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Samstag, 31. Juli 1929

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Die Lage in Mesopotamien.

Paris, 30. Juli. (Wolff.) Nach einer Meldung aus Cairo ist die Lage in Meso­potamien sehr bedrohlich für die Eng­länder.

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Neue Beschlüsse zur Sewirlfchastung der Kartoffeln und des Zleisches.

Berlin, 30. Juli. (WTB0 Der Untere

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«letzend <uis der uugsgebiel, ' und Hansen.

Nr. 64. vvm mm 29. Mai m in Nr. 78, Dom tb vom 13. Juli bat sinngemäße rbnungen werden tz begangen sind, knisslrase.

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London, 30. Juli. (Wolff.) Im Unter­hause sagte Lloyd George zur russi­schen Frage: Die englische Regierung sei jetzt im Besitze der Ansichten der italienischen Regierung, die durchaus mit der Ansicht der englischen Regierung rtbereinstimmen. Die Alliierten hätten sich jetzt über die Antwort ge­einigt, die von der englischen Negierung an die Sowjetregierung gesandt werden soll. Lloyd George betonte, das; das Einvernehmen unter den Alliierten restlos sei. Die Antwort­note lautet:Die englische Regierung ist jetzt, nach Beratungen mit den Alliierten in der Lage, folgende Antwort auf Tschitscherins Telegramm vom 27. Juli zu senden: Dte eng­lische Regierung schlägt unter der Vorausset­zung vor, das; der Abschluß des Wattenstill­standes zwischen Sowjetrußland und Polen be- vorsteht, ihre Verbündeten zu der in London stattfindenden Kon ferenz, an auch S o w j e t r u ß l a n d teit-

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der Stimmung erngetreten zu sein. Der Aus­schuß für auswärtige Angelegenheiten hat mit 15 gegen 7 Stimmen den Gesetzentwurf angenommen, und das Plenum der Kammer ist ebenfalls zur Annahme der Abmachun­gen gelangt. Das französische Volk steht noch zu sehr im Bann der Siegerphrasen, in denen seine Regierungsmänner bisher immer schwelgten. Wir Deutschen wollen gewiß alles Aufreizende in den Beziehungen beider Völ­ker ausschalten, wir wollen auch nicht über jedes versöhnliche und verbindliche Diploma­tenwort unserer Regierungsvertreter aus dein Häuschen geraten. Aber mit stärkstem Nach­druck wird unser Volk fordern, daß der ver­ächtlichen Behandlung Deutschlands durch die ,.Verbündeten" keine höfliche Duldung und Fügung, sondern energische Abwehr entgegen­gesetzt werde. So war es zu begrüßen, daß der Abgeordnete Stresemann, Führer einer Regie­rungspartei, zwar eine maßvolle Kritik an dec Rede des Herrn Dr. Simons übte, aber zugleich mit unzweideutiger Gradheit feft- 'tellte, der Versailler Gewaltfriede entbehre der Rechtsgrundlagen, verstoße gegen die be­kannte Note Lansings und bleibe nach wie vor unmöglich und unannehmbar. Der Kampf ge­gen dieses Gewaltwerk mit allen Mitteln des Geistes und der Diplomatie ist die oberste Pflicht jeder deutschen Regierung.

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Hie. , t. Vietzes lpben bei Mdmtzien Straß oitugcner Tötung rde des Ottes. >zw. die zu befev »ende Anzeige zu

ausschuß des Reichswirtschaitsrates für Landwirtschaft und Ernährung beschäf­tigte sich in fernen beiden ersten Sitzungen am 28. und 29. Juli mit der Frag« der Bewirt­schaftung der Kartoffeln un d des Fleisches. Die Regierung hatte dem Ausschutz bat Entwurf einer Verordnung zur Begutachtung rwrgelegt' die als Uebergangsmaßnahrne unb zur Vorbereitung der freien Vteh- und Flei.chwirtschaft. die Aufhebung öer Fleischkarte vor- oer - , .

schlägt, die durch die örtliche Kunbenlche ersetzt wer-! n i m m t, ernzuladew

Sowjet-Rußland" befaßten. Alle Aeußerun- g«n der bolschewistischen Minister, Kommis­sare usw. schildern uns, wie die Wirtschaft und die Leistungsfähigkeit der Gesamtheit wie des Einzelnen in den Jahren 1918 und 1919 immer mehr und mehr gesunken waren. Das sind, so schreibt derVorwärts", von den Bol- schewisten selbst festgenagelte Tatsachen.Aus ihnen ergibt sich aber mit eiserner Konsequenz die Schlußfolgerung: Die Anwendung der bol­schewistischen Prinzipien hat es aus keinem (Skbiete der wirtschaftlichen Betätigung zu- wege gebracht, die Produktion zu steigern und 1 zu entfalten." Wenn die Volschewiki hervor- t beben, daß die Produktion in Rußland in der 1 letzten Zeit sich langsam hebe und bessere, so bringt derVorwärts" diese immerhin noch . etwas zweifelhaften Erfolge mit folgenden grundlegenden Tatsachen in Verbindung:

