Nr. 170 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 22. ZllU 1920
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Aus Stadt und Land.
GHeRen, Den 22. Juli.
Richtpreise für Gemüse und Frühobst.
Laut Beschluß der Städtischen Lebensmittel-Deputation werden folgende Richtpreise für den Kleinhandel mit Gemüse und Frühobst als angemessen erachtet:
Erbsen das Pfund M. 0.60-0.70 Dohnen, grüne . . „ „ „ 0.60-0.80
Bohnen, gelbe . . „ „ „ 0.70-0.90
Karotten ohne kraut „ „ „ 0.50-0 60
Kohlrabi, oberird. . „ „ „ 0 30 - 0 40
Weißkraut . . . . „ „ „ 0.60-0.80
Wirsing „ w „ 0.60 0.80
Römisch-Kohl . . „ „ „ 0.30-0.40
Zwiebeln ohne Schlatt. „ H „ 0.50 - 0.70
Tomaten . . . . „ „ ,, 2-
Menggcmüse . . . „ „ „ 0.30
Blume, kohl . . . das Stück „ 2.00-.400
Salat „ „ 0 15-0.25
Gurken „ „ 0.15-0 20
Birnen das Pfund „ 1.15-1.50
Falläpfel . . . . „ „ „ 0.30 - 0 50
Pflaumen . . . . „ „ „ 1.25-1.50
N.irabellen . . . . „ „ „ 1.60 - 2 00
Reineclauden „ „ „ 1.20-1.50
Pfirsiche „ „ 2.50
Landkreis Gießen.
** Saasen, 20. Juli. Die in unserer Gemeinde veransla.t.-te Sammlung zur Beschaffung eines Gedenk st eins für die irn Weltkrieg Gefallenen hatte das schütte Ergebnis von nahezu 4000 Mk. Ein Beweis, wie die $e-= meinbeglieber in ihrer großen Mehrheit in dankbarer Liebe derer gedenken, die ihr Leben für alle geopfert haben.
Kreis Büdingen.
na. Geiß-Nidda, 21. Mi. Tie neuen Glocken sind angenommen und am Moirtag von den hiesigen Vereinen, der Schuljugend und unter gvoszer Teilnahme der ganzen Bevölkerung in feierlichem Zuge vorn Bahnhof abgeholt worden. Tie Einweihung wird vorausfichllich am 1. August stattfinden.
Hessen-Nassau.
Dir Angestrlltenbcwrgung in Frankfurt.
fd. Frankfurt a. M., 21. Juli. Tie Tarif- gcmeinschasl der kaufmännischen Angestellten, der alle Angefielltenverbäude angehören, hat den Ta -- r i f zum 31. Juli gekündtgt. Es wird eine Erhöhung auf das Gesamteinkommen um 40 Prozent verlangt.
Sport.
