Gietzener Ztsdttheater.
Die Wolfe.
Revolutionsdrama non Romain Rolland.
Gießen, 19. Oft. 1920.
Ter Absolutismus, der ht dem Satze gipfelte: „L’ötat c’est moi“ ist gestürzt. Die Staatsrdee von der Persönlichkeit eines allmächtigen Repräsentanten losgelöst, wird fanatische Zwecksetzung: „ne quid detrnnenti capiat res publica“: lieber allem das Vaterland! Trikolrwar entrollen, gebläht von der Trunkenheit der Wortfanfaren: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Beginnt ein neues Zeitalter, marschiert eine neue Menschheit?
Ein Dichter, der im Herzen ein Franzose und ein Weltbürger zugleich ist — ein Franzose von europäischer Geltung — Romain Rolland leuchtet mit unerbittlicher Unbestechlichkeit die geheimen Triebfedern eines Weltgeschehens ab und formuliert das Ergebnis in dem Motto: „Homo homini lupus“. Ein Mensch rsttes anderen Teufel. Wölfe oder Teufel, im Sinne bleibt es sich gleich.
Ein Teil der Revolutionsarmeen Frankreichs ist 1792 in Mainz von den Preichen und Emigranten eingeschlossen; ein verlorener Posten. Bunt zu- sammengewürfelt sind die Truppen, artvcrschieden die Führer. Blutinstinkte, Klassenmstinkte trennen sie, Hetzen sic gegeneinander. Laß, Reid, Eifersucht, Mißtrauen sieht in jedem den persönlichen Feind, den Verräter der gemeinsamen Lache. Nur die gleiche Not verbindet sie und die Idee Vater land. Aber sie hungern, auseinander loszufahrrn und sich abzuwürgen: Wölfe.
Die Spannung muß sich entladen. Da- natur liche Opfer ist T'Oyron, Revolution s ko mm an dant wie die andern, aber rassestolzer Aristokrat in seinen Vorzügen und Fehlern. Tollkühn, obnr ot. Besonnenheit zu verlieren, der Sache drenend, ohne
den überlegenen Spott aufzugeben, Renegat aus Familienhaß, aber verratsfremd. Ihm erwachsen zwei natürliche Feinde in dem Geistesaristokraten Teulier, einem früheren Advokaten, der ihn' mit dem Mißtrauen der Intelligenz gegen das Blut und Verrat, einem früheren Fleischer, der ihn mit dem Laß des Proletariers gegen den Adel verfolgt. T'Oyrons Verrat schreiben beide den Mißerfolg von Unternehmungen zu, die mißglückt sind. Dem Verdacht fehlt der Schatten eines Betveises.
Ta wird Verrat der Beweis in die Lände gespielt. Bei einem Spion findet sich ein Dankschreiben des Preußenkönigs an D'Oyrvn für geleistete Dienste. Der Kriegsrat tritt zusammen. T'Oyron wird zum Schafsvt verurteilt.
Einer war in dem Rate nicht anwesend, Teulier sein Feind. Er kommt von einer mißglückten Unternehmung zurück. Er hört das Urteil. Zweifel steigen in ihm auf an der Bekoeis kraft des Briefes, der eine Falle des Feindes sein fann, Zwietracht in ihre Reihen zu säen. Ter Verurteilte ist -ihm verhaßt, wie kein anderer. Aber er, von einer anderen Aristokratie, kennt noch ein Gebot, das ihm über der Idee Vaterland steht: Gerechtigkeit. Der Advokat erwacht in ihm, grübelt, forscht, verbeißt sich. Von dem Spione erfährt er die Wahrheit, daß der Bries T'Oyron nur vcr- dächtigeii sollte; Verrat, der dies wußte, befahl dem Spion, zu schweigen und oemidMe Papiere, die T'Oyron entlasten mußten. T'Oyron tfr dem Laß des Plebejers zum Opfer gefallen Aber Verrat ist ein brutaler Kerl, den die
Löh lend er unter rücksichtslosen Opfern mit ! persönlicher Tollkühnheit den Belagerten Luft । schafft, zwingt Teulier, pochend auf die Ger echt ig- I feit, den Kommissär des Konvents, die Urteils