Schaffung der militärisch organisierten Ar- lxitsarmeen, ferner Beseitigung der sogenann- Iien Arbeiterkontrolle und Einführung der cinzelpersönlichen Verwaltung der Betriebe, und schließlich die Zulassung von Privatuntec- itehmern. DerVorwärts" meint mit Recht, durch diese Wandlungen hätten die Bolsche- iüifi die Idee des Sozialismus nicht gerade gefördert. Vermutlich hätten die Gewährs- irärmcr des Ministers Dr. Simons die zaH- lvsen Projekte, statistischen Tabellen und groß- irligen Pläne, von denen es in Sowjet-Ruß- l and eine ganze Menge gebe, für die Wirklich­keit gehalten.

Dr. Simons hat nachträglich im Rcichs- Üag seine Worte für das Räteland selbst korri­giert und zurückgenommen. Ein Diplomgjen- Oob wiegt leicht und darf nicht allzu ernst ge­nommen werden. Meistens wird es für einen . bestimmten Zweck geprägt. Dr. Simons wollte den Russen zu verstehen geben, daß er sie für ^handlungsfähig und womöglich für bünd- risfähig halte. Er hätte sich etwas vorsich­tiger ausdrücken können und nicht nötig ge­habt, die politischen Gemüter in Deutschland w verwirren. Indessen, dieses rednerische 'Nachkur scheint uns schon wieder ausgeglichen iu sein, und wir dürfen die eigentlichen Ge- )ankengänge des Ministers, die sich aus Ruß- and beziehen, nicht übersehen, besonders da )ie Ereignisse im Osten sich rasch entwickeln nid Deutschland bald in Mitleidenschaft ziehen önnten.

Am Abend des 30. Juli sollten nach einer amtlichen Mitteilung aus Moskau die Unter­tändler auf russischer uud auf polnischer Seite ßich bei B a r a n o w i t s chi begegnen, um die ÄeratungenüberdenWaffenstill- ßiand zu beginnen. Inzwischen ist der rus­sische Vormarsch im Eiltempo fortgesetzt wor­den. Man bezweifelt es, das; bald eine Eini- ciungerreicht toefbe und glaubt, daß dieRussen ihr augenblickliches militärisches Uebergewicht ioll ausnutzen werden, um bei der in Aus­sicht stehenden Londoner Konferenz aute Trümpfe in der.Hand zu haben. Die Be­dingungen und Aufgaben dieser Londoner Konferenz liegen noch etwas im unklaren. Lloyd George hatte der Moskauer Regierung vor einigen Tagen das Recht ^ugestanden, mt den Polen in direkten Verhandlungen ins Reine zu kommen. Die Londoner Kon- s<renz sollte dann in größerem Rahmen Friedensverhandlungen führen. Nun hat aber die Zusammenkunft Lloyd Georges mit Mil- lrrand in Boulvgne das Blatt wieder ge- ; wendet. Millerand will von einer Anerken­nung Sowjet-Rußlands nichts wissen, bevor Frankreich als Gläubiger zu seinem Rechte gelangt. Und so h^it er für die Teilnahme Frankreichs an der Londoner Konferenz die

wochenrmkblick.

Sxrr Dr. Simons, der Minister des Auswärtigen, hat uns überzeugt, daß bei der Entente keine Neigung besteht, vvm Versailler Friedensvertrag etwas Nennenswertes preis- ytgeben. Aus seiner vielbesprochenen Rede sticht vor allem k)ervor seine Beurteilung der ciiffifd)en Verhältnisse. Es ist ihm offensichtlich darum zu tun, mir unserem östlichen Nachbar Mscits des polnischen Korridors wieder in geregelte Beziehungen zu kommen Aus diesem Grunde hat er vor den Lei st ungen der Sowjetrepublik eine Verbeugung gemacht, die bei unseren Parteien vielfach Be­fremden, wenn nicht Aergernis, erregt hat. Air wünschen von unseren amtlichen Stellen Aahrhcit und Objektivität gegenüber einem so tunkten Faktor wie Rußland. Hat dieses wirk­lich im wirtschaftlichen Aufbau sich bewährt, so wollen wir die Augen davor nicht verschlie­ssen. Aber nach allen Anzeichen hat der bol­schewistische Kurs in Rußland noch unheilvol­ler gewirkt als die Revolution in Deutschland. DerVorwärts" ist heute bemüht, nachzuwei­sen, daß es mit einem gedeihlichen wirtschaft­lichen Aufbau in Rußland nick)ts auf sich hat. Er stützt sich dabei auf zwei in diesen Tagen in derRoten Fahne" erschienenen Aufsätze aus der Feder des bekannten Bolschewisten Bucha­rin, die sich mit demStand der Wirtsck>aft in

