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Erstes Blatt

170. Jahrgang

Mittwoch, 21. Jamar 1920

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheflen

AwiMngrninddruü u. Verlag: vruhl'fche Univ.-Such- u. Steintrncferti H. lange. $<>rlftleihing, Sefchaftrstelle n. Druckerei: Schulftr. 7.

hHuainn« von Anzeigen s. dre Lagesuunnner vis zum Nachmittag vorder ohne ifbfikrbtnMidifeit Breis tfir 1 mm höh« für Anzeigen oL4 mm L^rerte örtlich 25 Bf, au-wärtS 80 B'.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm vre.te 90 Ps. Bei Plah- vorlchrili20*, .Aufschlag. Hauotschri'tleüer: Ang. (Bocn. Verantwortlich siir Polft k: Aug. Goey; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: Beck,

sämtlich in Gießen

Line Weser-Rhein-Main- Verbinöung.

Don Bruno Jacob.

Die unlängst von dem um den Ausbau des Mitteldcut chen Was erstmßennetzcs hochverdienten Senator J. W. Meyer, Hameln, der Oeffentlich- Mt übergebenen Anregungen, in Verbindung mit der Kanalisierung der Werra als eines Teiles des großen Wasserweges von der Nordsee zum Mittelmaine und der Donau die Fulda durch eine Reihe von Staustufen zu einer Aus- aleichstreppe für die vom Eteri« her kommenden Wailermassen zu benutzen und damit zugleich die Fulda bis Mssel unter Ausschaltung des bis­herigen Systemes von Nadelweliren durch Errich­tung einer einuien Staustuse bei Wilhelmshausen . 1000-To s Käl/ne und Per onendampfer ^nutz­bar zu macl-en, mußte den Blick nod) in anders Richtung lenken.

Der trübere Oberbürgermeister von Kassel, jetzige Reichsminister E. Koch, hatte schon wah­rend seiner Tätigkeit in Kassel den Versuch ge­macht, die Richtung des Weser-Main-Kanals über Kassel zu führen unter Umgehung der unteren Werra, d. h. die Fulda bis Bäwa benutzend und von dort aus die Wasserscheide von Hönebach Lurchtunnelnd, Kassel mit in die große mittel­deutsche Verkehrslinie cinzube-iehen. Die tech­nische Möglichkeit wäre an sich nicht aus­geschlossen gewesen, trotz des gewaltigen Höhen­unterschiedes von 37 Metern zwischen Werra und Fulda am Tunnelpunkte, aber an eine Rentabi­lität der hier in Frage kommenden Kanalstrecke wäre nie und nimmer zu denken, wie Herr Se­nator Meyer nach eingehender Prüfung sestgestellt.

Dagegen liegt es, unbeschadet dem Projekte des Werra-Monv-Kanals, völlig im Bereiche der -Möglichkeit, eine uralte Idee erneut aufzugreifen und damit eine Entlassung nicht nur der Main- Meser-Balm, der großen Nord-Südstrecke, durch Hessen herbeizuführen, sondern auch diese Idee auf einem Teile der Meyerschen Vorarbeiten auf­zubauen, und beide Projekte zu kombinieren. Es handelt sich dabei um die Erneuerung des im Jahre 1710 von Landgraf Carl von Hessen aus­gestellten Gedankens eines Weser- Rhein-Kanals, der ja auch in seinem nörd­lichsten Teile (zur Umgebung des Münden er Sta­pelrechts) begonnen wurde, aber dann liegen blieb.

Tie Idee von heute kann keine Einzelheiten des großen Gedankens zwar übernehmen, aber die Gesamtkonzeption muß auch uns heute wieder dienen.*) Tas Meyersche Projekt sieht in der Fulda bzw. Eder zunächst eine Stauanlage bei Hannöversch-Münden vor (von den sür die Werra in Frage kommenden Anlagen sei hier ebenso grundsätzlich abgesehen wie von der Fulda-Anlage bei Guxhagen), die bis Wilhelmshausen hinaus aufstaut und die Wasserkraft des Gefälles von 100 Kubikmeter-Sekunden in Nutzkrast von 2500 PS. im Mittel umsetzen kann.

