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170. Jahrgang

9

General-Anzeiger für Oberhesien

Anzeiqenkril $y Deck, fümliich in Dietzen.

M und Verlag: vrülff'fche Univ.^Vuch- und Strintettderei R. Lange. 5chrrftiettLvg, Gefchäftssteilc und vrnderei: Zchulsirahe 7.

Dienstag, 2\. August 1920

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Eoeh. Brrantrv örtlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr.

Reinhold Zenz, für den

Vie Konferenzen in Luzern.

Die zwischen Lloyd George und Giolitti in Luzern vereinbarte öffentliche Kundgebung, deren Wortlaut wir nachstehend wiedergeben, ist als ein Fortschritt aus dem Sumpf der bisherigen Friedenspolitik zu bezeichnen. Wir begrüßen vor allem die Methode solcher öffentlichen Darlegungen, die die Teil­nahme der Völker an solchen Beratungen er­wecken und wohltätig wirken können. Freilich, man merkt es dem Luzerner Dokument noch stark an, daß Herr Lloyd George dabei be­teiligt ist, der seiner eigenen bisherigen Politik und dem Versailler Vertrag nicht zu stark ins Gesicht schlagen kann. Es ist aber schon viel, was der kluge italienische Staatsmann Gio­litti erreicht hat, indem die Kundgebung schließlich doch von seinem Geiste i^s Frie­dens und des Wiederaufbaues erwärmt wird. Zwischen den Zeilen liegt das Eingeständnis, daß die Welt mit den bisherigenSieger"- Praktiken nicht weiterkommt. England und Italien wollen, ohne sich durch polnische Siege" das Programm aus der Hand schla­gen zu lassen, einen loyalen Frieden mit Rußland. Für unsere deutschen Interessen liegt besonders in dem Satze eine Anerken­nung und Aufmunterung, der davon spricht, daß erst beim Eintritt Rußlands in den all­gemeinen Frieden eine ganze Reihe sonst nicht zu lösender Fragen des Ostens entschieden werden könnten. Was bedeutet dies anders als die Notwendigkeit einer Umgestal­tung der Friedensdiktate, die wir der Ver­sailler Konierenz verdanken? Auch die Kritik der russischen Waffenstillstandsbedingungen hat unseren vollen Beifall. Wir können nicht wünschen, daß Polen damit bolschewisiert wird, und Deutschland kann nur die Forde­rung unterstützen, daß ein Eingriff in die Freiheit des polnischen Volkes unterbleibt.

Hoffentlich bleibt es nicht bei den schönen Worten von Luzern, sondern es kommen auch die entsprechenden Taten!

Rom, 23. Aug. (Wolff.) Wie der Son­derberichterstatter derAgenzia Stefani" mel­det, halten Lloyd George und Giolitti gestern vor- und nachmittags lange Bespre­chungen über alle wichtigen internationalen Fragen. Die italienischen und englischen Kreise haben den Eindruck, daß sich die beiden Mi­nisterpräsidenten über den Gang ihrer freund­schaftlichen Unterredungen äußerst befriedigt zeigten.

Luzern, 23. Aug. (WTB.) Lloyd Ge­orge und Giolitti haben der französischen Regierung eine gemeinsame Aktion bor» geschlagen zum Zwecke, Polen sein völliges An­recht nach dem Versailler Vertrag für die freie Benutzung des Hafens von Danzig zu sichern.

Line offizielle Verlautbarung.

