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Zweites Blatt

nr. 227

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Fortsetzung 40.

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Roman von Alfred Sassen.

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86. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte. (19.25. September 1920 in Bod-Nauhetm.)

4- Bad-Nauheim, 24. Sept V.

. In der heutigen Sitzung der Ab­teilung für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht lnit den anderen Abteilungen der naturwissen-- slhaftlichen Hauptgruppen wurden dann die Unter* richtsfragen im einzelnen behandelt. U. a. sprachen Divektor Dr. Schnell (G ießen) über den Mathematischen Unterricht und die logische Schu­lung, und Prof. Männchen (Gießen), der zur Entwicklung der mathematischem Erfindungs­gabe intereffante Beiträge lieferte. Im Vorder­grund der Verhandlungen, die unter dem Vorsitz ton Direktor Schnell (Gießen) sich aus Bor- und Nachmittag erstreckten, stand das ThemaWege md Ziele des naturwissenschaftlichen Unterrichts", Darüber drei Hamburger Oberlehrer in drei äußer- Ich getrennten, aber neuerlich zusammenhängenden "ertragen berichteten. Im bewußten Gegensatz Bit G.'gnern wollen sie den naturwissen- m Unterricht in den Mittelpunkt einer Erziehung gestellt wissen. Mit bewußter fett pr avisiert Dannemeyer, auf die liche Schaffensenergie des deutschen Volkes sein Erzfehungsideal dahin: Geistige und

Anno RernSdors hielt sich stützend an chrer Seite.

Die Winde blieb stehen.Wer ist ber nur?" nagte sie.

Tas alte Fräulein nannte ihren Namen.

Gut. Bringen Sie mich auf mern Zimmer, jemand sonst jbfi mitkommen. Es ist nicht nötig, ich will es auch nicht"

% Ter alte Arzt sah ein, daß Ine merkwürdige Mru in der Tat seiner Hilfe Kaum ^dürfen gebe. Flüsternd erteilte er nur dem alten Frau- Ew geschwind einige Anweisungen.

_Tonn wandte er sich nach dem Wagen zurück, "chn befand sich einer, dem er sich wahrfchemisch ernstlich widmen mußte.

Als die Winde, zum Erstaunen aller, so ur* .^dlich aus ihrer Bewußtlosigkeit erwacht war, ^atte Walter Hüttich einen tiefen, tiefen Seuf^n: ^ausspvechlicher Erleichterung ausgrstohrn. Es ^ar aber zugleich gewesen, als hab: er mit drei em j??uhtT den letzten Rest seiner Kraft hingegeben. Ohnmächtig war er hftitenüber gesunfen.

dum galt es, den Retter yi retten, xvn.

» am Nachmittag des nächsten Tages saß die purch ein Telegramm aus Neustadt ^^^Aeruieü morden war, am Bett der Tante.

Mpde hatte bisher fein Wort gespvock^n. T* Tußer (einem Glas Milch auch nichts zu sich ^nonunen.

(Eine deutsche Hochschule für polttit.

Berlin, 23. Sept (WTB ) Ueber die Er- richtuna einer Deutschen Hochschule für Politik wird mitgeteilt:

Die Vorarbeiten für die Deutsche Hochschule für Politik sind jetzt soweit geiörbert, daß die Vor­lesungen in Berlin Ende Oktober beginnen können sin den Räumen der früheren Bauakademie auf dem Schinkelplatz). Tie Aufgabe der Hochschule für Politik ist, ein wichtiges Werkzeug für den aeistigen Wiederaufbau Teutschlands zu sein und durch Dehre, Forschung und Arbeitsgemeinschaft der Verbreitung von staatsbürgerlicher Bildung und der Vertiefung des politisck)en Urteils zu dienen. Tiefe Ausgabe vereinigt lxeroonagende akademische Lehrer, frühere und aktive Staats­männer, Führer des Wirtschaftslebens sowie der Datteien zu einer Arbeitsgemeinschaft, für die der Leitsatz von Friedrich List gilt:Im Hintergrund all meiner Pläne liegt Deutschland." Im Der- zeichnis des Tozentenkolleqiums und des Verwal­tungsrates finden wir Namen wie die Reichs­minister Dr. Simons, Dr. Heintze, Dr. Sckolz, Tr Koch und Groencr, die früheren Minister Clemens von Delbrück, Dr. Schisser, Dr. August Müller, Tr. David unb R. Wissell; Univerfitäls- vrosessoren wie Hans Delbrück, Meinecke, Troeltsch, Sombatt, Hötzsch, Beyerle-München und Radbruch. Kiel' Männer wie Dr Rathenau, Dr. von Kar- horff, Tr. Hans Roeseler u.a. Vorsitzender der Hochschule ist der Staatsminister a.T. Dr.Drews, Geschäftsführender Vorsitzender Dr. Ernst ^äcH); an der Spitze der vier Abteilungen steht Prof. Tr. Walter Goetz: für Politik und Auslandskunde; Ministerialrat Dr. Gerttud Bäumer: für Sozio­logie und Sozialpolitik: Prof. Dr. Rühlmann: für politische Pädagogik und Staatsbürgerkunde, und Geh. Rat Pros. Dr. Max Sering: für floatd» wissenschaftliche Fortbildung. Studienleiter ist Dr. Theodor Heuß. Im Verwalttingsrat wie im To* »eTttenkollegium stimmt ebenso wie die Überpartei» liche Organisation auch die Vtittvirkung der zu­ständigen Ministerien und' Reichsämter zum Aus­druck, die durch Persönlichkeiten wie Staatssekretär Dr. Becker, Staatssekretär Schulz u.a. oertreten sind. Mit benachbarten Unternehmungen (wieAr­beitsstätte für sachliche Politik", Martin Spahns Politisches Kolleg", Universität, Orientalisches Seminar, Vermal ttmgsakademie, Handelshochschule) ist ein gemeinsamer Arbeitsausschuß hergestellt. Ter Besuch der Hochschule für Politik ist nicht an den Nachweis einer Prüfung geknüpft, sondern für alle Volksschichten offen. Tie Hochschule für Politik wendet sich an alle, die bei der Gestaltung unseres politischen und wirtschaftlichen Schicksals mit Einsicht und Tat mitwirken wollen: daneben an diejenigen, die für politische, soziale und win- schaftliche Berufe sich ausbilden, an künftige Diplo­maten, an die durch die Reichsverfassung zum staatsbürgerlichen Unterricht verpflichteten Päda­gogen, Verwaltunasbeamte ufiv. Vorlesungen und llebimgen sind teils im Semester, teils in Sonder­kurse gegliedert und finden in der Regel nach­mittags zwischen 4 und 8 Uhr statt. Vorlesungsver- z>il nisse mit allen anderen Mitteilungen sind bi rd) das Sekretariat der Deutschen Hochschule für Politik (Bauakademie, Schinkelplatz) und durch die vorbereitende Geschäftsstelle (Schäneberger Lser 36 a) erhältlich.

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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag, 27. September 1920

