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habe schön feit mehreren Sagen nicht mehr Ge­legenheit gehabt, etwas für die Sterblichkeit dec guten Ticken brinmer yt tun. Auch jetzt mutz ich.

Ihre giftmischerischen Künste nur für meinen eige­nen gebrechricl-en Leib in Anspruch nehmen. Ich spure wieder einmal die Vorzeichen eines Gicht­anfalls."

Er liefe sich «ruf einen der verschlissenen Leder­stühle nieder, die für die Wartenden tercitftemhei, und stöhnte ein wenig, während er das rechte Dein ausstreckte. 9Iber die Schmerzen verdarben seine gute Laune nicht. Mit verschmitztem Augen­zwinkern gegen den hinter seinem Arbeitstisch her­vor getreten en Apotheker plauderte er weiter:Ha­ben Sie sich übrigens zu Herzen genommen, was ich Ihnen neulich sagte? Wenn Sie nicht bald heiraten, geben Sie in diesem Nest rettungslos an allen Folgen der Langeweile zugrunde. Auch sür einen Ehemann und Familienvater ist Siefen» bäum gerade fein Paradies, trotz seiner viel- gerubmten landscka't'ichen Schönheiten: ein Jung­geselle aber muß hier mit der Zeit unbedingt melancholisch werden."

Ich gedenke, es darauf ankommen zu lassen, Herr Sanitätsrat. Meine Erfahrmrgen mit Frauen sind zu wenig ermutigend."

Ach, Unsinn! Frauen sind das, was man aus ihnen macht. Nicht mehr unb nicht weniger. Sre sind wahrschstnlich nur zu schwerblütig gewesen, sie auf die redyte Weise zu nehmen."

Möglich, bafe es so ist. Liber während dieser zehn Monate in Siefenbrunn bin ich jeden folls nicht leiclckblüttger geworden."

Mit Ihnen ist nichts anzufangen. Vielleicht besinnen Sie sich eines Bessern, wenn Ihr Freund

Bus dem besetzten Gebiet.

Mainz, 29. Sept. (Wolfs.) Wegen eines an einer heu scheu Frau begangenen Si tlrchteits- verbreckens hat das franz ö ft s che Kriegs­gericht gestern gegen sechs Soldaten schwere Strafen verhängt. Nämlich gegen zwei De­gradation und ZutHchausstrafen von 8 bzw 6 Jahren, gegen die weiteren Angeklagten 5, 4 und je 3 Jahre Zuck/'haus.

sprechung mit dem Ministervrä identen Kahr über die fdnvebenben politischen Fragen ein.

München, 30. Sept. (WTB.) Die Korrespondenz Hoffmann meldet: Reichskanz­ler Fehrenbach hat den bayerischen Mi- nisterpräsioenten Kahr besucht und wurde von ihm zum Frühstück eingeladen. Zwischen den gleichgesinnten Staatsmännern fand ein freundschaftlicher Meinungsaustausch über alle wichtigeren außen- und innenpolitischen Fragen statt. An der Frühstückstafel^waren auch die in München anwesenden Staats­minister und der preußische Geschäftsträger, Graf Zech, anwesend.

eine bei feinen vorgerückten Jahren allerdings sehr 'harmlose Schwäche für das schönere Geich'ccht nadjfagte, bemühte sich unoerliennbar, den Liebens­würdigen zu spielen. Ter dritte simid als stummer Zuhörer daneben. Er war noch jung und machte mit seiner hohen, etwas schmalscl-u trigen Gestalt und seinem fernen, blassen, ein wenig müden Ge- fidrt ben Eindruck eines vornehmen Mannes. Im Gegensatz zu der heiteren Miene der jungen Tarne sah er sehr ernst aus. Und nun schien er irgend­eine Bemerkung gemacht zu haben, die herabstim- menb auch auf die Fröhlichkeit der bfonben Schön­heit wirkte, denn sie wandte ihm mit einer rafdjeii, fast unmutigen Bewegung den Kopf zu: das Lächeln verschwand aus ihren Zügen, und g.eidj darauf reichte sie dem Sanitätsrat zur Verabschiedung ihre Staub. Es währt? ziemlich lange, bis der alte Herr sie nach wiederholten artigen Vorbeugungen endlich wieder fr ei gab, um auch mit fcem anderen einen Händedruck zu tansck-en. Ei'e Weile noch schaute er ben beiden nach, die langsam aus tem Wege zur Linbenhöte zurückivande ten; bann ging er mit kleinen, trippelnden Sdyrittcn quer über die Straße dem Eingang der ApothekeZum Goldenen Engel" zu.

