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27.9.1920
 
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Nr. 22?

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Erstes Blatt

170. Jahrgang

Montag, 27. September 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesien

Druck nnö Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Stelndruckerei R. Lange. Zchnstleitung, Sefchäftrstelle und Druckerei: 5chulstrahe 7.

Annahme von "diijCtücn für die lagcsnummer ots zum Nachmittag vorher ohne jedeBerbinDlid)keil. Preis für l mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.; für Reklame, Anzeigeil von 70 mm Dre.te 150 Pf Be, Platz. Vorschrift 20 ' 2Iufi(hlag. Hauptschnftletler: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: 2Iug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Rein! old Ienz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Dietzen.

Der politische Kurs in Frankreich

Die Zeremonie des Wechsels von Staats- oberhaupt und Ministerpräsident in Frank­reich hat einige hochpolitische Reden zur Folge gehabt, die natürlich auch für uns Deutsche von ganz besonderem Interesse sind. Die Botschaft des neuen Präsidenten von Frankreich, M i l l e r a n d , atmet die retho- rische und diplomatische (Geschicklichkeit dieses Staatsmannes, die auch aus seinen bis­herigen Taten sich erweisen ließen. Es liegt in seiner Präsidentenrede ein hohes Pathos, mit dem er zur Einigkeit des Volkes und zum Festhalten an dem Errungenen aufruft. Ter neue Ministerpräsident Leygues ist voll und ganz ein Geschöpf Millerands. Was er bei seiner Vorstellung in der Kammer redete, war eine Verherrlichung des bis- berigen Kurses und eine Uebersehung der Sprache Millerands in ein weniger geschick­tes, aber phrasenreiches und überhebliches Patriotentum. Die bloße Phrase stürmt über alle Ecksteine und Sümpfe der Unmoral, der Verachtung anberer Dolksinteressen, achtlos hinweg Wenn Leyuues von dem Völkerbund und seinen Aufgaben spricht, so empfinden wir dabei keinen Hauch von dem ursprüng­lichen Geist, der dieser Einrichtung innewoh- nen sollte.Wir wollen unser Prestige aufs- rccht erhallen," das ist die Hauptsache. Und dann ein ungebändigtes Selbstlob, das in der Welt neben ernsten Bedenken vielfach auch ein Lächeln Hervorrufen wird. Gar zu selbst­bewußt spricht dieser Franzose von demüber­reichen Saft des Genies", von der unauf­hörlichen Verjüngung seines Volkes, das die edelsten Nationen zur Bewunderung um sich herumgeschart habe. Und was soll unser armes deutsches Volk dabei denken, wenn Herr Ley- aues erklärt, die unvergleichlichen Soldaten^ Frankreichs hätten im Kriege die Partie $e» Wonnen! Jeder ehemalige Feldgraue weiß, daß Frankreich den Sieg nicht aus eigener Kraft erreicht hat, und die übrige Welt weiß ties eben so gut. Wir müssen daher hoffen, daß gerade auch aus den Kreisen der Verbüw- deten Frankreichs einige Abmilderungstrop- ien in diesen Becher schäumenden Champag­ners fallen werden. Die Brüsseler Konferenz wird die nächsten Nachweise und Offenbarung gen darüber zeitigen.

Die Botschaft Millerand;.

Paris, 25. Sept. (WTB.) Havas. Die Botschaft Millerands aus Anlaß der Hebern ahme der Präsidentschaft hat folgenden Wortlaut:

Indem Sie mich zum höchsten Verwaltungs- »sten, zur Präsidentschaft der Republik, beriefen, hat die Nationalversammlung klar ihren Willen be­fandet, nach außen wie nach innen die Politik rufrecht äii erhalten und fortzusetzen, die ie seit acht Monaten stets gebilligt hat. Ich habe )iesen Posten der Pflicht uird Ehre, auf den Sie nich versetzt haben, nur angenommen in der Absicht, hm mit aller Kraft und Beständigkeit zu dienen, iftankreich hat die Lehren des Krieges (lection) ge­erntet. Diejenigen seiner Kinder, die für es ge­worben sind, haben reicht umsonst das Beispiel höchster Selbstverleugnung gegeben. Ans ihren Grä- !>ern entstaub ein neues Frankreich. Es verschmäht nnerliche Mißhelligkeiten und nörgelnde Stänke­rten, um sich voll und ganz der Ordnung, der Arbeit und der Cfinignng M widmen unter der Legide freier Einrichtuirgen, um so seine Größe und rin Gedeilren zu entfalten. Die Nation ist für immer mit den, r.pub'ikanijchen Regime verknüpft, ba5. nachdem es die Irrtümer und die Fehler per- Änlicher Macht nxiftcr gut macht, sein Werk voll­endet, indem es die Einheit des Vaterlandes wieder- krfteUt. Die allgemeine Wahl ist souverän. Ihre Dillenskundg.bungen, durch die Stimmen seiner er- vöhlten Vertreter, bedürfen, um vollend, t und ge- rchtet zu werden, einer aussührenden freien Gewalt Otter der Kontrolle des Parlaments sowie einer rechtlich unabhängigen Gewalt. Die Konfusion der Gewalten ist der Keim aller Tyrannei. Sie wer­den im Verein mit der Regierung die Firnen günstig erscheinende Stunde wählen, um mit kluger Hand die an den konstitutionellen Gesetzen wünschenswerten Aenderungen vorzu- Mimen. Bevor die Einrichtung der Verbesserungen üt Frage kommt, die nur in ruhiger Stunde Per* firtidrt werden kann, muß ein eiliges Bemühen Mt guten Abschluß gebracht werden. Unsere verwüsteten Gebiet e", lebende Zeugen von 'X'ben und Heroismus, ihrer Bevö kerung, schreien »ach bev Notwendigkeit, durch unerschütterliche Ge- 'chlossenheit, in Mäßigung und voller lieberernftim» ®ning niit unseren Alliierten die vollste Ausfüh- ^wtg der angenommenen und unterzeichneten Ver­richtungen zu erlangen. Der Vertrag von Versailles stellt mit den diplomatischen In- mtmenten, die ihn begleitet haben und ihm gefolgt wd, die Charta eines neuen Europa und einer eum SBelt dar. Uns re Diplomatie wird die Hand «rauf legen, daß erstrikteausgeführt wird. Inabänderlich getreu den Allianzen., die durch das Ergossene Blut für immer gesichert sind, wird un- ere Diplomatie mit eifersüchtiger Sorg-* 'alt darüber machen, daß keine Verletzungen zu- JWt werden den Interessen und Rechten dm durch 'Msem Sieg geborenen oder wi?dn^rweckten Na- wn. llnferc Demokratie zieht legitime Hoffnungen 9, bem Fortschritt des kerb indes. Das vcht wird ;üi demselben nicht roatigcr der

Ohnmächtigkeit und Schwachheit geweiht wer­den, wenn sie sich nicht auf die Gewalt ützen Di? Armee, ui- di 9äai»n darskellt, bii lick' zur Vereinigung erb/ueh ha:, ha zu i trer Führung ausgez i-hnete CH ss gefunden, gclil.e üucd) (ic R^publil i.i einer Schule des M r i c = g e s, vvn der die G.schich e sag n wird, daß fi< t ic Herrin des Sieges war Uns re Marin, hat lich als ebenbürtig der Landarme« gezeigt Algerien, die Länder des Pvot.k.ocats und die Kolonien, teren b wunde.sw.r e Ausbreitung da Genie und die Zäl-igkril vepu bl iranischer Staats­männer bezeugt, haben gut un.> gern tlyre Sehuld am Mutterla. V.' in aller Form getan. An diesem ist es nun, sich dankbar zu enpci.cn, indem cs sic inniger mi sstnem politischen und moralisckicii Leben verknüpft. Eines der Ergebnis e uni nicht das am wenigsten in dem langen Kamps« wünschte soll die Herabminderung des Militärdienstes sein. Bei der Verwirk lidjiimg dieser Frage werden Sie wi sen, die An- roc.ierungen unserer wirtjchaf.lirl-en Bedürfnisse mit denen der nationalen Verteio gung in (iintlang zu bringen, cbenfo wie Sie wissen, daß Sie nünnals vergeblich einen Llpp.ll an tnis r<t ianalc Gewißen nd.iten werden. In kri.ischster Stunde haben die Frauen mit den Männern an Geschlossenheit und Verständnis einig gcro.'tttifert. Die klare franzö­sische Vemunf', die wunderbare Verknüpfung des praktischen W llens mit den Idealen hat in tinem Augen dl ck das Gl,iä»gewicht verloren. Kaum dem schrecklichsten der S ü.me entwickln, hat unser liebed Frankreich mit lei.enschaf lich.rn Eifer die Arbeiten der Erde miet« ausgenommen und durch seine Ruhe und SelbherZchung die Bewun­derung der'Welt errungen. S.in Beispiel wird ansteckend wirken . Alle sozialen Auf­fassungen haben das Recht auf das Licht. Keine wird es für sich in Ansp.uch nehmen können, sich mit Gewalt durchzusetzen. In der alten Formel die Freihei' unter dem Gesetze" 'hat t«ie niensch- licke Vernunft die F^lcht teuer bezahlter Erfah­rungen zusainmengcfaßt. Die ftanzö ich,? Repu­blik hat daraus il/re Devisen und Rich linien ge­macht. Die Republik hat Stein für Stein eme Gesetzgebm^ der 9Irb.il und Fürsorge erbaut, die heute den Vergleich mi: dn im A blande errich­teten Monumeuten a.ishalten tarnt. Sie beabsicht gt, iäeses Wcri des Friedens und «ori^len Fotlschrii.s fortzusetzen, indem sie enger und solidarischer die Interessen der versckn denen Mi arbeitet der Pw- duktion gestaltet. Arbeiten w:r, jeher an seinem Platze, um tagtäglich in dem geschriebenen Gesetz mehr Gercch.igkeit, Aiensck-lichk.it und Güte ein- rusühren.

