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Reichszentisie tüi hWTVteilt- je S,24' April 1920 Werie zu Gunsten ^Detitaates tzejsm Behörde genehmigten iO Lose zu je 5 Ak dürfen nur mit dein flngen. Während dn einer Preuh.-Lüd nsgabe und Vertritt

bei eilUe^^Ga?

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Erstes Blatt

170. Jahrgang

Samstag, 28. Februar 1920

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

SwiMngrnin-drucr u. Verlag: Brühl'sche Univ.-Buch- u. Zteindruckerei R.Lange. Zchriftleitimg, Geschäftsstelle u. Druckerei: Zchulstr. 7.

Einnahme von Anzeigen s. die -idiiriMtummcr Ui4 zuin Nachmittag vorder ohne ledrBerdiiidlichkeit. Dreis für l mm kjöhe für Anieigen v.34 mm Breite örth t) 25 Bi, auSivärtS 30 Bl.: lür Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 90 Pi. Bei Platz- oorfdirifi209 Aufschlag. Hauvtschn-tleuer: Aug. Äoeg. Berautivortlich für Politlk: Aua. Goey; für den übrigen Teil: Dr. Reiudold Zenz, sur den Anzeigenteil: p. Beck, sämtlich m Gießen.

wochenrückbllck.

Der Friede ist noch nicht einmal im Roh­bau von der Entente fertiggeftettt. Ein Werk des Zwanges, eine Saat ewiger Unzufrieden­heit, wo man auch prüft. Nun man die euro­päischen Stockwerke notdürftig unter Dach und Fach gebracht zu haben glaubt, hat man in London noch den türkischen Balkon daran angebracht: Konstantinopel soll den Türken bleiben, weil der alte, stürmische Bewerber, Rußland, nicht mehr lebt, oder doch viel stiller und bescheidener geworden ist. Der wahre Grund für England ist, daß es die Gefühle der Mohamedaner möglichst schonen will. Der englische Außenminister hat es ja vor einigen Tagen erklärt, wie im Orient die Lage überall ernst sei, in Aegypten wie in Jnoien. Wir lasen auch von einem türkischen Auf stand in Cilizien, dem südöstlichen Kleinasien, wo man also auch nicht einfach alle französischen und griechischen Wünsche ohne Schwierigkeiten erfüllen Fairn. Die Tele­gramme, die man von der Arbeit, den Kon­ferenzen des Londoner Obersten Rates erhält, lauten ziemlich kurz und in­haltlos. Zuletzt wurde die Veröffentlichung des Notenwechsels' mit Wilson in Aussicht gestellt, und erst dadurch wird die öffentliche Diskussion wieder belebt werden. Es scheint neuerdings doch ein Gefühl der Un­sicherheit in demObersten Rat" eingezogen ru sein. Auch Holland gegenüber geht er nicht so forsch und unbekümmert vor, wie Lon­doner und Pariser Blätter voreilig angckün- digt hatten. Die Auslieferung des ehemaligen Kaisers steht offenbar gar nicht mehr in Frage; es handelt sich nur noch darum, zu probieren, ob Holland sich darauf einlassen wird, den gefährlichen Mann in Ameronaen schärfer bewachen zu lassen. Churchill redet im Lande umher, Deutschland habe aus­reichende Proben der Bereitwilligkeit abae- legt, den Vertrag zu erfüllen. Damit wird anscheinend das letzte Wort über Frankreichs Ausdehnungsgelüste im linksrheinischen Ge­biet gesproa/en. Als wichtiges Zeichen eines volitischen Umschwungs in England kommt der Wiedereintritt des liberalen Fübrers A s - quith ins Unterhaus hinzu, der die Oppo­sition zu der Gewaltpolitik Lloyd Georges in einen sicheren und machtvollen Strom leiten wird. Es sind Anhaltspunkte dafür vorhan­den, daß der englische Diktator selbst nicht mehr ganz achtlos an der allgemeinen Volks­stimmung vorüberyeht, und so haben sich sür Deutschland die außenpolitischen Aus­blicke ein wenig erhellt in einem Augenblick, tvo freilich die innere Lage noch voller Schwierigkeiten sitzt.

