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Nr. 205

Der Siegener Anzeiger erscheint täglid), außer Sonn- und ^«'ertags.

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Poftf^e

Sranffurt a. PT. U68b

_____ 170. Jahrgang Montag, 50. August 1920

'V**T Annahme van Anzeigen

für die Taaesnummer bis

GießmerAnzelge

L O W Vorschrift 20", Aufschlag.

XiU? 5saupffchrffUefter: Aug.

General-Anzeiger für Oberheffen WZ

Vruck und Verlag: vruhl'sche Univ.-Vuch- und 5tein4ru6erei R. Lange. bchriftleiLung. HeschSftsftelle und Dnickerei: Schulstratze 7. sämtlich in Gießen'

ver Lahnkana!.

Vvn Bergrat Grvebler.

Tie fanatisiene L»rhn ist von je^fer das Sties- stnb der vreußiscfen Regierung gc.vcfen; daran hat auch die neue Zeit nichts g. ändert. Tie Wider stände gegen eine Nutzbarmachung der hier brach licgenben Kapilali'TU und wirtschaftlirlten Kräfte, die sich der Lahnkanal-Vercrn seit amiäfernb 20 fahren zum Ziel gesetzt hat, sind dieselben ge blieben; die Arbeü des Vereins war bish?r ver gebens. Turch Staatsvertrag Vvm Jahre 1844 jaisften Nassau, Lessen und Preußen ins Leben ecrufen, Hal der Lalmkanal zwisck-en Niederlahin fiem und Giessen auch in bescheidenem Nahmen nicht feine restlose Vollendung erfahren und ist feil 1866, d. h. iiTbem Preußen die Untedl>altungs- tzflicht fast ausschließlftl> auszuüben halte, trotz damals an die ehemals nassauische Bevölkerung gemachten Zusagen, abgesehen von einigen mehr vdee weniger fonuadixm Ansätzen, seinem Schicksal Lberlassen. Tenn das Wenige, was am ftanal geschah, ucrbiciit nicht die Bezeichnung Unterfel taug und reichte nicht aus, ihn vor dem voll' bändigen Versanden zu schützen; es bewirkte ledig­lich- ieiuc Ueberführung in einen Zustand der voll- vmmcucn Lcibungsunfähig'L'it, in dem er sich jetzt befindet. Ter Verkehr betrug noch im Jahre 1875 an der Lvllericher Schleuse 120 000 Tonnen, int Jahre 1882 an der Limburger Schleuse an­nähernd 50000 Tonnen; er ist 'beute auf dem ganzen Kanal gleich nüll. Tie seit Jahren noch rmfgewen e en Untcrhaltungsfosten, die in der Hauptsache der Bewackmng der 20 Schleusen dienen, sind aeggneochmes Geld. War es Wunder, daß sich aller Kreise, die an der Lahnschiffahrt ein Interesse hatten, mit der Zeit eine Veri.immung bemäckftgtc, die in dem Mäße wuchs, wie dieselben preußischen Instanzen ben immer erneuten Vor- i<f lägen des Lahn kanal-Ve reins gegenüber die gleiche ablelmende Ballung einnähmen. ?

So war. der Verein fast am Ende seiner Weis- teit an gekommen, als in seiner Hauptversammlung rim 26. Juni '1920 ein neuer Gebinde in bte Dc- batte geworden wurde, der den infolge des ver­lorenen Krieges veränderten Verlstiltnisfos feine Entstehung verdankt. Ter Gedanke besagt: nicht rnehr Stichkaninl von Niederlahnstein bis Gießen, sondern Turchgangskanal von Niederlahnstein über Meßen-Marburg bis Kassel, also vom Rhein bis zur Fulda und Weser. So kühn der (tzed.ru ke erscheint, so folgerichtig baut er sich auf. Er ver­liert aber auch an Kühnheit, nachdem die febon fangt geplante Wasserstvaßenverbinbung tzwil hen Deser über die Werra zum Main bei Bamberg durch Bewilligung der erften Rate für die Vor­arbeiten seiner Verwirklichung nahe gerückt t|t. Tie Verbindung von Main und Donau durch einen neuen, leistungsfähigen Kanal ist heute eben­falls gesichert, so daß sich also in absehbarer Zett Nordsee und Schwarzes Meer die Land reichen werden. Beide Kanäle werden das 1000 Tonnen»