vollstreckung hinauszuschieben und abermals den Kriegsrat zu berufen. Er weiß, in diesem Augenblick für den verhaßten d'Ovron gegen den erfolg- getragenen Verrat Stellung nehmen, kann ihn selbst verderben. Und doch — ist es im reinen Dienst der Gerechtigkeitsidee, oder mischt sich auch bei ihm instinktiver Haß und Neid aus den proletarischen Emporkömmling mit dem brutaleren Draufgängertum und den solideren Muskeln — er nimmt den Kampf auf für eine verlorene Sache. Geist ringt gegen Kraft, Intelligenz gegen Fanatismus. Beweise werden von der Ueberzeugungskraft des Erfolges beiseite geschoben. Der Instinkt der Masse roenöet sich gegen den geistig Ueberlegenen. Qussnel, der Kommissär des Konvents, der als einziger von d'Oyrons Unschuld überzeugt ist, unterschreibt abermals das Todesurteil, teulier aber wird d'Oyrons Weg zum Schaffot gehen. Verrat ist der Unersetzlichere von beiden. Quesuel wird auch sein Todes- Urteil unterzeichnen. „Mag mein Name mit Schande bcteckt werden, wenn nur das Vaterland gerettet wird.“
Romain Rolland, dessen Roman eines deutschen Musikers „Jean Cbristof" eine noch größere Lesergemeinde finden sollte, weil er wie einst Mme. de Staci Deutschland für die Franzosen neuentdeckte, hat ein zweites Revolutionsdrama „Danton" geschrieben, das keinen Vergleich mit Büchners „Dan- tons Tod" aushalten soll. (Es wäre eine dankenswerte Aufgabe jetzt Büchner auf unserer Bühne folgen zu lassen?) Tie Wölfe aber, die an der Peripherie der französisch.'n Revolution deren Kern wie in einer Hohl kurve spiegeln, formen über die einmalige Historie hinaus allgemeingültige Werte, die sich auf jede Revolutionsepoche anwenden lassen.
Das Werk dramatisch und psychologisch zu zergliedern würde leider zu weit führen. ES kostet ileberruinbimg, sich auf die Inhaltsangabe zu be
Tüt das gesamte Wirtschaftsleben voll bewußt, das damit eine neue schwere Belastung zu tragen haben wird. Von den Bergleuten eriwrrtet der Schlichtungsausschuß, daß sie ihrerseits an der Verringerung dieser Lasten mithelfen, indem sie in eine produktivere Gestaltung her Ueberschichten einwil- ligen. Die vorteilhafteste und für den Bergbau gesundheitlich zuträglichste Gestaltung der Ueber- Ichichten erblickt der Schlichtungsausschuß darin, daß die jetzt verfahrenen beiden halben lieber» schickten in der Woche durch Anhängung an die tägliche normale Arbeitzeit auf die ganze Woche verteilt werden ober daß unter Freilassung des Samstags von der Ueberarbeil sich, die lieberer beit an den anderen Tagen der Woche entsprechend verlängert. Der Schlichtungsausschuß empfiehlt der Regierung, die Bri-enken der Bergarbeiter gegen eine derartige Regelung durch die gesetzliche Festlegung einer Höchstarbeitszeit zu beseitigen. Soweit riebt auf diesem oder einem anderen Wege eine Verrrng°rung der Selbstkosten des Bergbaues zu erzielen ist, wird eine Erhöhung des Kvhlen- preises die unvermeidliche Folge der Lohnerhöhimg sein.müssen.
Aus öem besetzten Gebiet.
Preffespionage.
rat. Darmstadt, 19. Oft. Nach Meldungen aus Berlin ist in Mainz von der französischen Behörde ein dem Kriegsministerium in Paris unterstelltes politisches B irre au eingerichtet, das speziell die Ueberwachft ung der deutschen Presse zur Aufgabe hat und durch deutsche Vertrauensleute über alle Vorkommnisse auf politischem Gebiete unterrichtet wird.
