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Nr. 119

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Erstes Blatt

170. Jahrgang

Samstag, 22. Mai 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

örnrf und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. Lange. Schristleitimg, Geschäftsstelle und Vruderei: Zchulstratze 7.

Annahme von Anzeiaen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigenv 34mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz- Vorschrift 20' c Auffchlag. fZauptschriftletter. Ang. Goetz. Verantwortlich für Politik: Ang. Goetz: für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz, für den Anzeigenteil: Sy De<k, sämtlich in Gießen.

Pfingsten.

Schneller, als man es in den tohlenlvsen Tagen eines düsteren Winters herbeisehnen konnte, ist es Frühling geworden. Die Natur entfaltete sich mit so übermächtiger Gewalt, daß die erste Blütezeit bereits vorüber ist und die Gärten ein neues Frühlingskleid angelegt haben, nickt so kindhaft wie indem vorherrschen-- den Weitz der Obstblüte, aber bunter und maw nigfaltiger in seinen fast sommerlichen Far­ben. Das prunkende Rot ist vorherrschend ge­worden und setzt sich aus tausend kleinen Röschen zu den flammenden Kuppeln des Rot­dorns zusammen, neben dem in häufiger Zu­sammenstellung der Goldregen sein Kettenge- schmcidc an dünnen Zweigen aufgehängt hat.

Möge das blühende Bild der Natur, wie es unseren Träumen vorausgeeilt ist, ein Symbol des Geistesfrühlings werden, dessen die verödete Welt so dringend bedarf. Nur aus neuem Geiste kann neues Leben entstehen, nicht aus der äußerlichen Umwandlung des Bestehenden durch übereilte Gesetze und halbe Matznahmen, die nur den Erfordernissen der Stunde gerecht werden sollen. Dieser Geist müßte vor allem den rohen Materralisnnrs überwinden, der unserem heutigen Leben sein bestimmendes Gepräge gibt. Es ist dem Men­schen nicht zu verargen, daß er in den Zeiten allgemeiner Not zunächst an die Notdurft des täglichen Lebens denkt, an sein Essen und Trinken, an die Möglichkeit, wie er die näch­sten Ansprüche seiner Lebenshaltung mit der steigenden Teuerung in Einklang bringen kann Aber diesem Zwang darf nicht ein Ma­terialismus cntnratfjfen, der die Sorge um die leiblichen Bedürfnisse nur durch die Sucht nach sinnloser Zerstreuung und abgeschmack­tem Vergnügen zu betäuben sucht: der nicht mehr über den Tag und die eigene Person hinaus an die Ziele von morgen und über­morgen, an das Wohl des Ganzen zu denken vermag. Fichte Hot einst in der schwersten Zeit dec deutschen Nation zugerusen:Es gibt nur eine Tugend, sich selbst als Person zu vergessen, und nur ein Laster, nur an sich selbst zu denken." Das abschreckende Beispiel der Menschen, die nur an sich selbst denken, steht allzu deutlich in der Person der Wuche­rer und Scl)ieber vor uns. Im Keim ist aber die Selbstsucht in jedem Menschen enthalten und die Zeiten waren dazu angetan, sie groß werden zu lassen. Heute gilt es, ihr entgegen ru treten durch einen tätigen Geist, einen Psingstgeist,' der wie das Brausen eines ge­waltigen Sturmes die Herzen ergreift: den Geist der Arbeit. Denn nur dieser Geist kann uns hinausführen aus dem wirtschaftlichen Chaos, in das wir geraten sind: nur er kann aus unserem politischen Chaos den nationalen Aufbau wieder ermöglichen.

