Ausgabe 
6.3.1943
 
Einzelbild herunterladen

195. Jahrgang Nr. 55

Erscheint täglich, anher Lonntags und feiertags

Beilagen:

Giehener ^amilienblätter Heimat imBild DieScholle

Bezugspreis:

Monatlich... RM.1.80

Zustellgebühr... -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Fernsvrechanschluh 2251 Drahtanschrift:Anzeiger" PosttcbeckL168k Franks. M.

Samstag, 6 / Sonntag,7. März 1945

ÄMJT Ä d §aM8tag.b /

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Lchriftleltung und Geschäftsstelle:

Gietzen, Zchulstratze 7-9

Druck und Verlag: vrühlsch e UniversitStrdruckerei H. Lange

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8' »UlirdesVormittagS

Anzcigen-Preise:

Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. ie mm bei 70 mm Zeilenbrertö

Nachlässe:

Wiederholung Malstaffel I AbschlüsseMengenstaffelR Blabvorschrift ivorherig«: Vereinbarung) 25"»mehr

Die immer wiederkehrende Erklärung, daß

an

fangen/

flotte zu geben.

Eine große Zeit fordert starke Herzen

die den Die

gibt sich, daß ein berufstätiger Mann tagsüber nor­malerweise europäisch gekleidet ist und nach Feier­abend diesen Arbeitsanzug mit der bequemen und in der Sommerhitze auch bei Tage vielfach bevor­zugten, einheimischen Tracht vertauscht, die durch die Schönheit der Farbe und Muster alle'ausländi- chen Gewänder in den Schatten stellt. Die Ver- uche, eine größere Uniformierung der Frauenklei- )ung mit zweckmäßigerem Schnitt durchzuführen, haben nur begrenzte Ergebnisse erzielt.

Tokio ist eine sehr solide Stadt. Spätestens um 11 Uhr abends liegen seine Bewohner im Bett oder, richtiger gesagt, auf der Matte. Restaurants, Bars und Bierhallen schließen um 10 Uhr, Theater und Kinos eine halbe Stunde früher. Wer nach Mitter­nacht auf der Straße ist, muß damit rechnen, von einem der zahlreichen Polizeiposten nach Persona­lien und Zweck und Ziel des Weges befragt zu werden. Tokio hat den Ruf, die. sicherste und an Verbrechen ärmste Großstadt der Welt zu sein. Ein großstädtisches Nachtleben gibt es in Tokio heute nicht. Soweit es in sehr beschränktem Maße in Frie­denszeiten bestand, ist es seit Beginn des China­konfliktes nach und nach abgebaut worden. Die Ortseingesessenen scheinen es nicht zu vermissen. Man hat Tokiodie Stadt der 100 000 Läden" ge­nannt. Wir haben sie nicht gezählt, aber es gibt

wohl keine zweite Stadt mit gleichviel Läden vom riesigen Kaufhaus bis zu den kleinsten Duden, die vielfach noch mit der Werkstatt verbunden sind. Darin stellt die gesamte Familie in Heimarbeit Waren her, die gleich an Ort und Stelle zum Ver­kauf stehen. Allen gemeinsam ist die Erscheinung, daß ihre Warenlager für ein Land mitten im Kriege noch erstaunlich reichhaltig sind. Auch Japan befin­det sich in einem großen Konzentraüonsprozeß seiner Wirtschaft, um den Anforderungen der Krieg­führung zu genügen, genießt aber mittlerweile noch den Vorteil, daß bis in die Gegenwart hinein sich unzählige Kleinbetriebe aller Art in Industrie, Ge­werbe und Handel erhalten haben, deren Lager wertvolle Materialreserven bilden.

