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tamtmöt, nt her fte bi3 Mitbe Mai hxrr, woraus sie (xxyn Kau-ion freigelassen wurde. Sie ist nun rteani fall (bei Au^chuld^ung, Beleidigung usw. an» «Lagt. Bon Internse ist ein Kasiiber, den sie aus dem Gefängnis an Bemxntbte schrieb, in dem sie mit (hi:l)u!(un.’en aller Art drohte, wenn man sie nicht für geisteskrank crfläre. Sie entschuldigt sich heute mit schlechter Ernährung und rücksichtslose Behandlun<i durch ihren Ehemann, im libriam körmr sie sich der Vorgänge von März bis Mai nicht mehr crntnrm, da sie damals in einer Arl Dämmerzustand gelebt habe. Die beiden psychiatrischen 3a »Werften rn^cn dkveisarzt Dr. Lau germann-Tarmstadt und Professor Dr. Düring- Gießen erklären übereinstimmend die Angeklagte zwar für stark hysterisch veranlagt, aber für ihre Tat verantwortlich. Der Staatsanwalt beantragte 3 Monate Qtefängiu*. Rechtsanwalt Garnier trat für frretnnxtfjima ein. DaS Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis, abzüglich sechs Wochen Untersuchungshaft.
verniirchte».
mc. Mannheim, 23. Sept. Im Monat August hat die Kriminalpolizei Unterbo dens nicht weniger wie 18 Eisenbahn- waggons mitSchleichhandelsware beschlagnahmt.
86 Dtrfammlung deutscher Naturforscher und Aerzt«.
(19.—25. September in Bad-Nanbeim.)
Bad-Nauheim, 23. Sept.
TV.
Ein ganz anderer Geist ist es, der fetzt unsere Badesivdl bt^.r fehl. DaS sorglos-fröhliche Leben, wie wir cs sonst in der Soifon gküvöhnr find, ist verdrängt bwntb bat Ernst der Wissenschaft. In ihrem Zeichen steht unsere Stadt fetzt voll und ganz: fie gibt dem Leben und Verkehr ein neues Gepräge und spiegelt sich auch im Straßen- bild wider.
Seit heute tragen die Verhandlungen zumeist sachwissenschasilichan Charakter. Die Arbeit spielt sich nun in den einzelnen Abteilungen ab, von denen sieb feit txirgefjent nicht mntiatr als dreißig ttmfiituiert haben. Mle naturwis enfchastlick)en und münzinischen Sp^ialgebiete lind vertreten. Die Adteilimgen, die zumeist gleich- i:ig tagen, haben ihre Sitzmlgsräume im durchaus, den Badehäusern, der Rcol- und der Stadlschule. Es ist dem Berichterstatter nicht mehr möglich, sich über alle Ver- hanttungen zu orientieren, zumal die Sitzungs- räume auch räumlich weit auseinander liegen. Twtzdem werden wir versuchen, aus der unermeßlichen Fülle des Stoffes unsren Lesern wenigstens über Gegen f ände von allgctmintm Interesse noch zu unterrichten.
So behandelten die vereinigten mchyinischen Abteilungen in einer Sitzung die Röntgentherapie. Günstige Erstlge touren bei Lunaen- tuberfufofe erhielt, eine auffällig günstige Wirrung wurde auch bei Sarßomen er tieft.
In einer gemeinsamen Sitzung der Abteilun- gen „Physik" und .Chemie" und ^.physikabsche Chemie" sprach Pws Ehrenhaft (Wien) über die Atomistik der Elektrizität. Durch ferne Versuche scheint ein geivichiges Argument gegeben zu sein, daß die Labung des sog. Elementarguan- tmns oder Elektrons, das in allen modernen atvmistischen Thrvrien eine so umfassende Rolle spielt, nicht universell fein Bann, sondern daß es mcch Ladungen zu geben schnnt, die kleiner sind als die bisher unteilbar gedachen Clektvome.
