Ausgabe 
27.1.1920
 
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SwlMirgsnmddrrKk u. Verlag: vrühl'fche Univ.-Such- u. Steinöruderet L. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle n.vruckerei: Zchukstr. t

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der Hand Vorsehung spie.en zu wollen, statt wahren Gerechtigkeit ihren Lauf zu lassen.

so wird auch im der Vermutung

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Ausdruck gegeben, das; dem jungen Attentäter der Münchener Graf Arco als Beispiel vorgeschwebt habe.

Die ,L?osfische Bettung" wendet sich gegen die unlxiluole Verwechselung von Person und politischer Tätigkeit, di: im Kampfe der Mei­nungen hier wieder zu Tage getreten sei.

Im ,Lo ka la n zeige r" wird darauf hin­gewiesen, baß, je wnter die Sucht um sich greift den lose in der Tasche sitzenden Revolver zu ge­brauchen, desto deutlicher die vollendete Sinnlosig­keit .des Unterfangens werde, mit ber Waffe in

Schüsse in Moabit eine allgemeine Aufrüttelung bewirken möchten, damit klar werde, vor welchem Abgrund wir stehen. Die Reichsregierung wird nicht nur ihre Mitglieder, sondern jeden Bolks^wsjen gegen Gewalttat und Bergewal llgung schützen.

worden und habe den Erfolg haben mutzte.

Wie in anderen Blättern, Berliner Tageblatt"

Laut ,A5olol<nxy\get" hat Reichssincorzminiftr r Arzberger noch gestern abend den Untier» llntersdaatssekrctär Mösle mjt seiner Dertr» tung beaustoagt.

Ein Erlaß -er Reich»regierrrng.

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ter «iefjeirer Swjefgei erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.

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Die Rüdfehr der Gefangenen.

Paris, 27. Jan. (WTB.) Die Heirn- schaffung der deutschen Kriegs­gefangenen vollzieht sich plangemäß. In St. Nazaire sind zwei Schiffe angekommen, um heute und morgen die Kriegsgefangenen aufzunehmen. In St. Malo soll am 30. Ja­nuar ein Dampfer zur Aufnahme von 600 Gefangenen ankommen. 30000 in den befrei­ten Gebieten internierte Gefangene sind be­reits mit der Eisenbahn abtransportiert wor­den. Am 25. Januar haben ungefähr 300£)ffü ziere den Bahnhof St. Just mit der Bestim­mung Worms verlassen.

werden mürbe. Er hatte aber den Eindruck, daß Erchergrr sich von keinen anderen als sach­lichen Grünten in dieser Frage leiten liefe. Auf eine Frage Tr. Helfi'erichs erklärte der nächste Zeuge. H nter staats "ekre.är Müller: Ten Vorstoß Erzbergers im Jahre 1918 gegen die Regierung verstände er nicht, weil es tlym unerklärlich sei, wie ein Mitglied des Reichstags, wlckres erst den Gesetzentwurf für nicht annelMlar bezeichnet hatte, plötzlich die Regierung in der- sclben Sach: an greifen konnte. Er versmnd nicht, wie Erztergrr, der früfer die Industrie nicht be- ------------ ,______________ ,-llt lasten wellte, jetzt plötzlich mit alter Schärfe für

bafe die blutige Lat namchchch zewejen wäre, ecke Lecksturrg eintroL Welche Gtickte [6c dieses

Berlin, 27. Jan. (WB.) Um allen etwa bestehenden demonstrativen Absich­ten rechtzeitig entgegentmen $u können, sind um- fangroite Sichert ei smaßnahmen getroffen märten. Die Mitglitt»er des Reichs bi bim ttz boten Erz ber­get anläßlich des auf i'm t>er übten Attentats ihre Entrüstung über den Vorfall ausgedrückt.

Der englisck-e Geschä tsttöger Lord Kilmer- nocf und der italienische Geschäftsträger Gvu Aldrocandi di Marescottr eitnntiigten sich nach dem Befinden des vcrwmidetien ^eiclfs- frnanztnrnisters.

Prcssestimmen.

