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Frankfurt a. M. (1686

Erstes Blatt

(70. Jahrgang

Freitag, (8. Zmi (920

Gietz« erAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: Brühl'sche Univ.-Buch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf. Bei Platz- vorschrift 20°/, Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für der Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Vie Maul- und Ulauenseuche.

Tas Ministerium des Innern, Abteilung für Gesundheitswesen, veröffentlicht im Regierungs­organ folgende Ausführungen :

Tie Maul- und Klauenseuche ist eine Krankheit, die die Rinder, Schafe. Ziegen und Schweine befällt und auch auf Menschen übertragbar ist, insbeson­dere durch den Genuß unabgekochter Milch von kranken Tieren. Sie wird hervorgerufen durch einen Erreger, der so klein ist, daß er mit den jetzigen optischen Hilfsmitteln nicht erkannt werden kann. Trotzdem kennen toll seine Eigenschaften recht gut, insbesondere wissen wir, daß er außerordentlich leicht übertragbar ist.

Tie Maul- und Klauenseuche beginnt mit Schüttelfrost und Fieber; die Tiere fressen nicht mehr, kauen nicht wieder und sind sehr matt treten von einem Fuß auf den anderen und zeigen ost auch Volikartige Erscheinungen. Bald darauf er­scheinen im M aul, am Gaumen lauf der Zunge, am Euter und zwischen den Klauen und am Saumband kleinere und größere Blasen, die nach kurzer Zeit platzen und Geschwüre hinterlassen, die allmählich abheilen. Infolge dieser Blasen und Geschwüre geifern die Tiere viel und öffnen ab und Ml das Maul mit einem eigentümlichen schmatzenden Ge­räusch. Der Verlauf der Seuche ist ganz verschie­den: »manchmal verläuft sie so mild, daß die Tiere nach wenigen Tagen wieder fressen und auch wie­der Milch geben. Oft aber ist der Verlauf so schwer und bösartig, daß ein großer Teil der Tiere plötz­lich .am Herzschlag verendet infolge der durch den Erreger abgesonderten Giftstoffe. Gefürchtet sind bei schwerem Seuchenverlauf auch die Nachkrank­heiten, die insbesondere an den Klauen zu schweren Vereiterungen und zum Abstoßen des Klauen­schuhs führen Tragende Tiere verkalben sehr oft und bleiben später unfruchtbar. Schon bei ge­wöhnlichem Verlauf .der Seuche sind die direkten und indirekten Schädigungen unseres Viehstandes außerordentlich groß. Ungeheuer groß und unersetz­bar aber werden die Verluste, wenn die Seuche in einer so bösartigen Form austritt, wie in diesem Jahre beobachtet wird. Diese Form bet Seuche wurde zuerst in Oberitalien festgestellt: sie kam dann über die Schweiz nach Elsaß, Baden Bayern, Württemberg und jetzt auch zu uns nach Hessen und ist aus dem Wege nach Nortckeutsch-- land. Cs muß deshalb mit allen Mitteln versucht weden, die Weiterverbweitung der Seuche auf­zuhalten.

Die Seuche wird nicht nur von Tier zu Tier, sondern auch durch sogenannte Zwischen­träger verbreitet. Als solche kommen auch Tiere in Betracht, die selbst nicht an der Klauenseuche erkranken, wie Pferde, Hunde, Katzen, Hühner, Gänse, Tauben und Enten, aber auch Ratten und zweifellos auch die Vögel. Daneben wird die Seuche insbesondere auch durch Personen (Hamsterer, Hausierer, Metzger, Händler, Dienst­boten usw.) von Gehöft zu Gehöft und von Stall zu Stall übertragen. Die Zwischenträger über­tragen die Seuche insbesondere durch die Füße bzw. das Schuhwerk. Die jetzige außerordentliche Verbreitung der Seuche ist in erster Linie aus die Verschleppung durch den Personenverkehr zurückzuführen, denn der Viehverkehr, der in frü­heren Jahren die Hauptursache dec Verbreitung war, ist zur Zeit außerordentlich gering. Ins­besondere aber die Wanderschafe haben verschie- dentlich die Seuche von Ort zu Ort geschleppt. Auch die Tanzvergnügungen, Belustigungen son­stiger Art, Kinos usw. tragen zur Verbreitung der Seuche bei.