körperliche Ertüchtigung der Jugend durch Stäh­lung ihres Willens zum Erfolge in Wirtschaftsnot und Tajeinslampf. Wir müßten unsere Jugend zu derselben Rücksichtslosigkeit wie die Angelsachsen erziehen. Demgegenüber will Hartleb die Gegenwart nicht nur al£ Nutzungsobjekt, sondern auch als Ergebnis des Schassens der Vergangen­heit gem.rtct wissen. Damit schafft er ein Gegen- «wicht gegm die Gesahven, die in einem ein­seitigen Durchführen von Dannemeyers Grund­sätzen liegen. Weg und Ziel sind in diesem Satz ausgeprägt:Die Unterrichtsmethode muß in großen Zügen dem Entwicklungs gang derFor'chnng folgen. Denn eine solch: geschichtlich: Betrachtung lehrt auch die Natur als sich ewig verjüngend und verändernd erkennen." Ulmer erkennt im deutschen Naturempfinden Goethescher Art die Grundlage jeder deutschen Bildung. Es bietet ihm auch den Schlüssel zum deutschen Wesen, das in seiner Vielseitigkeit und mit seinen inneren Wider­sprächen sonst nur gefühlsmäßig zu erfassen sei. Er will bte geistigen und die sinnlichen Kräfte des Schauens und Gestaltens als gleickcherechtigt har­monisch ausgebildet wissen. Ferner verlangt er für das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler eine rein menschliche, vom Zwange befreite Grtmdlage. Von jedem Lehrer wird gefordert: Einarbeiten in naturphilosophische und naturwissenschaftliche Pro­bleme in ihrer Entwicklung vom Altertum bis zur Gegenwart, und dann das Erarbeiten einer inneren Stellung zu Natur imb Menschheit sowie zu den Kulturprobleinen des eigenen Volkstums. Bon den Forderungen für die Lehrerbildung, die in besonderen LeitsäbL-n aufgestellt ioeri?en, lind hervorzuheben:Bei aller Gründlichkeit wissen­schaftlicher Ausbildung ist der zukünftige Lehrer der Naturwissenschaften verstärkt auf die Beziehungen der Naturwissenschaften zum wirtschaftlichen Daseinskampf des Einzelnen und des Volkes hinzuweisen."Für die Zeit zwischen Schule und Universität ist etne Zeil praktischer Berufsarbeit möglichst in einem technischen Be­triebe durchtzumachen".Für die im Amte sbv» findlichen ist nach mehrjähriger Drenst-eft em Jahr Urlaub zu erneut freier Betätigung in einem anderen Streife zu erteilen".Die Lehrerbildung ist in geschichtlichem Sinne auszugestalten". An die drei Borttäge schloß sich eine lebhafte Dis­kussion an, die zum Teil in starker Opp)sitton Stellung zu ihnen nahm, besonders zu Öen ein­seitigen Forderungen Tannemeyers, die unserer Jugend einem materialistischen Denken entgegen* führen würden. Poske (Berlin) verwahrte die Lehrer der alten Schule gegen den Borwurf, sich an der Jugend versündigt zu haben, freilich haben wir ernfeittg das Wisfen gebracht, aber öve Richtung auf 'die Beziehungen zum Leben hätten wir durch Schülerübungen angebahnt. Biel Be­achtung verdient em Vertrag von Prof. Günther .Freiburg), eines Vorkämpfers der Naturschutz- bewcgung, über$>eimatfel)re als Wisfenfck;asl und Lehrfach". Er führte aus, wie wichtig ine Ver­bindung und DurckHringirng der Heimatlehre mit naturwissenschaftlichem Geist ist, wie nur dadcrrch im Heranwachsenden Geschlecht die wahr? Liebe zur Heimat geweckt und gefördert toerben Bann. Als Ergebnis der Verhandlungen der Ab­teilung für den mathematischen und naturwissen­schaftlichen Unterricht mit den anderen Abteilun­gen der naturwissenschaftlichen Hauptgruppe kön­nen die folgenden Entschließungen betrach­tet werden, die cinftimmtg angenommen wurden: 1. T« Versammlung fordert, daß der Mathemattk bei den bevorstehenden Veränderungen in un­serem Schulwesen ihr Wirkungskreis ungemmdett erhalten bleibt, und daß den Naturwisfenschasten durchweg von der Grundschule an der ihnen ge­bührende Anteil an der Jugenderziehrrng z u ge­wiesen wird.

2. Die Versammlung ist der Ansicht, daß die Hauptgedanken der Meraner Vorschläge nxb immer grundlegend für die Ausgestaltung des ma­thematischen und natuttmsienschaftlichen Unterrichts find. Sie hält jebod) in der Mathematik rme in bat Naturwissenschaften nur noch stärkere Bet»- rnmg ihrer Anwendungen nach der technischen und nrirtfdxiftii&n Seite und ihrer Beziehungen zur Heimatkunde für geboten.

3. Tie Versammlung begrüßt die an einigen Universitäten erteilten Lehraufträge für Diktat dec exakten Wissenschaften, sie fordert felche Lehrauf­träge für alle Universitäten und technischen Hoch­schulen.

Wie der wissenschaftliche Film als Lehrsilm in den Dienst des Unterrichts und der Erziehung gestellt werden kann, das zeigte Prof. Adam, Direktor des Kaiser-Frichrich-Hauses rn Berlin, gestern und heute in stark besuchten Licht­bildervorträgen ftn Kleinen Theater. Aus den Darbietungen war zu er Bornen, welchen hohen Stand die wissenschaftliche Kinematographie bereite erreicht hat, und welche Wichtifeft Lehrftlme haben.

hat nach wie vor ihren Sitz in WächterS-

Starkenburg und Rheinhessen.