Tie zweite Staustufe, welche die Nadelwehre der tonalifierten Fulda auszuschalten bestimmt ist und bei Kleinwasser noch immer 7500 PS. zu erzeugen imstande ist, kommt oberhalb Wil- helmshausen zu liegen und öffnet 1000-Tons- Kähnen den Weg nach Kassel.

Unberührt bliebe im gan-en die heutige Wehr- unb Schleusenanlage unterhalb des Finken Herdes bei Kassel, für die Schifsahrt wäre nur die Fulda bis nach Freienhagen hin unter Beseitigung der Anlage bei dec Reuen Mühle (Niederzwehren) zu vertiefen, und hier beginnt eine neue Stau- und Kraftanlage, ebenso wie eine solche unter Um­bau der heutigen in der Eder bei Grifte zu erfolgen hätte

Tie Wirkung dieser von Meyer vorgesehenen totauUuren würde zurückwirken bis unter die .Felsberg, bis zur Einmündung der Schwalm m der Eder.

würde nun sein, in dieser Richtung weiter südwärts gehend die Verbin- «Tbrnftl h,? r?0 bn,-iu suchen. Auf keinem .^antiltr?cc liegen hier die Verhält- n<^r,r bei dem Werra-Projekte, bei dem die Verbindung zum Maine durch einen 9 Kilometer langen Tunnel in 310 Meter über N-r N. Otiu^t roerben muß .Schon haben auch au/ bte tech:niche Schwrengkett hin ohne Berück­sichtigung der heute vorliegende^ eraTten Meycr- schen Arbeiten im Gebrete der Fulda imb Eder SacbDentanbige aus Anregung des Syndikus der Handels ammer Wetzlar die Mög ich eit einer Weser-Lahn Verbindung für 500-Tons-Schjsse ge­prüft und für möglich erklärt. Sobald die Wasser­scheide im Herrenwalde überschritten ist, d. h. der Kanal aus dem Gebiete der Schwalm in das der Ohm getreten, so vermag ein Ausbau dieses wilden, vom Vogelsberge kommenden Flusses in ähnlicher Weise wie die Eder durch Staubecken sowohl mtezug auf Hergabe von Kraft wie von Wasser zur Schiffahrt, das heute noch nutzlos verströmende oder das ganze Ohmtal schädigende Wasser nntz- oar zu machen.

Und gleiches güt für die Lahn, deren Kanali­sierung auch in ausgedehnten Staustufen zum Rheine hinab derart zu erfolgen hätte, daß an je­dem Abschnitte ausreichmdes Gefälle, bzw. da­durch ausreichende Nutzkraft erzielt wird. Der größtenteils in tief eingeschnittenem Tale sich er- rr «karte Lauf der Lahn bietet um so eher dazu Ge­legenheit, als Kulturland damft an den wenigsten Stellen gefährdei wird.

. Für das Gießen-Wetzlarer Becken intt mit der Durchsührmrg der Fulda-Lahn-Ver- mrduno noch eine cmteoe Möglichkeit nabe. Diese aegt aber auch schon in der Richtung der ganzen Drlage! Die Verbindung zum Untermaine: nach

d. SB. s. »Hb. Geschichte XIX, S. 348 ff.

Frankfurt a M., dessen Osthafen, heute schon einer der bedeutendsten Binnenhäfen, damit auch in Be- zishimg zur Weser, zur Nordsee, träte.

Südlich Gießen liegt nur eine geringe Boden­schwelle (bei Butzbach) vor, die zu überwinden wäre, was entweder durch Einschnitt oder Tunnel zu geschehen hätte, der Kanal folgt von da aus dem Laufe der Wetter und Nidda, die in Gemein­schaft mit den übrigen vom Ltzogelsoerge herab- komme.ten Flüssen auSreiäxndes Maser fonxaU als aud) ausreichende Kraft herzu^.en imstande sind. Bei Frankfurt tritt der Kanal in den Main.

Was dieser Kanal linst einen erheb'ichen Vor­zug gibt vor der östlicher verlaufenden Werra- Main-Berbindurig ist sowohl das Wirtschastlich regere Gebiet, das sie berührt, als auch ferner die Verbindung der Weser mit dem Mittelrhcine, so­wohl durch die Lahn bei Koblenz, wie über Frank­furt nach Mainz.

