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Samstag, 18. Dezember 1920

Erster Blatt

170. Jahrgang

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SeiamtminifkniiJi nis und machen it trkskörpern x i. Tie PolizeibiM »sichtlich zur Anriz

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Die KoNftre«) in Brüfiel.

Brüssel, 19. Dez. (WTB.) Die alli­ierten Delegierten traten gestern nachmittag zusammen. Im Laufe des Meinungsaustau- stt)es touroc beschlossen, einige Delegierte zu be­auftragen, sich mit den deutschen Delegierten in Verbindung zu setzen, um genauere Anga­ben über mehrere bisher von oer deutschen Delegation in Darlegungen behandelten Punk­ten zu erhalten. Tie Delegierten werden dann chren Kottegen die Ergebnisse dieser Besprech­ungen mitteilen. Die Sitzung mit der deutschenTelegation findet am Sams­tag vormittag statt, um ihr zu ermöglichen, eine Torlegung allgemeiner Bemerkungen fer­tigzustellen, die sie der Konferenz zu unterbreit len wünscht.

Brüssel, 17. Dez. (Wolff.) Amtl. Konferenzbericht über die Sitzung am Freitag vormittag. In der Freitagvormittags- litzung gab Staatssekretär Bergmann einen Ueberblick über die Ansichten der deut­schen Regierung in der Reparationsfrage, wo­bei er einen Unterschied machte zwischen der Frage der Reparation in natura und der Re­paration in Geld. Bezüglich der Frage der Re­paration in natura skizzierte Staatssekretär

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auswärtige Politik, bie noch <wt der Tagesordnung I »chlietzung nmtimrmge . .. .

ßeben werden am Mitttvoch burchberaten werden. Bauernbund Erhaltung des Beützes, Unantostbar- Minister-räsidentLeygues mitwor-f tert des heunattlchen Grund und Bodens fordert.

die Arln, lOhat das jT1, M Lwunb Don L. l!'n9 der Sehny, ^Ahrung iSigtn, ' "bniveise teihgten die n^ mLS*1 inu 1 pcbiiigungen;

Grundsliicken n®

1 iich eine Vermk. » infolge bei Anlage von innerhalb her & big werben.

1 von Gelände mm tert vergüte, bp

1160en Opftr ndtram lassen, das ein Staatsmann bringen kann, nämlich zum Opfer des In­tellekts. Tie deutsche Negierung ist zum Doll- Ggsorgan einer nationalistisch-reaktinngren Sivv- alt herabgewürdigt, die innenvolitisch so aut wie Cßenpolittsch die verhängnisvollsten Ziele ver-

gt."

Die Art vonPatriotismus", die in dem

rtsförpern betreiis! rfassung vom 12. it iamleit verordnet»

Abgabe von tifz je, Äbwämer, »nm 15. Jamiar 191 eldstras^ bis zu!' lies vom 30. Olteie daß die dort kti Strafe beM er Höhe belegt ww

rlobung «>t , SfiS-l a M M .Drzeinb« l9®.

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Der Nürnberger Parteitag der deut­schen demokratischen Partei hat sich erfreulicherweise auch zu einer natio­nalen Politik bekannt, und wenn Herr Pe­tersen dabei den Gegensatz zu einer natio - nalistischen Politik hervvrhob, so ist dazu zu bemerken, daß im heutigen Deutschland eine nationalistische Politik gar keinen Bo­den mehr hat, weil wir wirklich keine Ervbe- rungsziele verfolgen, sondern mir einen sehr begrenzten Existenzkampf führen können. Es gibt also nur eine nationale Politik, in der freilich alles Unkluge, Gewaltsame oder Prahlerische vermieden werden muh. Der Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart hat dieser Tage ein Bändchen von Aus sprä­chen Friedrich Theodor Vischers herausgegeben, die in der Tat oftmals an­muten, als wären sie für die heutige Zeit geprägt. So z. B. wenn er 1861 schrieb:

Tas patriotische und das absolut demo­kratische Prinzip stehen sich schroff, schlechthin ge­genüber. Ter Patriot kann auch Demokrat sein, der absolute Demokrat kein Patriot. Jener will ein Vaterland, frei oder unfrei, gut ober schlecht, und er will es geehrt wissen wie sich, wie seine eigne Person. Tiefer will frei sein, gleichgültig, wo, und eine Freiheitsfloskel vom Feinde des Vater­landes kann ihn verführen, daß er sich gelüsten läßt, mit ihm gegen die heimischen Altäre zu wüten."

