195. Jahrgang Nr. 55
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Samstag, 6 / Sonntag,7. März 1945
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die immer wiederkehrende Erklärung, daß
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flotte zu geben.
Eine große Zeit fordert starke Herzen
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gibt sich, daß ein berufstätiger Mann tagsüber normalerweise europäisch gekleidet ist und nach Feierabend diesen Arbeitsanzug mit der bequemen und in der Sommerhitze auch bei Tage vielfach bevorzugten, einheimischen Tracht vertauscht, die durch die Schönheit der Farbe und Muster alle'ausländi- chen Gewänder in den Schatten stellt. Die Ver- uche, eine größere Uniformierung der Frauenklei- )ung mit zweckmäßigerem Schnitt durchzuführen, haben nur begrenzte Ergebnisse erzielt.
Tokio ist eine sehr solide Stadt. Spätestens um 11 Uhr abends liegen seine Bewohner im Bett oder, richtiger gesagt, auf der Matte. Restaurants, Bars und Bierhallen schließen um 10 Uhr, Theater und Kinos eine halbe Stunde früher. Wer nach Mitternacht auf der Straße ist, muß damit rechnen, von einem der zahlreichen Polizeiposten nach Personalien und Zweck und Ziel des Weges befragt zu werden. Tokio hat den Ruf, die. sicherste und an Verbrechen ärmste Großstadt der Welt zu sein. Ein großstädtisches Nachtleben gibt es in Tokio heute nicht. Soweit es in sehr beschränktem Maße in Friedenszeiten bestand, ist es seit Beginn des Chinakonfliktes nach und nach abgebaut worden. Die Ortseingesessenen scheinen es nicht zu vermissen. Man hat Tokio „die Stadt der 100 000 Läden" genannt. Wir haben sie nicht gezählt, aber es gibt
wohl keine zweite Stadt mit gleichviel Läden vom riesigen Kaufhaus bis zu den kleinsten Duden, die vielfach noch mit der Werkstatt verbunden sind. Darin stellt die gesamte Familie in Heimarbeit Waren her, die gleich an Ort und Stelle zum Verkauf stehen. Allen gemeinsam ist die Erscheinung, daß ihre Warenlager für ein Land mitten im Kriege noch erstaunlich reichhaltig sind. Auch Japan befindet sich in einem großen Konzentraüonsprozeß seiner Wirtschaft, um den Anforderungen der Kriegführung zu genügen, genießt aber mittlerweile noch den Vorteil, daß bis in die Gegenwart hinein sich unzählige Kleinbetriebe aller Art in Industrie, Gewerbe und Handel erhalten haben, deren Lager wertvolle Materialreserven bilden.
Im zweiten Jahre des Ostasienkrieges nimmt das tägliche Leben der Hauptstadt des Großraumes seinen gewohnten, gleichmäßigen Gang. Aeußerlich hat der große Krieg Tokios Gesicht kaum verändert. Es ist allerdings zu bedenken, daß die Siebenmillionenstadt bereits früher, bald nach Ausbruch des Chinakonfliktes, das Kriegsgewand anlegte und den Leibriemen enger schnallte. Die Kost ist ein wenig frugaler geworden, aber eine gesunde, kräftige Nahrung ist für jedermann vorhanden. Kleinere Entbehrungen werden von allen willig getragen in der Ueberzeugung, daß, gleichgültig, wie lange der Krieg dauern mag, mit jedem Tag der Augenblick näherrückt, in dem unter Tokios Führung der friedliche Aufbau der „Sphäre des gemeinsamen Wohlstandes" im Ernst beginnen kann.
den gleichen Anlaß und das gleiche Ziel: Weil die Briten sich auf dem Schlachtfeld den deutschen Soldaten und der deutschen Führung unterlegen fühlen, erhoffen sie durch Terror die Bevölkerung zu zermürben und damit die deutsche Kampfkraft entscheidend schwächen zu können. Das ist ein Trugschluß. Das deutsche Volk steht im totalen Krieg. Die Bevölkerung der von den britischen Terrorangriffen betroffenen Städte beweist Tag für Tag durch eine der Front ebenbürtige Haltung, daß man mit Terror das deutsche Volk niemals auf die Knie zu zwingen vermag. Im Londoner „Daily Herold" hat ein Flieger, der an den letzten Terrorangriffen gegen Deutschland mitwirkte, gesagt, die deutsche Entschlossenheit in der Abwehr der Luftangriffe sei geradezu „unglaublich", das Blatt solle doch seinen Lesern mitteilen, daß alle Deutschen unnachgiebig und zäh seien, und die Berichte des neutralen Auslandes über diese Terrormaßnahmen bestätigen das, was all- Welt w-iß: diese Bombardierungen haben einen glühenden Haß. sie haben nur den einen Willen geweckt, den Urhebern dieser Verbrechen gegen Zivilisten den Terror heimzuzahlen.
