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Erstes Blatt

KO. Jahrgang

Donnerstag, 50. September 1920

439.

die günstige Entwickelung be die sich zwschen imfcrcn bei

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Die Verhandlungen in Riga.

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durch Traktieren mit Schweinebraten und Zigaretten hcrbeiführe. Alle Posen und Gesten halfen nicht über die Oede und Traurigkeit des Prozeßbildes hinweg. Entartete, politische aufgcschminkte Jugend! Armes Deutschland!

Die Politik Amerikas.

London, 30. Sept. (WTB.) DieTimes" meldet aus London, daß der republika­nische Präsidentschaftskandidat in Baltimore vor 20 000 Personen eine Rede hielt, in der er erklärte, daß Amerika dem Völkerbunde, wie er in Versailles ge­schaffen worden sei, nicht beitreten werde. Seine erste Tat als Präsident werde sein, einen Plan für einen Verband der Nationen zu finden, den alle Ameri­kaner unterstützen werden. Harding sagte außerdem, für die große amerika­nische Handelsmarine sei jetzt die Stunde gekommen.

Die Autorität des Völkerbundes.

Haag, 29. Sept (WB.) DerNieuwe Courant" meldet aus London, daß die eng­lischen Blätter darauf dringen, daß der Rat des Völkerbundes sofort einberufen wird, und daß er von allen Mitgliedern Vollmacht erhalten müsse, um seine Befugnisse durch- zusctzen. Wenn die Frage der Autorität des Bundes nicht sofort energisch in Angriff ge­nommen werde, werde der Bund sein ganzes Ansehen bei den Nationen verlieren.

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Präliminarien, bte Joffe bet morgigen Hauptversammlung zur F. redens k.ms?renz unter - breüen wird, besteht er auf ber Anerkennung der litauischen und ukrainischen Unabhingigkeir durch Rußland und Polen Die von ihm rorgeßAagene Grenze liegt wert östlich ber s-genannten CarAtnr- linie und g-bt Polen einen Teil von Weißruß and, Wolhynien und die Eisenbahn BialyswckBrest- Li owsk. Tie Feinbfeligta en 'ollen 48 Stunden nach ter Unterzcrchnmrg des Friedensvertrages ein* gestellt werden Die Vorschläge Joffes enthalten

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Reichskanzler Fehrenbach in München.

am* M ünchen, 29 Sept. (WvM.) Reichskanzler von! Fehrenbach traf gestern abend hier zur Be-

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(Eine Vertretung öer Reichsregierung in München.

München, 29 Sept. (Wolff) ßu der gestern ton der , S aatsz itung" wicd.ngeig denen und aus ihr richtiges Mas; zurückgeführten Berliner Mel­kung ton der baabsuh igten Errichtung einer Ge­sandtschaft des Reiches in München er­fährt die , Staatszeitung", daß es sich fier bei um den Abschluß ton Berhmdlungen band'l', die feit Monaten schon zwi'chen der Reichsregierung und der bayerischen Regirmng geführt werden. Man

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Reden bei der Beglaubigung des deutschen Botschafters in Paris.

Paris, 29.Sept. (WB.) Nachmittags wurde der deutsche Botschafter Dr. Mayer vom Präsidenten der französischen Republik zur Ueberreichumg seines Beglau­bigungsschreibens empfangen. Dabei hielt er folgende Ansprache:

Herr Präs dem! Nacktem die deutsche Regie­rung sich en scl^ß, dem Bei;picke der französt'chen Regteamg folget®, die dip.vum iscken Beziehungen beider Länder in tollem Umfange wi.der aufzu­nehmen, 'labe ich die Ehre, Ihnen, Herr Präsident, mein Beg laubiqungsschreibett als deutscher Bot­schafter in Paris zu überreichen. Aus den tom Versailler Vertrag geidjaffenen Grund­lagen werde ich, <tanz wie es mir bisher in meiner Eigensdafi als Gffdstif s v ger am Herzen gelegen Ijat, fDriftJbren, in lieber ein inrrnung mi den M- sichten meiner Reginung alle mei re Be rebungen einer gün igen En.wckckung der Beziehungen zwisclien unseren dem zu wi ancn. Ich verkenne iiid;t die Sch-wi.'rigkci en, die sich dem entgegen* frei len, ich ver raue aber, daß i<inf I hrem ho hen Bci and? und dank der ei 'sich Stollen Mi tvh'fung der R gierung der franzäsisd>e.t Republ k die Be- ferebungen meiner Reni rinig von Erfolg gekrönt sein werden. Ich habe sie Elwe, Herr Präsuent, mit dieser Hoffnung den Ausdruck meiner Hoch­achtung für den etilen Beamten der Republik zu verbinden.

Der französische Präsident er­widerte folgendes:

Herr Bo f.fxif er! Mit Genugtuung nehme ich aus Ihren Händen das Schreiben en g- gen, das Sie in Ihrer Gigenfdxrft als deutscher Boffdafter bei mir beglaubigt Ich bogiückwünsche mich in ber Tat, ton Ihnen bte Erll.rung zu berneSmten, daß Sie sich bemühen werden, die Msichden Ihrer Regierung dadurch zu verwirklichen, daß sie auf der Grundlage des Versailler Vertrages

Die Konferenz in Brüffi.

B rüssel, 23 Sept. (Wolfß) Havas-Renter beftätigt, daß die Rede des Staat ffekretärs Berg­mann, die nur ein Kommentar zu den fdjon veröffeMlichten Exposes über die finanzielle Lage Deutschlands ist, von der Versammlung günstig ausgenommen wurde. In Besprechungen ber deutschen Erklärungen in den Wandelgängen der Konferenz bemerkte man ben Wunsch, objektiv über die der Konferenz von Deutschlands unterbreiteten Exposes zu urteilen, seinen Versicherungen keinen systematischen Argwohn entgegenzubringen und von den öffentlich durch die Reichsregierung bekun­deten Absichten Akt zu nehmen.

Brüssel, 29. Sept. (WTB.) Der Vertreter Spaniens, Cortina, legte auf der Finanz­konferenz die finanziellen Geschicke seines Landes bar, seit es der Herrschaft ber Kirrsschvanknngen Unterworfen sei unb forderte die anderen Länder auf, nicht bloß zu Vorbeugungsmaßnahmen ihre Zuflucht zu nehmen. Die Delegierten Griechen­lands unb der Schweiz be'on^n bie Notwen- bigkeit, von ber Schaffung einer künstlichen Wäh­rung abzusehen, die nicht den wirklilhen Reichtume entspreche Äw schweizerische De egierte sprach sich gegen eine Erhöhung ber Bank- unb Diskont­rate auS, bie ein Hinbernis für bie wirtschaftlichen Bestrebungen bilde.

Allgemeine Besprechung der Geld- und Wechselknrssragen.

Brüssel, 29. Sept. (WTB.) Bon unserem Sonberbericht.rstatter. Die heutige Konferenz biente ber allgemeinen Besprechung der Geld- und Wechselkursfragen. Die Grundlage für diese Besprechung war ein Vortrag des Prä «identen ber Niederländischen Bank Dr. Vissering. Seine Ausführung^ behandelten die Ursachen der heutigen Inflation und Unst.tigkeit der Wechsel­kurse. Aus dem Ergebnis seiner Untersuchungen ist sein unbedingtes Bekenntnis zur alten Gold­parität und zur Stabilisierung des Wechselkurses hervorzuheben.

In der anschließenden Besprechung hob der ehemalige Gouverneur der Bank von Eng­land, Lord Tüllen, hervor, daß die Inflation

lassen werden. Die ganze Politik der Regierung ber Republik gegen Deutschland ist ton dem gleichen Gedanken erfüllt: Loyale Ausführung des feierlichen Paktes, ber dem Krüge ein Ende gesetzt hat, ist das einzige Mittel, die ernsten Schwierigeküen pro? isch zu lösen, die zwischen den beiden Na ionen bestchm, unb bie ilmen roch nicht aeftatten, aus freiem Herzen an den großen 22ertat des Friedens mi Mitarbeiten. Die Art, wie Sie sich Ihrer torläutigen GeschLf.sführtmg zu ent* leb gen gewußt haben, verbürgt mir dir tohe Auf­fassung, bie Sie ton Ihrer Ausgabe haben. In aller Aufrichtigkeit wünsche ich Ihnen daher Er­folg zu Ilwer Mission.