Der temper amen wolle Aesthetiker, der am politischen Leben Deutschlands in den be­wegten Revolutionstagen von 1848 sowohl als auch weiterhin, und namentlich auch bei der Reichsgrünoung, regsten Anteil nahm und wahrlich nicht als Reaktionär angesprochen werden kann, hat Sätze niedergeschrieben, die so klingen, als stände er heute mitten unter uns und als wolle er zu den letzten politischen Streitfragen in unserem Hessenlande selbst Stellung nehmen:

Tie Demokratie leidet unter dem krankhaften Fernsehen des Idealismus: ihr Auge sieht unver­rückt auf eine Hintergrundkulisse entfernter Zu­kunft, die vorderen Kulissen und den Boden unter ihren Füßen sieht sie nicht So ist ihr Dichten und Trachten hohl und. wenn sie handelt, gemeinschäd- lich, unterhöhlend. Ihr Denken springt vom Indi­viduum mit einem Satze hinüber zum Welt­bürgertum, zum großen Bölkenxrtande, den viel­leicht ein künftiges Jahrtausend errichtet: die Mitte, das Vaterland, das Nächste, das Natür­lichste überschelt und überschieß, der Fanatismus dieser Abstraktion: der Familiensinn der Nation, das Gefühl, daß wir zuerst ihr, dann erst der Menschheit angehören, daß die Kraft und Ehre dieses nächsten Ganzen unsere erste unb mensch­lichste Pflicht ist, wird in seinem verzehrenden Feuer ausaeglüht und verkohlt: ja unsere wider- deutschen Ten»traten, diese entwurzelten Fana- ttker, wollen mir oft wie Menschen erscheinen, bir in einer Stadt herum mit Vergnügen die eigene Mutter verleumden hören und verleumden helfen."

Vischer hat in einer Gedenkrede auf die Toten des Feldzuges von 1870/71 auch von der Stellung der Universitäten zu den va­terländischen Fragen gesprochen:

, Ich wiN und daN wen, daß m-ntestenS seit einem halben Jabrwmtett kern Lehrstuhl in Deutschland war von wittern nickt, wenn irgend das Lehrfach einen Zusammenhang bot, der aus das große Anliegen der Nation führte, wakende, zündend.' Worte in die Bach der deut ften JuEd fielen In der Tat iinb es tue Hochchulen, weite am wärmsten und kräftastm die Idee der Vater­landes bie in andern Völkern als Mach' des Jn- d,) NattirperMls. lebt, vom Geist aus ge­nährt unb großgezogen baten."

fd. Frankfurt a. M., 17. Dez. Unter außerordentlich starker Beteiligung aus allen Tei­len Hessens sand heute hier die erste La.rbeSver- sammlung des Hcsnschen Dauernbunteä itott. Der Geschäftsführer des Bundes, Dc. M ü l le r Darm­stadt betonte bei der Erörterung der Satzungen, daß der Bund Bauernpolitik treiben und al:e Parteien unterstützen wolle, di- Bauernpolitik übten Der Bund will lünitig durch gew-rt>chon- liche Mittel Emiluß auf die Geeygebung und den Staat gewinnen. Nach Vorträgen der Landtags- abgeordneten Brauer- Ober-Osleitem über bie politische Lage m Men, D o r s ck - Woi ersheim über die politische Lage im Reich sand eine Ent­schließung einstimmige Annahme, ti 'er ter

