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Elehencr Ltadttheater.

Des Widerspenstigen Zähmung.

Eia Lustspiel nach Shakespeare

Gießen, 17. Dez. 1920.

Die unversiegbare Quelle Shakesvvareschen Humors hat der zeitgenössischen Satire aus das bös' Wew" eine erquickliche Lösuna gegeben. Gleichzeitig gibt er ihm aber als Wider­spiel, wie sich die Sanftmütige aus der Taube in die Schlange verwandelt. In beiden Fällen tritt die Wandlung ein, wenn der Mann Lenker des weiblichn Schicksals wird und köstlich wirkt die Lchre, daß zwei harte Steine immer noch besser mahlen, als zwei weich:. Ist auch manches in der psychologischen Zeichnung hölz- schnittmäßig derb und unter Verzicht auf feinere Schattierung angesetzt, so wird es darum doch um so bildkräitiger und unmittelbarer in der Wirkung. Die fröhlichm Wahrheiten wurden auch heute so lachend ausgenommen, wie sie gemeint und gesagt sind.

Wenn man das richtige Stück auswählt, kann man auch in Gießen eine Klassivecausführung sonder Furcht und Tadel herausbrmgen. Das erwies diesmal Karl Volck, der für den Abend verant­wortlich zeichnete. Ist jedoch die Wahl des Stückes verfehlt, so kann die Eignung der sLauipiefett chn Kräfte durch keine noch so hohe Pvobenzahl herbei- gezwungen werden. Diesmal klappte alles, in Leitung und Darstellung. In der Hauptrolle der Widerspenstigen zeigte sich Rose Erika von B r a n - deck von einer neuen Seite. Auch diese Gestalt, die von keinerlei Tragik umwittert ift und nur ihre Halsstarrigkeit vor dem männlichen Willen all mäh lich in weib-iche Fügsamkeit au^ulösen hat, gelang ihr über Erwarten gut. Ihre Äegenspvelerm Eise

Koop überzeugte jedoch nur in den beiden ersten I Szenen und verlor, als sie eigenwilliger hervor­treten sollte. In breit ausladender Männlichkeit zeichnete Karl Juhnke den Bändiger der Wider­spenstigen, einigemale hart am Bramarbas strei­fend, dann aber wieder kvastbewußt aus sich selbst gestellt. Prachtvoll war die Szene der Braut­werbung. Bon den Freiern der sanfteren Bianka zeichnete Wilhelm Ruppert den Gremio mit einem entzückenden Stich ins Lächerliche, den die Renaissance seinen Artgenossen zu geben wußte. Neben ihm wiesen die weiteren Freier: Lurentio (Wladimir Brandes) und Hortensio (Georg H e d i n g) weniger individuelle Züge aus. Gut charakterisiert waren dagegen die deichen Diener­rollen: Tran io (Richard H e l l bo r n) und Gru- mro (Rudolf Goll). Vorzüglich in schmälstem WirkungsseLx: der Schauspieler von Heinz Bech- stein und der Schneider von Paul M e h n e r t dargestellt. Bleiben noch die beiden Väter zu erwähnen, die in Harry No eber t (Baptista) und Karl V o l ck (Bincentio) würdige und spiel­sichere Vertreter fanden.

Dre Bearbeitung von Jvh. Ludw. Deinhard- stein erwies sich als sehr zweckmäßig. Man muß der Aufführung den regsten Besuch wünschen. zz.

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Etwa» au» der Frsibzeit der Universität Gießen.

