ZreNag, 50. Januar 1920
iegert.
ZwlMn-rnmd-nttk u. Verlag: Srühl'lche Univ.-Vuch- n. Zteindruckerei k. Lange. Schriftleitunz. Geschgstrftelle il Drntferei: b hn!ftr. 7.
legert.
Berlin, 29. Ian. (WTB.) Tie
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kommissär. igsrnt.
Au» dein Ueiehe.
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Kabinettskrise in Vngkand.
Paris, 29. Ian. «'Wolff.) Havas melbrt «ws London: Die Demission des Ministers der Arbeiterpartei Barnes wild sehr ernst beurteilt. Man befürchtet' daß die drei anderen Arbeiter - mlnister sich ebenso ls zurückzieben. wodurch die Koalition jeden Schein van ÄcbciterVertretung verloren hätte.
London. 29. Ian. (Wolff.) Lloyd George richtete einen Brief an Henderson, in dem er ihm mittest, das; er gemäß seinem Versprechen vom Au inst te"4en Jahres sich mit der italienischen und fron’>oft dyrn Regierung über die Erteilung von Pässen an RamM Macdo
Nr. 25
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Amerika u«d der FriedeuSvertrag.
Amsterdam, 29. Ian. (Wolff) Dem ^Telegrauf" wird aus SBoftx :s'tm grmetbet: In einer stürmischen Sitzung der Senatoren beider Richtungen wurde erklärt, daß noch kein Weg gefunden sei. der Mr Ratifizierung des Feie de ns Vertrages führe. Senator Hirch- cvck erklärte, daß- ViIU kein Ausgleich geschaffen würde, er bat Kampf in den Semit tragen werde.
Wilson.
Haag, 29. Jan. (Wolff.) Ter „Nieuwe Eou- rant" meldet ans Washmgton, daß Wilson sich lur Wiederherstellung seiner Gc undhit M längerem Aufenthalt nach Kolifarnien begeben und wahrscheinlich eine Zeitlang in San Tiegv wohnen werde
Amsterdam, 29. Jan. (WTB.) Wilson bat im Kongreß darauf gedrungen, die Maßnahmen zur Linderung der Lebensmittelnot m Europa zu beschlennigen.
wertvolle Unicrfiüsamg zu schenken, deren ich Verwirklichung der Reform dringend bedarf.
n a l d und Burton, die im Auftrage des Ber ner internatümoen sozia iftischen Kimgre ses di. Lage in Rußland prüfen soilten, be
1 pro eben habe. Rach reiflicher Prüiung der Frage ieien Nittt, Miller and und er selbst zu dem Schlüsse gekommen, daß dem Verlangen nicht ent pcochen werden könne.
hu.iaqme von Anzeigen s. die Lagesninniner vis zum Nriwmiliag vorder ohne jebitkrbin.'lidifeit. Dreis für V mm hohe füt Yin ^eiiien u.34mm Brette örtlt n 25 bf, auSioäits 30 Pf.: für Reklame- A«zeigen von 70 mm Breite SO Pf. Bei Play- »orfrhnii20*/ A »isiUlag. Hauvtschri tleiier: Ang. Goeiz. Verantwortli.N fiu Polit k: Aug. Goey: für den übrigen Zeiü Dr. Remhotü Zenz: für den Anzeigenteil. b. Beck, sämtlich in Gießen.
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Heimkehr der Gefangenen-
Berlin, 30. Jan. (Privattelegramm.) Nachdem gesteckt früh ein am dem Seewege über Kux- Hafen geleiteter Transport unserer Heimkehrer eingetrossen war, langte gestern abend der erste aut dem Landwege aus Frankreich kommende Transport auf dem Potsdamer Bahnhof an. Ten Ankommenden wurde ein herzlicher Empfang bereitet. Abends 7 Uhr fuhren bie in Ostpreußen Beheimateten über Stettin chrer engeren Heimat entgegen.
1 Si6t«6er8 « $til Klagen b?r r.i
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Bcrbot der Aussubr, Vcräoßeroug oder Ber- p'andung oitSlä'ldlscher Werlyapiere.
B e r l i n, 29. Jan. (Wolfs.) Wie wir hören, wird das vom Reichsfinanzminisier erlassene Verbot der Ausfuhr, Veräußerung oder Verpfandung ausländischer Wertpapiere über den 31. Januar 1920 hinaus wieder auf zwei Monate verlängert.
