Einzelbild herunterladen

Nr. 200

Der Siebener Mnjeiaer erscheint - lich, außer Sonn- und Friertags.

Ikjugserftft:

Ttencl ltd, ark 3.60 undMK.-.65Trügerl«hn, nicrif hahi lichMe.rk 10 80 undMk.l.OLTrLgerlohn; durch die Post viertel­jährlich Mark 12. ausschlietziichBe|lellqeÜ>. Fern sprech - Anschlüsse: fltrdieöchriftleilung 112, Verlag,Geschäftsstelle 51. Anschrift für Draqlnach- richten: Anzrigrr Bietzen.

postjche^oiU»: $rantfurt o. M. U68S

erster Blatt

170. Jahrgang

Donnerstag, 26. August 1920 Annahme von Injeigett für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Uv preis für l mm höhe für Anzeigen v. 34mm Breite örtlich 35 Pf., aur würt» 45 Pf.: für Reklame.

i- V Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz. Vorschrift 2UV Ausschlag. , ___ ffauptschriftleiter: Aug.

General-Anzeiger für Oberhessen WZZ

W ® 1 ' Anze.g-nteil: H. De»,

Vrvck nnb Verlag. vriihl'sche Univ.-8«ch- mhö Stet^mäcrei H. tange. SchriftleitANg, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchnlstratze 7. sämtlich in Gießen.

Die amerikanische Präsidenten­wahl.

Don Graf Johann fixinrid) Bernstorfs, Botschafter z. D.

In den Vereinigten Staaten von Amerika geht die Gntitriddung der Temokra.i- dahin, daß, die Wähler auf kurze Zeit einem Vtaunc fast un­beschränkte Rechte erteilen und ihn, je nachdem er ihr Vertrauen erworben oder verloren hat, wiederwählen oder durch tinen anderen Mann er­sehen. Dadurch entsteht gewissermaßen eine A u t o- kratie auf Kündigung, welckte die Vor züge der Monarchie mit benrn der Republik ver bindet. Ta dieses historisch ausavbildrte System nicht unserer Idee derformalen "Demokratie" entspricht, begegnet man in Deutschland oft der Auffassung, dan die Vereinigten Staaten keine wahre Demokratie seien, weil die Akacht des Prä­sidenten di-ej.nig des Kongresses weit übertrifft. Wir Curopirr sind in der Tradition aufgeivachsen, die ausschlrefckich in dem Parlamente die ftei- aewichltr verantwortlich? Vertretung fceS Volkes sieht. Jndsien läßt sich das politische Leben einer Nation nicht mit Schlagworten meistern. Tie Geschichte allein ist die Bildnerin der staat- licfcn Organismen. In den Vereinigten Staaten ist der Kongreß eben nicht dir einzige Volks­vertretung. Von vornherein hat das amerikanische Volk seine Souveränität mehreren voneinander unavhängigen Gewalten übertragen, und beute er­scheint der verantwortliche Präsident dem Volke als sein wahrer.Vertrete, und zwar so sehr^auf Kosten d.^s' Kongresses, daß, das Volk im fs-alle von Disic:enzen fast immer für seinen direkt Er­wählten, den Präsidenten, Partei ergrifft und auf den Kongreß einen entsprechenden Truck aus­übt.

Allerdings ist der amerikanische Präsident mehr der Aussührer des Bolkswillens als der Führer des Volkes. Gerade diese Tatsache wird bei uns nicht genügend gewürdigt, weil die Macht der öffentlichen Meinung, des eigentlichen Souveräns der Vereinigten Staaten, in Deutschland immer unterschätzt worden ist. Der Präsident muß stets, um den amerikanischen Ausdruck zu gebrauchen, sein Ohr am Boden haben", damit er in der Willensrichtung des Volkes führen kann. Wenn der Präsident, wie Wilson in Versailles, die Fühlung mit der öffentlichen Meinung ver­liert, ist seine Macht kwhin. Immerhin wird der Präsident im allgemeinen von dem Volke als dessen tzauptvertreter angesel)en, weil er weniger als die Senatoren und Mitglieder des Repräsen­tantenhauses abhängig ist von Kirchturmsinter­essen, dem Parteiklüngel, den man in Amerika die Parteimaschin- nennt, und von sonstiger un­gehöriger Beeinflussung. Tementsprechmd haben auch die Präsidentin dieses Jahrhunderts durch- iveg eine sozial fortschrittlichere und demokratischere Politik getrieben als der Kongreß.