Wir entnehmen einem Artikel in derDarmst. Zeitung":

Balo nach der Gründung der Universität Gie­ßen vor 300 Jahren wurden allerlei Mißstände gerügt. Tie fürstlichen Räte berichteten ihrem Herrn, dem Landgrafen Ludwig V., im Jahre 1610 über die eingelaufenen Klagen und schlugen chm Mittel und Wege vor, wie man denMän­

geln" abhclien könne. Manche Beschwerden waren ergötzlicher Art, so z. B., daß die Frauen der Professoren die Wälle als Bleichplatz benützten. Die Räte melden dem Landgrafen, wie sie dagegen eingeschritten seien:Soviel nun das Tuchbleichen auf dem Wall anbelangt, haben in Abwesen E. F. G. wir an den Rektoren geschrieben und befohlen, den Prosessoribus zu befehlen, daß ihre Weiber ober wer die auch sonsten seien, sich des Tuch­bleichens uint Wall ganz'ich enthalten, verhosfent- lich, sie werden sich demsclbigen gemäß erweisen." Eine weit gefährlichere Sache aber als das Blei­chen der Prosefiorensrauen war das Fechten der Studenten. Das Raufen und Saufen war oamals auf den hvhen Schulen sehr im Schwange, und Gießens junge Universität war in dieser Hinsicht nicht zurückgeblieben hinter ihren Schwestern. Einen Auswuchs am Baume der studentischen Freiheit glaubten nun aber die landgräfllchen Räte beseitigen zu müssen: daswelsche" Fechten, d. h die von Italien eingebürgerte Fechtwerse. Sie schrieben darüber an ihren Herrn:

Dieweil der welsche Fechter Pestis Scholar ist, dadurch oie Studiosi nicht allein von den Studiis abgehalien, sondern daß sie fast alles, tvas sie von ihren Eltern bekommen, ihm zuwenden müssen, in­dem er, wie wir glaublich berichtet werden, seine Fechtkunst (welcher esfectus doch einzig und allein ist, einen andern mit geschwinden Stichen und Stößen, wie sie es nennen, plötzlichen ums Leben zu bringen uub dadurch sich sechsten in unverant­wortlichen Jammer und Elend zu setzen, und bei den alten, löblichen Teutschen für unredlich ge­halten und höchlichen g-ssttaft worden' hoch preiset und unfer s tchem Schein fa't mitte modos Hit, den Studenten das Ihrige m isterlicherweise abhändig Si machen, also auch daß sie nicht allein die ischherren nicht bezahlen können, sondern auch

Verwahrung gegen den Versuch Ser hessischen Re­gierungsstellen auf Aufheben der freien Kartoffel- bewirt, chaitung einlegt, schärfsten Protest gegen die im bäuerlichen Hauswesen Hes.ens vorgenom­menen Haussuchungen einfegt und schließlich die sofortige Auflösung der Hessischen Volkskammer und Neuwahlen heischt.

A«S Stadt rind Land.

G i e ß e n, den 18. Tez. 1920.

Lebensmittel.

** Mil chb eliefe run g. Die Milchemp- fanger, deren Karte auf 3/<, V2 und lautet, können in dieser Woche nicht beliefert werden. Gegen Abgabe der Milchmarken kann vom 19. bis einschließlich 24. Tez. 1920 eine Dose kon­densierte Vollmilch zu 9.75 Mk. die Dose in Empfang genommen werden.

Die Gemüse- und Obst-Richt­preise in der Stadt Gießen sind aut Beschluß der ftäbt Lebensnntteldeputation vom 14. Dez. 20 festgesetzt und sind aus dem Anzeigenteil zu ersehen.

**48. Ausgabe von-Süßstoff. Für btc Zeit vom 15. bis 31. Tezember 1920 wird gegen die Lieferungsabschnitte 18 der SüßstofflarteH" /blau) und 1 der SüßstoffkarteG" (gelb) von den Süßstoffabgabestellen der Landgemeinden Süß­stoff abgegeben. Es gelangen auf den Abschnitt 18 ein Briefchen und auf den Abschnitt 1 eine Schäch­ter zur Ausgabe. Mit dem 31. Tezember 1920 verlieren bte Abschnitte 18 bzw. 1 ihre Gültigkeit.

Veranstaltungen.