tete auf du Anfrage Barth aus, indem er die Waffen- und MunilionSntengen bezeichnete, btc int Gegensatz zum Monat Juli am 1. 12. von Teutsch- land an die Alliierten adgeliefert waren. Auf die Anfrage von Bern6s erklärte er, man müs e die Ttitiad?c unterstreichen, daß wenn die Bergarbeiter tm Ruhrrevier gelitten hätten, dies nicht au, die Alliierten, sondern auf die Fehler d r beutnten Regierung zuchckzuführen sei. Ter Ministerptä i- dent sprach alsdann von bet Konferenz in Brüssel. Ten ftanzösisätzm Delegierten seien klare, bestimmte und kategorische Jnsirukiivncn ge­geben worden. Es frmtele sich nicht darum, Teutschland zu zwingen, alles in Goldmark zu bezahlen, sondern es handele sich darum, die Ausführung aller Bertnagsklaufeln za fordern. F-vankrcich wolle nur verlangen, was raifonabel sei. £>b die Schuld tu Gold- mark oder bi Natura bezahlt werde, sei gleich, sie müsse bezahlt werden. Man wolle nicht, daß Irank- reich in der Welt als eine Nation erschine, die Misch rauch mit ihren Kräften treibe. Minister­präsident Leygaies sprach alSdairn von einer Pro­paganda ,i. in Avreri ka bdricten w rte, u ,n Frankreich als imperialistisch und müita.ipisch bin* ^stellen Gegen diese Propoyanda müsse sich Frankreich durch seine Haltung wilden. Schluß lid) erklärte Minisierpräsident Leygues. daß die englische Negierung ihm Beweise ihre.' Willens zur frenndschas:ltcl;en imd vertrauensvollen Zusammen­arbeit gegeben habe. Das Land müsse nnijen, daß das Einvcri'tändnis zwsch-n England und Frank­reich niemals solider g--w fen sei. als heute Tie beiden Nationen müßten Seite an Sei c marschie­ren, nicht nur zur Verteidigung ihrer eigenen Interessen m der Welt, sondern auch zur Sicher­stellung des Friedens in Europa. Lebh Beifall.)

Eine Krifis im Zteuerausschutz öe$ Reichstags.

Berlin, 17. Dez. (Wolft.) Der Steuer- aus s chn ß des Reichstags behandelte die vom Unterausschuß vorgeleate Formulierung des 8 1 des Reichsnotopsergesetzes und nahmt diesen Paragraphen mit geringer Mehrheit an. Im Hinblick daraus, daß bie Mitglieber der Deut­schen Volkspariei dagegen stimmten unb bie Demo­kraten sich bet Abstimmung enthielten, erklär bet Reichs,'inanzmmister, daß et dem RrichSkvnili über die Halttrng der Reaierungspai'ei.m i'oron Bericht erstatten werde, bei bie hmie zutage go- tretme Lage als eine f ü r bie Re g ie ru n g un­mögliche zu bezeichne sei Tu AlriltmmuuD

Bergmann einen Plan, dec später diskutiert und besprochen werden wird. Der deutsche De­legierte betont die Schwierigkeiten für Deutsch­land, Zahlungen in natura zu machen, so lange die finanzielle Lage und der Kurs der Mark sich nicht gebessert habe. Heute nach­mittag findet zwischen den Delegierten der Alliierten ein Meinungsaustausch statt über bie Methoden, die angewendet werden sollen, um gewisse Vorschläge und Unternehmungen der deutschen Delegierten näher zu prüfen. Ter deutschen Delegation ist übrigens ein Fragebogen unterbreitet worden, der ge­wisse nähere Angaben über die wirtschaftliche Lage, bie finanzielle Sage und die Ausfuhr unb Einfuhr Deutschlands verlangt.

Brüssel, 17. Tez. (ATB.l In her Nach­mittags siyimg gab der ReiLsbankpräsitent Ho­ve n st e i n einen ausführlichen Ueberblick über den Stand des deutschen Geldwesens und der deut­schen Valuta. Er schilderte die Gründe, die der Besserung der deutschen Balutaverhalmissc ent­gegenstehen. Unter den Ausführungen war be­sonders bemerkenswert, bie Richtigstellung der­jenigen Zahlen, die auf der letzten Brüsseler Fi­nanzkonferenz über den Wert der deut­schen Ein-undAusfuhr in den ersten Halb­jahr 1920 angegeben winden waren. Nach den damaligen Ziffern ergab sich im Mai und Juni eine aktive Handelsbilanz. Havenstein stellte das in der heutigen Sitzung dahin richtig, daß aus Grund der angestellten Nachprüfung sich im ge­samten ersten Halbjahr ein Zurückbleiben oer Ausfuhr hinter der Einfuhr von nicht weniger als 36 Milliarden Mark, also durchschnittlich sechs Milliarden Mark monatlich, ergeben habe. Zum Schluß seiner Ausführungen erklärte Havenstein, daß bie Besserung ber beutschen Valuta nur aus einer Besserung der Zahlungsbilanz erfolgen könne. Diese beruhe wiederum einerseits auf der Ordnung des Finanzwesens, andererseits auf einer guten Ordnung und Organisation oller deutschen Ver­waltungen, ferner au, Sparsamkeit unb schließ­lich uno vor allem aus Arbeit, bereu Vorbe­dingung die freie Erportmöglichkeit sei. Enblich müsse die Kriegsentschädigung von Teutschlanb so berechnet werten, daß sie noch getragen wer­ben könne.