Schiff tragen. Im Vergleich mit biefen wahrhaft zeitgemäßen und großzügigen Pvoiek.en bede^itet die neugeplante Verbindung zwisck>en Rhein und Deser nicht allzu viel, sie bildet mir einen u. (i notwendigen Teil in der ein'heitlichen Enttvicklung des deutschen Wasserstraßennetzes, wie es die fort» schreitenden Verkchrsverhältnisfe gebieterisch und nanz automatisch werden entstehen lassen. Auf den 2«rkebrSw?rt ter vorhandenen und noch zu bau-.'n- den Kanäle möchten wir das Hauptgewicht legen; denn wenn auch die bebet zu gewinnenden und in ?ekttiscbe Energie umzu'etzenderi Wafterkräfte eine nolksnnrtschaftlich außerordentlich wertvolle B r Mbe bilden, so ist doch vo um zu stellen, daß die d^it- fben Eiseuba'lmen - nicht erst feit heute nack Enlloslung tue: und daß Massengüter in stetig steigendem Maße von den Selsten enstr cm gen aui ten Wasserweg verwiegen werden müssen, fosern w es sich scfen in den Jahren vor dem Krieg nannigfach bemerkbar machte Industrie mi5 oan.el über kurz ober lang in Verkchrsstockungen tna)t_eine Grenze in ihrer Entwicklung finden soll.

Ler Umstand, daß der verlorene Krieg und die chüernatwnalisterung der Rheinschisfahrt Ant- 'verven und Rotterdam unter die Kontrolle Eng- .^E^gestellt haben, hat den Wert des Rheines ns der h.-rvo tragendsten deutschen Wasserstraße ">eralgehrueft, imb es beginnt die westdeutsche onmenmnstahrt sich nach einer neuen Rord-Süd- ucyie, die Weser mit dem beutf(fen Hasen Bremen, 5? . Öier wird sich der Wasserverkehr

.oenocut'chiands aus ben Seitenlanälen sammeln, >on *lv\au? roLr& er auf diese oertellt. Ein Kanal ,on Nieder ahnftem nach Kassel wird dem Rhein ->Krlher entziehen, er wird aber einen wte raus tau sch ermöglichen, dec heute mit Rück- ,cht auf Die Transports rage nicht vor sich gehen und wird deutche Bodenschätze nutzbar naccn die noch ungehoben sind. So wird er ff n ' ^?e a:i der Lahn massenl)ast ruhenden JmUtVorrate in Form von Straßenl-aumaterial ^..nnttel und norddeutschen Großstädten und -cn uäh'r bringen und unser Land zum -'l^'.mavhmgig vom Im vor stesee D te aus ^fondniapien machen. Andererseits wird

>)' ' 1'4>ri Kassel ein größerer Verweil- rno- r cn: »lo "iü.ncfjtxqe Zukunfts-

»h wit Valuta unb Kohlenknavp-

.rViöstichkeiten liegen vor, rönnen l?v -5tc:k Nicht erörtert werden.

