2nitiorr, 20. SuFf. (Wolff.) Irr der Antwort der Ltcglischeu Regierung an T s ch i t s ch e r i n, die Lloyd George im Untcr- hause verlas, heißt es weiter, daß bezüglich de-.' Zweckes der Zusammenkunft in London und oezüalich der dazu einzuladenden Mächte und de-r hauptsächlichsten Fragen, die zur Er- öcic-rung kommen, teilte Zweifel bestehen sollten. Die letzten beiden Telegramme der ^owj . tregierung ließen jedoch einige Zweifel bezüglich dieser Punkte aufkommen. Während nämlich das Telegramm vom 19. Juli die Te i lnähme der Alliierten an den Frieden-:Verhandlungen zwischen Rußland u n d P o l e n und den.benachbarten/Regierun- gen abzulehnen scheine, stimme das letzte Telegramm anscheinend der Teilnah medieserRegierungenan den Verhandlungen zu. Die englische Regierung halte es für gut, wenn die Beratungen zwischen den Alliierten und der Sowjetregierung einige Aussicht auf Erfolg haben sollten, daß die Vertreter Polens und der in Frage kommenden Randstaaten auch dabei vertreten sein müßten. Der Hauptzweck der Konferenz solle die Wiederherstellung dos Friedens in Europa sein und zwar in erster Linie zwischen Sowjetrußland und Polen, auf .Grund von Bedingungen, die die Unabhängigkeit Polens sicherstellen und den berechtigten Interessen der beiden Länder Rechnung tragen. Die Konferenz solle auch noch schweben Fragen zwischen Sowjetrußland und den Randstaaten beraten, die noch nicht endgültig mit Rußland Frieden geschlossen haben. Nach Regelung dieser Fragen tonne die Konferenz dazu übergehen, sich mit den zwischen Rußland und den Alliierten schwebenden Streitfragen und der Wiederherstellung normaler Beziehungen zwischen ihnen befassen.
London, 29. Juli. (Wolff.) Außer der von Lloyd George im Unterhause verlesenen Depesche ist am 26. Juli an Rußland eine weitere wichtige Depesche abgegangen, deren Text heute abend veröffentlicht wurde. Die englische Regierung erklärt sich darin bereit, unter Bezugnahme auf Rußlands Antwort über das Waffenstillstandsangebot die Reise Kamenews, K r a s s i n s und M i l j u t i n s zu erleichtern, und schlägt vor, daß die Genannten ermächtigt werden sollen, nicht nur Mer die Handelsbeziehungen, sondern auch über vorläufige Abmachungen wegen der in Aussicht genommenen Friedenskonferenz zu beraten.Die Depesche bestreitet jede Verantwortlichkeit für die Offensive des Generals W r a n g e l und teilt mit, daß die englische Regierung von der Erklärung der russischen Regierung ut Kenntnis gesetzt habe.
Mus der französischen Kammer.
Paris, 30. Juli. (Wolff.) Nachdem der Arbeitsausschuß der Kammer gestern mit 14 gegen 6 Stimmen bfei 5 Stimmenthaltungen den ersten Artikel des Antrages der Regierung betreffs Gewährung eines Vorschusses an Deutschland auf Grund des Koh lenab kommens von Spaa abgelehnt hatte, ivurde ein Berichterstatter er- umrnt, der fyeute im Plenum der Kammer Bericht über die Vorlage erstatten wird. Inzwischen ist der Gesamterrtwurf im Hauptausschuß für auswärtige Angelegenheiten zur Kemttnis genommen worden und hat dieser Ausschuß den Antrag mit 15 gegen 7 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen angenommen. Auch dieser Ausschuß hat einen Berichterstatter für die heutige Vollsitzung der Kammer ernannt. Da die Angelegenheit heute vor der Kammer verhandelt wird, so ist als sicher anzunehmen, daß der Antrag unter diesen Umständen sicher angenommen werden wird.