Im zweiten Jahre des Ostasienkrieges nimmt das tägliche Leben der Hauptstadt des Großraumes seinen gewohnten, gleichmäßigen Gang. Aeußerlich hat der große Krieg Tokios Gesicht kaum verändert. Es ist allerdings zu bedenken, daß die Siebenmil­lionenstadt bereits früher, bald nach Ausbruch des Chinakonfliktes, das Kriegsgewand anlegte und den Leibriemen enger schnallte. Die Kost ist ein wenig frugaler geworden, aber eine gesunde, kräftige Nah­rung ist für jedermann vorhanden. Kleinere Ent­behrungen werden von allen willig getragen in der Ueberzeugung, daß, gleichgültig, wie lange der Krieg dauern mag, mit jedem Tag der Augenblick näherrückt, in dem unter Tokios Führung der friedliche Aufbau derSphäre des gemeinsamen Wohlstandes" im Ernst beginnen kann.

den gleichen Anlaß und das gleiche Ziel: Weil die Briten sich auf dem Schlachtfeld den deutschen Sol­daten und der deutschen Führung unterlegen fühlen, erhoffen sie durch Terror die Bevölkerung zu zer­mürben und damit die deutsche Kampfkraft entschei­dend schwächen zu können. Das ist ein Trugschluß. Das deutsche Volk steht im totalen Krieg. Die Be­völkerung der von den britischen Terrorangriffen betroffenen Städte beweist Tag für Tag durch eine der Front ebenbürtige Haltung, daß man mit Ter­ror das deutsche Volk niemals auf die Knie zu zwin­gen vermag. Im LondonerDaily Herold" hat ein Flieger, der an den letzten Terrorangriffen gegen Deutschland mitwirkte, gesagt, die deutsche Entschlos­senheit in der Abwehr der Luftangriffe sei gerade­zuunglaublich", das Blatt solle doch seinen Lesern mitteilen, daß alle Deutschen unnachgiebig und zäh seien, und die Berichte des neutralen Auslandes über diese Terrormaßnahmen bestätigen das, was all- Welt w-: diese Bombardierungen haben einen glühenden Haß. sie haben nur den einen Willen geweckt, den Urhebern dieser Verbrechen gegen Zivilisten den Terror heimzuzahlen.

Der Führer hat in seinen wiederholten Abrü­stungsvorschlägen an England und Frankreich das Verbot des Luftkrieges gegen die Zivilbevölkerung der kriegführenden Staaten an die erste Stelle ge­rückt. England hat diese Vorschläge, die auf eine Humanisierung des Krieges und auf seine Begren­zung auf die kämpfende Truppe hinwirken wollten, regelmäßig abgelehnt. Er wußte, warum. Damals besaß Deutschland noch keinerlei militärische Luft­verbände. Die übrigen europäischen Großmächte hat­ten dagegen einen so erheblichen Vorsprung, daß er ihrer Meinung nach nicht mehr eingeholt werden

Der britische Lustterror zerschellt am deutschen Abwehrwillen

Auch Haß macht stark.

Churchill erhielt soeben von Stalin- ein An­erkennungstelegramm für die britischen Ter­rorangriffe auf deutsche Städte. Wahr­scheinlich wird Churchill sich diesesEhrendiplom" einrahmen lassen, weil es wohl das erstemal ist, daß Churchills Kriegspolitik von Moskau ein Lob er­hielt. Es ist ein zweifelhaftes Lob: nachdem aber auch englischerseits ausdrücklich festgestellt wurde, daß zwischen Bolschewismus und britischem Kapi­talismus kein Unterschied mehr besteht, so haben auch wir keinen Anlaß, ihm in der Einstufung seiner charakterlichen Qualitäten den Platz neben Stalin streitig zu machen. Ein Terrorist spricht einem andern Terroristen für besonders brutale Kriegführung seine Glückwünsche aus.