Als er eintrat, war Konrad Brandt wieder mit te'm Abwiegen seiner Pulver besckMigt: auf seinem häßlick.eu, eckigen Gesidft lag ein gleich­gültiger Ausdruck, als er mit Hartern Klang tu oer stimme die muntere Anrede des sichtlich angenehm erregten Arztes eitoiberte. Ser Sa iit cksrat fdnen nicht daraus hi achten unb plauderte weiter.Nun, mein lieber Brandt! Immer in der Arbeit? Ser Herr Kollege Germering läßt Sie, wie es scheint, nicht zur Ruhe fomm.cn, berat von mir stammt das

die§alkner aufLmöenhöhe

Roman von Reinhold Ortmann.

(Nachdruck verbotenff

Ser Klang einer weiblick-en Stimme veran­laßte den Apotheker Brandt, in seiner Arbeit innezuhalten. Es war eine frische, jugendlich Helle Stimme von jenem angenehmen Wohllaut, der wie eine schmeichelnde Berührung wirkt. Der rafd? hervorgesprudelten Rede folgte ein kurzes, gir­rendes Lachen, das auf Konrad Brandt aufreizend wirkte. Er setzte das Glas mit dem Pulver nieder, das er eben in sorgfältig abgewognen winzigen Mengen aus eine Anzahl weißer Papierblättckjen verteilt hatte, unb spähte durch das offene Fenster zu feiner Reckten auf die im Frühlingssomrm- schein daliegende Straße. Drüben auf der anderen Sette, wo der von der Linden Hälse herabführend? Weg in die Hauptstraße von Siefenbrunn einmün- bet, stand eine Gruppe von drei Personen. Zwei von ihnen sah der Apotheker heute zum ersten Male. Jene ^rau, die ihn durch den bestrickenden Klang ihrer Stimme in seiner Beschäftigung ge­stört, wandte eben ihr Gesicht voll nach d:m Doktorhouse" herüber, in test.-» unterem Stock­werk die Apotheke lag. Sa konnte Konrad Brandt bwbachten, daß sie ungewöhnlich hübsch war, hoch- bfonb und van der zarten, mattweißen Hautfarbe der Rothaarigen. Ein graues Straßenkleid von so wohlterechnetern Schnitt, nnc er sicherlich kern er Siefenbrunner Sduieit-erin gelungen wäre, um­schloß knapp ihre fd:lante, mittelgroße Gestalt, unb die Füße, die unter dem kurzem Rock bis zu den Knödeln sichtbar wurden, waren von fast kinderhafter Zierlichkeit.

Sie sprach lebhaft mit dem Sanitätsrat Tob

Aus dem Reiche.

Das Gesetz gegen die Kapitalflucht.

Berlin, 29. Sept. (Wolff.) Tie Geltungs­dauer des Gesetzes gegen die Kapitalflucht vom 8. September 1919 wird durch Verordnung vom 28. September 1920 bis auf weiteres ver­längert. Es bleiben somit die sämtlichen zur Bekämpfung der Kapitalflucht erlassenen Gesetze und Verordnungen aufrechterhalten. Dies gilt be­sonders auch für die Verordnung über Maß­nahmen gegen die Kapitalflucht vom 24. Oktober 1919, deren Rechtsgültigkeit jüngst in einem Ur­teil der zehnten Zivilkammer des Landgerichts I Berlin verneint wurde. Gegen dieses Urteil ist Berufung eingelegt, worüber die Entscheidung noch aussteht.

Eine Sitzung des Reichskohlenrates.

Berlin, 30. Sept. Wie eine mehrheits­sozialistische Korrespondenz erfährt, wurde in der gestrigen Sitzung des Reichskohlen­rats auch das Arbeitsprogramm in der Sozialisierungsfrage besprochen. Es herrschte einstimmig die Auffassung, daß eine sorgfältige Einzelberatung der ganzen Frage stattfinden solle, damit der Reichskohlenrat entsprechende Vorschläge unterbreiten könne.

