Zweiter Blatt
Br. 226
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhessen)
hllhpHf;
hat t>nn beut i eben Volke oll
imb heilsam.
Treue, den
man pries die Tugend, die man
halten, aber
Grenzgebiete „befreien". Diese Erkenntnis ist herb.
lichkeiken der Hilfe sind gerin
gering. Was vermag ein die Macht unerbittlicher
besiegtes Volk gegen
nie ganz
des Be-
rustung darüber Ausdruck, bafc die Polen
Nachdruck verboten.)
Fortsetzung 33.
ichen Wasfergvaus.
ihm herüber in den
der deutschen Seele. In Hauptwerken stellt er die
Kant ist der S seinen drei krit
mit des
-n
Blinder Haft.
Roman von Alfred Sassen.
lesen von den furchtbaren Ereignissen, die sich sei: längerer Zeit in Oberschlesien abspielen, von Has; und Tücke, von Raub und Mord, kurz von jeb»
wisser. Niemals in der Geschichte ist es möglich gewesen, Deut'ch? unter einen Hut zu bringen.
Spät erst haben wir inu> die preußische Disziplin gescka f.n, als Kun pnoduk. auf bau* schein Boden ward sie lang am unter unserem Widerstreben aus das deutsche Volk ausgedehnt. Erziehung kämpfte gegen die Naturanlage Un- deutsch war Tiiziplin, aber un agbar notwendig
troffencn. Bei den Völkern ist ein bestimmtes Gegensatzpaar von Triebkräften vorhanden, nach Kant der Trieb, sich zu vergesellschaften und sich zu vereinzeln. Das Wesen des Menschen ist eine ungesellige Geselligkeit. Aufgabe der Menschengeschichte ist es, eine Gesellschaft zu bilden, in der die Einzelglieder möglichst unabhängig und doch zum Ganzen harmonisch zusammengeschlossen sind. Bei einem Volke mit individuellen Eigenarten ist es außerordentlich schwer, einen einheitlichen Staat und eine einheitliche Kultur- zu schassen. Daher leiten sich alle Krankheiten und Tragödien unseres Volkes her. Wir glaubten, die Deutschen seien das Volk der Disziplin. Auch das Ausland glaubte dies. Von Hause aus hat aber der Deutsche kerne Spur von Disziplin, er ift ein Querkopf und Besser-
aber nur Selbsterkenntnis kann uns retten.
In glänzend durchgeführtem Beispiel zeigte der Redner sodann die Parallele zwischen dem deutschen und dem individualistischen Griechen- ovlle und verfolgte die Ablösung der b iben Triebkräfte in der Geschichte, um sodann sortzusahren: Der Deutsche ist auf keine Formel zu bringen, er hat alle Möglichkeiten in sich und ist darum dem Ausländer unverständlich.
versuchen wollte, alles — — mit einem ^brung, so und kühn, wie er ihn in ferner ™agtnnrtigcn, kvaftpoche iden Jugend getan, über- Qltn®uete er sich den Geistern der Master!
- Mochten sie um feinet* und ihretwillen — s.'uen -Lohn und dessen Liebe barmherzig
Wolter Hüttich stand am Mer und starrte wie dn Irrer hinüber zu dem dunklen Etwas, das schon a der Mitte des Flusses, von der Hauptströmung efa&t, lautlos dahin trieb
Auch in dem Antlitz des Deutschamerikaners texr einen Augenblick Imrg ein Ausdruck ohne- «cheu. Die Todesfurcht gefcWt tiefe Ähriten toeüi —
ersucht die Reichsregiemng, sich für die freie und ungestörte Abstimmung, die der Friedensvertrag verbürgt, mit aller Entschiedenheit einzusetzen.
Unteren bedrängten Brüdern im Osten entbieten wir warme vaterländische Grüße.
An seinen Sohn dachte er, und daß er ihn Ichftcheckilich vaterlos machen würde, wenn er als 'Aßiger Schwimmer der Minden den Sprung ms •Bofier nschtot, um cn dem sxuchten Element mit ihr lü kämpfen, vielleicht txm ihrer VerzweifluugSkvast "n die Tiefe gezogen zu werden.
_ Und doch — und doch — mutzte er ihr matf r^gen, die Unglückliche zu retten, die — das fühlte gerade jetzt mit heilig brennender Gewalt m Nitor Brust — stets ein Deck seines Lebens ge- »rsen und geblieben war?!"