Berlin, 30. Sept. Wie verschiedene Blätter berichten, hatte gestern ber deutsche Botschafter in Paris Dr. Mayer nach ber Vorstellung ber beiderseitigen Begleiter Ge­legenheit zu einer kurzen Unterredung mit Millerand unter vier Augen.

Rcichsregierung in München cinjuridren und nicht wie etwa hier und da geschrieben wurde, eines aus­wärtigen Amtes. Eine derartige reffortmäfrge Ein­richtung hätte tom Standpunkt ber bayerischen Reg erung aus gar nicht in Frage kommen können Danfft erledigt sich auch die bereits laut gewordene Befürchtung, es könne sich bei dicker Neuerung um eine Art Kvnrmff'ariat des Reiches in Bayern handeln. Davon kann gar keine Rede fein, eben 1'0 wie von einer aewisien Erpositur des Reiches. Welchen Tret unb welchen Rony ber Vertreter des Reiches in München erhal'en werd unb ob er dem diplomatischen Dienste ober ber Vermal'ung ent­nommen wird, steht augenblicklich iwch baten. Mög­lich ist, baß er als Gesandter geführt wirb und ebenso möglich ist es, daß zu seiner Installierung das Gebäude ber preußischen Gesandtschaft tom Reiche erworben wird.

Zum Ausgang -es weihenfeer prozeffes.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Acht Tage lang hat der Weißenseer Kom- munistenprozeß gedauert. Das Ende des großen Lärms sind milde Gefängnisstrafen für ein paar dumme Proletarierjungen, die sich zu einer Art Räuberbande, genannt Koiw- munistischc Kampfvrganisation, zusammen­getan und in ihrer Knabenangst einen Sicher- yeitssoldaten erschossen hotten. Es war sehr weise von den Richtern, keine schweren Stra­fen zu verhangen, denn die abenteuerlustige Welt der Halbwüchsigen im Norden und Osten Berlins wüßte nicht wohin vor Einbildung, wenn ihre Märtyrer jetzt im Zuchthaus säßen. Die 24 Angeklagten, fast durchweg un­reife oder geistesschwache Elemente, die zum Teil kaum lesen und schreiben konnten ein erschreckettdes Zeichen der deutschen Volksbit- bmtg nach bem Kriege, sind also um die ersehnte Glorie gekommen. Aber auch die sozialistisch-kommunistischen Rechtsanwälte, die sich in Moabit auffpielten, als seien sie die Herren und Richter über dieverrottete reak­tionäre Justiz", Baben nicht den Nimbus re» volutionäton Heldentums erreicht, den sie er­strebten. Das Tribunal war ein Ausnahme­gericht, gebildet vom Reichswehraruppenkotw' manbo I, bestehend aus drei Zivilrichtern und zwei militärischen Beisitzern. Die AnNage stützte fick) auf eine Verordnung des Reichs­präsidenten Ebert vom 30. Mai 1920, die die Bildung wilder militärischer oder politischer Verbände aus anderen gesetzlichen Formatio­nen heraus mit Zuchthaus oder Gefängnis be­droht. Hier setzten nun die modernen Lasalles, die Matadoren der kommunistischen Verteidig aung, ein. Die Verordnung sei ungesetzlich. Es fei eine Schlamperei von Ebert gewesen, so einen Wisch ohne Gegenzeichnung der verant­wortlichen Minister hinauszugeben. Das Ge­richt sei unzuständig, der Vorsitzende befanp aen und was der formalen Einwände mehr sind. Als der Rechtsanwalt Lamp, der Haupt- ilreiter desinneren seelischen Kommunistenh techts", gegen das veraltete Gesetz merkte, daß fr bei dem ruhigen Gerichtsvorsitzenden nicht veiterkam, beschuldigte er diesen der Benut­zung eines geheimen Aktenstücks, das ungefähr dasselbe sei wie das gefälschte Bordereau im Dreyfußprozeß. Aber auch dieser Versuch, den Prozeß interessant und sich berühmt zu machen, scheiterte. Die Verhandlung ging ihren trocke­nen Gang weiter. Das Gericht stellte vor­urteilsfrei fest, daß bei der kommunistische!- Bandenbildung von Weißensee keine größere Zentralisation, auch keine Verbindung mit der kommunistischen Arbeiterpartei Deutschland bestand. Zweifellos aber war es ein milttäri- cher Verband. Die Burschen übten mit Hand­granaten, schossen auf der Rennbahn, unter­nahmen militärische Märsche und versuchten an einem schönen Sommerabend (19. August), zesichert durch Radfohrpatrouillen und selber bis an die Zähne bewaffnet, ein Waffenlager der Einwohnerwehr auszuheben, um die Get- ivehre und Handgranaten des gegenrevolutio­nären Feindes angeblich unbrauchbar zu machen. Bei dem nächtlichen Kampf mit der verhaßten Sipo fiel einGegner".