Samstag: Großer Hörstml der Universi­tät, 7 Uhr, Lichtbildettwrtraa über die Verfeue­rung minderwertiger Brennstoffe durch Obering. Schmidt von der Preußischen Kohlenwirtschasts- stelle Frankfurt. Neue Aula, 8 Uhr, Weihnachts­feier des Deutschen Jugendbundes. Cafe Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung der Chiemseer. Lichtspieltheater wie gestern.

Sonntag: Stadttheater, 3 Uhr,Frau Holle", 6V2 Uhr,Tie Stwhllvitwe". Cafö Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung der Chiemseer. Lichtspieltheater wie Samstag.

Wettervoraussage

für Sonntag:

Vorwiegend bedeckt und dunstig, zeitweise leichte Niederschläge. Temperaturen wemg über 0 Grad. Winde aus südlicher Richtung.

Tas Hochdruckgebiet verliert immer mehr an Intensität, so daß der Einfluß der südlichen und westlichen Depressionen immer stärker fühlbar wird.

ruhe, sprach überHeimstätte uitb 13 ob eu­re f 0 t m". Er führte u. a. aus: Die Behauslmgs- ziffern betrugen in London 7,9, in Breslau 52, in den Berliner Mietskasernen 230 und mehr, sonst ht Berlin 77 Familien durchschnittlich in einem Hause. Nach dem Krieg 18/1 hatte Berlin 10 600 Obdachlose. Um eine Wiederholung, solcher Zu­stände nach dem Weltkriege zu verhütet, machten weitblickende Männer wahrend des Krieges der Regierung den Vorschlag, mit Hilfe der Gefangenen Häuser für die Krieger zu bauen, damit sie bet ihrer Heimkehr ein Unterkommen fänden. Heute haben wir eine Million Hauslxtttungen, die leine Wohnung haben. In England schuf man ein Heimstättengesetz und begann alsbald mit den Aus­führungen. In Deutschland sei während des Krie­ges nichts geschehen. Die Nationalversammlung habe dann ein Heimstättengesetz geschaffen. Vom Reichstag erwartete man die Schaffung einer Hetm- stätten-Msteilung im Ministerium: bis jetzt fei nur ein Heimstätten-Ausschuß gebildet worden. Das Enteignungsrecht sei bei der Wohnungsbeschaffung ebenso notwendig wie bei Bahnbauten. Die Deim- stöttew-Erbauer tilgen ihre Schuld nut VA v. Ddt In der Stadt müsse auf die Behörden eingewirki werden. Infolge des Kohlenmangels sind für das Muuen schlechte Aussichten. Wir haben Land genug, um Kleinhäuser bauen zu können, auch haben wir Arbeitslose Übergenug, die beschäf­tigt werden könnten, um Werte zu schaffen. Oedun­gen können zu Ackerland umgearbeitet werden. Die Hcimstättenfrage ist auch eine Ernährungs­frage. Wir müssen streben, den Boden ergiebiger zu machen, der Ackerboden muß zum Gartenboden werden. Ein Teil des Großgrundbesitzes ist aus diesem Grunde für die Siedlungen zu zerteilen. Manche großen Güter, die genügend erzeugen, sind zu erhalten a.s MusterwirtiMunm. Die Errichtung zahlreicher Heimstätten ist zu einer Lebensnot­wendigkeit geworden, beim der Siedler kann Selbst­versorger werden. Ein neues Bodenrecht ist not­wendig. Der Boden wird fälschlich als Ware be­handelt. Zum Sozialisieren ist der Grund und Boden mit feinen Schätzen reif, dir Gesamtheit hat ein Recht daran. Die Stoben ante muß der Gesamt­heit nutzbar gemacht werden. Bei Wertzuwachs gehört der unoerbiente Gnvinn des Besitzers der Gesamtbeit. Grundsatz muß sein: Allearbeit- lose Grundrente der Allgemeinheit. Die Losung der sozialen Frage ist nur möglich auf dem Wege über die B 0 den reform. Die Fidei­kommisse sind aufzulösen. Alle Bodenschätze kom­men unter Aufsicht des Staates. Wir müs en durch­halten, damit wir die schwere Zeit überstehen und für unsere Kinder wieder b-seve Zeiten kommen. (Sebfrafter Beifall.) Nach kurzen Danßesworten weist der Vorsitzende Mohr daraus hin, daß von den Gießener Stadtvatern Hin einziger Bodenreformer sei. Hier müsse bei den nächsten Wahlen eine Aenderung erstrebt werden. An der Aussprache beteiligten sich Frau Dr. Riemer, Herr Grünig und Herr Detts. Nach einem Schlußwort des Redners gelangte folgende Entschließung ein­stimmig zur Annahme: ,,Die vom Heimstätten- Ausschuß der Gewerkschaften Gießen einberufene öffentliche Versammlung forbert die Reichs regie- rung und den Reichstag auf, die vomStändigen Beirat für Heimstättenwesen beim Reichsarbeits- ministerium" gefaßten Beschlüse wegen eines Ge­setzes über den erleichterten Erwerb und besseren Gebrauch des deutschen Ban- und Wirtschafts­landes und wegen Beschaffung billigen Geldes zum Bau und Erwerb von Heimstätten durch gesetz­geberische Maßnahmen alsbald zu verwirklichen. Ebenso ist gemäß Artikel 155 der Reichsverfas'ung so rasch wie möglich ein Bodenreformge'etz zu schaffen, durch das der schamlose Wucher und die Spekulation mit dem deutschen Boden verhindert und die Grundrente für das Volksgange nutzbar gemacht wird."