In der englischen Presse tobt sich demgemäß eine Art Blutrausch über die hohe Zahl von Opfern aus, die die britisch-amerikanischen Terrorangriffe unter der deutschen Bevölkerung fordern. Mit Wollust werden dabei die Opfer von Frauen und Kindern besonders hervorgehoben. Man erkennt die Wirkung der jüdischen Agitation, Ne in ihrem Haß die Ausrottung des deutschen Volkes verlangt. D«»r britische Znnismus. mit dem .während des ersten Weltkrieges die Hungerblockade gegen Greise, Frauen und Kinder in Deutschland durchgeführt wurde, entstammt der gleichen Wurzel innerer Ver­rohung wie die unmenschliche Methode, mit der England um die Jahrhundertwende Frauen und Kinder der Buren dahinschmachten ließ. Der bri­tische Hungerkrieg von damals wie der britisch­amerikanische Terrorkrieg zur Luft von heute haben

Das tl-Aoot

Hauptproblem der feindlichen Kriegführung

Hauptstadt eines Großraums

Von unserem abs.-Korrespondenten.

Aufgaben nach Kriegsende an Bedeutung unge- : heuer gewinnen müssen.

Die Siebenmillionenstadt Tokio hat sich erstaun- 1 lich rasch in die Rolle der Zentrale für ganz Ost- asien hineingefunden. Heute erst zeigt sich in vollem ; Umfang die Weisheit des Beschlusses, mit dem nach der Meiji-Restauration die Reichshauptstadt 1869 von der traditionellen kaiserlichen Residenz Kioto nach Yeddo verlegt wurde, welches gleichzeitig den Namen Tokio, d. h.Oestliche Hauptstadt" erhielt. Im alten Kioto, das noch heute das Entzücken aller Iapanreisenden erweckt, treten die Bindungen an die aller Außenwelt abgekehrten Vergangenheit Ja­pans viel stärker in Erscheinung als in Tokio, des­sen Bewohner am wenigsten insular von allen Ja­panern sind. Das soll nicht heißen, daß die Ein­wohner Tokios weniger gute Japaner als die Mit­bürger anderer Landesteile seien, aber bei ihnen ist dos starke Bewußtsein von ihren nationalen Auf­gaben mit einer großen Kenntnis der Außenwelt und deshalb mit einer klaren Abschätzung der Er­fordernisse gepaart, welche die politische Aufgabe dem japanischen Volke stellt.

Auch wirtschaftlich ist Tokio heute unzweifelhaft Japans führende Stadt, besonders seitdem die Be­deutung der hauptsächlich für den Export arbei­tenden Fertigwarenindustrien im Gebiet um Osaka und Kobe vorübergehend von den Anforderungen an die Kriegsindustrie überschattet wurde und die Organisierung der Rüstungsproduktion eine straffe Zentralisierung bei ausschlaggebender Mitwirkung der Staatsbehörden erforderlich machte. Tokios wirtschaftliche Führerrolle auch im Großraum wird mehr und mehr anerkannt. Das zeigt sich auch in der Tatsache, daß die großen deutschen Handels­firmen in China und anderen Großraumländern in steigender Zahl Niederlassungen in Tokio errichten und daß ihre leitenden Männer immer häufiger zwecks persönlicher Fühlungnahme mit den Zentral- instanzen Tokio aufsuchen.