Tie Parteimaschine hat naturgemäß starken Einfluß auf die Nominierung des Präsidentschasts- lanbibaten und versucht immer solche fixeren aui= zustellen, aus deren Gesügigkeit sie glaubt rechnen tu können. Ein besonders bekanntes Beispiel für das übliche Vorgehen der Maschine war im Jahre 1900 die Nominierung Roosevelts zum harmlosen Amte des Vizepräsidenten. Dadurch wollte die repu- flikanische Partei ihn kalt stellen: sie erzielte aber das entgegengesetzte Resultat, da Mc Kinley schon im Jahre 1901 ermordet und Roosevelt infolge­dessen doch Präsident wurde.

Bis zu der Wahl des Jahres 1916 spielte die auswärtige Politik bei dem Kampfe um die Prä­sidentschaft keine Rolle, da die Beziehern gen zu in Auslande'den Amerikanern fern und völlig gleich- gültig erschienen. Man interessierte sich nur für die Monroe-Doktrin und die panamerikanische Politik. Der Weltkrieg schuf in dieser Beziehung einen Wandel, der indessen vielleicht eine vorüber­gehende Erscheinung bleiben wird. Der Wahl­kampf vom Jahre 1916 wurde unter dem Zeichen der auswärtigen Politik ausgefochten und ge- wannen. Bei der vorhergehenden Wahl hatte Wil- son nur mit einer relativen Majorität den Sieg errungen, und zwar deswegen, weil Rootevelts Auftreten die republikanische Partei gcfprvngt bitte. Im Jahre 1916 gewann Wilson eine absolute Mehrheit, da er als Friedens Präsident galt.£>e feW us out of war" war das Feldgeschrei der Demokraten. Schon damals war ein republikani­scher Sieg höchstwahrscheinlich, weil die Teutschn tmb Iren aus Wilson wegen seiner Reden gegen die Bindestrich Amerikaner sehr sclflecht zu sprechen Waran. Diese Aussichten wurden aber dadurch zu- wchte gemacht, daß Roosevelt sich lebhaft an der Wahlkampagne beteiligte und mit jedem Tage wildere Kriegs reden hielt. Tie Friedensliebe des kleinen Mannes" entschied den damaligen Wahl- komps Es kam aber auch die politische Entwick- amg hinzu, welche nach und nach die alten histori- wn Parteien umformt. Bei der letzten Wahl Mte sich fcbr deutlich, daß man die Gegner Eveniogut mit den europäischen Namen Konser­vative und Liberale hätte benennen können. Tie ^mblikoner siegten in allen Staaten, in denen va» Großkapftal übermächtig ist, während die Malten namentlich die Arbeiter wegen des aauftunbigen Arbeitstages geschlossen für stimmten. Tas Großkapital setzte ab- speben von der Kriegspolitik seinen gan--en «llchluß deswegen für Hughes ein, weil es von ihm ^ven hohen Zolltarif erwartete, um nach dem «rtege den aus diesem erzielten Gewinn festzu­halten. Ueberhaupt sind die rabifafen Tendenzen Wchons in Wallstreet verhaßt.

Bei den öorbereiteröen Schritten für die tim» lvende Wahl wurden die Lehren aus der ver- Benen insofern beherzigt, als die demokratische ti ihren nationalen Parteitag nach San Fran-

B e r l i n, 25. Aug. Nach einer Meldung der Information" aus Neuyork ist das Frauenstimmrecht nun bestätigt wor­den. Dadurch erhöht sich die Unsicherheit über den Ausgang der Präsidentschastswahlen.