** E r ganzun g sw ahl en zur Han­delskammer. Bei den am 15. Dezember t>orgenommenen Ergänzuns^vahlen zur Handels' kammer sind im Wahlbezirk Gießen-Stadt die Herren Kommerzienrat Adolf Klingspor, Leopold Mayer irnb August Noll, sämtlich zu Gießen: im Wahlbezirk Lich-H^mgen Herr Bvauereibesitzer Heinrich N/ring, Lich, wiedergewählt worden.

** Tie Wahl der Beisitzer für das Gewerbegeri cht Gießen ist auf Freitag, 21. Januar 1921, festgesetzt. Siehe Anzeigenteil.

* Tie Wahl der Beisitzer für da s Kau fma n nsgericht Gießen ist auf Mon­tag, 24. Januar 1921, festgesetzt. Siehe An­zeigenteil.

** Gründung eines Vereins ehe­maliger 16 8er. Wir verwaisen auf die An­zeige oes Herrn Bankvorstands Engelhardt in der heutigen Nummer.

Landkreis Gießen.

X Geilshausen, 17. Tez. Die Deutsche Volks par t ei hatte am Mittwoch, den 15. 12 »u einer öffentlichen Versammlung einn.Iaben, in Der Dr. Krause- Gießen über die poetische Lage sprach. Der Redner gab ein Bild von der Ent­

* Oberhessischer Kunstverein. Die gegenwärtige Ausstellung, zu der erst noch diese Woche eine Kollektion Aauarelle und Oelgemälde von Professor Curt Herrmann neu hinzugekommen sind, verbleibt nur noch mor­gen ausgestellt. Von Montag ab wird die Aus­stellung wegen vollständigen Wechsels der Ge­mälde geschlossen. Ein Plan der nächsten Aus­stellungen wiro noch bekannt gegeben. Eine ordentliche Hauptversammlung des Oberhessi­schen Kunstvereins findet Montag, den 21. d. M., nachmittags 6 Uhr, im Sitzungssaale oes Stadthauses statt.

