Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. (99 Zweites Blatt
Mittwoch, 25. August (920
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Line „Akademie der Arbeit" in $ranlfurt.
Frankfurt a. M., 24. Aug. (WTB. Ein gemischter Ausschuß, üt dem txi5 Äeichrund das Preußische Staa:5miniücrium, die ftäbti schen Körp. rsckiaften, die Universitär, die Ortsver- Länre der Tcrussvereim (Gfcmrr surrten us'.v und .te bedeutend >en ^ca.itfur e Wvhlfahr s und B.l L ung £b r d an. f al ixmer. ort r le iv.r n. bat lorlxn tae Boruri-erteili abgefritboif n bt. fein' Gründung einer Akademie der Arbeit in Anleh- nung an die Universität Frankfurt führen sollen. Tie Beratungen cri'.Tctflcrt sich hniptsäch.ich aus die Frage bcr Ztvcckdejsinimung der neuen An ü alt, die Züle und ,9JZeJiatxm des lltrtemd;<§, die Vcrivalttmgsführuug und br Tel- Fiaig der voraus sicht lichen M’oiten. 'JIH IrilneOmcr sine 3<tr 100 soll vorerst nicht üdrrschritt'm ro:r- den, |hto Arbeiter und nicht akad-mi.ch gcbilixie Angestellte und Beamte in AuSsich: geommmm. Männer und Frauen Kwsichm 2i und 40 3 ab en, deren Lernsreudgstit, DerusS-nfährunA und »Eda rerfterreife auch von der Leite /er S)örcr aus eine ftxrrle Belebung des Unterrichts versprickst. Um den üebrfcäfien die Möglia.ei- zu geben, !i? Ersahrmtgs- und Bocstellung^wrsit der Lern nleii zur (ikmnbtogc des Ibrterridxd zu mache.!. soll zwis:hen Lehrern und Hörern sonne unter den Hörern selbst eine enge Arbcits- g e m e i n s ch a s r angvürebt werten. Ten Arbeitsstoff bildet in erster Linie die Eckemttiis der '> sammenhänge dos Wirtschofts- und Gesell scha s't sieben s sonne die Haupsi'ra e der Rechte und Staatslehre. Daneben ist eine Einführung -.n die naturUTisftuschasilickxm B t a tungßipc.ic.i imb eine PH:loföplsi'ch-pädtzgvg; e Grundlegung vore.e seien. Der. roll ständige Lehrgang soll vier Semester tauent. Jrgenb- welck« Facknusbildung ist nirbt lxaabsicknigt. Auch sollen parteipolitische Bestrebungen zeder Art ausgeschlossen teerte.i. Ter Ausschuß hat das Ergebnis der Beratungen in einem kurzen Bericht ^usamme.igeftßt, her gegenwärtig an alle inler< ssierten öffentlichen .st'örr erschuften und O/estlMlverbände der gs'vße i Be'usk- uird Bildm' gsvrgniisatiionLn im Reich' versandt wird, um deren St.liuugnachme -u erfahren. Nach Eingang der Anffiwrten will der AuSsckTuß ‘bi1* Inte,essi'ten zu n e. gemeinsamen Tagung zu- sam men führen, aus der die Gründung endgültig vollKvgen werden soll.
l(irct?c und Schule.