Eine Rede des neuen Minister­präsidenten LcygucS.

Paris, 25. Sept. (WTB.) Die Botschaft des Präsidenten wurde vvn der Kammer mit leb­haftem Beifall aufgenommen. Darauf ergriff M i- ni st erpräs ident Leygues das Mort und machte im Namen der Regieruna folaende Mit- teilimg: Das Ministerium, das sich Ihnen vor­stellt, ist aus Männern zusammengesetzt, w lche die ergebenen Mi.arbeiter der Politik waren, der die Nationalversammlung eine beoni-ers wirksame Weihe gegeben hat, indem sie dm Mviisterpräsi- i>enten von gestern zur höchsten Würde der Repu­blik berief. Durch das Ver rauen des Staatsck)ess zu der furchtbar schweren Ehre berufen, sein Nach­folger an der Spitze der Rogi-erung zu fein, werde ich seinem Beispiele folgen. Ich werde sein Pvogramm und sein Werk weiter fvrtsetzen. Tie Grundsätze, die das Kabinett ro.iter Leiten werden, sind die, die den beiden Kammern am 22. Januar ausernandergesetzt wurden Es wird genügen, wenn ich sie kurz ins Gedächtnis rufe: Zn der i n n e r e n Politik Verteidigung der Freiheiten und der Gesetze, Festigung und Verbesserung der repu­blikanischen Einrichungen, Verniirk-ichurg der so­zialen Reformen, die von der Demv?ra ie erwartet werden, Einlösung der heiligen Schuld, die wir unseren tapferen Kriegsverletzten und den Fa- nrilien uns.rer glorreichen Toten gegenüber ein- gegangen fmd, Abkürzungde rlangenLei- D en der verwü steten Gebiete, die so stark, so fest und so mutig im Unglück sind, durch Be­schleunigung des Wrederaufbaues ihrer Herde, Förderung der produktiven Tätigkeit des Landes durch alle Mi.tel, Verwaltung unserer Fiiranzen mit der strengsten Sparsamkeit. In der auswärtigen Politik fordern wir die strikte Durchführung der Verträge. Wir werden keines unsever Rech e verjähren lassen. Wir wollen aus dem Völkerbund einen ständigen machtvollen Organismus machen, um das Zeit­alter der großen Kriege zum Abschluß zu bringen. Wir wollen eine Armee und eine Marine bilden die ein Faktor unserer Politik sind und wir wollen unser Prestige auf der Höhe halten, auf die es der Sieg ge­bracht hat. Frankreich bietet das herrlichste Bei­spiel von Moral, Kraft und Bürgertugend, die ein Volk jemals gegeven hat, durch die Ruhe und die Ordnung, die es am Tage nach seiner Prüfung auftechtzuerhalten verstanden hat. Nichts hat leinen Mut erschüttert. Kaurn war das Schlacht''eld er­kaltet, als es daran ginn, zu handeln und zu benfen. Eine ungeheure Lebenswelle strömt aus seinen Fabriken und von seinen Feldern her. Mit einem ruhigen und unerschrockenen Blick mißt Frankreich .die harten Ausgaben, die rbm_ zu er­füllen bleiben, um seine Dmrden zu schießen und seine Ruinen wieder aufzubauen. Ter Krieg hat uns die Notwendigkeit und die Größe der natio­nalen Einigkeit empiinden lassen. Diese Einigkeit wird heute gebieterischer als gestern notwendig. Wir müssen, damit Frankreich die Früchte seines Heldenmutes und seiner Oper pflückt, uns alle ihr unterwerfen mit einer selbstverständlichen Dis­ziplin. die die Hauptbedingung für unsere Wieder­erhebung ist. Der Krieg icti) der Sieg haben die

