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ebenso daS bett, ben dritten Nachtrags etat für 1919. Das Gcx-tz über de Wahl d«s R-richs- präsitenlen rrtd) tem L'e.faf rrngscrusschuß ibete wiesen, tesg.eichea iod 3öri^!S.ag^vat,lge etz.

Es folgt dc 5«ete Berattorg errrrs Gesetz- entwtirfes tetr. de Aburteilung von hochv-.rräte- rische» Unterneimunigen tm März. 1920.

Abg. Schulz-Brom berg (D. Ntl.) hat gegen den materiellen Jsthalt des Gesetzes nichts ernzu- wcnten, ten.nlr.gt aber, bie Abiltmmimg in ten Formen ab zu nehmen, ttee sre für -eine Versa f- sungsänterung Vorgehen sind.

Regierungsseitig wird dem witersprschen, daß daS Geietz eine Verfassungsänderung b dinge.

Abg. Beyerle (B. V. Z.) und Abg. Cahn (U. S. P.) billigen den Inhalt des Gesetzes, das keine Verfassungsänderung bedeute.

Der Antrag Schultz- Blomberg (D. Natl.) wird abgelehnt und das Gesetz in zweiter und dritter Lesung angenommen.

Abg. Dr. Haas (Dem.) berichtet über die Ausschußverhandlungen betr. Erteilung der Geneh­migung zur Verhaltung des Abgaoebneten Dr. Traub. Der Ausschuß war der Ansicht, daß das Recht der Nationalversammlung, die Immunität der Abgeordneten in politischen Delikten zu wahren, in diesem Falle nicht anzuwenden sei. Eine Min­derheit sei dagegen gewesen.

Abg. Warmuth (D. Ntl.): Der Brichluy deS Ausschusses bedeutet einen Bruch mit der Tra­bi twn des Hauses. PLaterial über den Fall Traub lag dem Hause absolut nicht vor. Die, Tätigkeit Liebknechts und Traubs jci doch nicht miteinander zu vergleichen.

Abg. Graf Dohna (D. Bp.): Wir legen der Verfolgung der Kappisten Seine Htndnmisse nt den Weg, aber wir wollen auch nicht von ter Praxis des Hauses abweichen.

Abg. Geyer (USP.) bittet, ben Ausschuß- antrag abzulehnen.

Abg. Thiele (Soz.) stimmt tem Ausschuß- befchluß zu.

Wg. S ch u l tz - Bromberg (D. Ntl.) bean- tragt namentliche Abstimmung, bi der auch der Reichskanzler ut.d mehrere Minister mit .vnmeit. ®irag Demo Katen sttmmen gegm den Ausschüße' an trag. Dieser wtri> mit 145 gegen 71 Stimmen bei 7 Stimmenthaltungen angenommen.

Nächste Sitzung Mittwoch den 14. April, nach­mittags 3 Uljr. Petitionen usw. Schluß gegen 7 Uhr.

*

Berlin, 30. März. (WTB) Ein der Natio­nalversammlung vorgelegter Gesetzentwurf sieht die Verlängerung der Gültigkeit ter Gesetze über bie vvrläu fige Reichswe hr und die vorläufige Reichsmarine, die am 31. März außer Kraft treten würden, vor.

-Müsches Gesundheitswesen in Siehe».

Gießen, 30. März.