'oniii den geplanten Kana! als eine i Q|^ int beutfrlk'n 2L,rffersl.raßennci' die

*1^ ^N-cj.e West-Ostverbindung zwi'chen " stoben der bereits vorhand-ten! "'inhpnK V' Tute barg unb .Hcninoe r-

rack -^a^stmrg auf, so wmi. it die Frage a. ^irrf en Rentabilität desselben, die man a-C?1 >'cr^cr^runb stellt, neun man einen

zE miU«5tn machen will an Bedeutung In butwa Seit, in der alle» in fftnh ist, is< bitie Ornij und gar nicht zu beantworten, und

Irofetm man sie auf Friedenswerte, b. h. Bvrkriegs- faerte basieven wollte, so wäre das eine Fiktton. Lmttr man jede Eisenbahnlinie vor ihrem Bau «ruf ihre mögliche Rentabilität geprüft, so wurde Deutschland heute nicht auf der !f>bhe des Verkehrs imb damit von Industrie und Lcmtzeliteben, wie es trotz des verloreneit Krieges der Fall ist. Die Kanäle werden kommen, weil sie kommen müssen. Auch dieser Kanal wird kommen, früher ober später.

Tie Linienführung des Kanals ist so gedacht, daß von Niederlahn st ein bi? 'JJÜarburg die Lahn benutzt wird. Kurz nördlich.Marburg geht es mit Biegung nach SDften auf die Ohm über unb folgt dieser bis zunt Hebert ritt auf die Wasser scheide int sogen. Sberrewvalo. Im Wstieg benutzt der Kanal zunächst das Tal der Wiera, öcr Schwalm unb mündet unter Benutzung der un­teren Eder bei Kassel in die Fulda. Technische Unmöglichkeiten liegen nicht vor, er wird vor­aussichtlich dichter zu bauen sein, als der Weser- Maintänal. Tie Größe der Schisfsgefäße bleibt Vorbehalten, je größer diese jinb. umso besser. Erweist sich das künstige deutsche Nvrmalschifs von 1000 Tonnen als unwirtschaftlich, so wird man mit dem Fassungsraum zuruckge^n müssen, keinesfalls aber unter 400 Tonnen. Z'veckmäßig aber wird man die Schleusen und sonstigen Kunst bauten von vornherein so anlegen, daß dem 1000- Tonnen-Schiss nicht die Möglichkeit abgeschnitten wird. Tas Rähexc müssen die noch anzustellenden Untersuchungen unb Erhebungen ergeben. Für bte Kcastgewimtung und Speisung der Kanäle erscheinen Talsperren in den Oberläufen der Schtvalm, Ohm sowie anderer dem Vogelsberg entspringender Waffeckäuse und vielleicht auch der Lahn ziveckdienlich.

*

Die Fortsetzung des Mittelmeerkanals.

Braunschweig, 28. Aug. lWTB.) In der Frage der Fortsetzung des Mittellandkanals wurde von Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Anhalt, Oldeitburg unb Bremen bereits ein gemein­samer Antrag an das Reich audgearbeitet, der die alsbalbige Jnangrisfncchme des Kcvtalprojektes durch das Reich als die allein basür noch ver­fassungsmäßig zuständige Stelle im Auge hat, unb zwar die Inangriffnahme auf der Grundlage der südlichen Linienführung. Die Ueber- reichung des Antragvs an das Reich soll unmittel­bar bevorstehen.

Die ekgtitch-deutsche LruShruugr- tonserenz.

Berlin, 28. Aug. <WTB.) Tr. Hermes ist mit Geheimrat begleitete, von der Konferenz in