Eine Aenderung der zuerst am 26. Mär- 1919 ergangenen Anordnung soll insofern eintreten, als oie biPbetiflv Ausnahme, daß das Ausführtverdot keine Anwendung findet auf die Ausfuhr von ausländischen Aktien, wenn der Gegenwert in ausländischer Währung der Reichsbank zur Verfügung gestellt wird, aufgehoben wird. Indessen beabsichtigt das Reicl>sfinanzminisierium, soweit nicht die Bestimmungen des Friedensvertrages Einschränkungen erforderlich machen, Anträgen auf Genehmigung der Ausfuhr ausländischer Wertpapiere, auch festverzinslicher Wertpapiere, nach Möglichkeit zu entsprechen. Insbesondere gilt dies für neutrale Papiere. Als Bedingung wird allerdings oer Grundsatz ausgestellt, daß der Gegenwert in aus- lärchischer Währung der Reichsbank zur Verfügung gestellt wird.
Tcrnbirfl über die Finanz- und Steuerpolitik.
Berlin, 29. Jan. (WB. ) Der frühere Staatssekretär Dernburg sprach heute in einer Versammlung des Hansalmndes über Finanz- und Steuerpolitik. Er verneinte,- daß, Pie Grundlagen einer gesunden Finanzpolitik gegeben seien. Die grm?e Wirtschaft lebe vom Kredit und vom Ausverkauf. Redlichkeit imi) Vertragstreue seien jiirücfgegangen. Es mangele an Unternehmungsgeist und Jnitti- tive. Die Steuerprofekte der RegiTimg beben tet en die Zerschlagung aller großen Vermögen und den Abbau aller höheren Einnahmen. Bi unsrer mißlichen Lage könnten wir nicht ohne das Kipittl auskommen. Die bestehende Wirtschaft dürfe mm nicht tot «steuern, bevor man eine des er » lyabi. Die Polittk der Entente sei töricht und falsch. Der Friedensvertrag müsse unbedingt revidiert werden. Demlu'g schloß mit einem Appell an die sittlichen Ävä,te imh den Daseins- und Lebenswillen des deutschen Volkes.
Bayern und die Berreichlichung des BerkebrSwesens.
München, 29. Jan. (WTB.) In ber heutigen Sitzung des Landtags wurde einstimmig ein Antrag angenommen, in dem verlangt wird, daß die bevorstehende Berreichlichung des Verkehrswesens auf der Grundlage weitgehendster Dezentralisation geschieht, und baß Bayern die größte Selbständigkeit erhalten bleibt.
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^luch dieses tief in die privaten Verhältnisse eingreifende Gesetz unterliegt schweren Bedenken-, daß es einen guten Gedanken enthalt, ist nicht zu bestreiten.
Man Tut einmal gesagt, es fei nicht gut, wenn die Steuer gesetzt von denjenigen gemacht würden, l« sie »u b-ahlen haben, — ich glaube es ist noch gefährlicher, sie von benjenurn feftsctzen zu lassen, die tiun ihnen nicht betroffen toerben Tie Gründe hitsür liegen nahe.
4. Tas ebenki 116 neu vorgelegte Körper- s cha f t s steuer ge se tz beten die Ein kommen- fhnter, die zunächst nur die natürlichen Personen betrat auch auf die iuriftifd)cn Penonen des öffentlichen und bürgerlichen Rechts aus, auf Anstalten, S.iNungen und andere Zweckhet mögen. Es för also die Heranziehung der mchtplwfischen Ein- h)mn*ensbezie1er zur persönlichen Reichs steuer abschließend regeln.
Auch ldßcser Gesetzentwurf ist fdpn im Reichsrat grundsätzlich und im einzelnen beanstandet worden
'Wen d-- .. nt 15 ex ^Nses.
& türl* 1918
ie 250
Neue noch nicht verabschie-ete Steuergesetze.
Von Justizrat Grünewald, M. b. N.
Ich habe letzthin geäußert, daß im Publikum ber Wunsch bestehe, eine Aufklärung über die noch bevorstehenden Steuergesetze zu erhalten.