Die wirtschaftlichen Nöte sind so brennend geworden wie kaum je vorher. Der Lerarmungs- und Ausverkaufsprozeß ist bald auf den Punkt gekommen, wo altes redliche deutsche Bemühen wieder ins Nichts zurück­geschleudert würde. Die Reichsregrerung hat es endlich zuwege gebracht, daß in den Koh­lenrevieren durch besondere Abmachun­gen mit allen Beteiligten die Kohlenförde­rung vermehrt werden kann, allein was be­deutet diese kleine Vorwärtsbewegung auf dem großen Valutasumpf, in dem Deutsch­land immer tiefer versinkt! Man kann leider nicht sagen, daß die Reichsregierung entschie­den und zielbewußt handle, um den Nieder­gang aufzuhalten. Vom Reichswirtschafts- inintsterium hört man kein Programm, keine Weisung, und auch Herr Koch, der Reichs- minifter des Innern, verhält sich schweig- iam. Um nur ein Beispiel, ein sehr wichtiges ireilich, zu geben: Auf derWeimarerTa- gung der deutschen Presse, deren dringenden Notruf wir veröffentlicht haben, var die Reichsregierung trotz besonderer Ein­ladung nicht vertreten! Ein Verlegenheits- inib Armutszeugnis, wie man es sich schl«h> ter nicht denken kann. Es ist den Herren in Berlin offenbar noch nicht zum Bewußtsein gekommen, daß sie bei oiefer Gleichaültia- keit der Presse gegenüber den Ast selbst ab- ägen, auf dem sie sitzen. Wenn eine große Zahl deutscher Zeitungen nächstens wegen der Papiernot ihr Erscheinen einstellen muß glaubt die Regierung dann unter der verantwortungslosen Herrschaft von Flug- ichriften und Hetzplakaten besser zu fahren? rs gab und es gibt für sie einfache, gar nicht chwer zu handhabende Mittel, der Presse zu helfen. Sie kann den Papierfabriken aus lautlichen Waldungen für den Bedarf der treffe Holz mit gemäßigten Wucher­nreisen zuführen; es bleiben dann immer noch Vucherpreise. Aber darüber hinaus wird es in der Zeit sein, etwas Kulturgefühl für die öresse auch in^der Steuergesetzgebung und berordnungsmaschinerie an dem Tag zu egen, damit die Zeitungen ungehemmt rnie- )ct ihren großen Aufgaben sich widmen fön- ien und die Hände und Köpfe, die sie her- telten, nicht wirtschaftlicher Vernachlässigung -überlassen werden. Die Kresse hat von Frei­

heit und Fortschritt für ihr eigenes Gedeihen rn der Republik bisher noch nicht viel ge­merkt.