morgen zurückgekiehrt. Die ursprüngliche Absicht, eine gemeinsame Konferenz der alliierten Möchte und Deutschlands zu veranstalten, konnte infolge unvorhergeselieiter Umstältde in letzter Stunde nicht verwirklicht werden. Trotzdem hielt die englische Regierung die Einladung an die deutsche Regie­rung zu der Londotter Zusammenkunft in der Erwägmtg aufrecht, daß eine gemeinsame Aus­sprache zwischen dem eng:liefert und deutschen Er- nährungSministeriuin über Maßnahmen zur Ver­besserung der Ernährungslage Deutschlands von Vorteil fein würde. Dieser engl isch-deut- 1"eben Ernährungskonferenz, die unter dem Vorsitz des englischen Ernährungsministers Max C u r d p stattsand, und an der auch der deutsche Geschäftsträger Minister Sthamer teil­nahm, wollten auch die Vertreter Frankreick>s, Italiens und Belgiens zu informatorischen Zwecken bei. Minister Curdy eröffnete die am 21. August abgehaltene Besprechung mit Worten der Be­grüßung für die Erschienenen und wünschte ins­besondere Ausltmst über das Ernährungsprogramm Deutschlands für das eben begonnene Wirtscfefts- jahr. Minister Sthamer dankte im Namen der deutsch n Delegation für die Worte der Be­grüßung, worauf R e i ch s m i n i st e r D r. Her­mes sich in längeren Darlegungen über die gegenwärtige Ernährungslage ber deutschen Be­völkerung ausließ und die Einfuhmotwenbigkeften Deutschlands bart egte. Er wies u. a. daraus hin, daß das deutsche Volk, besonvevs die Bergarbett r, alles daran setzten, um die im Spaaer Abkommen eingegangenen Verpflichtungen zur Kohlenlieferung restlos zu erfüllen. Trotz des völlig unbefri^igen- den Ernährungszustandes habe es die deutscheBerg- arbeiterschaft durch freiwillig übernommene Mehr­arbeit bewirkt, daß die Kohlenablieienmgen den Anforderungen entsprächen. Die deuiscfe Arbeiter­schaft sei aber jetzt am Ende ihrer Kräfte, und es fei daher eine Besserung der Ernährung unerläß­lich. Diese Verbesserung sei ebenso wie diejenige der übrigen deutfchm Bevölkerung nur möglich durch eine wesentliche Verstärkung ber Nahrungs- mjttclzusuhr aus dem Ausland. Diese habe aber ihrerseits zur Vorairrs.tzung ^i ichkennigste Bereit­stellung der in Ziffer 6 des Anhangs zum Pro­tokoll der Konfernrz von Svaa vom 16. Juli 1020 festgesetzten Vorschüsse durch die alliierten Mächte, und zwar zu Belringungen, die eine dauernde He­bung der Einährmi-..age des deutschen Volkes gestatt t.m. Ohne vorberige Regelung der Frage dn Vorschläge sei di? Aufstel u-ig eines prakti ch durch führbaren Ernährmtgsplancs für i>ie deutsche Re­gierung und damit auch eine dauernde Gesundung des deutscher Volkes nicht möglich.

Deutschland könne nickt länger von der H>rnd in den Mund leben, sondern mäste endlich zu e'uer v in nftigen Ee: ährungÄvir!sck.-rft gelange-'.' - Sons: Ivlel-erbole es sich, : a: las deuticke Volk zwar zu Beginn des Wirtschaftsiafee-ö etwas fester, !we.u- a-'ck ch.!'.udrus nicht ausreichend ernährt wer- ! ; e ' ag r. in den letzten. Rcon«en des

Wir.s:asts ah e infolge urg? .ügeud-?. lifaslauos- | zu fuhr wieder in einen ZrrMnd sta-Lr llascc*

ernäbnntg zurückgeworfsn werde. Dieser fortwäh­rende 'XdBjfcl zwischen er.ier gering n Verbesserung ber Ernährung unb völliser Ilntereruähruns er* klare den stark nervösen und krankhaften Zustand, unter dem d«s bcuiiefje Volk nach nnc vor leide.

Minister Curdy intiringte vollfommen bte norr Reichsmrnister Dr. Herrn»» bat gclegt. i! Schaue- riegreiten, die sich für die Lfafsfolking d^s Ernäfe rungsprogramme-5 eegobwi, und erklärte sich <ui| Wunsch des Reftcksmnnfters bereit, am eine b: schleunigte Regelung der Fr«ge der Vorscknstse durch »ic Reraratio::sÄommiffton, zu terai au schließlicher ZuständigVeit die Faag^- ge-örtt, hm zmvirken.