1 Tas Reichseinkommensteuerge- setz beftnoet sich in der Kommission: beim Zu sammcntreten der Nationalversammlung im Je bruar soll es von dieser in zweiter und dritter Lesunr beraten werden. Es bestehen große Be- Denlcn gegen das Gesetz. Schon sind die erwerbstätigen Kreise unseres Volkes in beängstigender Weise belastet: Kriegsgewinn- und Kriegseinkommen zu teuer, Eroschaftsstzner und Reidts- notobfer nehmen große Teile des Vermögens, Der Substanz des Vermögens hinweg. Kommt Dazu, daß der Kausmann in Zukunft damit zu rechnen hat, daß er vom Gewinn seiner Arbeit die Hälfte und mehr abzugeben hat, während er die Verluste gewagter Unternehmungen allein zu tragen hat, — und ohne solche geht es nicht, auf sichere Unternehmungen kann sich, namentlich im Außenhandel, der Kaufmann nicht beschränken — so wird eine Scheu vor solchen Geschäften, die ein Risiko in sich tragen, nicht ausbleiben. Deutschland muß aber im Interesse des Wiederaufbaus seiner Volkswirtschaft darauf sehen, daß die unternehmungslustigen Elemente des Wirtschaftslebens im Lande bleiben und nicht nach und nach ins Ausland verziehen. Eine sehr nach «eilige Neuerung bringt Vrc Entwurf für den Kaufmann, aber nicht allein für ihn: die Besteuerung nach dem dreijährigen Durchschnitt soll beseitigt werden. Jeder, der nun gerade in dem Veranlagungsjahr ein höheres Einkommen hat, itrirb nach diesem veranlagt, auch wenn er drei zahre lang vorher ein geringes oder kein Einkommen gehabt hat. 8 19 des Entwurfs gibt zwar die Möglichkeit, den Gewinn ein einer Beräuße- rungsgeschäfte auf eine Reihe von Jahren zu verteilen, dies aber nur dann, wenn der Gegenstand sich mehrere Jahre im Besitz des Beräu- sternden sich befunden hat.
Die dreijährige Durchschnittsberechnung war besser. Man solle sie beibehalten. Jahre mit feinem oder einem geringeren Gewinn oder gar mit Verlusten wechseln mit ertragsreichen. Das kaufmännische Einkommen ist von Konjunkturen abhängig. Der dreijährige Durchschnitt ermöglicht Dem Kaufmann einen Ueherblick über die vor- cmsfichtlich eintretenden jähr ichen Ausgaben: die Besteuerung nach dem Durchschnitt biaU der steuer- fitfxn Gerechtigkeit.
Auch die Einbehaltung ber Arbeitslöhne mit 10 Proz. zur Sicherung der Steuer, so bestechend auf den ersten Blick diese Bestimmung ist, erscheint mir bedenklich. Die Löhne werden alsbald um die 10 Proz. in die Höhe gehen, bie Arbeiter und niederen Angestellten werden tiicht anerkennen, daß der einzudehaltenbe Betrag «ls Lohn anzusehen sei.
2. Ueber bie Kapitalertrag sst euer, bie ebenfalls noch der Erledigung harrt, ist sehr aiel geschrieben worden, der Entwurf begegnet ben fdjroetflen Bedenken. Die Steuer soll 10 Pro- frtnt betragen, an der Quelle erhoben werden, bie, Schuldenzinsen müssen daher unberücksichtigt bleiben. Ebenso das sonstige Einkommen des steuerpflichtigen. Nimmt man an, daß ein steuer pflichtiger aus seinem Erwerbe 20 000 M. vereinnahmt, eine Zinsenschuld, die auf seinem "Geschäft ruht, in Höhe von 5000 M. zu zahlen stat aber Wertpapiere besitzt, die 5000 Mark Zinsen tragen, so würde er nach dem Gesetzentwurf zu versteuern haben 20 000 Mark als Ein- fbmmeu (20 000 minus 5000 M. Schuldzinsen Äui 5000 'TR. Kapitalzinsen) und ferner müßte ",-ahlen 10 Proz. von 5000 M. Kap.talzinsen, wahrend er doch gar kein arbeitsloses Einkom-
i «rfauft er seine Wertpapiere und ■ ^aaaa annulrtJ^ne Geschäftsschulden, fo hat er X) 000 M Einkommen, ohne daß er Kapital- »niragssteuer zu entrichten hat.
Die Kapitalerlragssteuer kann nicht olme Rück- W auf die Periönluhe Leistungsfähigkeit des Hfllchtrgen erngekührt werden.