** Reichsjugendwettkämpfe. Sieger- lisle für die Leichtathletik. 150 Meter Lauf. I.Altersstufe. 1. Sieger: Weißgerber (Zeit 23Vs Sekunden), 2. Völzing (24), 3. Panneck (24). Mannschafts Kampf. Sieger: Gymnasium. 150 Meter Lauf. II. Altersstufe. 1. Sieger: Bingel (212/s), 2. Änzenbach (21 Vs), 3. v. Eicken (217/ioV Kugel- sioßen. I. Miersi'tufe. 1. Sieger: Dodt 5,30 Meter, 2. Gartenschliäger 5,20 Meter, Ziegler 4,80 Meter. Kugelstoßen. II. Altersstufe. 1. Sieger: Schenck 7,50 Meter, 2. Schmidt 7,45 Mdter, 3. Klemm 7,10 Meter. Mannschaftskampf. Sieger: Verein für Bewegungsspiele. Weitsprung. I. Altersstufe. 1. Sieger: Fisch 4,40 Mettr, 2. Mandler 4,20 Meter, 3. Scipp 4,12 Meter. Weitsvrung. II. Al- terssttrfe. 1. Sieger: Zöl^r 4,22 Meter, 2. Klein 4,11 Meter, 3. Kübel 3,91 Mdter. 1000 Meter Lauf. I. Altersstufe. 1. Sieger: Pannecke, 2. Todt, 3. Köhler. 1000 Meter Lauf. II. Mtersstust. 1. Sieger: Neumaier, 2. Braubach, 3. Schmidt. Stabhochsprung. I. Altersstufe. 1. Sieger: Fisch, 2. Marx, 3. Seipp Stabhochsprung. II. Altersstufe. 1. Sieger: Kübel, 2. Schneider, 3. Zöller, MannschastSeämpfe: Tauziehen (für Schulen). I. Altersstufe. Sieger: Gymnasium. Dauziel>en (für Vereine). I. Altersstufe. Sieger: Verein für Bewegungsspiele. Tauziehen. II. Altersstufe. Sieger: Verein für Bewegungsspiele. Stahellauf (10 mal 100 Meter). I. Altersstufe. Sieger: Verein für Bewegungsspiele (Zeit 2,40V5 Minuten). Staffel» lauf (10 mal 100 Meter". II. Altersstufe. Sieger: Verein für Betvegungsspiele (Zeit 2,32 Minuten).
Gießener Strafkammer.
Gießen, 20. Juli 1920.
Ter Karl M. von Bellerslieirn hatte, als er von mehreren Burscheir abends auf der Straße durch Steinwürfe geneckt wurde, einem derselben einen faustdicken Stein derart an denKvps geworfen, dah der Sckhädel zertrümmert wurde und längere Zeit Lebensgefahr befand. Tas Sdjäffengerügt verurteilte ihn deshalb 'wegen fahrlässiger Körperverletzung und Werfens mit Steinen zu 50 Mk .Geldstrafe. Auf die Berufung der Staat-Santoalt fdjaft hob die Straffammer dos Ur- teil auf und erkannte roegen vorsätzl icher Körperverletzung auf 100 Mk.; die auf Freisprechung gerichtete Berufung des Angeklagten wurde verworfen.
Freigespvochen wurde der Gastwirt Fritz K. in Gießen, den das Schöffengericht wegen Hehlerei einer aus dem hiesigen Gefängnis gestohlenen Teck -u 1 Woche Gefängnis verurteilt hatte.
Halse reden, um denen etwas klar zu machen, und er kam doch nicht weiter. Was hatte er nicht alles zusammengeschwätzt, um den Fabrikbau zu verhindern, was hatte et nicht alles gesagt, um von dem Berkaus der Waldstücke und oer Ländereien abzuraten. Es war alles gerade so gut genesen, als ob man einem Ochsen ins Horn gepetzt hätte. Das war ein Viehovlk? Guckte nur nach dem Geld und verluderte den Besitz, den die Väter und Großväter einst billig von Napoleon erworben hatten. Und verhalf in seiner Tummheit dem hergelaufenen Kerl zu Reichtum und Macht. Ter saß da oben aut seinem Schloß und lachte sich ins Fäustchen. Jetzt wollte er sogar schon eine Fahrstraße von da oben zum Bahnhof und zum Rhein haben, und die Gemeinderäte hatten mit ihren dicken Köpfen dazu genickt, als ob es sich bloß um ihr eigenes Gelände gehandelt hätte, als ob sie ganz allein darüber zu bestimmen hätten. Sein Schvag r, der geldhungrige Simpel natürlich am allerersten.
Und an der Klostermühle vorbei sollte die Cl)aussee ziehen! Ab r da verguckten die sich; an ihm konnten sie sich die Zähne ausb.ißen. Er gab keinen Krümel von seinem Eigentum her, und rueim der Teufel auf Stelzen kam und darum scl>acherte. Die sollten den Franzosenmüller kennen lernen.