Kattowitz, 25. Aug. (Wolfs.) Auf der Eisenbahnstrecke Kattowitz Mys lo - w i tz kehrt allmählich die Ordnung r».eder. Die Bahnhöfe sind von französffchm Truppen besetzt. Tie Reisenden werden nach Waffen untersucht.

Eine deutsche Veschwerdenote über die Vorgänge in Oderschlesien.

Berlin, 25. Aug. (WTB.) Ter Vorsitzende her deutschen Friedensdelegation in Paris überreiche beute dem Präsidenten der Fri'- denstonferenz im Anschluß am die Note vom 21. 8. folgende weitere Note:

Tie Lage im ober schlesischen Abstim­mungsgebiet hat sich feit dem 21. August in bedrohlicher Weise verschlimmert. Von 17 Kreiten, die unter interalliierter Verwaltung stehen, sind 7, darunter der gesamte Jndustriebezirk, von bewaxf- ncten Aufrührern Heimgesuch worden, die an vielen Stellen die tatsächliche Gewalt au sich geriflaj

Auf dem Bahnhof Mystowiy sind Bckanntmachun- gen der Elsenbahndireltion Kattowitz, die von dem Ententevertteter bei der Eisenbahndirevion gegen gezeichnet sind, angeschagen, in beiten iede Einmlschlng Unbefugter in den Eißmbahnbetrieb Otter jeder Terror gegen Eifenbahnbedienstete ver­löten wird. Trotzdem grelle rote Plakate die Zivilisten zur Wafienabgabe bis Sonntag nach mittag 4 Uhr ausfordern, sieht mau noch überall Bewaffnete. Im Kreise G l e i wi tz ist zunehmend-es . Banden imwcsen festzustellen. Tie Stadt Rhbnik . wurde heute besetzt. Tie Ausschreitungen in den Landkreisen nehmen einen überaus großen Um­fang an.

Die Verhandlungen in Oberschlesien.

B e u t b e n, 25. 9Cug. (Wolff-) In der Kon- fetens des Streilausschusses und der Führer der politischen Parteien Oberschtffiens, woran unter anderem auch Kvrfvnty teilnahm, erklärte der Ober- kontrvlleur, Major Ortley, unter anderem:Die heftigen Anklagen der Teutschen gegen die Polen und der Polen gegen die Teutschen müssen ab- stoßend wirken, besonders wenn man weiß, daß jede Partei sich lediglich nach der einen Seite hin unterrichtet Dieses Verfahren, das heute in Ober­schlesien üblich ffti h« zur Verschärfung der geg­nerischen Gefühle ber beiden Nationalitäten beige­tragen. Es ist selbstverständlich eine verhälttns- rnäßig einfache Sache, Truppen auftzubieten und Leute zu entnraffnen, welche das Land ohne ehre Spur von Rocht terrorisieren. Es wäre auch nötig, an bitten Elementen ein Epempel zu statuieren, und sie für die Nich'achttmg von Befehben und Er­lässen der interalliierten Kvmmission zu bestrafen." Ortley wandte sich hieraus der Errichtung sogo- n-annter Bürg erwehren zu, 0« er wegen der finanziellen Belastung der Gemeinden ablehnte und ließ sich gegen das Treiben der Leute aus, die ohne Recht den Verkehr unterbinden, Haussuchun­gen vornehmen, stehlen und rauben. Hierauf gab Ortley fclgenbe Vorschläge bekannt, denen von den politischen Parteien zu gestimmt morden ift 1. Abschattung der SicherheüÄvchr und deren Er­satz durch eine A b st i m rn u n g s p o l i z e i. 2. Für die llebergangszeit wird eine §> i l s s pv l i z e i ge­bildet, die der Ortspolizei unterstellt wird. Tie Lilfswlizer wird aus Gememdemitteiln besoldet und erhält keine Feuerwaffen. Diese BiPmng ist sofort in die Wege zu leiten. 3. Abgabe der Waffen bis Dvnners.ag früh 9 Uhr. Wer bis dahin abtiefert, bleibt straffrei, gegen die übrigen wird auf Grund bet Bestimmungen vorgeMMgen.

