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Amerika und die deutschen Zahlungs­bedingungen.

Zürich, 25. Sept. Der amerikanische Delegierte für bi? Brüsseler Konferenz, Bo y- ben, nrnrbe, wie aus Neuyork gemelitet wird, be­auftragt, die Ententedelegierten mit der AnsüÄ der amerikanischen Regierung bekannt zu machen, die dahin gehe, daß. die starren Zahlungsbe­dingungen, denen Deutschland imterwor- fen sei: wesentlich erleichtert werden müß­ten. Deutschland solle nach Möglichkeit durch bessere finanzielle Abmachungen mit dem Auslande in feiner Pvoduk ion ermutigt werden. Die ameri­kanische Regierung empfiehlt als vorüberge'hende Maßnahme ' in. Syrern aus Grund dessen Ganz- und H lbfab ifite als Zahlung für R.h vffe Lenü^t und angeiwnrmen werden sollen.

Vir» Interview Helsferichs.

Brüssel, 25. Sept. (Privattel.) DasXX. Siöcle^^ veröffentlicht ein Interview seines Ber­liner Korrespondenten mit Dr. Helfferich:

Auf die Frage nach der deutschen Zahlungs- sähiAveit erklärte Helfferich, daß Deutschland) außerstande sei, irgendwelche Entschädi- gustgszahlung zu lei st en, und erinnerte an das Beispiel Frankreichs nach den napoleoni­schen Kriegen, dem die Koalitionsmächte wegen des Zustandes völliger Erschöpfung keine Kriegsent­schädigung auserlegt hätten. Helfferich verwies auf die Verringerung und Storung aller Produktionsmöglichkeiten und die passive Handelsbilanz und sagte zum Schluß, er selbst würde als leitender Staatsmann feine Ver- traasverpflichtung unterzeichnen, die Deutschland nicht zu erfüllen imstande wäre. Wenn die Entehrte sich damit nicht zufrieden gebe, würde er ihr freistellen zu machen, was sie wolle. Deutsch- land stehe zu ihrer Verfügung. Die Entente wäre dann gezwungen, inmitten einer feindlichen Be­völkerung ein großes Besatzungsheer zu unter­halten und bekommen würde sie trotzdem nichts; demi wenn schon durch die Beschlagnahme oder die Konfiskation deutsches Kapital zerstört werden solle zum Vorteil der englischen, franzö'i'chen ober amerikanischen Kapitalisten, so würden die Deut­schen sicher vvrzi.'hen, es vorher aus eigene Rech- rantg imd zu eigenem Nutzen zu tun, d. h. durch spartakistische Methoden.

Die Kriegslage im Osten.

Grodno von den Polen genommen.

Paris, 27. Sept. (WTB.) Nach einer Mel­dung derDaily Mail" haben die Polen die Festung Grodno genommen.

Die Neubildung des russischen Heere».

Rotterdam. 26. Sept. (Wolff.) Der Nieuwe Rotterdamsche Eourant" meldet aus H«l- singfors: Tie russis^ Räteregierung nimmt eine Neubildung des russischen Heeres vor. Tie Tivisionen an der Westfront, werden das Westheer, die auf der galizischen Front das rote ukrainische .Heer, die auf der taurischen und Don- front das Südheer und die auf der kaukasischen Front das Ostheer bilden. Die sibirischen Trup­pen werden in zwei Heere gruppiert, in das west- sibirische und ostsibirische Heer. Trotzki ist Oberbefehlshaber. Ihm steht Podweisky zur Seite.

Die russische Delegation in London.

London, 26. Sept. (WB.) Nach einer tkteutermeldung ans London ist Fedvr B ra- sonow, der Nachfolger Kamenews in der russischen HandelsabotEmnng, in Lon­don angekommen.

Polnische Bestialität.