Franzosenmüller! dachte er weiter und mußte lachen. Tas war auch so eine Dummheit von dem
Tie Straflammhsxlt nicht: für erwiesen, daß st. von dem strafbaren Erwerb der Teckc Kenntnis gehabt fcrt:e.
Wegen schweren Diebstahls zweier Treibriemen wurde der noch unbestrafte Johann T. von Vilbel zu vier Atonalen Gefängnis verurteilt.
Tie Berufung ber Staatsanwaltschaft gegen ein schösfengerichlliches Urteil, das den Schuhmacher Peter M. aus Köppern wegen Beleidigung und Bedrohung ran Eisenbahnbeam- ten und Uebcrtrctung der Eisenbahnl-auordnung verurteilt halte, Ivar insofern von Erfolg, als M. wegen zweier Beleidigungen — nicht, wie das . Schöffengericht annahm, einer Beleidigung — schul- * big erkannt wurde Bei den Geldstrafen erfüer Instanz behielt es sein Bewenden.
Vier bereits wegen Eigentumsdelikten vorbestrafte iugcnMufa Personei. :«tten in der Nacht zum 29. April 1920 versucht, in einen Zigarrenladen zu Bad-Nauheim einzubrechen, iumreit aber dabei überrascht ioorien. <traten voiri je 4 Monaten Gefängnis lvnrde.t ertnnut.
Ter Landwirt Willtelm M von Stockheim batte zivei Mili.ärlebensmtttellvagen der Bürger- meiiierci nicht angemel.et und war deshalb auch bereit, die von der Staatsawvaltscktaft in der Sckwf- fengerichlsv7rhan.-lung kantrag.e Geldstrafe wegen Nichtanmel.ung von Heeresg.it anzunehmen; doch sprach ihn das Schöffengericht Ortenberg frei. Ties hatte Berufung der Staatsanwaltschaft und Verurteilung zu 20 Mk. sowie zu den Kvsten beider Jnstan^n zur Folge.
Aus dem Amtsverküudigungsblatt.
** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 102 Dom 22. Juli enthält: Vorauszahlungen auf das Reichsnatöpfer. — Abgabe van Spaten usw. — Gummiab ätze für beinamputierte Kriegsbeschädigte. — Kreisabdeckerei Verzeichnisse. — Höckfftpreise für Rind- und Kalbfleisch, — Reichs- getreideardnung für die Ernte 1920. — Verordnung über Rohtabak.
D i e Materialverwaltung Darm- ftabt hat aus Heeresbeständen noch eine größere Anzahl Spaten abzugeben, und zwar größere Spaten von Stiellinge 64 Zentimeter, soivie die fogenannten kleinen Jnfanteriespaten, Stiellänge, zirba 35 Zentimeter. Tie Spaten eignen sich bo- sonders für oen Betrieb von Klein-, öd$nt» und Kindergärten, sowie für Sieolungsgenossenschäften, städtische Arbeitskolvnnen und ähnliches. Der Preis für die größeren Spaten ist 5 Mk., der der kleineren 4,50 Mk. mit Futteral, ahne 3 Mk Außerdem ist die Materialienverwaltung Darmstadt bereit, b.n Siedlungs- und Baugenofsenschaften. Munitionskörbe, geeignet zur Verwendung von Lehmbauten, Ofenrohre, Oesen, Leituugswaht für elektrisch.'s Licht, Staclnldraht, LagerpfMe (eiserne und hölzerne) und ähnliches abzugeben. Diese Gegenstände sind im Stadthaus Darmstadt, Zimmer 23, vormittags zwischen 9 und 12 Uhr bei Herrn Brambach anzusehen. Bestellungen sind bis spätestens 1. August an genannte Stelle auszugeben.
D ie Eigentümer gefallenen oder getöteten Viehes 'haben ohne jeden Verzug nach dem Verenden ober nach vollzogener Tötung loder Ausschlachtung bei der Polizeibehörde des Ortes, innerhalb dessen Gemartlmg sich der Klabaver bzw. die zu beseitigenden Telle eines solchen befinden, entsprcchcn-x Anzeige zu machen.