Der Führer hat in seinen wiederholten Abrüstungsvorschlägen an England und Frankreich das Verbot des Luftkrieges gegen die Zivilbevölkerung der kriegführenden Staaten an die erste Stelle gerückt. England hat diese Vorschläge, die auf eine Humanisierung des Krieges und auf seine Begrenzung auf die kämpfende Truppe hinwirken wollten, regelmäßig abgelehnt. Er wußte, warum. Damals besaß Deutschland noch keinerlei militärische Luftverbände. Die übrigen europäischen Großmächte hatten dagegen einen so erheblichen Vorsprung, daß er ihrer Meinung nach nicht mehr eingeholt werden
Der britische Lustterror zerschellt am deutschen Abwehrwillen
Auch Haß macht stark.
Churchill erhielt soeben von Stalin- ein Anerkennungstelegramm für die britischen Terrorangriffe auf deutsche Städte. Wahrscheinlich wird Churchill sich dieses „Ehrendiplom" einrahmen lassen, weil es wohl das erstemal ist, daß Churchills Kriegspolitik von Moskau ein Lob erhielt. Es ist ein zweifelhaftes Lob: nachdem aber auch englischerseits ausdrücklich festgestellt wurde, daß zwischen Bolschewismus und britischem Kapitalismus kein Unterschied mehr besteht, so haben auch wir keinen Anlaß, ihm in der Einstufung seiner charakterlichen Qualitäten den Platz neben Stalin streitig zu machen. Ein Terrorist spricht einem andern Terroristen für besonders brutale Kriegführung seine Glückwünsche aus.
In der englischen Presse tobt sich demgemäß eine Art Blutrausch über die hohe Zahl von Opfern aus, die die britisch-amerikanischen Terrorangriffe unter der deutschen Bevölkerung fordern. Mit Wollust werden dabei die Opfer von Frauen und Kindern besonders hervorgehoben. Man erkennt die Wirkung der jüdischen Agitation, Ne in ihrem Haß die Ausrottung des deutschen Volkes verlangt. D«»r britische Znnismus. mit dem .während des ersten Weltkrieges die Hungerblockade gegen Greise, Frauen und Kinder in Deutschland durchgeführt wurde, entstammt der gleichen Wurzel innerer Verrohung wie die unmenschliche Methode, mit der England um die Jahrhundertwende Frauen und Kinder der Buren dahinschmachten ließ. Der britische Hungerkrieg von damals wie der britischamerikanische Terrorkrieg zur Luft von heute haben
Das tl-Aoot
Hauptproblem der feindlichen Kriegführung
Hauptstadt eines Großraums
Von unserem abs.-Korrespondenten.
Aufgaben nach Kriegsende an Bedeutung unge- : heuer gewinnen müssen.
Die Siebenmillionenstadt Tokio hat sich erstaun- 1 lich rasch in die Rolle der Zentrale für ganz Ost- asien hineingefunden. Heute erst zeigt sich in vollem ; Umfang die Weisheit des Beschlusses, mit dem nach ■ der Meiji-Restauration die Reichshauptstadt 1869 von der traditionellen kaiserlichen Residenz Kioto nach Yeddo verlegt wurde, welches gleichzeitig den Namen Tokio, d. h. „Oestliche Hauptstadt" erhielt. Im alten Kioto, das noch heute das Entzücken aller Iapanreisenden erweckt, treten die Bindungen an die aller Außenwelt abgekehrten Vergangenheit Japans viel stärker in Erscheinung als in Tokio, dessen Bewohner am wenigsten insular von allen Japanern sind. Das soll nicht heißen, daß die Einwohner Tokios weniger gute Japaner als die Mitbürger anderer Landesteile seien, aber bei ihnen ist dos starke Bewußtsein von ihren nationalen Aufgaben mit einer großen Kenntnis der Außenwelt und deshalb mit einer klaren Abschätzung der Erfordernisse gepaart, welche die politische Aufgabe dem japanischen Volke stellt.