* T i e Banken geben im Anzeigenteil be­kannt, daß ihre Kassen und sämtlichen Geschäfts­räume am Freitag, 24. Dezember 1920, nach­mittags, sowie am Montag, 27. Dezember 1920 für jeglichen Verkehr geschloßen sind

** Ceylon, seine wirtschaftlichen, kulturellen und pflantzengeogrpahischen Verhältnisse. lieber dieses Thema hi lt gestern abend UniversikStsgar- teninspektor R ehnel t einen Lich bildervorttag. Wer m den großen Univ-rsitätshörsaal »-gangen war, nm etngn überschwänglichen Hymnus auf die Wunder bet indischen Trop nwelt zu hören, »oird Ku Beginn vielleicht etwas ent. äutot gewesen 'sein. Denn Herr Rehn lt str bte in allem, was er sprach, nach wissenschaftlicher Klarheit und Sachlichkeit und für viele ist dies ja gleichwedLuÄnL) mit Nüchtern­heit. Die jedem Wortprunk abholden Schilderungen tunb Erzählungen waren aber um deswillen unge­mein anziehend imb fesselnd, weil man fühlte, daß hier Selbstgeschautes und Selbsterlebtes aus der Erinnerung eines Mannes gehoben wurde, der mit den hellwachen Wugrn des naiv schauenden und aenießenden Europäers und der eindringlichen For­sche rfreude des Botanikers zugleich die Märchenrnsel durchstreift hatte Herr Rchnrll ließ sich von den eigenen Lichtbildern fühven, die t.t ihrer Gesamt­heit ein charakteristisches und farbenp' ächtiges Bild nicht bloß der üppigen und berausch nden Tropen- Vegetation, sondern auch des g-samten Landes, seiner Wirtschaft und seiner Bewohner gaben.Höchst mtercssant waren auch dfe fte neu Abschweifungen in Geschichte, Kultur und Bolkstüm der Insel.

** Heimstätte und Bodenreform. Mit diesem Thema bsschä fegte sich am Donnerstag abend im Cafö Leib eine Versammlung. DerRcdner des Abends, Oberpostsekretär Nicklas- Karls­

wicklung der äußeren und inneren PoMk seit dem 6. Ium und führte anschließend aus, daß National- bewußtscin und Einigkeit notwendig wären, um eine Revision des Versailler Diktats zu erreichen. Tie Finanzlage und die Sozialisierungsfrage wur­den ihrer Bedeutung entsprechend gewürdigt. Die recht gut besuchte Versammlung folgte den Aus­führungen mit großem Interesse.

Kreis Büdingen.

A 92 ibba, 16. Tez. Der hiesige Merverfeger und Gastwirt zum Hanauer Hof stellte vor 14 Ta­gen einen jungen Mann aus Vilbel als Kutscher ein und begleitete ihn bisher auf ben Fahrten, um ihn erst bei der Kundschaft einz-uführen. Als er ihn heute znrn ersten Male allein nach Eichels­dorf zur Bievablieferung und Geldeinkassierung sandte, fuhr der Bierkutscher in der entgegengesetz­ten Richtung nach Ranstadt, erhob 200 Mk. bei den Kunden und verkaufte dann die beiden Pferde. Emigen Leuten in Ranstadt kam die Sache ver­dächtig vor. Sie telephonierten an den Gastwi t hierher. Tiefer eilte sofort wach Ranstadt und tarn noch rechtzeitig an, she der ungetreue Kutscher, der absichtlich von den Käufern et-vas zurückgehal­ten worden war, bas Weite gesucht hatte. Er wurde 'fjier in Hast genommen.

Kreis Lauterbach.

Fd. Lauterbach, 7. Tez. Die Bude- russcheu Eisenwerke haben in der Ge­markung von Wetterseld mit Erfolg Schürsun- gen nach Eisenerzen vorgenommen.

<ReHd>t»faaL

Freisprechung öcr Marburger Studenten.