Aus der preußischen Landesversammlung.

Berlin, 29. Sept. (Wolff.) In der heutigen Sitzung der Preußischen Landesver­sammlung, in der die Schluhabstimmung über den Gesetzentwurf betreffend den Austritt aus den Religionsgesellschaften öffentlichen Rechts stattsin- ben sollte verließen die Angehörigen bet beiden sozialdemokratischen Parteien vor der Abstimmung ben Saal. Ta infolgedessen nur 182 Mitglieder anwesend waren, stellte sich die Beschlußunfähig­keit des Hauses heraus, so daß die Abstimmung unterbleiben mußte.

Berlin 29. Sept. (WTB.) In der heutigen Sitzung der preußischen Landes Versamm­lung wurde über weitere Abänderungs- anträge zum Gesetz über bie neue Stabt- gemeinbe Berlin verhandelt. Der Ausschuß schlägt folgend- Aenderungen des Gesetzes vor: Im § 11 soll eingefügt werden, daß von 30 Magi­stratsmitgliedern mindestens 12 unbesoldet sein müssen. Im § 23 soll die Bestimmung gestrichen werden nach welcher bei der erstmaligen Bestellung der Mitglieder des Bezirksamts bet Vorsitzende unb Stellvertreter vom Magistrat ernannt werden. Im § 58 soll eingefügt werben, daß die bis­herigen Magistrate, Gemeindevorstände usw. die Geschäfte fortführen sollen, bis der Magistrat der neuen Stadtgemeinde Berlin gebildet ist. Nach längerer Erörterung wurde der Antrag der Unab­hängigen auf namentliche Abstimmung über die Magistratszusammensetzung ab gebe Hut. Hierauf wurden die Ausschußanträge gegen bie Stimmen der beiden sozialdemokra tischen Parteien ange­nommen.

Die Großfunkstelle Nauen.

Nauen, 29. Sept. (Wolff.) Bei strahlendem Herbstwetter wurde heute in Anwesenheit des Reichspräsidenten, der Reichs­mini st er Giesberts, Dr. Geßler, Dr. Scholz, des Unterstaatssekretärs Albert und anderer führender Persönlichkeiten der Erweiterungsbau der Großfunkstelle Nauen feierlich über» neben und emgeweiht. Die Berliner Teilnehmer fuhren in einem Sonberzug vom Lehrter Bahnhof nach Nauen. Sie begaben sich vom Bahnhof Nauen zu Fuß in Gruppen nach der Funkstation, in deren neuem Vortragssaale um 11 Uhr die Ein- wechuungsfeier begann. Nachdem Direktor Dr. A. Franke die Gäste namens der einladenden Ge­sellschaften begrüßt hatte, hielt Graf Arco einen durch Filmvofführung lebendig ergänzten Vortrag über bie den ganzen Erdball umspannenden tech­nischen Einrichtungen der Station. Hierauf ergriff der Reichspräsident das Wort, um den Dank der Gäste und um die besten Wünsche für das in Nauen vollendete bedeutungsvolle Werk auszu­sprechen. Nachdem sodann noch Reichsminister Giesberts namens des Reichspostministeriums und Ministerialdirektor Dr. Bredow namens der Tele­graphenverwaltung gesprochen hatte, folgte ein

tot Barenthin, dem älteren und angeseheneren Der I Rezept zu Ihren Pülverchen sicherlich nicht. Ich beiden in Siefenbrunn ansässigen Äerzte, unb der hnb? sckmu foif m^hrpneit Saaen nickst mehr Ke- wohlbcleibte weißbärtige Herr, dem' man allgemein

Germering erst mal mit gutem Beispiel vown- gegangen ist."

Ich bitte um Verzeihung, Herr Sanitätsw aber ich habe kein Recht, Herrn Doktor Ger­mering meinen Freund zu nennen."

Na, wenn man so Sür an Sür wohnt .. Unb außerdem war er doch, wenn ich mich «S erinnere, Ihr Studien genösse."

Wir verbrachten ein paar Semester an eine Hochschule damals, als ich noch den vermesfenci' Plan hatte, Mediziner zu werden. Aber wir famer nur in sehr oberflächliche Berührung. Satz nni uns hier wieder zusammen fönten, war nur zu' fällig. Genau genommen nicht einmal das."