Nach dem Verluste der lothringischen Erze ge­winnt das heslische Erzbecken von Gre­ste n (mit Wetzlar und Lollar) eine um so höhere Bedeutung für die deutsche Eisenindustrie, als es etwa ein Drittel der gesamten heutigen deutschen Gi,enproi)utt.on liefert, und der Anschluß z. B. der Butems-Hütten an das Weserstromnetz würde eine um so höhere Bedeutung für Bremen und den Weserverkehr haben, als wir noch heute eine deutsche Rhein Mündung entbehren und auch diese für die Wetzlar-Gießener Industrie nicht näher läge als Bremen.

Weiter aber träten nicht nur Kassel und Frank­furt unter sich in regeren Verkehr, sondern die Ver­bindung des gesamten Wesergebietes mit dem Oberrheine über die hessische Kanalroute käme auch wieder der Weser zu gute.

Ganz unberücksichtigt möge habet bleiben, welche Wasserkräfte bei der gebirgigen Natur des durchschnittenen Gebietes frei würden, erwähnt set nur, daß Senator Meyer allein die Kvhlencrspar- nis aus den vereinigten Eder- und Oberweser­kraftwerken auf j ä h r l i ch 3 0 M i l l i o n e n M k. berechnen, bei einer Produktiv:tssumme von 200 Millionen Kilowatt-Stunden: von welcher Kraft wieder ein erheblicher Teil außer für industrielle und private Zwecke für den Betrieb der Eisen­bahnen verwandt werden könnte.

Eine andere Frage ist die der eingehenden Prü­fung der hier sich eröffnenden Möglichkeiten. Man kann heute, so nötig jede technische Verbesserung unseres Berkehrswe ens und unterer Kra'tversor- ffimg ist, nicht verlangen, daß der Staat, bzw. das Reich, diese Fragen in die Hand nimmt, bei den heutigen unsicheren staatlichen Zuständen sind wir mehr berat je auf eigene Jnitiatwe an­gewiesen, und so dürfte es Wohl der gegebene Weg [ein, wenn unter Benutzrmg der gnntbkgenten Meyerschen s2lr beiten die daran interessierten Stähle, Industriellen, Hande's'ammern und Kom­munalverb änte, bie Jnteiesenten bet Weer- und Main-Schisfalwt, das hier angeregte Prvieft prüfen imb veranschlagen ließen. Wenn dann die ttch- ri'che und finanzielle SEnrd)fu;rjarrrit über alle Zweifel erhaben ist, dann wäre meiter ^u unttr- suciren, ob die Erstellung des Schisfahrtsweges von der Weser zum M iftel rheine und Uni-murine vom Reiche zu fordern wäre, oder ob nicht vielleicht desien Inangriffnahme auch in der Form eines gemischtwirtschaftlichen Be­triebes möglich und durchführbar sei.

Die Nöte im Eisenbahnverkehr.

Berlin, 20. Jan. (Wolff.) Die großen Schwi Tigfeiten im Eisenbahnverkehr liegen in erster Linie an dem Mangel betriebsfä­higer Lokomotiven. Ihre Zahl betrug bis zum Herbst 1919 13 000, ist aber dann allmäh­lich ftänbig herabgegangen. Zur Zeit find nur noch 12 000 beiribd.älrigc Lokomotiven vorhan­den. Die Verschlechterung ist aber tatsächlich noch viel stärker, als in diesen beiden Zahlen zum Aus­druck kommt, denn feit April 1919 wurden 1161 neue Lokomotiven in Dienst gestellt ; außerdem mürben 599 schadhafte Lokomotiven in Privattver- ken ausgebessert und dem Betriebsdienst zugefülnft.

Die starke Verminderung der Zahl ter be­triebsfähigen Lokomotiven ist lediglich auf den bedenklichen Rückg-mg der Arbeitsleistung in den Werkstätten der Eisenlabnverwaltung zirrückzuführen. Statt der erhofften Beserung find die Leistungen immer mehr zuruckgrg-rng.-n, obwohl gerade in den letzten Monaten die Privat- i n d u st r i e durch Lieferung von zahlreichen Er­satzteilen und von 258 elnxrufertigcii Kesseln die Ari»eit der Eisen bahn wnckstättm wirksam unter­stützte. 1919 brachen die Werkstät.en bis zum Oll. wöchentlich ettoa 750 ansgeies erte Lolvmotiv-.m wieder in Betrieb: diese Zahl ist jetzt auf 560, also um fast ein Drittel, gesunken.