O Tarmstadt, 24. Aug. Ter Hessische Hauptvcrein der Gustav-Adolf-Stif tung wird seine 7 6. Jahresversammlung am 8. September m Friedberg halten. Nachmittags um 3 Uhr findet, die Sitzung deS Verwaltimgsrates in der Burgkirche statt. Um 51/» Uhr ist Festgottesdienst in der Stadtkirche, in welchem Pfarrer K n a b - Gustavs Karg predigen wird. Abends um 8*/< Uhr findet in der Burg- kirche eine öffentliche Festversammllmg statt, bei welcher reden werden Pfarrer Heine, früher in Posen, über „Deutsche Ostmark-nnot und unsere £)ilfe", Pfarrer Dedekind- Elberfeld über „Auswandereruot und die deutschen Kolonien in Süd-Amerika. Selbsterlebtes imd Selbstgeschautes"
O Gedern, 24. Aug. Am Sonntag wurde hier ein Fest der Inneren Mission gefeiert. Vereinsgeistlicher Pfarrer Schaefer aus Darmstadt predigte im Festyottesdicnst. In Christenlehre und Kindergvttesdrenst erzählte er gnteressantes von seiner früheren Tätigkeit in beräaypten und in der Türkei. Abends fand eine Elternversammlung statt, in welcher er das Thema behandelte: „Unsere Verantwortung für iunsere Kindes'. Tie Kollekte für die Innere Mission ergab 204.15 Mk. — Di« hiesige weithin bekannte Wollspinnerei von Karl Hoffmann beginn dieser Tage das 50jährige Jubiläum ihres Bestehens.
O Bad-Salz hausen, 24. Aug. Vom 12. bis 14. September wird hier im Hause Stillfried eine Frei zeit f ü r Pfarrfrauen und Pfarrbräute stattfinden, als deren Leiterin die bekannte Schriftst^lerin Frau Ufer- Held gewonnen wurde. Folgende Themen werden behandelt: Blicke in Jesu Gebetsleben, Paurinische Ziele nach Römer 8, 1, Korinther 15, Philipper 3; die Jugend und ihr Kampf, das Glück in der Ehe, unsere Kinder — iunsere Zukunft; die Psarrfrau in Haus und Gemeinde, in Frauen- und Jungfrauenvereinen, als Trägerin des Missionsgedankens. Wie verlautet, sind schon zahlreiche Meldungen emgelcmsen, ein Beweis für das dringende Bedürfnis einer solchen Veranstaltung.
D. Vurkbards, 25. Aug Nach mehrjähriger Unlerbrechung feiert der Hweiavcreiu Schotten der Gustav-Adolf-Stiftung icin HahreSrsl hier am 29. August. Von auswärtigen Rednern sind gewonnen Pfarrer F r i t s ch - Ltuppert^-burg und Michel- Wenings (früher in Auürasicn) Ferner wirken mit ier Ruppwisburger Posaunenchor und der.Eschenröder Kirck)encl)or, leijterer unter Leitung von Ptarrer Stumpf, der auch den Orgelteil übernommen hat.
+ Gedern, 23. August. Währeno des Krieges mußte unsere Gjenieinöc von den drei vorhandenen Glocken zwei abliefern. Nachdem man die erforderlichen Mittel durch eine in der Gemeinde veranstaltete Sammlung unc durch einen erheblichen Zuschuß der politischen Gemeinde sichc.geslclll harte, bestellte die bamii beauftragte Kommission zwei neue Bronze gfocfen bei der bekannten Firma Schilling in Apolda (Thüringen). Wie wir Oören, sind die Glocken nunmehr gegossen. T e Ueberiühn. g| nack) hier dürfte demnächst erfolgen. Der Preis dec Glocken roiro zwischen 40 000 und 50000 Mark betragen.
K. Ruppertsburg, 22. Aug. Deute wurden in unserer Kirche die neuen Glocken, dir am Frei vag im Turm ausgehängt wurden, feierlich eingete.ibt. Die Kirche war dicht gefüllt, auch b;c P-atroi o -berrsck-aft von Lauback, mir eifrigeren. Ter Gottesdienst ivurbc verschönt burrf) Lic- dettwitträge ter Schüler, des Gesangvetems und i l es Posaunenchws. Tie Glocken sind aus Sterlsi ton den Finnen DuderuS, Wetzlar, Rinker, Sinn, cegossen. Bon ben drei alten Bcou. «stocken, b.e 1 erst vor 28 Jahren v-m der Gemeinde .angeschafft 1 wurden, mußten zw-si der Kriegsüot geoffett tret* !<-i inrb nur die kleinste wurde der Gemeinde als Notbehelf belassen. Sie wird trmt auch gegen die iicui.ni Glocken umgetausckst. Die Gemeuts-, die ftlmsückstig am das neue Geläute nurtete. ist von dem fefxmen Kftang voll und ganz brfricMgt Eine Marine irr abends im Gemebidesaal ßxvul;te noch Lickttb.lter, Teklamstiialonen ter Sckftiler und Erklärungen durch Lehrer Tebus von Schillers Glockenlied. Auch der Poscumeuchor und Gesangverein gaben hier wieder ihr Möglichstes.