Koblenz, 19. Oft. (MTB.) Die Rhein land skommission hat eine am 20. Oktober in Kraft tretende Verordnung Nr. 50 erlassen, nach der auf schriftliches Ersuchen der Rheinlandskommission oder einer von ihr beauftragten Behörde der verantwortliche Herausgeber einer jeden im besetzten Gebiet täglich oder periodisch erscheinenden Druckschrift jede amtliche Mitteilung in seinem Blatt aufzunehmen hat, und zwar zu der Zeit und in der Art, wie es in dem Ersuchen angegeben wird. Der Abdruck hat auf Anweisung unentgeltlich zu erfolgen. — Der Reichs kommissar hat sich gegen den Inhalt der Verordnung mit eingehenden Vorstellungen an die RHÄnlandskommission gewandt.
Amerika« iUe Kvsnakftrafen.
fd. Koblenz, 19. Oft. Das amerikanische Militärpolizeigericht verurteilte zahlreiche Personen, die amerikanischen Soldaten Kognak zum Verkauf angeboten hatten, zu je 6 Monaten Gefängnis. Ein Mann aus Neuwied, der zwei Flaschen Kognak gegen kleinere Mengen amerikanischer Lebensmittel eintauschen wollte, erhielt ebenfalls 6 Monate Gefängnis. Ein Frankfurter Kraftwagenführer, der etwas schnell fuhr, bezahlte 400 Mk. Geldstrafe. Ein Mann aus Hannover, der sich als Offizier ausgegeben hatte, muß dafür mit 30 Tagen Zwangsarbeit büßen.
sd. Mainz, 19. Oft. Die Versuche der französischen Verwaltung, den französischen Sprachunterricht zu einer dauernden Einrichtung für schulpflichtige Kinder und junge Leute zu gestalten, können als endgülttg gescheitert angesehen werden. Die Schüler betefe ligen sich fast gar nicht mehr am Unterricht und die Erwachsenen bleiben ihm einfach fern. JnfolgÄressen mußte in zahlreichen Orten der Sprachunterricht eingestellt werden.
fd. Aus dem Elsaß, 18. Oft. In den oberelsässischen Städten und Landorten wird die V e r w e l s ch u n g durch die französischen Behörden in radikaler Weise durchgeführt. Die in den Volks- und Mittel schulen tätigen elsässischen Lehrer werden durch französische, aus Mittelfrankreich kommende, ersetzt, und zwar durchweg von solchen Lehrern, die kein Wort Deutsch können, was uw- ter der elsässischen Bevölkerung große Erbitterung hervorruft.
Xus dein Reiche.
Die Auseinandersetzung in der U S. P.
mc. Frankfurt a. M., 19 Oft. Nach einem vergeblichen Sturm auf die Druckerei des Frankfurter „B olksrechtes" geben die An
hänger der dritten Internationale in Moskau, also der links gerichtete Flügel der Unabhängigen, ein Mitteilungsblatt heraus, für das Georg Hempel verantwortlich zeichnet.
Hannover, 19. Oft. (WTB.) Der kommunistische Flügel der Unabhängigen setzte sich gestern mit G e w a l t in den B e s i tz d e r Genossenschafts-Druckerei des „Volks rechts" und verhinderte die Ausgabe der bereits gedruckten Zeitung, die einen Aufruf Crispiens und organisatorische Mitteilungen der provisorischen Leitung der gemäßigten Richtung enthielt.
Tas „Berl. Tagebl." berichtet ans Dresden, daß die Fraktion der sächsischen Unabhängigen geschlossen auf der rechten Seite steht. Infolgedessen dürften innerhalb der Partei feine Schwierigkeiten entstehen.
Tem „Bert. Tagebl." wird aus Halle gemeldet, hat der gestrige Hallesche Bezirksparteitag der Unabhängigen Sozialdemokraten in einer Resolution die Reichstagsabgeordneten 'Fritz Knnert und Rauh, die gegen den Anschluß an Moskau gestimmt haben, aufforderte, ihre Mandate der Partei zurüch-ugeben.
Wie die Blätter melden, hat sich die Fraktion der Unabhängigen im Berliner Rathause gespalten. Ter rechte Flügel umfaßt 64 Stadtverordnete, wahrend der linke Flügel 20 Mitglieder stark ist.
Dir Bewirtschaftung von Gerste und Hafer.