3 Nun soll die Reichseinkommensteuer durch ^rnzufügen von foldx-n »teuergebieten vervoll-
Sänbigt werden, die mit tbt in cniet Verbindung
eben. Das Erg än zu n g s steue r gesetz fo'l «mstelle des Besitzsteuergesetzes treten, durch da« ter Vermöaenszuwachs der Jahre 1917, 1918 vd 1919 erfaßt wird
Diese Steuer soll nicht nur den Teil des Einkommens, der nicht verbraucht worden ist, sondern euch Eirtkünfte erfassen, die gar nicht mehr vor- tanben sind, weil sie ber Zensit^verbraucht hat. Der Reichssinanzminister bat die Steuer damit begründet, daß der virtuelle, der mögliche, Ber- riögenszmvachs besteuert werden müsse, der, wenn er verbraucht werde, steuerlich nicht oder doch sehr ihwer zu erfassen sei. Also eine Steuer auf bi? richt genützte Sparmöglichkeit. Denn jemand
•0000 Mk. Einkommen hat und behauptet, er habe
dieses Einkommen verbraucht, so wird ihm nacd dem bisherigen Rechte schwer beizukommen sein: da« Segentetl wird nicht ermittelt werden können. Ist ber Verbrauch tatsächlich erfolgt, so besteht erst recht kiine Möglichkeit der Besteuerung mehr. Eine höhere Steuer für ben übermäßigen Aufwand wird bz Sparsamkeit fördern.
_ Tie Besteuerung des Aufwandes, falls er Über bestimmte Bcdarfsgrenzen (die das Gesetz benimmt) hinausgeht, soll die steuerliche Kehrseite zur Belastung der Ersparnisse in Form von Ein- »mmenüberschüssen bilden. Ter Aufwand soll dreimal so hoch besteuert werden, als die E r s p a r° Itsse.
Kundgebung gegen die Auslieferung deutscher Staatsangehöriger.
Ließen, den 30. Jan. 1920
Der Gieße ner Aufruf zum P r o t e st gegen die Auslieferung deutscher Staatsangehöriger hat eine ungewöhnlich starke Wirkung gehabt. Die große Versammlung in der Meuen Aula gestern abend verlief zwar äußerlich ruhig, aber es lag in ihr wie eine elektrische Spannung. Die Teilnehmer brauchten ja nicht erst überzeugt zu werden, daß es ein Frevel ist, was uns zugemutet wird, und als Prof. Dr. Küntzel aus Frankfurt teanperamentvoll und klar aus tiefster Gewissensprüfung heraus noch einmal alle rum Thema gehörigen Feststellungen der Vernunft, der Gerechtigkeit und Ehrenhaftigkeit nebeneinanderstellte, da durchlebte man etwas von der unzerstörbaren Einheit unseres Volkes. Es bleibt wahr und es wird immer Narer: moralisch hat uns die Entente nicht besiegt, sie erlebt vielmehr in ihrem geräuschvollen Feldzug geistiger und sittlicher ober vielmehr unsittlicher Art immer weiter um sich greifende Enttäuschung und 2lbweisung. Was der Redner von dem furchtlosen, herzhaften und wirkungsvollen Bekenntnis des kleinen Holland sagte, fand ein lautes Echo des Beifalls im Saale. Besonders aucy seine Beweisführung, daß die Schuldaushäufung auf das Haupt unseres früheren Kaisers eine Entstellung der geschichtlichen Wahrheit, eine Entstellung auch der ganzen Wesensart Wilhelms II., und nichts als eine arglistische. s ruppellos egoistische Politik ber Entente sei, nahm alle Gemüter gefangen. Wir spüren nichts von littlid^em Wollen der «Gegner, sondern nur ihr haßerfülltes Bestreben, alles was deutsck)e Einheit und Kraft trägt oder stützt, nieder- zuschlagen und zu zertrümmern. Deutsche
Der Zustand Lrzbergers.
Berlin, 29. Jan. (Wolff.) Der Zustand Er^bergers ist im großen und ganzen un- verairdert. Der Patient verbrachte die Nacht verhältnismäßig ruhig, ist aber sehr apathisch.
B e r l i n, 29. Jan. (WTB.) Das Befinden des Ministers Erzberger ist normal. Temperatur 36,4, Puls 88. Tie Kräfte haben sich gehoben. Es besteht die Hoffnung, daß ber Minister feine Tätigkeit bald wieder aufnehmen kann.
Berlin, 29. Jan. (WTB.) Im Nennen ber deutschen Zmt rums Partei und der Zenttumsfrab- tion der Rationalversammlnny drückte Unterstaatssekretär T r i rn b o r n in einem Schreiben an den Reichsfinanzmiuiüer Ec-bcrger seine Entrüstung über das ruchlose Attentat aus und sprach den 2Bunid) nach baldiger Be.ferunq des Ministers aus. Ter ReichSfüranzminister dankte in heimlichen Worten und wies daraus hin, daß er es stets für seinen Lebenszweck angesehen habe, sich restlos und selbstlos für das Wohl der Ge-iamtheit einzusetzen. Tie ernste Stunde vom 26. Januar habe itm darin noch bestärkt.