Am Donnerstag wurde bei der Konferenz in Kassel ein Fa'l gröbster Bestialität durch die Polen in Oberschlesien bekannt gegeben, welcher sich vor einigen Tagen abgespielt hat. Ter Lehrer Skrobbek wird von mehreren Palen aus der Straße in Mischalkowitz angehalten und aufge­fordert, die rechte Hand hoch zu Theben und zu schwören, daß er polnisch wählen wird. Skrobbek hat dieses Ansinnen energisch abgewie'en mit den Worten:Ich bin deutsch und wähle auch deutsch!" Tavaufhin hat man den Herrn entkleidet und mit einem glühenden Haven den Leib aufgerissen, nicht genug damit, hat man die Wunden noch mitz ätzender Flüssigkeit begossen und den Herrn so lange gepeinigt, bis er seinen Geist ausgab. Herr Skrobbek hat aber im Sterben nach die Worte gelispelt:Ich wähle deutsch und ich sterbe deutsch!" Tie Kerle sind erfaßt und die Unter­suchung ist eingeleitet.

Dl» Lage iw Italien.

Paris, 27. Sept. (WTB.) Nach einer Mel­dung desMatin" aus Rom haben die Metall­arbeiter das Abkommen von Rom mit großer Mehrheit angenommen.. In Turin und Genua spvachm sich zwar über die Hülste dagegen aus. In Mailand wurde das Abkommen aber ein­stimmig angenommen. Einige Fabriken wurden freinxltig geräumt. Man hofft, daß im Lause dieser Woche die Arbeit wieder überall auf genommen wird.

Die früheren dentfchen Besitzungen im Stillen Ozean.

Melbourne, 25. Sept. (WB.) Der Se­nat stimmte einem Gesetzentwurf zu, wo­durch Australien das Mandat über die ehemals deutschen Besitzungen im Stillen Ozean annimmt.

Line lMmsterrede auf der deutschen Ostmesse.

Königsberg i. Pr., 26. Sept. (Wolff.) Arn Vorabend der Eröffnung der ersten deut­schen O st m e s s e in Königsberg fand in dem nttt Blumen und Tannengrün seitlich geschmückten großen Saal des Tiergar ens ein geselliges Bei­sammensein in Form eines Begrüßungsabends statt, woran sich Gäste und Aussteller zahlreich be­teiligten. Oberbürgermeiier Dr. Lohrneyer hieß hi seiner Ansprache den Reichspräsidenten, den Reichswir Va\ sm'nister, den preußischen Handlls- miniftei unV die übrigen Vertreter der Reichs­und Staatsbehörden immens der Messeleitung will­kommen. R.i.liswir schaf dmmi .er S cho l z banfre im besonderen Oluf rage des Reichspräsidenten und namens der Reichsregierung mid führte dann weiter aus: Dec Reichspräsident und wir wollen Ihnen zeigen, daß wir auch beschwerliche Umwege incht scheuen, um zu der allen Deutschen am Herzen liegenden schönen Provinz Ostpceußm zu gefangen.