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leitung bach

Kreis Büdingen.

DScfartSborn, 25. Sept. Seit drei 93od)« erfreut sich unsere Gemeinde des elektrischen Lichtes. Tie Jreube darüber ist besonders bet den letzigcn Abendarbeiten im Herbst sehr groß, wenn natürlich auch die Herstellungskosten zeit­gemäß sind Auch das benachbarte W i P v e n b a ch wird in Kürze angeschlossen werden. Ebenso finD die Hausanschlüsse m Bergheim saft alle fertig.

8 Hirzenhain, 26. Sept Aus tragische Weise kam der Kirchendiener Karl Bocher vom benachbarten Gelnhaar ums Leben. Er war mit seiner Tochter beim Lbsipilücken beschäftigt Wäh­rend seine Tochter sich naci) Hause bcaab, um daS Obst dotthm zu bringen, stürzte der Vater so un­glücklich vorn Baurn, daß er mit dem Kovs Stoischen zwei Aesten hängen blieb und so eines schrecklichen Todes starb. B war wegen seines sreundlickfen Wesens sehr beliebt, so datz die Teilnahme mit dem Geschick der Familte allgemein ist.

Kreis Lauterbach.

Wiedereröffnung des KsinffwagenverkchrS im Vogelsberg.

la. Lauterbach, 26. oetn. Von dst infolge des Krieges stillgelegten Linien dec Auto- Omni b u s-Gc s el l scha st >m SVrcite Geln- l>ausen wird die Vogelsberg-Lftite Btrstetn- Lichenroth voraussichtlich am 1. Oktober toicbtr betrieben werden. Sie führt von Birstein C-ltom* hos) über U nterreick>enback^Rab.msttsiil üveuzweg) Radm ü Hl-Wett ges-Wüstenwill en rod nach Lichen- roth. Zunächst merixn in jeder Richtmtg zwei moderne Benz-Gaggenau-Omnibusfe verkehren und zwar

ab Lichenroth 6.00 Dorrn.,

ab Lichenroth 2.30 nachm., Sonntags 6.0h nachm. statt 2.30 nachm.,

ab Birstern 10.00 norm.,

ab Birstefti 7.00 nachm., ^onntass 9.30 nachm. statt 7.00 nachm.

Me Fahrten haben passenden Anschluß an die Züge in Birstein. Tie Wagon dienen nicht nur dem Personenverkehr, sondern auch der Beför­derung von Eil- und Frachtgütern. Tie BetriebS-

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 20. September der ordentliche Honorarprofessor Dr.-Jng. Georg Wilhelm Köh­ler zu Darmstadt mit Wirkung vorn 1. April 1920 an zum ordentlichm Professor für Saft* hebemaschftfen an der Technischen Hochschule zu Darmstadt: am 22. Sept. 1920 der Oberlandes­gerichtsrat bei dem Oberlandesgericht, in Darm­stadt Max Schilling- Trygophorus zum Land­gerichtsdirektor bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, der Landwirtschastslehrer Dr. Lud­wig Spahr zu Darmstadt mit Wirkung vorn 16. Oktober 1920 an zum Vorstand der Landwirt­schaftlichen Winterschule zu Sprendlingen (Rhein­hessen): am 16. Sept. 1920 der Fmanzpraktikant Karl Gubh aus Schweinitz zum Oberrechnungs- revisor bei der 2. Justifikaturabterlung der Ober- re chnungskammer mit Wirkung vom 1. April 1920 an: am 23. Sept, der FmanM:aktikant Albett Spieß aus Darmstadt mit Wirkung vom 1. Au­gust 1920 zum Sekretär bei der Technischen Hoch­schule in Darmstadt. In den Ruhestand ver­setzt wurde am 20. September 1920 der Land­gerichtsdirektor bei dem Landgericht in Mainz Philipp Oben auer auf sein Nachsuchen unter Anerkennung feiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 16. Sept. 1920; am 21. Sept, der Lehrer an der Volksschule zu Wahlen im Kreise Alsfeld Karl Herbst auf fein Nachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste vom 1. Oktober 1920 an. Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu be- setzetrde Schulstelle zu Glauberg (Kreis Bü­dingen).