Auch wirtschaftlich ist Tokio heute unzweifelhaft Japans führende Stadt, besonders seitdem die Bedeutung der hauptsächlich für den Export arbeitenden Fertigwarenindustrien im Gebiet um Osaka und Kobe vorübergehend von den Anforderungen an die Kriegsindustrie überschattet wurde und die Organisierung der Rüstungsproduktion eine straffe Zentralisierung bei ausschlaggebender Mitwirkung der Staatsbehörden erforderlich machte. Tokios wirtschaftliche Führerrolle auch im Großraum wird mehr und mehr anerkannt. Das zeigt sich auch in der Tatsache, daß die großen deutschen Handelsfirmen in China und anderen Großraumländern in steigender Zahl Niederlassungen in Tokio errichten und daß ihre leitenden Männer immer häufiger zwecks persönlicher Fühlungnahme mit den Zentral- instanzen Tokio aufsuchen.
An landschaftlichen und städtebaulichen Schönheiten kann Tokio mit ihrer Vorgängerin Kioto sich nicht messen. Es ist verhältnismäßig arm an historisch bedeutenden Baudenkmälern. Dabei ist zu bedenken, daß ein großer Teil der alten Stadt dem Erdbeben und Feuer von 1923 zum Opfer fiel. Nur der Kaiserpalast, der von breiten, mit zyklopischen Kaimauern einfaßten Kanälen umgeben ist und von dem der profane Blick nur einzelne Tore und Wälle und aus Gärten emporraaende, geschwungene, grüne Kupferdächer, die an buddhistische Tempel erinnern, mehr erahnt als erblickt, sowie die mit Papierlaternen und riesigen Ladenschildern geschmückten Gäßchen des volkstümlichen Stadtteiles Asakusa, erinnern noch an Alt-Yeddo. Dicht neben dem Palast aber erheben sich die modernen Ziegel- und Betongebäude der Ministerien, und unweit davon ragt der weiße Monumentalbau des Reichstages mit eigenartiger, viereckiger Mittelkuppel gen Himmel. In dem Viertel rings um Ginza, das vor dem Krieae Tokios Broadway genannt wurde, stehen achtstöckige Kaufhäuser amerikanischen Stils dicht neben traditionellen japanischen Restaurants, deren zierliche Holzbauten sich um mit Zwergbäumen ge- i*mü^te Gärtchen mit Lotosteichen gruppieren. Zwischen Ginza und dem Kaiserpalast liegt das Viertel der Großbanken und Handels- und In- dustrietonzerne. deren Verwaltungsbauten meift neoklassischen Stil zeigen. Säulen scheinen in Tokio Symbole der Hochfinanz zu sein. Auch die kleinste Bankfiliale ist kaum ohne Säulenpaar, beiderseits des Eingangs, denkbar, selbst wenn die ohitb lalsade dem landesüblichen Holzbau nur vorgeklebt f Die unvermittelten Kontraste zwischen der> herkömmlichen japanischen Bräuchen und westlichen Sitten und Einrichtungen zeigt Tokio nicht nur in seinen Bauten. Sie treten überall zutage. Die überwiegende Mehrheit der Bürger Tokios lebt m Häusern japanischen Stils, deren mattenbedeckte Böden nur nach Ablegung der Stiefel oder Holzsandalen auf Strympfen betreten we^en Durren und auf denen man ohne Stühle auf Kissen hockt. Andererseits sind die Büros aller Bebärben und Großsirmen rein westlich eingerichtet. Daraus er-
Tokio, Ende Februar.
„Die Hauptstadt des Großraumes", Tokio, ist heute nicht nur Hauptstadt des Japanischen Reiches, das einschließlich Korea, Formosa und Karafuto (die Südhälfte Sachalins) rund 100 Millionen Einwohner beherbergt, sondern zugleich politisches und wirtschaftliches Zentrum des ostasiatischen Groß- raumes. Japans Grohraumideal oder, um den japanischen Ausdruck zu gebrauchen, die Idee der „ostasiatischen Sphäre des gemeinsamen Wohlstandes", sieht vor, daß die einzelnen Teilgebiete nicht in Herrschende und Beherrschte entfallen, sondern alle Nationen der ostasiatischen Völkerfamilie als vollberechtigte Mitglieder der Gemeinschaft freie Beiträge zum Aufbau einer neuen, besseren Ordnung leisten und an den Früchten ihren angemessenen Anteil erhalten sollen. Dieses Ideal kann in der Praxis nicht ohne klare, straffe Führung verwirklicht werden.
