die
das
(Nachdruck verboten.)
Fortsetzung
12.
„Damals und heut, das ist ein großer Unter
schied Das sind jegt schon bald zlvcmzig Jahr'", „Seid doch fern Dickkops! Bar Geld lacht,! I)t
der für
Bürgermeister Schröder: Ter Wbau Preise setzt den Abbau der Produktionskosten den Landwirt voraus.
Der Klostermüller.
Eine Erzählung von Karl Neurath.
Oberpostsekretär Kohlhase-Gießen hieß die Bauern Obellhefftns namens der Ortsgruppe der Teutschnativlurlen Partei in Gießen willtom men. Nur auf einen gesunden Bauernstand könne der Wiederaufbau des Vaterlandes erste'hen.
Sekretär Lenz fordert Beschaffung vonDvesch- kiohlen und künstlichen Düngern durch die Regierung, 12 preußische BiM-andelsverbünde hätten 110 3.30000 Mk. Gckwinu verteilt, diese Riesenverdienste 'hätten den Bauern, nicht aber den Häud- lern gehört. Ten Bauer habe man schlecht bezahlt
und Ihr sollt auf Heller und Pfennig kriegen, was der Wert ist."
„Ich pfeif auf Euer Geld! Wenn Euch der Fußweg nit langt, seht zu, wo Ihr einen anderen yerkrieZt!"
„Seid doch nit so ob' i .at! Ihr könnt doch den ganzen Kram nit mit ins Grab nehmen. Morgen oder heut schon könnt Ihr die Augen zu tun, na und dann? Tann steht die Mühle da ohne Euch. Na, und ob der Anton ober Euer Schwager ein paar Klafter mehr oder weniger kriegt, das kann Euch doch egal sein! Wißt Ihr denn, ob die nit am Tnoe gern etwas davor hergeben, oder vielleicht gar alles!"
Wehrum stutzte. — Da hatte ihn der Bürgermeister auf etwas aufmerksam gemacht, was ihm noch nicht in den Sinn gekommen war. Da mußte er einen Riegel vorschieben. Und er gab seinen Gedanken Klang und sagte:
„3d) dank Euch, Gottron, daß Ihr mich darauf aufmerksam gemacht habt. Jetzt werd ichs in mein Testament schreiben, daß mir nix von dem Besitz wegkommt!"
, Der Bürgermeister sah ihn verdutzt an und wiegte mißmutig den Kopf, indem er s-in Glas leerte.
rHeinhe s sischenBau e rnv er sa mmlung aus Alzey eingetroffenes Telegramm, lebhaften Beifall auslöste.
tebenrmittelteuerung.
Mainz, 25. Juli. Im Verlaufe tion Kundgebungen gegen die teuere Lebenshaltung wurden zahlreich? Kaufläden geplündert. Die Polizei mußte von der Waffe Gebrauch machen. Neun Polizisten und vier Demonstranten wurden verletzt. Etwa 30 Verhaftungen würben vorgenommen. Um die Rühe wieder 'herzustellen, mutzten die französischen Truppen ein greifen. Die Gemeindebehörden erlassen Bekanntmachungeir, wonach Ansammlungen unter Androhung strenger Bestrafung verboten sind. Man befürchtet weitere Unruhen.
gestorben ist. Bis Ihr Euch mit dem Kerl da oben eingelassen habt, der uns die Fabrik da vor die Nase gesetzt hat und End) all miteinander nach und nach um Freiheit und Eigentum bringt damit Ihr von feinen Gnaden leben müßt. Bis dahin Jatt ich mir auch immer gedacht, daß ich zum Andenken an meine Frau, an meine Ml Buben und auch an mich Euch den neuen Altar stiften wollt, den Ihr schon so lang gewünscht habt. Jetzt habt Ihr gesagt, Ihr toofit mich citri eignen. Einem alten Mann wollt Ihr sozusagen das Dock) überm Kopf wegnehmeii. Das ist schuf- tig; schuftiger noch, weil Ihr es wegen dem fremden Kerl tun wollt. Frül)er, wie ich dafür plädiert hab, daß die Kreisstraße an meiner MW vorbei geben sollt, da habt Ihr die Achseln gezuckt. — Was ich jetzt tu, was aus dem Mar wird, das könnt Ihr Euch denken und kömrt das den Gemeinderäten ausrichten. Wie Ihrs anstellen wollt, um die Enteignung durchzusetzen, daß weih ich itü, aber Ihr werdet ja schon ein Mittelchen finden. Für mich ist es genug, daß Ihrs wollt!"