Nun, ich nehm's Ihnen ja nicht übel, wen.'. Sie sich gut mit ihm stellen. Ich werde boti1 bald ganz zum alten Eisen geworfen werden, uw- meinem jungen Herrn KVlegen gehört die Zu" fünft. Er laßt sich's ja auch recht angelegen fern sie im Sturm zu erobern."

Ter Apotheker antwortete nichts rndhr. E' wußte, daß der alte Herr wenig Sympathie für Den vor etwa einem Jahre an Stelle eines ver-° fforbenen Vorgängers nach Siefenbrunn gekom­menen Doktor Germering zeigte, aber er vermw« es, auf Gespräck-e einzugehen, die ihre Spitze gegen seinen ärztlichen Hausgeico'seir kehrten. Was, en selbst über ihn dachte, liefe sich bei ferner juriifl haltenden Art kaum erraten, wie es üteriyaupt setz" schwer fiel, ihn zu bestimmten Meinungsäußerun­gen über irgend etwas zu bringen. Dec frühe** Jnteter der ApothekeZum Goldenen Eng-!' war nach der Meinung des Sanitätsrates ein setz" viel umgäng il-erer u b lirbenswürorgeoer ©e el- schaftw gewesen als fein jugendlicher Nachfolge.

(Fortsetzung folgt)

Au» Hessen.

Aus der Deutschen Volkspartei Hessens.

rm. Darmstabt, 29. Sept. Gestern fand in Darmstadt eine Sitzung des Geschäftsführenden ?luSschusfes und eine solche des LandeIausschui^s der Seutfdjen Volkspartri Hessens statt Beroe waren sehr zahlreich von den Vertretern der drei Provinzen besucht. Während der GeschäftsWirenoe Ausschuß über organisatorische und Finanzftagen verhandelte, nahm der Landesausschuß zur po­litischen Lage Stellung. Ten einleitenden Bericht erstattete der Vorsitzende Abg. Dingeldey. Sie Aussprache war sehr lebhaft, es konnte aber am Schluß sestgestellt werden, daß die Landesparter in allen wcsentlick-en Fragen eine übereinstim­mende Haltung entnimmt. Auch die Hess tf che Politik mürbe besprochen. Als ganz unglaub­lich wurde die Tatsache hingeftellt, bafe der Staats­präsident Ulrich einen Vortrag mit dem Sterna Vor der Katastrophe" unter heftigen An­griffen auf bie Reichsregierung hält. Es fei ein unhaltbarer Widerspruch, daß bte Sozialdemokra. ie die Rrichsregforung auf das hef­tigste bekämpft, trotzdem aber ihre Macht in ben Landesregierungen bchcrupton möchte. Die For­derung nach baldigen N e uwahl en zu mLand- ta g fei deshalb nicht nur in Preußen, sondern auch in Hesen befonders berechtigt. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß der foMLenrakvottfete Minister Dr. Fulda die Eifenbalmcr vor einigen Wockren aufgefordert hat. die Kcmtvvlle überLebens- mitteltvanspvrte aus-uführen. Es sei wiederum unglaublich, bafe ein Minister des Innern in dieser Weise bayi beiträgt, die Staats«uwritLt zu ge­fährden. Die schiech'e Finanzlage mache dem Lande strengste Spa-fomkert zur Pflicht. Es wur­den folgende Entschließungen eingebracht und ernfrämnig angenommen:

1. Der Landesausschnß der Deutschen Volks- portri bittet die Landtagsfraktion der Porter, im Landtage einen Initiativantrag einzubringen, bei eine Aenterrarg des hessischen Ministerpen­sionsgesetzes zum Zrele hat. Die jetzt in Hes­sen geltenden Bestimmungen über die Pen- sionsveche der parlamentarischen Minister stehen in bollem Gegensatz zum Geist des parlamentarischen Regierungssystems und finden nicht einmal ein Gegenstück in den gesetzlichen Bestimmungen über die Ruhegehälter der parlamentarischen Minister im Reiche unb ben aitberen Ländern.

2. Der Landesausschuß der Deutschen Volks­partei bittet bie Landtagsftak.ion, die Reform der hessischen Staatsverwaltung ent­schiede zu verlangen und nach Kräften zu för­dern. Sie Vereinfachung der Staatsverwaltung mit dem Sfcel der Ersparnis ist dringendes Er­fordernis. Insbesondere muß die Zahl der Ministe­rien herabgesetzt werden.