Unter ?lufhebung 6er bisherigen Höchstpreise wird für die Landgemeinden teo Kreises Gießen folgende Höchstpreise für friidjed Fleisch festgesetzt : Rindfleisch das Pfund zu 8,60 Mk., Kalbfleisch das Pfund zu 8,20 Mk.
Auch für das Ernte) ahr 1920 wird für jeden landwirtschaftlichen Betrieb des Kreises eine Wirtschaftskarte vom Kommunalverband in Gießen gefühn. Auf der Wirtschaftskart- muß der Name des Müllers enthalten sein, bei sent der Selbstversorger sein Getreide mahle« oder schroten läßt. Ten Müller kann sich jeder SclbluWi'orgec wählen, er ist aber an die einmal getroffene Wohl für das ganze Wirtschaftsjahr gebunden. Ein Wechsel des Müllers ist nur mit vorheriger Genehmigung zulässig. lieber die den Selbstversorgern auszustellenden Mahl- und Schvitkarten bleiben im «allgemeinen die vorjährigen Bestimmungen in Kraft. Nähere Ausführungsverordnung über das Ausm-ahlen des Getreides der Selbswersorger wird in Kürze erlassen werden. Die crforoerlidien. Mahl- und Sdjrotfarten nebst Anhängezetteln sind bis zum 25. dieses Monats beim Kreisamt anzuforvE. Tie Selbswers irguna 'bat bei sämtlichen Selbstversorgern mit dem 16. August l. Js. zu beginnen. Es darf also kein Selbstv-rforger bei der Metzl- anforderung für die ersten Monate des neuen Erntejahres als versorgungsb.wechtigt angegeben werde». Sofern einzelnen Selbstversorgern infolge später Ernte neues Getreide bei Beginn des Erntejcchves nicht zur Verfügung stech, faim den B-Krefsenben von den Gemeinden leihweise eine beschränkte Mehlmenge zugetellt werden, die dann so bald wie möglich zurückzugeben ist. Die hierfür erforderlichen Mengen Mehl können, den Gemeinden aus Antrag durch den Kommunoloerband, soweit die vorhan- benen Bestände dafür ausreichen, unter Anrechnung auf den nächstmonatlichen Bedarfsanteil überwiesen werden.
Volke. Was hatte er mit den Franzosen zu schaffen? Sein Vater und sein Onkel, die hattet: die Namen verdient, ja! Für die war es ein Ehrenname gewesen, Aber er? Er hatte mit den Rothosen niclüs zu schaffen. Er haßte sie, haßte sie bis aufs Blut, diese welschen Kanaillen, die ihm seine beiden Buben zusammengrschossen hatten . . .
O, das hatte weh getan damals! Und es tat heute noch weh, wenn es auch schon lang her war; lang, lang.
Damals war das Peterle noch nicht einnral auf der Welt gewesen unb jetzt war er schon ein großer, stämmiger Bursch. . . Wie das ßetet vergeht! mußte er denken. Und was hatte er nicht alles durchmachen müssen! Und jetzt drängten sie auch noch, sein Land zu verschleudern, Feld und Wiesen zu verschachern, damit der Kerl da oben einen bequem en Fahrweß kriege! Aber so hatte er nicht gewettet! Er ließ es darauf anfommen, roeim er auch keine Bub.n mehr hatte . . . Glaubten die, er ließ den Peterle im Stich?
O diese welschen Schufte und die Bande da drüben im Dorf. ,
Er schlug mit derber Hand auf den Tisch, daß der kleine Pinscher erschreckt darunter hervor- fuhr.
(Fortsetzung folgt)
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en, V. Oeffen
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Nachdruck verboten.)
Fortsetzung 9.
Der Klostermüller.
Eine Erzählung von Karl Neurath.