Der Prozeß Erzberger-Helfferich konnte in den Zeitungsspalten einen ziemlich breiten Raum oeansvruchen, denn seit lange: Zeit ist keine Gerichtsverhandlung so inter­essant und so lehrreich gewesen. Er nähert sich seinem Ende, und die Spannung weicht allmählich, denn ob Helfferich wegen Be­leidigung zu einer Geldbuße verurteilt wird oder nicht, darauf kommt es wenig an. Das Drama Erzberger ist an uns vorübergezogen und hat eine tiefe Wirkung getan. Ganz so skrupellos, von einfachster politisch-parlameu- torischer Moral verlassen hatte man sich Matthias Erzberger doch nicht vorgestellt. Utü) was sich uns so schwer aufs Gemüt legt, das sind nicht die einzelnen Handlun­gen, Fehlgriffe, Anmaßungen und Kniffe, sondern das ist dieses © t) ft em eines Abge­ordneten, der sich zu einem so überragenden Einfluß aufsckstvingen konnte. Wie der viel­seitige Schacherer sich befreundeten Fabri­kanten aller Art zur Verfügung stellte, um ihre Geschäfte bei Behörden und Regierung zu fördern und mit allerlei Druckmitteln durch- zusetzen, so ist er auch auf eine Ermunterung des Kardinals Piffl der Familie Bourbon- Parma freundwillig und dienstbar geworden. Mit annähernd der gleichen Gewisfenhaftig- teit, mit der er Hustenmittel, Sprengstoffe und ähnliche Waren und Erfindungen an* pries und deren Konkurrenzen bekämpfte, so brachte er aus Wien auch die be­rühmte Friedensresolution mit. Viele ihrer einstigen Anhänger werden ihre durch den Prozeß veranschaulichte Ent­stehung nicht ohne Erschütterung gelesen haben. Sie werden zum mindesten ihre Mo­tive von denen des Herrn Erzberger trennen und «unterscheiden wollen und werden zuge- ben, daß in derAktion" des jetzigen Reichs- finanzminifters (mehr als ein Haar zu fiw- den gewesen wäre. Am Ende wäre doch ohne den Ueberrumpelungsstreich und ohne die ver­antwortungslose 1 Bekanntgabe des Berch- told'schen Briefes eine bessere und klügere Friedenspolitik dem Feinde gegenüber mög­lich gewesen. Einzelne demokratische Ortsver­bände, wie derjenige Nürnbergs, haben den Reichspräsidenten bereits aufgefordert, mit der Ministerherrlichkeit des Verdrängers Bethmann-Hollwegs ein Ende zu machen. Erzberger wurde vorläufig, aber sehr wahr­scheinlich endgültig, von feinen Minisieroblie- genheilen fentbunSen. Wir stehen noch vor einigen interessanten Bekundungen der Re­gierung und Mehrheitsparteien zu dem don­nernden Falle Erzberger, der ihnen starke Verlegenheiten bereitet. Aber das Schauspiel war zu deutlich, als daß nickst alle Welt auf eine Reinigung des Parlamentarismus von Erzberger'schen Wucherungen bringen müßte. Jetzt soll es, nach Prefseverlautbarungen, einen wirklichen Fachmini ft er als Nach­folger Erzbergers geben; ob das Zentrum ihn stellen wird oder eine der anderen Mehrheits­parteien, ist fraglich. Für schöpferisch veran­lagte Finanzminister ist heute nicht gerade der günstigste Boden. . .

Lloyd George über die türkische Zrage.

A m st e r d a m , 27. Febr. (Wolff.) Nach einer Meldung desTelegraaf" erflärte Lloyd Ge­orge auf Anfragen Maclans und Carsons im Unterhaus«: Mit der Vertreibung der Türken aus Konstantinopel seien sowohl Vorteile als auch Nachteile verbunden. Die Kon­ferenz der Alliierten sei nach reiflicher tkberlegung! zu dem Schluß gekommen, daß es am Besten sei, wenn man den Türken Konstantinopel lasse. Man vergesse oft, daß Großbritannien die größte musel­manische Macht der Welt sei. Die Mohammedaner Indiens vertrauten auf das ihnen von der eng* llschen Regierung gegebene Wort. Wenn die Mohammedaner glauben müßten, daß die Friedens­bedingungen den Zweck verfolgten, die Fahne des Propheten niederzuholen, um die Fahne des Christentums an Hyre Stelle zu setzen, würde dies dem brüischen Ansehen in Indien sehr schädlich sein. Lloyd George besprach hieraus die Friedensziele der Alliierten gegenüber der Türkei. Diese seien: 1. Freihest der Dardanellen. 2. Befreiung aller nichttürkischen Gemeinschaften von der türkischen Herrschaft. 3. Selbstverwaltung für die Gemein­schaften, die zum größten Teil aus türkischen Unter­tanen befielt?!!. Der Premierminister f.igte, es müßten Bürgschaften für den Schul; der Minder­heiten gegen die türkische Unterdrückung gegeben werden. An das Schwarze Meer grenzten 6 oder 7 unabhängige Völker; es sei notnmbig, daß ein freier W?g bestehe, nm zu diesen Völkern zu gelangen. Tie Türk i f Ile nicht ganz ih er Vor­mundschaft über di? Wasserstrassen beraubt werden, vvr allem aber müßten die Tardanellenforts ge­schleift roerben und dürften die Türken ferne Truv- pen im Bereiche der Wasserstraßen ha'tcn. Statt dessen Hütten di' Alliierten selbst die Absicht, Gar­nisonen a n den Dardanellen zu errichten, mit deren HÜse nicht allein die Tarkancllcn, son­dern auch der Bosporus bewacht werc-en könnte,. Eine andere Lösung der türkischen Frage wäre eine