In der Ab eilung „Angewandte Chemie und technisch« Chemie" behandelte Pwf. Rassow (Leip- zug) das Sprengen mit flüssiger Luft, das im Kriege in Bergwerken vielfach Anwendung
gefunden habe. Ob das an sich vortreffliche Verfahren unter den durch den fyrdrnSvcrrag geschaffenen Verhöltnr sai der Sprengiwsinduftrie lebmsfdhig biei-jcn. laste sich noch nicht übersehen.
In der Abteilmtg Tierheilkunst, deren Einführender Pros. Dr. Olt-Gießen ist, wurden in den letzten Tagen zusammen 16 Borträge «halten, an die sich zum Teil recht fruchtbare Aussprachen brüpfien. Von Gießener Gelehrten waren die Professoren Olt, Martin, finetl, Awick, sowie Dr. Deydrtch und Dr. Schmider mit Referaten vertreten. Mr erwabnien aus der Reihe der Vorträge nur das Jäger und Forstleute besonders interessierende Referat von Prof. Olt über den irrnerfekre» torischen Einfluß der Sxrben auf daS Wachstum des Cervidengeweihes (Demonstration von lehrreichen Peruchwrewcihen). Als besonders wichtiges und aktuelles Thema mürbe
die Maul- und Klauenseuche
eingehend erörtert. Berichterstatter waren: Obermedizin alrat Beilin^g (Darmstadt), Prof. Dr. Aw ick (Gießen), Prof. Dr. O l t (Gießen), Krcis- tierarjt Dr. Schipp (Cochem). Gegen die in diesem Jahre ganz besonders auftretenbe Seuche hat Vas von E r n )t ^München) eingeführte Verfahren der Simultanimpsiing, das in der Verwendung von Blut oder Serum natürlich darch'eucl)ter Tiere besteht (passive Immunisierung) unter gleichzeitiger künstlicher Ansteckunq der noch nicht erkrankten Tiere (aktive Immunisierung), nach den bis jetzt vorliegenden Ersahrungen günstige Grqcbniffe geliefert. Dieses Verfahren bietet zwar feinen Schutz gegen die Erkrankung an Maul- und Klauenseuche, erreicht aber im allgemeinen einen milderen Verlauf der Seuche und verhütet bei rechtzeitiger Anwendung die Todesfälle. Ein abschließendes Urteil läßt sich erst nach Sammlung w.itever Erfahrungen gewinnen. Die Chemotherapie hat bis jetzt überragende Erfolge bei der Bekämpfung der Seuche und der Behandlung der Krankheit nicht »u verzeichnen. Sie schließt den Nachteil in sich, daß sich bei der überstürzten Anwendung von Arzneimitteln, die noch keineswegs bewährt sind, niedrige Zufälligkeiten Ereignen können und namentlich die veterinärpolizeilichen Maßnahmen, die der Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche dienen, in den Hintergrund gedrängt werden. Der ungenügende veterinärpolizeilichc Schutz hat wesentlich zur Verbreitung der Seuchc beigetragen. Besonders hervorgehoben wurde noch, daß es dringend geboten ist, in größerem Umfange und mit größeren Mitteln als bisher die wissenschaftliche Erforfchung! der Maul- wtb Klauenseil che und ihrer Bekämpfung zu fördern. Für Dessen fei gan$ besonvers iwOöaiixg d« Errichtung eines Tier- seuchen-Jnstituts, in dem neben andeven Tierseuchen namentlich die Maul- und Klauenseuche, der so verheeoend auftretenbe Abortus der löauytiere und die bamit vielfach zusammen- baingatix Sterilität der Haustiere näher erforscht werden.
Tas Ereignis deS heutigen Tages war die gemeinsame Sitzung der Abteilungen „Mathematik" und „Physik", in der die
Einsteinsche Relativitätscheorie
behandelt wurde. Obwohl der Beginn der Sitzung absichUch gabetm gestalten worden war, hatte sich ein zahlreiches Publirum emgesunden, barnnteil sicherlich auch viele Leute, die Weniger aus Wissens- braitg als aus Neugierde, den „großen Mann" cänmal zu sehen, den Verhandlungen beiwohnten. Ter große 2Barterxnint des Badehauses 8 samt fernen Galerien waren dicht besetzt; viele Neu- ßfterige fanbei keinen Platz mehr und mußten wieder weggehvn, und das ist gut, berat sie hätten ton den hochwissenschaftlichen Ausführungen ja doch nichts verstanden, sondern sich yecht gelangweilt.