den soll. Anstelle der Kundenliste soll auf Wunsch einzelner Lanbesregiertmgcn aber auch die Ern­ährung der Gemein beflei sch karte znläs- ig fehl. Der VervrbnungsenNvurs sucht ferner die Fleischverfortzrmg der Selbstversorger dadurch zu verbessern, baß künftig nicht mehr die GennchtS- menge, ionbeni ganze Schlachtnere als T>errch- niingsgrundlage der Selbstversoigerrauon zugc- lassen werden sollen. Daneben srnd rod) einige andere Bestimmungen zur Erleichterung der Selbst­versorgung mit Fleisch vorgesehen.

Der Aussckpiß, der sich nur gutachtlich zu äußern hatte, erklärte sich mit großer Ackchrheit gegen diese Verordnung. Sern £>aupt- bedenken war, daß durch die Annahme der Regis' rnngsvewrdnung, die eine Weiterbelrefernng der Gasthöfe vorsieht, eine starke Bevorzugung der-- jenigai Kreise eintreten muß, die in den Gasthöfen ihre Mahlzeiten entnehmen. Zwar besteht dieser Zuftmid tatsächlich hacke schon, ihn aber qesetzlich festzrckegen, erschien dem Ausschuß bedenklich. Die Aussprache, die sich nicht nur auf ine vorgelegte Verordimng beschränkte, sondern auch emgehend die Gründe für und wider die Fortdauer der Zwangswirtschaft erörterte, endete mit der An­nahme eines Beschlusses, wonach das Gutachten des Ausschusses auf Aufhebung der Zwangswirtschaft nach einigen Mo­naten bei vorläufiger Beibehal­tung der Fleisch karte lautet. Die Anf- Odnmg soll erst erfolgen, wenn germsse lieber* gangsmatznahmen wie die Schaffung von Fleisch­reserven, die Einfuhr von ^-uttermitteln und der Abschluß von Lieferungsverträgen durchgeführt toiirbai.

Bezüglich der Kartoffelwirtschaft tourte die 2Aushebung der Bewirtschaftung ccr L-erbstkartoffeln einstimmig beschossen. Auch hier wurde jedoch an die Aufhebung der Zwangswirt­schaft die Bedingung geknüpft, daß bic Ge­meinden durch den Abschluß von Lieferungsverträ- gen ein Quantum von 35 Millionen Zackner für bie städtische Bevölkerung sicherstellcn, und daß außerdent Vorsorge für weitere Kürt-offeloe-erveu, womit etwa eintretende Notstände bekämpft wer- ben töroien, getroffen wird Die Fabrikation von Mrtoffelflocken und Kartoffelstärke soll im Errat* titendeil Winter in der bisherigen Weise weiter gr- führt werden, weil auch dad'rrch Kartoffelreserven gesick-ert werden. Ter volkSwirtschaftlick-e ^lussck- des Reichswirtfchaftsvates 'hat den hier behandelten Beschlüssen seines Unterausschusses für Ernährung

Deutschland wird auf dieser neuen Friedens­konferenz vertreten sein müssen, und viel­leicht hat Herr Dr. Simons gerade im Hin­blick auf diese Notwendigkeit einen Gruß der Verständigung mit der Moskau«* NgMierung auslauschen wollen. Die Meinung HMtir der Note Tschitscherins an Lloyd dÄMfc über die gegenwärtige Zusammensetzung und Ver­fassung des Mlkerbundes ausgesprochen wor­den war, ist ML Deutschen ja aus dem Herzen geholt. Wi-Wlen, daß die Russen, entgegen de' neuesten englischen Zumutung, die nur die Teilnahme derVerbündeten" an den Lon­doner Beratungen gelten lassen will, sich auch für die gleichberähtigte Teilnahme deut­scher Vertreter einsetzen werden.