moralische Integrität Frankreichs in ihrem vollen Umfange und die Wirklichkeit feiner Macht geossen bart. Der Krieg und der Sieg haben der Welt plehri, daß wir ein Volk von einer roun oerbaren Lebenskraft, sind, dessen über ceicher Saft das Genie unaufhörlich verjüngt und die Kraft wieder stählt. Aus tiefem Grunde und wegen der Dienste, die es der Menschheit erwiesen hat, hat Frankreich ge sehe n, daß die e d e l st e n Nationen sich um es scharen. Tas ist die Stunde, den Pro ^> zu beenden, den es IahrlTundertelana geführt bat und der so schoer aus seinem nationalen Leben gelastet I>at. Unsere unvergleichlichen Soldaten haben im Kriege die Partie gewon neu. Uns fällt die Ehre zu, ihr Werk im Frieden zu vollendm. In dieser edlen Absicht bitten wir um Ihre Mitwirkung.

Der Präsident der Kammer teilte daraus mit, daß zwei Interpellationen ein­gereicht worden sind, die eine über die all­gemeine innere Politik der Regie­rung und besonders über die Politik den Arbeiterorganisationen gegenüber und die zweite über die allgemeine auswär­tige Politik. Ministerpräsident Leygues erklärte, er stände der Kammer zur Besprech­ung zur Verfügung. Daraus nahm der uni­fizierte Sozialist Bracke das Wort zur Begründung der Interpellation.

Ter Soziaiilt Bracke war der erste Sieb* ncr in der Jnterpcllaiionsdebatte. Er vermag sich üaum verständ.'ich zu machen, da die niet en Abgeordneten burd>eira iber sprechm ud i b unier» halten. Der Sozia ist B e r t h o u interpelliert ü er die zukünftige Politik der Rcgicrmig der Arbeiter­schaft gegenüber. Auch er wird dauernd durch tronii'd'e Zurufe initcrbnodien. Daraus ergreift Ministerpräsident Lev gues selbst ca-3 Wort und erklärt bezüg ich Ru stlands, daß die Freundschaft des rmfischen Volkes Frankreich immer kostbar gewesen sei mtb tbflbar bleiten werde. Wir wünschen, daß dieses große Land die Ruhe, Ordnung und Wohlfahrt irrigeriiube, damit es wieder das notwendige Element des G.eick-gcwichts Europas in der Welt wird. Ich vergesse nicht die ungeheuren Dienste, die Rußland uns bei B ginn des Krieges erwiesen hat. Weder heute, noch ge­stern, noch morgen hat die ftaiizösisck« Regierung, noch wird sie eine Politik der Interveniivn oder die Politik irgend einer anderen Regr runI be- treiben. Auf die Frage bezüglich der Polink den Arbeiterorganisationen gegenüber grht der Minister prüf idei.t nur kurz ein. Sie werden der vergar:genen Regierung, so evttirti er, oar, eine Politik der Unterdrückung betrieben zu toben. Tavaus habe ich nicht zu antworten, ttoer ich stelle fest, daß die Kammer, falls sie aufgefordert würde, sich über die Politik austzuspreckien, sie dieselbe mit einer sehr großen Majorität gebil» ligt hätte. Es ist notwendig, daß tm Innern Frankvrichs die Einigkeit durchgeiuhrt wt d imi> ich möchte wünschen, daß dieser ?lppell in ganz Frankreich gehört wird. Noch sind nicht alle äußeren Gefahren, noch sind nicht alle inneren Schwierigkeiten überwmid.n. Um sie zu überwinden, müssen alle Franzoen diee Eini> Beit Hochhalten. Ter Mi isterpräsident wandle s ch dann an die äußerste Linke und sagte: Ich ap et- liere an alle, appelliere auch an Sie. (Lebhaft'r Beifall aus allen Bänken außer auf der äußerlten Linken.) Zahlreiche Abgeordnete wünschen dem Präsidenten Glück.

Eine Abstimmung.