Berlin, 19. Oft. (Wolff.) Die Gerüchte, daß im Laufe des Wirtschaftsjahres, spätestens im Frühjahr 1921, die öffentliche Bewirtschaftung von Gerste und Hafer aufgehoben oder die Preise für Gerste und Hafer erhöht werden würden, wollen in landi- wirtschaftlichen und sonstigen Zeitungen nicht verstummen. Wie wir aus dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft erfahren, entbehren diese Gerüchte jeder taL-» sächlichen Grundlage. Es ist eine Aenderung der öffentlichen Bewirtschaftung von Gerste und Hafer und die Freigabe dieser Früchte im Wirtschaftsjahr 1920/21 von den maßgebenden Stellen ebensowenig in Aussicht genommen wie eine «Erhöhung der durch Verordnung vom 14. Juli 1920 für Gerste Ainb Hafer festgesetzten Höchstpreise. Es ist daher die Zurückhaltung der Gerste und des Hafers durch die Landwirte in der Hoffnung lauf Aew- dckrung der Bewirtschaftung oder auf Erhöhung dex Preise durch nichts gerechtfertigt und unzweckmäßig.
Aur Stadt und Land.
Gießen, den 20. Oft. 1920.
Lebensmittel.
** Städt. Seefisch-Marft. Morgen, Donnerstag, früh, trifft lebendfrische Nordseeware, wie Kabeljau, Schellftsche, Seehecht, Rotbarsch, Schollen und Heilbutt ein und kommen morgen von 8 Vs Uhr an in den Marftlauben zum Verkauf.
** Stellenvermittlung durch Zei- t u n g sa n ze igen. Tie Wormser Stadtverord- netenversammlung hatte in der Sitzung tont 7. September teil Entwurf einer Püizeiverordrrung bett. Stellenvermittlung beim städt. Arbitsnach- weis angenommen, in der durch den § 4 vorgeschrieben war, daß die Stellenvermittlung durch Anzeigen in den Bettungen und Zeitschriften nur zulässig sei, wenn in die Anzeige Angaben über den Arbeitgeber und ter Vermerk ausgenommen sind: „Meldung bei der städt. Arbeitsnachwcns- sfelle ... Abtlg., Römerstvaße 31, in Worms." Die in Worms erscheinenden Zeitungen erhoben in einer gemeinsamen Eingabe unter ausführlicher Begründung gegen diese Beschränkung der Stellenvermittlung durch die Presse Einspruch sowohl bei der Stadtverwaltung Worms wie bei dem Hessischen Landes-Arbeits- und Wirtschaftsamt tn Darmstadt, das über die Gültigkeit dieser Polizei- vevordnung zu bestimmen hatte. Tie Stadtverwaltung Worms glaubte nicht, von der Fassung des beanstandeten § 4 abgehen zu können. Indessen hat das Hessische Landes-Arbeits -und Wittschasts- amt den Einspruch der Wormser Zeitung als berechtigt anerkannt und zu gestanden, daß der § 4 gegen die der Presse durch Gesetz Dom 7. Mat 1874 gewährte Preßfreiheit verstößt. Ter Polizeivervrd- nung wurde daher in der eingereiclsten Fassung die Genehmigung nicht erteilt. Gegen die übrigen Bestimmungen der Polizeiverordnung — mit Ausnahme also des § 4 — bestanden bei dem Hessischen Landes-Arbeits- und Wirtschaftsamt Peine
Bedenken. — Wir selbst hatten den Erlaß von gemeindlichen ober Londesverordnunge n über otc Stellenvermittlung Beim Arbeitsnachweis überhaupt für überflüssig, da bereits ein Reic^gesetz- entirurf über den Arbeitsnachweis in Vorbereitung ist, der dem am 19. Oktober beginnenden: Reichstag zur Beratung und Beschlußsastung vorgelegt wird. Der Reichsgesetzentwurs steht, soweit bisher bekannt ist, ferne Einschränkung der Arbeitsvermittlung durch Zeittmgsan zeigen vor.
** Der erste Nachtfrost, welcher Bohnen und Dahlien zerstört, fiel letzte Nacht mit 3 Grad unter Null. Im vergangenen Jahre trat er 8 Tage früher, nämlich am 12. mit 4 Grad Minus, vor zwei Jahren 8 Tage später ein, wobei wir in Gießen den ersten starken Nachtfrost am 28. mit 4 Grad verzeichneten. Ueberraschend kam er im Jahre 1917, am 17. Oktober mit 7 Grad Kälte. Damals sind den Landwirten ungeheure Mengen Dickwurz auf den Feldern erfroren. Der Anfang des Oktober war regnerisch und es fehlte 'infolge der Kriegszeit vielfach an Leuten zur Feldarbeit.