Es gibt freilich auch andere, tiefernste Möglichkeiten, die von dem Starrsinn der französischen Politik ihren Ausgang nehmen könnten. Bevor sich die russischen Bolsche­wisten einem Willkür- und Gewaltfrieden nach Versailler Muster beugen, werden sie chr letztes Ziel, die Weltrevolution, vom polnischen Kriegsschauplatz aus in Angriff nehmen. Graut Herrn Millerand nicht vor der Wetterwolke, die von Osten her heran­rückt? Er vertritt doch ein geschwächtes und verarmtes Volk, das keine Napoleonischen Feldzüge führen kann! Oder lvie wollte Frankreich aus einem bolschewistisch über­schwemmten Deutschland Nutzen ziehen? Die Franzosen und die Deutschen können nicht wie Surren und Sklaven nebeneinander woh­nen. Wir wollen nicht einmal fragen, wer die größten Leistungen im Weltkriege aufzu­weisen hatte, sondern wir wollen erkennen, daß die gemeinsame Not der Zeit uns zu wirtschaftlichen unb politischen Verständigun­gen zusammenführen muß. Das Spärliche, was in Spaa dem Versailler Diktat abge­handelt worden ist und noch immer das deutsche Leben aufs Schlverste gefährdet, scheint im französischen Parlament noch miß­billigt zu werden .Der Finanzausschuß der französischen Kammer hat sich geweigert, das Kohlenabtommen, das bekanntlich Vorschüsse zur Ernährung der deutschen Bergarbeiter versieht, zu beraten. Es sind Anttäge ui der Kammer eingebracht worden, der Re­gierung die Möglichkeit zu bindenden Ab- niadjungen in der Wiedergutmachungs frage zu nehmen, die ausdrückliche Genehmigung der Kammer dafür vorzubehalten, was also die geplante Genfer Konferenz in Frage stellen könnte. Später scheint in dem fran­zösischen Finanzausschuß auf Millerands Warnungen hin allerdings ein Umschwung

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Polnische Truppen auf deutschen Veden gedrängt.

Berlin, 31. Juli. Wie derVossischen Zeitung" aus Marienburg gemeldet wird, haben abgescbnittene polnische Truppen in Stärke von 2000 Mann und 40 Offizieren bei Prvsken die deutsche Grenze überschritten. Es schweben Verhandlungen über die Entwaffnung. Die übergetreteneu Truppen sollen iu das Lager Arys übergeführt werden. Die russischen Vor­huten stteifen an der ostpreußischeu Grenze entlang, ohne die Grenze zu überschreiten.

Churchill über die Lage Polen-.

London, 30. Juli. (Wolff.) In der Evening News" verbreitet sich Churchill über die Loge Polens:Westlich Polens liegt das schreckliche Deutschland, halb betäubt und halb gefesselt, aber noch immer im Besitz von furchtbaren Fähigkei­ten, die es ihm ermöglicht haben, beinahe allein so ziemlich die ganze Welt zu bekämp­fen. Im Osten liegt ebenfalls in schreck­licher Verwirrung die ungeheure Masse des wunden, vergifteten und verpesteten Ruß­lands. Zwischen beiden von Krämpfen geschüt­telten Ländern steht Polen, schwach und klein im Verhältnis, unerfahren und ohne Organi­sation, knapp an Geld, Lebensmitteln und Waffen." ,

Churchill führte weiter aus, daß ein bol­schewistischer Friede für Polen vielleicht nur die Fortsetzung des Krieges in anderer Form bedeuten würde. Er sagte:Kein Schuß braucht abgefeuert, kein Bajonett aufgepflanzt, kein Bataillon vorgeschickt zu werden, und doch kann die Invasion schnell und rastlos fort­gehen. Der Ruin und die Zerstörung Polens durch Gewalt von außen oder eine innere Um­wälzung und die Einverleibung des Landes in das bolschewistische System würden eine wichtige Barriere zerstören, und Rußland und Deutschland in direkte Berührung bringen." . ,

Churchill schließt, dasdeutsche Volk habe zwischen zwei Wegen zu wäh­len. Es könne das Unglück Europas erneu­ern und verdoppeln, oder der Zivisation einen großen Dienst erweisen, es könne sein eigenes soziales System in den allgemeinen bolsche­wistischen Wirrwarr versetzen und ein Chaos weit und breit über den Kontinent hecaufbe- scbwären, oder es könne durch Liebe zum Frie­den den gesetzlichen Zuständen einen gestärk­ten Damm gegen die Flut der roten Barbarei errichten, die vom Osten her sich heranwälze.