.Ja, wenn es nicht anders fein konnte, mutzte : kt ihr im Tod beweisen, wie unrecht sie getan, ** mit ihrem blinden Hatz zu verfolgen.
Und die Todesfurcht wich — sein Leben wrr nichts und das tieben der Minden, die er zu
Hüttich den Ast ergreifen — noch eine halbe Minute — und das Rettungswerk war gelungen.
Ter Deutschamerikaner fühlte Boden unter den Füßen. In plötzlich ausbrechenden Fieberschauern die Zähne zufttmmenbeißrnd, hob er mit einer letzten RstseTianstrengung den schwrnen, durchnäßten Frauen körper an seine Brust empor, fo datz der Knecht die Bewußtlose er greifen und ans Land ziehen Sonnte. Ter Retter kletterte muh, mühsam imb schwerfällig, auf einmal von all seiner stolzen Kraft verlassen.
Der Mn echt hatte schon vorher einige Düate gellend in die Nacht hinringerffiffen — das Zeichen mußte gehört worden sein. Aon der alten Burgauer Brücke her hörte man's jetzt heranhasten, mehrere Menschen zugleich Hamen durch die Wie,en angestürmt, imb brühen auf der Straße näherte sich in eiligem Rollen ein Wagen.
Es war ein Verdienst vom Lehver Remsdort, daß ein Wagen zur Stelle war. Nicht nur Daran hatte er gedacht, sondern auch den alten Arzt beä Städtchens für alle Fälle benachrichtigt. Ter alte Herr hatte sich mit Anna Reinsdorf un Wagen in der Nähe der Brücke postiert. Es schien, datz nicht Walter Hüttich allein von dem Qfebanten ergriffen worden war, die arme Blinde könne den Weg zu dem todbringenden Wasser gefunden haben . . .
Viele Hände griffen zu, um d« Bewußtlose hinüber in den Magen zu tragen. Ter Hehrer blieb bei dem jliühsam hinterher schreilenoen Freund. Er reckte seine mittelgroße, schmächtige Gestalt, um den Arm stützend um die Schulter des völlig stummen Teutsck,anierikaners legen zu können. Er hatte von dem .Knecht gehört, .Die das Rettungswerk vor sich gegangen war, und be-
seine Erfolg? gebracht und deulsckies Leben groß gemacht. Solange sie mächtig war, waren Ab- Iplitterungsverfuche undenkbar.
Man bat Sie Deut ch n auch für das Volk der Treue, den Ausfluß d.s Zuftrnrrnenhal.-ms, gc-
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Kundgebung für Oberschlesien.
Der einmütige Wckle, den deutschen Brüdern in Oberschleiien zu zeigen, daß auch am anderen Ende des Reiches alle Volksgenossen fest zu ihrer und der gemeinsamen Sache stehen, hatte gestern abend Männer und Frauen aller Stande und Parteien im Sladttheater zu ausdrucksvoller Kundgebung vereinigt.
Oberbürgermeister Keller
begrüßte im Namen des Ausschußes, der die Kuridgebung tiorbe rettet hat, die Versammelten und dankte ihnen dafür, daß sie mit ihrem Herzen dem Kampfe der Oberschlesier um ihr gutes Recht nahestehen. Er führte aus:
Unsere deutschen Volksgenossen in Ober-
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tönnni einem nmtn at-IRittag. ^bendtisch Jtn. ®o? faetbttj 'Wo. „Hereo1 '«e 5. IQSiJ Gewäsch! äfleln wird an« J- Lchr. Ünaei hn b. Sieh, gj
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den sollen, muß man in Selbsterkenntnis nach ihren Fehlern forschen. Das Geschick ist nie ganz unabhängig von dem inneren Wesen des Bc-
wedem Mittel, eine freie Volksabstimmung zu Hintertreiben und ein wirtschaftlich wertvolles bem- sches Gebiet gewaltsam vom deutschen Mutterlanbc loszureißen. Volk in Not! Welchen Deutschen drängt es da nicht, beizustehen und zu helfen, soviel in seinen Kräften liegt! Freilich, die Mög-
ixrzichtet, wenn es sich um Tod und Leben handelt. Wenn es sich um den Zeitpunkt der retelutuonären (Erhebung, wenn es sich um Krieg oder Frieden ynbelt, dann müssen die Massen sprechen und richt eine Heine Zahl von Führern bestimmen. Teshalb muß die Unabhängige Sozialdemokratische Bartet erhalten bleiben. Ihre historische Ausgabe ist es, auf der unerschütterlicken Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus den Kampf zur Er- ofcnrng der politischen Macht und für die Diktatur bei Pwle'arials durchzuführen. Ste muß kämpfen gegen den Sozial re svrrniSmus, gegen das Zusammengehen mit den bürgerlichen Parteien, gegen bet Politik der Arbeitsgemeinschaften und gegen die Verschleierung des Klassenkarmpses. Ader sie muß ad) die pseudoradiLcke PutschtaLrik her Kvmmu- cisten bekämpfen, die das Proletariat blutigen Niederlagen entgegen führen kann. Dazu muß sie sich icktzen können auf kampferprobte und kampfbereite Jiafim, die wissen, was sie wollen, die zu Opfern leart sind, die aber auch selbst befttntmen über ick Politik imb Tcckttk ihrer Partei."