darü den Dank der Reichsregierung allen Be­

teilig teil hier schon aussprechen, daß Sie den Mut hatten, in der fernen Ostmark Ihre -Messe zu er­öffnen, die dazu dienen soll, die wirtschaftlichen Beziehungen der Ostmark zu stärken. Ich darf Ihnen allen sagen, daß die verantwortlichen Jn- slmrzen im Reiche und Staat gern bereit f.in trerbem, alles, was Sie unternehmen, um die Wirtschaft der Ostmark zu fördern, nicht nur mit lebhafter Anteilnahme, sondern auch mit positiven Taten zu begleichen und zu unterstützen. Ich hoffe, daß die lebhaften Dünsche, die in meiner kurzen An­wesenheit in wirtschaftlicher Beziehung bereits zu meinen Ohren gedrungen sind, von der Reichs reg ierung erfüllt werden können, und ich darf jedenfalls meinen und der Reichsregierung besten SB Uten dokumentieren, alles zu tun um die treue Provinz Ostpreußen fester und fester an das Reich zu ketten. Auch im Zeit­alter der Republik darf es gestattet fein, hier an der Wiege des Königtums der Verdienste zu ge­denken die die Hohenzollern um das Reich und Preußen gehabt haben. Mir als alten Ober­bürgermeister liegt es besonders am Herzen, hier auch der Verdienste zu gedenken, die sich Königs­berg als Wiege der Selbstverwaltung er­worben hat. Tas Werk des Freiherrn vom Stein hat Teutschland erobert und hat die deutschen Städte zu Kulturträgern ersten Ranges gemacht, um die uns die Welt beneidet. Aber auch ivährend des furchtbaren Krieges zeigten sich die Hände, die Ostpreußen mit Deutschland oerbiuben, als immer unlösbarer. Ich darf daran erinnern, daß, in den ersten Kriegsmonaten und seinen ersten Jahren ganz Deutscftfaitb sich kraftvoll bemühte, die Schä­den, die der Krieg Ostpreußen geschlagen hat, heilen zu helfen. Ich darf mit großer Freude und tiefster Tankbarkeit feststellen, daß die Provinz Ostpreußen nicht nur mit Worten, sondern mit der Tat dem deutschen Vaterlande dafür Dank abstattete, auf einem Gebiete, das vielleicht nie­mand so gut beurteilen kann, wie ich, indem näm­lich die Provinz in wahtlsaft wirklicher Gast­freundschaft tausenden und abertausenden deut­scher Kindern, Stadt- und Jndustriekinder, auf dem Lande Gesundheit und Freude am Leben verschaffte. Tie Provinz Ostpreussen hat mit größ­ter Opferwilligkeit unter Hintansetzung jeden per­sönlichen Vorteils in liebevollster Aufnahme den deutschen Kindern unendlich viel dafür getan, daß unser Volk die Leiden des Krieges so überstehen konnte, wie es sie überstanden hat. Unsere deut­sche JuMnd in Ostpreußen zu ewigem Dank ver­bunden für dessen Gastfreundschaft und für das, was Ostpreußen unseren Kindern getan hat.

Als wir vor zwei Monaten in ungeheuer schwierigen bedrückenden Verhandlungen in Spaa standen, war die einzige und dafür um so herz­lichere Freude der Moment, als das Abstimmungs- refmtat von Ostpreußen in Belgien zu unseren Ohren drang. Ich glaube, ganz Deutschland hat seit Beginn des Krieges einen solchen innerlichen Jubel nicht mehr erlebt, wie an dem Tage, an dem wir feststellen konnten, daß Ostpreußen und seine Bevölkerung in zäher Treue am deutschen Vaterlande hingen und sich als d e u t s ch e st e aller deutschen, als preußischste aller Provinzen Preußens erwiesen hat.

Königsberg i Pr., 26. Sept. (Wolff.) Bei einem Empfang der Vertreter der Königsberger Reichs-, Staats- und Kommunalbehörben durch den Reichspräsidenten, dem auch Reick^wirtschafts- mmifter Scholz und Vertreter der preußischen Staats reg ierung beiwohnten, jagte der Reichs­präsident auf eine Begrüßungsrede des Ober­präsidenten Sieht: Fast unfaßb.rr ist der Gedanke, daß die so kerndeutsche Provinz, diese so tatkräf­tige Bevölkerung künstlich und gewaltsam vom Reiche abgeschnürt worden ist. Wir wissen, welch wirtschaftlichen Konseguenzen diese Abschnürung für Ihre Heimatprovinz ist. Sie dürfen versichert fein,, daß Jbie Reichsregierung sowohl wie die preußische Staatsregierung alles tun und einsetzen wird, um Ihnen bei Ihrer schweren Arbeit und den schtveren Kämpfen in Ostpreußen Erleichterun­gen zu verschaffen und die wirtschaftliche Entwick­lung sowie die Verkehrsverhältnisse möglichst zu fördern intb zu sichern.

Ans öem Reiche.

Die Waffenablieferung.