„Aber lieber Wehrum!" suchte chn der Bürgermeister zu begüten, dem es einen Stich ins Herr gegeben hatte, daß der schon lang in Aussicht genommene neue Altar verlorengehen sollte und de: sich zugleich darüber freute, daß Wehrum mit dem Hinweis auf die Kreisstraße ihm einen Fingerzeig gegeben hatte, wie die Enteignung geling er könne. (Fortsetzung solar.'
und der Städter habe teuer bezahlen müssen. An der Truschlprämie 'frabe der Bauer kein Interesse.
In der Aussprache wurden 2 Entschließungen einstimmig angenommen:
1. Ent schließu ng: „7000 bis 8000 Bauern Oberhessens verlangen sofortige Auflösung der Bollskammer und die Vornahme Von Neuwahlen."
2. Entschließung: „Der ober hessische Bauer ist sich seiner widrigen Aufgabe der Volksernährung wohl bewußt, aber er fordert Beseitigung der Fesseln, die eine freie Entfaltung hindern. Wir fordern daher die iofortige Beseitigung der Zwangswirtschaft. Wir sind bereit, die Versorgung der Städte sicher zu stellen. Die Drusch- Prämie lehnen wir ab, fordern vielmehr eine gleichmäßige Bezahlung und Lieferung von Drusch- kohleen. Alles ist bar zu zahlen. Gegen das Landessteuergesetz erheben wir schärfsten Protest. Mio protestieren dagegen, daß der sogenannte Stteu- besitz den Bauern entzogen wird.
Sollte die fjtegierung auf unsere Forderungen nicht eingehen, so lehnen wir die Folgen ab."
Bürgermeister M ö r l e r - Ockstadt fordert, daß den Entschließungen noch zugefügt wexbe: „1. Falls die Regierung bis zu einem geiüifien Zeitpunkt Unsere Forderungen nicht erfüllt, stellen wir die Ablieferungen ein. 2. Alle Strafen, die die Bauern , in letzter Zeit durch die Zwangswirtschaft erhalten haben, sind sofort zu streichen."
Auf Anregung des Vorsitzenden werden diese
An» Stadt und Land.
Gießen, een 26. Juli. I
Veranstaltungen.
Montag, 26. Juli: Hotel Einhorn, 8% Uhr, Gastspiel Buchwald. — Lichtspielhaus „Die letzte ' Galavorstellung des Zirkus Wolfsohn". — Licht-1 spiele, Seltersweg, „Der Mord von Serajewo". — I
„Zwingen?" fuhr der Klostermüller auf. „Wer will mich zwingen?"
„Wir durch das Gesetz!"
„Das Gesetz? .Laßt Euch nit auslachen! Als ob mich lemand von meinem Eigentum herunter- jagen könnte !"
„Das nit! Aber das will ja auch fein Mensch! Wir wollen im Guten mit Euch verhandeln, aber Ihr wollt nit! Gut! Aber was wir für die Chaussee brauck-en, das kriegen wir doch. Jetzt werdet Ihr einfach enteignet!"
„Enteignet? Ihr, mich? Ihr den Wehrum? Ihr mir meines Vaters Boden nehmen? Das wollen wir feben!"
Der Klostermüller reckte sich hoch am Tisch und ließ die Hand schwer auf die Eichenplatte fallen. Seine Augen funkelten und sprühten Blitze; seine Lippen pretzten sick> krampfhaft aufeinander, seine Brust wölbte sich hoch auf unter hastigen Atemzügen. Er stand wie ans Eisen. All die Lässigkeit, die seit dem Kriege über ihm gelegen hatte, war mit einemmal verschwunden Alles an ihm war Wille und Krall. „Gottron!" sprach er fest und bart. „Meiner Lebtag hab ick) mich von der Gemeinde ftrngehalten: nxmim, das hab 'ch Euck vorhin gesagt: aber mir älteren hoben doch immer zu ammengestanden wie Nachbarn und Männer Was Ihr während des Krieges an mir getan habt mit Eurem Spott und Eurem Hohn, das habt Ihr wieder gut gemacht, als meine Frau
den technische Fragen erörtert. An das veuri che Volk wir) ein Aufruf gerichtet werden, an der Erfüllung der von Teutschland miterzeichneten Av- •floimnen tatkräftig mitzuwirken Oiach wefterenAiis- Rührungen von Direktor Bäsllein-Hamburg, Siemens-Berlin, Schriftleiter Franz Roel)r-Berlin- Schöneberg, Prvs. Tr. Herkncr-Berlin, Oberbürgermeister Witzlafs und Schnstlefter Bernhard touroe die Bildung einer Kvhlenkom- Mission un) einer Verfassung s tommvv sion dem Vorstand übertragen. Ter schriftliche Bericht des wirtschaftspolitischen und des sozialpolitischen Msschusses soll mit Rücksicht auf die Vertagung des Plenums beiden Ausschüßen zur weiteren Veranlassung vorgelegt wewen. Die Anberaumung der nMüen Sitzung, die voraussichtlich Ende Argust slattftnden wird, wird dem Präsidenten überlassen.