\ Kassel, 17. Tez. Heute vormittag wurde die Vernehmung der Sarchverständögen fortgesetzt. Tie meisten Sachverständigen machten die bereits aus den Verhandlungen in Marburg bekannten Angaben über die Wirkung des Jnfanteriege- wehres in naher Entfernung. Auf diese Weise ftndet die zum Teil starke Verstümmelung der Leichen ihre Erklärung. Ter Staatsanwalt ver­las ein Schreiben per Staatsanwaltschaft Eisenach, in dem diese mitteilt, daß gegen den Detektiv Hesse aus Eisenach, der gestern als Zeuge auf­getreten ist, ein Verfähren wegen Meineids unb Verleitung zum Meineid eingeleitet worden ist. Ferner wurde ein Telegramm des Leutnants Tuderstadt verlesen, in dem dieser gegen die Behauptung der Verteidiger Verwahnmg einlegt. Nach der Vernehmung dn: SachverstöTtdigen wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Nack einer halb­stündigen Pause nahm der Staatsanwalt Tr. Sauer das Wort zu seinem ausführlichen Plai- doyer. Er verneinte die Schuldfragen bei sämtlichen Angeklagten. Nach der Fortnulierung der Schuldfragen, die auf vorsätzlichen Totschlag ohne lieber!egung oder rechtswidrigen Waffen ge­brau chs lauten, und nach der Rechtsbelehrung zogen sich die Geschworenen um 2.30 Uhr zur Beratung zurück Um 3 Uhr verkündete der Ob­mann den Wahrspruch der Geschworenen. Sämt­liche Schulvfragen. wurden verneint, dlach kurzer Beratung verkündete der Vorfttzende das Urteil. Tie Angeklagten wurden frei- gesprochen, die Kosten der Staatskasse auf­erlegt. Der Freispruch wurde mit Ruhe ausge­nommen. Zu irgetrdwelchen Zwischenfällen ober Kundgebungen kam es nicht.

Aus dem Amtsverkündi-unqsbsatt.

** Das Amts Verkündigungsblatt Nr. 183 vom 16. Dez. enthalt folgend Bekannt­machungen: Verlegung von T-ienstrLimen. Die Erhebung und den Ausschlag von Nachtragsuml-r- Sen in den Gemeinden des Kneifes Gießen für as Rechnengsiahr 1919. Verordnung über d e Stillegung von Betrieben, .welche die Bevöllerung mit Gas, Wasser, Elelt.izität versorgen. Ein­führung von Lehrbückxrn. Verordnung über bte Ab.Mbe und Berwmdu g von F.uerwe kskörvern. Verleihung von Heerespserden. Kfeingar en- unb Klempachnttandordnung vom 13. Jult 1919. Wahlen zur Handwerkskammer für dis Jalir 1921. Dte Ausführung des Lasidessteuergesetzes: Erhebung von Hurrdesteuer. Maul- uitb Kuauen- scuche in Gießen. Die Beha dlung der Z»g- ttere im Winter. Feldbereü.iZimg Raberts­hausen.

Verleihung von Heerespferden. Nach einem Erlaß deS Reichörnrnisteriums ist ein Teil der Pferde des Etats für das Hurckerttausend- nramt-Heer an Landwirte und Sted u tg^genossen- sch-aften mit her Berp'lichung auszvil ihcn, bte Pferde im Betarfssvlfe der Heeresverwaltung sofort zur Verfügung zu stellen. Es müssen wisgeltehen werden und zwar mit der (Smtoränhing, daß ein Heranzichen der Pferde rm Bedarfsfälle binnen 48 Stunden möglich fern muß: von feder reitenden Batterie 20 Pferde, von feder fahrbaren Abteilung 60 Pferde, von (eifer fahrbaren Baltene 2 Pferde, von jeder Minenwerser-Kompagnie 6 Pferde, von lederErgänMnett-Es'adron 12 Pferde, von feder Eskadron 40 Pferde, immer von der vollen Etad- stärke.