An landschaftlichen und städtebaulichen Schön­heiten kann Tokio mit ihrer Vorgängerin Kioto sich nicht messen. Es ist verhältnismäßig arm an histo­risch bedeutenden Baudenkmälern. Dabei ist zu be­denken, daß ein großer Teil der alten Stadt dem Erd­beben und Feuer von 1923 zum Opfer fiel. Nur der Kaiserpalast, der von breiten, mit zyklopischen Kai­mauern einfaßten Kanälen umgeben ist und von dem der profane Blick nur einzelne Tore und Wälle und aus Gärten emporraaende, geschwungene, grüne Kupferdächer, die an buddhistische Tempel erinnern, mehr erahnt als erblickt, sowie die mit Papier­laternen und riesigen Ladenschildern geschmückten Gäßchen des volkstümlichen Stadtteiles Asakusa, erinnern noch an Alt-Yeddo. Dicht neben dem Pa­last aber erheben sich die modernen Ziegel- und Be­tongebäude der Ministerien, und unweit davon ragt der weiße Monumentalbau des Reichstages mit eigenartiger, viereckiger Mittelkuppel gen Himmel. In dem Viertel rings um Ginza, das vor dem Krieae Tokios Broadway genannt wurde, stehen achtstöckige Kaufhäuser amerikanischen Stils dicht neben traditionellen japanischen Restaurants, deren zierliche Holzbauten sich um mit Zwergbäumen ge- i*^te Gärtchen mit Lotosteichen gruppieren. Zwischen Ginza und dem Kaiserpalast liegt das Viertel der Großbanken und Handels- und In- dustrietonzerne. deren Verwaltungsbauten meift neoklassischen Stil zeigen. Säulen scheinen in Tokio Symbole der Hochfinanz zu sein. Auch die kleinste Bankfiliale ist kaum ohne Säulenpaar, beiderseits des Eingangs, denkbar, selbst wenn die ohitb lalsade dem landesüblichen Holzbau nur vorgeklebt f Die unvermittelten Kontraste zwischen der> her­kömmlichen japanischen Bräuchen und westlichen Sitten und Einrichtungen zeigt Tokio nicht nur in seinen Bauten. Sie treten überall zutage. Die über­wiegende Mehrheit der Bürger Tokios lebt m Häusern japanischen Stils, deren mattenbedeckte Böden nur nach Ablegung der Stiefel oder Holz­sandalen auf Strympfen betreten we^en Durren und auf denen man ohne Stühle auf Kissen hockt. Andererseits sind die Büros aller Bebärben und Großsirmen rein westlich eingerichtet. Daraus er-

Tokio, Ende Februar.

Die Hauptstadt des Großraumes", Tokio, ist heute nicht nur Hauptstadt des Japanischen Reiches, das einschließlich Korea, Formosa und Karafuto (die Südhälfte Sachalins) rund 100 Millionen Ein­wohner beherbergt, sondern zugleich politisches und wirtschaftliches Zentrum des ostasiatischen Groß- raumes. Japans Grohraumideal oder, um den ja­panischen Ausdruck zu gebrauchen, die Idee der ostasiatischen Sphäre des gemeinsamen Wohlstan­des", sieht vor, daß die einzelnen Teilgebiete nicht in Herrschende und Beherrschte entfallen, sondern alle Nationen der ostasiatischen Völkerfamilie als vollberechtigte Mitglieder der Gemeinschaft freie Beiträge zum Aufbau einer neuen, besseren Ord­nung leisten und an den Früchten ihren angemesse­nen Anteil erhalten sollen. Dieses Ideal kann in der Praxis nicht ohne klare, straffe Führung verwirk­licht werden.

Das Nervenzentrum dieser Führung liegt in To­kio. Zwar mögen infolge weitgehender Dezentra­lisierung der Verwaltung praktische Schwierigkeiten entstehen. In klarer Erkenntnis der zwischen den verschiedenen Großraumteilen vorläufig bestehen­den, beträchtlichen Unterschiede des Volkstums, des Bildungsstandes und der politischen und wirtschaft­lichen Entwicklung wurden den Militärbehörden in den besetzten Gebieten große, exekutive Vollmachten übertragen. Die grundlegende Planung des künfti­gen Neuaufbaues, die Abgrenzung wirtschaftlicher Aufgaben und der Ausgleich natürlicher, vielfach überklappender oder widersprechender Interessen ist den Zentralbehörden in Tokio Vorbehalten. Der beste Beweis hierfür ist die Schöpfung eines besonderen Ministeriums für Großostasien, das heute schon für alle Großraumfragen in Zusammenarbeit mit den Wehrmachtsbehörden federführend ist und dessen

