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Frankfurt a. M. (1686
Erstes Blatt
(70. Jahrgang
Freitag, (8. Zmi (920
Gietz« erAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Vie Maul- und Ulauenseuche.
Tas Ministerium des Innern, Abteilung für Gesundheitswesen, veröffentlicht im Regierungsorgan folgende Ausführungen :
Tie Maul- und Klauenseuche ist eine Krankheit, die die Rinder, Schafe. Ziegen und Schweine befällt und auch auf Menschen übertragbar ist, insbesondere durch den Genuß unabgekochter Milch von kranken Tieren. Sie wird hervorgerufen durch einen Erreger, der so klein ist, daß er mit den jetzigen optischen Hilfsmitteln nicht erkannt werden kann. Trotzdem kennen toll seine Eigenschaften recht gut, insbesondere wissen wir, daß er außerordentlich leicht übertragbar ist.
Tie Maul- und Klauenseuche beginnt mit Schüttelfrost und Fieber; die Tiere fressen nicht mehr, kauen nicht wieder und sind sehr matt treten von einem Fuß auf den anderen und zeigen ost auch Volikartige Erscheinungen. Bald darauf erscheinen im M aul, am Gaumen lauf der Zunge, am Euter und zwischen den Klauen und am Saumband kleinere und größere Blasen, die nach kurzer Zeit platzen und Geschwüre hinterlassen, die allmählich abheilen. Infolge dieser Blasen und Geschwüre geifern die Tiere viel und öffnen ab und Ml das Maul mit einem eigentümlichen schmatzenden Geräusch. Der Verlauf der Seuche ist ganz verschieden: »manchmal verläuft sie so mild, daß die Tiere nach wenigen Tagen wieder fressen und auch wieder Milch geben. Oft aber ist der Verlauf so schwer und bösartig, daß ein großer Teil der Tiere plötzlich .am Herzschlag verendet infolge der durch den Erreger abgesonderten Giftstoffe. Gefürchtet sind bei schwerem Seuchenverlauf auch die Nachkrankheiten, die insbesondere an den Klauen zu schweren Vereiterungen und zum Abstoßen des Klauenschuhs führen Tragende Tiere verkalben sehr oft und bleiben später unfruchtbar. Schon bei gewöhnlichem Verlauf .der Seuche sind die direkten und indirekten Schädigungen unseres Viehstandes außerordentlich groß. Ungeheuer groß und unersetzbar aber werden die Verluste, wenn die Seuche in einer so bösartigen Form austritt, wie in diesem Jahre beobachtet wird. Diese Form bet Seuche wurde zuerst in Oberitalien festgestellt: sie kam dann über die Schweiz nach Elsaß, Baden Bayern, Württemberg und jetzt auch zu uns nach Hessen und ist aus dem Wege nach Nortckeutsch-- land. Cs muß deshalb mit allen Mitteln versucht weden, die Weiterverbweitung der Seuche aufzuhalten.
Die Seuche wird nicht nur von Tier zu Tier, sondern auch durch sogenannte Zwischenträger verbreitet. Als solche kommen auch Tiere in Betracht, die selbst nicht an der Klauenseuche erkranken, wie Pferde, Hunde, Katzen, Hühner, Gänse, Tauben und Enten, aber auch Ratten und zweifellos auch die Vögel. Daneben wird die Seuche insbesondere auch durch Personen (Hamsterer, Hausierer, Metzger, Händler, Dienstboten usw.) von Gehöft zu Gehöft und von Stall zu Stall übertragen. Die Zwischenträger übertragen die Seuche insbesondere durch die Füße bzw. das Schuhwerk. Die jetzige außerordentliche Verbreitung der Seuche ist in erster Linie aus die Verschleppung durch den Personenverkehr zurückzuführen, denn der Viehverkehr, der in früheren Jahren die Hauptursache dec Verbreitung war, ist zur Zeit außerordentlich gering. Insbesondere aber die Wanderschafe haben verschie- dentlich die Seuche von Ort zu Ort geschleppt. Auch die Tanzvergnügungen, Belustigungen sonstiger Art, Kinos usw. tragen zur Verbreitung der Seuche bei.