Die weitere Aussprache übe-, die nächsten Ernsuhrbedürfnisse Deutschlands wurde von Dr. Hernnes mit ber grundsätzlichen Dar­legung einK?leitet, daß DeutsMand neben lx:t Ein- fuhr von Rahruugsmitreln nud; auf diejenige von Rohstoffen für die L a n d w i r t s ch a 11 G- wicht legen müsse. Tie Sicherung der Ernährnng Deutschlands für die Zukunft müsse in erster Li-ne auf der feimifdjen Erzeuguny beruhen. Desizalb müsse diese mit allen Mtteln gefördert loerbrii. Diese ^luffasstrng wurde von den Vertretern des englischen ErnäEun«S«ninisteriums durcl >ar!s ancrfairnt. Anschließnrd umrde dann Auskunft gc- geben über die Lage auf'ben wichtigsten Geboten der Er-nährungÄmrtschaft. Ei e eiixgcbeni-e V - spreehung Tyierübcr erfoigte mn zweiten Tage ber Konferenz innerhalb kleinerer, aus Vertretern der beiden Ministerien unb Sachverständizen gebildeten Kommissionen.

Tie englisck^deutsche EwrährungsSonfetenz war beiderseits fron dem Willen hu positiver Zufammeu- arbeit getragen und verdient als erster Versic.h eines persönlichen GedanUstanstauschrs zwischen den Enrährmngslninisteiin Englands und T>utsch- lands Beachtung, zumal die anderen nächstbetft- ligten Mächte Knrntnis von den Berbairdlmigen nahmen. Die auf "ber Londoner Konferenz behan­delten Fragen iverden povairssickrtlich Wegenftanb weiterer Bettungen sein, an beiten, dann hoffent­lich die bisher nur informatvrisch Vertretenen Staa­ten tätigen Anteil nehmen werden.

Die Z«fammenkunft in Ai^-les°Baius

Paris, 30. Aug. (WTB.) DerMotin" meldet, daß noch einer MÄdung des KorrestPn-- fenten des ..Esrräwe della Sera" Miller and Llvydt^eorge emgeliwen habe, der Zusammen­kunft mit Giolitti in Air-ies-Bains beiiisroofeieii.

Paris, 28. August. (BTB. - Rach einer Meldung desJournal des Deferts" ist die Zu­sammenkunft von Aix-les-Vains zzvischen Giolitti inib Millerand auf den ll.Sep temher festgesetzt worden.

Lloyd George in Luzern.

Rach einer Radiomeldung aus Basel kommt der E w i r F a i c a l m -rg 'n ün. L'uKern un. Llo v d George 'habe ihm müteiLit lapen, daß er ihn Anfang nächster Woche cmtstangen .solle. Trotz des drohenden Streiks der engst schein Bergarbeiier beabsickftigt Lloyd George noch .venigstens eine Woche in Luzern zu verVkeifen.

Die AnKnSißunq der russischen Segensffensise.

Paris, 30. 9lug. (WTB.) Rach einer Mos­kauer Meldung haben die bolschewistischen Dele­gierten in Lantzon erklärt, daß sie aus Moskau einen Funkspruch erhalten Hoden, aus dem hervor- geht, daß die polnischen Meldimgen über die Verluste der russischen Armee stark übertrieben sind. Die russische Armee sei jetzt umgruppiert worden unb werde in den nächsten Tagen die Gegenoffensive aus­nehmen können.

Pil^ldski ützer neue Rüstungen der Bskschewisten.

Paris, 29. Aug. (WTDst Me dieJnsor- mation" aus Warschau meldet, erklärte Bil- sNdskr dem Bertreter des Blattes, die Bol­schewisten wurden sich nicht mit ihrer Riederlage fegnügrn. Bon den 70 Divisionen, die sie gegen Pfoten vereinigt hätten, seien nur noch 30 übrig. Sie men obre dabei, neue Armeen aufzu­stellen. AuOenfeirkfech zögen sie sengend und mor­dend durch Ostgalizien unb 'bewaffneten Bauern- banden. Die mir zugos-ngenen Meldungen, sagte Vlsudski, geben mir das Recht zu behaacpten, daß die Bolschewisten in Oscholizien mit 15 neuen Divi­sionen eine neue Offensive in großem Stil vor­bereiten.

