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Erstes Blatt

170. Zahrgang

Samstag, 21. Zanuar 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oderhesien

Nr. 20

Ter Oletzeeer Sv^et eddbeint taqlicti, außer Lor«- und Feiertags.

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Monatlich 'DU. 2.30, emteljäbrhrti M'. 6 90 dnlrbhcfeli.t) de- Bestell­gelds: outd) die lieft yieiteljnbrlirt) Akt. 6. ausfchliekltch ^eftedaelb. Fk.nsprcch - Anschlüsse: für die Ed}rtltleitunqH2 lfrlec,(*'tld.u!.»fieilc51 21nfct)ti,tfürTrabtnad>- richlen Avzeiger titlet.

psstiche tklenie: ftenhert o. M. U686

SwiMngrnmr druck u. Verlag: vrühl'fche Univ.-Buch- il Steinöruderei 8.Lange. ZchriftleilLng, Sefchäslzstette u.Drutoct: Zchnlstr. 7

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2khumint von ZlMjtijt» s. d»e iaaejiunniuer oi» tum 9tadimiuaq oocber ohne >ed- twrbini'lichreU. Preis fär l mm Höhe <üt Ylmeiaen v.34mm Breite örth \> 25 ßi, auswärt? 30 l<f.; für Äeklnme- Anzeigen von 70 mm kreue 90 Pf. Bei Platz- t>or<ctiru'i20V Autsclllag. Hauvtschri tleiier: Aug. Goeg. Verantwortlich fi'u Polit k: Aug. tooeq; für den übrigen Teil: Dr. Reindoiö Zenj; für den Anzeiqeinell: v- Beck, sämtlich in Gießen

wochemgckd'Ick.

Bei aller Gewißheit, daß der Friede uns nicht gibt, waS fein Name verheißt, baden wir doch in den (egten Tagen das Gefühl gehabt, daß ein politischer Klimawechsel eingetreten sei. Verschledenerlei Ereignisse scheinen dies ausgedrückt zu haben. Clemenceans Ab­schied vom Großen Rat in Paris war noch eine Liquidation der Wcltkriegsepocl-e, und seine Worte, die uns berichtet worden sind, halben kernen Fansarenklang mehr. Er fühlt es selbst, daß dieser Friede von Versailles in seinen Fundamenten schtvach ist, und so ver­mochte sein Großtatenstolz nicht die ängst­liche Warnung zu verhüllen: Wenn Frank­reich, Englmrd, Italien nicht mehr zusammen­halten, wird ein neues Schicksal Herein­orechen. Wir Horen bei diesem propl)etischen Wort nicht neuen Schwerterklang, sondern denken dabei nur an die Auslösung des Ge­waltfriedens. Das Debüt des neuen Prä­sidenten, des neuen Ministeriums in Frankreich war etwas kleinlaut. Das fran­zösische Volk liebt die Fansarentöne nicht mehr. Herr Dcfchanel versprach, mit Ernst und Nachdruck die restlose Durchführung des Friedensrertrages zu betreiben; wir dürfen also nicht hoffen, daß Geist und Gesinnung unseres westlichen Nachbars sich wandeln würden. Aber die innere Einheitsfront be­steht nicht mehr. Das Schwergen von 300 Abgeordneten bei der Kammertause des Mi­nisteriums Millerand war sehr merkwürdig. Noch können wir nicht folgern, was sich da­mit ankündigt. Von großer Bedeutung find ja auch diese innerpolitischen Angelegenheiten Frankreichs für uns Deutsche nicht. Auch die großen Pariser Demonstrationen der So­zialisten widör die gegenrevolutionäre Be­wegung, die dye ganze Welt durchziehe, haben nichts Erschütterndes. Soviel aber geht aus allem hervor: ein starkes Volk, ein Volk von wirklichen Siegern, fte^t in den Fran­zosen nicht neben uns. Und nun überrascht England die Welt mit der Mitteilung, daß es bte vorgesehene Truppenzahl zur Besetzung der Abstimmungsgebiete nicht aufbringen könne; auch Italiendrückt sich" in dieser Beziehung, und das heroische Frankreich muß die großen Stiebel in der Hauptsackie noch einmal allein anziehen. Es sehe sich vor, daß es sich nicht zu viel rumutet, auch an Haß und Schikanen, mit oenen es uns in fo zahlreichen Fällen noch begegnet! Die er­bärmliche Note an Holland, um Aus­lieferung des früheren Kaisers, setzen wir md)t ausschließlich auf das Konto Frankreichs und Clemenceaus, der sie versaßt hat. Das ist vorwiegend eine englische Komödie! Zwar ist man sich bei unseren !lroßmütigen Vettern noch nicht einig bar» über, wo, wie unb von wem der Vror"ß gegen W lh.lm II. geführt w rden soll, aber Eng­land hat von der Entente das Mauoat er­halten, über den versehmten Mann zu ver­fügen. Es wird keine Lorbeeren damit vslücken, und das Mißfallen anständig ben- kender Völker über diese moralische SValp- locke, die sich das stolze Albion noch an den (äürtel hängen will, rst auch in der soeben veröffentlichten Antwort Hollands zum Aus- druck getommen.