Wenn es nicht gelingt, die Arbeitsleistung in den E.i'enbahnwerkst ätten in kürzester Z^tt ganz besonders zu erhöhen, wird die Aufrechterhaltung des Betrirl»s auf unüberwindliche Schwie­rigkeiten stoßen.

Berlin, 21. Jan. Nach dem Berl. Lokalanz. ist in den Eifenbahnwerkstätten Leipzig-En.gels hör nach fünftägiger Dauer des Streiks, an dem 2000 Arbeiter beteiligt waren, gestern dieArbeitwie- ber aufgenommen worden.

Nach dem Berl. Lokalanz. hat die sächsische Eikentehnverwoltting im Ia^re 1 n18 über fünf Millionen gegen z rka 300 C00 Mark im Jahre 1913 an oi ichädigungenfür gesto hlene Güter b.'zahlt.

Die Verhandlungen über die Aus­lieferung des frühere« Kaisers.

Berlin, 21. Jan. Nach einer Meldung des Berl. Tagebl." aus dem Haag erfährtDaily Chronicle" von diplomatischer Seite, daß es für

sicher gelte, daß Lolland die Auslieferung ablehnen wird. Auf jeden Fall werden Verhaute lungen stattsinden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß man zur Lösung der Schwierigkeiten ein Ab kommen treffen wird, nach dem dec Kaiser unter Bedingungen interniert wird, welche den Alliierten die Bürgschaft geben, daß seine Bewegungsfreiheft wesentlich befchränll wird.

Amsterdam, 20. Jan. Der ,Xele* graaf" meldet, daß an maßgebenden ni.terlän- dischen Stellen die dlrnsicht vorherriclL, daß tn-e Auslieferung des vormaligen deutsch« Kai­sers nicht sta ttsinden wüte.

DerNieuwe Rott. Courant schreibt in srinem temerkensyx-rien LeitarliLl, man habe fast den Eindruck, daß das Vorgehen gegen den Kaiser mehr auf den Einfluß von Geistern zurück- zuführen sei, die man einst rief und jetzt nicht wieder los wette, als auf Erwägungen über die Menschenrechte. Das Blatt weist darauf hin, daß der Prozeß auf die Menschheit eine äußerst ver­werfliche Wirkung ausüben werte und daß er vielleicht Monate, ja sogar Jahre dauern (önne, wenn er ehrlich geführt werte und daß baten die gesamte schmutzige Wäsche der europäischen Polittk vor 1914 zum Vorsch i i kommen werde. Fluten des Hasses würden hochschlagen, und dies gerate? zu einer Zeit, in wttcher vor allem an den Auf­bau gedacht werte und die Annäherung zwischen den Völkern gesucht werten müßte, wem» nicht das gesamte Zusammenleben im Chaos untergeben solle.Nieuwe 9iott. Gäurant" kommt zu dem SckKutz, daß Holland daher dem allgemeinen Zu- sammenleten Fernen größten Dienst cr.ueiicn könne, als wenn es sich weigere, den Kaiser auszuliefern.

Holland und der Friedendvertrag.

Amsterdam, 20. Jan. (WTB.) In einer Entschließung zu Gunsten des Be.tritts der Nie­derlande zum Völkerbund erhebt der Par- teivorstand der n eteriän ischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei gegen den imperialistischen Geist des Friedcnsvertrages, gegen den Ausschluß der unterlegenen Völker und dagegen Protest daß die neutralen Länder bei dem Zustandekommen des Völkerbundes nicht genügend befragt wurden. Der Vorstand begründet die Forderung des Beitritts der Neutralen und mdbetonbere bet Arbeiterpar­teien zum Völkerbund mit der Notwendigkeit, zu verhindern, daß ter Bund alles den augenbHrf- litten Machthabern überlasse, die dadurch für ihre imperialistischen Ziele freies Spiel haben würden.

Die Heimkehr der Krieg4-efa«se«eu.

Paris, 21. Jan. Die ersten Transporte deutscher Kriegsgefangenen haben aus dem Gebiete von Lille flat tg-cf unten. Drei Trans­porte, von denen jeder taufend Gefangene umfaßt, sind bereits abgegangen.