Der „Vorwärts" meint dazu:
„Wir glauben nicht, datz dieser Aufruf auf tck Nterssen einen bcfanders starken Eindruck rna- chm totib, dazu ist sein Ton zu jammerseLy, trägt er zu sehr den Stempel der abfoluten Hilf* I »ft q Beit Taß die USP. nach dem Abfall ihres Intfcn Flügels versuchen wird, ein selbständiges Heben weiterzufühven, ist ja schon bekannt: dieser Ersuch wird aber bei den Massen der stärksten Skepsis begegnen, da s« zu begreifen beginnen, hob eS zwischen Sozraldem.ikratte imb Kvmmunis- ttus Dein Zwitter gebt lde mehr geben kann. Erispten ipielt auch noch auf den Trümmern feines Partet- jchiffs das alte Taschen,pielerspiel mit der „Dik- tatur des Proletariats" weiter, ohne bemerken u 'wollen, datz Diktatur und Selbstbestimmungs* echt der Massen einander ausschließende Gegaisätze ich. Wo das Selbstbestimmungsrecht der Massen xoftfrt, da ist eben nicht Diktatur, sondern D«.- nöf ratie. Crispiens Anklage gegen die NPD. ist wütende Selbstanklage. Denn alles, was die fimtmuniften der USP. antun, haben die Unab* Mngtgcii zuvor der Sozialdemakvatie angetan, und ck Lähmung des Proletariats, über die Crispiea eyt auf einmal heult, weil es ihm selber an Kn Kragen geht, ist ihre eigene Schuld."
Sieger? Eins aber können wir: fordern und immer wieder fordern, daß Recht Recht bleibe, sei es auch nur das Recht, das kümmerliche Recht, das dem deutschen Volke übrig geblieben ist nach dem Friedensdiktat von Versailles. Tas freie, völlig unbeeinflußte Abstimmunas- r e cf? t unserer deutschen Brüder von Oberschlesien, das ist es, was wir fordern, fordern nach dem Friedens vertrag, fordern von dem Gewissen der Welt.
Wir können noch ein weiteres. Wie wir alle mit wärmster Anteilnahme und innerer Bewegung die schweren Heimsuchungen unserer Volksgenossen in Oberschlesien begleiten, so wollen wir uns zusammentun ru einer Herz und Vertrauen stärken- den Kundgebung für Oberschlesien. Diese Kundgebung ist keine Parteikundgebung. Volk in Not, da schwinden alle Parieigegensätze, da steht die viel vermißte deutsche Einigkeit auf, da bekennt das ganze deuftche Volk den Willen, baß lebenswichtiges Land deutsch verbleibe und verlangt, daß alle diejenigen, die als Oberschlesier berufen find, bet der Abstimmung dieses Bekenntnis im Namen des deutschen Volkes abzulegen, dies m vollster Freiheit zu tun vermögen.
Prof. Dr. Horneffrr.