ebenso fittlich tief steht auch das Ver­langen der Entente nach Auslieferung AerJoncn' die im Kriege an Aoblich verbrttherisch gehandelt haben sollen. Das ist fein Rechtsgedanke, denn es fehlt die Gegenseitigkeit. §at es unter der bunhartigen Schar unserer Feinde keine Missetäter gegeben die. mit König Heinrich 3UJPn^n' "£te übliche Natur mit Wut entstellt, dem Auge einen Schrecken^bück ge l'ehen" ? Unsere Regierung soll sich mit dem Gebanken tragen, den Gegnern vorzuschlagen, daß sie die angeblich Schuldigen vor einem deutschen Gerichte anklagen, das alle Ge­währ rechtlicher Klarstellung und Unpartei: heb feit geben werde. Wir würden diesen Vor­schlag für durcl-aus annehmbar halten. E« dürfte aber nicht versäumt werden, auch eine Liste feindlicher Führer aufzustellen, die sich gegen Menschlichf.it und Völkerrecht oer- gangen haben. Sollen z. B. in den Sammel­lagern für zurückgekehrte Ge angene umsonst jene erschütternden Zeugnisse von französi­scher Verrohung und Quälerei ausgezeichnet worden sein? Mangelt es unseren ehemaligen Soldaten und Os.izieren an Anklagesbosf gegen feindliche Unmenschen?

Unfere gegenwärtige Regierung hat sich bisher damit begnügt, in den Belastungs moppen des verstossenen Systems zu blättern Der parlamentarische Untersuchungsausschuß hat zivar manches Interessante zutage ge 'ordert, aber in feiner Wei,e etwa unter den Leuten des alten SystemsVerbrecher" ent* larft. Mindestens ebenso interessant wie die Vernehmungen des Ausschusses ist gegeuwür- 110 der Prozeß Erzberger-Hclffe- cich. Man darf seinen Ergebnissen nicht vor­

greifen, aber soviel läßt sich schon sagen, daß I die weiße Weste des Herrn Erzberger trüb uni> fleckig erscheint. Nicht als ob man ihm > juristisch strafbare Handlungen nachsagen unb beweisen könnte! Die Bedenken gehen nur ins politisch Moralische. Erzberger hat recht: es gibt kein Gesetz, das einem Abgeordneten verbietet, als Aussichtsrat Handgeld von dei Industrie zu nehmen . Wohl aber ergibt eine Prüfung der Erzbergerfchen Praxis, wie er sichin einem Mond!" vom weltvcr- schlingenden Annexionisten unb Geschäfts­träger Thyssens zum ^rzschtpolitiker und Vertreter des Haus s Par.ua entwickel e, ein durchaus unbehagliches Gefühl. Noch ist nicht alles bewiesen, was Helfferich dem immer wohlgemuten Postillon auf unserer Reise ins nationale Unglück wie dasBerl. Tagcbl." den schwäb scheu Staatsmann einmal nannte nachsagte, aber es ist kaum noch ein Zwei- sel: je länger die Deutschen über das Ver­gangene nackchenken, desto deutlicher wird es ihnen werden, daß Erzbergers plumpes Vor­geben l)öchst unheilvoll geioirft ljat. Er scl-einl sich, seinem Charakter und seinen Gepflogen­heiten nach, eher zu einem Agenten und Makler als zu einem Minister und Staats­mann zu eignen.