Luzern, 24. Aug. (WTB.) Dem vor Be- S tn der zwanglosen Unterhaltung Müschen den Den Ministerpräsidenten Lloyd George und Giolitti und den Vertretern der Presse ver­lesenen offiziellen Kommunique ent­nimmt die Schweizerische Tepeschenaaenlur Fol­gendes: In der heutigen und gelingen Unterhal­tung eschen Giolittt und Lloyd Goorge wurde hauptsächlich die allgemeine politische Lage und foqiell der Einfluß der jetzigen Bortominnisse im öschchen Europa auf diese diskutiert. Tiefer Mei- nuntz-austausch hat die vollständige Ueber- einslimmung zwischen der britischen und der Etaüenischeu Regierung cxrogstan betreffend die w Ude und alles überwiegende Notwendigkeit für die W^'i-erstellung des Friedens in der ganzen Wett AP einen möglichst frühen Zeitpunkt. Dre ersten 9wurden Jür einen solchen Frieden finden sich l den verschosdenen bereits unber-eichncten Jrie- d«svertrLgon und in der Weise, wir diese Verträge Asgefüdrl werden. Die Sieger in diesem Kriege sollten den Geist der Mäßi­gung in der Durchführung zeigen und «e Besiegten den Geist der Loyalität bei ihrer Ausführung. Angesichts bitter Auffaffrmg vifen und vertrauen die Regierungen darauf, daß «rs gute Eimrernshmen , das in Spaa erzielt wurde, Ary»chlich der Methoden

LtaKMrung des Versailler Ver­lages, sich weiter mttoicMn werde, so daß ste alle noch ausstehenden Frag«: umfassen werden daß das hoffnun gsvolle Experi- * - das dort versucht wurde, gerechtfertigt Arde dnrö> getreue Ausführung des dorr ge- wy^lexen Uebereiukvminais durch alle Parteien.

der Friede wieder hergestellt ist, bleibt je- noch eine Reihe von bedeuten de n v ragen zu erledigen, denn Mehrheit xnv* i^rtremtiito ijt mit dem Verlauf rwn -Geschehnissen, 6,6 .sich je^t in den Territorien des ehemaligen ^u.lf i I Den Reiches abfpielen. Beiovr der Eriche zwilchen Rußland und der übrigen Welt ^rcht hergestellt ist, wird immer eüte Atmosphäre Vm Störungen die Ruhe der Welt bedrohen, aus diesem Grunde biben die britische und die

Regierung Schritte toiie.iuamnen, selbst an die Gefahr hin, falsch verstanden zu werden, -^erbindun g zwischen Rußland der übrigen Welt herzustellen.

desl^lb tret zu bedauern, daß die Söwjetregve- -Nng trotz wiederholter gegenteiliger Versiche­