me. Bingen (Rhein), 23. Aug. Die geilnge Jubiläumswallsalwt zum hl. Rochus ivieZ einen mächtigen Besuch auf. Mindestens 25—30000 Personen waren anwesend. DaS Ende der Paozession war noch unten in Dingen, als die Spitze die. .Kapelle schon erreicht hatte. DaS feier liefe Hochamt litt allerdings unter dem strömenden Regen, der herniederging, durch den es auch sehr schwer wurde, den Worten des Bischofs v. Limburg, Dr. AugustinuS Kilian, zu folgen, der über die Wirksamkeit deS hl. Rochus spoacl) und btc Frage erläuterte, warum gerade in diesem Jastre die Jubiläumswallfahrt ge.'alten werde. Die Verpflegung und der Abtransport der vielen Tausenden machte wohl einige Schwierigkeiten, doch wickelte sich alles in Ruhe und ohne Unfall ab.
dterid)isfaaL
Die Verhandlung seyen den Fürsten Golitzine.
fd. Frankfurt«. M., 24. Ang. Wie zu erwarten war, hat sich ein großer Test der Zeugen, namentlich derjenigen russischer Rationalität, nicht eingefunden. Fürst Golitzine, der im Gehrock mit Samtkragen unb gestreifter Hose erscheint, macht einen ziemlich ramponierten Eindruck. Er spricht in gebrochenem, aber gut verständlichen Deutsch, oft sehr lebhaft und mit großen Gesten. Er sei bei Ausbruch des Krieges Offizier im russischen Generalstabe in Paris gewesen und habe den Krieg in Frankreich bis 1917 mttgemacht, sei aber dann nach Rußland zurückgeschickt worden. Er schildert die Umwälzungen in Rußland und die Leiden, die lesonders die Intelligenz imb die vermögenden Kreise zu erdulden hatten. Während er im fängniS saß, denn die Bolschewisten hatten tljn verhaftet, ist seine Mutter unb ein Bruder erschossen worden. Seine Mutter, eine geborene Mallakofs. habe den Fürsten Golitzin geheiratet. Er fei ein Kind aus dieser Ehe. In Rußland wurde jedoch die Scheidung ferner Mutter nicht anerkannt,- er leitet aber au5 der zivilrechtlich abgeschlossenen Ehe für sich das Recht her, sich so zu nennen. Er kam bann in die Ukraine, wo er wiederum bei der Umtoalzung verhaftet wurde, wie er sagt, zu feinem Glück, benn er gehörte zur Umgebung deS Hctmannes, dessen Offiziere sämtlich erschossen worden seien. Mit den deutschen Truppen kam er bann in§ Gefangenenlager in Salz wedel. Er habe vollkommen mitteKos ba gestanden, da sein Majorat bei Nowgorod unb feine Rente von 80 000 Mark jährlich von den Bolst^wisten beschlagnahmt worden sei. WaS hätte er machen sollen? Er wandte sich an die reichen Russen und ging sie um Geld an, das er jedoch
mit einem Kandwaden teilte. Damit will er die 2In!iage wegen Unter ch auung t<i russischen Hit s gelber cntEräitcn. Er macht bann längere politiidv AuSiührun.ien, wobei er zu dem Schlüsse kommt, daß Teut ch.and unb Rußland auic.nanbcr angc- wiesen seien. So oft er Deutch.and erwähnt, macht er eine tiefe Verbeugung vor den Richtern Ter Vorsitzende halt ihm vor, warum er sich nicht an seinen Bruder, den Kardinal in Rom, um Unterstützung gewandt hätte; er sagt, lieber wolle er im Ifstfangnis Hungers sterben, als seinen Bruder durch Bettelbriefe blamieren. Er sei jetzt inülftändig mittdfcd. Es begrwit nun di. Bc- sprcchimg der ihm zur Last gelegten einzelnen Betrugsfälle, die Stunden in Anspnich nehmen wird. Tie Anllage vertritt Staat-xinnxiit Rudolf, die Verteidigmig hat Tr. Stulz übernommen.