haben. Durch die Unruhen ist in der Ko hlen- f ö rd eru n g, auf die Deutschland zur Erfüllung der in Spar übernommenen Verpflichtungen an erkamitermaßen angewiesen ist, eine bexnflulx Stockung eingetreten. Damit wächst die Gefah. des Still andes der Industrie und vermehrter Arbei.stisigkeit. Gewalttaten^gegen die deutsche Bevölkerung sind an ber Tagesordnung. Es wird gemeldet, baß sich alliierte Truppen mit den Insurgenten verbrüdert haben. Tie Sicherhei spotizei, die im Timstr der interalliierten Kornmiisiiou Blut und Leben gegen die besser be- roaffneten Aufrührer ein setzen mriß.e, wurde trotz ihrer Hilferufe stellenweise ohne Un.erstützung ge lassen. Tie interalliierte filvmmißion Ixirtc Lki liebe maljme der Verwaltung in Ober schief ien Ite kamttgegeben, daß sie alle Unruhestifter, wer sie and} ein mögen, rücksich slos und ohne Gnade verfolgen werde. Alle diejenigen, die den Frieden und die allgemeine Ordnung stören, revolutionäre Kom­plotte versuchen und offen ober hrimlid: zum Wieder >cmde gegen die Verwaltung aufhetzen, salbten aufs strengste bestraft toeriva. Ter Zu stand, in dem sich b-'ute bad Land be­endet, steht mit dieser Kundgebung rn WDenpruch. Er widerspricht aber auch dem Vertrage von Ver­sailles, nach desstn Bestimmungen die interalliiert.' fitzommission die Pflicht <-at, das Land zu sMtzen, die Ordnung aufteckst zu erhalten und die Bewoh­ner vor Schaden an Leben und Eigentum zu be» ivahren. Wiederholt hat die deutsche Regierung die Aufmerksamkeit der interalliierten Kommis­sion und der verbündeten Hauptmächte auf di.' Bewafsnung polnischer Vereine ge­leit Et. Sie i>at durch authentische Dokumente den Nachweis erbracht, daß von polnisclier Seite, offen» bar um die Abstimmung $u vereiteln, eine gewalt­same Erhebung vorbereitet wurde. Sie be­dauert, fest stellen zu müssen, daß ihre Warnungen unbeachtet blieben und baß dadurch die augenblicklichen Zustände ermöglicht wurden. Tie Erresimg der Bevölke­rung, die sich dem Terror einer beivaffneten Min­derheit preisgegeben sieht, wächst und Hann zu Folgen von unabsehbarer Tragweite führen. Die Möglichkeiten zur Einwirkung sind für die deutsche Regierung gering, da ihr der unmittelbare Ver­kehr mit dem Abstimmungsgebiet versagt ist. Von den ihr gebliebenen beschränkten Möglichtetten macht sie Gebrauch, um eindringlich zur Ruhe und zur Besonnenhtit zu mahnen. Ihre Malmungm werben aber auf *bie Tauer nur bann Erfolg ha­ben, wenn in der Bevölkerung das Vertrauen auf Recht und Gerechtigkeit wiederhergestellt wird. Da­zu ist erforderlich, daß die einhtimischen Insur­genten vollständig entwaffnet und die über die Grenze eingedrungenen Unrubeftiiter des Landes verwiesen werden, die Sicherheitspolizei wieder in ihre Rechte eingesetzt und die Verwaltung der insurgierten Kreise und Orte den gesetzgebenden Be­hörden zurückgegeben wird. Raschs Zngreiien ist nötig. Auch kommt es darauf an, daß die An­ordnungen der obersten Stelle von allen Or­ganen gewissenhaft befolgt werden. Wirksame Maß­nahmen gegen eine Wiederholung der sich jetzt abspielenden Ereignisse sind unerläßlich Die alliierten Mächte werden dem deut­schen Volke nicht zumuten wollen, schweigend m i t a n z u se h en, wie die Deutschen in Oberschlesien vergewal­tigt werden. Recht und Pflicht ber deutschen Regierung ist es, sich zum Sprecher des ver­letzten Volksempffndens zu machen und daraus zu bestehen, daß bas eng mit dem übrigen Reich verwachtene Land im Einklang mit den bestehen­den Verträgen behandelt und verwaltet wird.