Zunäichst wurden vier Vorträge von Herren gebatten, die von der Deutschen Pßy iTalisckien Gc-
sellschon dazu cingeiaden waren. Weyl-Zürich sprach über eine von ihm vvrgenmnmene ErweUe- rung der allgemeinen Relatrvll<usth?vrie, die auch die cl^lrischen Erscheinungen mi-umstvsen und aus allgemeinen Grundlosen erklären will Tonn trug M i t - Greifswald die Durchrechnung eines Spe- zialpwblems vor, demzufolge er liever von der Relativität der ©raVitanmi als von der allgemeinen Relativität sprechen will, hieraus leitete Laue-Berlin die ^lblenkung eines Lichtsttabls durch em Gravila vnsfeld und ixe Rot-Verschiebung der Spek.valtinien in einem solchen aus der Theorie her, und schließlich beridyete Sktt Grebe- Bonn über seine gemeinsam mit Bachern aus- getübrten Messungen, die bk*fc von der Theorie geforderte Rvt^Vcrscl»ic!>ung brr Spektrallinien auf der Sonne wirklich ungen. Die sich anschließende Diskussion mußte streng auf diese Boeträ^n' selbst beschränkt bleiben. Erst noch ihrer Erledigung wuroe in eine allgemeine Diskus ron über die Relativitätsthoorie cingetnrtcn. Da Poos. Einstein sofort auf alle Eimvenduxgex und fragen das Wrnti zur Antwott erhielt, gestaltete sie sich sehr lebenoig, rn der Lxmpffache zu einer Diskussion zwischen Emstein und Pvof. Lenard- 5)eidel- berg. Lenard bekannte sich zu einem Anhänger der speziellen Rel»r> wi.ätsthcorie, nach welcher eme vvllbimmen gleichförmige Tnans a ionsbeweguvg durchaus unerkennbar sein muß, bagegen wandte er sich gegen die allgenv rne Relativitätsthwrie, nach welcher jede Art von Bewegung für uns mrerkennbar fern soll und wir nid>: ein scheiden föimat, ob wir und zum Beispiel in drehender Bewegung befinden ob. rbie g.f. m.e UmtreL «ich gegen uns drel-e, oder ob wir, wenn wir in einem plötzlich gebremsten Eisimbahnzug eine schwere Erschütterung erleiden, diese erleiden zufolge einer Veränb.rmrg der Bewegung des Eisenbahnzuges oder nicht vielmehr durch die entsprechend entgegengesetzte Bewegung der Erde. Tas letztere widerspricht rrach seiner Meiramg jedem gesunden Men chenverstand, den der Physiker gerade so gut braucht und an- wenden muß wie teder andere. Auch die Abschas- fimg des Actb rs durch die Relativitätstheorie lehnt Lenard ab er hält leine Existenz vielmehr für durchaus erwiesen, weil wir ohne ihn die physikalischen Erscheinungen nicht restlos als mechanische BewrgungsvorgLnge erklären tönnen — eine Forderung, die notwmdig sei, um die Erscheinungen anschaulich begreifen zu können. In Bezug auf diese letzte Bemerkung ertoiberte Einstein, was der Mensch als anschaulich oder nicht anschaulich betrachtet, das hat im Laufe der Zeit lettächtlich gew.chselt, die Physik ist eben ihrem Wesen nach begrifflich und nicht anschaulich. Den Zeitgenosson Galileis mar dessen Mechanik gewiß recht unanschaulich, heute aber, und zwar schon lange vor der Relativitätstheorie, betrachtet man die elektrischen Felder als die elementarsten Gebilde, mit denen man arbeitet; dem Elektriker ist das elektrisch.' Feld das anschaulichste, was nicht Überboten werden kann, und es gibt Elektriker, die sich mechanische Vorgänge erst mit Hilfe bet eleklrischm Felder anschaulich machen können. Was den gebremsten Eisenbahnzug betrifft, so handelt es sich eben um die Wechselwirkung zwischen diesem und allen übrigen in der Welt vorhandenen Massen, wobei es ganz gleichgültig ist, welche von beiden gegen die andere bewegt wird. Mit dem gesunden Menschenverstand zu operieren, sei sehr gefährlich. Für die mathematische Behandlung gibt es eben trin an sich bevor- jugteö Koordinatensystem, imö man wird daher icdesmal des für bte Durchführung der Rechnung begucmste wählen. Tas Gleiche gilt von den tfl» lationsbcwegungen. Wenn man bei der Annahme, die llmtoelt berrege sich rotierend und die Erde stehe still, zu Ueberlia-t-Geschwin i rk i^en Vomme, so sei das auch kein Widerspruch gegen die allgemeine Nelativitätsthevric, btc gar nvht wie die sp.-zielle eine konstante Lichtgrschwriidig eit fordere.