Ans -er franMchen Kammer.

Paris, 17. Dez. (Wolft.) In der Kammer wurde gestern die Interpellation des 9£bgeorbnetcn Delasalle beraten über die Maßnahmen, bie bie Regierung zu ergreifen gebenke, um bie E in fu hr nach Frankreichzu ti erm in ber n unb um die Arbeitslosenkrise zu teieirigen. In feiner Begründung behauptete der Abgeordnete, die billige deutsche Ware bedrohe den Welt- marft und eS müßte mit Rücksicht auf die In­dustrie in Elsaß^Lothringen nach der deutschen Seite hin eine Barriere aufgerichtet werden. Wenn tne Frage entstehe, ob fuwrzS ixte oder brütete Ar­beiter feirrn sollt-n. dann dürste das keineswsrs der stanzösische Arbeiter ßin. Mst der GefühlS- polrttk müßte man ein Ende machen D r Abgeord­nete Neron suchte durch eine Stanstrk nachtzu- weisen, daß die deitscte Industrie Amk-rengungen macke, um den bet,mschnden Platz den sie vor dem Kriege hatte, meber zu erobern. Der Abgcorb- nete «hin bc Wendel erklärte, baß bte französische Industrie durch den beben Kphlenpvns leide u d verlangte eine Aufklärung über bie ArrlschastS- Politik ber Re^enmg.

Paris. 17. Tez (DB.> Die Kammer hat bie Taresordmorg bei Generals Casteknau.be dem Ministerium bas Bertrouen aus'prichr, mit 493 geeen 65 Stimmen angenommen In ber Taors- orbtrung wirb gragt, die Kammer nehme Noiiz von den Erklärungen ber Steg erung, baß sie ge­meinsam mit ben Alliierten bie Entwa'fnung Deutschlands und die Ai s'übrung ter Reva- rationsklaiteln pomebrren wolle und zih'e auf ie, um die nationale Sicherheit zu yipäbrlerfb n sowie dah sie bir Fvrteamgen ter äußeren Politik mit ten finanzi llen Möglichkeiten teS flanbei In Ein­klang bringe. Die Kammer gebt alsbann zur Daoesordnung über. Tie Jnterpella'ionen für bie

ber Deutjchen Bolkspartei unb bie Stimmenthal­tung ter Demokraten gaben dem Zentrum 93er* anlasfung, sich seine Stellungnahme im 98-enux troriubelxxüen.

Eine spätere MeVnmg cmS Berlin betagt;

T-ie droheirte Regierungskrise m'rolgc her Vorgänge im Steuenou-schuß des Reichstages ist b e , e i t i g t Tie Fvaktton her Deutschen Volks- Partei hat beschlossen, die Regienr"^rvorla-ie über die besck>leumgte Er-izuchung des R il^notovsers mit bestimmten Mi.de ru"gen, zu denen sich d r Reichsstnmiznrmister im Namen ter Regierung be­reit erklärte, anzunehmen Ein ent'preäe ter Vev« ständigung -antrag, der insbesondere Erlrihterun- gen für das BettnebSkapitni ter Industrie und Landwirtschaft und für die kleinen Rent 'er vor- fieht, dürfte heute von ben Segienrng^yrrteicn im Plenum bes Reichstages eingchracht unb mit ten Stimmen triefet Parteien unb der (Sozial* temokoaten angenommen worden.

Der neue prozetz Lrzberger.

Leipzig, 17. Tez. iWolff.) Heule bat voe dem zweiten Sttaffenat des Reichsgerichts die Revifionsverhandlung in dem Prozeß Erzberger gegen Tr. Helfscrich begonnen. Ge­gen daS Urteil des Landgerichts 1 Berlin vom 12 März 1920, wodurch Helfferich wegen Be­leidigung Erzbergers zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt wurde, legten sowohl der Angeklagte als der Nebenkläger Revision ein. Beide Gegner waren selbst nicht erschienen.