In Rußland wird seit Jahren ein Hochstapler Maklalosf gesucht, der mit dem Ange E.ngten identisch fein soil. Golitzin bestreitet das ieboch entsri)isi)en; er könne hochmtercs ante Mit le düngen üb:r Hochstapler machen. Als bei der Erklärung der venvick.siten Ofeschäite, die der Angeklagte gemach: haben soll, sein Deutsch nicht mehr ausreicht, sängt er an, französisch zu sprech.m und lehnt die ruffiid?? Sprache ab. Die angeblich von ihm geschädigten ßcute sind mit ihren Aussagen sehr zurüÄ-altcnd, soweit sie überhaupt vor Gericht erschienen sind.
rm. Darmstadt, 22. Aug Ter T«bstahl im Benshsirner Gymnasium durch frsihere Schüler und Studenten, meist Söljne achtbarer Eltern, um die Osterzeit d Js, der in weiten Kreisen großes Aufsel-en erregte, stand heute v.w der Darm • ftäbier Strafkammer zur Aburteilung. Drei der durch Hang zu flottem Leben leichtfertig gewordenen Bu schen drangen wi-d rh l. auf Ostern und in der Rächt nach Himmelfahrt biird) .ein offenste siendes Fenster in das t^ymnasium ein und stahlen znnächl aus dem Physiksaal, den sie mit- :cljt Nachschlüssel, den sich bc: eine, der schon 1918 cut assm ist, s. Z. aneigirete, öffneten, für mehrere Tausend Mark Platin und Quecksilber, ele'tr. Mess in gappi rate, so i einen Motorgenerator im Gewieht von etwa 3 Zentnern, den sie zerlegten, im Auto nach Darmstadt brachten und hier vmkauflen. Ter Erlös wurde gclciP und dabei flott gelebt. So haben sie beispielsweise in einer Nacht zu zweien in Frankfurt über Tausend M a r k verpraßt. Ter Student N. Brammen aus Wieri hat durch Vermittelung des Chnnikers Bergmann und des ZivUsupernnmevars H. Kaufmann die Gegenstände gekauft. Er wird ivegcn Hehlerei zu 6 Monaten, die Gymnasiasten E. .f^röll aus Cleve unb H. I. G. Kiefer 'wegen Tiebstahls zu je einem Jahre, Kaufmann zu sechs Monaten unb Hans R Bergmann zu acht Mo- na:en Gefängnis verurteilt, den zulelft Genannten luerben je zwei Monate Untersuckpmgshvft mtge-- rechnet.
mc. Aschaffenburg, 24. Ang. Der Bauernknecht H e r l e b e i n aus dem nähen Klein- Mallstadt, der seine Gellcble in den Main gestoßen batte unb wegen Mordes zum Tode verurteilt worden war, ist vom bayerischen Ministerium zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden
Turnen, Spiel und Sport.