Aus Stadt unO> Land.

Gießen, den. 27. Sept. 1920.

Fürsorge bei Cisenbahusahrten schwerbeschädigter Kriegsteilnehmer.

_ Als schwerbeschädigte Kriegsteilnehmer im Sinne der Rickrlinien find Kricgsbeschäoigtc nut äußeren Scltäden odn inneren Leiden, denen län­geres Steh.'ii ichütel, sowie Kriegsblinde auzusehen. Hierbei ist fern Unterfcfyeb zu machen, ob sich die Krieg .besch.rdig:en noch m Militär ärztlicher Be­handlung befinden oder bereits entlassen sind.

Schwerbefclä.ig.e Kci,-gst<iln hrner dürfen auf den Bahnhöfen von der linken Sei:e an die F a h r- karten- und Gepäckschalter zur bevor­zugten Abfettigung Iferantrcten. Auch art der Balm steig sperre sind sie nach Möglichkeit vorzugs­weise abzuser.'igcn.

Das EisenbahnperDnol muß sich die Unter­bringung oer scknv.rbeschädigten Kriegsteilnehmer in den Zügen aus Sitzplätzen, unter Umftin- den auch unter Heranziehung des Dienstabteils, wenn ein solches vorlxrnden ist, besonders ange­legen fern lassen

In allen Personenzügen, bei denen ein Be­dürfnis vorliegt, ist nach Möglichkeit mindestens ein Abteil 3. Klasse für schrverbeschädigte Kriegsteilnehmer zu bestimmen und als solches zu bez ichnen. Dieses Abteil ist möglichst neben dem Dienstabteil einzurichen imb mft einem Täfel-1 chen mit, doppelseitiger i'lufschrist:Für Schwer- Kriegsbeschlädigle" zu bezeichnen. Diese Abteile sind bei sarkem Verkehr durchl das Zugbegleit- und Stationsperfvnal gegen den Andrattg der anderen Reisenden zu schützen. Kann dies nicht in anderer Weise wirksam geschulten, so sind sie verschlofscnc zu halten und den Kriegsbeschädigten nur nach vorheriger Meldung beim Zugpersonal zu öffnen. Die Plätze in diesen Abteilen werden den schwer- beschä'igten Kriegsteilnehmern eirgvr4umt, die für die 3. ober eine Hölter? Klasse gültige Fahrkarte haben, und iljaen Begleitern, wenn sie einer stän­digen Begleitung bedürfen und eine entsprechende Bescheinigung besitzen. Bei nicht doller Ausnut- zrmg können die Abteile ftlr Schwew-Kriegsbe- schädigte im Falle starken Verkehrs unter Vor- bel)alt auch für andere Reisende frcigcgcbcn wer­den mit der Maßgabe, lxiü diese Reisenden ihre Plätze bei Bedarf für schverbeschädigtc Kriegs­teilnehmer wieder zu räumen 'haben. Den schwer­beschädigten Kriegsteilnehmern mit Fahrkarten 4. Klasse ist vorn Zirgbegleitpersonal nach Mög­lichkeit ein Sitzplatz in dieser Klasse anzuweisen. Ist dies wegen UeberfüIIung nicht möglich, so kann den Kriegsbeschädigten ausnahmsweise ein Platz in der 3. Klasse angewiesen werden.

Gelähmte Kriegsteilnehmer, dir ihren Kvankensährstuhl nicket verlassen können, dür­fen die Reise mit deut Stuhl im Packwagen zurücklegen, sofern der Gepäckvertehr es zulilßt.

Die schwerbeschädigten Kriegsteilnehmer haben einen Ausweis nach besonderem Muster bei sich zu führen, der auf Grund des Zeugni-sses eines beamteten Arztes von der örtlich z-uständigen amt» lickien KriegsbeschLdigten-Fürsorge für die Dauer eines Kalcnderiahres ausgefertigt wild.