Ter NeichbwirtschaftSrat über die Wohnungsnot.
Berlin, 24. Juli. (WTB.) Vom Reichs- wirtschaftsrat wurde der nachstehende Antrag angenommen und dem gemeinsamen wirtschaftspolitischen unb sozialpolitischen Unteraus^ schuß überwiesen: Die Bautätigkeit steht überall trotz der außerordentlich großen Wohnungsnot unmittelbar vor dem Erliegen, weil die bereitgestellten Ueberteuerungszuschüsse in gar keinem Verhältnis mehr stehen zu den ungeheuer gestiegenen Unkosten. Damit wird und zwar in allernächster. Zeit, schwerste Arbeitslosigkeit auf einem sehr großen Wirtschaftsgebiet aus- brechen, auf dem sie durch richtige, rechtzeitige Maßregel bestimmt zu vermeiden war. Neben den in erster Linie erforderlichen Vorkehrungen zur Herabsetzung unberechtigt hoher Baustosfpreise müssen Mittel beschafft werden, um die Ueber- teuerung durch neue hohe Zuwendungen tragbar zu machen und dadurch die Miethöhe in den alten und neuen Häusern in die richtige Beziehung zu bringen. Die Reichsregierung wird daher aus das dringendste aufgefordert, damit das deutsche Wirtschaftsleben nicht unwiederbringlichen Schaden erleidet, die notwendigen gesetzgeberischen Schritte sofort zu tun, insbesondere auch durch die sofortige Einbringung unb stärkste Betreibung einer Vorlage über eine zweckentsprechende Wohnsteuer.
Die deutsche Note über den Grenzschutz.
Berlin, 24. Juli. (WTB.) Dem Präis- denten der Friedenskonferenz in Paris wurde unterm 21. Juli folgende Note überreicht:
Nach den Mitteilungen, welche die deutfche Regierung erhalten hat, sind die Truppen der Sowjetregierung nur noch wenige Tagemarlche von der ostpreußischen Grenze entrmit. Zur ^Währung der Neutralität, zur Sicherung der Grenzen und zur Beruhigung der Bevölkerung, die noch in Erinnerung an die früheren Russeneinfälle aufs äußerste erregt ist, ericheint es erforderlich, eine freiwillige Schutzwehrder Eingesessenen zu bilden, 'die im äußersten Notfall zur Unterstützung der Gvenzschutztruppen herangezogen werden kann. Die deutsche Regierung bittet die alliierten Regierungen, hierzu ihre Zustimmung zu erteilen und darin nicht einen Verstoß gegen die bei den Verhandlungen in Spaa getroffenen Abreden zu erblicken. Gleichzeitig bittet die deutsche Regierung, ihr *u gestatten, die zur Wahrung der Neutralität und für den Schutz der Grenzen erforderlicheii Truppen durch die Abstimmungsgebiete Al len stein und Marienwerder an die Grenze dieser Gebiete zu senden. Die deutsche Regierung geht davon aus, daß nach dem Friedens - vertrag bre Souveränität im Abstnnmungsgebiet bei ihr verblieben und sre daher völkerrechtlich verpflichtet ist, die geeigneten Vorkehrungen gegen etwaige Verletzungen der Neutralität und Der Reichsgrenzen zu treffen. Die Einzelheiten werden zweckmäßig mit dem interalliierten militärischen Ueberwachungsausschuß in Berlin zu vevein- baren sein.