Fußball. Vergangenen Sonntag spielten auf dem Sportplatz Trieb die Ligamannschaft des Turn- und Sportverein 1860 Marburg gegen die 1. Mannschaft des Ballspielllub Merkur 1904. Beim Angriff spielte SkflitneTttub Merkur den Ball gleich schön vor des Gegners Dor, konnte aber noch nicht zu einem Erfolg kommen, ba die Verteidigung Marburgs auf dem Posten war. 1860 Marburg, dessen gut eingespielte Mannschaft wohl bekannt ist, gefjL nun seinerseits auch zum.Angriff über und bedrängt das Tor der Einheinttschen oft sehr. Tie Mannschaft B.-K. Merkur, die in ganz neuer Aufstellung an trat (leider darunter zwei Ersatzleute aus der vorher spielenden 2. Mann schäft), sand sich nicht recht zusammen, was viel dazu beitrug, daß Marburg das Spies fast voll ständig auf B.-K. Merkurs Seite verlegen fonnic. in der 25. Minute gelang cs .Marburg durch schönes Tnrchspiel den ersten Erfolg zu erzielen Beim folgenden Ausstoß verteilt sich das Spiel einige Zeit in beide Hälften und kommt so vorerst zu keinem weiteven Resultat. B.-K. Meftkur hotte deS öfteren, durch d-ie große Unschlüssigkeit Sturmes, sichere Chancen ausgelassen. Kurz vor 5>rlb-zeit gelang es Marburg durch Bombenschuß ben zweiten Erfolg zu buchen. Mit 2:0 für die Gäste werden die Seiten gawechsell. Rach Anstoß geht Marburg scgleich wieder in Führung und versteht es, immer wieder den Ball vor das geg- ncrifche Tor zu bringen. Ter Tormann Gießens I Uattc sich eine kleine Verletzung zugezogen, die ihn | unangenehm hinderte. Er tonnte nicht verhindern, * c-aß Marburg in der 15. Minute den 3. Erfolg
bud\ B.-K. Merkur geb: nun etwas mehr aus sich t-eraus und kommt öfters schm r<»r des (iJe\jnvr-5 Tvr, ohne jedoch zu einem Erfolg »u g.-Iangnt. Taoei niußte crn Spieler von P.'ardurg wegen nn syortlichen Benehmens vom F>l:e ir.Ttvieic.i ux'r ■ bai. Ein danach gegebener Elfmeter für iv'ief\ni wirb von dem Halbrechten Zienier suni
Ehrentor verwan elt. Tie Mannsch ft B.-K. Mr- hir5 findet für, nun auch etwas me.x zusammen, es ist aber schon zu spät, 'n der 40. Minute 'endet Marburg zum vierten Male ein. Tas Spiel bleibt nun offen, bis kurz vor Sckrluß die Gäste noch einmal fdwn auftommen und fid-er een fünften Erfolg 1)51: en buchen können: leider pfiff hier der Zchiedsricht.'r das Spiel ab. — Tiefe (Slunce durfte er Marburg nicht ncbmnt. Mit dem Re sultat 4:1 für Marburg 1860 trennen sich die Okgncr. — Um 2 Ub; sp.elte die 2. Mamischaft B»allspic<llub Merkur 1901 gcgmi die 1. 9J? nmfdyft des 7v K. Butzlori) i.nd endete dieses Spiel narb volltommener Uc'oei-l.geiiheit 3:0 für BallspieiVtub' Merkur 1904.
Fußball. Letzten Sonntag bm<b c die Liga n:ann|d:aft oes Verein für Bewegungsspiele las tsiückspiet gegen „Bvrussia"-Fulda in ryuUxi ytm Au st rag Tas Spiel war ixn Aniang bis zum Sckiluß h.chsl spannend, die Gießener .'.'iannichast spielte wie ans einem Guß und war oem Okrgnet zeitweise überlegen. Tas Treffen enbete mit dem unensicl'iebenen Ergebnis von 0:0 Toren, nachd.ni der Schi^edsrichter einen von den Gießenern er zielten Erfolg durch Beeinslussimg der Fuldaer zu Unreckü isicht gab. Weitere Resultate: B. f. B. 2, F. V. Limburg-Elz 1 3:2- B. f. B. 4, Wetzlar B. C. 3 0:5; Juaend V. f. B. 1, Marburg Turn unb R. Sp. Jugend 1 0:0 (abgebrortjen); Jugend V. f. B. 2, Marburg Turn und R. Sp. Jugend 2 3:2: Jugent) V. f. B 3, V. f. R. 3 conib. 2:2; Jugeird V. f. B. 4, V. f. R. 4 comb. 1:1; Jugend V. f. B. 5, V.^.R. 5 comb. 2:9. Ten vielen Anfragen ans Sportskreisen sei hiermit die Mitteilung, baß bas Newurspiel der l-ß-sigen Liga rivalen, V. s. R.,1900 — V. f. B., beflinrmt am 5. September auf dem Sportplatz Trieb zum Aus trag kommt.