Ter Anttag des ReichSanwolts ging dahin, beite Revisionen als unbegründet zu nrttoerfen. Der Präsident teilte mit, daß das Urteil am 21. Dezember, mittags, verkündet werte.

21 tt* dem iltirte.

Die Reichslogchvohten in Ostpreußen und SchleSwis-Holstein.

Berlin, 17. Dez kWTB.) Der Reichs^ Präsident bestimmte durch Verordnung auf Grund des Reichswahlgesetzes den 2 0. Fe­bruar a l s Wahltag für die Re'chstags- wahlen in Ostpreußen und Schleswig-Hol­stein (1. und 14. Reichstagswahlkreis).

Au» Liesse«.

LandeSversmnmlung des Hessischen Bauern­bundes.

wochenrSckhttck.

Die Unabhängigen wollen unsere iffeichSvegierung zur Rede stellen. Sie werfen -hr vor, daß sie durch ihre diplomatischen No- i en an die Entente deren Mißtrauen und Un- ,Bitten stärken und daß diese Notenbie ern­stesten unb schwerwiegendsten Fol- H<n haben können". Bevor öer Reichstag sich Lit dieser Interpellation beschäftigt, wird der 'lusschuß für auswärtige Angelegenheiten ta- »len, unb der Minister Simons wird ben Ver­buch machen, die angemeldeten Redner der Un- Lhängigen, Dr. Breitscheid und Fräulein Sander, zur Vernunft zu bringen. Worum eS diesen Kämpen in erster Linie zu tun ist, ec- chen wir aus einem Leitartikel Breitscheids ~n terFreiheit". Es sind die Einwohner­wehren und die Organisation Escherich, die den Inabhängigen ein noch größerer Dom im finge sind als der Entente! Sie wissen es, daß -^rc Vorstöße gegen die bürgerlichen Schutz- Wrbanisationen nicht mehr wirken und ziehen", denn iuristisch läßt sich nichts mehr dagegen einwenden, seit selbst die sächsische Regierung Herrn Escherich auf dessen persön- Fichf Vorträge bie Loyalität seines Vorgehens beugen mußte Nun müssen anbere Gründe Strbalten. Das Vaterland soll in Gefahr ge­macht worden sein, weil man, besonders in btt Entwaffnungsfrage, die Gegner reize und EjtranSforbere. Herr Breitscheid schreibt:

Nack ben früheren Erklärungen ber Regie­rung ließ sich immer noch vermuten, baß sie ben aen München au-gehenden Widerstand zum min- (itn peinlich empfinde unb baß sie ben Wunsch fljtge, ihn bur<6 freundliches Zureden zu brechen. Eie konnte sich nicht zu einem energischen Vorgehen eigen den unbotmäßigen Gliedstaat entschließen, fit brachte es auch nicht Über sich, baS Ministerium Mahr öffentlich an ben Pranger zu stellen, aber H war doch immerhin ber Ginbrucf Vorbauten, ob ihr bei all ihrer betonten Zurückhaltung btrom zu tun sei, daß ten Forberungen ber Alli­ierten in vollem Umfang entsprochen werbe. Jetzt ted sich da» Vilb geändert. Das Reichskabinett wiacht sich bie Ansprüche ber Orqeschleute zu eigen, ßhrr v Kahr bat man weiß nicht recht, mit welchen Mitteln auf ber ganzen Linie gesiegt irwb bet Minister Simons hat sich zu bent bedenk-

lange genug feine Reue durch Taten de-1 weisen könne, wooei ihm der größte Teil der Versammelten zustimmte, muß mit ruhiger I Entschiedenheit ins Reich ber Phrase zuruck- gewiesen werden. Durch Beharrlichkeit und festen Willen nxrben wir bas Rab ber Ver­unglimpfungen Deutfchlanbs schließlich um* wälzen. Unb wir finden in ben letzten Noten unserer Reichsregierung nichts, was über be­rechtigten Abwehrwillen hinauSginge. Wir kennen bie Vorsicht unseres Ministers des Auswärtigen unb vertrauen, baß er die Rea­litäten und bie psychologischen DLvmente rich­tig einschätzt. Er hat bie hungrigen unb barbenben deutschen Kinber hinter sich, unb Herr Dr. Breitscheid ist in einem ungeheuren Irrtum befangen, wenn er in berFreiheit" meint, der Minister Simons seiauf bie schiefe Bahn bet Nachgiebigkeit gegenüber ben Interessen des Großkapitals unb bet Schwetinbustrie gelangt". Glaubt benn übri­gens der Führer ber Unabhängigen, Indu­strie unb Kapital hätten ein Interesse an einemHasardspiel", einer Politik des Leicht­sinns? Nein, unverantwortlich unb leicht» sinnig hapbeln biejenigen, bie unserer Regie­rung in ernsten unb entscheidenden Tagen in den Rücken fallen.>