Das Nervenzentrum dieser Führung liegt in Tokio. Zwar mögen infolge weitgehender Dezentralisierung der Verwaltung praktische Schwierigkeiten entstehen. In klarer Erkenntnis der zwischen den verschiedenen Großraumteilen vorläufig bestehenden, beträchtlichen Unterschiede des Volkstums, des Bildungsstandes und der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung wurden den Militärbehörden in den besetzten Gebieten große, exekutive Vollmachten ‘ übertragen. Die grundlegende Planung des künftigen Neuaufbaues, die Abgrenzung wirtschaftlicher Aufgaben und der Ausgleich natürlicher, vielfach überklappender oder widersprechender Interessen ist den Zentralbehörden in Tokio Vorbehalten. Der beste Beweis hierfür ist die Schöpfung eines besonderen Ministeriums für Großostasien, das heute schon für alle Großraumfragen in Zusammenarbeit mit den Wehrmachtsbehörden federführend ist und dessen
Die Marinedebatten im Unter- und Oberhaus! Die immer wiederkehrende Erklärung gehen nun schon seit Kriegsausbruch mit gedämpf- Errichtung der zweiten Front bisher tem Trommelklang über die politische Bühne. Selbst- U-Bnot-Gvfolaen aefcheitert ist. kommt I verständlich ist der englische Marineminister Alexander bemüht, seine Waffe in einem möglichst glänzenden Licht zu zeigen: die zahlreichen Abgeordneten, die in der Kriegsflotte gedient haben,, bilden den freundlichen Chor. Aber die Sprechweise dieser aktiven Vertreter der.Kriegsflotte oder ihrer früheren Offiziere ist doch wesentlich gedämpfter als die Lautstärke, mit der Churchill ober der USA- Marineminister Knox über das Thema zu sprechen pflegen. Die echten Sprecher der englischen oder der USA.-Kriegsflotte schenken ihren Landsleuten wenigstens einige Tropfen reinen Weines ein, damit ihre Zuhörer' das rechte Maß für die Anstrengungen der Kriegsflotten finden. Wir, die wir die Zähigkeit und Entsagungskraft unserer deutschen Seeleute, insbesondere unserer U-Bootbesatzungen bewundern, wollen gern zugeben, daß insbesondere die englische Kriegsflotte das Menschenmögliche tut. Nur hgben sich sowohl die waffentechnischen wie die allgemeinen operativen Grundlagen so sehr geändert, daß England nicht mehr zum Zug kommt, daß es nicht mehr glänzende Seeschlachten wie zu Nelsons ober gar zu Drakes Zeiten baoon trägt. So ist der Widersinn zu erklären, daß die englische Admiralität auf den Druck der Politiker hin seit Juni 1940 die Dersenkungs- ziffern der U-Boote verschweigt, aber jetzt zugibt, daß die Kriegsflotte als solche fünf Schlachtschiffe, sieben Flugzeugträger, 25 Kreuzer, 94 Zerstörer, 14 Korvetten, 44 U-Boote und Hunderte von Hilfsschiffen aller Art verloren hat. Ein arbeiterparteilicher Lord erklärte dazu: „Diese Aufzählung stellt ein e ebenso stolze w i e schreckliche Liste dar." Die Zusammenspannung der Eigenschaftsworte ebenso stolze wie schreckliche ist aufschlußreich. Sie setzt den Wunsch der englischen Marinekreise in grelles Licht, ihren Landsleuten wenigstens einen Maßstab für die großen Anstrengungen der eigenen Kriegs-