DaS Ministerium Milterand.

Paris, 20. Jan. (Wolff) Das Ministe­rium Millerand enthält 21 Parlamentarier. Davon entfallen auf "die republikanischen Soziali­sten 5, auf die Linksrepublikaner 8, auf die Radi­kalen 2 und auf die Radikalsozialisten 4, auf die republikanische Linke einer, auf die demokratische Entente auch einer. Dem Parlament gehören nicht an: ter Finanzminister, ter Ackerbauminister, ter Minister für die befreiten Gebiete und der Unter­staatssekretär für den technischen Unterricht.

Frankreich und der Handelsverkehr mit Rußland.

Paris, 20. Jan. (WTB.) Marrcl Cachin erflärt in terHumanits", der Beschluß btt ^Geschäftsverbindung mit den russischen Genossen­schaften wieder aufzunehmen, fei von Lloyd George und Nitti in Abwesenheit Clemenceaus gefaßt worden.

*

Der Cisenbahnerstreik in Italien

Mailand, 20. Jan. (WB.) Der erste Streiktag der Eisenbahner hat überall nur einen teilweisen Erfolg zu verz^-ich'.en. Ter Verkehr konnte zum grössten Teil nach ter Inter­vention ter Truppen auftechterhaltcn werten. Die ganze IPresle mit Ausnahme derAvanti" verurtei­len den Stteik.

Die Herrschaft d'Annunzio».

Paris, 20. Jan. (Wolff.) Havas meldet aus London: Unterm 17. Januar wird derTimes" aus Spa lato gemeldet: Die Ankunft ter drei Infanterie-Regimenter m Sussak, die für heule an» «gekündigt ist, wird als Wink der italienischen Re­gierung betrachtet, daß sie sich jetzt dazu vorbereite, ter Sterrfcteft d'Annunzios ein (ritte zu setzen.

bin skandinavischer «rbeiter-Kongretz

Kopenhagen . 20. Jan. (WTB.) Morgen wird hier ein skandinavischer Arbeiter­kongreß zufammentreten, an dem 400 Dele­gierte aus Dänemark, Schweden, Nanvegen und Finnland tri nehmen werten. Die Verfandlungen betreffen das zukün tige Zusammenwirken der skan­dinavischen Arbeiter. U. a. wird ter dänische Arbeitsminister Stauning über fo-iale Gesetzgebung und ter Schwede Branting über die Stettung- nahme ter skandinavischen Arbeiterschaft zur In­ternationale sprechen.

Die «usfchre tnngen der Polen.

Berlin, 20. Jan. (Wolff.) Tie Meldungen fiter polnische Ausschreitungen in den G-eri-t n Svlteu, Neidenburg und Neustadt er- 'chrirren, wie von zuständiger Stelle ftstgestellt wird stark übertrieben. Dem Regi-rungs- öräfitentzn in Men stein ist über irgendwelche pol-

nrschen Greuel taten nichts bettamt geworden. Die Besetzung Soldaus ging am 17. Januar glatt und ohne jede Ruhestörung als sie die Leitung über nahm.

J? etq-a- - ^rv> »*«**'<**»

Vie deutschen SeschöstitrSger im Aurlande.

Au» öem Ueich«.

Ter Wechsel im NeichSschatzmiaistenvm.

Wie nach ter .Siossischen Zeitung" in Paria- mentarischen Krrisen verlautet, erhebt nunmehr wieder das Zentrum Anspruch auf bte Besetzung des Reichs s cha tz m iniste - riums mft ter Begründung, daß es nach wie vor stärker sei als die Teutsch-temoVrrftische Frak­tion, da nicht alle Bayern aus der Zenttums- fraftion ousgeschieten srien.

Preffeverbote«

Frankfurt a. M., 20. Jan. (Wolff.) Bus 2,nvrdnung ter zustäntegen Behörde wurde heut? das o [ 16 r e d? t", das Organ der U. S. P., für Südwestdeutschlond, auf zehn Tage ver­boten.

Köln, 20. Jan. (Wolff.) Nach derKöl­nischen Zeitung" wurden die meisten Blätter her Unabhängigen im rhrirasttewestMi!chen In­dustriegebiet verboten, so die ,LZvlkSzeitung^, Tui:eldorf, dieBergische SkO.irame", Rem- scheü», dieBergische Arbeiterstimme", Solingen, und die ,^olksstimme", Hagen.