** Visierung der Pässe nach Spanien. Tie zuständige Behörde für die Erteilung von Sichtvermerken zur Einreise nach Spanien ift die spanische Botschaft in Berlin, Regentenstr. 15. Sie ist ermächttgt, selbständig ohne Rückfrage in Madrid Pässe für die Einreise nach Spanien zu visieren. Tie Gesuche sind unmittelbar an die spanische Botschaft zu richten, wobei die Anttag- steller zweckmäßig versichern, daß sie sich lediglich zu geschäftlichen Zwecken nach Spanien begeben und sich jeder polittschen Propaganda enthalten werden. Eine Inanspruchnahme der Paßstelle des Auswättigen Amtes erscheint nur bann angezergt, wenn die Antragsteller bei der Erlangung des Visums auf Schwierigkeiten stoßen.
** Wilhelm Steinhausen hat Montag Abend in der Jvhanneskirche einen schlichten aber tiefgehenden Deuter in Pfarrer Deggau vom Elisavethenftist Darmstadt gefunden. Einen Maler der Etvigkeitswerte nannte Pfarrer Deggau den Meister, und es sind in der Tat Erlebnisse in den Werken, an denen gemessen selbst die Verknüpfung mit tem biblischen Christus als zufällig erscheint. Das klang aus den Landschaften ganz besonders als Sehnsucht nach dem Grenzenlosen entgegen. Das sprach in dem Kampf und Geschick, die in den Männerköpfen leben, als Inbrunst zu dem unsichtbar Gegenwärtigen, das unsre Einsamkeit ihrer Qualen ledig macht. Wer das mit dem Verstände sucht, der wird stets blind bleiben. Er ist zu laut. Schweigen und Schauen. Das ist der Weg. Nach kurzer Lebensund Wesenszeichnung des Meisters führte Pfarrer Deggau diesen Weg, und wenn das Wort von christlicher Dtomanti! zunächst einen etwas schwächlichen Beigeschmack zurücklassen wollte, so wird doch mancher von den zahlreichen Zuhörern — es waren fast nur Frauen — erschüttert worden sein, von dem mannhaften Mut ©teatbaufend zaim Bekenntnis seines einsamen Weges und der Verzicht auf fern timentale Hullen der ewigen Hoffnungen, die ihm in seinen Werfen zu Erfüllungen geworden sind.
** Der Naturheilverein veranstaltete am Montag im Hotel Schütz einen Vortragsabend für Märmer, bei welcher Gelegenheit Herr (Surfer sFulda) über das Thema: Was müssen die Männervonihrergesunden bzw. kranken Frau wissen" hielt. Der Redner erläuterte zunächst, welchen Einfluß das Geschlechtsleben auf das Seelenleben des Weibes ausübt und ermahnte, diesen Verhältnissen in besonderem Masse Rechming zu tragen. Weiter behandelte der Refereirt die Beschaffenheit und Funktionen der einzelnen Geschlechtsorgane des Weibes unter besonderer Berücksichtigung der drei Altersstufen vor der GescAechts- reife, während'dieser und nach den Wechseljahren. Besonders mtevessant waren dabei seine Ausführungen über die Verhütung von Frauenkrankheiten, bereu ausführliche Besprechung den zweiten Teil des Vortrags bildete.
** I n der Männervereinigung der Johannesgemeinte findet Samstag, 23. Oktober, abends 8 Uhr, im Jio'hannessaal Vortrag des Direktors Winkler über: Der gegenwärtige Kampf um unsere Schule und unsere Pflicht, statt.
** Eisenbahnwesen. Zum ersten Male ist Gelegenheit geboten, das Eisenbahnwesen in der Volkshochschule in Wort und Bild für jeden Laien verständlich vorgesührt zu bekommen. Es sind -hierzu die besten Kttifte gewonnen, die eine Garantie dafür bieten, daß jeder Hörer zufrieden gestellt wird. Tie Vorträge beginnen am Montag, den 25. Oktober, abends 7 Uhr, in der Oberrealschule. Sie sollen keine Fachausbildung fein, sondern werden fo gehalten, oaß sie jedem einen Einblick in die verschiedensten Betriebszweige gestatten, in deren Getriebe auch nicht eine Schraube locker fein darf, um den Gang nicht zu stören. Auch junge Eisen- bahnhilfsbearnte und Juristen werden viel aus den Vorträgen lernen. Ta auch eine Führung durch die Bettiebsräurne der Eisenbahn vorgesehen ist, ist der Besuch jedem zu empfehlen.