Zu einer anderen Zeit deutschen Zusam­menbruches, im Jahre 1806, schrieb S ch l e i e r m a ch e r :Ich fürchte nichts, als nur bisweilen einen schmählichen Frieden, der einen Schein und nur einen Schein von Nationalexistenz und Freiheit übrig läßt. Aber auch darüber bin ich ruhig, denn roenn sich die Nation diesen gefallen läßt, so ist fie zu dem Besseren noch nicht reif, und die här­teren Züchtigungen, unter denen sie reifen soll, werden bann nicht lange ausbleiben." Sie sind nicht ausgcblieben, diese Züchtigtm- gen, aber die Zeichen, daß die deutsche Nation zum Besseren zu reifen beginnt, mehren sich. Ein Geist der Selbstbesinnung wird langsam wach, daß wir unser Heil in uns selbst, und nicht in der problematischen Hilfe frember Nationen suchen sollen. Das Ehrgefühl er­starkt, nicht mehr Betteln zu gehen, sondern selbst zu arbeiten; das Gefühl der nationalen Würde, mit dem man einzig und allein dem Feinde Achtung abzwingen kann.

Der Geist nationaler Weltvcrsöhnung und Weltverbrüderung kann nicht einseitig von uns aus verwirklicht werden. Dieses schöne Wahnbild ist durch den Gewaltfrieden von Versailles zu gestaltlosen Zukunftsnebeln zer- blasen inorben. Bon welch anderem Geiste die Zwangsvollstrecker dieses Friedens-Vertra- ges", der nur ein Diktat war, beseelt^ sind, beweist die s ch w a r z e S ch m a ch, die Frank­reich dem besetzten Gebiete anzutun wagt, und die gerade uns Hessen umsomehr empören muß, als in M a i n z und Worms noch zwei Regimenter von schwarzen Senegalesen lie­gen.Für deutsche Frauen und Kinder Mädchen wie Knaben! sind diese Wilden eine schauerliche Gefahr, hieß es in der Jnter- nellatioti, die im Reichstag bei allen Par­teien, mit Ausnahme der Unabhängigen, un­eingeschränkte Empörung hervorrief.

Diesen Geist der Unversöhnlichkeit hat Frankreich auch zu den Vorbesprechungen zu Spaa mitgebracht. Die französische Finanz­lage ist schlecht und verschlechtert sich von Doch« zu Wocke. Frankreich hat ein dringen­des Kreditbeourfnis, das e£ bisher nicht ooer doch höchstens in völlig unzureichender Weise

befriebigen konnte. Es möchte nun um jeden Preis den Wechsel Deutschlands, beti ihm der Versailler Vertrag zugesprvchen hat, diskon­tieren lassen, um für die Sanierung und den Wiederaufbau seiner eigenen Wirtschaft Mittel zu gewinnen. Daher das Drängen nach einer Festsetzung der deutschen Entschä­digungsleistungen und nad) irgendeiner Ga­rantie dieser deutschen Zahlungen durch die reichen" Ententemächte Die Garantie ist für die Franzosen eigentlich das Ausschlag- gebente; berat ohne sie können sie oen Wechsel nicht diskontieren lassen. Anderer­seits besteht bei den übrigen Alliierten offen­bar wenig Neigung, jene Garantie zu über­nehmen; man beginnt sich nämlich klar dar­über zu werden, daß Forderungen, wie sie Frankreich stellt, von Deutschland auch unter den günstigsten Voraussetzungen überhaupt nicht erfüllt werden können. Deshalb hat zu­nächst offenbar ein Kampf um die Gesamt­summe und um die Jahresraten eingesetzt, die die Franzosen außerordentlich hoch, die Engländer und die Italiener sehr viel nie» driger ansetzen möchten. Wir werden den Alltierten zu zeigen haben, daß an deutsche Zahlungsfähigkeit überhaupt nicht zu denken ist, sondern daß der Zusammenbruch Deutsch­lands unb mit ihm der Ruin Europas heran- naht, wenn jetzt nicht endlich vor allem an­dern nut) insbesondere vor allen weiteren Verpflichtungshäufungen die dringenden Be­dürfnisse des wirtschaftlichen Wiederaufbaus Deutschlands befriedigt werden. Ehe wir zahlen können, muß der Hungersnot ein Ende gemacht fein. Ehe wir zahlen können, muß uns der Bezug von soviel Rohstoffen ge­sichert sein, daß wir imstande sind, unsere Arbeitskraft und unsere Leistungsfähigkeit voll zu entfalten.