Paris, 30. Juli. (WTB.) Die Kammer hat mit 393 gegen 83 Stimmen dm Gesetzent- wurf der Regierung, der die Durchführung des Kohlenabkommens von Spaa vorsieht, angenommen. Damit sind auch die von der sranzösisckzen Regierung an Deutschland zu leisten - den Vorschüsse zur Bezahlung von Nahrungsmitteln bewilligt worden.
Paris, 30. Juli. (WTB.) In der heutigen Nachmittagssitznng der Kammer wurde über den Gesetzentwurf, der die französische Negierung autorisiert, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um das Protokoll von Spaa vom 12. Juli 1920 zur 2lusführung zu bringen, be- ratm. Der Berickchrstaiter Bekanowfki erklärte, es sei unmöglich, daß Frankreich irgend emen 4/eu der Verpflichtungen übernehme, die der Vertrag von Versailles Deutschland auferlege. Frankreich könne die Vorschüsse nicht leisten. Deshalb könne die Finanzko mmis sio n der Kammer nicht anraten, dm vocgelegtm Gesetzentwurf anzunehmm.
Für den Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten berichtet alsdann der Abg. R o l l l n. Nach seiner Ansicht erläuterte das Abkommen von Boulognc in glücklicher Weise das Abkommen von Spaa. Millerand habe seine pa- trwtifche Pflicht erfüllt. Tie Tatsacte, daß Frankreich Deutschland Vorschüsse leisten solle, verletze das 0-cüihl der Gerechtigkeit stark. Frankreich habe mck der mglcschm Allianz zu rechnen. Sie dürfe allerdings nicht mit dem Verzicht auf Rechte bezahlt iverden. Tie Zurückweisung der Kvnzessio- v.en würde unberechenbare Folgen haben. Deshalb sei es notwendig, dm Ministerpräsidenten für die noch kommenden Verhandlungen durch das Vertrauen der Kammer zu unterstützen.
Die Kammer trat nach dieser Reoc in die Diskussion ein. Ministerpräsid.mt MiNerand erklärte u. a.: W.nn man jetzt sich iwigerc, den Geictzmtwurf ailzunehmen und die französische Verpstichtung, Vorschüsse zu leistm, verneint, dann werde auch das Kohl.nprotokvll hinfällig, durch bat. sich Deutschland vcrpslickKet, monatlich zwei Millionen Tonnen Kohlen zu liefern, und damit falle auch die Klause!, durch die Deutschland be droht sei, wenn es bis zu einem geroif en Zeit Punkt nicht sechs Millionen Tonneu Kohlen r liefert habe: die Besetzung des Ruhrgebtzt die Verwerfung des Protokoll^ entziehe Belgien und Italien die Kohle.
hessische Volkskammer.
Darmstadt, 30. Juli.
Pväsidettt Adelung eröffnet die Sitzung um 9,35 Uhr. Bei Kap. 49, Volksschulen, w^rd auch oas Notgesctz, bctr. Aenderung des Voltsichul- gcsetzes, beraten. — Abg. Reiber (Tem.): Erteilung des religiösett Uttterrichts soll der Lsrt- lenserilärung der Lehrer, die Teilnahme an relr- giösen Äultursächcrn der Willenserklärung teui- jenigen überUifien fein, der über Die religiöse Erziehung des Kindes zu bestimmen hat Lehrer lötuten auch zu Mitgliedern der Kreis schulkorn- utission und Vvlksschullchrer zu Vvrsrtzeiweit des Schulvorstandes gctoälstt bzw. ernannt ,verden. Die Strafsätze für uneutschuldigte Versäumniye toer- den bei den VvlSschulen auf dm fünffachen, tm übrigen auf dett zehnfachen Betrag erhöht. Auch sollen verheiratete Lehrerinnen bis zur endgültigen Regelung des Doll'sschulgesehes im Sckwldicnst te- (hfllten werden. — Gegen letztere Bestimmung hat sich die Regierung entschieden ausgesprochen.