** Die Ringkämpfe im Hotel Einhorn wurden gestern abend zu Ende geführt. Schneider blieb in dem Endkamps nach einer Gesamtringzxft von 53 Minuten Sieger; Hitzler siegte ebenfalls über Modo all i nach einer Gesamtzeit von 35 Minuten. Im Anschluß an diese SÄußkämpfe wer den die Preise Verteilt. Den ersten Preis in Höhe von 2000 Mark nebst Pokal erhielt Schneider, den zweiten mit 1000 Mark Hitzler, und Ma- boalli den dritten Preis mit 800 Mark.
** Tie Lichtspiele Seltersweg bitten uns, mit,zu teilen, daß der Harry Piel-Füm „Um eine Million" sckwn von heute al läuft. Tem Wunsche der Besucher nachkommend, wird auch von heute ab das Theater geheizt.
Landkreis Gießen.
* Beuern, 20. Oft. Heute feiern die (Sbe* laute Joh. Karl Funk, Zimmermeister, und ferne iFrau Marie geb. Ranft das Fest der silberner. Hochzeit.
d. Hungen, 19. Okt. In der vergangenen Nacht wurde in der Güterhalle tes hiesigen Bahnhofes erngebrochen. Mehrere Kisten wurden erbrochen imb daraus Lebensmittel, hauptsächlich Mehl im Werte von 600 Mk. gestvhler Den Schließkorb eines Bahnangestellten nahmen die Tiebe ebenfalls mit. In der vorhergehenden Nacht wurde in einem Hungener Privathause gleick- falls ein Einbruch versucht; die Tiebe wurden aber anscheinend gestört. In beiden Fällen hat man von den Tätern noch keine Spur.
O Lauterbach, 18. Oft. Unsere Statt hat nicht nur ihre landwirtschaftliche Winterschule, sie bekommt jekt auch eine gewerbliche Fachschule. Die bisherige Handwerferschule wrtt> Cur Bemühen des Gewerbe Vereins zu einer solchen aus- gebaut. Tie sogen. Sonntagszeichensckule Witt) aui Wochentage verlegt. Tas Lehrpersonal wird vor der Alsfelder Gewerbeschule gestellt. Unterrichtet wird in Zeichnen, Deutsch, Rechnen, Raumfehn und Physik. Zum Leiter der Schule wurde Hauptlehrer Mündel bestimmt. — Von der Handwerkskammer Darmstadt ist hier für den 29. Oktober ernt Kveisversain mlung sämtlicher Handwerker des Kreises Lauterbach anberaumt worden. Sie wird sich mit dem immer dringlicher werdenden Zusammenschluß des gesamten Handwerks beschäftigen
lp Leihgestern, 20. Okt. Die txom hiesigen Obst- und Gartenbauverein veranstaltete Obst' ausstellung vereinigte alle in hiesiger Gemarkung angepslanzden Obstsotten, Tafel- und Wirt- schaftsobst. Im 275 Nummern wurde der überaus großen Zahl der Besucher die schönen Früchte in prächtiger Ausmachung rar Augen geführt. Die Ausstellung und die Neupftanzungen der letzte-. Jahre zeugen von dem großen Interesse, das mm hier dem Obstbau entgegenbringt und der Bedeutung, die man ihm beimißt. Bald wttd unfer freundliches Heimatsdorf von fruchtbaren Obft anlagen ganz umkränzt fein. Man hat hier btt Wahrheit des Wortes: „Aus jeden Raum pflam einen Baum, pflege fein, er bringt dir's ein", erfahren und verwirklicht es.