U-Boot-Erfolgen gescheitert ist, kommt dazu. „Times" hat nach der Rede Alexanders die Dinge auf die Formel zurückgeführt: „Der Krieg gegen bie U-Boote ist die H a u p tf ra g e, der die alliierten Streitkräfte heute zur See und in der Luft gegenüberstehen." Alexander hatte sich in seiner Rede sehr gewunden ausgedrückt, aber er hat doch sagen müssen, daß die Schiffswerften Mangel an Facharbeitern haben, und damit können sie ihre Aufgabe nicht erfüllen. Der ehemalige USA.-Präsident Hoover hat in der „New York Herakd Tribüne" rund heraus gesagt, mit der gegenwärtigen Tonnage könnten die Alliierten einen ernsthaften Angriff auf Europa überhaupt nicht unternehmen. Vielleicht erst 1945, vielleicht noch später, wenn die Hoffnungen, die U-Boote auszumerzen, bis dahin von Erfolg sein würden, augenblicklich hätte man jedenfalls noch kein Mittel dagegen gefunden. Und bann kommt eine Warnung. Hoover sagt, diese Meinung sei natürlich der der amerikanischen und englischen Admirale entgegengesetzt. „Aber wenn wir ihre Meinung befolgten, bann könnten wir ernsthaft das Rückgrat unseres Volkes an der Heimatfront brechen und damit einen allgemeinen Zusammenbruch herbeiführen!" Auch der „Philadelphia Jnquirer" meint, eine Aussicht für eine Landung in Europa sei nicht gegeben und verweist darauf, daß die alliierte Flotte zumindest doppelt so stark sein müßte, als sie gegenwärtig ist. Und schließlich kommt eine amerikanische Autorität, der Kommandeur der USA.-Streitkräfte in den europäischen Gewässern, Admiral Stark. Er sagte: „Wer die Tatsachen kennt, weiß, daß das U-Boot nach wie vor unser Hauptproblem ist. Jede Bewegung, die wir machen wollen, hängt von ausreichender Tonnage ab. Wenn wir der U-Boot-Gefahr nicht Herr werden, sind wir wie in einem Schweinestall ge°
Cmpiredämmerung.
Das britische Empire war noch in diesen Krieg gezogen als die ausgedehnteste politische Macht-- organisation, die die Weltgeschichte bis heute gekannt hat. Es umfaßte ein Viertel der Erdoberfläche und mehr als ein Viertel der Menschheit. Aber feine politische und wirtschaftliche Machtstellung hatte bereits im ersten Weltkrieg durch die erwiesene Unmöglichkeit, den Krieg ohne Hilfe der Vereinigten Staaten zu einem siegreichen Ende zu führen,'einen bemerkenswerten Abbruch erfahren. Wenn sie bisher auf der Seeherrschaft der englischen Flotte beruhte, so hatten die Seeschlachten des Weltkrieges bereits den Glauben an die Unbesiegbarkeit ber * grand fleet schwer erschüttert und nach dem Kriege präsentierten die Vereinigten Staaten den Wechsel für ihre Hilfe auf den Schlachtfeldern Nordfrankreichs in Gestalt der Forderung auf Gleichberechtigung zur See. Im Vertrag von Washington mußte England 1922 den Vereinigten Staaten die Flottenparität zugestehen. Der Anspruch auf absolute Überlegenheit der englischen Flotte über die beiden nächstgrößten Flotten der Welt, ein Anspruch, der ein wesentliches Moment für die britische Einkreisungspolitik gegen Deutschland und schließlich für* den Weltkrieg selbst gewesen war, war nun als Folge dieses Krieges für immer dahin. Er war verloren gegangen an den allzu mächtig gewordenen Bundesgenossen. Aber auch die wirtschaftliche Grundlage des Empire war ins Wanken geraten, denn das Hauptgläubigerland der Welt war durch den Weltkrieg zum Schuldner der Vereinigten Staaten geworden, die selber den Schritt vom Schuldner zum Weltbankier gemacht haben. Auch seine Stellung als erster Industriestaat der Welt, die ihm schon seit der Jahrhundertwende von Deutschland und den Vereinigten Staaten streitig gemacht worden mar, hatte England nach dem Weltkrieg an die USA. verloren. Aber als Besitzer gewaltiger Rohstoffquellen von zum Teil monopotartigem Charakter (Gummi) und Inhaber der Hälfte der Welttonnage war England noch immer eine wirtschaftliche Weltmacht von imponierender Große.