zisko berief in Anerkennung ber Tatsache, daß der ganze Weiten geschlossen für Wilson gestimmt hatte. Währeird aber vor vier Jahren Wilson wegen seiner Fri-.-denspolltik im ganzen Lande und na­mentlich im Westen einen \elyc großen Anhang besaß, ist in dieser Bezrchnng ein starker Um­schwung eingetreten, in>eu die Kriegs- und Ver­sailler Politik des Präü»en:en völlig in Mif>- kre.nt geraten - ist. Jnfolgwes ca ge.ang es ten unLcaingten Anhängern Gilsons, auf dem dem.-- kratiscl-e.r Parteitage nickst, die Nominierung seines Schwiegersohnes Mac Adoo duHl»zu:rtz.n, bzi- sckjerzwei'-e alsKronprinz" bezeichsste^ ivucde. Aber- auch der langjährige Führer der demokratischen Partei, William Jennings Bttnm, sch.int fernen Cinsluß verloren zu Habnr, beim er kannte nicht üeil/inbem, daß nach vielen Abs.immungen sck^tetz- lick der Gouverneur Cox von Ohio als Kom- promißöandidat nominiert wurde, ovgl ich er a.s Gegner der Prähibilvan gilt unb deswegen Derrn Bryan nick>t genelrm ist, 6er bekanntlich der Laupt- anfülwer im Kampfe g gen den Stilb 1,ul war. Cox ist von Beruf 'Jaurnaiist und bisl-er tn ber allge­meinen Politik wenig hervorgetreten, erfreut sich aber in seinem Staate großer Beliebtbnt, ber er wohl in erster Linie seine Nominierung ver­dankt, da die demokratisch? Partei hofft, durch tyn den wichtigen Staat Ochio tzu geroinnen. Der Wahl­kampf 'dreht sich wieder um die auswärtige Po­litik, und im politisch-en Lebest der Verermgten Staaten ist die U^berrasck;ung eine der Neglln. Mit diesem Borbähalte kann man aber einen Steg der republlkanisckten sl^ltiei mit Sick»ei'heit Voraus­sagen, da die Amerikaner nach den Enttäusc'm: gen, die ihnen der Ktiieg gebracht hat, bar europäisä-en Politik gründlich müde sind. Sollte Cox tvvtzdem wider JSmwrten gewählt werden, so würde er als Kompromißkandidat vermutlich den Ver­sailler Frieden mit den republikanischen Vorbe­halten ratifizieren, denn er kann temesrälls ba» rauf rechnen, daß die demokratische Partei auch in beiden Däusern des Kongresses eine Mehrheit erringt.

Seit dem Jahre 1912 beruht die Hoffnung der Demokraten haupffächlich auf der Aussicht einer Spaltung der republikanischen Partei, da in dieser ein radikaler und sozialer Flügel vorhanden ist, aelcher die Konservative, von dem GooßVapital be­einflußte Politik der Partei mißbilligt. Auf dem diesiährigen republikanischen Parteilage kam es zniscken beiden Richtungen zu einem scharfen Kampfe, in dem weder ber radikale Gouverneur Johnson von California, noch einer der konser­vativen Kandidaten den Sieg erringen tonnten. Auch hier wurde sckstießlich ein Konrpromißkandidat nominiert in der Person des Senators Harbin g. Dieser stammt ebenso wie sein Gegner Cox aus Ohio und ist gleichfalls Journalist und bisher im politischen Leben wenig hervor getreten. Merdings gehörte er zu den Senatoren, die .Wilsons Ver­sailler Politik am schärfsten verurteilten.