Auf Einladung des Kreis gesundheits-- amtes Gießen fanden sich 15 Vertreter und Vertreterinnen verschiedener interessierter Körper­schaften unter dem Vorsitz des Kreisarztes Me- dizinalrat Dr. Walger am 24. März in tem Geschäftszimmer ter Allgemeinen Ortskrankenkasse ein, um sich über Angelegenheiten des Gesundheits­wesens der Stadt Gießen zu besprechen. Erschienen waren außer den drei beamteten Aerzten unserer Stadt,>izinalrat Dr. Walger, Kvrisassistenz- arzt Dr. S ch u p p e r t und Medizinalrat. Dr. Bötticher, Brigwrdn. Kommerz'.envat Klinge s po r als Vertreter des Herrn Oberbürgermeisters die ©toter. Fvau Lorenz, Frau Martin, Frau Naumann und Herr Erhard, Gehrimerat Dr. K a e ß als Vertreter ter Aerzteschaft, S&aurat Braubach, Geschäftsführer Fourier, Herr Wenzel, Landgerichtsdivektor W i e n e r als Ver­treter des Roten Kreuzes, Frau Leun als Bor- sitzende des Gießener Hausfrauenvereins und Herr Lmchgeriästs at Schudt als Vertreter tes All­gemeinen Vereins für Armen- und Krankenpilege. Die Fürsorgeschwester Anita Herrmanny konnte leiter ihr Erscheinen nicht mehr rechtzeitig bewerkstelligen.

Herr Dr. Walger gab zunächst als ein­leitendes Referat eine Uebersicht mit Eintzelerläute^ rangen über die Gegenstände, auf welä)e sich dir von den drei Viedizmalteamten yeubte öffentliche Gesundheitspflege erstreckt. Es sind dies 1. schulärztliche Tätigkeit an ten Volksschulen, die von Medizinal rat Dr. Bötticher ausgeübt wird. Sodann die von ten beiten Beamten des Kreis- gesundheitsamtes bearbeiteten Geaenstände des städtischen Gesundheitswesens, als da sind 2. die Ueberwachung ter Prostitution, 3. Uebenvachung der gegen Entgelt bei Pflegeltern unter gebrach­ten Vflegefinter bis zur Vollmdung des 6. Lebens­jahres. 4. Ueberwachung tes niederen Heilperso­nals, Teilttckl-me an den Prüfungen der Wochen- tfflegerimien, 5. Uebewadtung tes Hebammen­wesens, ter Fortbildungskurse ter Sxbammen. Kontrolle ihres Instrumentariums und gelegent­liche Prüfung ihrer Kenntnisse, Vorträge bei tfrven Versammlungen, 6. Handhabung ter )tdißnadmen gegen Kurpfuscherei, 7. Ueberwachung tes Apo­thekenwesens, Teilnahme an ten amt.ichen Besich­tigungen ter Apotheken durch ten Referenten des Ministeriums, 8. Beaussiästigungcn ter Drogen-