Verhandlungen mit Polen gewähren lassen, aber es wird von ihnen bet langt, daß die eigentliche Entscheidung in die Hand der Lon­doner Konferenz gegeben werde. Es wird nun interessant sein, zu erfahren, was die Bolsche- wiki zu dieser neuen Wendung sagen, lieber deren Ziele wurden die buntesten. Meldungen verbreitet. In ihrer amtlichen Unterhaltung mit England erklärten sie, Polen solle min- so günstige Grenze bekommen, >er Entente in Aussicht genom­men sei. Nach einer sehr sensationell klin­genden Meldung sollte innerhalb der Sowjet­regierung die Neigung bestehen, Polen einen regelrechten Gewaltfrieden, nach dem Muster der Entente, aufzuerlegen. Selbständige Rand­staaten, so hieß es außerdem, wolle Rußland nicht dulden. So viel scheint uns sicher zu sein, das; die Russen nationale Lebensfragen für sich lösen wollen; sie drängen nach Durch­brechung aller künstlichen Einschränkung ihres Wirtschaftsverkehrs nach außen. Und hier berühren sich Rußlands Interessen mit denen Deutschlands ganz nahe. Beide großen Reick-e loerden für die Zukunft wirtschaftlich eng aufeinander angewiesen fein. Das brachte Minister Dr. Simons im Reichstag zum Aus­druck, indem er sagte, Polen dürfe wohl die Brücke, nicht aber einen Trennungswall zwi­schen Deutschland und Rußland bilden. Die Tatsache, daß von Sowjetrußland bereits Ver­treter in London angelangt sind, um über die Anbalmung des Handelsverkebrs zu be­raten, läßt uns erwarten, daß den Roten Truppen keine unbegrenzten Eroberungs­pläne vorschweben. Wir haben zunächst ver­bürgte Nachrichten über die Waffenstillstands- Verhandlungen von Baranowitschi abzuwar­ten. Daim ist es möglich, daß Millerand und Lloyd George doch noch einlenken, den ge­schaffenen Tatsachen Rechnung tragen und der geplanten. Londoner Konferenz eine solche Neugestaltung zu Grunde zu legen, wie sie der Wiederaufbau Europas erfordert. Auch

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Ein Kabel zwischen Ostpreußen und Pmmnern.

Berlin, 30. Juli. (Wolff.) Um den Telegraphen- und Fernsprechverkehr mit O st- preußen von Polen unabhängig zu ma­chen, ist ein Kabel zwischen Ostpreußen und der pommerschen Küste gelegt worden, das voraussichtlich etwa am 4. August fertitz- gestellt sein wird. Es soll in erster Lime dem Verkehr der Städte Berlin, Stettin und Hamburg zugute kommen. Das Kabel, das in Leba beginnt und in Tonkitten endet, ist das längste Fernsprechkabel der Welt.

Zur Aufhebung der Zwangswittschast in Baden.

Karlsruhe, 30. Juli. In der gestrigen Sitzung des badischen Landtages crNärte der Minister des Jmrern, daß die teilweise Auf­hebung der Z w a n g s w i r t s ch a f t in Baden den schärfsten Widerstand der Reichsregierung gefunden habe und Repressalien zu befürchten seien. So wur­den keine Kartoffeln von Nordbeutschland nach Baben angewiesen. Die badische Regierung hat die Schwierigkeiten vorausgesehen und warnte den Landtag, einer teilweisen Aushebung der Znxrngs- wirtschaft zuzustimmen. Trotzdem hat der Landtag einstimmig den Anttag angenommen, wonach die Zwangswirtsck)ast für Kartoffeln, Oel, Schlacbt- tiere, Fleisch, Fett, Tabak, Flachs und Hanf als­bald aufgehoben werden soll.

Aufhebung der Fleischkarte in Württemberg.

Berlin, 31. Juli. Nach einer Stutt­garter Meldung derVossischen Zeitung ' hat das württembergischeErnährungsministerium bekanntgegeben, daß vom 17. August ab in Württemberg die Fleischkarte aufge­hoben wirv. --

Vie letzte Antwortnote der Entente au Ruhland.

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I Bedingung gemacht, daß Rußland auf selbständige FriedensverhatÄtungeir mit "Polen verzichte. Lloyd George soll darauf ein gegangen sein. Er hat, wie aus unserem heutigen Nachrichtenteil zu ersehen ist, im llnterhause den Inhalt einer neuen Note, die nach Moskau abgegangen ist, bekannt- gegeben. Danach scheint es, als wolle man die Russen einstwcrlen in ihren Sonder-

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