Abg. Kaul (Soz.) findet, daß auch im Schul- nnnisterium vielfach noch der Geheimratsgnst schwebt und bringt die Fälle in Mörfelden uttb an der Blindenanstalt in Friedberg zur Sprache. Der Redner begründet dann das Volt'sschulnvtgeiey. Trotz des ablehnenden Standparnktes der Regierung iverde man für die Weil-erbeschäftigung der verheirateten Lehrerinnen bis zur endgültigen Regelung der Schulreform eintreten. Der Bolksschul- lehrer solle ebenfalls akademische Vorbildung er- 'halten, die bcsonderm Schulen seien nicht nühg.
Abg. Loos (Dem.) bedauert, daß der Abg. Brauer dem Volksschullehrer nicht das Recht akademischer Bildung zuspreche. Für die Lehrervor- bildung müsse ein gemeinsamer Boden gesä)affen iverden. Als Verttcter der Einheitsschule ist er Gegner der Schulgelderhöhung. Auch müssen die Lehrer im Schulvorstand und in der Kretsschul- kommissivn sein. Ebmso müsse dem Lehrer seine politische Freiheit nach jeder Richtung gewahrt werden.
Abg. Schorn (Zentr.) hat mit der Regierung Bedenken gegen die Zulassung verheirateter Lehrerinnen zum Schuldienst. Er müsse auch der Anschauung des Abg. Brauer widersprechen, daß der Lehrer auf dem Lande bei den neuen Gehältern große Ersparnisse machen könne. Der Vergleich mit den schlechter gestellten Reichsbeamten sei mcht angebrackst. Die Lehrtätigkeit sei früher auch viel zu gering bewertet worden, auch die Vorbereitung und die Korrekturen werden oft übersehen. Vielfach werde das früher arme Dorfschulmeisterlein, das sich jetzt emporgerungen habe, beneidet. Wichtig sei es auch, an den kleinsten Plätzen gute Lehrkräfte zu erhalten.
Abg. Frau Bier au (D. Vpt.) tritt für die verheirateten Lehrerinnm und beten Gleichberechtigung ein; das jetzige Verhältnis sei als Heber- pattgsstadium zu betrachten und bedürfe die An- gelegestheit einer grünblidjen Prüfung!.
Abg. Lenhart (Sd wri Darauf hin, daß er schon früher die Erzie^hungssckMle teilaitgtc, doch dürfe die Erziehung zur Arbeit nicht einseitig sein; das Volk bedürfe auch der idealen Lebensgüter. Tie Lehrerbildungsfrage bedürfe gründlicher Erörterung, nach seiner AuffaffuNg sei eine grundsätzliche Aentermrg der bestehenden Leitsätze nicht notwendig.
< Abg. D. Dr. Diehl (H. Vpt.) stellt fest, daß her ?lbg. Brauer sicher nicht dm Stand der Lehrer angveifen wülte. In mancher Bezieinmg g^he er in der Kritik über das Schulgesetz mit dem Abg. Kaul einig. Die Bindung dnrch Art. 50 müsse aufhören. Dem Lehrer gebühre >auch das Recht auf den Vorsitz im Schulvorstand. Er müsse davor nur» nen, daß der Balksschullehrer die akademische Bil- dmtg auf seine Fahne schreibe.
Tlbg. Frau Balser (Dem.) (auf der Tribüne unverständlich) vertritt die Interessen der »erheirateten Lehrerinnm.
Abg. Reiber (Dem.) stellt fest, daß das Notgesetz mit ickbsicht so einfach wie möglich ausgestaltet wurde, um dadurch zu verhütm, daß die definitive Regelung weiter bin ausgeschoben werde.
Präsidmt Dr. Strecker weist dm Borwurf zurück, daß nichts mehr geschehen sei. Die Schaffung der Grundschule dürfe nicht vergessen tverten. Das hessische Gesetz sei sehr liberal. Die Gleichstellung der Frau sei nach dem Bürgerlichm Gesetzbuch zu regeln. Der Mutter- und Fraumberuf dürfe nicht unterschätzt werdm. Wmn man alle &crheirateten Lehrerinnen wieder leinfteHe, begehe man gegenüber dm anderm Lehrerinnm, die berechtigte Ansprüche auf eine Anstellung haben und ffch in einer Notlage beftndm, eine Grausamkeit. Da nur noch 9 Abgeordnete anwesend sind, faßt sich der Redner kurz. Die Lehrerausbildung finde durch Reichsgesetz ihre Regelung.