In Anbetracht der Reichstagswah­len ist der Zeitpunkt der Konferenz von Spaa verschoben worden. Mitte Mai hatten die Entente-Staatsmänner mit Vertretern einer deutschen Regierrarg verhandeln müssen, die nur noch eine Lebensdauer von wenigen' Wochen vor sich sah. In einer französischen Zeitung ist freilich gelegentlich ausgeführt worden, daß dies kein unbebingter Nachteil wäre; die vor dem Ende ihres Daseins stehende deutsche Regierung würde sich nach­giebig zeigen unb den Alliierten in jeder Weise entgegenkommen, während von dem nach den Wahlen neu gebildeten ftabinett eine störrischere Haltung, eine weit geringere Bereitschaft zu Leistungen und Opfern zu er­warten sei. Wir halten diese Einschätzung der gegenwärtigen und der künftigen deutschen Regierung seitens eines französischen Organs für außerordentlich lehrreich unb möästen den deutschen Wählern empfehlen, ehe sie ihre Stimme abgeben, recht gründlich über dies charakteristische gegnerische Urteil nachzu- denken. Da ziemlich bestimmt zu erwarten ist, daß aus den Wahlen ein anders gruppier­tes Parlament hervorgehen wird, kann die heutige Regierung nur als Geschäftsministe­rium betrachtet werden, das langsichtige und schicksalsschwere Entsck>eibungen feinen Nach­folgern Überlassen muß. In seinen letzten Amtstagen erwuchsen ihr noch Schwierig­keiten auS einer Zufallsabstimmung über bte Aufhebung deS Belagerungszustandes, die den bisherigen Koalitronsparteien sehr un­erwünscht kommen; berat so würbe kurz vor der Wahl nach dem Eingeständnis der Frankfurter Zeitung" erwiesen, daß die Mehrheitssozialisten agitatorischen Bedürf­nissen unb Einflüssen von ber benachbarten Konkurrenz leichter unterliegen, weil sie weniger Regierungssäbigkett unb Regie­rungsstetigkeit haben. In diesen beiden Män­geln liegt aber die Gefahr der ganzen bis- rjerigen Koalition, da die Mehrheitssozia­listen die Entschlüsse der beiden andern Mehr­heitsparteien beftimmenb beeinflußten.

Wenn wir also jetzt in den Wahlkampf hineingehen und am Tage ber Abstimmung unseren Stimmzettel in die Urne legen, so müssen wir uns fragen, ob wir von deutschem Pftngstgeiste beseelt sinh; ob wir mit unserem Votum das Wohl des Ganzen im Auge haben und dazu beitragen wollen, daß die Nation im Änne Schleiermachers wieder reif wird.

vonar Law über Spaa.

London, 21. Mai. ^MTB.) Im Unter» Hanse erklärte Bonar Law, daß die alliierten Regierungen mit den Vertretern der deutschen Regierung eine Begegnung haben werben, unb daß in Zukunft fein Notenwechsel mehr ftattfinben solle. Tie Regierungen beschicken die Konferenz von Spaa mit der klaren Absicht, den Friedensvertrag. durchzufübren. Diese 9R et tobe der offenen Tiskuvumen rcerbe die '2Hiterien m* spornen, vernunftgemäße Bedingungen zu stellen. Sicherlich habe man beim Abschlüsse des Waffen- stillstandes die Wahrscheinlichkeit der Wiedergut- madjungen über schritten. Jetzt scheine man

Die Unruhen in Irland.

London, 20. Mai (Wolff.) Im Anschluß an ehren Angriff ber Sinn feiner auf die Eisenbahnstation tarn es in Limericks Schieße­reien. Eine Abteilung Militär unb Polizei wurde mit Revolverschüssen angegriffen: ein Polizei- serga.il wurde g lötet. Militär unb Polizei pa­trouillierten nachts in starken Abeeilunarm durch die Stadt. Wegen der feindseligen Haltung der Bevölkerung wurde das Feuer eröffnet, an Zivilist wurde getötet, mehrere wurven verwundet. Ferner wurden Bomben durch die Fenster zweier Kauf­läden geworfen. Ein Feuer formte gelöscht werden.