Stein he im b. Hungen, 18. Okt. Gesten kehrte hust der letzte Gefangene zurück. Es ii Ludwig Eisen, ter Juni 1916 tn Gefangenschail een war. Er war zuletzt in Andischän. A« d brachte ihm der Gesangverein ein Ständchen. X Wieseck, 19. Ott. In seiner letztet Sitzung entschied der Gemetnderat gemäi einem Antrag des Kreisamts betr. Unterhalts und Reinigung der Kreisstraßen und fetzte de Ortsdurchfahrten neu fest. Abgelehnt iuurt* das Gesuch des Wilhelm Eckhard II. um GeivL nmg eines weiteren Baukostenzuschusses Tie sich steigernden finanziellen Schwierigk> iten 06 i Gemeinde zwangen zur Ertebung eines Sprung geldes, das für Rindvieh auf 5 Mk., für’ Schweine auf 8 Mk. und für Ziegen auf 2 Ml festgesetzt wurde; auch wurde der Beitrag bei Sck>ashalter zur Unterhaltung der Schafherde für jedes Stück von bisher 1 Mk. auf 3 Mk. erhöht. Bewilligt wurde ein Gelände-I tausch einer Wüstung an Karl Kreiling HL für gutes Ackerland zu gleichen Flächen und die Gebühren für verschiedene Kommissionen ^i!- geheißen. Nicht genehmigt wurde ein Versterbt' rungsgebot auf die Sandgrube in der Heid- mit 1551 Mk. und der Preis von Sand in bc Badenburger Hohl auf 3 Mk. für tot Kubikmeter festgesetzt. Da das Schützenhaur, bei der Badenburg durch fein Alter eilt Reparatur nicht mehr lohnt, soll es auf Abbcuo versteigert werden; ein Neubau, als Wohmni; eines Flurschützen dringend erwünscht, soll nächsls Frühjahr ausgefühtt werden.
Kreis Friedberg.
— Bad-Nauheint, 18. Ott. Die hiesice Ottsgnippe des Reichsbundes ter Kneife beschädigten veranstaltete in der Turnhalle eira gut besuchten Unterhaltungsabend, dessen anfe> licher Reinertrag hillsbedürftigen Mllglledern p- gaite kommt. Die Vereinigung hatte die buffe' Dramatische Gesellschaft zurr Mitwirkung! a-twouMt die leicht verständliche, unterhaltende Kunst 6ä Eine Tombola war mit dem Abend wrfentta
schränken. Die Ueberfetzung Wilhelm Herzogs ü ohne Vergleich mit dem Original schwer zu beu? teilen. Der sonstigen Sprache Rollands gepenäbe scheint sie stark abgeschwächt und verweichlicht.
Revoluttonen sind Angelegenheiten des ves. Sie werden es auch bei politischer Glnd berechtigung der Frauen bleiben. Es ist daher rid verwunderlich, wenn Rolland auf weibliche FigllN» verzichtet. Dafür sind die einzelnen Charattere imp meisterlicher gezeichnet. Sie nach^ufühlen ist Item nicht aber, sie auszufüllen. Trotzdem war die M .stellung über Ermatten gart. Vor allem taffe Oskar Feige! als Teulier hervor. Blieb «fe noch ein letzter Rest von Pathos, wo lauteres Gchi» quellen sollte, so war doch die sonst intellrffgeMi' digte Gestalt so sicher erfaßt und so fonfeae®' durchgeführt, daß man dieser Leistung rückhall' Anerkennung zollen muß. Schärfer ausgefeilt ttxi Adolf Telekvs d'Oyron, während Karl Iu®!' kes Verrat trotz allem noch zu zahm, nichts.'- wüchsig brutal genug wirkte. Verrat ist in Vicklol ein kleiner Danton. Harry Noebert, in btt Maske gut, erschien gegen Schluß zu passiv, öfe den übrigen Darstellern sei Karl V o 1 ck ber®oi' gehoben, ter den Spion mit ergreifender VerzMtt- lung um fein Leben betteln ließ.
Die Spielleitung Adolf Teleky zeigte fii diesmal den Massenszenen, die mehrfach txn ruv geordnetes Chaos ergaben, aus dem nur unzuittn- menhäugende Worte verständlich wurden, nicht ysü gewachsen. Sicher wären auch die Nachtszenen mt' kungsvoller, wenn sie nur auf KerzenbeleuchWlS eingestellt wären.
Man muß diesem Stück den besten Bssud wünschen. 2S.