Freilich seine politische Linie zeichnete sich in den Nachkriegsjahren durch eine Unsicherheit aus, die seltsam abstach von der rücksichtslosen und selbstbewußten Ueberlegenheit der viktorianischen Aera. Die Umbildung zum British Commonwealth of Nations und der Uebergang vom Freihandel zum System der Vorzugszölle auf der Konferenz von Ottawa 1932 waren Lockerungen im Gefüge des Empire, die von den im Weltkrieg groß und selbständig gewordenen Dominions erzwungen worden waren. Man hat sie als weise Auffang-Methode, die weitergehenden Unabhängigkeitswün.fchen der Empirestaaten vorgebeugt habe, gepriesen. Aber es scheint, als ob es sich noch im Laufe dieses zweiten Weltkrieges zeigen wird, daß England mit dieser Methode die Entwicklung nicht hat abstoppen können. Denn wenn auch die Dominions gegen eine mehr oder minder starke Opposition nationalistischer Kreise in der Heimat wiederum ihren Blutzoll für den Krieg Englands entrichten und das Mutterland in die Lage versetzt haben, seine Feldzüge in Nordafrika und Ostasien im wesentlichen mit Truppen der Dominions zu führen, so hat doch die völlige Verschiebung des angelsächsischen Machtzentrums von London nach Washington und die Unfähigkeit Englands, seinen Tochterstaaten militärische und wirtschaftliche Hilfe zu leisten, den Loslösungsbestre» bungen der Dominions einen außerordentlichen Austrieb gegeben. Nimmt man dazu das ungelöste Problem Indien und die eigenartige Stellung, die sich Irland in einem tausendiährigen Freiheitskamps errungen hatte, ohne freilich schon am Ziel eines die ganze Insel beherrschenden, der britischen Fesseln gänzlich ledigen Staates zu sein, so muß man sagen, daß das Empire gegenüber 1914 mit einem erheblichen Debet an politischer und wirtschaftlicher Macht den zweiten Weltkrieg begann.
War es die verständnislose Ueberheblichkeit einer in überholten politischen Vorstellungen erstarrten Kaste, die die großartige und weitschauende Konzeption des Führers für ein deuifch-britisches Zusammengehen brüsk zurückwies, war es die Angst des schlechten Gewissens einer machtbesessenen Pluto-- kratenklasse, die ihre Stellung auf der Auspowerung des eigenen Volkes so gut wie der Volker des Empire gründet, vor der zündenden Kraft der neuen Idee eines sozialen Volksstaates, mochte dies oder jenes der tiefere Grund gewesen fein für die so ganz unfruchtbare und instinktlose Haltung der englischen
konnte. England konnte denn auch nach Ausbruch des von ihm an gebettelten Krieges nicht lange warten, um diese Waffe mit aller Rücksichtslosigkeit gegen die deutsche Zivilbevölkerung ein.zusetzen. Schon am 12. Januar 1940 erfolgte der erste britische Luftangriff auf Westerland. Im Mai und Juni begann die britische Luftwaffe auf Befehl Churchills mit der systematischen Bombardierung deutscher Städte. Wir haben, obgleich dieses wahnwitzige Unterfangen fortgesetzt wurde, immer wieder gewarnt. Und erst über ein Jahr später, am 19. Juni 1941, haben wir diese unmenschliche Herausforderung angenommen und zu- rückqeschlagen. Die Schläge waren so furchtbar, daß selbst englische Blätter diskutierten, ob sich die Sache „lohne", denn es sei doch offenkundig, daß durch den Terror aus der Luit gegen Zivilisten die strateaische Lage der Achsenmächte nicht gefährdet werde, dagegen wachse sicher der Haß gegen England riesengroß. Aber Churchill hörte nicht. Sein Terror kann Englands Geschick nicht wenden. Er findet das deutsche Volk nur härter, nur entschlossener und unbeugsamer. Jetzt hat England das erreicht, was es nicht wollte: Eine Nation von der Größe der deutschen, die stärkste des europäischen Kulturkreises, ist in unbeugsamem und entschlossenem Haß gegen England zusammengeschweißt. Deutschland wartet mit zusammengebissenen Zähnen auf den Tag der Abrechnung. Jede Sentimentalität richtet sich nur gegen das eigene Volk. Wir müssen von unfern Soldaten lernen, daß auch Haß stark macht. Wir wollen und müssen siegen, darum müssen wir kämpfen, arbeiten und — hassen!