Wahlen -ür Handwerkskammer fth das Jahr 1921. Nach Prujung der eo^gereichlA Bestandslisten sind fotgeube Vereinigungen al# wahlberechirgt anerkannt: 1. bte Fs>euv- Perückenmacher-Zwangsmnung in Gießen mir 32 Mitglredern, 2. die Fleischer-Zwrnigs-Jumm-r in Gte^n mit 36 Mitglrodern, 3. die Backes Zwangsinnung in Gießen mit 34 Mitglieder^ ji 4. den Ortsgewerbeverein Gießen mst 224 Mii- i gliedern, 5. ben Gewerbe verein Dllendors a i Lda. mit 34 Mitgliedern. 6. ben Ort.gewerkt I oerem Grünberg mit 77 Mitgliedern, 7. den Ottä- I gewerbeverein Rabenu in Londorf mit 42 Mi> l! gliedern, 8. den Ortsgewerbeverein Hunfen mit I 45 Mitgliedern, 9. den Ortsgewerbeverein Großv»- Busea mit 28 Mitgliedern, 10. den Ortsgewerbe* verein Lollar mit 44 Mitgltehern.

Die Maul- und Klauenseuche ist« Gießen in dem Gehöft AnderHard^Nr. 12 dahter amtlich sestgestellt worden. Die Sperrma^ regeln sind angeordnet. In den Gehöfte« Schis sen berg er Weg Nr. 60, Frank­furter Straße Nr. 82 und Mittelweg Nr. 7 ist bte Seuche erloschen. Die für diese Ge­höfte angeordneten SperrMaßregeLn sind aufge­hoben.

Die Behandlung bet Zugtiere tu i Winket. An alle Besitzer von Zugtieren uch Leiter von Fuhrwerken richtet das Polizeßunt dringende Mahnung, bei Kälte und StiahenglÄve l ernstlich darauf Bedacht zu nehmen, teß die i trete vor dem nachteiligen Emflüssen der WittenvU; nach Möglichkett geschützt werden, daß namentlich!.- > 1. die Zugtiere niemals länger als unbebuijt erforderlto uitb niemals unbedeckt im Freren stehev- gelassen werden, 2. das Zaumzeug im Stall nutz, i bewährt ober andernfalls vor dem Anlegen txä : Gebiß erwärmt wird, und 3 die Huieifen her Pferde zum Schutze gegen das Ausgleiten ge* . hört geschärft ober mit Stollen versehen sind.

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** Das Amtsderkündigung>Sblatr ri Nr. 184 vom 17. Dezember enthält: Beethoven feier. Höchstpreis für Mehl und >Brot. Sem» I ! berung des Postgebühren wesens; hier: Pottebo» Handlung der Antwort auf private Anfragen. ; Ausstellung von Wandergew.rch scheinen und G» wcrbe-Legitimationskarten . Zucker Verbrauchs!»« gelang. Gebühren für die Erteilung der Erlaub­nis über den Handel mit Lebens- und Futtermit­teln. Verteilung von Kochmehl. Brchsench«, 1 Feldbereinigungen.* Verbot der Abgabe imä &x- Wendung von Fenerw-rkskö p rn.

Neue Höchstpreis für Mehl und Brot.

Mit Wirkung vom J6. Dezember dS. Jlft bis auf weiteres fetztt der Kommunalverband Gis. ßen den Preis für den Doptelzentner'Ro^A-ME : auf 206 Mark, für den Dopepelzntner Weyenbroi- , mebl auf 221 Mark, für den Doppelzntner StreL mehl auf 221 Mark und für den Dopp^zent« Krankenmehl auf 260 Mark fest. ES.werden daher vom 16. Dezember ds. Js. ab für bfe Landge- meinden des Kr ifes, bis auf weiteres, «folgöiLe Höchstpreise festgesetzt:

1. für Brot bei überwiegender Verwendu» von Weizenbrotmehl für den 4-Pfund-Laib 4^6 Mark, für den 2 Pfund-Laib 2,08 Mk.:

2 für M e hl beim SBeitertkTfauf durch bänk lec ober Bäcker an die Verbraucher: Roggemm^l 1,12 Mk, Weizenbrottnelst 1,20 Mk., Brotstrch mehl L20 Mk., Krankenmehl 1,40 Mk das PfurL Das Verkaufsgewicht des Brotes muß noch R Stunden nach feiner Fertigstellung vorhanden ft«

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ZnckerverbrauchSregelung Dtf Ift den Monat Dezember zuslehende Zuckermenat « Höhe von 750 Gramm auf ben Kvpf der D'v5l« ferung gelangt zur Ausgabe. ES können auf IH Zuckermarken 1(8, 169 und 170 je 250 Gramm = 750 Gramm beizogen werdm. Mik Ablauf bti 30. Dezember ds. Js v rlicren die Marken 168, 169 und 170 ihre Gültigkeit. 1

Die Gebühren für die Erteilirirg der Erlaubnis über den Handel mit Lebens-und Futtermitteln b tragfnJSr örtlich oder zeitlich befdjränlte Erlaubnis 100 M, für örtlich ober zeitliche unbeschränkte Erlaubi ir 200 Mk, für Ausdehnung vorhandener ErlaubruS 50 Prozent der vorstehenden Gebührensätze.

Verteilung von Kochmehl. An von den Bürgeriwi'er im zum Bezug von ffocy mehl monatlich angemclb tr Zahl der ocrjorgmig.lj berechtigten B völverung gelangt diefeS Mehl «N den Kopf und Monat mit 600 Gvamm zur teilimg Zur Herslellung des KochmehlS wird landsweizen verwendet. Die Ausmahlung erfolgt zu 75 v H. ,n ,

Die Maul- und Klauenseuche ist ans dem Hof Ludwigshöhe bei Leihgester:« amtlich festgesfellt worden. Es wird geo.ldet ro Sperrbezirk, bestehend aus dem Hof LudwigshM

Vereine und Veranstaltungen.

c. Schotten, 12. Dez. Der hiesU Turn- und Gesangverein hat in Gemeinschiit

wegen solchen überschwänglichen Unkosten unwilch Eliern, und die Universität, die sonsten gotllob« glücklichen Flore ist, einen bösen Namen maM zu verschweigen, daß es^Factiones unter den fW schülern gibt und die Studenten, so bei den Dv schen fernen, fertiger im Fechten sein iwlleit, W Die bei den anderen ttueien, teutschen FechtmeiM lernen, die teutschen Fechter aber ihnen solches M wollen nachgeben. Dannenherv dann täglich Unglück -u befahren. Wirv oemnach zu 6. >J,' gnädigem Ermcs en gestellet, ob nil solche WJJJ Fechter abzuschatten und der große Kost, ihn gewendet wird, E. F. G. zu gutem oder | besser imo nützlicher anzuwenden sein möchte, mal die anderen beiden, teutschn Fechter, l» noch daselbsten befinden, wie wir berichtet, t8 dasienige, was der welsch Fechter kann, M IU' ein Leidliches praestieren und feisten könne»'.

Frankfurt a. M., 18. Tez. Die bemer Tänrerinnen auf ben Bühnen FvankfM» würbe durch einen Abend unterbrochen, an eine Frankfurter Tanzschule von auSaepra^ Chavakter geschossen an die Oeffentlichknt t Ter Ab^nb brachte Eln-ettänze von Manny S1 benbranbt und ihren vvchülerinnen. du Rahmen der Schule bennoch das persönlich W perament jeweils charakteristisch auffeuchen und Gruppentänze, die neue' Möglicheiten Tanzes erschossen. So hoch kultiviert ftw Ein-eltanz gerade an diesem Abend erwies. soM es wch den Airschein, daß sich die roätere W lvicklung des modernen Tanzes aus der Tan^grE aufbauen muß, die allein dem Tam den Kulturwkt wieder geben kann, den er zu anderen Zetten u? fessen hat.