Ter Vorsitzende des 10. Steueruusschusses ber Nationalversammlung, Herold, sprach ebenfalls dem Neichsfinanzminister seine wärmste Anteilnahme mit dem Wunsch nach baldigster Wieder- Dcrftellung aus. Ter Reichsfinanzmini st er antwortete darauf: Mit besonderer Wärme möchte ich Jte'en rnvinen herzlichsten Tank aussprechen für die Anteilnahme, die Sie mir im Namen und Auftrage des 10. Ausschusses zum Ausdruck bringen die Aufmerksamkeit hatten, und Sie buten, meinen Tank den Mitgliedern des Älusschusses freimdlichst übermitteln zu wollen. Nach meiner WiHerherstellung, die ich baldigst erwarte, wird einer meiner ersten Schritte sein, mich nach dem Reichs.ag zu begeben, um mich dort an den Arbeiten des 10. Ausschusses zu beteiligen, damit das große Werk der Reichsfinanz- reform raschestens vollendet wird. Bi- dahin bitte ich den Ausschuß, am Wiederaufbau des Vaterlandes mit derselben Liebe zu arbeiten, mit der er feiner schweren Ausgabe bisher noebgeßommen ist, und mir auch nach meiner Genesung die tr.ue und
E.hre, Treue und Anstand aber lassen sich nickst niede rtreten, und darum protestieren wir in tKiliper Entrüstung gegen bte schwach volle, ehrl« se Zumutung, daß wir die deut sehen Volkiefenossen, die deutsche Ansprüche und dcutsd)ik Interessen vertreten haben, dem Haß und brr Rechtsverzerrung unserer Geg. ner überliefern sollen. An der Kundgebung waren Aniiehörige aller bürgerlichen Parteien beteilligt.
Gestern abenb fand in ber neuen Universität»- aula eine gutbesudste Kunvaebung gegen die entehrenbe 'Auslieferung deutscher Staatsangehöriger statt. Sie >var veranlaßt, durch eine Anzahl Männer itnb Frauen aus allen bürgerlidjen Parteien und B erussständen, mit Ausnahme der Christlichen Volks Partei. Diese lehnte eine Beteiligung mit der Begründung ab, daß sie wenigstens in der Oesfentlichkkit den Ansdfein vermeiden müsse, Ein- ielorganiiaionen mißbilligten das Vorgehen der Regierung und der Regierungsparteien, obwolfl diefe Einzetorganisationen nur einen Teil der Sie» gicrungöpilteien darstellten. Hier hieße es mit zusammengeh isfencn Zähnen Ordre parieren.
Ten Vorsitz der Versammlung führte der Rektor bei Landesuniverfität, Prof. Kalb- fleis ch, her in seiner Begrüßungsansprache darauf diiuvies, daß es sich bei ber Ausliefarung beuttd)er Staa tscniigÄ )ö riger ttidU um eine Sache brr Parteien, sondern um eine deutsche Sad>e, um eine Menschc/i^aehe handele Er bezeichnete das Vorgehen der Enr.'nt^ als ein Bubenstück, bei dem es darum' zu tun fei, eines Volkes Ehre zu vernichten.