Berlin, 24. Juli. (Wolff.) Von zuständiger Stelle wird mitgeteiü: Ter in Ostpreußen verhängte Ausnahmezu stand ist erforderlich zur Wa'hrung der deutschen Neutralftät imb zum Schutze unserer Grenzen. Da es sich hierbei in erster Linie um militärische Maßnahmen handelt, ist zum Jn'haber der vollziehenden Gewalt der kommandierende General des Wehrkreises I General v. Dassel ernannt worden. Ihm wirb es obliegen, jede Formation, die bewaffnet die deutsche Grenze überschreitet, zu entwaffnen und zu internieren. Auf der anderen Seite wird er jeoen Versuchs im Innern der Pnovinz eine bewaffnete Unterstützung c'-v'x der kriegführenden Parteien zu organisiere! etwa durch die Bildung weißgar- distischer ö-rmatrönen oder Roter Garden, rück- sichitslos im Keime zu ersticken. Tie Wahrung der Rechte der Zivilbevölkerung ist durch die Einsetzung des Oberpräsidenten für Ostpreußen Tr. Siehr als Regierungskommissar gesichert. Er wirkt beratend mit bei allen Anordnungen an die Bevölkerung Bei Verfügungen, durch welche die verfas- sungsmäßigen Rechte der Bevölkerung eingeschränkt wetten, wie z. B. (Eingriffen in die persönliche Freiheit des Einzelnen und in die Presse- und Versammlungsfreiheit, ist die Zustimmung des Regierungskommissars erforderlich. Es kann erwartet werden, daß nicht nur die Bevölkerung Ostpreußens, sondern aud> die gesamte öffentliche Meinung Teutschlands General v. Dassel in seiner schwerm
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proteftversammlung der oberhessischen Bauern.
Gießen, den 26. Juli.
Etwa 7—8 000 Bauern aus allen Zeiten der Provinz Oberhessen hatten sich Sestern am Textors Terrasse zu einer großen Kundgebung gegen Zwangswirtschaft, das neue Sanbeyfteuev- gesetz, Druschprämie, Kommunalverbcmd, -3W handelsverband, Reichsgetreidestelle, überhaupt gegen alle Kricgs^sellschasten, benamniett. Selbst die entlegendsten Telle der Provinz, der Kreise Lauterbach, das Schlitzerland, die Kreise Schotten und Büdingen waren vertreten. Da Saal und Terrasse, die Teilnehmer her wettern nickst, zu fassen vermochten, fand die Versamm- lung'im Freien statt, und viele hatten auf Dem Dach bes Malzraumes Platz genommen. Um ^Uyr eröffnete Lanotagsabgeordneter Fenche l -Ober- hör-gern die Versammlung. Der Besuch beweise, daß die ober hessischen Bauern hinter ihren Führern ftänben. In Starkenburg habe vorigen Lonntag eine gleiche Versammlung stattgefunden, als bereu Erfolg die Beseitigung der Wiegemeister zu buchen sei. Die rheinhessischen Bauern tagten heute gleichfalls in Alzey. Ihnen wurde ein Begrüßungstelegramm gesandt. Zweck ber Versammlung fei, Protest einzulegen gegen die Zwangsjacke, m der immer noch der Bauer stecke. Die Bäcker, Metzger und Fleischer hätten sich mit den Barnern solidarisch erklärt. Eine neue Gefahr drohe den Bauern durch bas neue 10 genannte Landes steuer gesetz, das ben Landwirten unerschwingliche Lasten aufzulegen drohe.
Als erster Redner ergriff Reichst«gsavg-mro- neter W. Dors ch das Wort. Er wandte sich besonders gegen die Beibehaltung der Kriegsgesellschaften. Mckhrheits'svtzialisten und U.S.P. seien gegen die Bauern ststs einig, sie wollten gegen sie eine Rote Armee aufstellen. Wenn die Bauern nicht einig seien, kämen sie unter die Räder. Ohvr / r<ten gesunden Bauernstand sei es' um die Zukunft des Vaterlandes .schlecht bestellt.