Paris, 25. Sept. (WB.) In der Kam­mer wurde die von der Regierung gut» geheißene Tagesordnung, in welcher dtkr Re­gierung das Vertrauen ausgesprochen wurde, nach längerer Debatte mit 5 0 7 gegen 80 Stimmen angenommen Ministerpräsident Leygues verlas darauf das Dekret, durch das die außerordentliche Tagung geschlossen wird.

Vie zinanzkonserenz in vrüffel.

Das Programm.

Brüssel, 25. Sept. (WTB) Die Finanz- konferenz nahm die vom Organi'a ionsaus- aussckn-ß ausgestellte Geschäftsordnung an, ohne d-ß sich Wioerspruch erhob. Es wurde beschlossen, daß die Delegierten nur einmal *u jedem Gogenstand das Wort haben könnten daß oas Französische die amtliche Spracheder Konferenz sein irrtb daß jede Rede ins Englische übersetzt werden soll. Jeder Delegierte hat eine Stimme. Ent­schließungen werden zur namentlichen Abstimmung gestellt. Um als amtliche Ratschläge zu gelten, müs­sen Entschließungen einstimmig angenommen wer­den, andernfalls wird der dem Völkerbundsrate er­stattete Bericht nur die Feststellung der ausein­andergehenden Meinungen in der Konferenz be­deuten. Die Konferenz trat dann in die Tages­ordnung ein. Die vertretenen Nationen werden ihre finanzielle und wirtschaftliche Lage darlegen, zuerst Dänemark.

Paris, 25. Sept. (WTB.) Havas meldri aus Brüssel von der internationalen Finanzkon­ferenz u a.: Die Delegierten sitzen nach dem Allchabet geordnet Die Deutschen haben die Sise 17., 19. und 21. Für Amerika ist der Abgeord­nete in der WietErgutmachungskommi sion Bcyden, jedoch nur als Zuhörer, anw seird. Der Vor­sitzende Ader sagte in seiner Eröffnungsrede noch, die .Konferenz müsse ihren Eharaker als eine Versammlung von Sachverstänbng-n bewahren. Die franzöffschen Kreise auf der Konferenz sind vom ersten Tage der Konferenz beftiedigt

Paris, 25. Sept. (WTB.^ Havas meldet

aus Brüssel: Die Finanzkons'.'renz ist sich darüber k ar gciixriKn, daß die ununverbrochene Verlesung er Finanzexposös aller vertretenen Länder mehrere Tag? hin.u ch die Beiurechung ter großen, auf ihrer lagcjorhnung fielxmbat ö-ragen verhind.rn würde. HaraS glaubt zu wissen, l> die Verlesung dieser Evposss heute abend unterbrochen wird, damit von Montag vormittag an die Konserrnz an das Problem der Or­ganisation der öffentlichen Finan­zen g h n Fann. Der eng ische Delcgierle Brand loll die Bespr.chung mit einer Rede em leiten.

Paris, 25. Sept. (WTB.) Wie Havas au5 Brüssel meldet, haben die deutsche und die französischeTelegation aus der Brüsseler Konferenz Gelegenheit gehabt, sich bei der Eröff­nung der Konferenz zu treffen und ihre Mitglie­der haben sich über das Programm der Konferenz und über den Geist, in dem die Besprechung des Programms zweckmäßig sein wird, unterhalten. lJm Laufe dieser offiziölen Un crhalturtg ist k ar geworden, daß die deutschen Dele- gerlen an diee Besprechung nicht mit einem Geiste gehen, der von dem der anderen Tele- gatwnen verschieden ist. Sie betrachten die Brüsseler Konferenz als eine Versammlung von Sach- verständigen, die dazu berufen sind, über ein begrenztes Programm zu beraten und sie scheinen von dem aufrichtigen Wunsche beseelt, in loyaler Weis: mit den anberen Mit- aliedern mitzuarbeiten, ohne daß sie versuchen wollen, in irgendeiner Weise unerwünschte Fragen aufzuwerfen. Die demtschen Delegierten werden, loenn die Reihe an sie gekommen sein wird, ein Exposs über die Fin anzlage ihres Landes verlesen. Sie verbergen nicht, daß dieses Exposo sich in nichts von dem unterscheiden wird, das sie nach Spaa mitgebracht haben, da in der äußeren und inneren Lage Deutschlands keine Aenderung eingetreten ist. Tie in Spaa von der deutschen Regierung eingenommene Stellung b eibt, wie sie erklären, unverändert und sie wird die deutsche Delegation in Brüssel bei ihrem Exposö in ihrer Haltung bestimmen. Tie Sitzung war kurz vor V»1 Uhr zu Ende.