Berlin, 27. Jan. (Privattele^rramm.) Zum Revolverattentat aus Erzberger sagt dieGermania": Es sei kein Zu all .daß der feige Revolverheld sich mit dem Augenblick ein- stellte, in dem der fanatische Ansturm der poli­tischen Gegner Erzbergx-rs zu erlalymen begann. Durch die maßlose Ueberspannung des Bogens seitens der Gegner seien um so fester an die Seite Erzbergers gedrängt worden. Das sei nirgends brutlidy.T zum Aue druck gekommen, ols in der Sitzung des Zentrumsparteitages, wo sich auch nicht ein Mann sand, der sich mit den persönlichm Angris-en aus dem nationalistischen Lager habe identij gieren wollen.

In derDeutschen Allgemeinen Zeitung" wird von der Hetze, die seit Jahr und Tag von den Blättrm her Rechtsopposition gegen Erzberger getrieben tvicd, gesagt, sie sei mit den Mitteln der wüstesten Agitation geführt

seid, der in Staitz im Hause Freegrstrvße 48 bei seinen Eltern wohnt, festgestellt. Der Vater ist Dankbvamter.

M 1920 einWie^ ^ermastnei (Llxr- tet Wicinu m Uttunbeii }Jt

Osfenlegunzsfcist hen.

Berlin, 26. Jan. (WTB.) In einem Erlaß ter Reichsregierung an das deutsche Lol? heißt es: Die Reichsvegierung steht er- ichüttert und empört vor dieser verbrecherischen Ausschreitung des politischen Kampfes. Sie stellt

DieFriedenSpokilitderbaltischerrStaaten.

London, 26. Jan. (WB.) Die Konferenz der Bertteter der baltischen Staaten be­schloß, ihre Beziehungen im Einvernehmen mit der Entente zu regeln. Der Borfriedensver- trag zwischen Estland und den Bolschcwiki wird am Montag unterzeichnet.

Polnische Bubenstreiche.

Berlin, 27. Jan. In Thorn wurden die Standbilder Friedrichs des Großen und Wilhelm I., die auf dem südlichen Teile der Eisenbahn brücke aufgestellt sind, durch Gewehr­schüsse unkenntlich gemacht. Verschiedene Blätter berichten darüber unter der Ueberschrift: Polnische Bubenstreiche".

Hinrichtung der Zarenmörder.

A m st e r d a m, 27. Jan. (WTB.) Das in Chicago erscheinende BlattDer Kommunist bringt einen Bericht der MoskauerPrawda", daß die russischen Zarenmörder, im ganzen 14 Personen, wegen des Mordes an der Zarenfamilie und der Beraubung der Leichen, hingerichtet worden sind.

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Ausnahmen von

-rttalbehördrn und N Zu auung vg., Äbfatz 3 und von gsfnit können öic massen.

Ans Ocm Ueiche.

Tie Brotversorgullg.

Berlin, 26. Jan. (Wolff.) Wie zustSn- digerseits genreldet wird, wird die Ausmah- lungsauotefürBrvtgetrexde vom 1. Fe­bruar von 84 Prozent aus 90 Prozent herauf- gcfe&t (TV frü ere Ausmahlungsgurte betrug 86 Prozent) Gleichseitig ist, um bte Anl»estrung non Srotgetreibe zu eerfef em, eine große Dreschuktion in Angrift g.nommcn, für txe beinlifgmix- Kohlen zur Venüguug gcf'.e U sind. Die Kohlen sind beveick vax Kollar muh dar Aer-

Einschränkung -erLlstnbahwSüitrvcrkehrrvontzollanS nach and durch Deutsch and.