acfd>äfte und deS Handels mit Arzneien und Giften, 9. lleberwachung ter GesundheitsVerhältnisse ter <Skbt im allgemeinen und Veobadjftung ter Stcrb- lidjirit ter Bevölkerung. Wöchentliche, monatliche und jährliche Ausstellung ter statt frischen Erhetem- gxn üter Sterblichfeit und Krankhritsteweguttgen in ber städtischen Bevölkerung und in ten Kranken­anstalten. 10. Borteugungs- und Bekämpfungs- uttlßrahmen zum Schutz gegen ansteckende Erkran­kungen, Desinfektiouswejen, Mitwirkung bei ter Gelvirb>chyg«ne. 11. Maßnahmen gegen gefüllte heitslchädliche Wohnungen. 12. Armen- und Sie­chenversorgung, Unterb.ingung von Geisteskranken, Blöd innigen, Taubiiummen, Epi.cpt.k_rn, Beauf­sichtigung ter Kleinkintertewahra^istalten. 13. Hy­giene ter Nahrungs- mW Genußmittel. 14. Das üf ferst iche Jmpfw-fen. 15. Ucterivadjung der Lei­chenschau, des Begräbniswesens. 16. Ausstellung amtstrrtlicher Zeugnisse für städtische Behörden und Dienst Hellen. 17. SÄießlich ganz im allge­meinen Mitwirkung bei ter Bekämpfung der Tuberkulose, brr Geschlechtskrankhri en, des Miß­brauche geistiger Getränke, MiNoirkung bei ter Muürr- und Säuglingsfürsorge. 18. Belehrung ter Abiturienten ter bofcren Schulen über bie Gefahren tes Alkohol-Mißbrauchs und der Ge- sche^t-kankheiden^l^E^iEn u>terb'ick ging T-r. Walger aus d.e Darlegung tes Geiundhritszustan- tes ter städtischen Bevölkerung während tes Äticgß und rach Beendigung dieses ein, wobei er die Zähler durch Tabellen erläutert.'. Er z igte, wie tee Geburtenziffer im Verlauf des Kriegs rapide abnahm, bis ihr ©inten zur Unterbilanz führte, d. h. zu dem Punkt, wo im Jahr mehr Personen starben, als Kinder geboren wuroen. Ter augenblickliche Stand ter Kinderstncb'.ichk u wurde mitgrieilt, bmn wurde auf das enorm". Ansteigen ter Totes, älle infolge von Tuber­kulose seit tem Jahr 1917, dann 1918 aber beionders 1919 bingemie.cn; ftner die große Ver­mehr img ter Totesfälle ter alten Leute über 60 und 70 Jahren. Alle diese verhängnisvolbm Er­schein imgen'sind zweifellose Folgen tes Dkangels wichtiger 9101)111. .gömittd, also Folgen von Unterernährung, die sich aud) in unserer Stadt füL,ll'ar machen, obschon die Zustände in Gieß.en noch wescintlich günstiger l^gen, als m vielen antern Städten. So sind auch die Fäll^ sog. Oe dem krau kheit, die bei älteren Leuten vorgekrvrmen sind, wobei die Glieder infolge von StoffwechsAstörungen ansck/iwellen, brdig ich als Folgen der Unterernährung anzuiehm. Weiter ha­ben ter Mangel von Seife und di.' Schwierigkeit, bei der Kohlennot genügend; 9/Lengen warmen Wassers zu eri-alden, zu großer Verbs ritung ter Hautkran kheiten geführt. Ein bcsontecs ernstes Lapitcl bi.tet die w ite Verbreitung der Ges ch le chtskran kheiten, bie geradezu ten Charakter einer VoL^.ixmFteri ange-nommen baten. Tripper und SyplXlis bringen ihre zerstörenvm Einflüße für die jetzige wie auch für dr; kom- rneiite 0cncret.mi in erschv^endem Maße zur Geltung, syprnritstche Ansteckungen nicht allem auf dem Weze des Ge.chbrchts'^erfe'l-rs, sondern auch d.rrch Kuß oder Gebrauch mangelhaft gereinigte tify und Trinkgefäße sind lciter sehr häufig g>- worden, tezu die Uetertvogung solcher Srixmt* beiten wp Erwachsenen aus kleine Kinder im häus­lichen Besrinamder leben.

(Schluß folgt.)

A«r StaM und Land.

Gießen, ten 31. März 1920.

hessische Sicherheitspolizei.

Nach Beschluß des Hess. Gesamtministeriums und nach erfolgter Genehmigung tes Landtags soll nuimehr auch in Hessen eine Sicherheits­polizei ausgestellt werten, wie dies bereits in ten meisten butschen Staaten geschehen ist.

Sie soll in erster Linie in ter 50 Km. breiten neutraler Zone östlich tes Rheins und Brücken­köpfe den Schutz übernehmen. Die Entente hat ihr Einverständnis dazu grundsätzlich gegeben. Nun muß du Sicherheitspolizei beschleunigt formiert werten.

Die Aufstellung ist in einer Stärke von 1000 Köpfen geplant. Sie untersteht tem Ministerium tes Innern, alle Angehörigen sind teilte Militär­personen, sondern ftaat liebe Beamte. Der Organisationsstab hat seine Arbeit begonnen. Auf­rufe zur freiwilligen Meldung werden ergehen.

Die Gliederung ter Sicherheitspolizei ist in drei Abteilungen vorgesehen, eine Abteilung in Stärke von etwa 500 Beamten in Darmstadt und je enie von etwa 250 Beamten in Baben­hausen Friedberg oder Butzbach.