Aufs neue erwachte fein Haß wider den Staat, imd oft erwog er den Gedanken, ob er picht alles erkaufen und nach Amerika auswandern solle, wie iio mancher andere. Ein viel schöneres Leben sei das da drüben als hier. Da mifd)e sich nicht teilänbig ein Beamter in die eigensten Angelegenheiten der anderen, da stelle man nicht beständig uifiter Aufsicht wie böse Schulkinder . . . jeder sei fern unumschränkter Herr . . . niemand Rechen- iifiaft schuldig . . . und das Leben sei so billig.
Das alles hörte der Müller mit Genugtuung, aber er konnte sich doch nicht zum Auswandern ^schließen, konnte seine Mühle nicht verlassen, 'it bet sclwn Vater unb Batersvater gehaust und levirkt hatten.
Und war es nicht ein schönes, herrlich.'s Land, [eine Heimat, sein Rheinhessen? Sollte er in fremder Erde begraben sein wie feine Buben?
Und er tat wieder feine Arbeit wie sonst und tanb wieder fest auf seinem Grund.
Still unb eintönig vergingen die Jahre, eins rit das andere; ohne besondere Sorgen, ohne befördere Freuden. Unten ganz dicht am Rhein, ' ivo der alte schöne Weidenwald begann und fich l'turtbenfang stromab del-nte, wuchs jetzt der masfige
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Punkt 8: Ter Betriebsvoranschlag rr elektrischen Ueberlandanloge für
I ^20 wurde in Einnahme unb Ausgabe mit Mark L50 000 einstimmig angenommen.
Punkt 9. TerAntragdesProvinzial-- » sschusses auf Ole Währung eines Teuerungs- michlags von 50 Prozent zu den am 1. November 1919 für die Mitglieder des Provinzialtags und ^wvinzill lusfckm'es festgesetzten Tagegeldern unb In'bernachtungsgebühren wuä>e rückwirkend vom 1 April 1920 an genehmigt.
Punkt 10- Bericht über die Elektri- !^Essorgung der Provinz. Provttt- f>ollvat Wolf berichtete über den Stand des Aus- Es der elektrischen Ueberlondanlage der Provinz. oimirfFommenb auf den Beschlu ßbes Provinzial-- vow ^8. Februar lft>. Js., wonach nur solche UemeintK n an btc Ueberl andanlage an geschlossen wwden tollten, btc sich verpslicheten, bie lieber- iQerungslvften zu übernehmen, stellte er fest, daß
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0 siege, VIII. Soziale Fürsorge die nach gÄvünschten Aufklärungen. Für bie Kreisstraßen sind in Ausgabe 4 096 132,lo Mk. vorgesehen, zu beit Kosten der Provinzialsiechenanstllt, bie Mark 1 034 675,36 betragen, muß bie Provinz einen Zu- ichuß von Mark 535 303,— leisten. Dis Pflegegcld ne ber Siechenanstalt routce vom 1. Juli 1920 an rür Pfleglinge von Anncnverbänden und ber Plock- ichen Stiftimg sowie für bie Selbstzahler der dritten Älasse auf Mark 5,50 unb für die Selbstzähler der ,weiten Klasse auf Mark 6,50 täglich festgesetzt. Die b'inheitsUost ist eingeführt worden. Der bisherige Verwalter, Herr Heinrich Lerch, wurde auf sein 'ldcchsuchen mit Rücksicht auf seinen Gesundheits-- slistand mit Wirkung vom 1. Juli 1920 an in . ten Rühe st and versetzt, wobei Vorbehalten wurde, ihn bei geeigneter Gelegeüheit wieder zu einer hinen Fähig leiten entsprechenoen Tättgkeit zu Der-» i enden. Turch Provinzial Umlagen sind zu decken ' J.'tart 4 860 000. Nach beendeter Beratung wurde ber Voranschlag in Einnahme und Ausgabe mit OZxrrf 5 717 445,41 gegen eine Stimme genehmigt.