L ei ch t at'hle t ik. Tie leichtatftletifrie Abteilung deS Vereins für Berveg^ing.sipiele Giesjen löar am vergangenen Sonntag n.-ieix-rum erfolgreich tätig und zwar beteiligte sie sich m, den „Nassau-- il'dtcn Kampf piclen" ?' Äab-flftsisiau a. Lahn. So tonnte twrt unter sehr starker jboiikurrenz, loarcn es doch ctiva 50 Vereine mit weit über 400 Teilnehmer u. a. ans Köln-Neuß, Koblenz, Bingen, Ba>Ems, Marburg usw. Hans Thö t den 1 Prei^ im Hochsprung mit 1,66 Meter und im Wsitsprung mit 6,06 Meter, Wilh. Kolb den 3. Preis im Treikampf, Duallo Misipv in der Klasse der Junioren den 2. Preis im Weitfpning und ben 3. Preis im 100-Meter Laus unb unsere 400- Meter^Staffel den 2. Preis vor Köln-Neuß unb Bad-Ems erringen. Leider litt das gilt organisierte Fest se'hr unter bcr äußerst schlechten Witterung.
2V Bad-Nauheim, 23. Aug. Tie Taunus-Wette rauer Radsahrerverei n i- g u n g veranstaltete am Sonntag hier ihr Meisterschafts rennen in 4 Klassen. 12Ö Radfahrer beteiligten sich daran. Die 9$ramftaltung .vurde trotz des schlechten Wetters glatt durchgesühtt, rair ein b^xmerlicher UnglückNf-Äl ereignete sich an einer Kurve in Ober-Piörlcn, wo ein Renner | so unglücklich stürmte, daß er schwerere Beschädigungen am BrustAorb erfüi. Nächst) lg end seien in ben einzelnen Ätaifcn nur ine Mei!ter urtb einige der erften Sieger genannt : ^.-Klasse (40 .trtn., 11 Teilnr'hnu-r): 1. Meister: Hermann Bvrn--Ober-Mörlen, 1:06: 12: 2. W. Körber-Bad-Nau heim, 1:08:56; 3. Jos. Nein- Heimer-Friebberg--Fauerbach, 1:09: 37 ; 4. H. Hel • lerMber^Mörlon, 1:10:25. L-Klasse (30 Km., 22 Teilnehmer): Meister: H. Henes-Bad- Nauheim, 47:58; 2. W. Müller-Bad-Maiiheim, 49:03; 3. Herrn. Heller-Ober-Mörlen, 49:46; 4. L. Rupp-CranSberg, 49:51. 6 - Klasse (20 (Km., 57 Teilnehmer-: Meister: A. Wols-Oppers- Hafen, 38:04 ; 2. H. Frey-Ober-Mörlen, 38: 26: 3. A. Graulich-Bad-Maüheim, 38:43; 4. H. Bellinger-Bab-Nauheim, 39:17. Alters Klasse 10 Shn., 15 Teilnehmer): Meister: Joh. Schmitl- Cransberg, 12:42; 2. W. Wagner-Ober-Mörlen, 13:01; 3. Karl Beckei>B<ü>-NMcheim, 13:47; 4. W. Glaftr-Ober-Mörlctn, 14:04; 5. An ton Scheibet Bad-Nauheim, 14:22.