Die Hess. Sicherheitspolizei ist eine ausge­sprochene Polizeieinrichtung, dazu te- rufen, Ordnung und Ruhe aufrechtzueohalten, die beftefcnte Staatsgewalt und Personen und Eigentum der Staatsbürger in Stadt und Land des Freistaates Hessen gegen Gewalt zu schützen. Sie dient diesen Zwecken in ter neutralem Zone und auch im freien Gebiet Hessens und löst ihre Aufgaben neben- ter ter Gendarmerie sowie der staatlichen und kommunalen Ordnungs- und Kri­minalpolizei. Ferner wird die Sicherheitspolizei besonders technisch ausgebildet und ausgerüstet zur Hilfeleisturg bri besonderen Gelegenheiten wie

Ueberschwemmungen, Eisenbahnunfällen, großen Bränden usw. Tie Eigenart tes Dienstes verlangt gute polizeiliche Schulung, straffe Manneszucht und unbedingte Unterordnung. Die Notwendigkeit, jederzeit sofort über eine schlagfertige Mannschaft zu verfügen, macht die Kasernierung der Beamten- -ait cr.orderlich. Welck)c Kasernen von ter Sick>er- heitspolizei b.legt werten, ist noch nicht endgültig bestimmt. Die Hebungen werten auf den beson­deren polizeilichen Verwendungszweck zuge- schnitten.

Es darf erwartet werden, daß die Hess. Sicher­heitspolizei, ebenso wie die ter übrigen deutschen Staaten bald das Vertrauen ter Bürgerschaft in weitestem Maße genießen wird. Sie nrirb erst in ErsckZeinung treten, wenn die eingestellten Bewerber einer gründlichen polizeilichen Ausbildung unter­zogen sind.

Lebensmittel.

** Die Abgabe von Weißmehl und Nährmitteln, die auf Grund von ärztlichen Attesten ausgegeben werden, ist für ten Monat April wie folgt übertragen worden: Weißmehl bei Geisse, Gustav, Sel- tersweg, Nährmittel bei Haas, Wilh., Blcich- straße.

** Erhöhung des Milch Preises. Auf Beschluß ter Städt. Lebensmittel-Deputation wird mit Rücksicht auf die durch d e Lwides-Milch- und Fettstelle ter genommene Milchpr.iser Höhung ter Kleinverkaufspreis für ein Liter Milch, mit Wirkung vom 1. April auf 1,35 M k. festge­setzt. Ucber die Milchpreiserhöhung durch die Landes-Milch- und Jettstell« ist Näheres aus tem iAnzeigenteile zu ersehen. Ebenso über die neuen iVutt ergreife dieser Stelle.

** In der städt. Ob st - und Gemüse­stelle (Marktlauben) sind noch Gelberüben ein» getroffen. Sie werten Pfund- und zentnerweise abgegeben. Ferner kommen noch zum Verkauf Roterüben und getro^netes Weißkraut. An Obst Apfelspalten. Vorbefte.Iungen zu größeren Mengen Gelberüben werten bei der Gemüsestelle entgegen» genommen.

Veranstaltungen.

Mittwoch, 31. März. St-tekrrche, 8 Uhr, Konzert Schink-Malchm. Hotcl Hopfeld, Wetz­larer Weg, 4 Uhr, Besprechung ter Ost- uno WesiPreußen Oberhessens. Lichtspieltheater wie gestern.

** Diplomprüfung für Versiche­rung s t e ch n i ke r an de r Lande s- Unr- versität. Tas Hessische Lantesamt für das Bildimgswefen in Darmstadt t)it die Errichtung einer Diplomprüfung für Ve-rsicherungstechniVer an der Lantes-Unitersität Gießen gmehmigt. Zum Vorsitzenden der Prüfungsbehörde ist der ordent­liche Professor für Staatsanssenschaften Tr. S ka l- weit bestellt worden.