Hierauf ergriff Prof. Dr. Horneffer das Wort zu einer inhaltsvollen Aussprache, die etwa folgende Gedankengänge barlegte: Wenn unsere Feinde in unseren Grenzlanden Abstimmungen vornehmen lassen, so spekulieren sie darauf, daß viele Deutsche dort Heimat imb Vaterland preisgeben werden. Wie hätten sie sonst in Ost- unbi Westpreußen eine Abstimmung unternommen, wo 90 Prozent Deutsche saßen. Da die Deutschen dort nicht ins feindliche Lager übergingen, fürchteten! sie, daß dies auch in Oberschlesien der Fall sein möge und suchen nun die freie Volksabstimmung zu hintertreiben. Die Feinde haben sich ein geredet, daß jeder deutsche Volksstamm mit fliegenden Fahnen zu ihnen übergehen werde. Leider haben sie daS mit wenigen Ausnahmen an den Elsaß- Lothringern erlebt, und sanden Los!öfungsbestee- bamgat im Rhein!ande und in Bayern. Etwas derartiges kamt man von keinem Stamm irgendeines Volkes erwarten, es ist leider deutsch. Die echten Deutschen in Oberschlesien werden zweifellos jeden Verrat ablehwm und ein ehrliches Bekennttiis für Deutschland oblegen, aber von dem einzelnen Fall muß man den Blick auf den ganzen Charakter des Deutschen lenken. Da unter Volkstum und der gantze Staat neu ausgebont wer-
Äckdung der Franzosen unter Beugung Rechts die Abstimmung in Oberschlesien hintertreiben imb das deutsche Land auf gewaltsame Weise an sich zu reihen suchen. Sie
Der Swift unteren Unabhängigen.
Die Führer des linken Flügels der Unabhängigen, Däumig, Adolf Hoffmann, jotntn und Stöcker, hatten in der„Ro jen Fahne" einen „Aufruf der linken U.S.P." reröffentlicht, der sich vor allem gegen die Ver- !. Itgung des Parteitages der Unabhängigen auf ven 12. Oktober wandte, für den ursprünglich der 24. Oktober in Aussicht genommen war. Der Aufruf erhob gegen dieses Vorgehen der Mebrheit des Zentralkomitees Protest. Diese Tarnt oer Mehrheit des Zentralkomitees zeige । klar, daß die Rechte einen UeberrumpelungsL- - Parteitag wünsche, da sie die sachliche Aufttä- j inngsarbeit furchte.
Die Mehrheit bezeichnet diesen Aufruf, der ihr selbst nicht zugegangen war, als rin unerhörtes Verfahren, das offen aus dis Zerstörung der Partei hinarbeite. Der Vorsitzende der Unabhängigen Partei Deutschlands, C r i s p i e n, wendet sich in der „Frei- lftt" an die Mitglieder der Partei, um die Spaltungsversuche, Hie von dem linken Flügel Ker Partei betrieben würden, zu kennzeichnen.! .Leder revolutionäre Pvoleiarier muß sich gegen den Spalmngswahnftnn erheben, und das verderbliche Werk fanaftscher Sef tercr verhindern! | Das Ziel der Kommunisten ist aber unserer festen . Uebetieugimg nach aussichtslos. Es ist unmöglich, I bau bie entwickelte Arbe ttrschaft sich Bedingungen iiicrlcgen läht, die jebe Sdbstbeitimmung und I kelüstbetäligung ausschliehen, alles g isftge Leben I ertöten. T4e Wirkung der Äufnabmcbebingungen xr Kommunistischen Internationale ist imbeftreit* »r die Vernichtung der Unabhängigen . ZozialdemvkratischenPartei. Die Betz ürroorter dieser ©ebingungen versuchen diese Wir- | ffcifl abzufchwächen oder ganz in Abrede zu stellen, ® icnr bie Mitglieder unserer Partei mit verbundenen Ligen den Kommunisten in die Arme zu treiben. | ES kann feinem Zweifel unterliegen, daß biefe 1 Bestimmungen, bie den Ausschluß aller Partei- i' t^Mdelegierten imb aller Mitgliedschaften verlangen, die sich dem Diktat nicht unterwerfen, nur I auf die Spaltung bervchnet sind. Es ist unmöglich, s bah der Arbeiterklasse eine Politik von oben auf- | gedrängt ivirb in reDüIutiorviren Zeiten, wo die V Selbstbclatigmig und die Enlscheidmig bei den i Massen selbst liegen muß. Es ist unmöglich, daß ■ t4e beutfd e Arbeftt-rschaft auf "btt Selb skbestimmim g
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brei uralten Ideale bet 'Menschheit: das Wahre, das Gute, bas Schone der Gesetzlichkeit gleich, bie nicht wülkürlich von außen aufgebrungeit, sondern das innerste Wesen des Menschen selbst ist. So kommt er zu der geheimnisvollen Verbm- bung von Freiheit und Gesetz, freier Gesetzlichkeit und gesetzlicher Freiheit.