Das Ganze war ein Jndianerstreich, geboren aus Kolportageromanen und vchauerfilms. Aber der politische Einschlag unverkennbar, und wenn auch^die Gefahr eines sofortigen Umsturzes des Staates bei solchem Spiele mit dem Feuer nicht zu besor­gen ist, so haben doch die Behörden mit Recht ein Gerichtsverfahren eingeleitet, um den 'icherheitsgefährlichen Burschen einen Denk- Mel zu geben und die bewaffnete Banden^ bildung möglichst zu verhindern. Der Haupt- angeflngte Michaelis, der mit 1 Jahr 9 Mo­naten Gefängnis davonkam, hat, um seiner Sache ein Ansehen zu geben, in der Verhand­lung behauptet, seineK. O." sei lediglich eine Äbwehrorganisation gegen konterrevolutio­näre Bestrebungen gewesen. Um diese Recht- krtigung zu stützen, legte ein Anwalt dem Gericht den vermeintlichen Originalplan einer militärischen Geheimorganisation vor, die die Absicht verfolge, die derzeitige Regierung zu uürzen und eine Militärdiktatur aufzurichten, also die drohende Gefahr eines neuen Kapp- kutsches, dem die Jungens mit dem Schieß- lewehr vorbeugen wollten. Aber auch mit dieser heroischen Geste kam die Verteidigung nicht weit. Es stellte sich heraus, daß es sich neist um leere Gerüchte handelt. Was an ge- zenrevolutionären Plänen zurzeit besteht, ist den Behörden bekannt. Jedenfalls haben die bum men Jungen, die in der Sommernacht Sowjetarmee spielten, keine Ahnung von sol­chen weitergreifenden politischen Gedanken ge­labt. Soweit nützten die juristischen Haarfpal- ;ereien nichts, auch nicht die verbissenen Ver- uche, iu erforschen und nachzuweisen, daß die poltzei mit Spitzeln arbeite und Geständnisse

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y-Uiiftmertat unb ber Di-ckxwaufnahme der toirt* sci ältlichen und toftaliidicn Beziehungen. Nach einer rocitcn-n Klausck sollen sich Rutzlaud unb Polen verpflich'en, den Durchgang ton Truppen unb Muni.ion durch üjr Gebiet und bie Amoerbune ton Rekruten zu Gunsten einer Mackrt, bie sich mit einem ber vertnagschließmden Teile im Krieg befindet, nicht Kulanen.

.Hierzu wird ton bent eingangs erwähnten Blatt bemerkt, baß Polen burd) diese Ddtckngungen verhindert werden s.ckl, neuerdings als Ba.nS gegen Rußland gerichteter Operationen zu bienen.

Die Kriegslage int Osten.