** Theater-Verein. Der Opernkörper des Hessiscten Lantestheaters wird nach Ostern zum Gastspiel kommen und am Mittwoch, ten 7. April, 7 Uhr denFliegenden Holländer" von R. Wagner, am Donnerstag, ten 8. April, 7 Uhr BeethovensFidelio" nochmals zur Aufführung bringen. Da die Mitglieder tes Theatervererns vorzugsweise den Holländer besuchen werten, well Fidelio schon im Februar als Theaterverrins- vorstellung gegeben wurde, so bleibt für die Fi­delio-Aufführung eine größere Zahl von Plätzen für die Nichtmitglieder des Theatervevrins verfüg­bar. Diese werten Samstag, ten 3. April, von 8 Uhr morgens ab, int Vestibül tes Stadttheaters verkauft. (Siehe Anzeige.)

** Die hiesigen Banken geben im Anzeigenteil bekannt, daß ihre Kassen und sämtlichen Geschäftsräume am Samstag, 3. April, für jeglichen Verkehr geschlossen sind. Ebenso ist die Bezirkssparkasse am Samstag geschlossen.

* Ausgabe von Brenn stoffbezug­schein en. Es werten ausgegeben: an Haus­haltungen, welche insgesamt 12 Zentner bezogen brand bezogen lxiben, Schrine über 3 Zentner, an Haushaltungen, welche insgesamt 11 Zentner be­zogen haben. Scheine über 2 Zentner, an Haus­halltungen, >velche insgesamt 12 Zentner bezogen haben. Scheine über 1 Zentner. Näheres siehe Anzeigenteil.

** Welche Forderungen ergeben s i ch für die Arbeiterschaft aus den letzten politischen Ereignissen? Dieses Thema stand in Der gestern nachmittag von ter SPD., der USP. und-tem GewerkschaftskartLll im Casö Leib eintetufenen Versammlung zur Tages­ordnung. Hauptredner waren Sladtv. Beckmann und Parieisekretär R ie ge l. Die allgemeinen poli­tischen Ausführungen der beiten Redner b. stauten in der Hauptsache aus Angriffen gegen die Reichs­wehr, Zeitfreiwilligen, Technische Nolhllfe. Beck­mann begrüßte vor allem die Tatsache, daß die Gewerkschaften nun endlich ihre bisherige neutrale Haltung aufgeyeben und sich in ten politischon Kampf eingemischt hätten. Parteisekretär Riegel, der meist die vom Vorredner bereits behandelten Punkte aufgriff, sagte u. a., daß die Arbeiter­schaft zu tem neuen Reichswehrminister wegen seines ztoeifelhaften Verhaltens bei ten Verhand­lungen in München kein Vertrauen haben könne.