D a r m st a d t, 28. Sept. Gestern trafen Ver­treter der Parteivorstände der Deutschen Volks­partei aus den Wahlkreisen Baden, Pfalz, Würt­temberg, Hessen-Nafsan und Hessen-Darmstadt zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Vertreter waren u. a. erschienen aus Frankfurt, Wiesbaden, Gießen, Tarmstcckt, Mams, Worms Mann­heim, Heidelberg, Karlsruhe, Freiburg i. V., Stuttgart, Tübingen, Ludwigshafen, Frankenthal und Zweibrücken. Generalsekretär W i 11 i g-Tarrn- stadt sprach über den Zweck der Zusammenkunft und bie Richtlinien ber z u gründ enben Ar­beitsgemeinschaft. Diese soll keinen Sonder fnrnb m der Partei barstellen, sondern allein bet Vertretung unb Verbreitung der Ideen der Partei dienen. Durch gegenseitige Unterstützung und Aus­tausch von Erfahrungen, durch gemeinsame Stel­lungnahme zu politischen Fragen sollen die Ver­treter Südw.cktdcutschlcmds in dieser Arbeitsgemein­schaft vereinigt fein. Die Vorschläge wurden ein­stimmig angenommen. Der Vorsitz wurde bis Ende 1921 dem Wahlkreise Hessen-Darmstadt übertragen.

Rundgang durch die Anlagen der Station, wobei die Führer der einzelnen Gruppen eingeheiwe Er­läuterungen gaben. Den Abschluß der eindrucks­vollen Feier bildete ein gemeinsames Frühstück im Vortragssaal.

Als erste Meldung ging nachstehender Funk- spruch des Reichspräsidenten3ln ' in die Welt hinaus:Ädi Alle! -ine offizielle Einweihung der unter dem RufnamenPoz" seit Jahren in der Well bekannten Großfunkstelle Nauen ist soeben in meinem Bestem erfolgt Ich beglückwünsche die deutsck« Industrie, bie dreies Meisterwerk der Radiotechnik geschaffen hat. Zu ihrer ^hervorragenden Leistung gebe ich gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, daß für Deutschland dieser Sag ein Markstein in der weiteren Entwickelung seiner Ucberfocucrbinbung fein möge, ebenso, rote ich darauf vertraue, daß Nauen an dem Wieder­aufbau des Deutschen Reiches unb seines Heber» fee Handels in hervorragendem Maße Mitwirken wirb.

Noch während des Frühstücks, das den Schluß der glanzenden Veranfta.'tung bildete, konnte eine Reihe von Gegengriffen veclesen werden, fo -rus Danzig, Kopenhagen, Stockholm (von der sch.ve- difchen Marmeverwaltung), Helsingsors, Haag, Deutsch-Altenburg, Budapest, Rom, (Sartageni, Reuyork (vom Präsidenten ber Radio-Corporation. Edward I. Hallh), Rio be Janeiro, Sanfago de ChilL, Bandoeng (Java), Schanghai und Peking. Der mit stürmischem Beifall aufgenommene Gruß aus Peking lautete in Uetersetz-mg:Ueberfenbc meinen Wückwunsch zur Einweihung der Rfofen- station Nauen, die einen Sieg ber Wissenschaft und Beharrlichkeit darstellt. Ter Generaldivektor ber Post und des SelegraphQi."

Eine stürmische Polenversammlung in Berlin.

Berlin, 29. Sept. (WB.) Zu großen Lärmszenen und einer großen ©d)lageret kam es heute abend im großen Saale des Lehrer- Vereinshauses, tvo die oberschlesische Volkspartei eine Versammlung ab­hielt. Als einer der Redner die Forderung aufstellte, nur ein autonomes, selbständiges Oberschlesien, in welchem Deutsche und Polen gleichberechtigt sind, könne dem augenblicklich unhaltbaren Zustand ein Ende machen, erhob sich ein furchtbarer Lärm. Der Redner wurde von polenfreundlichen Zuhörern angegriffen. Dem Vorsitzenden Sho- malla schleuderte man ans der Menge ein Bier glas mit solcher Wucht an den Kopf, daß er blutüberströmt zusam­menbrach. In dem sich entwickelnden Hand­gemenge wurden schließlich die Haupt- cmgreifer, die in der Minderzahl waren, in einen kleinen Nebenraum gedrängt, wobei mit Stühlen, Tischen und Biergläsern auf­einander eingeschlagen wurde. Inzwischen er­schien die alarmierte Sicherheitspolizei, die dem Tumult ein Ende machte. Eine Anzahl junger Leute, die zugab, Polen zu sein, und auch als Angreifer wieder erkannt wurden, konnte fefegenommen werden. Insgesamt wurden sieben Personen, darunter eine Frau, zur Wache geführt.