Jakobi-König stät ten übermittelte Grüße aus Starkenburg. Tie Bauern '(Hätten sich zu spät organisiert, deshalb habe man sie als Bürger zweiten Ranges behandelt. Er berichtet über Pnotestversammlung und Temonstrations'zug in Darmstadt. Die Sozialisten strebten nad)i Sozialisierung von Grund und Boden. Tie Folge würde »ein Gleichgültigkeit ber Bauern, geringe Produktion bei achtstündiger Arbeitszeit und das Verhungern des deutschen Volkes. Man wolle den Bauern neue «Steuerlasten aufhalsen, well der Boftew eine gute Rente abwerfe. Aber das sei nur ber Fall, weil bet Bauer so fleißig sei und von früh vis in die Nacht 'hinein arbeite. Ter Bauet arbeite nicht 8 Stunden, sondern bi*» zu 16, ja 18 Stunden. Bei Mainz sei ein sozialisierter Betrieb eingerichtet; irgendwo hätten die Kühe ihr Abend- futter erst am anderen Maorgen erhalten, weil gerade die acht Stunden 'herum waren . Nut Arbeit, Sparsamkeit und Genügsamkeit 'könne uns auswärts bringen.
Dt. Rosberg, Leiter bet freien Bauernschule, behandelt die Steuergesetzgebung zwiscknn Reich und Einzelstaat und sprach besonders über das neue Landessteuetgesetz, wonach Bauernland fünfmal so 'hoch besteuert 'werden solle, als Mietsgebäude und Garten land. Die Regierung plane einen Ausgleich, den Ue bet schuß bekämen wohl die Städte, die für alle möglichen Sachen Millionen 'hingeschleudert hätten und nun in furchtbaren Schulden steckten. Jetzt solle der Bauer für sie zählen. Mährend der Bauet arbeite, tobe, feiere und jubele der Städter; so fänden z. B. in Frankfurt all sonntäglich 70 und mehr Festlichkeiten, Tänze usw. statt. Nun rufe der Städter: Bauer hilf, du hast ja fleißig gearbeitet! Der Bauet aber solle «antworten: Hände weg von .meinem Ersparten!
Bürgermeister Diehl (Hochweisel) wandte sich entschieden gegen Zwangswirtschaft, gegen Kom- munalverbände, VicklHandelsvetb ände, Rrichs- getteidestelle. Unser Brotgetreide hätte zum mindesten in Hessen bleiben sollen, damit wir nicht das schlechte Brot essen müßten. Auch das Kreislebensmittelamt 'habe keinen Zweck, in Friedberg werden sechs oder sieben Beamte davon besoldet, ein frü'hevet Arbeiter habe allein 16 000 Mk. Gehalt. Alles das 'oerteuere nur die Nahrungsmittel. Die Volkskammer müsse aufgelöst und Neuwahlen zum Landtag vorgenommen werden.
Redakteur Schmähl (Friedberg) erllärt, daß der Bauer das Volk ernähre und dafür auch sein Recht verlange. Wenn ihn die Regierung nicht schützen walle, so werde er sich selber schützen.
Ter Vorsitzende Fenchel verlas ein von der
L.U. Von ber Landesuniversität. Margen, Dienstag abend 8 Uhr, findet in der Neuen Aula der Universität eine Feier zur Ehrung der Sieger in den akademischen Wettkämpfen des Sammersemesters mit folgendem Pvagramm statt: 1. Ansprache des Rektors; 2. Vortrag des Geh. Med. Rats Pros. Tr. Sommer: Zur Psychologie der Meisterschaftsleistungen; 3. Verkündigung der (Sieger und Pveisvertellung. Außer # den Angehörigen der Universität haben auch die Freunde der Turn- und Spartsache Zutritt. _
** Ausgiebige Regengüsse gingen am Samstag nieder, die besonders auch Gießen und ber nächsten Umgebung endlich durchveichenden Regen brachten. Hier und da wurde auch bei ben letzten Getv-tttern einiger Schaden an ben übervoll hängenden Apfelbäumen verursacht. Aber dies kommt bei dem großen Nutzen für die Wiesen, Kleeäcker, für Hackfrüchte und Kartoffeln nicht in Betracht. Dem Bauer, ber bisher schon seine Heu- tiorräte angreifen mußte, wird nach diesem Reg-n wohl roiri>er genügend Grünfutter zur Verfügung^ stehen.
** Die Ernte ist in vollem Gange. Korn und Gerste sind bereits geschnitten, ber Hafer und Weizen wird diese Woche wohl begonnen. Dir Winterfrucht liefert gifte Eillräge. Gerste und Hafrr sind sehr kurz geblieben, so daß dem Bauern das Futterstroh fehlen dürste.