Beide Redner erklärten, daß die von ten Auf­ständischen im Ruhrrevier angedrohte Sprengung der Bergwerke den Ruin Deutschlands beb uteten, die Regierung müsse dalxr unter allen Umstän­den ein lenken. Lokonwtivführer Muhl forderte seine Kollegen auf, feinen Zug. auf dem Maschinen- gewchre aufgebaut seien, zu fahren. Beckmann! wandte sich in seinem Schlußwort gegen die bürger­lichen Kvalitionsparteien. Der Kappsche Putsch sei allein von ter Arbeiterschaft niedergeschlagen wor­den : die bürgerlichen Parteien hätten zur Ver­teidigung ber Republik und ihrer Verfassung so gut wie nichts getan. Hiesige Fabrikanten, bit sich zur demokratischen Partei zählten, hät­ten sogar ihre Arbeiter wegen ^Beteiligung an dem Generalstreik gemaßregelt; so hätten zwei hiesige Zigarrenfabr.ken ihre Arbeiter nach Ab­bruch tes Generalstreiks noch zwei Tage wricer feiern laifen. Beckmann forderte so dann die Schaf­fung einer rein sozialistischen Arteiterregierung unter Ausschluß der bürgerlichen Parieien. Falls diese Forderung nicht erfüllt werte, so fei er, der Redner, der Auffassung, baß die Nationalversamm­lung aufzulösen und sofortige Neuwahlen auszu­schreiben feien. Der Redner teilte ferner mit, daß die hiesige Streikleitung, die sich aus Vertretern ter Mehrheit, s zmliten, ter Unabhängigen und des Gew.i:kjchack^kari.lls zusammen etzt, nach Abbruch des Generalstreiks über die Fo^g rungen, die sich aus ter neuen Sage ergäben, Beratungen abge­halten habe, denen Niederschlag folgende For­derungen seien: 1. Für Hessen ist der Belage­rungszustand sofort aufzuheben; 2. Aushebung ter Sckmtzhaft und Amnestie für politische Verbrechen terjenigen Personen, die nicht an tem Kappschm Putsche teilgenommen hoben (die Kappleute da­gegen seien an die Wand zu stellen); 3. alle Be­fehle und Anordnungen an das Militär bürfeit- nur im Einvernehmen mit ter hessischen Regie« rung getroffen werten; 4. bas Ofiizierkorps ber Reichswehr ist sofort zu beseitigen; 5. Verwen-l düng tes hessischen Militärs im Aufstandsgebiet iflr unter keinen Umständen zuzulassen; 6. sofortige Bildung von Ortswehren aus organisierten Ar­beitern und Angestellten; 7. Umbildung ter hessi­schen Regierung nach vorheriger Verständigung mit ten Organisationen, die an ter Durchführung des Generalstreiks beteiligt waren. Di.se Forderungen wurden, in bie Form einer Entschließung gekleidet, von ber Versammlung angenommen und sol en ter Reichsregierung übermittelt werten. VecEmann teilte ferner mit, baß eine Konferenz ber Landes­vorstände ter sozialdemokratischen Partei Helsens, ber unabhängigen Partei Hessens und ter hessi­schen Gewerkschaften, die wahrlcheinlich noch im Laufe dieser Woche zusammentreten werte, sich diese Forterungen zu ei^en machen und für ihre Durch) etzung eintreten werde. Tie Arbeiterschaft möge sich bereit halten, um falls nölig in den nächsten Tagen dem Rufe ih.er Führer zu folgen, damit die Reaktion der Kvaliti'onsvegierung ebenso an bie Wanb gebrückt werde wie die Koppsche Reak ion.. Schließlich wurde noch eine weitergehende Resolution Müller arv- geniommen, die neben den bereits in ter ersten Entschließung enthaltenen Forderungen weiter ver­langt: Sofortige Auslösung ter ReichÄvetzr, der 3eitfteitoitligemxrbänte und ter Technischen Not- hllse sowie Bewaffnung ter Arbeitersckiast; sofortige Zurückziehung ber Reichswehr truppen aus tem Rühreier, Mitteldeutschland und Sachlen, wirt­schaftliche Sicherstellung ter Hinterbliebenen Itr im Kampfe gegen die Reaktion gefallenen ifa beiter; sofortiger Erlaß einer Verordnung, dH wegen Beteiligung am Generalstreik weder Matz» regelungen noch Lohnkürzungen süattfinten dürim. Der einleitende Satz dieser Entschließung:Sollte Li R.gi r..ng i Durchführung ti s.r Ford ruug.n verweigern oder verzögern, so wird ber biefite Aktionsausschuß beauftragt, die nötigen Maßnah­men in die Wege zu leiten, um zum Generalstreik aufzurufen", wurde auf Wunsch Beckmanns ge­strichen, da es nicht rötlich sei, ten ^hiesigen Aktions­ausschuß festMlegen; ein G-eneralsrielk könne nur Erfolg teben, wenn er gleichseitig mit ten Genossen im Reiche durchgeführt werde.

Kreis Alsfeld.

Verpachtung oberhess ßter Staatsjagden und Fischereien.

A l s f e l d, 31. März. Für Säget war gestern ein großer Tag in Alsfeld. 200300 Jagdlteb- Haber hielten in fürchterlicher Enge im kleinen Knonenfoale drei Stunden aus. Es war eine starke Zumutung für die Erschienenen, die hier aushalten mußten. In Alsfeld gibts auch größere Säle. Tie Verpachtung von 2 0 © t aa t § j a g b en war in vielen Tagesblättern bekanntgegeben. Sie fand statt unter ter Leitung ter Oberförfterei Euters. Forstmeister Brill erteilte den Zuschlag. Nach folgend das Ergebnis ter einzelnen Jagdgebiete:

Oberförflerei Burggemünden- Jagdbe« zirk 1. Größe 514 Hek.ar 105 00 M k. Kack Hinze, Neuß, August Schlosser, Niedergemünda. Jagdbezirk 2. Größe 430 Hek ar -2 1 0 0 fK f. chitekt Weber, Düsseldorf, Heinrich Winn, GstbtN.