Bon zuständiger Stelle wird uns gefdxriebeit: Infolge ter ungüni.igcn Betrielslage am den deutschen Ei enbahnexr ist es nach den nr.itgehew den Einschränkungen des Personen- und Güter­verkehrs im Jnlande notweridig geworden, auch c>en Verkehr mit dem Ausland: einer Beschränk fung zu unterwerfen. Zuc Zeit ist Überwiegend vollend das Einio-lton für bie Gütercinftchr oun Ue'xriee nach Deutschland, Oeslerrxich, Tsck/echo- Slowakei, Polen und die Schwnz, zum Teil auch für die - skmrdinavischen Länder. Di die holläw- dilcheu Ciienbalmen für die Bewältigung dieses Verkehrs nicht genügend eigene Wagen hrben, sind n» nach und nach immer mehr dazu üjergrgang.it, für die Transporte nach und durch D.utschland die Beistellmxg leerer deutscher Wagen zu forxx-rn und die dort bcladmen eing^nojim deutschen! Wagen gerade im Verkehr durch Deutschland nach fremden Ländern zu verwenden. Tie teutschen Bahnen batten also für einen Brrkehr, ter zum Teil nicht für Deut'chland bestimmt war, ionderu sich nur durch Teut chland bewegte u. d zum Teil in Schieterwaren für Deutschland bestand, foivo'l in grossem Umfange die Wagen zu stellen als auch die Betries'sleistungen zu übernehmen. Die fcfycänfte Leistungsfähigkeit der beutfim Eien- bahnen und der Mangel an Wagen Itcfeen es da­her dringend gelten erscheinen, von bem Aus- lcmdsoerkehr zunächst den Verkehr aus Holland auf diejenigen Güter zu beschränken, die unbe­dingt im deutschen Interesse befördert nx-rteit müssen. Demgemäß ist seit dem 24. November 1919 bis auf weiteres die Beförderung von Gü­tern in Wagenladungen aus Holland nach und durch Deutschland gesperrt worden: ausgenom­men von der Sperre sind nur zvartoffeln an die Reichskartosstlstelle in Düsseldorf; nach ben dent ch- lwllänbischen Grenzü'ergängen: Frische Fi.chv, Fleuch, Fett, Fettstoffe, Milch, Margarine und f.i ches Gemüse nach teilt djen Statiomn. Die deutschen Grenzstationen übernehmen bis aus wer­teres aus .tzolland nur solche Wagenladungen, die unter ten vorbezeichneten Ausnahmen auice ü .tt oder von einer Ausnahme Bewilligung bcgXikt sind, die die L>andeisabteilung der Deutsch-n Ge­sandtschaft im Lxuxg im Benehmen mit dem bet tljt bestellten Seauftragten der Preußisckxm Staats- eisenbahnen qusgestellr hat. Bei der Ent.ckietdung über die Frage der Zulassung von Transporten wird bat berechtigten Jntrressten Beteiligter nach Möglichkeit Rechnung getragen wrrden. Ausschlag- geteni) muß ledoch bei der Notlage die Rück­sicht aus die WagengesieilungsverbLlini se und b.e Bctriebslage aus den deutschen Eisenbahnen und die Versorgung Deutschlands mit den lebenswichngsten Gütern stein. Es wird ni.ht bei tont, t, daß drch bie getroffenen Maßnahmen auch die Jntevcs en der an ter Durchfuhr von Gütern aus vollmiü durch Deutschland beteiligten Nachbar m b*r bc- ei tträchtigt wetten können. Jnsow.it lster lebens­wichtige Interessen vorlirgen, hat sich die Pvcu- ßischc Staatseifenbahnderwaltung bcttit erklärt, hier Transporte im Wege der Ausnahmebewil­ligung zuzulas.'en und die Betriebsleistung bei d.r Abfuhr zu übern dunen, wogegen die ho«'iowi­schen Ei.enbochnen sich bereit erklärt haben, in diesen Fällen zu der früher besteh-nden Hebung zurückzukehren, die ynn Versand erforderlichen Wa­gen selbst zu stellen.

Weiter wird daraus hm gewiesen, daß. für iw von Hebersee in deutschen Läsen, wte Bremen, Hamburg, Lübeck, Stettin, Danzig usw. ein tret- ferrden Güter für Deutschland, Tschechen. P- len usw. ein beschleunigter Mei erttanstort o ne In­anspruchnahme der Eilenbahn aut dem Wasster- roege möglich ist. Es liegt durchaus im Jn«resfe der Verkehrs treibenden, ihm ganzen Einfluß für eine solche Leitung der GüLreinsuhr ton lieber* fee nach deutschen Lasst ytiaxb zu machst

ohne dae sinnlofe und verantwortu-ngslose Hetze, die I Vorg.'hen Erzbergers Vorlagen, dafür habe er seit Monaten gegen den Reichsfinanzmrnister ge- keinen Anh'.lt. Er btttachte auch heute noch die i^ben wurde^ Sie hat die Loffnung, daß die! späteren D«.rwürf.- Erzbergers gegen die Rcgie- rung als unberechtigt.

