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170. Jahrgang

Donnerstag, 19. Februar 1920

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

3®iUtngsniiMni<r u. Verlag: BrShl'fche Um».-Such- u. Stemönttkerei L LaRge. S^riftieihiiig, SeschSstrftette u. vnickerei: Zchulstr. 7.

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m. 42

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poftfchectkertte:

Sraiffnrt a. Bi. 11686

Vorboten -er Justizresorm in Hessen.

Tie Gr ebener Juristenschaft (Orgmi- fatwn zur Vettretimg der Studierenden t>T R.'chts Wissenschaft an der LQndes->Univerl'ität Giessen) sticht sich veranlagt, der Oeffentlichteil von Vorgängen Kenntnis Ku geben, die ihres Erachtens von aL* gemeinem Interesse srin müsstn. Ende oergange- nen Jahres nxrr von der Juristen schäft in Er- fghrrmg gebracht worden, bafe aus Veranlassung des Hessischen JusttMinist-errums juristisch mcht vvr- gebildete ehemalige Offiz»we zu alsbaldtgcr Ver­wendung in hessischen Amtsanwaltsstellen aus­gebildet würden. Unter den auszubildenden Amts­anwälten befanden sich u. a. der Sohn eines Mi- nisterialrats vom Ministerium der Justiz, der nor­maler Weise 1916 Abiturium gemacht hätte, wenn ihm die im Kriege ^schrffenen Ausnähm^berhäft- nisse die frühere Absolvierung nicht gestatt^ hatten mit) ein während des Kriegs z. T. gestellte tLauptmann. Die Anstellung sollte nach einjähriger Ausbildung bei der Staatsanwaltschaft ohne wei­tere Prüfung erfolgen, während die bislang .rus- schliesslich verwandten Juristen bekanntlich erst nach 3Vzjährigem Unrversitätsstudium, Zjährrger prrk- tischer Vorbereitung und nach Ablegrmg zweier schwieriger Prüfungen für die Belleidung nn^s solchen Amtes für fähig erachtet wurden. Dre Verwendung ehemaliger Offizier' in solchm Stel­len widerspricht zwar nicht dem Gesetz, aber mit Ausnahme von Preus en hatte bislang klein Einzel- staat von dieser Befugnis Gebrauch gemacht, auch nicht Hessen. Die Gründe, die gegm die Verwen­dung von Nichtjuristen in solchen Stellen aus­schlaggebend genasen sind, müssen gegenwärtig um so mehr ins lZtewicht fallen, als nach dem kürz­lich veröffentlichten Resvrmentwurj zum Gerichts- verfasjungsgesev eine ganz beträchtlich: Erwn- terung der Zuständigkeit der 9lmtsgerichte in Straf­sachen jalso dem Tätigkeitsfelde der Amtsanwält') m Aussicht genommen ist. So fallen in Zukunft die Amtsgerichte (Schöffengerichte) für fast sämt­liche bisherigen Strafkamnvrfachen und sogar einlg: Schwurgerichtssachen zuständig sein.

Am 23. Januar wutte die Giessener Juri st-n- idcft leim Hessischen Justizministerium vorstellig, am tie Verstimm.ing und Ba rnruhigung weitev'r über den Umfang ter Studierenden hinansgehnr- ter Shxife gebührend- zum Ausdruick zl r bringen, und um näh're Auskunft über den Sachverhalt z'r kitten. Ten von Staatsrat Lorbacher empfangenen Vertretern wurde über einige Punkte die gewünschte Auskunft erteilt, und ihnen Kugesagt, bat von dem Herrn Justümmister von Brentano die eingereich- tm schrifllicrrn Anfragen beantwortet werden wür- ten. Tics geschah ledoch nicht. Statt dessen wurde am Frridag, 13. Frwruar,von zuständiger Sette"" <alfc) dem Hessischen Justizministerium) in der Tarmstäd-ter Zrirung unter der SpitzmarkeOffi­ziere im AmlsanwallÄ>ienst" eine dttttiz g bracht, dte Las Vorgehen des Justizministeriums anscheinend rechtfertigen imt die allgemeine Erregung dämch- jen sollte. Ta damit ixe Angelegenheit vor die vesfentlich.keit gebracht worden ist, liegt für uns leine Veranlasinng vor, der Regrerung auf diesem Dege, den wir ursprünglich vermeiden wollten, nickt zu stilgen, zumal dir gebrachte Notiz in dem Negierungsorgan die Sache schief darstellt und den Keru unseres Protestes gar nicht trifft.