B e r I i n, 25. Sept. (Wolfs.) Der Reichs- kommissar für die Entwaffnung der Zivilbevölkerung, Peters, gibt bekannt, daß er, entgegen umgehenden Gerüchten, die für die Ablieferung der Waffen ausgesetzten Prämien unter keinen Umständen erhöhen wird. An beit festgesetzten und der Oefsentlich- keit durch Anschlag bekanntgegebenen Sätzen wird unbedingt festgehatten. Die vollen Prä­miert werden für Ablieferungen bis zum 10. Oktober einschließlich gezahlt. Für Ab­lieferungen vom 11. bis einschließlich 20. Ok­tober werden Prämien in Höbe der Hälfte der jetzigen Sätze gezahlt. Am 2l. Oktober hört jede Prämienzahlung auf. Wer dann bis zum 1. November einschließlich abliefcrt, genießt lediglich, ebenso wie jeder, der feit 15. Sept, ablieferte, die durch das Entwaffnungsgesetz bestimmte Straffreiheit. Wer nach dem 1. No­vember bei den in Aussicht genommenen ein­gehenden Ermittelungen im unbefugten Be­sitz von Militärwassen betroffen wird, ist den schweren Strafen des Entwaff- irungsgesetzes verfallen. Es kann deswegen nicht eindringlich genug davor gewarnt wer­den, aus der völlig verfehlten Erwartung heraus, die Prämien würden erhöht werden, jetzt mit Id'-er Ablieferung der Waffen zurück­zuhalten.

Die Neuordnung der Gütertarife.

Berlin, 25. Sept. (Wolff.) Im An­schluß an bil; gestern mitgeteilte Besprech­ung über dieNeuordnungderGüter- tarife ist noch über folgende Gegenstände beraten worden:

Auf Vorschlag der ständigen Tarifkom- misfion und des Ausschusses der Verkehrs­interessenten soll die Haftung b er Eisenbahn für den Verlust und die Be­schädigung eines Gutes künftig wie bei der Post allgemein auf 20 Mark für das Kilo­gramm beschränkt werden. Bei höherwertigen Gütern kann der Absender den Wert bei der Eisenbahn versichern gegen eine mäßige Ge­bühr, die nach Entfernungen gestaffelt und für zwei (Aitergruppen (Edelmetalle usw. und | sonstige Güter) verschieden festgesetzt ist. D/te iVersicherung ssummc darf den gemei­

nen Wert des Gutes um höchstens 10 Prozent übersteigen. Daneben kann die Versicherung der rechtzeitigen Lieferung eingeführt werden, wodurch die Eisenbahn die Haftuna für durch etwaige Verzögerung der Senoung ent­stehende Schäden übernimmt. Die Sachver­ständigen erklärten sich mit dieser Neurege­lung und den weiteren Vorschlägen der stän­digen Tarifkommission über die Frachtberech­nung für Eisen, Stahl, Eisen- und Stahl- waoen sowie über einzelne weitere Abände­rungen des Eisenbahngütertarifs von ge­ringerer Bedeutung einverstanden. Die Ein­führung der beschränkten Haftung und Ver­sicherung ist von der vorherigen Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen im Handels­gesetzbuch und der Eisenbahnverkehrsördnung abhängig, die beschleunigt herbeigeführt wer­den soll.

Die Magistratswahlen in Berlin.

Berlin, 25. Sept. (WB.) Im Haupt­ausschuß der Landesversammlung gab der Minister des Innern die Erklärung ab, daß die Groß-Berliner Magistrats­wahlen vorläufig nicht bestätigt werden, bis die Novelle zu dem Gesetz über die Bil­dung des Stadtkreises Groß-Berlin verab­schiedet ist. Im Verlaufe der Beratungen sprach der Minister ferner die Meinung aus, daß die dauernde Erhaltung der Grenzmark im Osten als Proviiiz aus finanziellen Grün­den nicht möglich fei.

Terroristische Ausschreitungen in ei er ober- schlesischen Grube.