Gouverneur Johnson, dec sich lebhafter Unter- stützung seitens des bekannten Zeitungsverlegers fixarft und seiner Organe erfreute, hat sich mit der Nominierung Hardings abgtfunden. Nicht so ber radikale Flügel der republikanischen Partei. Auf einem gesonderten Konvente in Chicago wurde der Versuch gemacht, eine neue Partei zu gründen und einen eigenen Kandidaten aufzustÄlen. Es hat indessen den Anschein, als würde diese Neubildung wenig Erfolg haben, da sich keine hervorragenden Politiker daran bettitigai, und da selbst eine Per­l'änlichteit wie Roosevelt an dem Versuche der Gründung einer neuen Partei scheiterte. Allerdings könnte, ebenso wie im Jahve 1912, der demokra­tische Kandidat mit einer relativen Majorität siegen, wenn die neue Partei den Republikanern genügend viele Stimmen entzieht. Dieser Fall dürfte aber kaum eintreten, unb Senator öarbing als der mutmaßliche nächste Präsibent anzusehen sein. Durch seine Wahl wird in den Vereinigten Staaten diejenige Richtung zum Siege gelangen, welche die alte Tradition ber Nichteinmischung in die europäische Politik und ber strengen Wah­nen g der Monroe-Doktrin wieder aufrichten will. Tiefe Politik dürfte dazu führen, daß der Krieg mit Deutschland durch Beschluß des Kongresses als beendigt erklärt und alles übrige Einzel­lerhandlungen mit uns bzw. der Entente über­lassen wird. Ich möckste aber annehmen, daß die bereinigten Staaten doch sclstießtich mit gewißen Einschränkungen und Vorbelralten in pinen ab yx verbesserten Völkerbund eintreten werden, weil die ameritonifdie oftentti? Meinung immer den Idealen des Völtorbundg.dan'ens Sympatine en:* gegengebracht hat, und weil ähnliche Ideen in das Wahlprogramm der republlkinischen Parte: aufgenommen worden sind.

Der Krieg im Gften.

Die Waffcnstillstandsvcrhandlungen.

Nach einer Meldung derChicago Tribüne" aus Warschau hat der polnische Minister für aus­wärtige Angelegeicheiten einen Funffpriich an die Sowjetregierung in Moskau gerichtet unb verlangt, daß die Waffenstillstandsverlxlndlungen von Minsk nach Warschau verlegt werden.

Eine neue Note der Sowjet-Regierung.

Kopenhagen, 25. Aug. (Wvlfft) Wie derBerlingste Tidende" aus Warschau trfe* graphiect wird, verlautet von tompetcnter Seite, daß die polnische Regierung geftem eine neue Notevon der Sowjetregierung erhalten habe, die von Tschiticherrn unterzeichnet ist. In dieser Note lehne die S>wjetregicrung jede Ver* antwottung dafür ab, daß zwisckfen Minsk und Warsckfau eine ungenügends dralstlo e Verbindung besteht, was ausschltebllch daran, 'zurückzuführen sei, daß die Funkstation in Warschau zu schivach sei. Im übrigen enthalte die Note keine pofitwen Mitteilungen.

Beschlüsse der Russen.