Die Marinedebatten im Unter- und Oberhaus! Die immer wiederkehrende Erklärung gehen nun schon seit Kriegsausbruch mit gedämpf- Errichtung der zweiten Front bisher tem Trommelklang über die politische Bühne. Selbst- U-Bnot-Gvfolaen aefcheitert ist. kommt I verständlich ist der englische Marineminister Alex­ander bemüht, seine Waffe in einem möglichst glänzenden Licht zu zeigen: die zahlreichen Abge­ordneten, die in der Kriegsflotte gedient haben,, bil­den den freundlichen Chor. Aber die Sprechweise dieser aktiven Vertreter der.Kriegsflotte oder ihrer früheren Offiziere ist doch wesentlich gedämpfter als die Lautstärke, mit der Churchill ober der USA- Marineminister Knox über das Thema zu sprechen pflegen. Die echten Sprecher der englischen oder der USA.-Kriegsflotte schenken ihren Landsleuten we­nigstens einige Tropfen reinen Weines ein, damit ihre Zuhörer' das rechte Maß für die Anstrengungen der Kriegsflotten finden. Wir, die wir die Zähigkeit und Entsagungskraft unserer deutschen Seeleute, ins­besondere unserer U-Bootbesatzungen bewundern, wollen gern zugeben, daß insbesondere die englische Kriegsflotte das Menschenmögliche tut. Nur hgben sich sowohl die waffentechnischen wie die allgemeinen operativen Grundlagen so sehr geändert, daß Eng­land nicht mehr zum Zug kommt, daß es nicht mehr glänzende Seeschlachten wie zu Nelsons ober gar zu Drakes Zeiten baoon trägt. So ist der Widersinn zu erklären, daß die englische Admiralität auf den Druck der Politiker hin seit Juni 1940 die Dersenkungs- ziffern der U-Boote verschweigt, aber jetzt zugibt, daß die Kriegsflotte als solche fünf Schlachtschiffe, sieben Flugzeugträger, 25 Kreuzer, 94 Zerstörer, 14 Korvetten, 44 U-Boote und Hunderte von Hilfsschif­fen aller Art verloren hat. Ein arbeiterparteilicher Lord erklärte dazu:Diese Aufzählung stellt ein e ebenso stolze w i e schreckliche Liste dar." Die Zusammenspannung der Eigenschaftsworte eben­so stolze wie schreckliche ist aufschlußreich. Sie setzt den Wunsch der englischen Marinekreise in grelles Licht, ihren Landsleuten wenigstens einen Maßstab für die großen Anstrengungen der eigenen Kriegs-

U-Boot-Erfolgen gescheitert ist, kommt dazu. Times" hat nach der Rede Alexanders die Dinge auf die Formel zurückgeführt:Der Krieg gegen bie U-Boote ist die H a u p tf ra g e, der die alliier­ten Streitkräfte heute zur See und in der Luft gegenüberstehen." Alexander hatte sich in seiner Rede sehr gewunden ausgedrückt, aber er hat doch sagen müssen, daß die Schiffswerften Mangel an Facharbeitern haben, und damit können sie ihre Aufgabe nicht erfüllen. Der ehemalige USA.-Präsi­dent Hoover hat in derNew York Herakd Tribüne" rund heraus gesagt, mit der gegenwärtigen Ton­nage könnten die Alliierten einen ernsthaften An­griff auf Europa überhaupt nicht unternehmen. Vielleicht erst 1945, vielleicht noch später, wenn die Hoffnungen, die U-Boote auszumerzen, bis dahin von Erfolg sein würden, augenblicklich hätte man jedenfalls noch kein Mittel dagegen gefunden. Und bann kommt eine Warnung. Hoover sagt, diese Meinung sei natürlich der der amerikanischen und englischen Admirale entgegengesetzt.Aber wenn wir ihre Meinung befolgten, bann könnten wir ernsthaft das Rückgrat unseres Volkes an der Hei­matfront brechen und damit einen allgemeinen Zu­sammenbruch herbeiführen!" Auch derPhiladelphia Jnquirer" meint, eine Aussicht für eine Landung in Europa sei nicht gegeben und verweist darauf, daß die alliierte Flotte zumindest doppelt so stark sein müßte, als sie gegenwärtig ist. Und schließlich kommt eine amerikanische Autorität, der Komman­deur der USA.-Streitkräfte in den europäischen Ge­wässern, Admiral Stark. Er sagte:Wer die Tatsachen kennt, weiß, daß das U-Boot nach wie vor unser Hauptproblem ist. Jede Bewegung, die wir machen wollen, hängt von ausreichender Ton­nage ab. Wenn wir der U-Boot-Gefahr nicht Herr werden, sind wir wie in einem Schweinestall ge°