Ministerialdirektor Neuhaus, seiner eit De­zernent im Landelsministexiuin, macht als Zeuge nähere Angaben über die verschiedenen Eingaben des Thyssen-Konzerns bctr. die Eigentums- Übertragung der französischen Briey-Grurn Er ermähnte u. a. die Eingabe vom 8. September 1915, die die Einverleibung die es Grubengebietes und die Auf eil irrig der iwrtigen Erzfelder an t«< deutschen Werke forderte. Durch die Einverleibung Belgiens und des besetzten französischen Gebietes müßte unsere Exportmöglichkeit gesteigert irer den. Die Eingabe stammte von der Gexverkschast Deutscher Kaiser, wo Erzbergec bereits Mitglied des Grubenvorstandes war, ein Jahr nach der Mameschlacht. Im vanr^lsmiarsterium bestanden Bedenken gegen die Hebertrngung an Thyssen. Es schwebte die Nutzbarmachung für die gesamte Jn- dusttie vor. Er selber habe nie mit Erzberger ver­handelt, aber in ständiger Fühlung mit dem Unter­staatssekretär Richter im Reich, amt des Innern gestanden. Er könne unter Eid bekräftigen, daß letz­terer zu i m ge omme.i sei < ie L änd? fern xgen u ,d geklagt lzabe, es fei geradezu unerhört wie Erzberger ihn für die Thyssenschen Privatwünsche bedränge. Besonlers un­behaglich sei ihm, daß Erzberger #iit dem Referen­ten Schönebeck prriönlich in so nahen Be­ziehungen steche. Er habe auch dem Bezirkspräsiden­ten im Briey-Gebiet, v. Gemmingen, mit­geteilt, daß Erzberger sich in ausfallend kenn- zeickjnender Weise für die Thyssmscheu Prioatinter- essen eiusetze. Er, der Zeuge Neuhaus, würde eine solche Betätigung eines Abgeordneten unter keinen Umständen für zulässig halten.

Im weiteren Verlaus der Verhandlungen er­klärte Erzberger, daß aus seine Veranlassung der T^yssimkonzern davon Abstand nähm, sich an den Lrauidationen der belgischen Gruben zu be­teiligen. Rcch sanwalt Alsberg stellt dem Gene­raldirektor Rabes gegenüber fest, daß in dem überreichten Material die obenerwähnte Eingabe vom 6. September 1915 fehlt. Rabes erklärt, man hätte es für überflüssig gehalten, alle Eingaben zu überreichen Ferner stellt Rechtsanwalt Als­berg fest, daß er durch die Einsicht in das Äan- delsvegister seftgestellt habe, daß bei der Anmel­dung der .Lstropa" her Vertrag besiegt wurde, in dem Erzberger als Beirat der Gesellschaft aus­drücklich bei gegeben wird. Erzberger erklärt, davon nicküs zu tviisen.

Im roeiieren Verlaufe der Verl-andlungen er­klärte der trübere Staatssekretär v. Stein, daß sich Erzberger erst entschieden gegen den Entwurf Hclsterickis bett, die Ausfuhrzölle ausgesprochen habe, dann aber 1918 einen ähnlichen Anttag .in- gelracht habe und der Regierung schnx-re Vorwürfe gemocht habe. Darauf baufttr/jte das G, richt einen Arzt mit der Unte suchung dos angeblich btr and- lungsunfähigen Thyssen. Nächste Sitzung DiexlS- tag.

nxmbungdgebieten. Ein Rdn^ Ansteigen der Axi- l.efmmg ist bereits zu verz<ichrmr. Eine Öerab- setzwxg der Brotration fintM nicht statt unb ist auch vorläufig nicht beabsichtigt.

Der deutsche Städtetag und das Eruährungüproblcm.

Berlin, 26. Januar. (WTB.) Der Deutsche Städtetag beruft rum 28.Ja­nuar eine Sitzung des Hauptausschusses ein, in der über das Ernährungsproblem be­raten werden soll.

Erhöhung der Güter' und Ptrsonentarife.

Berlin, 26. Jan. (WTB.) Die angelün» bigte beträchtliche Erhöhung der Güter- und Personentarife soll am 1. März in Kraft treten. Der Aufschlag auf die bis herigen Fahrpreise dürfte mehr als 50 Proz betragen.

Stresemann in Frankfurt.