Warschau, 29. Sept. Wolff) General- stab^sbericht ber polnischen Armee tom 28 Sept.: Im Norden erreichten unsere Truppen teilweise die Flußlinie bet Szczara. Im Bereiche von Grobno wirb die Verfolgung des sich znrück- ziehenden Feindes fortgesetzt. Unsere in der Rich­tung auf Pinsk vorrückenben Truppen besetzten die Orte Chomsk, Trohiczyn und Janowi, wobei sie ben Stab ber 55. und 57. SowjetdiVision ge- fanden nahmen, 6 Maschinengewehre, 150 Wag­gons und eine Lokomotive erbeuteten. Südlich von Rowno warf unser Kavalleriekon^ auf dem rechten Ufer des Flusses Horyn feindliche Abtei­lungen zurück, nahm Korzecin und eroberte 6 Ge­schütze und 16 Maschinengewehre. Am 24. Sept, machte unsere Kavolleriebrigade 2600 Gefangene, erbeutete 32 Maschinengewehre und 3 Geschütze Ukrainische Trupton, dr- östlich des Zbrucz tätig sind, besetzten mit unserer Hilfe Kloskirow und Staro-Konstantynow, machten 2800 Gefangene und erbeuteten 4 Panzerzüge zahlreiche Trams unb viel technisches Material.

Konstantinopel, 29. Sept. (WTB.) Hervas B er icht de r Ar mee W r an g e l tom 24. Sept.: Wir haben Auriewka in der Richtung auf Woliwwak a besetzt, wo nxr zwölf Schiffe weg- genommen hoben

Der 9lrmeebericht tom 26. Sept, meldet Vor- postentätiakeit an der ganzen Front.

Der Be-.ckcht tom 27. Sept, meldet: Im Nor­den ton Alexandrowsk haben mir die Ber- svlanirg des Feindes foirgesetzt. Wir haben 33 LvSomottven, 1000 Eisenbahnwagen und zehrt Ma­schinengewehre erb-n'et Wie 1000 Ge'angene ge­macht. Offiziere des rus ischen Gencrel abes ver- brcT'en eine Prvklmn-aition, in welcher sie ihre Waffengenvsfen. bie sich gog^nwärckg bei den Bol­schewisten befinden, auffbtbem, zu General Dran-

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nicht nur durch die Banknoten, sondern auch durch Schecks aut Bankdevofiten hervorgerufen werde. Tüllen wlll zur Bekämpfung ber Inflation den überschüssigen Notenumlauf emziehcn. Im übrigen bezreichnete er als Grundlage für die Genesung auf bem Währungsgebiet eine geordnete Finanz^ wirtschaft.

In der Nachmittagssitzung wurde die allgemerne Diskussion über die $iaeriugfchcn Ge» bantengänge fortgesetzt. Es sprachen Vertreter der italienijchen, südafrikanisch:n, spamschtn und schweizensd)en Delegation. Hervorzul)eben ist, daß ber Schweizer Vertreter ein Gegner hoher Bank taten ist. Sie würden den SinsiuB wesentlich er höhen in einer Zeit, da den Staaten kein anderes Mittel zur Abwicklung ihrer schwebenden Ver­pflichtungen zur Verfügung ftänbe, als feste An­leihen. Hiernach sprach der deutsche Dele­gierte Urbia, dessen Ausführungen das Haus mit lebhaftem Interesfe folgte. Er betonte daß die von Bissering gckcistete Gedankenarbeit ein großes Werk sei und daß im wesentlichen die Richtigkeit seiner Ausführungen zu.'eslanden wer­den könnte. Deutschland verfolge mit Interesse die Konferenz, in der zum Ausdruck gebracht weide, daß Frieden und Wirtschaft.ichleit in ganz Europa vorherrschen müßtm. Nach seiner Mei­nung haben Kapital und Arbeitende, Sieger und Besiegte Opfer zu bringen und auseinander Rück­sicht zu nehmen.