Hindenburg, 25. Sept. (Wolff.) Auf der Castellengrube kam! es heute früh zu wüsten Auftritten, bei denen 5 G r u - benbeamte zum Teil erheblich ver­letzt worden sind. Vor einiger Zeit war ein Lehrhauer wegen Mißhandlung eines Steij- gers von der Grubenverwaltung fristlos ent­lassen worden. Die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß führten zu keinem Er­gebnis. Der Grubenverwaltung wurde es nahegelegt, ihn auf einer anderen Ballestremt- schen Grube zu beschäftigen. Die Verwaltung war damit einverstanden, aber die Belegschaft forderte die Wiedereinstellung des Hauers auf der Castellengogrube und seine Unterstellung unter den von ihm mißhandelten Steiger. Die Grubenverwaltung lehnte dieses Ansinnen zu­nächst ab, gab dann aber schließlich nach, als zwei Steiger abermals mißhandelt wurden. Trotzdem trat die Belegschaft heute früh in den Ausstand. Sie vergriff sich tät­lich an allen Beamten, deren sie hab­haft werden konnte. Der um Hilfe angegan­gene Kreiskontrolleur von Hindenburg sandte acht Mann französischer Truppen der Abstimmungspolizei nach der Grube und leitete Schlichtungsverhandlungen ein, die um Mittag zur Anfuhr der Mittags- schicht führten. Die strafrechtliche Ver­folgung der gewalttätigen Elemente, die sich in der Hauptsache aus jugendlichen Personen zusammensetzen, ist eingeleitet worden. Die Beamtenschaft der Gruben bat dringend um Schutz gegenüber den sich immer mehr geltend machenden terroristischen Be­strebungen in gewissen Kreisen der Arbeiteü- jchaft. Seit heute früh befindet sich die Bo- legschaft von der Lauragrube in Kattowitz, der Deutschlandgrube in Schwientochlowitz we­gen Lohnforderungen im Ausstand. Die Gru­ben sind von der Sicherheitspolizei besetzt worden. Notstandsarbeiten werden von den Beamten verrichtet.

Hits dem besetzten Gehset.

Militärische Ucberwachuno von Neubauten.

Berlin, 25. Sept. (WB.) Die Abend­blätter melden ans Landau: Die inter­alliierte Rheinlandkommifsion gibt bekannt, daß die kommandierenden Generale der Be­satz mtgsarmecn in den besetzten Gebieten künftig das Recht haben, alte Neubau­ten, sowie die Verbesserungsarbeiten zu militärischen Zwecken überwachen zu lassen und den Befehl für solche Arbeiten zu erteilen. Die deutschen Behörden seien ver­pflichtet, dem Befehle nachzukommen und alles Nötige bereitzustellen. Zur Entgegen­nahme der Befehle werden den militärischen Behörden technische Beamte zugeteilt. Die höheren Beamten werden in Köln eingesetzt, ivährend die übrigen Beamten ihren Sitz in Speyer, Mainz und Wiesbaden haben werden.

mc. Mannheim, 26 S pl. Die Franzosen haben die Rheinbrücke mit zwei großen eifer- nentoten abgeschlossen. (Sine ganze Anzahl von Personen, die bix?|e wunderliche Maßnahme belächel­ten, mußten ihren Spott mit recht erheb, ichen Geld­strafen büßen, da ihnen ihre harmlose Freude als Verächtlichmachung französischer Einrichtungen und Gebräuche ausgelegt nnirbe.

Aus Stafct undan&.

Gießen, den 27. Sept. 1920.

Nmsotzstcuer für möblierte Zimmer, Privatmittagstische u. Schülerpenfionen.

Tas Lantesfinanzamt schreibt uns: Es ist noch wenig bekannt, daß die Entgelte, welche für die Vermietung möblierter Zimmer, die Beköstigung an sogenannten Privatmittags tischen und die Auf­nahme in Schüler- usw. Pensidnen gezahlt werden, umsatzstcuerpslichlia sind. Tre steuer Pf idxigrn Ent­gelte sind erstmalig für das Jahr 1920 durch den Unt rnehmer bis Ende Januar 1921 dem zu­ständigen Finauzamte mittels Vordruck anzumel- b?n. Abzug: irgcnbroclcber Art sind nicht zuläs­sig. Ti: Abgabe beträgt 1V2 vom Hundert des Entgeltes, mithin 1,50 Mk. für erfxt'tene 100 Mk Ti.'jenigen, welche möblierte Zimmer vermieten ober Privatmittagstische .oder Pensionen unter- halten, luerbcn gut tun, bei ihren Forderungen hieraus Rücksickjt zu nehmen. Zuwiderhandlungen g- geit das Umsatzsteuergesetz ft b mit holen Gl- ftrafeii bedroht. Für bie Gewährung eingeridyteter Sck-laf- und Wohn räume in Gasllö'en, Pensionen ober Privathäusern zu vorübergehendem Aufent­

halte <längstens 3 Monate) erhöht hie Steuer sich aus 10 vom Hundert des Entglltes, wenn dieses für den Tag oder die Uebernachtung 5 Mk. oder mehr beträgt

Die neuen Lebensmittelmarken.