internationale Verwal t ung von SIxhv stantinopel gewesen. Ties hätte bedeutet, daß eine Million Menschen von einer Kommisnon regiert worden wären, in der England, Frankreich,Italicn, vielleicht auch noch Rußland und andere Länder oertreten sein würden; dies würde nicht nur ;u Eifersucht Veranlassung geben, sondern auch die Selbstverwaltung Konstantinopels unmöglich machen und zu einer militärischen Verwaltung führen. Tie Vertreibung der Türken aus Kon­stantinopel würde auch keineswegs die Sicherheit der Armenier gewährleisten. Ter Oberste Rat tat fein Möglichstes zum Schutze der bisher unter­drückten christlichen Minderheiten in der Türkei. Tiese Minderheiten würden zukünftig unter der Hut Großbritanniens, Frankreichs und Italiens ruhiger und sicherer leben können. Lloyd George schloß:Wir beabsichtigen, den Türken die Herr­schaft über alle nicht türkischen Rassen zu neh­men, die sie früher unterdrückten und wir be­rauben sie der Herrschaft über die Wasserstraßen nach dem Schwarzen Meer, die ihnen in der Ver­gangenheit ermöglichte, so viel Unheil anzurichten."

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Englischer Handelseifer.

London, 27. Febr. Reuter verbreitet eine Meldung derDaily News" aus Neuyork, daß englische Schiffahrtslinien eine Han­delsverbindung mit Neuyork und Hamburg eröffnen und im Wettbewerb mit deutschen und österreichischen Handelsgesellschaften Auswanderer und Waren befördern wollen. Tie Cunardgesell- schaft verhandelt über den Ankauf von Docks, Schuppen und Kohlen in Hamburg.

Das Frauenstimmrecht in England.

Londo n, 28. Febr. (WTB.) Das Un­terhaus hat in erster Lesung einen Gesetz­entwurf angenommen, durch den den Frauen mit dem 21. Altersjahrc das Stimmrecht gewährt wird. Durch diese Entscheioung wird der erste Beschluß des Hau­ses aufgehoben. Das wählbare Alter wird auf 30 Jahre festgesetzt.

Wilson und die Entente.

Washington, 28. Febr. (WTB.) Die Antwort Frankreichs und Groß­britannien in der Adriafrage ist hier eingetroffen.

Die Streitlage in Frankreich.

Paris, 28. Febr. (WTB.) Gestern abend um 8 Uhr war die S t r e i f t a g e auf den Eisenbahnlinien folgende: Bei der Paris- LyonMittelmeer-Bahn hat sich die Lage nicht verändert. Seit heute morgen scheint sie sich zu bessern. Auf der Staatsbahn sind bei den beson­ders betroffenen Werkstätten die Abfahrten unregel­mäßig. Ter Verkehr auf den großen Linien ist ungefähr normal. Bei der Ostbahn ist teilweise Verkehr. Bei der Nord- und Orleans-Bahn ar­beitet das technische Personal, jedoch sind die Werk­stätten zum Teil vom Stteik betroffen. Auf der Lyoner Bahn fahren einige Züge.

Paris, 27. Febr. (WTB.) Ter heutige Ministerrat beschäftigte sich mit der durch den Eisenbahnerstreik geschaffenen Lage. Es wurde ein Dekret vorgelegt, das Einschränkungen für die Restaurants und Konditoreien ent­hält. Auch wurde die Wiedereinführung von zwei fleischlosen Tagen in der Woche ins Auge gefaßt. Auch die Beschlagnahme der Automobile soll angesichts der Stillegung der Eisenbahnen auf die Tagesordnung der Kammer gesetzt werden.

Dcr Aufenthalt in Tirol.