27 Ortenberg, 25. Aug. Bei dem dies biesjährigen Feldbergturnen, das in Bad- Homburg abgehalten wurde und an dem sich der l-icsige Turnverein im Wetturnen der Unterstuft beteiligte, erhielten stalgende Turner Preise: Hch. Schenk mit 69 Pnnft en den 5. Preis, Bernliarib Rüger mit 62 Punkten den 12. Preis, August Suhl mit 57 Punkten den 17. Preis, Frrtz Hebbel mit 56 Punkten den 18. Preis
Blinder Hah.
Roman von Alfred Sassen.
(Nachdruck verboten ) Forffetzung 15
Rena setzte sich wieder, imb nach einem Schweifen, in dem nur OSkars scheues Beckhalven guälend sprach, forderte sie geradezu: „Bor allem — auf welchem Wege erfuhrst du das Bvrgefallene — ? Der hat dir gesagt — ?"
Da sah es aus, als weise er ihr die Zähne, ft vszcrrde sich sein Mund. Er beugte sich über den Tisch herüber zu ihr. „Du möchstest mir alw fteismari>en, er habe mich nicht im Einverständnis mit dir auf gesucht —?"
-siZch habe dir nichts weis zu machen," ent* - sie unter rasendem Herzklopfen, in imfäg*
, Spannung. „Mit meinem Einverständnis ot, nichts gesche^n, gar nichts. Ich hoffe, du wirst ™ir hierin Glauben schenken/
Gr nahm seinen Oberkörper von der Tifch- zurück und fiel damit gtgert die Lehne d.'s „Gut — gut," murmelte er. ..Wenn deinen Willen tom, barm ist ihm recht geschehen —! Ter aufdringliche Narr! Wie durfte er. foa gen, vor mich hinzu tret en und das von
mrr fordern —!"
Seher Blutstropftir war aus dem Gesicktt de; lullten Mädchens g-nn.üen. Dumps unb schwer wlte sie tzt ihren eben noch so iviiben Herz- fchftg. Dem Erssicken nahe, hätte sie aunpringen und heraus schreien mögen: „Was ist ibm ge- ^heu —?. Das hast du ihm getan —?!" ^ Alleiu sie sagte nur mit unnatürlicher, starrer Supc: „Er — öermaiut Hüttich — war also
bei dir in Davos, wie ich aus deinen abgeriifenen S&rrten entnehmen muß —?"
„Unb hat von dir verlangt —?"
„D^ langen imb breiten hat er gesprockmi, schon imb gefüAvoll, mit tausend Gründen suchte er mich zu überzeugen, daß ich verzichten müsse, beim dein Herz gehöre ihm, und er sei gewillt, mit allen Mitteln um bas Lostbam Gut zu kämpfen."
Ein süßer, warmer Strom wollte Rena durchfluten. Sv sehr wurde sie geliebt! Aber nein, nein, wie burftc sie jetzt einem andercn Gefühl Raum geben, als dem der Angst, der fürchterlicken Angst! Dem Geliebten war etwas geschc^n, unb noch hatte sie ihrem Peiniger daS Geständnis nicht entrissen, was es sei.
„Weiter — weiter," drängte sie flehend.
Ostzar zog sein seidenes -ruch^und fuhr sich damit über die Stirn — kalter Schweiß mochte da hervor gebrochen feilt.
„Tu kannst dir woU die Antwort denken," fuhr er fort, „die ich dem Herrn gab. Ich hab’ auch lange gesprochen imb viel, zngeschwcwen stob ich's ihm, die Hoffnung auf deinen Besitz iei her Lebensatem, der mich aufrecht erhalte — — dick — dich — dich und nichts sonst vermöge ich zu denken — nichts anderes zu wollen! Dieder, und wieder hab ich's ihm gesagt, bis ich erschöpft in einem Stuhl zusammenbrach ... Ta har er sich mit den Dorten, ich würde ruhiger werte:! und das Würdige von dem Unwürdigen in mir scheiden, zum Gehen gewandt — aus einmal sah ich seinen Fuß stockeii. Er blieb vor meinem 5d)rcib= tisch stehen. Seine Augen waren aus einem halb ter ausgewogenen Kasten gefallen — darin lag mein Revolver —"
Rena zuckte Vvn ihrem Sitz empor. Ihre Finger krampften sich um die Tischplatte, datz die Nägel brachen.