Seit 1915 hatte das preußische Kriegsmini- slerium die frühere hessische Negierung mehrmals bedrängt, für kriegsbeschädigte Offiziere Amtsan- tzoaltsstrllen zur Verfügung zu stellen. Die hessi- fche Regierung trug jedoch so starke Bedenken, baß sie lange Zeit diesem Wunsche nicht nach lam. Erst Anfang 1917 wurde dem Drängen des preußischen KriegsMinisteriums nachgegeben md es erging eine entsprechendeAnordnung" He anscheinend in einem verborgenen Aktenwinkel tzr kümmerliches Dasein fristet, jedenfalls von Lern Licht der Oefsentlichkeit rwch nichts erblickt tat. Einer in dieser Richtung gehenden Erkun- vigung unserer Vertreter in Darmstadt wurde ent gegen gehalten, daß eine Pflicht zur Bekannt- flobe einer solchen Anordnung nicht bestehe, mög­licherweise aber habe das preußische Kriegsmini- fiernimin einem seiner Blätter" eine Notiz darüber gebracht. Im Hinblick auf diese Tat­sachen muß es denn doch Befremden erregen, daß ix an nunmehr nach 3 Jahren plötzlich diepatrio­tische Pflicht" entdeckt lxtt, an die Ausführung der Anordnung,die jetzt natürlich nicht mehr rückgängig gemacht werden kann", zu gehen. Biel- Icid) ist aber auch ein Teil der Zeit dazu ver­wandt worden, die, wie es schemen möchte, nicht Ichr zahlreichen geeigneten Anwärter aufzuspüren. Immerhin ist dann in Anbetracht der Heimlichkeit des Verfahrens die Findigkeit und der Gerechtig­keitssinn des Justizministeriums, der sich bei der Auswcchl betätigt hat, zu be­hindern. ES wäre auch nicht uninteressant zu erfahren, inwieweit mm sich bei der getroffenen Ausnahl von pietätvollen Rücksichten gegenüber den in der erwähnten Anordnung erteilten Direktiven des früheren preußischen Kriegsmrnisteriums leiten ließ, und inwiefern andere, vielleicht gewichtigere Interessen maßgebend waren.' Es sei an dieser Stelle raxi) erwähnt, daß allein unter den Studie­renden in Gießen sich eine ganze Anzahl kriegs- beschädigter Offiziere befindet, die teilweise schon vor 10 Jahren die Reifeprüfung bestanden haben. Da ist nun doch die Frage berechtigt, warum die breite Oeffenllichkeit von der Möglichkeit der Ver- ttendung kriegsbeschädigter Offiziere in Amts cmwaltstellen nicht in Kenntnis gesetzt wurde, so­daß auch anderen Offizieren eine Bewerbung mög­lich gewesen wäre, die nicht das Glück hatten, Sohn eines Ministerialrats am Justizministerium zu sein, oder sonst gute Beziehungen zu haben. An- Sejichts dieses llmstauds erscheint der Hinweis auf

die ,llxttriotische Pflicht" in der erwähnten Notiz in dem Regrerungsorgan und besonders der Vor­wurf mangelnden patriotischen Empfindens, den man in Darmstadt den Vertretern der Gießener Juristenschaft zu machen sich berechtigt fühlte, in eigenartigem Lichte. Ohne auf die Ängelogenheit vorläufig weiter einzngehen, fühlen wir uns auf Grund der festgestellten Tatsachen für berechtigt, und im Jnteresfe der Strafrechtspflege für Der pflichtet, dagegen zu protestieren, daß Aemter, deren zweckentsprechende Besetzung für das Ansehen der Strafrechtspflege von so hoher Bedeutung^ ist und in Zukunft von erhöhter Bedeutung sein wird, in einer derartig unkontrollierbaren Weise besetzt werden sollen.