Aus dem Obengenannten geht hervor, daß es für den einzelnen Landwirt sShr gut möglich ist, seinen Viehbestand vor der Ansteckung weit- gehendst zu schützen dadurch, daß er den An- stecküngsstoff möglichst aus seinem Gehöft und insbesondere aus seinem Stall fernzuhalten sucht. Dies geschieht am einfachsten dadurch, daß er Leute, die nichts in seinem Stalle zu suchen haben, nicht in denselben hineinläßt und die Per­sonen,^ die im Stalle beschäftigt sind, möglichst in besonderer Kleidung, namentlich aber in be­sonderen Stallschuhen (zu empfehlen sind die leicht waschbaren und desinfizierbaren Holzschuhe) die Ställe b.-toeten läßt. Vor den Stalleingang ist ein großer Sack zu legen, der ständig mit einer des­infizierenden Flüssigkeit (Kreosinwasser, Lysolwasser und Kalkmilch) getränkt sein muß. Vor jedem Betreten des Stalles sind die Schuhe an diesem Sack gründlich abzureiben. Ein ähnliches Ver­fahren empfiehlt. sich vor der Haustüre, damit die Personen, die im Hause verkehren, sich eben­falls vor dem Betreten des Gehöftes die Schuhe desinfizievcn. Gan zbesondere Aufmerksamkeit muß auch dem Geflügel gewidmet werden. Es ist un­bedingt notwendig, daß in verseuchten Gemeinden in der jetzigen Zeit am besten überall das Ge- flüget den Hof nach Möglichkeit nicht verlassen kann, weil die Gefahr besteht, daß die Hühner, Gänse und Enten den Ansteckungsstoff mit in den Hof und den Stall tragen und auch das Futter mit dem Ansteckungsstoff besudeln können. Um die Weitecverbreitung der Seuche zu verhüten, ist es weiterhin unbedingt notwendig, daß alle zur Be­kämpfung der Seuche erlassenen Vorschriften von den Landwirten und Viehbesitzern befolgt werden, beim auch bei dem jetzigen Seuchengang ist es be­wiesen, daß da, wo alle Maßnahmen von allen Interessenten befolgt und kontrolliert wurden, die Seuche auf die Ursprungsherdc beschränkt ge­blieben ist. Der Ansteckungsstoff wird aus ver­seuchten Gehöften besonders hmausgetragen aus die Dorfstraße und auf die Feldwege durch Ab­fahren von Dünger und Jauche. Es darf des­halb aus verseuchten Gehöften aus keinen Fall Dünger und Jauche vor erfolgter Des­infektion und namentlich nicht aus Ge­höften ausgefahren iverden, wo die Seuche, wie letzt zweifellos vielfach amtlich festgestellt, ver­

heimlicht wurde. Aus all dem Gesagten geht Her-I vor, daß ohne die verständige Mithilfe der Tier­besitzer und Landwirte eine Bekämpfung der Seuche, nicht möglich ist. Daß diese Mitarbeit der Land­wirte teilweise bisher' gefehlt hat, ist um so un­begreiflicher, nachdem feststeht, daß die Seuche ungeheuere Verluste unserem an sich schon redu­zierten Viehstand verursacht. In einzelnen Fällen, wie namentlich in Württemberg und neuerdings auch in Hessen, ist festgestellt, daß zu 8 0 Pro­zent und mehr des ganzen Viehstandes der Seuche zum Opfer fällt.

Besondere Aufmerksamkeit erfordert di: Tes- inftktion des Stalles und des Gehöftes nach dem Abhellen der Seuche, und zwar deshalb, well b:i ungenügender Desinfektion das Wiedevaufflammm der Seuche nach wenigen Wochen oder Monaten zu erwarten ist, well die durch 'das Ueberstehm der Krankheit bedingte Unempsängbichkell nur von ver­hältnismäßig kurzer Dauer ist. Der Desinfektion des Stalles hat eine ganz gründliche Reinigung der Standplätze, der Krippen, der Stallgasse, der Jaucheabflüsse, der Dungplätze, möglichst mit hei­ßem Sodmoasser vorherzugehen. Die eigmtllche Desinfektion erfolgt durch gutes Austünchen mit frisch angesetzter Kalkmilch nach den von dem be­amteten Tierarzt gegebenen Vorschriften. Der Dün­ger muß vor dem Entfernen aus dem Stalle gut mit dünn angerührter Kalkmilch vermengt und dann fest aus den Düngerhaufen gepackt werden. Ebmso ist die Jauche durch Einbringen von großen Men- ßen frisch gelöschtem Kalk und durch nachheriges Ümrühren zu desinfizieren. An Kalk, der übrigens auch ein gutes Düngemlltel ist, soll möglichst nicht gespart iverden. Lieferung der nötigen Mmgen Kalk ist in Aussicht gestellt.