Ter Äedner des Abends, Prof. Dr. K ü n tz e 1 (Frankfurt a. M.) wies in feiner Ginleitung daraus hm, daß t3 4 * * * *,' sich bei dem Borgel)en unserer Feinde zur Auistteferung deutscher Staatsangehöriger nicht um einen Rechts standpunkt famöele, denn einem solchen könne Rechnung getragen werden, durch die Uebertragung der Angelegenheit an einen neutralen Gerichtshof. Es bestehe vielmehr bie Abfälle in filier Welt ber Eindruck eriueat werden, als sie -äe Entente von Beginn des Krieges an von rein moralischen und ibeeften Zielen geleitet worden, während Deutschland nur von unedlen Motiven durchdrungen gemefen lei. Es falle gl'ict auch weiter die Erinnerung übertüncht werden, daß es während des Krieges Momente gegeben wo die englische Seeherrschast zu wanken begann. Bei ber Auslieferung deutsche. Staats^ angebrtlger handele es sich in erster Linie auch um unsere tapferen U-Boot-Kommandanten,die bis zum letzten Uugenblick treu ihre Pflicht erfüllt hätten. Anbenc: teils aber suchten die Feinde die Hauptschuld a;t dem Kriege Kaiser Wilhelm II. zuzusd-ixn'oen, der stets nur von den .-bellten Motiven gideitet, leider aber zu sehr von der Aus- riditißtii U der übrigen Monarchen überzeugt gewesen Yii. Wenn wirklich diese einzelne Person die Hauptschuld am Kriege trage, so sei es nicht verständlich, warum man von dem ganten deutschen Bslke so große Opfer (wie z. R. die A rs^ liefenr.iQ, der Handelsflotte) verlange. Es sei außerrardentlich bedauerlich, daß deutiche Staats- angelifr^ge der Entente für Deutschland belastendes iuleierial geliesert hätten, wie z. B. Kautskh durch Veröffentlichung der Randnotizen des Kaisers, ahne dabei die historischen Vorgänge zu beleuchten. Es sei der Entente einzig und allein darum /u tun, unsere Kräfte zu zermürben. Deshalb fjet in diesem Augenblick mit großer Freude zu beanüßen, daß das kleine Holland seinen Sinn für Ausland, für Recht und Gerechtigkeit gezeist habe ilBeifall), daß es den Mut gehabt, der Entenlc die Maske vom Gesicht zu reißen und aufzuweisen, wohin das Vorhaben unserer Feinde führen soll. Glücklicherweise sei die Entente des Friedenswerkes von Versailles noch nicht frvh gcroodxm, es bröckele und gähv: überall. Tie von den Feinden m scheinheiliger Weise verheißene Selbsst'teftimmung und Freiheit der Völker werde jetzt arid) da verlangt, wo man es nie erwartete. Die Auslieferung deutscher Staatsangehöriger werde nid)t von allen Ententestaalen gebilligt« so daß Frankreich und England in bueiet Hinsicht fast völlig allein ftän ben Wir düriten deshalb auch den Mut
nicht orrlicren, müßten vielmehr aus unteren natio nalen Erfahrungen Lehren ziehen und die uns zugemntete Schmach nicht vergesfan. Ter Pvoteir sei nidbt umsonst, wenn er anwächst ju einem brau» fmber Elior der Erhebung innerhalb des deutschen Vater >andes, damit bi? Feinde selten, man könne uns Lulfl Gut und Geld nehmen, nicht aber eine betört »ge Schmach auferfegen, wie bie Auslieferung ix-utfd jcr Staatsangehöriger. Auf jeden Fall hätten wir vor der Well unsere Ehre noch nicht verloren.
Z kicher Beifall belohme den Redner für seine Partei ten Ausiüdrungen, raorrau folgenbe Ent fchlies)icng einstimmige Annahme fand:
,.Tie am 29. Januar 1920 in der treuen Univn'üätsaula zahlreich erschienenen Einwohner Güßcns, verfd>iedenen politischen Richtungen und Beru'jsständen angehörend, erheben feierlichen Ein-- ■pru<i gegen das uns im ausgezwungenen Frie t>me-':k*rtrag gestellte Verlangen auf Auslieferung tcutj tter Staatsangehöriger an unsere Feinde Nü'N lols ist entern Volte eine ähnliche Schmach zu gemutet worden
Nicht die Stimme der strafenden Gevechttg-kei?, fand«?rn unversöhnlicher Haß, der Teutschfand mc* ralirb vernich.en möchte, spricht aus diesem Verlange m, dessen AusfüiTrung auch bei uns unser- öhnl ichen Haß erzeugen müßte. Widerspricht cs doch feit Menschengedenken jedem bestehenden Rechk. daß xm 9ln^!l-igtcn STäget und Richter in einer Pers fin gegen über fletxm. .
Wir erwarten daher von der Regierung, £>cr sie l«as Aeußerste tut, um eine derartige Schmack von »ms abruwenden."
Mit dem Liede „Tentschlmrd, Deutschland über aller-" schloß die eindrurksvvlle Kundgebung,
Gretzener Anzeiger
Eeneral-Anzeiger für Gderheffen
Berlin, 29. Jan. (WTB.) Tie heuttge Silnmg d-r Valutakonferenz beschäftigte iich'mil der schwierigen Lage des deutschen Mark.es. Tie zu treffenden Entsdiließungen fallen unver- züulüh belanntgeg?ben werben.