London, 21 Mai Wolff.» Erne Drahtung ans Dublin betagt: Die englischen Hafenarbeiter toben drahtlich mtfgdeilt, baß sie sich weigern, nach Irland bestimmte Munition ju laden. Der irische Transpottarbeiterbund beschloß, Mu- liitionsvorräle bei ihrer Ankunft in Dublin nicht zu loschen. Die Ankunft zweier Schiffe mit Kriogv- material steht bevor ___

Amsterdam, 21. Mai. WTB.) Englischen Blättern zufolge erllärte Clynes im Unterhause, die Arbeiterpartei werde sich an der wei­teren Bearbeitung des Homerulegefeyes nicht mehr beteiligen, bi sie überzeugt sei, baß bis irische Problem auf der Grundlage ber gegenwärtigen Vorlage nicht gelöst werden könne.

yirm Gegenteil über zu gehen. Die englische 'Jb** flietung steht nicht auf dem Standpunkte, daß die Nationen, die an dem Kriege nicht oeranr wörtlich seien, den dadurch entstandenen Schaden tragen sollen. Aber man werde nidxt die Absicht verfolgen, von Deutschland die Bezahlung einer Summe zu verlange, bte es nicht aufbrtil­gen könne.

Am sterbam, 21. Mai. (Wolff.) LautTe- legruos" erklärte Bonar Law in feiner Rede über die bevorsteh nto Konferenz in Spaa:

Sowohl bte französische als auch die eng­lische Regierung legen den größten Wert auf die Entwaffnungsfrage, die in erster Linie in Spaa besprochen werden soll, mit brr ein erster Schritt in der Richtung auf den allgemeinen Frie­den getan würde. Was die PriorilätSfrage beider Wiedergutmachung betreffe, so meine die englische Regierung, daß es bei aller Rücksicht­nahme auf Frankreich nickt billig gegenüber der britischen Nation und besonders gegenüber den Dominions fei, die so viele Opf.r gebracht Hütten, daß einer der Alliierten den Vorrang ertolten solle. Tie Besprechungen in Spaa würden einen Markstein auf dem Wege zu normalen Beziehiutgen mit den vormaligen Feinden bedeuten. In Spaa solle ein offenherziger Gedankenaus- tausch ftattfinben, und wemi die deutsche Regie­rung dorthin mit der aufridjtigen Absicht kommt, den Friedensverlrag auszufüh-ren, so wird die Kon­ferenz gute Früchte tragen. Unmittelbar nach dem Waffenstillstand ist Unmögliches von Deutschland verlangt worden, aber die Stimmung schlägt jetzt in tos andere Extrem um. Tie englische Regie­rung wi>d niemals damit einverstanden sein, daß die tiä-ttor, lenen der Krieg aufgeynmgen imirto, finanziell schlechter to(beton als die Anstifter."

lieber Polen sagte Bonar Law, die englische Regierung habe dieses Land in keiner Weise zum Kriege angestiftet, vielmehr habe Lloyd George im Saituar dem polnischen Minister des Aenßern London erklärt, die britische Regierung Fönnc bie polnische unmöglich zu einem Krieg ermutigen. Die Bolsckcnristen batten die Polen deutlich genug ter ausqefvrdert und bedroht. Er erinnere an eine Bot­schaft Trvtzkijs, in der es lneß: Wemi nrir mit Denikin abgerechnet haben, werden wir uns mit Kühgen Reserven auf die polnische Front werfen.

ar Law erllärte zum Schluß, die Regierung stehe dem Völkerbund keineswegs kühl gegen­über; er wünsche nichts mehr als den Bund so schnell wie möglich in Wirksamkeit treten zu sehen.

Amsterdam, 21. Mai. (Wolff.) Vor Bonar Law hielt im englischen Unterhause Lord Ro­bert Cecil eine Rede, welche großen Eindruck machte. Er sagte, in den auswärtigen Angelegen­heiten sei ein sehr kritischer Augenblick eingetreten. Der Völkerbund bezwecke die Sich rung und Erhaltung des Friedens. Warum sei seine Ver­mittelung in ber polnischen Angelegen­heit nicht angerufen worden? Er, Cecil, habe fein bestes getan, die Regierung dazu zu ver­anlassen, daß sie die Intervention des Völker­bundes an rufe, um den Krieg zwischen Polen und Rußland zu vermeiden. Cecil fuhr fort: Es gehen Gerüchte, daß auch Finnland unb R u m ä » nien beabsichtigen, ton Krieg gegen das bolsche­wistische Rußland wieder auizunebmen. TaS muß vermieden werden. Das Eingreifen des Völker - bundes kamt immer noch den Krieg zwischen Rußland mW Polen an halten.