Wie Havas weiter aus Brüssel meldet, haben die auf der Konferenz vertretenen Nationen nach- einanber den Standpunkt ihrer Regierungen vor- getragen. Mit wenigen Ausnahmen ist die finan­zielle und wirtschaftliche Lage im allgemeinen schwierig, selbst in den Ländern, die in dem Rufe des Reichtums stehen und die durch den Krieg verschont zu sein schienen. Aus den Erklärungen der Delegierten wird so z. B. llar, daß die finan- ziellen Lasten der Niederlande sich verdrei- lacht haben, daß das norwegische Budget, das 1914 185 Millionen Kronen betrug, sich im Jahre 1920 auf 759 Millionen Kronen b zifferte und daß die Schweiz, die ein Opfer ihres be­sonders .günstigen Valutastandes ist, eine beson­ders schwere Finanzkrisis durchmacht. Däne­mark allein erkannte an, daß feine Schuld feit 1914 Deiner geworden ist.

Tas französische Finanzexpose.

Brüssel, 26. Sept. iWvlff.) Wie HovaS- Reuter erfährt, bringt das französische Fi­nanz ex Pos6 die Grundsätze in Erinnerung, die i-ad? Ansicht der französischen Regierung die Grundlage für die Anpassung der öfkn 'üben Fi* ranzen an den durch den Krieg geschaffenen Zu- stand hüben müssen, und untersucht inwieweit bei Den feit Beginn dieses Jahres ge.ro ffenen Maß- nahincn stnanzilller Art dies? Grundlagen arge» wendet worden sind Das Exposä hebt die Bedeu­tung der auf steuerlichem Geiste e angestrebten Be- laflung hervor, die auf den Kopf der Bevölkerung 108 Frmfts betrug. Sie wird für 1920 wahrschein­lich 420 Franken betragen. Die ft.ranziclle Lage erh.stfche unbeitrci.bore Sorgfalt. Es scheine jedoch, daß de Regelung derselben die Kräfte des Lon­des nicht überi":eigen.

Brüssel, 26. Sept. 'Wolff.) Da die Fi- nanzldnferenz zur Beschleunigung ihver Arbeiten beschlossen Hut, am Montag mit dem Studium der bedeutungsvollen auf ihrer Tagesordnung stehen­den Fragen zu beginnen, veröffentlicht sie die Finanzexposäs der Mächte, foweir sie noch nicht zur Verlesung vor der Konferenz ge­kommen sind.

Zu dem ftanzösischen Expose wird ferner mitgeteilt, daß zunächst die Grundsätze dargelegt werden, die der iranzöfischen Regierung dieGrund- lage bei der Bewirtschaftung der öffent­lichen Finanzen zu fein schienen: 1. in bubgüärer Dinstcht durch möglichst beträchtliche steuerlich? Anstrengungen das Gleichgewicht mit den normalen Staatsausgaben zu sichern, 2. aus dem Gebiet der öffentlichen Schulden die kurz- friftignr Schulden möglichst nicht weiter zu ver­mehren, sondern zu amortisieren und ihre Kon­solidierung fortzusetzen, 3. auf dem Gebiet der auswärtigen Finanzen alle Regierungskäufe im Auslande zu vermindern, schließlich zu unter­lassen unb mit der Rückzahlung der im Aus­lände unter dem Zwang bet Kriegsverhältnisse aufgenommenen Schulden ztu. beginnen, 4. aus bem Gebiete bes Notenumlaufs bie Ausgabe der Banknoten den Bebürfniffen bet Industrie unb des Handels anzupassen, zu biesem Zwecke so weit als möglich iebe Inanspruchnahme bet Banque be France durch bat Staatsschatz tu unterlas en unb mit der Rückzad'ung bet Schuld zu beginnen, die der Staat bei diesem Institut ausgenommen hat. Bezüglich des Notenumlau'es gibt das französische Expose zu, daß die Vorschü se der Banaue be France an Den Staat direkt auf dem Notenumlauf 'asten Der Notenumlauf ist von 10162 Millionen ®nbe 1914 auf 37274Mi l onm Franken Eiüe 1919 gewachsen. Aber er neige seit Beginn dieses Jahres dazu, zurückzugehen. Die Anleihe in sechsprozentigct Rente werde auf den Noten­umlauf mir euiai güuiUse» Eiufüch haben können.