** Die Männer- und Frauenvereinigung der Matthäus gemein de hiell am Donnerstag in ihrem Gemeindesaal eine Versammlung ab. Mitglieder und Freunde der Vereinigung straren zahlreich erschienen. Pfr. Mahr sprach über fircblidje? Gemcindeleben in Stadt und Land. In der Dorfgemeinde — so führte der Vortrageuoe ans — kennen sich die Gemeindeglieder, sind durch denselben Beruf in ihren Interessen verbunden, zumeist in derselben Schule unb Kirche groß geworden und verwachsen.^ Ganz anders sei es in ber Stadtgemeinde. Bedeutend größer an Seelen zahl wohnen ihre Glieder beieinander, ost in derselben Mietskaserne, ohne sich zu kennen und gegenseitig zu beachten. Berufe, wziale und gesellschastliche Stellung wiesen jedeuu Einzelnen besondere Wege. Daher kommt das Heer ber Alleinstehenden, Vereinsamten, Gefährtc- ten unb nicht zuletzt der Iugezogenen. In vielen fände sich noch religiöses Gefühl, oft eine Frömmigkeit, die in Augenblicken ber Not mit Gewalt aus ber Tiefe emporbreche. Sie alle zu sammeln sei bas Ziel ber Männer- und Frauen Vereinigung. Um diese Arbeit restlos lösen zu können, wählte man aus den Mitgliedern Männer und Frauen, die als Helfer die besondere Arbeit haben, in ihren Bezirken kirchliches Leben zu wecken uv- zu pflegen und den Verkehr innerhalb der Mitglieder aufrechtzuerhalten.
** Reichsnotopfer unb Landwirt« schäft. Tie Landwirtschaftskammer wird in nächster Zeit infolge ber großen Bedeutung, welche das Reichsnotopfer für die Landwirtschaft besitzt, Sprechstunden in den einzelnen Provinzen abhalten, unb gibt uns vorerst folgenbe Sprechtage bekannt. Bei ber Landwirtschaftskammer in Tarmstabt am Donnerstag ben 29. und Freitag den 30. Juli, bei dem Landwirtschaftskammer-
Äufgabe unterstützen unb alles unterlassen loirb, nms geeignet erscheint, die unbedingt notwendige Einheitsfront in ber Provinz zu gefährden.
Eine deutsche Klarstellung.
Berlin, 24. Juli. (Wolff.) Bon zu ständiger Seite wird nritgereilt: Deutichland lM seine Neutralität gegenüber Rußland unb Polen erllärt. Maßgebend für das Verhalten der deutschen Regierung werden nur die allgemeinen Grundsätze b«k Völkerrechts fern. ^(eu"^ land und Rußland dem Völkerbund nicht an gehören, kommt hinsickftlich der Durch- und Ausluhi" von Waffen unb Munition für derbe .Telle das £mger dlbllommen von 1907 in Betracht, bas diese zu Gunsten der beiden Delle geitnttet, aber es jedem Staate freistellt, die Transporte auch zu untersagen. Ter Friedensvertrag /ooti Versailles zwingt Teutschlcmb nicht zur Aufgabe der Neutralität. Zwar 'hebt er dm FriedenSvertvag ztmschen Rußland und Deutschland M stellt aber bat Kriegszustand dadurch nicht wieder her. Xxt Aushändigung der von Deutschland an Polen avzu- liefernben Waffen taut nickst verlangt 1 verben, da die Waffen nach, ausdrücklicher Besttmmung zerstört werden sollen. (Artikel 169.) Truppentrans^ Porte der Alliierten durch deutsches Gebiet Jtnb nur zur Durchführung bes Friri)ensverträges vorgesehen (Artikel 375), können also nicht »nr Unter- flütiung Polens im Kriege ge^en einen am Fnc- bensvertrag unbeteiligten Staat vorgenommen werden.
Hus dem besetzten Gebiet.
Das Schicksal der aus Mainz ausgewiesenen Lchrer.