rungen, welche in ihrem Namen durch ihre Ver­trete in London abg geben wurde.«, darnach ge- trachret hat, Polen Be:4ngu^gv:i aufzuzioingen, die nicht vereinbar sind mit dessen ikitionaer llualchängig^eit. Tie Regierung Uni Polin in aus der ganzen männlichcu Bevölkerung tcj Landes ohne Uillerschied der Kosten Le.wifl.^ngen uid die sogenannte Bürgerarmee, welche mit einer Klasse entnommen werden soll, wie e» der Punkt 4 der Bedingungen der Sowjetregie- rwng verlangt, ist nur eine indirekte Methode ,um eine Gewaltorganisation zu schaffen, w^che durch Vergewaltigung die demokratische Ver­fassung über den Haufen werfen soll und sie er­setzen soll durch den Despotismus einiger weniger Personen, welche die Ideen des Bolschewismus in sich aufnehmen. Wir können nicht umhin, zu befürchten, daß, w-nn die detaillierten Bedingungen über die Zusammensetzung dieser Armee, welche vorläufig verheimlickü werden, bis Polen seine Armee demobilisiert haben wird, bekannt werden, man finden wird, datz sie nach dem B o r b i l d e der russischen roten Armee konstruiert ist. Bon einer Ration zu verlangen, daß sie gemäß den Friad-msbedinaungen eine Armee organisiert zum Schutze von Leben und Gütern, die nur aus enter Klasse von Bürgern besteht, mit Ausschluß aller anderen, ist ein Eingriff in die Freiheit, Un­abhängigkeit und Selbstachtung eines Landes. Daß man eine solche Bedingung, ungeachtet der Ver­sicherungen des Herrn Kamenew an die britische Regierung, daß nichts weagelassen wurde, was nicht von nebensächlicher Natur sei, nachträglich hinzu-efügt hat, ist ein großer Vertrauens­bruch und machen Verhandlungen irgend- toeldier Art mit einer Regierung, welche ihr Wort so leicht nimmt, schwer, wenn nicht unmöglich. Tic Sowjet re gierung hat einen Vorschlag der bri­tischen Regierung zurückgewi.'sen, einen Waffensttll- stano unter Bedingungen absuschließ.m, welcher das russische Territorium gegen irgend einen militäri­schen Angriffsakt sicher gestellt hätte. Rußland hat seinen Vormarsch in das ethnographische Polen mit der Absicht fortgesetzt, dieses Land durch Waffen­gewalt für bte Svwjetmstitution zu erobern. Wenn die Svwjetregierung uns-achet der Rückschläge, baten ihr Angriff begegnet, Ml immer noch weigert, bieten verhängnisvollen Vorschlag zurück^uziehen und im Gegenteil den Krieg auf polnischem Terri­torium weiterführt, um das politische Volk zu dessen Annahme zu zwingen, so wird eS keiner Re­gierung möglich sein, die Oligarchie oer Sowj ets anzuerkennen oder mit demselben zu verhandeln. Tie Welt im Osten und im Westen schreit nach (^rieben. Aber der Friede ist nur möglich auf der Basis der Anerkennung der F-reibest der Nation. Tie italienische und die eng­lische Regierung sind beunruhigt durch die unbegrenzte Verlängerung des gegenwärtigen Koniliktszustan- des zwischen den Nationen. Tcn be- trcsienden Völkern können diese Zwiste nichts, an­deres als immer wachsendes Elend bringen. Für die Völker der Walt im oll gemeinen bringen sie beständige Unruhe. Bevor diese Konflikte nicht aufhören, i)t feine Entwickelung für Lwidwrrtschast und Industrie möglich. Der Austausch der Er- zeugnisse der Länder kann sich nicht frei entwickeln mangels der hohe« Preise. Angesichts der Ge­fahre« und der Einschränkung, die diese mit sich bringen, wird die Zivilisation, die durch fünf Jahre andauernde Kriege geschwächt ist, nxiterOin erschüttert. Tie britische und die italienische Re­gierung sind daher einig, daß alle Anstrengungen gemacht werden sollten, um die gegenwär­tigen Gegensätze zwischen den Völ­kern zu beseitigen.

Luzern, 34. Aug. (WTB.) Gestern nach­mittag fand im HotelNational" durch den eng­lischen und italienischen Ministerpräsidenten eine Begrüßung der hier awvesendeu ausländischen und schweizerische« Pressevertreter statt. Rach Verlesung des bereits mitgefeilten Communiquös in englischer und französischer Sprache wurde in vertraulichem Kveise ein Austausch von Fragen der Presiever- tveter und von Antworten der beiden Staats- mäuaer gepflogen. Ans eine Frage, ob Lloyd George im September bei der Besprechung zwi­schen Giolitti und Millerand zugegsn sein werde, antwortete er: wahrscheinlich! Auf die Frage von italienischer Seite, warum das Com- munünte nichts über die italienische Frage und speziell über das Adriaproblem bringe, ver­sicherte er, es fei nichts darüber gesprochen worden, was die Presse interessieren könnte. Giolitti seinerseits war der Meinnng, daß die Aoriafragc in die Kompetenz der italienischen Kammer und ausschließlich in diese falle. Ueber die Danziger Verkehrshindernisse befragt, erwiderte Lloyd Ge­orge, daß eine solche Unterbindung des freien Durchgangs in direktem Widerspruch zum Versailler Vertrag stehen würde. Tie Tätigkeit der den Ver­kehr behindernden Arbeiter sei eigentlich al? ein Feindschastsck: aufzußrssen. TerDertragvon Versailles müsse aber auch da re­spektiert werden. Lebensmittel- und Wuni- tivnsvorräte für Bolen müßtcn über Danzig be­fördert werden. Ter Hafen ser der den Polen im Frieden jugpmefene freie KorrLor. Ans eine tete- graphsiche Anfrage sei die Antwort getont men, daß in Taeitzig keine Schiffe mehr ang-halten werden. Aut eine Frage über dieStellungEnglands zu General Wrangel meinte Lloyd Ge­orge lächelnd tEnglandüberläßtdenGe- ueral den Franzosen. Von italienischen Journalisten über die Kohlenversorgung dieses Laubes befragt, le^hsite Giolitti eine bestimmte Antwort ab mit dem Hinweis, hier habe keine "Finanzü^mmii'fton getagt, das sei Sache von Sachverständigen. Aus eine Frage von französischer Seite, ob hier in Luzern schon die in Aiy-les-Basis yi be­