Ein deutsch^nationaler Antrag.

Berlin, 29. Sept. (WB.) Ein von der deutsch-uationalen R.ichstagsjrEion einge* brach ter Antrag verlangt die sofortige Vor­legung einer Denkschrift der Reichs- regierimg über bie Vorgänge in 0 6er- schlesien.

Von Hindenburg.

Berlin, 30. Sept. Generalfeld mar- schall von Hindenb urg wurde gestern an Stelle des verstorbenen Admirals von Knorr zum Mchanten des Stiftes beim Dom Bran­denburg gewählt und gleichzeitig als solcher eingeführt.

Besseres Bier.

Berlin, 29. Sept. (WTB.) Der volkswirt- schaftlicte Ausfd) des Reichstages hat die Ver­ordnung zur Abänderung ber Verorbnnng über die Malzkontingente bet Bierbrauereien unb bes Malz­handels vom 22. Dezemter 1919 gegen bie bvei Stimmen ber USP. angenommen. Dadurch foirb das Malzkontingent ohne Bv-inträckstigmig ber Brotversorgung erhöht, bie Gffaht einer bfforgnis- erregenten Steigerung bes Schnapsfonsums ver­mindert unb ben aus allen Kreisen geäußerten leb­haften Wünschen nach einem besseren Bier Rech­nung getragen.

Preisabbau für Tapeten.

Berlin, 29. Sept. (WTB.f Die General­versammlung bes Verbandes beuifd-cr Tapeten­fabrikanten befchloß im Gegensatz zu ber vor einigen Tagen burch bie Presse gegangenen Notiz

im Einvernehmen mit den Vertretern der gesamten beuti'dm Händlerschaft ebenfalls den Preisab­bau für Tapeten.

Ei ne Spende der Deutschamerikaner.

Berlin, 28. Sept. (WTB.) Dr. Lieber aus Neuyork, welcher als Vorsitzender des Zen- tralhilfskomitees in Neuyork in hochherziger Mp- ion zur Zeit hier anwesend ist, hat, der Natconal- iiftung für die Hinterbllebenen der im Kriege Ge- allenen 1000 Kisten kondensierter Milch als Spende der Deutsch-Amerikaner überwiesen.

Au- Statt und Land.

Gießen, den 30. Sept. 1920.

Maßnahmen zur Sicherung der Fleisch» Versorgung.

rm. Darmstadt, 10. Okt. Nach Aufhebung der Zwangswirischaft sind vom Reich M a ß n a h men zur Sicherung der Fleischversor- g u ng während der Uebergangszeit getroffen worben. Tas teffische Lcmdesernährungsamt gibt nun die Ausführungsanweifung bekannt, wonach unter Aufhebung ter Viehhandelsverbände eine Genehmigung sürdeu Viehhandel auch toeiter notwendig ist. Wird die Erlaubnis versagt, so steht dem Antragsteller em Antrag auf münd­liche Verhandlung vor einem bei dem Larches- ernährungsamt zu diesem Zweck einzuberufenten Kollegium zu. Dieses besteht aus fünf durch das Lantesernährungsamt auf die Tauer von zwei Jahren zu ememtenten Mitgliedern, und zwar aus einem Beamten des Lantesernährunasamtes als Vorsitzenden, einem Beamten, der die Be­fähigung zum Richteramt besitzt und je einem Vertreter ter Landwirtschaft, des Viehhandels und des Fleischergewerbes. Die durch''die bisherigen Viehhantelsverbände ausgestellten Ausweiskarten bleiben bis 31. Dezember 1920 gültig. Auch über bie Ausübung bes Viehhandels, bie Viehmärkte, ten Kleinhandel mit Fleisch usw. finb neue Be­stimmungen getroffen.