Vom Botfchastertat.

Parts, 21. Mai. (WTB.) Der Botschafter­rat hielt heute vormittag im Beisein tos Mar- scktalls Foch eine Sitzung ab. Er beschäftigte sich mit der Volksabstimmung in den Bezirken von A l l e n st e i n und Marienwerder unb prüfte die Frage der Verstärkung der Polizei» fräfte in diesen Bezirken Der Bvtschafterrat stellte alsdann die Antworten fest, bie der deutschen und der polnischen Regierung übet bie Volksab­stimmung gegeben werden sollen Die Abstim­mung soll nad) demTemps" etwas über den bisher vorgesehenen Termin hinausgeschoben wer­den. Ter Botschafterrat billigte fobann tos pro- visorisdzc Abkommen, das am 23. April zwischen der polnischen unb der deutschen Regierung in be­tteff der Eisenbahnen und ber Zolle geschloffen wurde. Dieses provisorische Abkommen (oll später durch ein definitives ersetzt werden. Tie Frage der Schulden der aus Danzig unb Memel stammenden Deutschen ist der wirtschaftlichen Kommission über­wiesen worden.

Ltreikregelung in Frankreich.

Paris, 21. Mai. (Wolfs.) Der Abgeordnete Fleurv-Ravann hat in ber Hammer einen Gesetz­entwurf eingebracht, der ton Streik regeln soll, in Zukunst tollen Streiks nur dann erlaubt sein, wenn alte interessierter Arbüter, selbst die nickt gewerksdiaftlich organisierten, sich in einer Gc- hcimabstimmung mit absoluter Mehrl)ett für ton Ausstand erklärt haben. Alle acht Tage hätte eine nut den gleichen Vorsichtsmaßregeln vorgenom- ment Absti m m u n g ftattzufinben, ob der Streik fortgesetzt ober abgebrochen werden solle.

Paris, 21. Mai. (WTB > Tie Kammer hat tos Vorgtchen des Ministeriums Mille- ranb roäbrenb des Streiks gebilligt unb ihm mit 526 gegen 90 Stimmen ihr Vertrauen aus- gesprochen Tie Sitzung würbe gegen 10 Ufor abends aufgetoben.

Part s. 21 Mai. (Wolff.) Die Derhanblun- gen des Nationalrates des Allgemeinen Arbeiter- Verbandes (C. G. T.) über den Streik sind auä gefient nicht zu Ende geführt worbet. Nach den Blättern werden jedenfalls die E i s e n b a I; n r r den Streik sortsetzen. 3m übrigen aber dürste der Streik für beendigt erklärt werben.

Das neue italienische Kabinett

Rom, 22. Mai. (WTB.) Stefani. Das neue italienische Kabinett setzt sich solgenber- maßen zusammen: Miiiisterpräsitont und Innere Nitti, Aeußeves Scialoja, Kolonien Ruiiii, Schah,- minister Sckranzer, Finanzen de Nava, öffen Kirbe Arieten Peano, Landwirtschaft Mich'li, Fn.ustti-' Mbiata, Justiz Falcroni, >erieg Robiiw, Marin' Secchi, öffentlicher Unterricht Torre, Post Tara tote, Minister iür die befreiten Gebiete Lepe-Ma

Tic Autzfichten der Welt Weizenernte.