Nach Ansicht unserer Feinde war der deutsche Geist hochzuschätzen, der deutsche Staat aber ein verurteilenswertes Mittel zur Knechtschaft. Das ursprüngliche Preußen hatte mit dem letzten Preußen nichts mehr zu tun. Preußen konnte nur Opfer der Unterordnung fordern, wenn es Ausgleich schuf durch persönliche und religiöse Freiheit, wie es der Genius des preußischen Staates, Friedrich der Große tat. Bismarck hatdas Programm'dieses demokratischen Teutschlan) verwirklicht. In der jüngsten Epoche erst ist Disziplin imb Unterordnung verknöchert, obwohl Nietzsche ungehört für bas neue beutsche Reich bie neue individualistische Kultur forderte.
Tie Fehler müssen wir durchschauen, um zu lernen. Taß Grenzländer in Gefahr sind, ist auch unsere schwere Schuld. Deshalb müssen wir an Seele imb Geist arbeiten, um einen neuen Zusammenschluß zu suchen. Wir müssen wieber- erzeugen, was ber beutsche Geist in Kant und den Ttchterkonigen in Freiheit und Gesetz als Einheit verkündete. Wir müssen auf den Trümmern unseres Staates eine freiwillige Disziplin schaffen, die aus freiem Willen das Gesetz bejaht und verwirklicht. Wenn wir das tun, bann werden wir auch die große Treue lernen, daß alle Deutsche zu uns gehören, auch die Teutsch-Oesterreicher. Wenn wir uns täglich schicken, können wir den Reichtum unserer Vielheft mit Staat njtb Gesetz in Einklang bringen.
Dessen zum Zeichen wollen wir unseren Brüdem im Osten unsere Grüße senden. Im Altertum haben die Griechen nach dem Sturze ihre verdienstvollen Tyrannen sich verpflichtet gefühlt, aus freiwilliger Hingabe die Leistungen der vergangenen Epoche weft hinter sich $u lassen. Es muß auch m uns der Wille lebendig werden, es in allem besser zu machen, als es in der Vergangenheit war. Dann kann in der tiefsten Not unser Volk noch toicbergeboren werben.
Ans Vaterland, ans teuer, sthlckß dich an.
Nach dem starken Beifall, den der Redner erntete, verlas Oberbürgermeister Keller eine Entfchließung, die telegraphffch dem Reichskanzler sowie dem Boritcmd der Heimattreuen Verbände in Oberschlesien übermittelt werden scckl. Die Entschließung, die einstimmig angenommen wurde, hatte folgenden M>rtlaut:
Entschließung
Die zu einer Kundgebung tm Stadttheater zahlreich versammelte Einwohnerschaft aller Schichten der Stadt Gießen gibt ihrer Ent-
Der Knecht, der mit ihm gekommen war, hatte, da er nicht schwimmen konnte, aut ferne Art Anstalten zur Rettung getroffen — er hatte von einem Baum, der aus der Busckpvildnis em» ponagte, einen handfesten, writgreftenden Ast niedergerissen, den er nun, sich dicht am Userrand glatt aus "bet Boden legend, in die Flut hinübcrstrectte, dem kühnen Schwimmer entgegen.
Eine halbe Minute später schon kannte Walter
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X) an b. Gikl, k
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Er fühlte ein ganz eigenes Wüchsen der Kräfte in sich, — nicht ein alter Mann war er, der in einer furchtbaren Nachtstunde dem Tod ins Antlitz iah —: er meinte, solch ein unbeugsam starkes Wollen mb Können wie in diesen schickfalsschnx reT'. Minuten habe er nicht einmal aus der Mittagshöhe feines Lebens in sich gejpürt!