Berlin, 28. Febr. LautBerl .Tagebl." hat die Tiroler Landesregierung die Ausweisung aller nicht nach Tirol zuständiger Personen an­geordnet. Zum Sommeraufenthalt im Jahre 1920 sollen nur solche Personen nach Tirol zugelassen werden, die in Tirol heimatberech­tigt sind.

Aus dem Reiche.

Die Einkommensteuer.

Berlin, 27. Febr. (WTB.) Bei einer Besprechung im Neichsfinanzministerium über die vorläufigen Bestimmungen betreffend die Erhebung der Einkommensteuer sprach man sich allgemein gegen den Abzug nachdem Listensystem aus, das geradezu ungeheuerliche Schwierigkeiten im Gefolge haben würde. Als vorteilhafter wurde die Erhebung der Steuer durch Kleben von Steuermarken be­zeichnet. Die Vertreter der Großbetriebe er­klärten, Haß für diese Belastung eine Env- schädigung von der Steuerbehörde gewährt werden müsse.

Eine Reichskonferenz der kommunistischen Partei aufgehoben.

Karlsruhe, 27. Febr. (Wolff.) Tie Po- lizeidirek ion Karlsruhe hat am gestrigen Ton» nerstag in Turlach eine geheim tagende Rerchs- Linf-nenz der Kommunistischen Partei T uts Alands erfg h ben. Um efoireCen, cb inrer den Teilnehmern an der Turlacher Konferenz sich g:fud)te Persönlichkeiten (russische Kuriere befan­den, wurden sämtliche 81 Teilnehmer mittels eines .Straßenbahnzuges nach der Polizeidirek- tion in Karlsruhe gebracht. Unter den Teil­nehmern befinden sich meist iwchdentsche PerHnen, viele Frauen, auch Klara Zetkin, und Oirfe aus­ländische Vertreter aus Oesterreich, Polens Ruß­land und brr Schweiz. Tie Re-chsangehöriyen vmr- den nach Jeststellung ihrer Personalien wieder auf freien Fuß geatzt, die Ausländer dagegen wer­

den bis zur Turchsührung bet« AuSiveisungsver- iabreit» vorläufig in Hast behalten. 'Jluo den den Teilnehmern abgeiummenen Papieren gebt hervor, daß sich die Konferenz mit der lvirtschaftttcheu Notlage Teutschlands befaßte, um auo ich die polv- lischcn Schlußfolgerungen zu neuen Unternehnmn- gen zu ziehen. Tie Turchsillirung der Sicherung verlies nach anfänglichem Sträuben der Minneratfr teilnehmer und nach verschiedenen Flucchverfuchcn reibungslos.

Aus dem besetzten Gebiet

Die Regierungskornmission für das Saar­gebiet.

Saarbrücken, 27. Febr. Wolff.) Unter Hörnerklang und Geschützdonner hst-t beute vor­mittag die Regierungskommission für das Saargebiet ihren ofsiziellen Einzug tu Saarbrücken. Die Herren wurden am Bahnhof vorn Obersten Verwalter des Saargebietes, Divi­sionsgeneral Wirbel, empfangen und begaben sich zum Schloßplatz, ivo ihnen die faarlänbifdiai und französischen Behörden vorgestellt wurden. Eine dichte Menschenmenge füllte die Straßen, die durch Alpenjäger und Marokkaner fteigehalten wurde.

= Königstein, 25. Febr. In Gegenwart zahlreicher französischer Ossizierc und Berwal- tungsbeamten sand hier eine Prüfung von Kindern aus dem Kreise Königstem statt, die an französischen Sprachkursen tedgenommen hatten. Die prüfenden Herren waren Franzosen. Die ersten Preise bestanden in französischen Büchern und barem Gelde bis zu 100 Mk. Ferner er­hielten sämtliche Prüflinge als Belohnung außer kleinen MärcheuerzählungenMir lueituvm Hebung" (also in französischer Sprache) noch ein sechs Mo­nate n»ährendes Abonnement aus die bekannte französische ZeiftchristDer Rl;ciu im Bild".

mc. Wiesbaden, 25. Febr. Jmrerhilb der französischen Be sa tz u n g s t r u p pen herrscht in den letzten Tagen außerordentlich: Be­wegung. Die Marvllaner Mgimenter rv.tten ab­gelöst und vielfach durch weiße Franzosen ersetzt, da ihre Reihen durch Krankheiten unt> Froslschäoeu stark gelichtet wurden. Auch die Grippe hat stark in einzelnen Regimentern g.'roütet. Tie Regimen-- ter wurden nach Südkrankreich verladen.