Amsterdam, 21 Mai. Wolfs.1 Englischen Müttern zufolge hat ber LebenSmitte lkon troll e:tr Mac Curbh in Itanbon vor ter Flerschhäno'.e- Vereinigung eine Reto gehalten, in ber er sich über .die '21 uofühlen der Welte r ntc in SBeiwi fehl besorgt äußerte Mac Eurbh sagte, im be- ixrrffdxitton (Äetreitojahr sei eine sehr wrintt- liche Vernrrnberrmg ter Emte in fJiwrbameritr Australien unb Argentrnren zu enixrrten Er iiitx gchört, daß die argentinifdx1 Regiermtg erwäge. es notwendig sei, jede Ausfuhr im nächsten Fabre zu untersagen. Der einzige Teil tor Welt, wo eS einen fleri.it gen Ueberfdmb ö'ton wird , seien bie rndischen TommionS von 6>rj!,bnt.mrtten Curdy sagte wettcr:Es ist möglich, daß in einigen Monaten bte Bevösteriuig (riig'.utto hrieber Kriegsbrot van einer Beschatte : lieft ef'en muß, bie ber wähvenb der sch.vierigsten .teil tos Mn.g?e entspricht." Er ermähnt, tos Publikum zur Spar- samleit beim Verbrauch ppn Mehl jmb Brot un2 bezeichnet als bas beste und augenblicklich billigst« Nahrungsmittel neuste.'midisches Hammelsleisch.

Aus dem Reiche.

Aushebung dcö AuSnahmezuftande».

Berlin, 21. Mai. (WTB.) Ter Reichs- präsibent tot die auf Grund des Artikel 48 er­lassenen Ausnahmevorschriften aufgeho­ben für fulgenbe Bezirte: Berlin, Brandenburg. Pommern unb die Reste ber frütomi Prvvinzcr Destpreußen und Posen, für Sckleswig->Dvls!ei'.i Haniwver, Liessen-Nassau sowie für ötc Rlxin- movinz außer dem Regierungsbezirk Düsscltori, ferner für Hessen, Mecklenburg, Bcamtsdxvcig, Ol­denburg, Anwalt, Waldeck, Lippe-TetnrcÜ), bürg Lippe unb die Hansestädte Im Freistaat Sachsen, in Dürttembecg, Baden und in Thüringen mit Ausnahme von Gotha bestehen Ausnahrniwir- kfyrifaen nicht, lieber Ostpreußen, Schlesien unb bie Provinz Sachsen wirb noch ein nätoter Bericht vor ber Entscheidung abgewartct. Tic Entscheidung soll rn den nächsten Tagen erfolgen.

Die Wahlen in Braunschweig.

Braunschweig, 21. Mai. (WTB.) Bei ber Wahl zum braunjchtvcigisck)cn Lanbtaa am 16. Mai würben noch amtlicher Feststel­lung insgesamt 230 727 gültige unb 343 un­gültige Stimmen abgegeben Es entfielen auf die Liste der fozioldemokratifchen Partei 34 228, bes Lanbeswohlverbandes (Bürger­liche ohne Demokraten) 86 057, ber Demokra- tischen Partei 21896, ber Ätammunisrischer Partei 2423 unb ber Unabhängigen soziab bemokratischen Partei 86 153 Stimmen. Die Sitze verteilen sich wie folgt: Unabhängig 23, Mehrheitssoziallsten 9, Sl'omiminiften keinen, Lanbeswahlverbmrb 23, Demokraten 5 Sitze.

Strafverfahren gegen Reichswrhroffiziere.

Berlin, 21. Mai. (WTB.) Dow Reichs­wehrministerium wirb geschrieben: Der Unter­suchungsausschuß im Wehrminisrerium hat weiter 59 Fälle erledigt, bie vom Reichswehrminister ent­schieden sind. Auf Dienstenthebung unb Ueberwei- fung der Akten an den Oberreichsccnwalt ist erfcmnl in den Fällen: Oberst Czettritz, Dberfüeutnajit Nothnagel Ltorstlemnant Gichr, Acajor Bomke, Hauptmann Hallmcister, Hauptmann Waas Leut­nant Schmidt, Leutnant Scheele, Leutnant Nettes- toim. Biz«idmiral von Trotha. Kapitän zur See Wossidlo, Kapitän zur See Fortsch.Komeradmiral von Lewetzow, Oberleutnant zur See Paul. In weiteren 25 Fällen ist unter Ueberweisung der Akten an den Oberreichsanwalt bie Beurlaubung ausgesprochen. Versetzt werden 6 Ofsiziere. ?sr 18 Fällen ist das Verfahren eingestell 71m ganzen finb 88 Fälle erledigt.