Abg. Lux (Soz.) erklärt in persönlicher Bemerkung, daß et nicht mit Gewalt in tne Blindenanstalt eingedrungen sei.
Schluß Vi2Uhr. — Nächste Sitzung: Diens- tag, V2IO Uhr.
। IM IW» -
Neue Bmtämter in Hessen?
Wir erhaltm folgende Zuschrift:
Der Artikel in der Nr. 174 versucht, wie schon mehrere, die in letzter Zeit tn hessischen Blätterns erschienen und auf dieselbe Interessenten gruppe zurückzuftihrm sind, die geplante Nmvrdnung der Dmiverivaltung als einen großm Fehlgriff in sachlicher und finanzieller Htnsicht darzustellen.
Es ist selbsttedmo nicht möglich, dm urnfang- reichen und verwickeltm Stoff, um den es sich handelt, hier klar zu legen. Nut folgendes sei gesagt: Eine sachgemäße Bereinigung der seitherigen „Bau-Organisation" .die alles andere, als diese Bezeichnung verdient, da sie ein im Laufe der Zeit nach und nach entstandenes höchst unorganisches Gebilde darstellt, war schon lange vor dem Kriege dringend erforderlich und ist es hmte noch mehr. Denn die Folge dieses Zustandes ist eine in vieler Dmsicht eben so unsachlich, wie kostspielige Behandlung der öffentlichen Bauaufgaben, kostspielig siowohl unmittelbar, die te Inders milMDat. Die Beth.ulptung, daß die B.ru.tehörde, außer den Kul- tunnwekttonm, z. Zt. fast nichts zu tun hätten, ist absolut unzutreffend. Eben so falsch ist d'-e Behauptung, daß die Tätigkeit der Knlturinspek- twnen zum Schadm der Lmidwirtschaft labm- gelegt werden solle.
Durch die Zusammmfasfung gleichartiger, jetzt an verichiedme Behörden verteilter, Arbeiten in der Hand von Tiefbauämtern einerseits und .Hochbauämtern anbeverjeite, wird eine weit sachge- mäszere und dadurch schon sparsamere Belmndlung I der uersckncdmm Bauarteilen möglich: allein schon
aucp 1 dadurch, daß vanri erst alle Tiefbauarbeiten durch 1 Ingenieure und alle Hochbauarbeiten, durch Archi-
tefren bearbeitet werden. Dabei wird sowohl dte Zahl der Aemter, bzw. Dimststellm, rote auch der Beamten eine Verminderung erjGbren. Die „Ersparnisvorschläge" des vorigen Artikels aber geben über das Maß dessen, was auch heute wch und zum Teil gerate heute, int öunnia auf das öffentliche Bauwesen geboten ist, weit hinaus und lassm dm nötigen Einblick in das Arbeitsgebiet anderer Baubehörden völlig vermissen.
Bezeichnmd ist es jedmfalls, daß von anderen Seiten, die durch die geplante Neuordnung mt- stehente Verminderung ter Aemterzahl aus latv- lichen Gründm für zu weitgehend bezeichnet wird.
Die Widersacher aus beiten Lagern bilden aber nur einen kleinen Teil ter Baubeamtenschaft.
Alle die berufenen Stellen, die sich seit Jahren und nmerdings unter Berücksichtigung der jetzigen Lage für die stTeuordnung ter Bauverwaltung eingesetzt und auf teil an die Volkskammer gelangenden Aittrag geeinigt haben, nehmen für sich in Anspruch, bei ihren Bestrebungm in erster Linie das öffentliche Wohl im Augu zu chabcn, und müsse es beteuern, wenn durch die Gegenarteit einzelner die Oeffmtlichkeit irregeführt wird.
Im übrigen wird an dm zuständigen Stellen hinreichend Gelegmlieit zur gründlichen Aussprache und Prüftlng der Vorlage gegeben fein.