Für Donnerstag ist auf die Tagesordnung die allgemeine Besprechung über die internatio­nalen Handelsg setze gesetzt, roor iber der fran­zösische Finanzsachverständige Collicur den ein­leitenden Vortrag halten wird. Zur näliere.i Unter­suchung der Geld- und W chselsragen wird heute nach ber Vollsitzung ein d.sonoeres Arbeitskomitee gewählt.

Brüssel, 29. Sept. (WTB.) Aus dem von dem Präsidenten ber Nieder ändisd>en Bank, Vissering, zur Frage des Wed)selkurses und des Gelbproblems erstatteten Bericht ist hervor­zuheben: Tas Gelbsystem der hauptlächlichsten Staaten beruht auf bem Werte bes Goldes. Tas Verbot ber Gvldausfuhr hebt das Gleichgewicht «nnfdxm bem Werte bes Golbes und bem bes Papiergeldes auf. Zur Frage der Verminderung der Kaufkraft des Geldes hält Viffering es für er­forderlich, daß die Pmduktion von Maschinen ver­mehrt und der Verbrauch nicht wichtiger Erzeug­nisse vermindert werde. Zur Vermtitderung des Papiergeldumlaufes sei es nötig, einen festen Wertmesser zu schaffen. Eine au rasche Ver­minderung des Notenumlaufes fei eben so gefährlich wie bie Inflation. Bei der Besprechung ber Lage ber Vereinigten Staaten stellte Vissering fest, bau, falls bie Vereingten Stataen auch weiterhin auf Zahlungen von feiten Europas bestünden, ber Dollar anbauernd steigen werde, weil Europa weit davon entfernt fei, feine Produktion, und Ausfuhr soweit zu steigern, daß es hierin den Vereinigten Staaten gleichkommen könne. Vissering wünschte schließlich, daß die Diskussion sich auf folgende vier Punkte bffchränke: 1. Tie Möglichkeit und Erwünschtheit der Verminderung her Jnf.atton unb bie hierzu erforberliehen Mittel. 2. Tie Frage, ob eine Rückkehr zum Golde als fester Wertmesser erwünscht unb möglich sei. 3 Be­züglich ber Bankpolitik bie Frage, ob es möglich sei, auf jeden Fall allgemeine Maßnahmen zu treffen, um feste Bank- und Diskontraten für die Emissionsbank festzusetzen. 4. Die Frage, inwieweit internationale Maßnahmen erforderlich und er­wünscht sind, um die Schwankungen des Wechsel­kurses zu begrenzen unb ob es natürlich sei, eine internationale Münz- oder Rechnungseinheit zu schaffen. Solange man nicht ein Zusammenarbeiten ber einzelnen Regierungen erreichen könne, wür­den alle Projekte sehlsÄagen.

Aus den Einwänden, die Lord Eall'on gegen Ne erteilen Vi s rmgsckxi Vors .!äg- torb a t . ist noch hertorzul/eben: An ber in Eng and be­stehen den Teuerung fei nickst die af eric gs be­stehende Jnfla-ion schuld. Zur Herb i ülTung einer normalen Lage und zur Vermindern- g des Noten­umlaufes müsse man Taten sestietzen, die den augenblicklichen Verhältnisfen entibrädym. Man müsse Zuschüsse für bie Einfuhr lebenswichtigrr Wavm geben und die Einfuhr von Waren, bt? nicht unbedingt erforderlich seien, verhättern. Tas einzige Mittel, den Wert bes Goldes zu stabüi- sieven, seien Arbeit unb Sparsamkeit.

Brüssel, 29. Sept. (WTB) In der Nach­mittagssitzung ber Finanzkonserenz legte der italienische Delegierte Beneduoe seine Ansichten über die Frage des Wechselkurses dar. Er glaubt, daß rein finanzielle Mittel die gegenwärttge Lage nur torübergebenb verbessern würben. Die Tevisenfrage sei eng mit ber Frage ber internationalen Handelsbeziehungen verknüpft unb auf Grund der Ein-^ unb Äusfuhrfvage ent­scheide sich letzten Endes Die Zukunft der Valuta.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Werhessen

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