handelnde» Fragen entschieden worden seien, und zwar ohne Millerand, verwies Lloyd George wieder auf QMktti und teilte unter Heiterkeit mit: Wir werden dort schen, welche Punkte ihn und Mstlc> ranb interessieren. Tie Luzerner Zusammenkunft sei fein europäischer Zdrngreß und die Punktc, in denen man nicht einig wäre, könnten geregelt werden. Er glaube aber nicht, daß es einen Punkt gebe, in dem nicht grolle Einigkeit bestehe. Aus die Sc^ußfrage, ob eine Besprechung mit deutschen Regicrungsvertretern stattgefunden habe, antwortete Lwi^ George ablehnend.Weder direkt, noch indirekt!" sagte er.

Asvwsrben Meeres und an brr Donaunründimg, uw die fttofaten auf unserer Seite ftetjm, Tmppen lelanbct. Ein dritter Versuch der Bolschewisten äe Truppen Wrangels in der Lttchnnig auf Prri- toro zilrückzndrängen, ist feiLgWck>l<s)en 2VrMigel hat 6000 Gefangene gemacht.

Eine polnische Rote Armee.

Moskau, 23. Aug. Durch Funkspruch. Aus Minsk wird mitgeteilt: Die Bevölke­rung der befreiten Gebiete Polens begrüßt die RoteArmee freudig. Mit der Organisation einer polnischen Roten Armee wurde be­gonnen.

Wie die Unabhängigkeit Aegyptens ausfehen wird.

Loudon, 23. Aug. (Wolffs DieTimes" gibt Ausklärung über bte Bedingungen, die zwischen Lorb Milner und Saad Zaglul Pascha vereinbart worden sind. Hiernach wird England die Integrität Aegyptens gegen jeden fremden Angriff fid^r stellen. Dagegen aber muß Aegypten England im Niltol eine be­vorzugte Stellung einräumen und im Falle eines Krieges ihm jede Erleichterung znm Eindringen auf ägyplisches Gebiet geben. Eng­land wird eine tzsarnison in Aegypten in dcr Kanolzone pnteöhalten, deren Basis jedenfalls Cantara wird. Aegypten soll seine auslän­dischen Beziehungen selbst leiten unter der Bedin­gung, daß es feine 93c. träge abschließt, die sich nicht mit der englischen Politik vertragen. Äegtzvten werde auch das Recht haben, diplvinatische Ver­treter im Ausland zu halten, jedoch würden sic wahrscheinlich gegenroärtig auf d«Länder beschränkt bleiben, in denen Aegypten Handel-üntercssen habe. Tie Kapitulationen werden aufgehoben und die Kontrolle der Gesetzgebung über die Ausländer dem Oberkommissar übertragen. Tas Abkommen, das getroffen werden soll, soll vom englischen Parlament und von der ägyptischen National­versammlung ratifiziert werden.

Euglische Humanität«

Berlin, 23. August. (Priv.-Tel.) Die Tägliche Rundschau" meldet: Der englische Sozialist Ramsey Macdonald teilte in einer Erklärung mit, daß diebritischeRe- gierung das Ersuchen der deutschen Regie­rung, den nötigen Schiffsraum zur Be­förderung der von Amerika Deutschland zu­gesagten 100 000 Kühe zur Verfügung zu stellen, wegen Marrgel an Schiffsraum ab- gelehnt hat.

Die Kriegslage im Vfien.

Königsberg, 23. Aug. (Wolff.) In bet Gegend von Willenberg sind bis jetzt rund 7 000 bolschewistische Soldaten über­get re ten. Die Entwaffnung ist ohne Zwischen­fälle verlaufen. Die Internierung erfolgt int Lager von Aryz. Wie Oer tautet, begaben sich die in Königsberg stationierten Ile »er wachun qskam Mis­sionen der Entente an verschtedene Grenz arte.