Oberförsterei Eudorf, Jagdbezirk L GrvK 443 Hektar, 3000 Mk., Wi.h. Kooß, Meld, Braun, Alsfeld. Jagdbezirk 2, Grüße 432 Hektar, 19 00 M k, August Ro.tz, Gießen, Hill, Alsfeld.

Oberföriterci Grebenau, Jagdbezirk 1, 399,31 Hektar, 3 15 0 M k., van der B.ng, Tüsstl-

Die Gräfin.

Roman von G. W. App le ton.

(NacV>ruck verboten.) Fortsetzung 12.

Ich sage gar nichts dazu, erwiderte ber An- gerri»ete. Wenn ein? Gräfin durch ten Fußbooen ober die Decke hindurch entführt wirv, warum sollte es nich mit einer Katze möglich femV Aus der ganzen Geschichte kann Lin vernünstig'r Ätensch klug werden. Wenn ich allein im Haus wäre und stark getrunken hätte, mürb' ich denken, ich sllter hätte sie geholt, ich hatte sie beite geholt. Aber da stel-en is i e, Herr Doktor, und da steht mem? Alte und da Aima, und die Gräfin is verschwunten, und jetzt sagen Sic alle, tee tih&e i>n auch noch verduftet! DaS muß ich schon eine verflucht! Zau­berei neunen. Ich weiß, beim Kuckuck nich, was der Hausherr dazu sagen wird oder was ich rinn über diesen Fall erzählen soll. Wär's viellstcht nicht bester, Herr Doktor, wir holten die Polizei?

Ich besann mich einen Augenblick. Ich dachte an dos verflixte Dokument mit ten gelben Si geln, das bei meinem Bankier lag, unt \w leidjt ich in eine öffentliche Umeriuamng ve ioick'lt wer­den könnte, dic zu uniiebiamen Ergeoniism für meinen Berns oder fon'twL fieren würc>

Nein, sagte ich. Zu: ^i ivemg i in. ©ie baten mir tem Verschwinden ter i'u -e zu tun. An Ihrer Stelle.te ich ent Jin t r von all ten Satten ausnel-men. Ich to.nd. ttet v. yjenn'ä Ihnen rocht ist, vorteikommen uno J^nen

tehilslich sein und bie RichttgV it des Inventars! bestätigen. Dann würde ich alles in Ihr eigene! Schlafzimmer tragen und die Sache ruhig ihrem weiteren Virlaus überlassen. Wnm dann de Grä­fin in lMMiessener Zeit zurückSehrt, wirb st; alles in richtigao Ditenntg vorfinden. Wenn nrcht, nun, dann ist es noch jrich genug, bte Behörden zu te- nachrichittgsn. Was meinen Sie dazu, Herr Mimms?

Ganzrinversttmden, Herr Doktor; wenn ©in glauben, tuß es das befbe is. Nur möchde ich nich, daß noch mehr Hexen werk in mei er Wohnung geschiM. Wisen's, es würd' schon eine H'iten- arbeit brauchen, meine Alte durch eine Zimmerdecke durchzulrieyen, aber ich beiimtc mich mich lange, nein, gewiß nich: wer sie an rührt, dem sck-iag ich ein Loch in ten Schädel, und zwar fein klein's, wenn auch, was den Sclstidel anlangt, mein eigen.-r bereits $u, ।urtat und fauien anfängt und Anna, waS is denn nun auch noch mit dir los?