Mittelstück angebrachte InschriftG r o ß h e r - zogliches" Finanzamt ^u entfernen. Die neue Inschrift bzw. Verzierung tft durch das Mini­sterium noch nicht festgelegt.

Kreis Wetzlar.

ra. Groß-Alten stadten. 24. Sept. Während der Kriegszeit wurde eine größere Heidefläche urbar gemacht, die sich bisher für den Feldbau auf5 beste bewährt hat.

Hessen-Nassau.

Die FrieDensaufgaben des Roten Kreuzes.

fd. Frankfurt a. M., 25. Sept. Unter diesem Leitmotiv stand die gestern im Palmen­garten abgehaltene von nahezu 1000 Abgeordneten besuchte 14. Tagung der Führer und Lterzte deut­scher Sanftätskolonnen vorn Roten Kreuz. Den umfangreichen Verhandlungen, die durch eine weihevolle Gedächttrisseier zu Ehren der Gefallenen eingeleitet wurde, wohnten zahlreiche Vertreter der einzelnen deutschen Bundesstaaten sowie viele ehemalige Offiziere und Feldärzte bei. Nach ge- scksttstlichen Mitteilungen und einem Rückblick über die Entwicklung des Sanftätskolonnenwesens seit 1914 trat die Versammlung an die Frage heran, wie die Umstellung per Sanitälskosonnen auf die kommende Friedenstätigkeit zu erfolgen habe, um damft einer Forderung der Bestimmungen des Ver­sailler Friedetrs au entsprechen. In den Vor­trägen sprachen sich die Redner für Die Dienstbar- machung der Kolonne bei Unfällen, KranfeiftoanS- porte, Epidemien und Desinfektionen, sowie jeder anderen gewünschten Hilfeleistung aus. Eingehend behandelte man auch die ewige Fehde mit der Konkurrenz", den Schwestern, den Werkskolonnen, den Arbeiterorganisationen und der amtlichen Wohlsahttspslege. Der in Baden bereits durch« geführteAufbau von unten" soll nun auch auf die übrigen Länder ausgedehnt werden. Betont wurde ferner die vollzogene Entpolitisierung des Roten Kreuzes. Nach der Mittagspause wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Die Bedeutung des Auf- klärungsfürns (des wftklichen!) wurde hervor­gehoben. Ein Zusammensch' aller deut'chen .sto- lonnen zu einem Reichsbund deutscher Sanftäts­kolonnen soll vorbereitet werden. Die Einr ich« tung einer Sterbekasse wurde beschossen Prof. Kimmle, der verdienstvolle Generalsekretär des Zentralkomitees, wurde zum Ehvenmftglied er­nannt. Als Ort der nächsten Tagung 1921 wurde

Darmstadt, 27. Sept. Inschrif­ten ände rung. Am Finanzamt ist nun auch ein Gerüst angebracht, um die über der Tür im

Wand zugefehrt. Nur ihre regelmäßigen Atem­züge verrieten, daß sie nicht krank war.

In der sftrtenden Dämmerung neigte sich Rena sacht über fie und flüsterte:

Tante, hörst du mich? Du arme, arme Tante! Sahst du in deiner gehetzten 3cefe feine andere Rettung mehr als die Flucht in den Tod.' Gott fei Tank, dies AeuHerste ist gnädig verhütet nxtrben Und nun sollst du erfahren, daß es in Zukunft einen Menschen gibt, der, getreu und wohgemut, beides aus wahrhaftem Inneren heraus, zu dir steht! Ja, Tante, in meiner Brust soll nrtan fein Raum mehr fein für eine Klage. Dich lteb haben will ich feine andere Aufgabe werde ich mehr fennen."

Dabei lag ein Lächeln so vrll machtooller Innigfeft auf dem schön und hell wieder aut» geblühten Antlitz des jungen Mädchens, datz die Blinde dieses Lächeln spüren mußte.

Sic spürte es wohl auch denn sie tastete scheu nach Renas 5kopt 'und drückte ihn einen Augen­blick fest an ihre Brust.

Tann streckte sie sich wieder aus und kehrte ihr Gesicht abermals der Wand zu.

Auf einmal aber setzte sie sich mit einem Ruck in ihrem Bett gerade.