Der in der erwähnten Notiz ausgesprochene Hinweis auf Preußen ist umso weniger verständlich, als es sich hier um eine als rückschrittlich erkannte Maßnahme handelt, die das alte Preußen mit Rücksicht auf vorzeitig ausgeschiedene Offiziere ge­troffen hatte, und die wahrlich nicht geignet ist, die neue Justizreform in Hessen einzuleiten. Wir werben nichts unversucht lassen, um mit allen Mit- teln gegen die beabsichtigte Besetzung der Amts- antrül^teilen, die allen freiheitlichen Grundsätzen des modernen demokratischen Staates Hohn spricht, vorzugehen und glauben dabei der Unterstützung aller einsichtigen Juristen und gerecht denkenden Bürger sicher zu sein.

Wilsons Protest gegen Cngland unö zrant eich.

Washington, 18. Febr. (WTB.) Reuter. Amtlich. Wilson hat in seinem Memoran­dum den Alliierten mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten möglicherweise die Zurück­ziehung des Versailler Vertrages aus dem Senat erwägen müßten, wenn die Alliierten bei der Verfolgung ihrer Pläne weiterhin ohne die Zustim­mung der Bereinigten Staaten han­delten.

London, 18. 2. (WTB.) Die Fried ens- konferenz beendete heute die vorläufige Prüfung der ganzen türkischen Frage. Es wird jetzt mit der Aufstellung des Friedensoertragsentwurfes begon­nen. Die Antwort an Wilson wurde heute abend dem amerikanischen Botschafter ausgehändigt.

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Der Oberste Rat in Loudon über da» deutsche Heer.

London, 19. Febr. (WB.) Der Oberste Rat beschäftigte sich mit der Besetzung der tür­kischen Grenze. Unter Fommiifiönen bearbeiteten die ftnanziellen Klauseln und werden morgen bv? Smyrna frage anschneiden

Auf Bemerkungen des deutschen Botschafters in London hin wurde der deutschen Regierung erlaubt, bis zum nächsten 10. Llpril 200 000 Mann unter den Waffen zu halten. Bis zum 10. Juli muß der Bestand auf 100 000 Mann reduziert werden und diese Berrmgerung wird wiederum bis zum 31. März 1921 erlaubt. Lloyo George unterschrieb als Präsident oes Rates das Sendschreiben.

Eine Rede Churchill».

A m ft e r d a m, 18. Febr. (Wolff.) Wie die englischen Blätter vom 16. Februar melden, sagte Churchill in seiner Rede in Tundee: Unser Interesse war es, in Rußland eine Regierung zu sichern, die sich nicht in die Hände der T e u t» scheu begeben würde. TaS versuchen wir. Es liegt auch im Interesse Englands, daß Deutschland nicht in die Arme Rußlands getrieben wird. Deshalb muß England alles tun, um der gegenwärtigen deutschen Regierung weiter zu helfen. Chur­chill fährt dann fort: Es müsse sobald wie möglich Friede mit der Türkei geschlossen werden, der nicht die Gefühle aller Mohammedaner auf der Welt gegen England vereinigten dürfe. Tie Ver­zögerung deS Friedensschlusses hatte eine beson. ders ungünftige Wirkung für England infolge der dadurch verursachten Erregung in Indien und nn nahen Osten.

Die Rote der Entente an Holland.

Rotterdam, 18. Febr. lWB.) TerNteuw' Notterdamsche Courant" nennt die letzte Not: an Holland unangenehm und schulmeisterlich und weist den drohenden Ton, der in einem Tril der Note hervortritt, zurück. Tas Blatt schreibt u. a.:Tie Herren, die sehr gut wissen, daß es nichts un­angenehmeres für sie geben konnte, als wenn ihnen Holland den Kaiser ausgetiesttt hätte, fühlen sich nun, nachdem Holland die Auslieferung berroeigrrt hat, stark und wollen unsere Regierung schul­meistern. Ihre Negterimgen haben den Kaiser öffentlich verurteilt und verlangen nun den Verur­teilten 5um Zwecke einer gerichtliche Verband hmg, die trotz aller feierlichen Versicherung^ des FriedenSvettragrs nichts awteres als 'ine S ch e i u- Vorstellung sein kann. Mit Recht hat sich Misere Regierung geweigert, hierbei mttzuwirken

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FravzSfische Aerrgste und Hetzereien.