Cmpiredämmerung.

Das britische Empire war noch in diesen Krieg gezogen als die ausgedehnteste politische Macht-- organisation, die die Weltgeschichte bis heute ge­kannt hat. Es umfaßte ein Viertel der Erdober­fläche und mehr als ein Viertel der Menschheit. Aber feine politische und wirtschaftliche Machtstel­lung hatte bereits im ersten Weltkrieg durch die erwiesene Unmöglichkeit, den Krieg ohne Hilfe der Vereinigten Staaten zu einem siegreichen Ende zu führen,'einen bemerkenswerten Abbruch erfahren. Wenn sie bisher auf der Seeherrschaft der englischen Flotte beruhte, so hatten die Seeschlachten des Welt­krieges bereits den Glauben an die Unbesiegbarkeit ber * grand fleet schwer erschüttert und nach dem Kriege präsentierten die Vereinigten Staaten den Wechsel für ihre Hilfe auf den Schlachtfeldern Nord­frankreichs in Gestalt der Forderung auf Gleich­berechtigung zur See. Im Vertrag von Washington mußte England 1922 den Vereinigten Staaten die Flottenparität zugestehen. Der Anspruch auf absolute Überlegenheit der englischen Flotte über die beiden nächstgrößten Flotten der Welt, ein Anspruch, der ein wesentliches Moment für die britische Einkrei­sungspolitik gegen Deutschland und schließlich für* den Weltkrieg selbst gewesen war, war nun als Folge dieses Krieges für immer dahin. Er war ver­loren gegangen an den allzu mächtig gewordenen Bundesgenossen. Aber auch die wirtschaftliche Grund­lage des Empire war ins Wanken geraten, denn das Hauptgläubigerland der Welt war durch den Welt­krieg zum Schuldner der Vereinigten Staaten ge­worden, die selber den Schritt vom Schuldner zum Weltbankier gemacht haben. Auch seine Stellung als erster Industriestaat der Welt, die ihm schon seit der Jahrhundertwende von Deutschland und den Vereinigten Staaten streitig gemacht worden mar, hatte England nach dem Weltkrieg an die USA. verloren. Aber als Besitzer gewaltiger Rohstoff­quellen von zum Teil monopotartigem Charakter (Gummi) und Inhaber der Hälfte der Welttonnage war England noch immer eine wirtschaftliche Welt­macht von imponierender Große.