Unser neuer Roman.

D'ie Falkner auf Lindenhöhe" von Reinhow Ortmann beginnt in unserem heu­tigen Blatte. Der in einer Meinstadt bzw. auf der dieser benachbarten gutsherrlichen Besitzung spielende Roman zeichnet in präch­tiger Gestaltung menschliches Denken und Hanöeln in gutem wie in bösem Sinne. Der vor dem Aeußersten nicht zurückschreckenden Leidenschaft eines schon tm Spätsommer seines Lebens stehenden Mannes sind edle Charaktere gegenübergestellt, die durch Ver­kettung widriger Umstände in schweres Leid geraten, bis der Zufall ikfnen Rechtfertimmg bringt, unb die alles überwindende Liebe ihnen zum verdienten Glück verhilft.

Beranstaltungen.

Donnerstag: Nene Aula, 8 Uhr, Vor­trag: Das alte Rotenburg. Cafs Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung ter Medick-Meibinger. Hotel Einhorn, 81/« Uhr, Gastspiel Buchwold. Lichtspieltheater tote gestern.

** Die Wachsamkeit ber Genbar» men. Durch die Gendarmerie sind im Jatee 1919 nach der amtlichm Statistik in Hessen 29 908 An­zeigen unb 1100 Verhaftungen aus ben verschie­densten Gründen erfolgt. 9921 davon sind gewerbe- polizeiliche llebertretnm. bei bat Verhaftungen 503 to^-n Diebstahl. Wegen Körperverletzung finb 1143, wegen Konkubinat 43, toegen Sittlichkeits- vergehen unb Verbrechen 96 Anzeigen erfolgt. 67 Anzeigen mußten wegen Tierquälerei, 186 wegen Jagbvergeten, 663 wegen groben Unfugs, Rute ftörung, 602 wegim Betrug und Urkuntenfälschuno, 269 wogen Bedrohung. 105 wegen Widerstand unb Beleidigung erstattet worden.

** Die S chau mweinerzeugüng in Hessen betrug nach ber amtlichen Statistik in etwa 23 "Fabrikm im Jahre 1919 75 806 Flaschen Fruchtwein"ekt imb 2 153 694 Flaschen Tra-'benM gogm 51974 Flaschen Fmchtwein'ekt unb 858912 Flaschen Traubensekt in 1914. Im Jahve 1918 wurden 28 604 Flaschen Fruchtwrinjckt unb 1 091 574 F! as ch-n T raubenfekt hergestellt. Der Be­darf ist also um bas Doppelte geftfogen.

** Die Dienststunben bes Chemi­schen Untersuchungsamtes für bie Pro­vinz Oberhesfen, Gießen belaufen sich vom 1. Ok­tober 1920 an für bas Winterhaibiahr 1920/21 auf bie Zeit von 8 Uhr vormittags bis 4 Uhr nach­mittags. An Samstagen ist bas Untersuchungsamt von vormittags 812 Uhr geöffnet.

** Der Unterricht in ber stäbti- feben Fortbildungsschule beginnt Mon tag ten 11. Oktober, nachmittags 2 Uhr, im ! Schulhause West-Anlage 43. Siete Anzeigenteil.

** lieber bas Bettler- unb Land- st reicherun wesen berich.et bie amtliche Sta­tistik, baß infolge gerichtlicher Ueberwei ung in ben Jahren 1918 bzw. 1919 von ten Laubespolizei- (tebörben bie Unterbringung in ein Arteitshcwä verfiigt narrte aus ben Kveffen S>armftabt in 10 bzw. 5 Fällen, Bensheim in 2 bzw. 2 Fällen, Groß-Gerau in 1 Fall (1919), Erbach 2 Fällt 11918), Offenbach 2 Fälle (1918), Mainz 4 bzw. 1 Fall. Also aus Starkenburg 17 b»n>. 8. Ober­hessen in 4 Fällen 1919, aus R rein Hessen in 4 bzto. 1 Fällen. Am Arbeitshaus Dieburg finb nv folge gerichtlicher Ikberroeifung an bie Londes- pvlizoitehörden 20 bzw. 11 Personen untergebrach! Worten. 6 bzw. 4 Angemelbete würben nicht ein- geliefert.