Frankfurt a M., 26. Jan. (WTB.) Abg. S t r ? f e m a n n nahm in einer Versammlung der Deutschen Volkspartxi Stellung zu den Aui-füh- rungen des Rxichsministers Koch in Bremen und stellte fdlsende Forderungen für. den Fall des Eintrittes seiner Partei in die Rcgienma auf: Ent- polilrsierung des Beamtentums, CckZasfung einer Kammer der Arbeit uni) unbedingte 'lusschluß Erzbergers aus der Regierung Unser wirtsck>aft- lieber Organismus sei nicht u tTranf Wir hatten ausländische 9lufträge in Hülle und Fülle, aber es iet,(e uns an Kohle, an einem geiortrnden Ver­kehrswesen und einer zickbewufe e.i Rohstofsbeschaf- fang. Schließlich wurde eine Re olution angeiDtn- men, die sich scharf gegen die Ausliefermrg deutscher Reichsbürger an die Entente roeubet.

Ein Attentat ans Lrzberger.

Eine tiesbedauerliche, abscheuliche Tat, die auch diejenigen nicht entschuldigen körnten, die des jetzigen ^inanzministers Tätigkeit nicht für segensreich halten. Der Täter, em kaum der Schule entwachsener Mensch, bietet ein Beispiel für die Verwilderung unseres politischen Lebens, die wir in allen Volks­schichten beobachten können. Er ist offenbar noch stolz auf seine Tat und glaubt dem Laterlande damit einen Dienst erwiesen zu haben. In WirNichkeit hat er den politischen Gegnern Erzbergers nur einen schlimmen Streich gespielt. Die Wirkung des laufenden Prozesses, der dem Ansehen Erzbergers nicht ?um Ruhm gereicht, wie man heute schon fest- tellen darf, wird durch den Mordanschlag nur herabaemindert. Der glücklicherwetse nicht tödlich Verletzte wird von Teilnahme, ja sogar mit Sympathie, umgeben werden. Die Reichsregierung hat in diesem Sinne den Fall bereits öffentlich behandelt. Wenn sie ihn auch nicht an die Rockschöfee einer Partei hängen will, so erklärt sie doch,daß die Tat unmöglich gewesen wäre ohne die unverantwortliche He^e, die gegen Erzberger in letzter Zeit, besotwers während des Pro­zesses Erzberger-Helfferich, von gewisser Seite getrieben worden fei." »

Man muß jedoch, um gerecht zu fein, et­was hinzufügen Tie Tal wäre unmöglich ge­wesen, wenn nicht überhaupt in unserem poli­tischen Leben der Terror, die Gewaltmittel, sich breit gemacht hätten. Unb daran hat die radikale Linke durch ihre Erziehungsmethoden ein gut Teil Schuld. Die Achtung vor politi­scher Ueberzeugung ist cHertoege herabste- drückt worden. Hand in Hand damit hat eine Politik der Erpressung auch nicht mehr vor den Rechten der Persönlichkeit Halt gemacht. Die Fk.inte, der Revolver, das große Maul alles das sollte man nicht zu Waffen im Geisteskampf machen! Es ist bedauerlich, daß auch in gewissen Kreisen der äußersten Rech­ten die verwerfliche Methode des poli­tischen Streites Rachahmilug gefunden hat. Man kann nichts Besseres nriinfdyen, als daß die Regierung die schärfsten Mittel anwen­det, um Gewaltakten in der Politik mehr und mehr unmöglich zu mad>en. Das kann sie aber nicht allein, denn die Freiheit von Wort und Schrift muß hochgehalten wer­den, sondern alle Vernünftigen müssen ihr darin helfen, indem sie zurückkehren auf den Boden einer maßvollen politischen Tä­tigest, die einen festen Trennungsstrich zieht zwisck)en Hetzereien und sachlicher Kritik.

Berlin, 26. Jan. (WTB.) Ms Minister Trzberger heute nachmittag gcaen Vs3 Uhr das Äerichtsgebäude in Moabit verließ und seinen ^rastwag-.n besteigen wollte, feuerte ein jun­ger Mann zwei Revolverschüsse auf ibn a b. Der Minister wurde durch einen Schul­terschuß leicht verletzt. Die zweite Kugel, die ihn in der Bauchgegend traf, mailte an einem metallenen Gegenstand in der Tasche des Ministers ab. Der Täter wurde ver­haftet.