100000 Milchkühe aus Amerika.
Die ersten Mitteilungen der deutschen Presse über das von Amerikanern deutschen Stammes für die deutschen Kinder geplante Geschenk von 1 00 000 M i Ich k ü h e n fanden wenig Glauben. Die Absicht, eine solche Menge lebenden und sehr subtilen Viehs über den Ozean zu bringen, erschien, zumal unter den gegenwärtigen Verhältnissen, fast unausführbar. Nun kündigt die Bitte des deutschen Geschäftsträgers in London, Dr. Sthamer, an den Vorsitzenden des Maritime Service, um Ileberlassung von Schiffen zum Transport der Kühe nach Deutschland die Ausführung des Planes an.
Die Anregung zu diesem kostbaren Geschenk an die leidenden deutschen Kinder gab Frau Wilhelm Popken, eine deutsch-geborene Farmersfrau in Mankato (Minnesota). Die landwirtschaftliche Zeitschrift „National Farmer" gab die Anregung in einem „Aufruf an die Farmer deutschen Stammes in Amerika" weiter. In dem Aufruf hieß es, daß es unmöglich sei, durch Ausfuhr von Milchpräparaten nach Deutschland dem Massensterben und dem Siechtum der Kinder im alten Vaterlande wirksam entgegen zu arbeiten, dies könne nur geschehen durch die Hebung der deutschen Milchwirtschaft. Amerika aber sei das einzige Land, das umfassende Hilfe bringen könne, indem es Milchvieh nach Deutschland sende. Das hochwertige amerikanische Vieh, das sich in Europa gut eingewöhne, lohne den Transport, zumal man sich hierbei der Erfahrungen bedienen könne, die man bei den Viehsendungen nach Belgien und Frankreich gesammelt habe. In dem Aufruf heißt es dann weiter: „Und so wenden wir uns denn heute an Euch, Ihr deutschamerikanischen Farmer im Busch und auf der Prärie mit der herzinnigen Bitte um Hilfe. Macht es Euch zum Grundsatz und zur Pflicht, dem deutschen Volke in seiner schwersten Gefahr und allergrößten Not eine oder wenn möglich mehrere Kühe zu schenken. Wir können aber nur wirklich leistungsfähiges, nicht zu altes Vieh, das gute Milch gibt und es im Jahre antf mindestens 250 Pfund Butter bringt, abnehmen, weil sonst der überseeische Transport sich nicht lohnt.
Ferner sollten diejenigen, die nicht in der Lage sind, eine Kuh zu schenken, aber dennoch an diesem großen Werke der Hilfe nnd des Wiederaufbaues der alten Heimat sich beteiligen möchten, nach ihrem besten Können Geldbeträge einsenden. Dieses Geld soll ohne jeglichen Abzug dazu verwendet werden, einmal die Transportkosten des gesck-enkten Viehes zu decken, und sodann Futtermittel für das Vieh in Deutschland zu kaufen, um das dem deutschen Volke noch verbliebene Vieh wieder durch bessere Fütterung auf eine höhere Leistung zu bringen. Ein Betrag von 150 bis 200 Dollar genügt, um eine gute Milchkuh zu kaufen, so daß derjenige, der nicht selbst Vieh hat, aber dennoch Vieh schenken möchte, durch Einsendung eines solchen Betrages ebenfalls eine Kuh schenken kann. Wer einem Verwandten in der alten Heimat eine Kuh schenken will, mag das ebenfalls angeben; wir werden bann später veranlassen, daß eine solche Kuh in Deutschland an die richtige Adresse Überwiesen wird."