Seit der Vertagung der Nationalver­sammlung und der Verhängung des Ausnahmezustand es über das Reich, ist das innerpolitische Leben im übrigen in ein ruhigeres Fayrwasser geraten. Herr Noske hat in derNationalzeituna" seine Maßnahmen gegen dieNarren und Hero- ftraten" unter den Unabhängigen und Kom­munisten begründet und erklärt, daß er auch weiterhin scharf zupacken und eine Verhetzung der Arbeiterschaft nicht mehr dulden werde. Verschiedene Eisenoahnbetriebswerkstätten wurden zeitweilig geschlossen, weil die Ar­beitsleistungen unzulänglich und unrentabel waren. Es sollen darin bei Wiederaufnahme des Betriebs nur solche Arbeiter wieder be­schäftigt werden, Die eine ergiebige Arbeit zu entfalten versprechen. Noske klagt beson­ders darüber, daß im Ruhrgebiet wieder Streikhetzereien unter den Bergleuten sich ge­regt hätten. Es sei unerhört, daß in der Zeit unserer Kohlen- und Verkehrsnot eine Agi­tation für den Sechsstundentag eingesetzt habe. Er werde darum mit dem Verbot links- rabifaler Hetzblätter fortfahren. Mit Noskes Programm ist, außer den Unabhängigen unb Kommunisten, wohl jedermann einverstanden, nur dieFranks. Zeitung" bemängelt es merkwürdigerweise unb nimmt es zum An­laß eines heftigen Ausfalles auf reaktionäre Bewegungen der Rechtsparteien, bie eine grö­ßere unb nähere Gefahr in sich schlössen. Das Blatt nährt die Neigungen und Instinkte der Linksradikalen, indem es schreibt, die Revo­lution habe gegenüber alldeutsck-en Profes­soren eine unverdienteheooifck)e Milbe" ge­übt! Dieses Liebäugeln mit dem Terroris­mus wirkt abstoßend auch auf diejenigen, die nicht <sines Sinnes fein mögen mit jenen 'S l'deutschen", aber die Duldsamkeit im poli­tischen Meuiunaskampf als ein erstes Erfor­dernis eines echten Liberalismus betrachten. Noske hat ausdrücklich erklärt, daß er ein­greif c gegen verderbliche Störungen unseres Wirtschaftslebens unb der öffentlichen Sicher­heit; wie kann man ihn fd?arf mack-en wollen gegen politische ^.eberzeugungen und Mei­nungsäußerungen?'

Die holländische Antwortnote.

Ablehnung.

Haag, 23. Ian. (Wolfs.) Niederländisches Korr.-Bur. Tie Antwortnote der nieder­ländischen Regierung auf das Ersuchen um Auslieferung des vormaligen Kaisers lautet wie folgt:

Haag, den 21. Ian Durch eine vom 15. 1. datierte, dem Gesandten der Königin in Paris übermittelte Verbalnote verlangen die Mäch:e un­ter Hinweis auf den Artikel 227 des Vertrages von Versailles von der nieder! ändisd>en Regie­rung, ihnen Wilhelm von Hol)en»oIlern, den vor­maligen Deut]eben Kaier, zur Aburteilung aus­zuliefern. Zur Untersetzung der Forderung weisen ie Darauf hin, daß wenn der vormalige Äusser in Teulsckstand Der bk den wäre, die deutsche Rc- uetmrg ihn gemäß den Bestimmungen des Ar­tikels 228 des Fri.'densvertrag s hätte ausliefern müssen. Indem dr Mächte aus eine Reilx von der beulirfKn Obrigbei! wahrend des Krieges be­gangene Akte als auf Korfcr überlegte Verletzungen der tnlema.htuileit Verträge und iDl'xmr tiidic Ver- letzmra der h Üigsten Regeln des Völftercee^es 'inw.i en, schr iben sie die Verantz.ortung dafür, wenigs,ens di? moralische, dem beutirijen Kaiser ui. Sie äuftem die Meimmg, daß Ho lland seine internaIk'nale Pflicht nicht erfü len würbe, iceim -'s lich weigerte, sich ihnen nach 'Diajgabe seines Vermögens anzusckrk ßm, um die Äe,.rafung der i.ogangenen Verbrechen durchzufü'./rcn oder sie we- nigsLens nicht zu verhindern. Sie beben den be­sonderen, Eharakier ilw?s Eruchens hervor, das nicht auf juridische Beschuldigung n, wndem aus emen AL hoher oitarnalwnaLex Politik harz seit.