Punkt 4: Rechnung unb Verwal-- omgsbericht des P rovin zi a l wa sse r- Hlverks Inheiden für 1918 wurden ^hne Iussprack)e genehmigt.
Punkt 5: Voranschlag des Provin- oalwasserwerks Inheiden für 1920. I-er Vorsitzende berichtete, baß gegen bie Stadt Frankfurt über die Höhe des von ihr zu zahlenden Äasserprcises ein Rechtsstteit anhängig sei. Ein- ahmen und Ausgaben wurven unverändert mit ütarf 2 471012,— „für den Betrieb" unb Mark 798 774,48 „für das Vermögen" einstimmig angenommen.
Punkt O: Die Rechn ung und der Vcr- ivaltu itg 5bericht der elektris chen tLlleberlandanlage für 1918 wurden ohne Debatte genehmigt.
Ptlnkt 7: Die Rechnung der elektri- tf>en UeberLa nbanlage (Bau) für die ■ 3 tit Dom 1. Oktober 1911 bis 30. Juni 1 S1 8 und ber varhandene Ausstand von 600 Mk. niirben genehmigt.
Lrdcntlichc Sitzung des Proviuzialtags der Provinz Oberhessen
vom 12. Juli 1920.
Ter Vorsitzende eröffnete um 10i/2 Uhr -vormittags die Sitzung uni begrüßte bie Er- tf'iciieu.n. Es waren '.iiwesend 31 Mitgliei.>er bes 8'krovinzialtags, liec Mitglieder unb ein Ersatz- nitglico es Pravinzialausschusses. Als Urkunds- .qjnen mutxn oie Herren Eell ariuS (Sd»t* t«n) unb Bür geringster Die bl (Dock-Hst bc
teilt uiti> Pv Aniiiialiefcerär Schüller 1:1 a n n als Proto^lluurer t:_. ,u .aj rerpflicht't.
«rv 7 . r i 1V e 11 be ge.- '.chte mit ehrenden I ^Zartt' ■?'*’ r:? 1J. Juni 1920 verstorbenen frü- i4rei; illoireltors Herrn Gel)eimerat Tr. lBreidert. Tie Anwesenben erhoben sich zur (S.riing ces Verstorbnen von ihren Sitzen. Nach .eschäftSardnungsmäßigen Mitteilmrgen wurde in r t-ie Tagesor.nung eilige treten.
Punkt 1 : Rechn ung dec Provinziallasse und Berwaltungsbericht des I.Zrovinzialausschusses f ü r ,1 9 1 8. Tie jedmmg, bie mit einem Ueberschuß von Mark 146 641,94 abschl eßt, sowie der Verwoltungsberichi ourbeii genehmigt.
Punkt 2: Antrag des Provinzial- lUsfchusses betreffend die Dienst- e z ü g e ber Beamten und Ange stellt en. (stach einer längeren Aussprache, 1 »ährend ter eine jeitlang die Oe sf ent lichte it ausgeschlos'en war, wurde der d jrgelegte Antrag mit der beigebenqn <)esoldunAsordnung unter dem Vorbehalt genehmigt, baß eine Nachprüfung im Laufe des Jahres . orzunelwien unb daß bis spätestens zum nächsten .ibenttidKn Provinzial tag Vorlage über die endgültige Regelung der Gehaltsverhälttiisse der Be- imtcn und Angestellten sowie der Rul,egdhalts- i>yüge mit rückwirkender Kraft vom 1. April 1920 an, zu machen sei.