Darmstadt, 23. Juli. (Wolff0 lieber ba§ Schicksal ber währenb des Dortenputsches aus Mainz ausgewiesenen .Lehrer erfahren nur von zustänbiger Seite solgenbes:
Den Bemühungen ber Behörden ist es bis heute noch nicht gelungen, die Rückkehr der Ausgewiesenen zu erwirken. Seit Monaten schwebt ein Verfahren mit bem Endzweck, bei ber interalliierten Kommission in Koblenz die. Rückkehr zu erwirken. Nunmehr hat die französische Mt- litärbehörbe in Mainz, ohne die Entscheibung abzuwarten, die Angelegenheit zu einem gewaltsamen Ende gebracht dadurch, daß sie unter Berufung auf ben Wohnungsmangel in Mainz sämtliche Wohnungen der ausgewiesenen Lehrer, in denen sich noch Famllien befanden, beschlagnahmte. Sie gab sogar zu verstehen, daß die Wohnungseinrichtungen beschlagnahmt werden sollten. Die Stadt Mainz hat dieses Recht ben Franzosen selbstverständlich bestritten. Aber die Betroffenen wollten es auf die Entscheidung nicht ankommen lassen und gaben ihre Wohnungeft auf, indem sie ihre Einrichtungen unter den schwierigsten Verhältnissen bei Nacht unb Nebel sortschafften. Da auch in Darmstadt immer nocb keine Wohnungen $u haben sind, blieb ihnen nichts übrig, als ihre Einrichtungen unterzustellen. Die Franzosen hoben also tatsächlich die Familien der Ausgewiesenen auf die Straße gesetzt. Zu ben Betroffenen gehört auch ber Lond- tagsabgeorbnete Reiber.
Angst vor der französischen „Gerechtigkeit".
Höchst a. M., 23. Juli. Als der Gastwirt und städtische Wiegemeister Schneider von der Verurtellung des sozialdemokratischen Redakteurs Kallenbach hörte, vergiftete er sich in ber darauffolgenden Nacht. Schneider hatte in einer ähnlichen Beleidigungsklage wie Kallenbach gegen ein französisches Kriegsgerichtsurtell Berufung eingelegt und fürchtete in ber Revisionsinstanz eine ähickiche Verschärfung des Urteils. Die Erregung über diesen Fall ist in Höchst außerordentlich groß.
Dr. Dorten entführt.
Mainz, 25. Juli. (Wolff.) Das „Echo du Rhin" bringt unter der Ueberschrift „Ein schwerwiegender Zwischenfall" die Meldung, daß Dr. Dorten gestern nachmittag vor seiner Wohnung in Wiesbaden von drei mit Revolvern bewaffneten Personen verhaftet, in ein bereitstehendes Auto geworfen und alsbald in das unbesetzteDeutschland verbracht worden ist. Die deutschen Behörden in Wiesbaden seien in Ungewißheit über die Verhaftung gehalten worden, die von Frankftirtec Polizeibeamten ausgeführt worden sei auf Befehl des Reichsgerichts in Leipzig wegen politischer Handlungen, die in die Waffenstillstandszeit zurückführten.
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Ltarl sd. Wei^ tungen mm ermordet' teentttaerer men als iä in Betracht, dem.heimrv Wohnung bc und eftchosse Brüder herbe, bruch schaffen, belior der Wo mifienmitglieii der,Mann M herrichtc in bei
Meint Ihr, mir gefällt ber Kram? Aber wenn sich jeder, dem das zuwider ist, hinter den Ofen setzen wollte, bann könnten wir was schönes erleben. Wenn wir die Hände in den Schoß legen, bann wird's bloß noch schlimmer. Ganz einsperren kann man die jungen Leute dock) auch nit. Meinem Vater selig feine Rede war immer: auch die Jugend muß ihren Willen haben!"
„Ja, weirns nur die Jm^enb wär, aber grab die alten Esel sind die schlimmsten! . . . Doch was gehts mid) an. Mein Geld kostets nit unb meine Kinder verdirbts ja nit!"
„Schab, daß Ihr nit im Gemrinderat seid. Vielleicht wär bann manches anders!
„Was kann man sagen! Aber gegen die Hän- delchen mit dem Baron hält ich mich ganz gehörig getvehrt!"
„Aber Wehrum, seid doch gescheit! Es ist doch für uns all miteinander von Vorteil. Unb norm Krieg seid Ihr doch selbst dafür gewesen, daß eine ordentliche Straße an Eurer Mühle vorbei gebaut würde."
-Ja," murmelte er bedächtig, „wenn Ihr par- nit gutwillig seid, bann müssen wir Euch zwingen! Es gibt mehr Ketten wie tolle
beiden Nachsätze der Regierung bei Ueberreichung der Entschlie^ingen mitgeteilt.
Nacy Schluß der Tagung bewegte sich ein riesiger Zug Bauern, vaterländische Lieder singend, von Der Hardt nach der Stadt, durch Neustadt und Bahnhofsttaße zum Bahnhof.