Mit ein Paar großen Stößen arbeitete er sich hin zu der Unseligen, bie von den sich bauschenden Kleidern noch über Wasser gehalten wurde. Ten weißen Kops freilich schien das feuchte Element schon als fiebere Beute seiner gierigen, leben- vaubenden Küsse zu betrachten — tiefer und tiefer zog eS ihn —
Dieses geliebte gefährdete Haupt vor allem, von beffei bleicher Stirn, von dessen bläulichen, leichtgekrümmten Lippen wohl schm das Bewußtsein gewichen war, legte er behutsam aus seine linke Schulter, bie er möglichst aus dem Wasser zu heben trachtete — dann griff er mit der Hand fest in die abtreibenben Kleiderfalten — und nun suchte er auch schon der reißenden Strömung ihre Geheimnisse abzugewinnen, um sich, halb von ihr getragen, zielbewußt dem Ufer zu nahem — —
„Herr — Herr," scholl da eine Stimme zu
nötig hatte. Mit unheimlichr qolge geht der Wetten' haben seit Wachen durch polnische Ucber.durch untere «eschich» Ai« bet StodM. griffe und Gewalt schwere Lewen zu erdulden. Stundung glaublen wir den Erbfluch artü^. Ur- Val I in Rat!. so schneidet es uns inS <ben. ¥l,t|d>? erhebt »trter ihr Saupt.
wenn wir mit Schmerz und Entrüstung hären und Ikekul^cn dw Ietnix und wollen die
Samstag, 25. September (920
Mock> e hvc Irene zum deuttchen Volk und Staat in reister Not ein denkwürdiges Wahrzeichen au i richten niemals wankender Volks- und Heimatlieb.', rin Beispiel für alle deutschen Stämme, die nur in fester imb unzerreißbarer Einigkeit unser Volk befieren Zeiten entgegen- führen formen. Glück auf zu einem großen FriedenSsieg!
Aus StaM und Land.
Gießen, den 25. Sept. 1920.
** Amtliche Personalnachrichten. Uebertaagen wurde am 21 September bem tidytec Jakob Friebr ich zu Pfunq'abi eine Lehver- ßelle an ber Volkssönile zu Reichel.:'heim L £)., Kreis Erbach, und bem Seiner August Rettig zu Reich», lshrim i. O. eine örffreriteile an ber Volksschule zu Pfung.'Lbl, Kreis Darmstcün. — In den RnhesLnd versetzt wurde am 20. Sep- lentber ber Lelwer an der VvlksfckHcke zu Lehn- h e i m im Kreise Alsfeld, auf jein Nachfiichen wegen g.fckstvüchter Gefunrh it unter Anerkennims seiner bem Staate geleisteten Dienste am 1. Oktober 1920 ab
** Be zahlt keine höheren Preise für Baumaterialien. Tie Tagcsteeise und Bezugsmöglichkeften von Baumaterial«m aller Art können jeberjeit bei ber Hess. Baustoffbeichaftungs- stelle, Sitz in Fvankfurt a. M., Obemminstr. 51, erfragt werden. Postkarte oder telcphcmisck^r Anruf (Hansa 7734, möglichst Tienstags und FreftogS vormittags) genügt
** Ter Hilfsbund der Elsaß-Lothringer im Reich (Ortsgruppe Gießen) verunstaltet einen Lieder- imb Bo Haden-Abend am Samstag, 2. Oktober, abendZ 8 Uhr im Hotel Einhorn zugunsten ber Hilfsvasse ber Ortsgruppe, unter Mitwirkung hiesiger Flüchtlinge, des Kon- ^rtsängers Ruez von Marburg (Tenor), des Pianisten Herz und der 12 und 13 Jahre alten Geschwister Herz (Flüchtlinge) aus Hadamar. Näheres im Anzeigenteil
** DerObst - undGartenbauverein macht noch einmal aufmerksam auf seine Ausstellung in der Turnhalle der Stadtknabenschule. Er hat sich die Mühe gemacht, für Freunde und Liebhaber guter Obstsorte" eine Auslese ber besten Ware zu bieten. Auch der Laie sollte sich bie Gelegenheit nicht entgehen lassen, seine pomologischen Kenntnisse zu bereichern. Wer hat nicht schon im Glauben, einen vorzüglichen Taselapfel gekauft zu haben, eine minbenoertige Frucht nach Hause gebracht. Hat noch keine Hausfrau ben großen Katzen- kopf für eine edle Eßbirne erstanden? Wissen wir doch alle, wie ärgerlich solche Mißgriffe bei den hohen Obstpreisen unserer Zeft sind. Die schöne» Auslagen von Gemüsen aller Art zeugen von Fleiß und Rührigkeit unserer Kleingartenbesitzer und von Sachkemttnis langjähriger Gartenfteunde. Der Besucher wird, besriebigt über den Eindruck und bereichert an Kenntnissen, die Ausstellung vev- lassen.