Berlin, 26. Jan. (Wolff.) Wie wir hören, hat die erste ärztliche Untersuchung Erzbergers ergeben, daß die Kugel, die den Arm durch- oohtte w e i ter in die Brust eingedrun- ergebvn mu& die Röntgen-Untersuchung

4 -y Berlin, 26. Jan. (WTB.) Nach einer Mit­teilung des den Reichssinanzminister behandelnden Arztes kamx an exne Entfernung der Ku- zurzeit nicht gedacht werden. Viel- mehr erheischt der Zustand des Patienten für die nächsten Tage btc größte Schonung.

Berlin, 26. Jan. (Wolfs > Zu dem Attentat am Erzberger erfahren wir nock>: Ter Mi­nister verließ tn Begleitung des Rechtsanwalts Tr. Friedländer das Krimxnalgericht in Moabit und begab sich mit diesem zu seinem Krast- waglm. Bevor Erzberger einstieg, unterhielt er sich nodj mit dem Rech:sanwall, als plötzlich ein junger, gut gt fl eibeter Mann an die beiden fcrantrat und einen Schuß ab feuerte. Fried­länder drehte sich um und sprang auf den Atten­täter zu. In demselben Augenblick feuerte dieser einen zwei en Schuß auf Erzberger ab. Erzberger fiel darauf, wie einige Zeugen gesellen haben, in seinen Kraftwagen hinein und der Chauffeur fahr davon. Ter 9tttentätrr wurde von Sicherhfas- beamten fest genommen und auf der Wache als der am 24. November 1899 zu Berlin geborene frühere Fälmrich und jc&i.'F Schüler Ollwxg v. Hirsch.

prozetz Lrzberger-Helfferich.

Berlin, 26. Jan. (Wolff.) Im Prozeß Err- berger-Helfferich wurde heute ter preußische Fincmzmirnster Südekurn als Zeuge darüber vernommen, weshalb ter Gesetzentwurf, ter Aus­fuhrzölle für die Industrie betraf und der seiner­zeit gemacht wurde, als Helsferich Staatssekre­tär des Innern mar, scheiterte. Sütekum erklärte dazu, es f.i damals bei ihm als Vertreter der sozial­demokratischen Fraktion sondiert worden, ob er ge­neigt fein würde, bei feiner Patter Ausfuhrzölle für Jndustrieattikel zu befürworten. Er habe die gefetzliche Einführung von Einfuhrzöllen -nicht für opportun gehalten, weil die Neutralen mit Repres­salien antworten würden, er wolle aber dafür cin- tv.cken, daß auf dem Verwal'.ungswege hole Abgaben eingeführt würden. Ter Vorsitzende erklärt, daß es ihn hauptsächlich interessiere, welche Stellung Erz­berger damals dazu eingenommen bäte. Es werde ihm vorgeworseu, daß er ten Resierungs- plan zu Fall gebracht frafc, während er spttcr, als er nicht mehr im Aufsichtsrat war, für Zölle ein- trat. Nach Sütekums Eindruck verschloß sich Erz­berger seinen Argumenten nicht, daß eine gesetzliche Rechnung mit Rücksicht auf die Neutralen abzaleh- nen sei, ater Maßnahmen auf dem Verwaltnngs- woge getroffen werten können. Er glaube sagen zu können, daß dieser Standpunkt von Ei­berger geteilt wurde. Auf die Frage tes Vorsitzen­den, ob er ten Eindruck hatte, daß Erzterger ein materielles Interesse an bie,"er Frage hatte und sich durch seine Stellung als Aufsichts- ratsmitglved in seiner Haltung bestimmen ließ, erklärt Süteckum, daß er diesen Eindruck keinen Augenblick hatte. Ter Zeuge bleibt dabei, daß die damaligen scharfen Angriffe Erzbergers mit seinem Ausichriden aus der Sdmrrinbuftrie in keiner Werse zufammenhängm tonnten. Erz­berger habe 1916 im wesentlichen bereits den­selben Starrdpuntt eingenommen wie später. Dem Zeugen Hnterstoatssekretär Müller, ter damals mit dem von Hckfferich bearbeiteten Ge'etzentwurf über die Abgabe von Ausfahrwarrn mit vett'chie- tenen Partt-iführern Füllung w nehmen hatte, erklärte Erzberger, daß der Geietzentwurf nicht ohne Debatte von allen Patteien angnrommen

e ^0. Jahrgang Dienstag, 27. Jannar 1920

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhefsen

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