Sie avvellieven an die Achtung vor dem Recht und an die Gervchigtvilsliobe Hollands, daß es richt mit seiner moralifdjen Autorität die von Deutschland begangene Verletzung der Hauptgmnd- iätze der Sclidari.ät der 9latiönen decken möge.

Die Regierung der Königin beehrt sich, zu nächst darauf hinzuweisen, daß Verpflichtungen, die sich für Dculichland aus dem Artikel 228 des Friedensvertrages bätxn ergeben können, nicht geltend gemacht werden tonnen, um die Pflichten der Niederlande zu bestimmen, die an diesem Vertrage nicht teUgnben. Benagen durch un wandelbare ©runbiät«, kann die Regierung der Königin ihrerünts die durch die Forderungen bei Mächte aus geworfenen Fra gen nur vom Stand­punkte ihrer eigenen P^lichten ans betrachien. Sie ist an dem Urivmny des Kisieges vollkommen unbeteiligt und hat nicht ohne Skfjnncrigfeiten ihre Neutralität bis zum SchUi.se auivedi.crixiLeii. Sie b<findet sich demnach gegenüber den Kriegs- lmndlungen in einer Lage, die von der der Mächte ven'chieden ist. Sie weist energisch jeden V^vacht von sich, daß sie mit ihrem Souveränitätsrechte und ihrer moralischen Autorität Verletzungen der Hauptgnmdsäye der Solidarität der Nationen decken will, kann jedoch keine interna­tionale Pflicht anerkennen, sich dem Akte der hohen internationalen Po­litik der Machte an zu schließen. Wenn in Zukunft durch den Völkerbund eine internatio­nale Rechtsprechung erngeietzl njrrben sol.br, die befugt ist, im Falle eines Kriege-- Verbrechen, die als solche vor '-Begebung erklärt sind, abzu­urteilen, wird er den Nied r andern zusiehen, sich der neuen Ordnung anurid)!ief^n.

Die Regierung oct Königin kann in dem vor­liegenden Fall keine andere Pslickt gelten lassen, als die, bie ihr bie Gesetze des Königreichs und die nationale Ueberliefming auferlegen. Weder bie konstituierenden Gesetze des Kö­nigsreiches, diesichausdiealtgemein anerkannten Grundsätze des Rechts gründen, noch die ehrwürdige Jahr­hunderte alte UeberHeferung, bie dieses Land seit jeher zum Zufluchts­lande für diejenigen gemacht hat, die ininternationalen Konfliktenunter- lagen, gestatten der niederla ndi scheu Regierung, dem W uns chederMächte»u willfahren, und dem vormaligen Kaiser die Wohltat dieser Gesetze unb dieser Uebertiefemnqru zu nehmen. Recht unb nationale Ehre, deren Ach­tung eine heilige Pflicht ist, widersetzeir sich dem. Das niederländische Volk, bewogen durch bie Ge­fühle, benen die Welt in der Geschichte Gerechtig­keit nnbcrfcrbren ließ, Barni das Skt trauen d.r- jenigen nicht verraten, die stch seiner freien Eür- richtungen an vertraut babeit.

Die Regierung brr Königin glaubt annehmen zu dürfen, daß bie Mächte die Grundlage bieicr Erwägungen, bie sich über alle persönlichen Urteile eoheben, unb bie ihr so entscheideTrd er dy-inen, daß sie billigerweise feilten Anlaß dazu geben können, irrigen Schein zu erwecken, anerkennen werben.

gej. Karnebeck.

Deutsche Pressestimmen.

Zu der Antwort Hollands bemerkt dieV o s- sische 8 e i t u n g": Die Haltung Hollands ent­spricht den Erfahrungen, die jeder Kenner der Ueberliefcrungen dieser mannlwften Nation hegt. Die Holländer erwarten Feinen Dank. Daß sie nur dem geschnobenen und ungeschrieben en Recht, nur dem Gesetz der Billigkeit und Ehrenltaftigkctt folg­ten, derbient raspeft volle Würdigung, die in der ganzen Welt, auch in den Ententcländern nicht aus- bleiben wird.