Aus der englischen Rrbetterbewegung.

London, 29. Ang. (Wolff.) Der Voll­zugsausschuß des Sozialdemokrati­schen Bundes (frühere Nationale Sozia­listenpartei) nahm eine Evtstchließung an, in der mit dem größten Nachdruck gegenMas- sen streik oder Generalstreik pro­testiert wird, der notwendigerweise Elend und Entbehrung über die ganze Bevölkerung brin­gen und zu Anarchie und Bürgerkrieg fuhren müsse.

London, 29. Aug. lWolff.) Das Er­gebnis der Abstimmung der Bergarbeiter über die Frage eines allgemeinen Streiks wird am 2. September auf der all­gemeinen Bergarbeiterkonserenz in London bekanntgegeben. Tie Abstimmung hat anschei­nend die notweirdige Zweidrittelmehrheit zu­gunsten des Streiks ergeben-

Reichs mmifter Herz ,der ihn London heute

ließ das Rathaus nrilitärisch be-

Gegen

per-

die polnischen Gewaltakte in Ghersl^'esien-

schäfte und setzen.

durch Trupvm ber antecen in Oberst! treimen alliierten Mächte ersetzt wird.

Zur vrmordung des dculschcn ttonfuls in Täbris

Berlin, 28. Aug. (Wolfs.) Wie erinnerlich, hat die Ermordung des deutschen Konftils $3u|troir in Täbris in der Oeffentlichfoit seiner Zeit großes Auffcfen und feoechti-ften Unwillen l)ervorgerufen. Tie Verhandlungen mit der persischen Regierung zogen sich in die Länge und eine Zeit lang schien les, als seien die Berhaudlnngen auf dem taten Vunkt angelangt. Dieser Eindruck wurde verstärkt, als in Täbris neuerlich ein lieber fall auf das ' mmitar erfolgte. 9hinmehr scheinen die beiden Au- rolcgtnfeiten einer Lösung in freundschaftlichem Sinne entgeg.mzugehcn. Rach einer Meldung des oeutschm Gefchdftsträgers in Tehermi hat der per- sische Minister des Aeußern nnen offi- ziellen Besuch in der beuiftfen Botschaft abgestattet, um das aufrichtftistr imb lebhafteste S.kbauem der tvrfiicfen Reg«run-fl über diese Vorfälle -um Arrs- dnick zu bringen. Der AufenMinister teilte dem deuffchen Äeschöstötcäger mit, daß der bisherige Generalgouverneur von Tübris ab» berufen ivorben ist und der itncemannte Äe«ralgouvemeur angewiesen toorben sei, die An­gelegenheit peinlichst zu untersuchen imb bte Schul­digen ausfindig zu machen. C-kfeun hat sodann der bisherige persische tzstschäftsträger in Berlin, der den jetzt in her Schweiz weilenden perftschm Ge­sandten vertritt, dem Leiter des Auswärtigen Am­tes, Herrn v. Sioftenferg, im Auftrage seiner fRo- igieiirng besucht und ihm die gleichen Erklärungen abgegeben, wie ber pe».sffche Außenminister in Teheran. ---

Tie kommunistische Stadtverwaltung von Belgrad.

Belgrad, 28. Aug. (Wolff.) Gestern sollte die kommunistische Stadtver­waltung sie Geschäfte übernehmen und da­bei den üblichen Eid leisten. Da sie vor Ab­legung des Eides den konlmunistischen Stand­punkt zu jeder Eidesleistung darlegen wollte, verbot der Minister des Innern, der in dieser Erklärung einen ungesetzlichen Vorbehalt sah, ben Kommunisten die Uebernohme der Ge-