Aus dem Obengenannten geht hervor, daß es für den einzelnen Landwirt sShr gut möglich ist, seinen Viehbestand vor der Ansteckung weit- gehendst zu schützen dadurch, daß er den An- stecküngsstoff möglichst aus seinem Gehöft und insbesondere aus seinem Stall fernzuhalten sucht. Dies geschieht am einfachsten dadurch, daß er Leute, die nichts in seinem Stalle zu suchen haben, nicht in denselben hineinläßt und die Personen,^ die im Stalle beschäftigt sind, möglichst in besonderer Kleidung, namentlich aber in besonderen Stallschuhen (zu empfehlen sind die leicht waschbaren und desinfizierbaren Holzschuhe) die Ställe b.-toeten läßt. Vor den Stalleingang ist ein großer Sack zu legen, der ständig mit einer desinfizierenden Flüssigkeit (Kreosinwasser, Lysolwasser und Kalkmilch) getränkt sein muß. Vor jedem Betreten des Stalles sind die Schuhe an diesem Sack gründlich abzureiben. Ein ähnliches Verfahren empfiehlt. sich vor der Haustüre, damit die Personen, die im Hause verkehren, sich ebenfalls vor dem Betreten des Gehöftes die Schuhe desinfizievcn. Gan zbesondere Aufmerksamkeit muß auch dem Geflügel gewidmet werden. Es ist unbedingt notwendig, daß in verseuchten Gemeinden in der jetzigen Zeit am besten überall das Ge- flüget den Hof nach Möglichkeit nicht verlassen kann, weil die Gefahr besteht, daß die Hühner, Gänse und Enten den Ansteckungsstoff mit in den Hof und den Stall tragen und auch das Futter mit dem Ansteckungsstoff besudeln können. Um die Weitecverbreitung der Seuche zu verhüten, ist es weiterhin unbedingt notwendig, daß alle zur Bekämpfung der Seuche erlassenen Vorschriften von den Landwirten und Viehbesitzern befolgt werden, beim auch bei dem jetzigen Seuchengang ist es bewiesen, daß da, wo alle Maßnahmen von allen Interessenten befolgt und kontrolliert wurden, die Seuche auf die Ursprungsherdc beschränkt geblieben ist. Der Ansteckungsstoff wird aus verseuchten Gehöften besonders hmausgetragen aus die Dorfstraße und auf die Feldwege durch Abfahren von Dünger und Jauche. Es darf deshalb aus verseuchten Gehöften aus keinen Fall Dünger und Jauche vor erfolgter Desinfektion und namentlich nicht aus Gehöften ausgefahren iverden, wo die Seuche, wie letzt zweifellos vielfach amtlich festgestellt, ver
heimlicht wurde. Aus all dem Gesagten geht Her-I vor, daß ohne die verständige Mithilfe der Tierbesitzer und Landwirte eine Bekämpfung der Seuche, nicht möglich ist. Daß diese Mitarbeit der Landwirte teilweise bisher' gefehlt hat, ist um so unbegreiflicher, nachdem feststeht, daß die Seuche ungeheuere Verluste unserem an sich schon reduzierten Viehstand verursacht. In einzelnen Fällen, wie namentlich in Württemberg und neuerdings auch in Hessen, ist festgestellt, daß zu 8 0 Prozent und mehr des ganzen Viehstandes der Seuche zum Opfer fällt.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert di: Tes- inftktion des Stalles und des Gehöftes nach dem Abhellen der Seuche, und zwar deshalb, well b:i ungenügender Desinfektion das Wiedevaufflammm der Seuche nach wenigen Wochen oder Monaten zu erwarten ist, well die durch 'das Ueberstehm der Krankheit bedingte Unempsängbichkell nur von verhältnismäßig kurzer Dauer ist. Der Desinfektion des Stalles hat eine ganz gründliche Reinigung der Standplätze, der Krippen, der Stallgasse, der Jaucheabflüsse, der Dungplätze, möglichst mit heißem Sodmoasser vorherzugehen. Die eigmtllche Desinfektion erfolgt durch gutes Austünchen mit frisch angesetzter Kalkmilch nach den von dem beamteten Tierarzt gegebenen Vorschriften. Der Dünger muß vor dem Entfernen aus dem Stalle gut mit dünn angerührter Kalkmilch vermengt und dann fest aus den Düngerhaufen gepackt werden. Ebmso ist die Jauche durch Einbringen von großen Men- ßen frisch gelöschtem Kalk und durch nachheriges Ümrühren zu desinfizieren. An Kalk, der übrigens auch ein gutes Düngemlltel ist, soll möglichst nicht gespart iverden. Lieferung der nötigen Mmgen Kalk ist in Aussicht gestellt.
Die Behandlung der Maul- Und Klauenseuche ist dem Tierarzt zu übertragen. In neuerer Zeit stehen verschiedene Mittel zur Anfügung, die nach ben bis jetzt vorliegenden Ergebnissen besonders in den schweren Fällen eine wesentliche Milderung des Verlaufs und ein bedeutendes Zurückgehm der Sterblichkeistziffer herbeiführen. Gewarnt wird vor den jetzt vielfach angepriesenen Mitteln und Mittel- chm, die alle mehr oder weniger in g:winnbring:n- der Absicht angeboten und vertrieben werdm und absolut wertlos sind, namentlich auch deshalb, weil dadurch eilte rechtzeitige sachgemäße Bchandlung vereitelt wird.