Berlin, 21. Jan. Wie die Morgenttätter indbeit, hat die Kriminalpvli-ei die Druckerei geschlossen, in ter in Berlin die Rote Fahne, Flugblätter ber U. S. P. T. und ter Kommunistischen Partei sowie jene Hetzschriften h.-rgestellt wurden, die zur Auf­wiegelung ter Massen und damit zu den bebauer. lieben Vorgängen vor dem Reiä)stag am 13. Jan. führten. Ter Besitzer ter Druckerei hatte feine Ahnung von dem Mißbrauch seiires Be.riebes, da die genannten Druckschriften nur nachts herge­stellt wurden. Tie beiden Hauptbeteilig- ten wurden ber haftet. Ebenso wurde gestern abend ter Herausgeber ter Räte-ritung Dr. Alfons Gvllischmidt verhaftet.

Bormnsternnq von Tieren zur Erfüllung des Friedeusvertrage».

M. K. Da r m st a d t, 19. Jan. Zu ber Ver­ordnung des Reichswirtschaftsmftristers tetr, bte Anforderung von Tieren zur Erfüllung des Friedensvertrages hat das hessi­sche Gesamtministerium jetzt dre Äussüh- rungstestimmuNgen erlaßen nach we chen zur Aust bringung ber Pserte zunächst kreis weise Vo» mufterungen abgehalten werten. Für jede Provinz ist eine Kvmmisftm zu bilden, welche auch die Vergütungen feststtzt U7Ü> aus tem Lante stallmrister, dem zusträ'diginl ÄveiSrelerrnärarzt und einem sachverständigen Mitglied bestelft. Für die Aufbringung ter Rinder, Schaft, Schweine, Zie­gen usw. werden KrriskornMissionen gebütet. Die Befugnisse der Lautes enttal.ehö te tre ten von ten genannten Kommissionen ausgeülst, und ftc hx-rbai ermächtigt, gemäß § 5 ber B lanntmachung des Reichsministers die für bte Ablieferung in Be­tracht kommenden Tiere zu teschlagnatzmen. Mit der Abnahme und llebersührung ter Ti?ve nach ter Hauptsammelstelle und von te nach ber Reichs- grenze werden die zuständigen BiehhantelSverbänte beauftragt. Hierzu erläßt das Lautesemährungs- amt bezüglich terBormusterungen ter Pserte eine Bekanntmackmrg aus ber u. a. hervorgeht, daß ei' Vormusie.ungen durch KreHft>mmi,sst)nrn unter Leitung^ des Kfteisdirektors vvrgenommm werten. Alle Pferdetesitzer, auch die Händler sind vervflichtet, zu den Terminen ihre Tiere unent- göttlich vvrzuführen mit Ausnahme ter im Jahre 1919 geborenen Johlen, ter Stuten, bte noch nicht länger als 14 Tage abgefohlt haben, ober bet denen durch Vorlage tes Deckscheines nachgewü- sen wird, daß das Abfohlen innerhalb 14 Tagen zu erwarten ist, der Pferde, die auf beiten Augen blind sind, der Pfette, die in Bergwerken dau­ernd unter Tag arbeiten. Das Kreisamt ist belügt, in besonderen Fällen Befvriung von ter Vorfüh­rung ein treten zu lassen. Vorn Tage tes Erlasses di'ser Bekanntmachung an hat im Falle ter Vkr- ÖL&enmg (Verkauf, Tausch usw.) der Veräußerer eines Pferde Namen, Baus imb Wo'.^nort des Erwerbs unverzüglich schriftlich ber Bürzermri- sterei seines Wohnortes ouszugeben. Bon bet Ver­pflichtung zur Vorführung ter Pferde sind ausge­nommen: Beamte im Reichs- oder StMtÄienst, hinsichtlich ber zum Dienstgebrauch, sowie Aerzte wld Tierärzte ter zu ihrem Beruf nötigen Pferde, die Pvsthalter für die Pferde, die zur Beförderung ter Posten gehalten werden müssen, und baS La7w- geftüt. Die Bestimmungen treten sofort in Start