Mit Ausgabe der netten Lebensmittelmarken ist eine weitere Vereinfachung für das Publikum erngetreten. Das seit Jahren eingeführte Vor- be stell verfahren ist aufgehoben und der Käufer nicht mehr an einen bestimmten Geschäfts­mann gebunden, er kann feine Ware jetzt da holen, wo es ihm beliebt, ohne daß, er feilte Marken auf Wochen hinaus dem bett. Geschäftsmann vorher übergibt. Wir machen noch besonders darauf auf­merksam, daß alle früheren Lebensmittelmarken mit Ausgabe der neuen Marten ihre Gültigkeit verloren haben.

-Veranstaltungen.

Montag: Turnhalle, Oswaldsgarten, 8 Uhr, öffentlicher Vortrag des Naturheüveteins. Cass Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung der Medicfe Meidinger. Hotel Einhorn, 8/4 uhr, Gastspiel Buchwald. Lichtspielhaus, ,.Kakadu und Kie­bitz" undMorphium". Lichtspiele, Selters­weg, wie gestern.

**'Aus dem Stadttheaterbureau. Tie Ausgabe der Wonnements beginnt am Frei­tag den 1. Oktober um 10 Uhr an der Theater­kasse. Tie verehrt. Abonnenten werden höstichst ersucht die Karten möglichst zeitig zu erheben und mit der Abholung nicht bis zum ersten Auf­führungstage, an dem an und für sich Gedränge an der Kasse herrscht, zu warten. Außerdem ist es zur glatten Abfertigung wünschenswert, daß zunächst die Tienstag -Abonnements able-

holt werden. Eröffnet wird die -Spillzeit am

Tienstag, den 5. Oktober mit dem historischen Lustspiel .Liselott' vonderPfal z". Diese Aufführung ist zugleich die erste Dienstag-Abonne­

mentsvorstellung. Tie erste Vorstellung im Mitt- wo ch-Abonneinent ftndet am 6. Oktober, die erste Freitag-Abonnementsvorstellung am 8. Oktober statt. Näheres über den Spielplan nnrb noch be­kanntgegeben.

** Naturforscher-Versammlung. Eine psychologische Sitzung, veranstaltet

von der Abteilung für Psychiatrie und Nerven­krankheiten der 86. Versammlung deutscher Natur­forscher und Aerzte, fand am Freitag den 24. Sep­tember 1920, nachmittags, in der psychiatrischen Klinik in Gießen statt. Pvof. Sommer- Gießen sprach über die Vtormaltoerte des optischen Ge­dächtnisses für Figuren. Wenn ein beiftmmdes Schema von 25 Figuren 6 Sekunden für jebe Figur exponiert wird, so beträgt die durchschnitt­liche Zahl der gemerkten Figuren bei gebildeten Erwachsenen zirka 11. Es gibt bei einzelnen Per­sonen Streuungen in beträchtlicher Breite, aber die Zahl der Fälle tauft sich bei dem Durchschnitts­wert. Weiter sprachen in der fehr gut besuchten Versammlung Dyrv ff-Bonn, Voß -Düsseldorf, Goldschmidt-Münster, E. R. v. W. I a e n t s ch-Maackura, B e r t i n e r-Gießen, B a? ran y-Upsala, Ko ff ka-Gießen.