Zur Sammlung und zum Transport des Viehs wurde von einflußreichen Amerikanern deutschen Stammes in Chicago die American Dairy (Sattle Compagnie gegründet. Sie wird geleite1" von den Herren Otto L. Schmidt, Michael F. Girten und F. F. Matenaers. Die Kühe werden zunächst in den einzelnen Bezirken in Carloads gesammelt und dann in die Collection Camps gesandt. Hier werden sie mit Tuberkulin geimpft und auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft. In besonderen, sehr schnell fahrenden Zügen iverden sie sodann nach einem atlantischen Hafen gebracht. Für diese Ueberlandsreise und für den Seetransport haben sich zuverlässige und erfahrene deutsch-amerikanische Melker und Viehwärter zur Verfügung gestellt. Auf den Schiffen werden die Tiere mit Melkmaschinen gemolken; die Verwertung der Milch wird von einer besonderen Abteilung der Dairy Compagnie besorgt, der auch die ökonomische Verwertung der für die lange Reise notwendigen Futtermittel obliegt. Die Dairy Compagnie glaubt sicher sein zu können, daß die Seereise die Leistungsfähigkeit der Milchkühe nicht beeinträchtigen und daß der Verlust an Vieh infolge der Reise weniger als ein halbes Prozent ausmachen werde.
Aus Stadt und Land.
Gießen, ben 31. Juli 1920.
Oberschlcsicr, meldet Euch!
Sicherem Vernehmen nach sinb auch in unserer Gegenb noch manche Oberschlesier, die alle Aufrufe zur Beteiligung an der Abstimmung unbeachtet gelassen oder nichts von ihnen erfahren haben. Noch einmal ergeht daher an alle noch im Rückstand befindlichen Abstimmungsberechtigten die dringende Aufforderung, sich schleunigst bei der Bezirksgruppe Gießen, heimattreuer Oberschlesier, Crednerstraße 16, zu melden, um dort alles Erforderliche über die Heimreise und ihre Teilnahme an der höchstwichtigen vaterländischen Verpflichtung der Abstimmung zu hören, die schon im September oder Oktober stattfindeu soll. Alles andere muß dieser Aufgabe gegenüber jetzt zurücktreten, wenn die alte, schwerbedrängte Heimat ihre Söhne in der Fremde ruft, um aus ben polnischen Klauen, bie sich schon tief ein- gefrallt haben, gerettet zu werden. Jeder einzelne ist notwendig, keiner darf fehlen, wo es gilt, das bedeutungsvollste, uns geradezu unentbehrliche Grenzland mit seinen ungeheuren Bodenschätzen und seiner blühenden Industrie dem darbenden, notleidenden Vaterlande zu erhalten. Außerordentliche Opfer werden gebracht, um die Kosten für Reise, Verpflegung und Lohnausfall der Stimmberechtigten zu decken, deren Hunderttausende zu befördern sind. Ein Ringen mit den Waffen des Friedens vollzieht sich dort im fernsten Osten, auf ! dessen Ausgang alle Völker mit höchster Spannung blicken. Deshalb bleibe keiner fern, tet zum siegreichen Ende dieses Völkerkampfes beitragen kann! Auf zur Fahrt in das von polnischer Ländergier hart bedrohte, aber fest zum Vaterlande stehende Oberschlesien!
Auch ergeht hiermit an die Bürgerschaft der wiederholte Aufruf, die deutsche Sache durch ZeichnungenzurGrenzspende zu unterstützen. Auch kleine Beiträge, die von der Bezirkssparkasse (Konto Nr. 187, Bezirksgruppe heimattreuer Oberschlesier) und auch von der Geschäftsstelle des „Gießener Anzeigers" entgegengenommen und rechtzeitig abgeliefert werden, sind willkommen.
Veranstaltungen.
Samstag, 31. Juli: Cafs Leib, 3 Uhr: I Oessentliche Eisenbahner Versammlung. — 6 Uhr: I Vorrennen zur Ruderregatta. — Hotel Einhorn, | 83/4 Uhr: Gastspiel Buchwald. — Lichtspielhaus wie gestern. — Lichtspiele Seltersweg: „Tot oder scheinet?" und „Zur goldenen Kugel".
Sonntag, 1. August: Ruderregatta, 8 Uhr vormittags: Vorrennen; 3 Uhr: Hauptrennen. — Liebigs'höhe 3 Uhr: Svmrnersest des NatuLtzeil- vereins. — Hotel Einhorn, 83^ Uhr: Gastspiel Buchwald. — Lichtspieltheater tote gestern.