Freilich seine politische Linie zeichnete sich in den Nachkriegsjahren durch eine Unsicherheit aus, die seltsam abstach von der rücksichtslosen und selbst­bewußten Ueberlegenheit der viktorianischen Aera. Die Umbildung zum British Commonwealth of Nations und der Uebergang vom Freihandel zum System der Vorzugszölle auf der Konferenz von Ottawa 1932 waren Lockerungen im Gefüge des Empire, die von den im Weltkrieg groß und selb­ständig gewordenen Dominions erzwungen worden waren. Man hat sie als weise Auffang-Methode, die weitergehenden Unabhängigkeitswün.fchen der Em­pirestaaten vorgebeugt habe, gepriesen. Aber es scheint, als ob es sich noch im Laufe dieses zweiten Weltkrieges zeigen wird, daß England mit dieser Methode die Entwicklung nicht hat abstoppen können. Denn wenn auch die Dominions gegen eine mehr oder minder starke Opposition nationalistischer Kreise in der Heimat wiederum ihren Blutzoll für den Krieg Englands entrichten und das Mutterland in die Lage versetzt haben, seine Feldzüge in Nord­afrika und Ostasien im wesentlichen mit Truppen der Dominions zu führen, so hat doch die völlige Verschiebung des angelsächsischen Machtzentrums von London nach Washington und die Unfähigkeit Englands, seinen Tochterstaaten militärische und wirtschaftliche Hilfe zu leisten, den Loslösungsbestre» bungen der Dominions einen außerordentlichen Aus­trieb gegeben. Nimmt man dazu das ungelöste Pro­blem Indien und die eigenartige Stellung, die sich Irland in einem tausendiährigen Freiheitskamps errungen hatte, ohne freilich schon am Ziel eines die ganze Insel beherrschenden, der britischen Fesseln gänzlich ledigen Staates zu sein, so muß man sagen, daß das Empire gegenüber 1914 mit einem erheb­lichen Debet an politischer und wirtschaftlicher Macht den zweiten Weltkrieg begann.

War es die verständnislose Ueberheblichkeit einer in überholten politischen Vorstellungen erstarrten Kaste, die die großartige und weitschauende Kon­zeption des Führers für ein deuifch-britisches Zu­sammengehen brüsk zurückwies, war es die Angst des schlechten Gewissens einer machtbesessenen Pluto-- kratenklasse, die ihre Stellung auf der Auspowerung des eigenen Volkes so gut wie der Volker des Em­pire gründet, vor der zündenden Kraft der neuen Idee eines sozialen Volksstaates, mochte dies oder jenes der tiefere Grund gewesen fein für die so ganz unfruchtbare und instinktlose Haltung der englischen

konnte. England konnte denn auch nach Ausbruch des von ihm an gebettelten Krieges nicht lange war­ten, um diese Waffe mit aller Rücksichtslosigkeit ge­gen die deutsche Zivilbevölkerung ein.zusetzen. Schon am 12. Januar 1940 erfolgte der erste britische Luft­angriff auf Westerland. Im Mai und Juni begann die britische Luftwaffe auf Befehl Churchills mit der systematischen Bombardierung deutscher Städte. Wir haben, obgleich dieses wahnwitzige Unterfangen fort­gesetzt wurde, immer wieder gewarnt. Und erst über ein Jahr später, am 19. Juni 1941, haben wir diese unmenschliche Herausforderung angenommen und zu- rückqeschlagen. Die Schläge waren so furchtbar, daß selbst englische Blätter diskutierten, ob sich die Sache lohne", denn es sei doch offenkundig, daß durch den Terror aus der Luit gegen Zivilisten die strateaische Lage der Achsenmächte nicht gefährdet werde, dage­gen wachse sicher der Haß gegen England riesengroß. Aber Churchill hörte nicht. Sein Terror kann Eng­lands Geschick nicht wenden. Er findet das deutsche Volk nur härter, nur entschlossener und unbeugsa­mer. Jetzt hat England das erreicht, was es nicht wollte: Eine Nation von der Größe der deutschen, die stärkste des europäischen Kulturkreises, ist in un­beugsamem und entschlossenem Haß gegen England zusammengeschweißt. Deutschland wartet mit zu­sammengebissenen Zähnen auf den Tag der Abrech­nung. Jede Sentimentalität richtet sich nur gegen das eigene Volk. Wir müssen von unfern Soldaten lernen, daß auch Haß stark macht. Wir wollen und müssen siegen, darum müssen wir kämpfen, arbeiten und hassen!