Die Behandlung der Maul- Und Klauenseuche ist dem Tierarzt zu übertragen. In neuerer Zeit stehen verschiedene Mittel zur Anfügung, die nach ben bis jetzt vorliegenden Ergebnissen besonders in den schweren Fällen eine wesentliche Milderung des Verlaufs und ein bedeutendes Zurückgehm der Sterblichkeistziffer herbeiführen. Gewarnt wird vor den jetzt vielfach angepriesenen Mitteln und Mittel- chm, die alle mehr oder weniger in g:winnbring:n- der Absicht angeboten und vertrieben werdm und absolut wertlos sind, namentlich auch deshalb, weil dadurch eilte rechtzeitige sachgemäße Bchandlung vereitelt wird.

rm. Darmstadt, 17. Juni. Die Bekämp­fung der mit entsetzender Verheerung Um sich grei­fenden Maul- und Klauenseuche war Hauptgsgenstand der Beratung des gestern auf Ein­ladung des Ministeriums dahier einberufenen Ver- sammlung destierärztlichenProvinzial- vereins. Für die Regierung war Obermedizinal- rat Beiling, für die Landwirtschaftskammer Oeko- uomierat Dr. Hammann amvesend. Der Direktor des vet.-path. anat. Instituts der Landesuniversi­tät Gießen, der im Auftrage der Reichsreginung die Seuchengebiete in Württembwg zum besonderen Studium bereist hatte, hielt einen eingehenden Vortrag, aus welchem festzustellen ist. daß die Seuche aus Oberitalien durch die Schweiz hier ein» geführt wurde, daß sie nichts mll L u n g e n s e u che «and Rinderpest zu tu nhat, sondern nur eine bösartige Form der Maul- und Klauenseuche ist. Die Hauptursache der Ausbreitung liege in der Ungenügenden Beachtung der behördlichen Vor­schriften und der Gewissenlosigkeit vieler Ti:r- besitzer, besonders auch der Führer der Wand:r- schafherden. Es wurde eine Entschließung angenom­men, in der vom Reich eine besonders strenge Bestrafung für leichtfertige Verbreitung gefor­dert wird. In der Aussprache wird von Dr. Kranich als vorzügliches Mittel Jodinkarbon empfohlen, das von der Firma E. Merck in Darmstadt her- igestellt, bisher recht gute Dienste g'leistet hat. Es kamen in der Aussprache auch weiter sehr empfch- lenswerte durch Erfahrungen gezeitigte Vorschläg: zur Kenntnis.

ma. Bingen, 17. Juni. Mit Rücksicht auf das außerordentliche Umsichgreifen und das bös­artige Auftreten der Maul -mb Klauenseuche würben zur Derhü ung der Weiterverbreitung für den ganzen Kreis Bingen cis auf weiteres verboten: Viehmärktx und öffentliche Tierschauen, auch soweit sie aiTberc Gattungen als Wiederkänw und Schweine betreffen; Jahr- itnb Wochenmärkte, auch wenn auf ihnen Vieh nicht gehandelt wird, sowie Kirchweihen; Körungen von Tiei'en jeder Gattung.

int. Zweibrücken, 17. Juni. Folgenden aufsehenerregenden Warnungsmf erläßt di:Pir­masenser Zeitung": Kaust fein Fleisch aus der Umgebung non Zweibrücken, da in dieser Gegend, wie amtlich mitgeteilt wird, die Maul- und Klauen­seuche in erschreckender Weis: um sich greift uni) Gefahr besteht, daß Fleisch von an dieser Krank­heit gefallenem Vieh hier (in Pirmasens) v:rkauft wird. Es ist in den letzten Tagen vorgekommen, daß Bürgermeister der von dieser Krankheit h Km- gesuchten Ortschaften hiesigen (Pirmasenser) Metz­gern kranke Tiere angeboten haben und zwar zu einem Preise von 6 bis 7 Mark das Pfund. Schon dieser niedrige Preis gibt zu den größten B:den- ken Anlaß, und es kann nicht eindringlich genug vor dem Ankauf derartiger Tiere aus dem Seuchm- igebiet gewarnt werden. Durch den Genuß dieses Fleisches können die schwersten Krankhrit'n ent- ffebeit, und es wäre angebracht, daß die zuständigen Behörden die Einfuhr dieses Fleisches untwbinden würden.