Paris, 18. Febr. Wolff.' In der Kammer kommission für auswärtige Angelegenheiten macht« Andre Säfebre Älvssührungen über den gegen­wärtigen Stand der tUirbciten der Kommission, d.c die deutschen Bestände an Kriegsmate- r i al nachMprüfen hat. Tie Darlegungen Lese bres machten einen tiefen Eindruck imb ftimmtrr im allgemeinen mit den von General N i e s s e I gegebenen Erklärungen ülx-rem. Aus dem Exvo'e des Ministers gebe, mtc derMattw' meldet hervor, daß Deutschland die im Friedens »ertrag übernommenen Beryllichtungen zu um gehen versucht, vor allem hinsichllich der milltare--

schen Berpffichtungen, in der Hosftnmg, die An­wendung der polittschen und toirtfebaituben Klau sein verhindern zu können. Er erklärte, daß die Alliierten mit der größten Entschiedenheit auf dem Verschwinden aller Militärischen Streitkräfte bestehen müßten, die im Ver­trag nicht vorgesehen sind. Teutschland ver­heimliche Kriegsmaterial, mit dem es eine Armee aus rüsten könne. Ter Minister schloß seine Ausführungen mit der Versicherung, daß die strenge Turchführung von Attikel 221 des Friedensvertrages über die Entwaffnung ge­fordert werden würde.

Die deutsche Stimmung im Saargebiet.

Berlin, 18. Febr. (Wolff.). Wie diePol. Pari. Nachr." melden, traf die deutsche Dele­gation zur Grenzreguliernng unerwartet am 14. Februar in Saa rbrücken ein. Als die Delegation unter Führung des baverifchen Oberst- leuttmnts Lylander nach dem Hvtel fuhr, sammelte sich eine nach Hunderten zählende Menschenmenge an, die nach imb nach auf Zehmausende anschwoll. Den Offizieren wurden aus allen Kreism brr Be­völkerung Blumenspenden gesandt, und die Menge lang ununterbrochen vaterländische Lieder. An den folgenden Tagen wiedetthvlten sich diese Kundgebun­gen, zu denen eine gewaltige Volksmenge aus dem ganzen Saargebiet nach Sa»rr- brücken zusammensttömte.

Eine französische Anleihe in England.

London, 18. Febr. (WTB.) Unter- Ha u s. Der Schatzkanzler teilte in der heutigen» Sitzung des Unterhauses mit, daß die englische Re­gierung der Ausgabe der französischen An­leihe in London zugeftimmt twbe. Die An­leihe ist au sschließlich für Einkäufe in England bestimmt. Höhe und Zeitpunkt der Au-gabe der Anleihen sind noch unbestimmt. Dec Schatzkanzler sagte noch, daß es sich keineswegs um einen Vorschuß der englischen Regternng an die französische handele.

Montenegro.

Amsterdam, 18. Febr. (Wolff3 Wie eng­lische Blätter melden, ist bet Ministerpräsident von Montenegro und frühere Befehlshaber der montenegrinischen Armee Johann Plame- n a tz in London eingetroffen. Emem Berichterstat­ter derDaily News" gegenüber erklärte er: Die Montenegriner verlangten die Räumung Montenegros durch die Serben und die Rückkehr des Königs Nikolaus.

Türken gegen Armenier.

Haag, 18. Febr. (WB.)Nieuwe Courrnt" zufolge sind in tiorttun Meldungen ein getroffen, wonach die türkischen Streitkräfte Mu­stafa Kemals in der Gegend von Zeitum die A r - menier angegriffen haben und letzt g:gen Bagdad Vordringen. Unter der Bevölkerung herrsch: »roße Bestürzung. Bisher seien 7000 Tote und Verwundete zu verzeichnen.

Ein Schreiben des Papstes.

Rom, 18. (fcb-r. (Wvlff.) Steftrni. Der Offertatare Rvmawte' veröffentlicht ein Schrei­ben des Papstes vom 21. Januar an den Bischof von Prag, in dem gesagt wird, daß der Steütge Stuhl keineswegs den sogenannten demokratischen Reformen zußunmey flönnr, welche man in der £irtf>e einfühcen möchte. Er könne in die Aushebung oder Milderung des Gesetzes über das Zölibat nicht Unwilligen, welches den höch­sten Ruhm der römischen Kirche darftelle.

Aur Ocm Reiche.

Die Notlage der Presst.

