u r i ch , Hutzdorf, und Bauer Karl L u h, Lang-Göns, als verantwortliche Preisrichter mit. Durch alle drei Körkommissionen konnte die überragende Qualität der zum Auftrieb gelangten Zuchttiere festgestellt werden.

In rascher Reihenfolge wurde am gestrigen Frei­tag nach Vorführung der prämiierten Zuchttiere die Absatzveranstaltung durchgeführt. Zunächst wur­den die Zuchteber zum Ausgebot gestellt, wobei ein Eber in Wertklasse I, 15 in Wertklasse II, 30 in Wertklasse III und 16 in Wertklasse IV eingeteilt waren. Der überragende Eber (Katalog Nr. 38) als

Gloria-polast:Liebesgeschichten"'.

Zu den ungezählten Liebesgeschichten, die es schon von Anbeginn im Film gegeben hat, fügt die Ufa zur Feier ihres 25jährigen Jubiläums eine neue und sogar eine doppelte, halb traurig, 1)alb heiter: unter Benutzung eines Romans von W. L i e ck er­zählen der Spielleiter V. Tourjansky und Gustav Kampendonk, wie die aus einer Kinderfreund­schaft erwachsene Herzensgeschichte des Fräuleins Felicitas von Graefe und des Tambourmajors Lüdtke kurz vor dem ersten Weltkriege an sozialen Unter­schieden scheitert; wie dann Felicitas einen Bankier, Lüdtke, her unterdessen ein erfolgreicher Operetten­komponist geworden ist, eine Sängerin heiratet; wie nach dem Kriege die mittlerweile verwitweten und gealterten Liebesleute sich wieder beaeqnen, und wie ihren Kindern eines Tages das Glück der Vereini­gung gleichsam in den Schoß fällt, das dem Vater des jungen Mannes und der Mutter des Mädchens damals so schmerzlich versagt geblieben ist. Abge­sehen von dem hübschen Motto der Wiederholung her zärtlichen Beziehungen in der zweiten Genera­tion ist das Besondere an diesem Film feine aus­gesprochen epische Technik, wie sie zuvor in ähnlicher Form etwa inAnneli" und bei den Franzosen von Sascha G'tttry ausprobiert wurde: die Fabel erstreckt sich vom Beginn der neunziger Jahre bis in die Zeit nach dem Weltkriege, und es gehört zu den glück­lichsten Einfällen Tourjanskys, daß er den (durch die Gestalt eines verwitterten Leierkasten­mannes betonten) Zeitablauf zu einem kleinen Streif,m«? durch die Berliner Lokal- und Kultur- aefchichte bflr lebten Jahrzehnte benutzt hat. Es gibt auf diesem flüchtig nnbeutenben Wege ein paar Sta­tionen wie das Ausrucken ber Truppen ins Felb unb ein tmar kimvpe Szenen aus ber Nachkrieas- ieit, bie von ber Leinwanb her auf ben Be­schauer, ber bas einmal selber als gegenwärtige Wirklichkeit miterlebt hat, ein bißchen gespenstig wirken. Sonst finb Bitterkeit unb Süßigkeit, Heiter­keit und Sentimentalität ber beiben Liebesgeschichten mit leichter unb geschickter Hand geqeneinanber ab­gewogen: bie Tanzrevue zum Schluß hätte vielleicht ein wenig gekürzt werden können. Käthe Haacks

auch hier ein Teil der Frauen für Halbtagsarbeit entschieden, ein anderer Teil aber nimmt an ber Arbeit über ben ganzen Tag hin teil. Der Halb­tagseinsatz ist so organisiert, baß bie Arbeitsleistun­gen am Vormittag und am Nachmittag einander ergänzen unb dadurch voller Arbeitserfolg erzielt wirb. Die Betriebsführung hat auch hier dafür ge­sorgt, daß den Wünschen der Frauen soweit wie möglich Rechnung getragen wird, ihnen zweckdien­liche Arbeitskleidung zur Verfügung steht, die kame­radschaftliche Gesinnung berAlten" auch ben neuen Helferinnen gegenüber in guter Weise zur Geltung kommt unb im übrigen so mancherlei kleine Alltags- binge, bie in einem Betrieb auch einmal gewisse Schattenseiten mit sich bringen, soweit wie möglich hintangehalten werben.

Es hat sich im Verlaufe ber bisherigen Arbeit gezeigt, baß bie Frauen unb Mädchen auch in die­sem Betriebe mit allem guten Willen unb mit vol­lem Verständnis für die dringliche Notwendigkeit ihres Arbeitseinsatzes dabei fink Der vortreffliche Geist, mit dem sie an bie ungewohnte Arbeit Heran­gehen, verdient alle Anerkennung unb wirb von ber Betriebsführung unb ben technischen Leitern entsprechen!) gewürdigt unb gepflegt. Neben ben zum Einsatz aufgerufenen Frauen und Mädchen sind auch freiwillige Helferinnen eifrig mit am Werk. Alle miteinander find mit Lust und Liebe bei ber Sache, obwohl ihnen bie Umstellung aus ihrem bis­herigen Lebenskreis nicht gerade leicht geworben ist und es auch jetzt noch manchmal eines gewissen inneren Ruckes" bedarf, um über gelegentliche kleine Klippen ber Anfangszeit besser hinwegkommen zu können. Von allen Helferinnen hört man aber nur erfreuliche Meinungen über ihren jetzigen Arbeits­kreis. Eine Werkküche dient auch hier der Gefolg­schaft. *