B erlin, 29. Aug. (WTB.) Gegen die pvl- nischen Gewaltakte und bte Mißhandlungen der Deutschen m Oberschlesien hat heute nach­mittag im Lustgarten eine gewaltige P rv test kund gebung ber in Berlin lcbemen Obcrschl^'w ftuttgefimfe'n, an ter etwa 50000 Personen tviln ahmen. Von sieben persckftedenen Stellen sprackien Zeugen ber furchtbaren Greuelszenen in Ober» schlecken, unb 9M>ncr aller politischen Parteien gaben unseren Gefühlen für unsere unterdrückten unb geknechteten Landsleute Ausdruck. Zum Schlüsse der Versammlung wurde folgende Reso­lution einsttmmig angenommen:

Wir in Berlin versammelten Oberschlesier geben unserer Empörung Ausdruck über die ft'cng- hen Vorgänge in Oberschkesien. Völkerrecht unb Friedcnsfrerlrag sind schmckfe'ich gebwcken warben! Zwischen ben Parteien in Obcrschleften haben Ber- femblungen istrttgefunden, frie gestern in Katto.vitz zur Unterzeichnung eines Ausrufs geführt haben, ber eine Lösung des Kvnslik»es <mbahnen soll. Jic Würdigung, aber auch in Ergänzung dieses Aufrufs hrkien wir folgende Maß­nahmen für unerläßlich: 1. Wir veckansen rtftfofe (S-ntaaff-xuntg ber polnischen Banfem, fcyärssle Ab- urttLuug der fegengencu Berb-vvchen urtb Aus- >iteihmg straftechtl-ftb nicht faßbarer, aber geistig mitschuldiger Urheber, msbeo«tere ber bekannten polnischen Führer. 2 Dir ixrUmgat ferner Wie­derherstellung ber Ordnung, GewSfeleistmm bet 21 rbeitsMöglichkeit für die arb«t«willige öberschlo- si'che Arbeiterschaft, Wiebereinsttzung der vertrie­bet, en Behörden. Tbc vcm ben yolnifcfen Banden Drririctenen, getstit" Serien unb mitzfemdelten Lanrsleuie, insbeforckere die Hinterbliebenen der von Insuvgentenhano Ermord«en, müssen pol­nischer sefts entschädigt roerbm Die ertfimte Ab- s^vnmungHwefe ixtrf keinesfalls eine »»lniscfe Kampfgruppe 'werdar mit dem Ziel, famf) Einschüch- tenntg und Bedrückung der oberschtesistfen Be­völkerung die freie Abstimmung unmvglich zu m»Ae:i. Ganz Oberschle'ien steht unter dem Ein­druck, bafi dcke französische Besatzung auf polnischer Seite steht unb teils offen, teils ver­steckt den polnischen Aufs:and begürutigt. Dir hal­ten deswegen bi? Wied?r?chr von Ruhe und Ord­nung mir bann für möglich, wenn btt farzuöfifcfe Besatzung Oberfchfan.ms, zu der die Bevölkerung nun einmal fein BertrarZen hat, abaelöst unb

Ter Älbgenveitte Deutsche GewerkschaftSfemd, eie Arfeck s^menisch»^ rcker An gestellt «werbände, der Deutsche Gewrffchaftvbunb, der (fefomwer- b<nb feu'scferAngeste ltAngtwerffchsften, dieHirsch- Dunckerscken Ssewerftchafien unb 'ber ttzewerffchafts- bunb ber An geilsten haben FunkenÄegramme an a<le Arfai.sd.llcgen in ber sanzeu Wett gexmbt, ireriiT sie oas (Äend der oberschlesifche» Brüder fcifteri und sie bittm, ihnen in ihrer Derxweff- I mg, solange noch Aussicht auf Rettmrg ist, zu festen. ---

Eine amerikanischer Panzerkreuzer nach Danzis unterwegs.

Washington, 29. te. Wolff) T« Ma- rmefoirctär Daniels reiO mit, daß der 'Hanser«* faiuaerPfttsbnrg" bet Befehl erfalten habe, »vn Reval »ach Danzig zu gehen, um bte