Dresden, 18. Febr. (WTB.) Eine Ver­sammlung der sächsischen Zeitungsverleger befaßte sich mit der Krisis im deutschen Zeitungs­gewerbe. Es wurde eine Entschließung angenom­men, die eine Erhöhung der Bezugs­gebühren infolge der steigenden Betriebskosten um 50 Prozent und der Anzeigenpreise um mindestens 25 Prozent für unbedingt notwendig erachtet.

Eine Neve des Eistnblchnminiftrrs Oeser.

i. Köln, 19. Sehr Bei einem Besuche, den der Minister der öffentlichen Arbeiten Oeser gestern hier machte, hob bei einer Erörterung der allgemeinen Verkehrs- und Betrtebslage, bet der auch die Vertreter der Beamten- und Arbeiterschan Gelegenheit hatten, ihre Wünsche vorzutragen, der Minister, nachdem er auf die befrtetngenben Er- gebnisst der in Essen geführten Berhawdlungen zur Hebung ter dringend notwend-igen Kohlenförderung bingetotefen hatte, hervor, daß es nunmehr Sach? der Eisenbahn fet, ihrerseits dafür Sorge W tragen, daß nicht ter dadurch erzielte Gewinn durch mangel­hafte Transportleistung gefährdet werde. Bor allen Trugen fet es unbedingt erforderlich, durch eine intensive Tätigkeit in den Werk­st ä r t e n, der dringenden Lolllmvlivennot zu steuern. Weiter betonte ter Minister, daß die l Wirffchaftlichkeit unter allen Umständen wieder her-1 gestellt rnerten muffe. Trotz der neuen Tattf-1 .r Höhungen müsse unbedingte Sparsamkeit in der i Berwaltung herrschen. Es ginge nicht an, > daß die Eisenbahn allein für Tieb-ß stähle wie im Jahre 1919 2 00 Millio-i n en Mark au 5 geben müsse._ Bedtenstete, \ eie iich der Beteiligung an Di^ftäUen fthuldig machen, würden rück'! ich slos entlaisen werden. Fürs i. sei in der Eisenba^tverwallung feut Platz. Er rechnet habet auf die Hilst der Beamten und Ar- oeiterschaft. 1

Unsere Landwirtschaft.

In einem Aufruf des preußischen Landwirt- schastsministers an sämtliche preußische Landwirt­schaftskammern heißt es: Wir müssen im Lande noch das Letzte zusammenscharren, um unh-i Volk über die schwettte Zeit Inmvegzubringm.

TerVorwärts" erhielt von einem Ritter­gutsbesitzer einen Brief, worin es httßt: Kohlen müssen beschafft werden. Wir können nicht dreschen. TaS Getteide verfault in den Schobern und wird von den Mäusen gefreffen. Getreide ist genug vorhanden, der Not könnte gesteuert werden. Weiter fordert der Briefschrei- ber, daß die Landwirtschaft von Streiks und sonsti­gen Betriebsstörungeil bewahrt ivcrdt.

Au» Liesten.

Das GesamtminisLerünn wider den Abg. Dr. Osann.

Tas Gesamtministerium sendet un- folgende Notiz zur Veröffentlichung zu:

Auf die öfstnlliche Anttvott des Abgeordneten T r. Osann haben die unterzeichneten Mite der des GesamtministettumS zu erklären: 1. Für die Ausführung deS Landgcsttzes standen dem Landes-Siedelungsamt erfahrene Kräfte nicht zur Verfügung. Tas Ministerium deS J.-nern, daS um Ueberlassung geeigneter Kräfte angegangen war, überwies u. a. auch den Assessor Hen­rich. Er war der einzige Assessor, der in seinem bisherigen Wirkungskreis in Angelegenl;eiten der Landzuteilung schon tätig war. 2 Assessor Hen­rich ist keineswegseiner der Hmgftcn Aessessorrn", er hat seine Staatsprüfung in 1914 bestandet und ist 31 Jahre alt. Er ist nach wie vor Assessor ohne Anstellung und bezieht die gleiche Vergütung wie alle gleichalterigeit Assefforem Uebrigens ist die Stelle eines Landamtmannes nur vorübergehend. Alles das mußte der ALg. Dr. Osann wissen, denn es ist bereits in Parlament und Presst erörtert worden. Er hat nicht den Schatten eines Beweises dafür erbringen können, daß dem Assessor Henrich irgend ein Vorteil oder eine Bevorzugung zuteil geworden ist, auch nicht dafür, daß der Finanz Minister wie die ausgesprochene Verdächtigung vermuten läßt< sein Amt dazu mißbraucht habe, sich und seiner Familie Vorteile zu verschaffen. Wir haben txn> um an unserer in der Erklärung vom 10. dS. abgegebenen Beurteilung der Kampfesweise des Abg. Dr. Osami nichts zu änbera.