Das Ergebnis dieser kurzen Umschau an einigen Statten der Kriegsarbeit unterstreicht erneut bie an vielen anderen Stellen unseres Gemeinschafts­lebens schon oft festgestellte Tatsache, baß auch un­sere Frauen und Mädchen sich ihrer Verpflichtungen gegenüber der Volksgemeinschaft in ber Kriegszeit besonders bewußt sind. Ihr Einsatz bei ber Arbeit bekundet ihren Willen, auch mit ihren Kräften jeder­zeit alles zu tun für den deutschen Sieg und damit für eine glückliche Zukunft unseres Volkes. B.

einziger der Wertklasse I (Züchter Kurt Eurich, Hutzdorf) wurde als Stammeber durch W. Phi­lippi, Trais-Münzenberg, zum höchsten Tages­preis erworben. Bei den Bullen waren die der Wertklasse II sehr gut ausgeglichen, ein Bild, wie es lange nicht auf einer Absatzveranstaltung in Gie­ßen beobachtet werden konnte. Obwohl kein ausge­sprochenes Spitzentier vorhanden war, zeigten doch die 19 in Wertklasse II eingeteilten Höhenfleckvieh- Bullen eine solche Ausgeglichenheit, daß alle Bul­len das lebhafte Interesse der Käufer sanden, die sich wiederholt auch lobend über die Qualität der Vatertiere äußerten. Daneben waren 16 Bullen ber Wertklasse III zugeteilt. Sämtliche Vatertiere wurden für herdbuchfähig erklärt, ein Fall, der bis­her auf einer Absatzveranstaltung in Gießen noch nicht eingetreten war. Auch die Rinder genügten hinsichtlich ihrer Qualität zum größten Teil selbst hohen Anforderungen. Ein Rind (Züchter Heinrich Kraft, Höchst a. d. Nidder) wurde ber Zucht­klasse I zugeteilt, 9 Rinder kamen in Zuchtklasse II, 21 in Zuchtklasse III unb nur zwei in Zuchtklasse IV. Wenn bie Kommission nicht gezwungen gewesen wäre, mindestens 70 v. H. der aufgebotenen Rinder der Zuchtklasse III ober IV zuzuteilen, so hätte mit gutem Recht eine weitere Anzahl von Zuchtrindern ber Zuchtklasse II zugeteilt werden können.

Bei lebhafter Nachfrage wurden alle zum Ver­kauf gestellten Zuchttiere, einschließlich der (Eber, abgesetzt. Bei den Rindern wurden alle Tiere in ben vier Zuchtklassen ausnahmslos zu ben festge­setzten Stopp-Preisen abgegeben. Bei den Bullen und Ebern mußte ebenfalls ein großer Teil der Tiere bei Erreichung der Stopp-Preise durch die Zuchtleitung zugeteilt werden.

Die große Frühjahrsabsatzveranstaltung hat er­neut bewiesen, daß die oberhesfischen Züchtervereine trotz der durch den Krieg bedingten Schwierigkeiten die Zucht tatkräftig fördern.

begabte Tochter Hannelore Schroth hat hier, als kulleräugig schwärmerischer Backfisch,. als junge Frau, als resignierende Witwe und wiederum als springlebendig begeisterte unb verliebte Theaternovize, eine bankbare unb mit sicherem Gefühl ausgespielte Verwandlungsrolle. Willy Fritsch, schüchtern und korrekt als Tambourmajor, wächst im Laufe der Jahre mit Würbe, Humor und guter Haltung ins Väterfach hinein. Im figurenreichen Ensemble geben ferner Herta Mayen, Käthe D y ck f f, Walter Franck, Elisabeth Flickenschilbt, Paul Henckels, Franz Schafheitlin unb Joachim Brennecke bie prägnantesten Gestalten; bie Gie­ßener bürste es interessieren, ihrem früheren Inten- bauten Rolf Prasch (in ber Rolle eines Theater­birektors) wieberzubegegnen. Auch ber Kameramann Igor Oberberg unb ber Komponist Peter K re u» b er find am Erfolge beteiligt. Im Beiprogramm: bie Wochenschau unb ein lehrreicher Kulturfilm Farne". Hans Thyriof.

Verdunkelungszett:

6. März von 19.08 bis 6.27 Uhr.

7. März von 19.10 bis 6.25 Uhr.

Kür Tapferkeit vor öem Keinöe.

Der Obergefreite Heinrich W inther aus Gießen, Schlageteranlage 4, würbe für Tapferkeit vor bem Feinbe bei ben Kämpfen im Osten mit bem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Gießener Vochenmarklprelse.

* Gießen, 6. März. Auf bem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, bas Stück 8, Weißkraut, % kg 10, Rotkraut 13, gelbe Rüben 10 bis 14, rote Rüben 10 bis 12, Unterkohlrabi 5 bis 8, Zwiebeln 14, Meerrettich 75, Lauch 25, Sellerie 25, Felbsalat, Vio 10, Rettich, das Stück 10 bis 15 Rpf.

* Der Aufpruch auf Zwiebeln er­lischt, wie das Ernährungsamt heute bekannt* gibt, am kommenden Dienstag für alle die Ver­braucher, die bis dahin die zugeteilte Zwiebelmeng- nicht abgeholt haben^

Vorbildliche Tierzucht in Oberhessen.

Die gestrige Abfatzveranstaltung war ein neuer großer Erfolg.