Man sah, es war ein schweres, dunlles Ringen in ihrer schmerzgemarterten Brust. Plötzlich er- klang, gewaltsam herausgestoßen, die Frage v>n ihren Lippen:Wer hat mich aus dem Wasser ge­rettet ? Du weißt natürlich darum?"

Rena antwortete sanft:Tante, ich möchte nicht, daß du dich von neuem quälft und aut» regst"

Da unterbrach sie die Blinde falt hemg: ,<Ja, glaubst du denn, ich habe Stunde um Stunde hier

gelegen und leer vor mich bingebämmert? Seit man mich dem gesuchten Tod entrisfen ist etr. Kämpfen in mir ein Kämpfen so voll Lust und Qual ah, wie soll ich dir beschreiben"

Sie vollendete nicht, sondern preßte nur mit einer Bewegung, die mehr sprach als Worte, beide Hände aut "die Brust.

Tann sagte sie voll wutrdersamer Bestimmt­heit:Komm, Hilt mir in meine SHerber. Du hist mir zwar den Namen dessen noch nicht genannt, der mich aus der Finsternis des nahen Todes, die für mich eine Finsternis ohne Ende geworden wäre, errettet hat. Aber ich brauche deine Antwort aut meine Frage auch nicht. Ich kenne ihn, der es voll­bracht mit dem Einsatz seines ergmen Le­bens . Und wenn es auch Abend ist, noch in dieser Stunde will ich hmgehen, wlll ihn aufsuchm und ihm für seine Tat danken."

Sie tastete nach Renas Händen, damit fie ihr h'lten sollten, aber dfese Hände ließen sich nttf* finden.

~ Das junge Mädchen stand in stürmisch-feiger Freude über die Umwandlung, die in dem hatz- ocrfütterten Herzen der Tante vor sich gegangen war, zugleich aber auch in bekommenem lieber- legen, wie sie der Aerrnsten möglichst schonend das Nvtwmdige mitteilen solle.

_ In dies lieber!egen hinein erklang em dumpfer Schon, dem die atemlo'en Worte folgten:Wo bist du? Warum sprichst du nicht? Schweigst du, well kein Weg mehr für mich zu memem Retter ist?" Hat meine Rettung ihm das Leben ge­kostet? Ist er tat ?!"

Nein, nein wie kannst du denken," beeilte sich Rena, die tur^jtbare Spannung in der Brust oer Bünden zu lösen.

Tie alte Frau faltete, ohne eS zu wisfen, die Hände. Dabei drängte sie aber voll bebotber Hast:So sprich dach was ist sonst ? Ich fühl es, bu, willst mir etwas verheimlichen"

Ich wlll und darf dir nichts verheimlichen," sagte Rena in ernstem Getaßtsetn.Höre denn. Tein Jngendfteund Walter Hüttich ist schwer er­krankt, Tante. Ein hitziges Fieber"

Ist ist es hosinungslvs ?"

Tas möge der Himmel verhüten: Der Arzt glaubt es nicht. Er erwartet viel von der kräi- ttgen Natur des Kranken."

Wo befindet er sich?"

Er ist dir nähen als du glaubst."

Und das junge MLxhen beachtete, wie der Teutschameribaner rn der Schicksalsnacht vor dem Tor des .Alten Schlosses" im Wagen das Be­wußtsein verloren habe und auf Anordnung des Arzl s unverzüglich in das Haus getragen wor­den sei.

Unter meinem Dach," flüsterte die Winde m träumerischer Erschütterung.

Ein ganz öcin wenig zaghaft sprach Rena weiter:Es ist Oskars Zimmer, liebe Tante, in das die Leute den Ohnmächtigen trugen und m dem er krank öamieberliegt"

Tie Blinde wankte auch bei dieser Mtttellung nicht in ihrer starten Erhebung aus den Banden des Grolles und des Hasses.

So möge," sagte sie feierlich,in dem Raum, den der Tod verödet hat, ein bedrohtes. Leben, das mir so teuer ist, als das daraus entflohene, sich zu neuer Kraft und Gesundheft erheben!" Sie faltete die Hände.Das ist mein wahrhaftiges Gebet zu Gott!"

(Fortsetzung felgt)