Umgruppierung dcr Polen.

Paris, 23. Aug. (WTB.) Nach Mitte­lungen der Abendpresse haben die Polen eine U m g ruppieru n g ihrer Streitkräfte rorge* nommen. Sie haben eine Nordarmee gebildet, die General Haller befehligt, und eine Arm« des Zentrums, deren Oberbeschl Pilsudsti über­nommen hat.

Die wassenstillstan-zverhandiungen.

K o p e n h a g e n, 23. Aug. (Wolff.) Wie dieBerliner Tidende" aus Kvwno meldet, wurde die russisch-polnische Frie­denskonferenz, nach einer Moskauer Meldung, am letzten Dienstag in Minsk er­öffnet. Der Vorsitzende der russischen Del^ gation, Danischowski, betonte in einer Ansprache, daß die Friedensbedingungeu Sowjetrußlands Polen volle Souveränität und ein weit größeres Gebiet zusprächen, als Polen von der Entente erhalten würde. Er betonte aber auch die Notwendigkeit von Ga­rantien gegen neue Angriffe.

London, 23. Aug. (Wolff.)Daily Ex­preß" glaubt zu wissen, daß die polnischen Delegierten in Minsk mit Warschau in Ver­bindung stehen, und daß die allgemeine Lage als günstig angesehen werde.

Die polnischen Gewaltftreiche in Oberschlesien.

Veuthen, 23. Aug. (Wolff.) Soweit sich ans den bis heute mittag vorliegenden Meldungen ergibt, sind der ganze Kreis Rybnik außer der Stadt Rymrik und der ganze Kreis Pleß mit der Stadt Pleß, dem Landkreis Kattowitz, dem Land­kreis Beuthen und dem Landkreis Tarnowitz durch­weg in polnischer Hand. Die Städte Gleiwitz, Kattowitz, Beuthen und .stönigshütte usw. bllden zur Zeit noch wenige Inseln. Aus den besetzten! Teilen imternchmen die Polen ständig Vorstöße nach diesen Orten. In dem besetzten Gebiet sind heute Maueranschiäge in zwei Sprachen erschienen, in denen zur Bildung von Selbstschntzkomi- tees aus der heimischen und ortsansässigen Vevöl- fcrimg aufgefordert wird. Die Führer dieser Komi­tees verpflichten sich, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zur Aufrechterhaltung oet öffent­lichen Ruhe und Ordnung zu sorgen und die

Wiederaufnahme der Arbeit in den Betrieben in die Wege zu leiten. Ansammlungen von mehr als fünf Personen sind verboten. Sämtliche Waffen und Munition sind sofort abzugeben. Die Gasthäuser sind abends 8 Uhr zu jajiieften. Privatpersonen dürfen sich von 8V2 Uhr abends bis 4 Uhr morgens ohne Ausweis auf den Straßen nicht sehen lassen.

Zur Streiklage im Beuthcner (lebtet er­fahren wir, daß sich bereits die Anfänge in der Wiederaufnahme der Arbeit auf den Gruben zeigen, anscheinend allerdings vorerst nur von deutscher Seite.

KommuniftentpuL

Magdeburg, 23. Aug. (Wolff.) In der Nacht zum Sonntag drang in Schönebeck an der Elbe eine bewaffnete Bande in die Gummifabrck von Milol ein, erklärte, die Fabrik stehe zur Ver­fügung der Roten Armee und entwendete ein Auto.

Magdeburg, 23. Aug. (Wolff.) Als die Sicherheitspolizei nach Austösung einer kommuni­stischen Versammlung in Schönebeck die kommu­nistischen Führer teltnehmen wollte, kam es zu einer längeren Schießerei, die mit dem Rück­zug der Kommunisten endete. 30 Personen, die größtenteils aus Magdeburg stammen, wurden verhaftet.