DasBerl. Tageblatt" schreibt: Hol­land wunsckst gewiß am wenigsten den Dank jener deittscben rnonarchi chen Reaktionäre, es wünscht ae- wiß auch nicht den Dank des ge'türztn Monar-- dyn, Holland wahrt sein eigenes Selbst, den Geist imh Elxrrakter ,N"er Nation bi-* fo nst b'n Rech's- gchank n hinausgetragen und gegen Mächtigste ver­teidigt hat.

DieTägliche Rundschau" sagt: Die holländische Antwortnote ist würdig unb gerecht unb entspricht ganz bem, was das deutsche Volk von der holländischen Regierung erwartet bat Diese hat ein Urteil gefallt, das um so wertvoller ist, weil es tuns »um ersten Mckbe seit langer Zeit zu erkennen gibt, daß das im Friedensvertrag erznnin- gene Bekenntnis des Deutschen Reiches zu seiner alleinigen Sckmld bei den neutralen Staaten ohne die von der Entente gewollte Wirkung geblieben ist.

ImVorwärts" heißt es: Das kleine Holla-'d beugt sich nidjt dem Befehl der Sieger. Die Weigerung ist mutig, fest und bestimmt. Tie Herrsck^er der Entente müssen sich nun mit ibr auseinander setzen. Sie haben Mittel genug, um das kleine aufrechte demokratische Land zu beugen. Es ist nur bte Frage, ob sie es wagen werden, sie an­zuwenden.

DerBerl. Lokalanz." erklärt: Ihre männliche Svrackie, bie gerade Linie, die sie euv hält, der furchtlose Hinweis aus die Unerschütter­lichkeit der Grundsätze, sichern dieser Kundgebung einen Ehrenplatz in der Geschichte des hofläMschen Volkes. |

Die Hücftr(r$rorte deutscher Sefan-iener.

Bern, 23. Jan. (Wolif/ In den nächsten Tagen iverten die Rücklransvorte beut» sdier Kriegsgefangener aus Fraiur ich durch tue Schweiz beginnen. Es »vird sich um solgende Transporte Ixmbdn: Auf der Stücke GensAon<anz oer e ren etwa JO Offizierstrans- Porte, aus der St.ecke DelleB's.l 12 Atanw- sckv s szügc. Ti? Transpo.te befö bern im Gan-I ei etnxr 16 0xK) Mann. Je nach den Verhält- nisien wird bte Zahl erhöht werben. ton> |

men 1700 Schwervenv.mbete und Kranke mit der Stücke GentKonstanz zum Durckrtra stvrt.

Berlin, 23. Jan. (Woli'.) Die Rrichs- tentralftelle für Kriegs- unb Zivilge an.rene teirt mit*; Der aus vier Linien erfolgende Abtransport der links-rlx'inisch belieimau-ten Krieg-geionitenen! aus dem französisdnrn Kampfgebiet ist seit bem 20. Januar int vollen Orange. Aus dem fran­zösischen Hin ter lande werden Heimkehrzü.^e vom 25.1 Januar an abgclaiscn, unb zwar alle zwei Tage ein Zug für Mannscha ten und alle vier Tage einer für Offiziere. Da die linksrheinisdten Gejangenen, die im sranzöiisck>en Hi. ter^and in­terniert sind, mit vier Zügen restlos abbeiöibert werden können, beginnt der Ablransvvn der Uw terpfsiziere und Mannschaften, die auS dem fron« -?isd>cn Hinterland in das unbesetzte Deutschland heimzubesördern sind, am 29. Januar, der der Offiziere am 1. Februar.

Der deutsche Dampserverkehr mU England.

Berlin, 24. Jan. Nach einer Meldung be$ Berl. Lokalanz. sind im Laufe dieser Woche bte ersten deutschen Dampfer s-eitdemFriebensschlußinLondon eßngetroffen Nack) den Bestimmungen des Fs5emdengesetzes durfte kein Mitglied der Be­satzungen bie Schiffe verlassen.