**Briefmarrennichtmitder Zunge anfeuchten? Seit Monaten werben Brief­marten als Kleingeld verwendet: sie werden oft zwischen Kupfermünzen und anderem Gelde, m- meist recht beschmutztem Papiergelde im Geld­täschchen, in der Westenlasche, imterm UhrdM

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berumgetragen, sind von Fingerschiweiß imb Fingerschmutz, Grünspan und allerhand schäd­lichen Steffen, die leicht am Klebstoff hängen bleiben und diesen mit Bazillen versehen, behaftet. Niemand sollte daher die Briefmarken mit der Zunge an feuchten freilich auch nicht m der Weife, daß der vielleicht nocy schmutzigere Finger angefeuchtet wird. Vorsicht!

** Die polnische Po st Verwaltung hat die vor einiger Zeit an ihre Postanstalten erlassene Anweisung, alle vom Ausland, also auch von Deutschland eingehenden Postsendungen, bei denen Bestimmungsott und Straße nicht polnisch angegeben waren, als unbestellbar zu behandeln, rückgängig gemacht.

* Te le gram m- und Eilbrief» b estellun g. Mit Rücksicht auf die mangel­hafte Straßen- und Grundstücksbeleuchtung rverden im laufenden Winterhalbjahre in der Zeit von« 9 Uhr abends bis 7 Uhr früh Tele­gramme und durch Eilboten zu bestellende Postsendungen im allgemeinen nicht zugestellt werden.

** Das Zweiklass ensv stem eine Verteuerung für bie Mehrzahl der Reisenden. Der Plan der Tnrchführnng eines Zweiklassensystems auf den deutschm Esse ibahnen ist zur Zeit fe^r volkstümlich. Er wird dies aber nicht mehr sein, wenn die Ueberfegirtg durch» gedrungen sein wird, daß die Verwirklichung dieses Planes für die Mehrzahl der Reisenden eme Er­höhung des Fahrpreises bebeutet. Eine Vereini- gimq der 3 intb 4. Klasse zu enter sog. Dolzklmje macht es unvermeidlich, den Fahichreis dieser Klasje höher zu stellen als den der jetzigen 4. Klasse, da ja die Beseiftgung der 3. Klasse einen ÄiwM an Einnahmen bedeuten würbe. Im ^edenW, nutzte etwa ent Drittel bet Reisenden die 4. Die Fachleute nehmen an, daß jetzt etwa 60 sämtlicher Reisenden die 4. Klasse benutzen, iväß* reni) etwa 35 Pvoz. auf die 3. Klasse .nissallen und nur der kleine Rest von 5 Prvz. noch tAfe 2. ober gar bie 1. Klasse benutzt. Dreifüns.el Mcr Reisenden müßte al io beim Zw^kiae sen sy 'eni bezahlen als jetzt unb nur sieben Zwanz-gstÄ »der Reisenden hätten den Vorteil einer kleinen Yst* Mäßigung.

** För derung der Bienen zulcki durch die Lehrer. Die Bienenzucht soll a«öÖ durch die Erhaltung von Baumgarten gefördert ' werden, deren Blüten gute Honigtracht liefern. s?luT eine Anregung aus Lehrerkreifen haben rinze^ ? Schulverwältungeit die Lehrer für diesen gute® i Zweck in Anspruch genommen. Sie sollen, wo si« f Gelegenheit bietet, aufkla end wirken und ihren : fluß für die Erhaltung der goeigneteit Baumactetn in diesem Sinne gütend machen. Zu diesen föaunjv l arten gehören vor allem die Akazie intb Linder. Tie beiden Holzarten sollen in Waldungen in d<»c . Nähe von Ortschaften, ebenso innerhalb dieser unrb an Straßen mit d.'rn Abtriebe möglichst lange schont bleiben. Außerdem sollen sie durch Anbrn/f in Gruppen und Reiheii ergänzt werden. Dab^^lst ein Verband einzuhalten, der eine allseitigeM^wnen- entwicklung gestattet. Freie Plätze, z. an Ge­mein degebäubcn, Schulen und Forste Msern, sind hierzu besonders geeignet L

** Wiener Kinder fuhreniv gestem aus der Umgehungsbahn nach Holland: *' heute vor­mittag brachte ein anderer Zug Kin bber nach dec österreichischen Heimat zurück, nach/ycm sie boct Monate in Hütend zur Erholung <y ugeüt haLten«

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