2lus Heften.

Don der Demokratischen Partei Hessens.

Frankfurt, 26. Febr. Der Landes­ausschuß der Deutschen Demokrati­schen Partei Hessens, der heute hier ver­sammelt war, faßte folgende Beschlüsse:

Der Landesausschuß erklärt, daß keiner der in der Presse wie auf den Tagungen der Deutschen Volkspartei gegen unsere bewährten Führer, besonders gegen Henrich und St r ecker erho­benen ebenso ungerechten rote niederträchtigen Vor­würfe geeignet ist, unser unbeschränktes 23 er * tra uen zu ihnen zu erschüttern. Wir sind stolz auf diese Mämicr, die in schwerster Bedrängnis unseres Volkes mannhaft auf ihrem Platz standen und die, unbekümmert um Lob oder Tadel unserem Vaterlande unschätzbare Dienste leisteten.

Der Landesausschuß richtet an die Landes­regierung wie an die Deutsche Demokratische Frak­tion der Nationalversammlung das dringende Er­suchen. nur einem Re i chsro a hl gese tz zuzu­stimmen, dessen Wahlkreisemtellung Hessen in feinen politischen Grenzen und in seinem poli­tischen Zusammenhang unangetastet läßt und das unter Ausschluß der Listen Verbindung unter verschiedenen Parteien das Zusammenzählen der im Lande für die gleiche Partei abgegebenen Stimmen zuläßt.

Der Landes Parteitag wird voraus­sichtlich in der Osterwoche in Darmstadt statt- finben.

Vie Abstimmung über bas Rätegesetz.

Der Abgeordnete Justizrat Grünewald schreibt uns:

In Nr. 44 des Gießener Anzeigers ist unter der Ueberschrift:Abstimmungen über das Räte­gesetz" ein Vorwurf gegen vier hessische Abgeord­nete, v. Brentano, Dr. Schmitt, Henrich und mich, in dem Sinne ausgesprochen, daß die­selben bei der Abstimmung über das Betriebs­rätegesetz aesehlt hätten. Während der Verfasser des Ärttkels bezüglich der anderen Parteien einfach die Zahlen angibt und dieGeschlossenheit" der Rechtsparteien rühmt, geht er, was die Demo­kraten betrifft, der sich offenbar seiner besonderen Sympathie erfreuen, dazu über, zu behaupten, die­selben hätten es immer so gemacht, beiden wich­tigsten Abstimmungen glänzten sie durch Ab- Wesenheit".

Was die Abgeordneten v. Brentano und Tr. Schmitt betrifft, so weiß ich, daß Ersterer durch sein Ministeramt, Tr. Schmitt durch andauernde Krankheit häufig verhindert war, in Weimar bzw. Berlin zu sein. Auch Herr Henrich wird wohl amtlich verhindert gewesen sein.

Was aber meine Partei und mich betrifft, so berührt mich zwar der Borwurf des Artikelsc^ei- bers wenig, denn ich habe das Bewußtsein, in vollem Maße meine Pflicht als Abgeordneter ge­tan zu haben. Ich will aber doch erklären, daß ich absichtlich der Abstimmung ferngeblieben bin, weil ich das Rätegesetz in einzelnen Punkten nicht gutzuheißeu vermochte wenn schon ich es auch nicht für gefährlich oder gar verderblich für die Industrie anfah und weil ich nicht durch meine Abstimmung das Zustandekommen des Gesetzes gefährden wollte. Tenn dieses Scheitern hätte nach meiner Ueberjeugung eine furchtbare Erregung der deutschen Arbeiterschaft zur Folge gehabt, die wir gegenwärtig nicht vertragen köu-