Punft 3: Voranschlag der Provin- iialkasse für 1920 Rj. Ter Vorsitzende trug den Voranschlag rubrikenweise vor unb1 gab iiu den einzelnen Rubriken, insbesondere zu III. Lllgemeine Verwaltung, IV. Kreis-
man zunächst Ermitlelungen Darüber habe anstellen müssen, welche Gemeinden be.eit seien, diese B.- twgung zu erfüllen. Es hätten sich im Kreise Gießen zwei Gemeinden, im Kreise Alwin gen 20, im Kreise Schotten 13, und je eine im Kreise Friedberg und Alsfeld gemeldet, die im Lause dieses Jahres Elektrizität erhalten würden. Die Me.r- kosten für die Fernleitungen würden in der Weise verteilt, daß sie innerhalb eines bestimmten Bezirks und einer bestimmten Bauperiode aus d'e beteiligten (V>emcinbcn nach einem noch festzuie en.en Maßstab ausge'chlagen würden. Vielfacha; ich Wroer- stand gegen :ic Uebemaljme der Ucbeuv.uerung geltend gemacht, besonders im Kreis Alsfeld. Tort seien einzelne Gemeinden zur Selbstversirgwig geschritten, andere hätten sich zusammengefchlassetl zu einem gemeinsamen Bezug aus den anarenzen en preußischen Kreisen. Einnlne an ter PeJpherne d s Kreises Alsfeld gelegene Gemeinten könnten wohl, so lange der Ausbau der Fernleitungsanlagen der Provinz nicht so weit vorgeschritb.n sei, aus der durch t-en Kreis Kirchil>ain [auf.nben B-ersor7ungs- anlage gesp.ist werden. Dieserhalb seien Verharid- lungen eing-eleitet. Doch werte ausdrücilich vor einer Auffassung gewarnt, daß eine Gemein e sich beim Anschluß an Preuß n irgendwie bei er steilen tonne als bei der Provinz. Besprecktungen iV.ec diesen Punkt hätten gerade dos Gegenteil erwiesen. Tie Art der Kostenverteilung in den angrenzenden preußischen Bezirken, ivonach der ^ammunal- verband bie Kosten der Fernleitungen, die Gemeinde biejenigen des Ortsnetzes mit Tvonsformakne-u- ftation übernähme, brächte der Gemein.e den Vorteil, daß sie für bie aufgewendeten Kosten einen Gegenwert in bie Hand bekäme. Als Eigentümerin des Ortsnetz.s könnten sie ber Provinz gegenüber als Großabnehmer von Ew.rgie auftreten und se b- ständig den Preis innerhalb des G^meindebezirks bestimmen. Es sei jedoch nicht zu verkennen, daß bie Unterhaltung eines Ortsnetzes mit allem Zubehör mit recht erheblichen Kasten für die Gemeinde verknüpft fei. Für die Provinz brächte dieses Ver- fähren den Nachteil, daß bie Provinz mit weit stärkeren Kosten belastet würde als vorgesehen, und daß die Einheittichkeit der Preise, wie sie seither in ber Provinz bestanden, aufgehoben würde. Es sei in dem kurzen Zeitraum seit dem letzten Provinzialtag nicht möglich geioefen, die eilte Methode der Kostenaufbringung >auszuprobieren unb gleick>zeitig eine neue bis in ihre Endwirkungen hinein auszuarbeiten. Anscheinend hätten bie Gemeinden den Umstand nicht genügend gewürdigt, baß die Provinz Rückerstattungen der von ihnen aufgewanbten Ueberteuerungskosten vornimmt, die für das Rechnungsjahr 1920 vorläufig in Höhe von 600 000 Mark = 12 Prozent der Gesamteinnahmen in den Voranschlag eingestellt worden seien. Weigere sich jedoch gleichwohl der größere Teil dec Gemeinden, die Ueberteuerungskosten ganz auf^bringet, fo werde bie Provinz versuchen müssen, eine neue Methode ber Kostenaufbringung in Vorschlag zu bringen, um die Möglichkeit zu bieten, nicht nur den wohlhabenden, i'onbern auch den bedürftigen Gemeinden kn Anschluß zu erleichtern, selbstverständlich ohne diejenigen Gemeiw'en, die schon die ganze Ueberteuerung übernommen hätten, zu schädigen. Es müsse jedoch bann: feftgehalten werden, daß jede Gemeinde, bie heute Elektrizität haben wolle, unter allen Umständen Opfer bringen müsse.