** Amtliche Persvnalnachrichten. Ernannt tourte am 27. Juli der Gefängnisin« spekwr in Butzbach Rechmmgsrat Karl Lein zum Staat-antoaltschaftsobers! kr.ckär bei der Sttats- 1 antoaltschaft am Landyericht der Provinz Oberhessen mit Wirkung vorn Dienstantritt < seines Nachfolgers an. — In den Ruhestand versetzt mutte am 21. Juli tet Lehrer an der Volksschule zu Düdelsheim, im Kreise Bübingen, Otto Diehl unter Anerkennung ferner dem Staate geleisteten Dienste.
** Die Lebensmitteltabelle für die Woche vom 2. bis 8. August ist im Anzeigenteil der heutigen Nummer veröffentlicht.
** Gießener Kinderhilfstage. Zu der Mitteilung in unserer gestrigen Nummer über das Ergebnis ter Kinterhilfstage ist noch uachzutragen, daß die Gewerks ch a f t „G i eße- h e r Braun st einbergtoerke" für diesen Zweck nachträglich noch 1000 Mk. gespendet Hatz so daß die Gesamteimmhme nrmrnehr 20 221,17 Mark beträgt.
** Der Naturheilverein Gießen feiert morgen auf der Liebigshöhe fern Sommer- s e ft Während ter Nachmittag ausschließlich der UnErhaltung und Belustigung ter Kinder gewidmet ist, verspricht ter Abend mit seinem sehr reichhaltigen Programm alle Besucher in jeder Weise zu unterhalten. Siehe Anzeige in heutiger 9himmer.
Kreis Büdingen.
Fürst Wolfgang zu Nfenburg und Büdingen f.
ba. Büdingen, 30. Juli. Fürst Mi- gang zu Psenburg und Büdingen ist vergMssme Nacht in Gößweinstein (Dterfnntfcn), wv er zur Erholung weilte, plötzlich und unerwartet an Herzschwäche gest 0 rben Dec Verschie- tene, geboren den 30. März 1877, folgte feinem am 26. Januar 1906 verstorbenen Vater als 4. Fürst in Tübingen. Ec war verheiratet seit 26. September 1901 mit Adelheid Gräfin zu Rechtcreu-Limpurg, Die Ehe ist kinderlos geblieben.
Landkreis Gießen.
Beisetzung des Fürsten Carl zu Solms-Hohenfolms-Lick.
X Lick), 30. Suli. Unset Städtchen stand gestern und heut cim Zeichen der Trauer, das zeigte schon äußerlich ter Trauerflor der solmsi- scheu nnd hessischen Fahnen, mit denen öffentliche Gebaute und viele Privathäuser auf Halbmast geflaggt hatten. Noch mehr taten es aber die Beisetzungsfeierlich leiten kund, an denen alle Bevölkerungskreise ter Stadt und viele Bewohner des ehemaligen Solmser Landes teil" nahmen Trotz des schlechten Wetters war die Landbevölkerung sehr zahlreich erschienen. Bereits gestern abend wurde die Leiche des Fürsten Carl in feierlicher Weise nach ter Marienstifts- k i r ch e gebracht, deren Patron tet Verstorbene gewesen ist. Der sich anschließenden Abendandacht wohnten außer den näckfften ^gehörigen der Fürstlichen FamUic auch viele Einwohner der Stadt bei. Der Kirchengesangverein sang „Christus, ter ist mein Leb n" und Superintendent Löhr (Elberseld), früher Pfarrer in Hohensolms, wußte in einer Ansprache mit tiefempfundenen und ergreifenden Worten das Sehen des von allen verehrten Fürsten zu schildern. Bei bet im Chor der Kirche ausgebahrten Leiche hielten dann folm#. fische Fontteamten die Elg- Mönche. Tcr Tvauer- gottesdienst heute nachmittag füllte die weiten Räume ter Stiftskirche bis zum letzten Platz I Es waren mehr als 1000 Personen anwesend.
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