„Wie — wie kamst du zu einem Revolver —?" löste es sich in unsagbarem Entsetzen von ihren Lippeii. ,siZch >oeiß nichts davon, daß je enter in deinem Besitz war —"
Finster entgegnete dec junge Mann: „Als ich dich im t-origen Jahve fragte, ob du mein Weib werden wolltest und du dir eine Bedenkzeit aus- batest, hab' ich mir gleich hinterher die Waffe gekauft. Im Fall deine Llntwort „Nein!" lauten wurde, follte mir der Revolver zur Ruhe verhelfen — zur ewigen . . . Ich nahm ihn dann mit aus 'die Reift — mein Gott, da ist dock) mchts Verwmllerlich^s dabei — dergleichen tun so vi-le."
Jedes Wort dieser Erklärung bthtfie Rena eine Ewigkeit, unter bcr sie tausend Tode litt
„Weiter — weiter," sichte sie abermals.
„Jener — Herr sah also ben Rcvolc-ec tm Kasten. Der Himmel weiß, was er Men schon freundliches t-enlen mochte, er sah wohl einen Der- yv-eifeiten in mir. Kurz, er meinte Uxchrscheinlich, es sei besser, er nehme den Revolver an sich, und wollte das mit ein paar halb ernsten, halb scherz-hosteil Worten tun — — das erschien mir als ein lächerlicher lieber griff, der mich zu Hellem Zorne reizte. Ich eilte hinzu, um dem Narren den Revolver wieder fortzunehmen — es gab ein kurzes Ringen — bie Waffe entlud sich und —"
„— und traf ihn?!" schrie Rena auf. „Sag, nein, nein! sag's —"; sic war aut "ben Sprechenden eingcdnmgen und hatte seinen Arm erfaßt, den sie mit Perzweiflungsvoller Gebärde rüttelte.
„Der Schuß trat ihn in die Brust —"
„Mörder! — Mörder! —" tollte sie mit erlöschender Stimme.
„Er ist nicht tot —"
In ihre Gestalt, die eben, dem Zusammeisiinflen nahe gewesen, kam wieder Leben.
„Schwöre, daß es ft ist —"
„Qkit denn — ich schwöre."
„Und er wird am Leben bleiben?"
,L«, die Verwiiudung ist t sicht lebensgefähtt-ich."
Jetzt löste sich die fürchterliche Erregung rn dem jungen Mädchen in ein bespeiendes Wein u auf. Sie lehnte die Stirn an die Wand imb schluchzte, als wolle sie in diesem Schluri)yen ihr, Seele als Danck hin strömen für das teure gerettet" Leben.
Mit zusammen gebissenen Zähnen stand i?.r Vetter Oskar daneben. Tie Qualei, die er löt, rüttelten und schüttelten seinen gebveckFichen Körpea
Äs die Schluchzende ein wenig stiller gewv' - den war, fragte er tonlos: „Rena, denkst trn gar» nicht ein wenig davm, wie mir zu Mute sein muß bei deinem Anblick — wenn ich dich ft weinen sehe — um jenen anderen —?!"
Sie fuhr auf. „Aber wie kommt es, daß du hier bist? Warum bist du nicht hort gebü'eben, um bei Verwundeten $u pflegen? . . . Ah, du bist geflohen! Man hat dich als den Schuldigen rerfrafteii wollen —!"
Er nährte erregt ab.
„Sprich nicht von Schuld. Es müßte davr.t wohl ihm der größere, entscheidendere Teil zugesprochen nxrben ... Ich bin auch nicht geflcheu. Selbstverständsich lief ich unmittelbar nach ocm traurigen Geschehnis nach einem Arzt. Als ickr zurückkehtte, war schon van anderer L>eite tutet erschienen. (Fortsetzung folgte)