In Bezug am die Beschoff-ng des «rtbcrS betonte Proteffor Mie. daß sie nichl-o mit der SWi- titntättstbeorie $u tun habe, schon m den wvr Jahren ist der Aether durch die grundlegenden,Ar- beiten von Lorentz abgefchafft worden, ^m ubn« am kfaraife sich M» ztoar als begeisterter un» banger der RelatrrTitätstyeorie, trat aber rn einem Punkte £*rm Lenard bei, nämlich, Nib er glaube, <>3 gebe wirklich ein bevorzugtes M'xirbüiatcn* systcm und man könne fingierte Gravitatwnsteldev 'ortteffen. Es scheine ibm nicht, als ob ihre Em- iuLrwi<3 ertenntnistheoretischen Wert habe, es tomme ihm vor, als ob nwm da tu fein spinid- sjere, demgegenüber tobt auch er sich immer unseren gesunden 3Renktxnr*rftanb. 3n meiern es aber ein bevorzugtes KLordinatensystem in der Welt geben soll, Luuitc er öerm Ern stein nicht jagen.
Leuard meinte, die DiSknffwn habe zu enter Einigung bet abiveichenden Anschauungen und zu einer g<wenseitigm lieberzeug-.lng ihrer ^rtreter nicht führen sonnen, weil her Gegensatz der ex- perimentdlen und mathematischen Pvl)si>r h«er zum Albdruck 'komme, eine Meinung, der wn anderer Seite Lcbtxrit wider sproßen wurde, brun der matbematifdx Physiker stehe nicht tm itegenfatz $um ExpcrimentalPhysiker, sondern stelle die V)N diesem erwrschten Erscheimigen unter evchertlichen GesichtLMnkten dar.
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Berichtigung In unserem gestrigen Be richt txrrt eS mcht gool'ögische, sondern bivtogrsckie Stwron in Doapel heißen.
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4 Friedberg, 23. Sept. Eint Ehrung HertwigS.
Geheimrat Richard von jjxrtnrig, der be» kannte Münchener Zoologe, der der ^Naturforscher- Versammlung beiwohnt, feierte heute in feiner Geburtsstadt Friedberg seinen 70. Geburtstag. Die Gesellschaft deutscher Naturforscher unb Acrzte liefe dem Jubilar von Bad-9iauh.im aus Geheimrat v. Gruber (München, ihre Glück« wünsche übrbrtnoen. Im Namen der Deutsclten zoologischen Gestllschast überbrachte Geheimrat Kor schelt (Marbugl, fü die deutsck>-ös!erreichi scheu Biologen Dr. T o l d t (Wien), für die hollän dischen und übrigen ausländischen Biologen Prof, van Bemmelen (Groningen) die Glückwünsche, während aus dem engeren Schüler kreis tzertwigs Dr. Ehr Hard (Gießen) gratulierte.
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Für die uns anläßsich unserer silbernen Hochzeit in so reichem Maße erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst
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Gießen, den 24. September 1920.
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