Kreis Wetzlar.
ra. Vetzberg, 24. Sept. Bereits vor einem halben Jahr sind hier die meisten HauSan- s ch l u s s e für bie elektrische Lichtversorgung fertig* gestellt worben, aber die Verhandlungen mit ber Gemeindevertrettmg Rvbheim wegen Anschluß an bie Starkstromleitung Wetzlar-Robheim stießen bisher auf nid# geahnten Widerstand.
Hessen-Nassau.
ra. Haiger, 24. Sept. Die Berwirklichm« des Bahnprojekts zwischen bem oberen Dilltal mit bem oberen Lahntal erscheint sehr erschwert wenn nicht völlig hinausgoschoben. An btefer Strecke sind neben Haiger besonders interessiert bas Au- bachtal, bie blühende Bveftscheider Tonindustrie und die Braun kohlengruben bei Gusternhain. Diese Verbindung des oberen Dill-i unb LabntaleS soll folgenden Weg nehmen: von Haiger durchs Au- bamtnl nach tiang-nuuibad), durch einen Dunnel nach Bveiffcheid, Gusternhain, Driedorf (Kreuzung nrit ber Strecke Herborn—Westerburg), Beckstein; von hier entweder durchs Ulmbachtal nach BiS- kirchen ober durch das Teil des Kahlenbachs nach Löhnberg. Der Bahnkörper bis Langenaubach ist so- weft fertiggeftellt, aber die Vorarbeiten für bat Tunnel wurden neuerdings wieder eingestellt.
Kassel, 24. Sept. Die 3 Zahresversamw- hmg der Gesellschaft zur Errichtung eines deutschen Erfinder-Instituts findet morgen frier in Kassel statt. Am 25. Sept, abends hält Geheimrat Sommer aus Gießen in der Stadthalle einen öffentlichen Vortrag über „Leonardo oa Vinci als Erfinder in Technik und Kunst". Die IahreSverfamnckunA, bei ber Gäste willkommen sind, beginnt am Sonntag, den 29. September vormittags im Landesmuseum. Es findet dabei eine ausführliche Behandlung der jetzigen Lage des Erfinderwesens in Deutschland statt.
griff nun, daß Walter Hüttich augenscheinlich vor Erschöpfung nicht sprechen tonnte und vielleicht dem Umfmlm nahe war.
Er hals dem Durchnäßten in den Wagen, in den die Blinde bereits gehoben wvrdcn wir. Man rier 'dem Kutscher ju, in größter Ecke rvrch bem „alten Schloß" zu fahren. Im Wagen, bä dem mangelhaften Laternenschein, tonnte ber Arzt natürlich ftftne eingreifenden WiederbelebungSoer- suche mit ber Bewußtlosen beginnen. Er wusch ihr nur die Stirn nut einer belebatoen Flüssigkeit, von ber er ihr auch etwas rinzuflößen suchte, unb reichte dann dem kühnen Retter ein Fläschchen mit altem Kognak, wonach dieser begierig griff.
Er tat einen liefen, tiefen Zug, aber er sprach auch jetzt noch nicht, sondern saß nur und starrte aus bie regungslose Frauengestalt ans dem Wagensitz ihm gegenüber.
Als das Gefährt vor dem „alten Schloß" hielt, erlebten die In soffen in dem Halbdunkel des Wagens ein erschütterndes Schauspiel.
Tie Blinde richtete sich plötzlich aus. Das Bewußtsein war ihr zurückgekehrt. Sie fuhr sich mit ben Händen über das nasse Haar, strich an den tropfenden Kleidern ntetcr, und ihr starker, straffer Geist hatte begriffen, daß ihr Todessprung in das Wasser mißlungen war. Als man ihr aus dem Wagen aus ben Boden geholfen batte, schien sie auch zugleich zu wissen, wo sie sich befand. S«c schauerte in sich hinein, dann tat sie mit Der Sicherheit einer Nachtwandlerin ein paar Schritte vorwärts, gerade aus das Hans zu.
(Foctfetzung plat.)