Anna hatte sich urplötzlich der Länge nach aul ! den Bodei geworfen und unter tem Vrrtit) mit ten Fingersp tzcui einen klein m gl tzeraden Gegen- 'stand terro'.tteholt. Sie sprang (teer auf bie Füße mid hielt uns eine Busennadel hin, bi aus i einem von Di am nten nmgr_bei:en Sap'.str bestand.

Das \i es, Vater, sagte sie. Ich hab's zu-

Mimms w r rate daran, Anzeichen eines bevor elyenüt.n Schl-'.grarial s $u terra en

Bi< Das ;& 'ne Nadel, bv einem Merm,

Natürlich ist's das, erwiderte ich. Bewaliren Sie sie sorgfältig auf. Sie dürfte emen n^rtvollen Anhallsvunkt abgeben.

Wozu, Herr Dottor?

Zum Geteimnss natürlich.

Wegen der Gräfin?

Gewisv

Und die Katze?

Bikllricht im Zusammenhänge auch, gewiß.

Dank schön, Herr Dv.bor, danke freundlichst. Ich sehe zwar noch keine Ge^penstw, aber entschul- b.gen Sie, Herr Doktor, ich muß einen Schnaps trinken. Entschuldigen Sie bleib da, Mathilte laß mich und tu, was ter Herr Doktor sagt!

Damit entfernte sich Mimms eilig, und die Stiege turnte laut, als er hrnunverellt» und die Haustür zuschlug.

Armer, lieber, alber Wikhelm! temrikte Frau Mimms. Nehmen Sie's ihm nich übel, Herr Dok­tor! Tie Geschite hat ihn so erschütbert; Sie können sich's nich denken wie! Am les!en, man jagt ihm nichts mehr davon. Er wird bald wieder von selber, wenn auch ein wenig bereit zurück- r.Irren aber er is ja immer fvrändlich uw) lieb, Herr Doktor, fa diß ich's ihm kein bißchen übel nehme und wird mich fragen, was ich getan habe. Er bat ja immer Voltes Vertrauen zu mir, Herr Doktor, ja, das hat mem Wiltelm, und so tonnten Sie mit mir alles durchleben, rtKnns Ihnen nichts ansmach-t, im Verlauf des Nachmilt gj weder herzu kommen. Dr. n.'ndev Sie auch Ihren Namen unter das Verzeichnis

schreiben, tes Sie vielleicht so freunbltd) warn, selber anzufertigen.

Gewiße Frau Mimms, sagte ich, und bann erst fühlte ich, daß ich noch nid« gefrühstückt batte. Daher beeilte id> mich, dieses wirklich geheuwus- volle Haus zu verlassen.

Sechstes Kapitel.

Das Frühstück indes begegnete an tattern Mov« gen keinem großen Appetit und nxir rasch erlingt. Es kam mir ganz unglaublich vor, test so viele außerordentliche Evrignisse in verhältnismatziS w.mig, allerhöchstens zwölf Stunden, v arge-fall en sein sollten, Ereignisse noch dazu, die ans ueb-t* natürliche zu grenzen schienen. Wenn ich aufrvte tig sein wollte, so tonnte ich Mimms fernen Vor­wurf daraus machen, daß er sich zum Trunk ge­flüchtet hatte; ich fetter hatte nicht übel Lust dazu. Was für einen Vers konnte sich ein Mann in nüchternem Zustande aus einer so unverstäiwlich'N Geschichte machen? Zlvrisellos war, ohne datz oec Zufall eingegriffen hätte, gerate das nngrtroffen, was die Gräfin so sehr befürchtet hatte. Jetzt war sie endlich doch ihren Feinden m ine D aus­gefallen. Tie Beweggründe dazu mussten malte tige gewesen sein. Verächtlich warm jülemigretten wie Jiirreleitschränkären und Gvldsack-m lregm lasten worden. Ter Gcgrmstand, dem te; P!un- bcrimg gegolten hatte, war in aller Klafhetl versiegelte Schriftstück, das jetzt bet mrittem Bancier lag, und die arme alte Dame wurde mm ^ctfü* los als Geisel für seine Auslieferung g'fangen ge­halten. (Fonetzung plflM