Magdeburg, 23. Aug. (Wolff.) Am Samstag nachmittaa kam es in Staßfurt, trotzdem der Spartakusbund von Gewalttätigkeiten aeroarnt hatte, noch Beendigung einer von der K. P. T. einberufenen Versammlung zu Schieße­reien, in deren Verlauf das Rathaus mit Ma­schinengewehren gestürmt wurde. Tie Gefangene» wurden befreit, und Plünderungen und Erprefsun- gen sowohl bei'Privaten wie bei der Kreissparkasse und der Post oorgenommen. Als eine Hundert­schaff der Magdeburger Sicherheitspolizei eintraf, verschwanden die Kommunisten spurlos.

Düsseldorf, 23. Auß. (Wolff.) Infolge der kommunisttschen Putschversuche har sich in ben letzten Tagen die Kontrolle bei den Ueber* gangen ins besetzte Gebiet außerorde-ttlich verschärft. Jede Peffon wird körperlich unter­sucht, und zwar hauptsächlich nach Waffe« und kommunisttschen Zeitungen. Gestern wurden auf der Rheinbrücke acht Personen von einem belgi­schen Posten verhaftet, well sie Waffen bei irch trugen. Waffenscheine, die von den deutschen Be­hörden ausgestellt wurden, werden von den belgi­schen Posten nicht mehr anerkannt.

Der polnische Heeresbericht.

Warschau, 24. Aug. (WTB.) Die bolsche- rtnstische Armee, die zwischen dem Narew und der preußischen Grenze ein geschlossen ist, bemüht sich irnter blutigsten Opsern der Zange, Die sie gepackt hat, zu entgehen. Sehr erbitterte Kämpfe finden in der Gegend von S 0 l d a u und M 1 awa an der Bahnlinie WarschauDanzig statt, wo die Russen gezrtnmgen sind, sich gegen 2 polnische Armeen zu verteidigen, von denen die eine aus der Gegend von Modlin, die andere aus der Gegend von Grandenz kommt. Die Bolschewisten versuchen ihre BerkuststeUungen, die /ich bis in die Gegend von Eylcm und Plock vovgeschoben hatten, in verzweifelten Kämpfen zu verteidigen. Ihre Verluste an Gefangenen in dieser Gegend betragen in der leytsn Woche 11000 Mann. Tie Versuche der Roten Armee, die polnische Linie PrasnttschMokowRo«my zu durchbrechen und den Narew zu überschreiten, sind vollkommen miß­glückt.

Der russische Heeresbericht.

London, 23. Aug. (WTB.) Tie Radio­station von Moskau übrnnütett den bolsche­wistischen H e e reSbericht sehr unvoll stän­dig. Ter Bericht schließt mit emer Anspielung auf die polnische Offensive und sagt: Tie russischen Armeen haben unter dem Truck der polnischen Legionäre einige Städte verlassen. CS find zahl­reiche Verstärkungen inrtertoegS, um die polnische Macht ju vernichten.

M 0 s kau, 23. Aug. ^WTB.) Durch Fiock- fprnch. Operationsbericht der russi­schen Sowjetrepublik. We^iffwut: Ab- kfmtt Lomsha: Unsere Truppen tomoren mit dem Gegner, der fernen Angriff no-rttich der Stadl Ostrom cnfnrxMt. WHchsritt Brest-Litowsk: Wir verließen Die Stabt Brest-LttvwÄ. Oestlich von Elslm hartnäckige Kämpfe. Abschnitt Galttfch: Unsere Truwen erreichten im gan-en Abschnitt ben Ftuß 3ötota*a Lipr imä kämpfen.um die lieber* einige über den Fluß. Krimfrvnt: Abschnitt Or- sciruv: Unsere Truppen brechen den Widerstand des sich hartnäckig verteLigenden Feindes und rücken kämpfend vor.

Ein Froutbericht Wrangels.

London, 24. Aua (WTB.) Ter hier etn- getrofienc He-weLberich: Wran gels tom Ib.Aug besagt: WvcmgeÄ Truppen hoben die Küsten des I Schwaigen Meeres vor Adkm besetzt. Ferner sind <si S.'ubäu und in ben Gebieten an der Küste des |