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Die Verhandlungen Trimborn;.

Berlin, 18. Juni. Die Bemühungen Trim- borns, ein Kabinett aus den drei alten Kvalitionsparteien zu bilden, hatten bisher keinen Erfolg. Die Sozialdemokratie erklärte laut B. T." daß sie sich nicht an der Regie­rungsbildung beteilige. Sie würde an­

gesichts der Verhandlungen in Spaa dem neuen Kabinett keine Schwierigkellen bereite, behält sich aber alle Schrille vor. Es könne daher wieder nur eine Regierung der bürgerlichen Par teien in Betracht kommen, an der sich Zentrum, Demokraten und Deutsche Volkspartei beteiligen. Unter diesen Umständen sei der Sitzung der de mo kratischen Reichstagsfraktion von heute vormittag große Bedeutung zuzusprechen. Die Demokraten wünschten ziemlich weitgehende Zusicherungen, daß die Sozialdemokraten gegen­über einer Regierung, in der sie vertreten feien, fick nicht unfreundlich stellen. Nach dieser Ent­scheidung werde sich Fehrenbach entschließen, ob er feine Bemühungen Weller fortsetze. Sollte der Be­schluß der Demokraten für die neue Regierungs­bildung günstig sein, so wären damit die Haupt- schwierigkeiten überwunden. Die Ernennung F e h- renbachs zum Reichskanzler wäre dann in kürzester Frist zu erwarten.

Ueber die Auffassung in demokratischen Kreisen hört dieVo 1 kszeitnn g", daß man dort nach wie vor den Wunsch hat, die Tür nach links offen zu halten und die alte Koalition früher oder später wieder herzustellen.

Berlin, 17. Juni. (Wolff.) Die Lage der Regierungsbildung ist noch un­geklärt. Nach den Abendblättern scheint der Präsident der Nationalversammlung, Feh­renbach, sich gegenüber der Anregung, die Kabinettsbildung zu übernehmen, nicht mehr unbedingt ablehnend zu verhalten. Den^ Vorwärts" zufolge wendet sich Fehrew- bach zunächst an die Demokraten und die Deutsche Volkspartei. DerVorwärts" ver­zeichnet noch eine Meldung, wonach die De­mokraten nicht abgeneigt wären, zu ver­suchen, durch den Abgeordneten Schiffer das Kabinett zustandezubringen. Die Vossische Z t g." fafet die vorliegenden, Nachrichten dahin zusammen, daß die Bildung eines auf dem Zentrum und den Demokraten gestutzten Fachministeriums bevorstehe, welches im Herbst den Anschluß nach links an­streben dürfte, um sich aus der mehrheits- sozialistischen Fraktion zu ergänzen, damit würde die alte Koalition wiederhergestellt.

Berlin, 17. Juni. (Wolff.) Staats­sekretär Trimborn berichtete heute vor­mittag dem Reichspräsidenten über den Fortgang seiner Verhandlungen. Der Reichs­präsident dankte Trimborn für seine Be­mühungen, die, wie er hoffe, wesentlich zur Ueberwindung der bestehenden Schwierigkei­ten bcigetragen haben. Zurzeit verhandelt bet Reichspräsident mit dem Präsidenten der Na­tionalversammlung, Abgeordn. F e h c e n - bad), wegen der Uebernahme des Reichskanz­leramtes. *

Der Kommunist Paul Levi im Reichstag.