An der Aussprache beteiligten «ich außer b’.m Vorsitzenden die Herren. Kvrell (Ang-m- rob), Ko rell (Eudorf), Dillernuth (Hainchen), Braun (Alsield', Selbmann (Lauterlach' unb Stein (Stumpertenrod). Der Vorsitzende teilte mit, daß die Provinz <ruch weiteristn bestrebt sei, den Ausbau ber Ueberlondanlage in den noch unversorgten Teilen ber Provinz, insbeson. >ere in den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Sd)otten (nördlicher Teil) so rasch wie möglich zu fördern. Es fei geplant, demnächst in den Kreisen Alsfeld, Lauterbach unb Schotten unter Führung der Kveis- ämter, Bürgermeister- und Interessentenversammlungen stattfinden zu lassen. In diesen Versammlungen tönnte man doch die Ansichten ber Ge- meinbebertreter besser hören, unb bie Pvovrnzial- verwalttlng könnte aus klärender wirken. Es sei selbstverständlich erwünscht, daß in diesen Versammlungen auch bie in bat betreffenden Kreisen wohnenden Mitglieder des Provinzialtags und Prv- vinzialausschusses mitsprechen müßten. Diese Mit- teilung«des Vorsitzenoen wurde von der Versammlung begrüßt unb daran die Hoffnung g» Lnüp-ft, daß auf diese Art und Weise der Ausbau der lieberLanbanläge besser geföriert werden würde, da die Gemeinden, nach den Darlegungen des Mit- gliedes Braun (Alsstlo), doch viel lieber bei ber Provinz verbleiben würden, um mit erträglichen Energiepreisen rechnen zu können.
Der Provinzial tag beschloß, daß der Provinzialausschuß für die VerHallungen, insoweit sie den Ausbau ber elektrischen Ueberlanb- fmlagen in den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Schotteit betreffen, durch folgerebe Herren ergänzt werden solle: Oekvnomierat Korell (Angenrod', Bürgermeister Stöpler (Lauterbach, Bürgermeister Jost (Bermutshain) und Landwirt Friedrich Wilhelm Stein (Stumpertenrab).
Nachdem die Tagesardnung erschöpft war, schloß der Vorsitzende um 4V1 Uhr nachmittags die Sitzung.
Bau einer Zementfabrik langsam über bie Baum- wipfel, und mit Weh und mit Wut sah ber Müller den Tag kommen, wo sie ihm die Aussicht auf den Strom unb die Taunusberge mit ihren kahlen Backsteinwänden zugebaut hätten.
Oft stand er und schaute hinüber und wünschte, daß ein Wetter oder ein Blitz hineingefahren märe und alles zusammengerisfen hätte . . . Und er schalt auf den Bürgermeister und auf die Ge- meinberäte, die das zugelassen hatten. Von dem Nutzen, den die (Semernbe aus bem Verkauf des Geländes und aus bem Betrieb der Fabrik zog, wollte er nichts hören; ihm war es vicl wichtiger, daß sich der Kalkstaub über seine Wiesen lagerte und alles mit einer garstigen grauen Öaut überzog. Auch andere besagten sich, und ber Besitzer, ber sich jetzt weit oben aus dem Wendclmsberg ein stattliches Schloß errichtete, traf Vorsichtsmaßregeln, aber sie nutzten nicht viel, und der Gewinn, den bie Gemeinde gemacht batte, wurde durch ben Schaden, ber bem einzelnen 5ugefügt wurde, reichlich aufgehoben.
Jeder war empört, und ein Gemeinderat schob bie Schuld an bem Verkauf auf ben anderen. Aber die Empörung legte sich halb, als ber Schloßherr Wald und Wiesen, Ackerland unb Gärten aufzukaufen begann unb weit über den Wert bezahlte.
Der Klostermüller aber schäumte. •
Da mochte sich einer bie Lunge aus bem