Der amerikanische Export nach Europa.

A m ste r da m, 23. Jan. lW Iff.) Der , New- tyorü Hrrald" meldet aus Wash.ng on: Eine An- zalil amerikanischer Bankiers errichtete ein Clea- ring'vuse mit einem Kapiial von einer Mil­liarde Dollars für bie Finanzierung des Exportes nach Europa.

Englische LebenSmittelbelieserungen an Oester'eich.

Wien, 23. Jan. (WTB.) Corr-Bureau. Die britische Lebensmittelkommission in Wien teilte bem Staatsamt für VolkSernäh- rung mit, baß bie britische Regie­rung bet österreichischen andrste, gege» Derrechnuna auf die Beträge ans der euro-> päischen Hilfsaktion, noch ungefähr 900 Ton-« rten Jett, 1000 Tonnen Fleischkvnserven unb* 600 Toniven Speckschultern im Gesamtbeträge von 273 000 Pfund Sterling zu liefern. DaF Anerbieten wurde dankend angenommen.

Brussilow als Bolschrwistensührer?

Amsterdam, 23. Jan. ,Wolfs.l DieTi­mes" meldet ans Washington: Es verlautet, daß bic roten Heere gegen Polen durch General Brussilow angeführt roerben. Tie Erschießung des S.ihnes Brussilows auf Befehl Denikins soll den General veranlaßt haben, Trotzki seine Dienste anzubieten.

Eine bemerkenswerte -leufterung in der tschechischen Nationakversammlnng

Prag, 22. Jan. (Wolff.) Tschechv-slowakisches Preflebuveau In der Nationalversammlung führte ber W>g. Kramarsch u. a. aus:Die einzige Mög­lichkeit ist eine würdige unb mannhafte Lösung des deutschen Problems. Wir dürfen uns davor nickst fürchten. Ich kenne die Kraft der Deutschen. Die Deutschen werden nickst weniger gefährlich fein, wenn wir ihnen nachlaufen und sie versöhnen wollen für das, was sie uns Jahrhunderte hindurch angetan haben, denn sie werden daraus entnehmen, daß wir uns schwach fühlen, und waren dann dumm, uns in irgend etwas nachzngeben. Die Deutschen werden sicku niemals versöhnen mit bem, was geschehen ist. Wenn die deutschen Fanfaren ertönen, werden sich die Deutschen bei uns, in Oesterreich unb Deutschland erheben Daher müssen wir unsere Politik danach einzuricksten trachten."

Ministerpräsident T u s a r erwiderte in bet Nationalversammlung auf die Aussülnungen Kra- marschs: Wir rootlen einen tschecho->lowasischen Staat mit einem tschechischen Ein chlag und einem Geist, worin die Deutschen und bic anderen Bürger sich völlig zu Hause fühlen. Wenn ber größte Teil des deutichen Volkes in Böhmen sehen wird, daß dieser Staat Gerechtigkeit unb Gleicksberechtigung allen ge. en über tatsächlich durchführt, bann werden sie Iona le Bürger un­serer Republik fein Wir haben ein gemeinsames großes Interesse, das Jntcreife des Staates, das über allen Interessen stelst.

Au» 0em Ueiche.

Vkrküsznng ber Brotration?

Berlin, 24. Ian. Die Morgenblätter melden aus Stettin: Der frühere Unterstaats- sekretär v. Braun erklärte in einem Vor­trag, die Reichsgetreidestelle habe der Regie­rung mitgeteilt, daß es fo wie bisher nicht weiter gehen könne. Sie werde in den näch­sten Tagen bekanntgeben, daß zunächst bte Hereusfetzung ber Ausmahlung des Brot- getreibes vorgesehen fei. Voraussichtlich werbe aber auch eine Verkürzung der Brot­ration nicht zu mngehen fein.

D k Agitation unter den Bergarbeitern.

Berlin, 24. Jan Eine Versammlung in Münster (Westfalen), an ber bie Ver- freier von 43 westfälischen Zementfabriken und die Vertreter von 13 Arbeiterverbändeti teilnohmen, kam zu bem Ergebnis, daß bie Katastrophe unvermeidlich sei, wenn bie Bergarbeiter bie Sechsstundenschicht durc^usetzen versuchten.