Berlin, 17. Juni. (Priv.-Tel.) Bei den Wahlen vorn 6. Juni waren auf die kommu­nistische Partei 438 000 Stimmen entfallen, trotzdem erlangte sie nur zwei Mandate. Im Wahlkreis Chemnitz wurde Heckert, auf der Reick>swahlliste Klara Zetkin gewählt. Wie dieRote Fahne" beute mitteilt, hat Heckert ent­sprechend der vorn Parteitag sestgelegten Reihen­folge im Einvernehmen mit dem Zentralkomitee und den Genossen des Chemnitzer Kreises aus die Annahme der Wahl verzichtet, so daß an feine Stelle im Kreise ChemnitzZwickau die Genossin Klara Zetkin rückt uitb an ihrer Stelle Paul Levi das aus die Reichswahlliste entfallende Man­dat übernimmt.

Ein Erlatz öes Reichspräsidenten an die Marine.

Berlin, 17. Juni. (WTB.) Der Reichs­präsident richtete an die Reichs marine folgenden Erlaß: Die M ä r z u n r u h e u und ihre Folge­erscheinungen führten in der M ar ine zu scharfen Gegensätzen und haben die Erhaltung der uns gebliebenen Wehrkraft zur See ernstlich in Frage gestellt. Mit Befriedigung habe ich daher die Mel­dung des Reichswehr Ministers empfangen, daß am 31. 5., dem Jahrestag der Seeschlacht am Skager­rak, die Offiziere, die nach Prüfung der Vorgänge als unbelastet befimben wurden, den ihnen zu­fallenden Dienst ordnungsmäßig wieder aufnehmen konnten. Damit ist die militärische Ordnung in der Marine, wie die gesetzlichen Bestimmungen und Organisativnsvorfchriften es verlangen, wieder her­gestellt worden. Allen denen, die in den Unruhtagen zur Reichsversassung und verfassungsmäßigen Re­gierung standen, spreche ich hiermit den Dank des Vaterlandes aus. Pflicht jedes einzelnen ist es nun, in mrbedingter Verfassungstreue und selbst­loser Hingabe an das Bolksganze unter Beiseite­stellen alles Trennenden redlich, mitzuwirken, daß treue Kameradschaft und gegenseitiges Vertrauen alle der Marine Angehörigen verbinden zu ge­meinsamer, auf Pflichttreue und Manneszucht be­ruhender Leistung. Soll die Marine ihre Auf­gabe erfüllen, so muß sie festgefügt im Innern und von dem einmütigen Willen bffeelt sein, sich rückhaltlos der verfassungsmäßigen Regierlmg unterzuordnen. Die Regelung der Dienstverhält­nisse in der Marine ist Sach: des Reichswehr­ministers und der von ihm eingesetzten Dienst­stellen. Die Mannschaften müssen sich jeder Ein­wirkung auf militärdienstliche Augelegnt Hellen ent­halten. Der Dienst in der Marin: ist freiwillig. Wer den Dienst auf sich nimmt, muß sich aber verpflichten, die Pflichten, di' ihm die Verfassung, die Gesetze und die Dienstordnung auferlcßen.

gewissenhaft zu erfüllen. Sv fordere ich alle Offi­ziere und Mannschaften auf, die Reihen zu schließen', zu treuer Mitarbeit am Wiederaufbau der Ma-" eine zum Besten des Vaterlandes und feiner- Zukunft.

Ter Termin der Konferenz von Boulogne.

Paris,,18. Juni. (WTB.) Es bestätigt sich,, daß die Konferenz von Boulogne am 24. Juni stattsinden wird. Außer den Vertretern EnglcurdF und Frankreichs sind Italien, Belgien und Japan eingeladen worden, sich vertreten zu lassen.

Keine Vertretung Amerikas in Spaa.

Rotterdam 17. Juni. (Wolff.) Das, Staatsdepartement in Washingtow widerspricht, wie derNieuwe Rotterdamfche Cou-. rant" meldet, amtlich den Gerüchten, daß Oberst! Honse nach (Europa gegangen sei, uni die Ver- einigten Staaten in Spaa zu vertreten. Unter den gegenwärtigen Umständen würden die V:r- einigten Staaten wahrscheinlich auf der Konferenz nicht vertreten sein.

Die Entschädigungssumme.

Paris, 17. Juni. (Wolff.) Die Senatskom. Mission erörterte die Festsetzung der deutscher Entschädigungssumme und die demnächst ftattfinbenben englisch-französischen Verhandlungen über diese Frage. In der Debatte wurde verlangt, daß an die Festlegung der deutschen Entschädigung gewisse Bedingungen geknüpft werden müssen. Es müsse eine interalliierte oder internationale An­leihe zustande kommen, deren erste Rate größten­teils dem für die verwüsteten Gebiete geschaffenen Spezialfonds zufließen müsse. Die nächste Rate könnte dann unter gewissen Bedingungen zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands Ver­wendung finden.