Xnkcl mt oon ttnzri-e« für d.< Iog*snumm<r bi» zum Tiathmittaq vorh« »hne jedel>etbmbU(t)h<it. 5rds für 1 mm hähe für njeigen o. 34 nun Breite örtlict, 35 Pf., »u^roArtf 45 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Brette 150 Pf Bei Platz« Vorschrift 2Oe, Aufjckl-,. ^nuptldiriftieiter Aug. flioet). Peroniwortlich fürPolitik: Ang. «oetz; für den übrigen Teil: Dr. Peinkold Zenz: für den Anzeigenteil Sy B**, fSmtlid) in Bietzen.

Uorgehen der Unabbängiaen waltet, kennt man? Der General Nollet, der die VotsteNun- Pn unseres auswärtigen Amtes rundweg ab» Hbnte, so daß dieses sich nunmehr mit seinen Anwendungen gegen die sofortige Ent- Masfnung an bie beteiligen Regierungen direkt inanbte, erhalt in ber unabhängigen Znterpel- Ilrtion n-'cht nur eine Stütze, fonbem auch tsn-en Fühi-er und Wegbereiter zuernstesten umb schwerwiegendsten" Maßregeln. Dabei Mäst Herr Breitscheid auch in ein Alarmhorn fHr die Brüsseler Sachverständigenkonserenz. Daß in französischen unb englischen Hetzblät- ifem die letzten Protestnoten ber deutschen Re­gierung zu einer ungünstigen Stimmungs­mache für die Brüsfeler Tagung herhalten müssen, versteht man am Ende daß es ba­rteben auch deutsche Dolitiker gibt, die ffnu- ftellos unb mit einer Art von Parademarsch diese Feindestaktik mitmachen, ist traurig. Denn Herr Breitscheid seine angeblichen Be- ssirgnisse wenigstens nur im stillen Kämmer­lein des parlamentarischen Ausschusses vor- zebracht hatte, könnte man seine Handlungs­weise entschuldigen. Indessen, die unabhängi­gen Kronzeugen für bie Schulb unb bie Fehler tikr Deutschen kennt man ja in ber Welt, unb man wird ihnen auch in diesem Falle keine xllzugroße Bedeutung beilegen. Wir sind fest tzavon überzeugt, daß die deutsche Sache auf ter Brüsseler Konferenz nicht günstiger da- ftehen würde, wenn unsere Regierung auf ihre Ftzten energischen Kundgebungen gegenüber ter Entente verzichtet hätte. Der brutale Egoismus und kalte Materialismus, ber heute .nsere Gegner und Bebrücker auszeichnet, '»Ürde bei einer ängstlicheren, zaghafteren »ab* ung unserer Regierung ganz gewiß nicht glimpflicher mit uns verfahren. Es soll nnb darf ihnen gerade nicht ge­

lingen, unS moralisch kalt zu machen. »Sie fetzen ben Feldzug der Schem-

IEiligkeit und Heuchelei noch heute gegen :ns fort, indem fie uns als allein Schul­dige brandmarken, unb bagegen muß unser !8olk umfo starker und einheitlicher Front nachen, je peinvoller bie Lage täglich wird, n die sie uns hineinstoßen. Hier ist wirk­lich einmal der unbeirrbare unb unerschüt- jerte Kampf einer Idee des Rechts keine 'Hatje Ideologie. Ein tapferes unb aufrechtes 8olk wird sich der Knechtschaft entwinden. > das egoistische Pharisäertum eines Viviani, »er in der Genfer Völkerbundsversammlung ruSgerufen hat, daß Deuckschlanb gar nicht

ttr. 298

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SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gderhefsen

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