Illrich Dr. Fulda v. Brentano Raab Neumann Itebd Tr. Sttecker.

Wiederaufbau.

Darmstadt, 18. Febr. lieber die Beteilte gnrng der Industrie des besetzten Gebittes an bat Arbeiten zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete in Nordfrankreich und Belgien haben in der letzten Zeit wiederholte Verhandlungen zwischen den be­teiligten Kreisen und den zuständigen Reichsbehör» den stattaefunden. Auch die Dettreterbesprechungr der hesfischen Handelskammern hal sich in ihrer Sitzung vom 23. Januar ds. Is. ein­gehend mit dieser Frage beschäftigt unb dem H.'sste sck.en Landesarbeits- und Wi ffchaftsamt ein aus­führliches Gutachten erstattet. Bis zur Klärung der Verhältnisse empfiehlt es sich, wenn die inter­essierten Firmen vorerst in bejug auf die Ueber- nahme von Aufträgen Zurückhaltung üben.

Äus ötm besetzten Gebiet.

Errichtung zwischenstaatlicher Schieosgerichte im besetzten Gebiet.

Um Streitigkeiten aus Handelsgeschäften zwi­schen Deutschen und Angehörigen ausländischer Staaten auf schiedsrichterlichem Wege unter Aus­schaltung des ordentlichen Rechlsweges zu erledigen, war die Errichtung internationaler Schiedsgerichte in den besetzten Gebieten angeregt worden. Die Handelskammer Mainz hat nach mehreren Ber- hanblungen mit den beteiligten Handelskreisen, der Section Economique Mainz und den Handetskam- mem des besetzten Gebietes nunmehr folgende Vor­schläge für ein derartiges Schiedsgericht der Section Economique unterbreitet: a) Jede Abteilung des Wittschaftsrates kann bis zu 10 Schiedsrichter« aufnehmen lassen, die Section Economique kann so viele Schiedsrichter benennen, wie sämtliche Ab­teilungen. Alle Schiedsrichter sind in eine Liste aufzunehmen, so daß deutsche Parteien auch fran­zösische, französische auch deutsche Schiedsrichter er­nennen können, b) Die beiden Schiedsrichter sollen aus der Liste einen Obmann wählen. Einigen sie sich nicht, so ernennt der Vorsitzende des Wirt­schaftsrates den Obmann, c) Da bei den meisten deutschen Schiedsgerichten noch ein. Oberschiedsge- ritht in Zusammensetzung vom 1 Vorsitzenden und 4 Beisitzern besteht, so ist auch hier ein solches in Aussicht zu nehmen, d) Die Vollstreckbarkeit der Schiedssprüche unterliegt den Bestimmungen der deutschen Zivilprozeßordnung . e) Das Schiedsge­richt soll für den Bezirk des Wirtschaftsrates gelten. Sobald die Section Economique in Main; sich mit der Regelung einverstanden ettlärt hat, wird die Kammer eine dementsprechende Satzung aus­arbeiten *

Die Franzosen wollen gut le­ben! Während im ganzen besetzten Gebill der Milchmangel noch schlimmer ist als im übrigen Teutschlmch unb täglich Kinder sterben, weil die nötige Milch für sie nicht aufgebracht werden kann, erscheint fett einiger Zett imEcho du Rhin" -'tro» Anzeige, tn der französischen Offiziers- undBürger- iamilien in Mainz durch eme Art Bezugsgenoften- schaft Butter, Milch und Eier angeboten werden. Tie Frage, woher bte Franzosen Milch und Butter nehmen, ffndet eine eigenartige Lösung, wenn man erfährt, daß sie im Rheinlarch 60 Milchkühe auf* gekauft und im Mamzer Schlachthaus zur Ver­sorgung der Franzosen eingestellt haben.