Frankreichs Kriegsopfer.

Paris, 17. Juni. (Wolff.) Das französische Kriegsministerrum gibt bekannt, daß im Kriege auf französischer Selle 1 358 872 Mann gefallen sind. Darunter sind als verschwunden gemeldet 361 854 Mann.

Die Wirtschaftsverhandlungen mit Rußland.

London, 16. Juni. (WTB.) Havas. Der ständige Ausschuß des obersten Wirtschafts- r ckl e s und Krassin sind am Donnerstag nach­mittag zu einer Besprechung zusammengetreten.

Amsterdam, 17. Juni. (Wolff.)Algemeen Hcnchelsblad" meldet aus London: Krassin soll nach der gestrigen Sitzung des Völkerbunds­rates der englischen Regierung bestimmt verspro­chen haben, die bolschewistischen Truppen würden aus Persien zurückgezogen.

Der Bölkerbnndsrat und Persien.

Amsterdam, 17. Juni. (Wolff.) Aus Lon­don wird gemeldet: Der Völkerbundsrat Nahm eine Resolution an, in der erklärt wird, die persische Regierung appelliere mit R:cht an die grundlegenden Schlichtungspriuzipien der Vol- öerbundssatzung, wenn sie den Völkerbund ersuche, seine Bereitwilligkeit zur Erhaltung der Unverlch- lichkeit Persiens zu erklären.

London, 18. Juni. (WTB.) Krass in hatte gestern eine Unterredung mit dem persischen Minister des Aeußern, dem Prinzen Firuz.

Amsterdam, 17. Juni. (WTB.) Die Times" meldet aus Teheran: Der rote vwolli- tionäre Ausschuß Persiens meldet in einer Prokla­mation die Ausru f ung der Räterepublik in Re s ch t an. Die persischen Bolschewisten gebm in Telegrammen an die amerikanische und fran- zosische Gesandtschaft die Errichtung eines roten Ausschusses und die Abschaffung der Monarchie be­kannt. Sie Oroteftierten gegen die fort bauern be An­wesenheit der englischen Truppen in Persien.

Eiu Massenmord der Bolschewisten.

Kopenhagen, 17. Juni. (Wolff.) Nach einem Telegramm aus Warschau meldet der pol­nische General st absbericht: Im Mlli- tärhofpital in Shitomir, wo es der bolschewisti­schen Reiterei vorübergehend gelungen war, ein­zudringen, ermordeten die Bolschewisten 6 0 0 verwundete Soldaten, außerdem das gesamte Personal an Aerzten und Krankenpflege­rinnen. Das ganze Spital wurde niedergebrannt.

Eine japanische Rote an China.

Tokio, 16. Juni. (WTB.) Der japanische Minister des Aeußern veröffentlicht nunmehr den Inhalt der am 13. Mai an China gerichteten Note. Darin wird wiederholt gesagt, daß Japan wünfche, Verhandlungen über die Rückgabe von Kiautschau an China einzuleiten und er- flärt, daß Japan zur Rückgabe dieses Gebietes und lur Zurückziehung seiner Truppen bereit ist. Die Note erinnert daran, daß vor dem Versalller Frieden China in die Hebertragung von Schan- tung an Japan eingewilligt habe. Die Rückgabe von Kiautschau an China würde an den Besllm-' mungen des Versalller Friedens nichts ändern.

Eine Sinnfeinerschlacht in Irland.

London, 17. Juni. (WTB.) Ter Morning Post wird aus Londonderry gemeldet, daß sich am Mittwoch zwischen 200 Sinnfeinern und Anhän­gern der Regierung eine förmliche Schlacht abspielte, die drei Stunden dauerte. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt.

Amsterdam, 17. Juni. (WTB.) Auf dem Kongreß des amerikanischen Arbei­terverbandes in Montreal 'wurde eine Resolution angenommen, die fordert, daß die militärische Be- falrnng aus Irland zurückgezogen und das Selbst- bestimmungsrecht des irischen Volles anerkannt werde.