Moskau, 25. Aug. (Wolfs.) In der Mos­kau erGouvernementskonferentz mürbe, nach einem Bericht Bucharins über die inter­nationale Lage ber Republik unb die Aufgabe der russischen komm unistischen Partei im Zusammen­hang mit dem gegenwärtigen Augenblick, folgende Resolution gefaßt:Ist Anbetracht dessen, daß un­sere Westarmee, dank der verstärkten Unterstützung Polens durch die ffanzösische Regierung, ernste Mißerfolge erlitten hat, während die Front Wran- «ls ebenfalls von großer Bedeulnng wird und bas Kuban-Gebiet bedroht, hält die Parteikonferenz es für unbedingt notwendig, die Westfront mit allen Mitteln zu unter st ützen und gleichzeitig die Front Wrangels zu vernichten. Alle Parteiorganisationen werden aufgefordert, eine schnelle Mobilisierung der Partei durchzuführen und die Frage der Unterstützung der Wrangelftont zu erörtern."

Kamenew und Krassin.

London, 25. Aug. (Wolff.) Hovos. Ka­menew 'und Krassin haben ihre Pässe ver­langt und sollen die Absickst haben, London am kommenden Freitag wieder zu verlassen.

Der polnische Heeresbericht.

Kopenhagen, 25. Aug. (WTB.) Nach einem Telegramm aus Warschau meldet der pol­nische fi)eeresbericht: Aus der Nord- front versuchte der von allen Seiten umzingelte Feind nach Osten zu entweichen unb richtete äußerst heftige Angriffe gegen unsere Truppen südlich von Mlawa. Die Angriffe wurden abgeschl-rgen. Eines im lerer Regimenter erlitt dabei schwere Ver­luste. Es ist festgestellt worden, daß die feindliche Reiterei die gemach.e:t Gefangenen ermor­det. An anderen Abschnitten warfen bie bolsche­wistischen Truppen ihre Waffen von sich und flüch­teten panikartig gegen die deutsche Grenze, die sie massenweise überschreiten. In den letzten Sl ämjpfen wurden die 18. und 33. Sowfetdiviswn vollständig vernichtet, die 34. Division gefangen genommen. Unsere Kriegsbeudae ist enorm und besonders wertvoll das teckmische Matetial. An der Ostfront wurde die 11. Sowietdivision bet Kniadow südlich von Lomsha entfd-eitenb ge­schlagen. Unter der eroberten Beute befinden sich sieben Kamele. Nach hartnäckigen Kämpen nah­men wir Lomsha und machten bürt einige tausend Gefangene. Tie heldenmütige Bevölkerung wirkt mit unserem fixere in glänzender Weise zusammen. Bteolsdok wurde von der ersten polnischen Legionäv- divii'ion erobert. Einzelheiten fehlen noch. D« Bolschewiki versucksten ohne Erfolg Brest-Li- tvwsk mit Hilfe eines Panzerzuges anyigreifen. Die Gruppe Bllachvwicz machte zahtreiche Ge­fangene und eroberte eine reiche Beute nach einem kühnen Angriff in der Gegend von Piszeya. An derSüdfrontrnder Gegend von Dobr«vaa und Kanionka haben unsere Abteilungen den Bug er* rei<Ä und stören den Rückzug Budjannys. Auf der übrigen SiLfront zreht sich der Feind an­dauernd zurück.

Neber die Reichsgrenze übergetretene Rusicn.

Königsberg i. Dr., 25. Aug. ^WB) Wie irir hören, beträgt die Zahl der über die Reichs­grenze übergetretenen Russen letzt zwischen oU bis 60 000. Seit heute nachmittag 2 Uhr kommen weitere drei Tiviswnen herüber, so nach vorsichtiger Schätzung dre Zahl sich auf bis 80000 Mann erhöhen bunte.

Königsberg i. Pr., 25. Aug. lWolnJ Den xufammengerafften Resten ber 4 Armee, heran Nachhuten in der Nach' den Omulew überschritten hatten, ist nach hef- ngem Kamps gelungen, rn der.Rrch^ durchzubrechen. Ter heftige. Drberftand, ! Abteilungen bei Nys chpinetz ^lteteN'^nang 300 Poten zum Uebertntt über ibw bei FriedrichShof. Szemcm ist am 24. August vor»