rm. Darmstadt, 17. Juni. Die Bekämpfung der mit entsetzender Verheerung Um sich greifenden Maul- und Klauenseuche war Hauptgsgenstand der Beratung des gestern auf Einladung des Ministeriums dahier einberufenen Ver- sammlung destierärztlichenProvinzial- vereins. Für die Regierung war Obermedizinal- rat Beiling, für die Landwirtschaftskammer Oeko- uomierat Dr. Hammann amvesend. Der Direktor des vet.-path. anat. Instituts der Landesuniversität Gießen, der im Auftrage der Reichsreginung die Seuchengebiete in Württembwg zum besonderen Studium bereist hatte, hielt einen eingehenden Vortrag, aus welchem festzustellen ist. daß die Seuche aus Oberitalien durch die Schweiz hier ein» geführt wurde, daß sie nichts mll L u n g e n s e u che «and Rinderpest zu tu nhat, sondern nur eine bösartige Form der Maul- und Klauenseuche ist. Die Hauptursache der Ausbreitung liege in der Ungenügenden Beachtung der behördlichen Vorschriften und der Gewissenlosigkeit vieler Ti:r- besitzer, besonders auch der Führer der Wand:r- schafherden. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der vom Reich eine besonders strenge Bestrafung für leichtfertige Verbreitung gefordert wird. In der Aussprache wird von Dr. Kranich als vorzügliches Mittel Jodinkarbon empfohlen, das von der Firma E. Merck in Darmstadt her- igestellt, bisher recht gute Dienste g'leistet hat. Es kamen in der Aussprache auch weiter sehr empfch- lenswerte durch Erfahrungen gezeitigte Vorschläg: zur Kenntnis.
ma. Bingen, 17. Juni. Mit Rücksicht auf das außerordentliche Umsichgreifen und das bösartige Auftreten der Maul -mb Klauenseuche würben zur Derhü ung der Weiterverbreitung für den ganzen Kreis Bingen cis auf weiteres verboten: Viehmärktx und öffentliche Tierschauen, auch soweit sie aiTberc Gattungen als Wiederkänw und Schweine betreffen; Jahr- itnb Wochenmärkte, auch wenn auf ihnen Vieh nicht gehandelt wird, sowie Kirchweihen; Körungen von Tiei'en jeder Gattung.
int. Zweibrücken, 17. Juni. Folgenden aufsehenerregenden Warnungsmf erläßt di: „Pirmasenser Zeitung": Kaust fein Fleisch aus der Umgebung non Zweibrücken, da in dieser Gegend, wie amtlich mitgeteilt wird, die Maul- und Klauenseuche in erschreckender Weis: um sich greift uni) Gefahr besteht, daß Fleisch von an dieser Krankheit gefallenem Vieh hier (in Pirmasens) v:rkauft wird. Es ist in den letzten Tagen vorgekommen, daß Bürgermeister der von dieser Krankheit h Km- gesuchten Ortschaften hiesigen (Pirmasenser) Metzgern kranke Tiere angeboten haben und zwar zu einem Preise von 6 bis 7 Mark das Pfund. Schon dieser niedrige Preis gibt zu den größten B:den- ken Anlaß, und es kann nicht eindringlich genug vor dem Ankauf derartiger Tiere aus dem Seuchm- igebiet gewarnt werden. Durch den Genuß dieses Fleisches können die schwersten Krankhrit'n ent- ffebeit, und es wäre angebracht, daß die zuständigen Behörden die Einfuhr dieses Fleisches untwbinden würden.
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Die Verhandlungen Trimborn;.
Berlin, 18. Juni. Die Bemühungen Trim- borns, ein Kabinett aus den drei alten Kvalitionsparteien zu bilden, hatten bisher keinen Erfolg. Die Sozialdemokratie erklärte laut „B. T." daß sie sich nicht an der Regierungsbildung beteilige. Sie würde an
gesichts der Verhandlungen in Spaa dem neuen Kabinett keine Schwierigkellen bereite, behält sich aber alle Schrille vor. Es könne daher wieder nur eine Regierung der bürgerlichen Par teien in Betracht kommen, an der sich Zentrum, Demokraten und Deutsche Volkspartei beteiligen. Unter diesen Umständen sei der Sitzung der de mo kratischen Reichstagsfraktion von heute vormittag große Bedeutung zuzusprechen. Die Demokraten wünschten ziemlich weitgehende Zusicherungen, daß die Sozialdemokraten gegenüber einer Regierung, in der sie vertreten feien, fick nicht unfreundlich stellen. Nach dieser Entscheidung werde sich Fehrenbach entschließen, ob er feine Bemühungen Weller fortsetze. Sollte der Beschluß der Demokraten für die neue Regierungsbildung günstig sein, so wären damit die Haupt- schwierigkeiten überwunden. Die Ernennung F e h- renbachs zum Reichskanzler wäre dann in kürzester Frist zu erwarten.
Ueber die Auffassung in demokratischen Kreisen hört die „Vo 1 kszeitnn g", daß man dort nach wie vor den Wunsch hat, die Tür nach links offen zu halten und die alte Koalition früher oder später wieder herzustellen.
Berlin, 17. Juni. (Wolff.) Die Lage der Regierungsbildung ist noch ungeklärt. Nach den Abendblättern scheint der Präsident der Nationalversammlung, Fehrenbach, sich gegenüber der Anregung, die Kabinettsbildung zu übernehmen, nicht mehr unbedingt ablehnend zu verhalten. — Den^ „Vorwärts" zufolge wendet sich Fehrew- bach zunächst an die Demokraten und die Deutsche Volkspartei. Der „Vorwärts" verzeichnet noch eine Meldung, wonach die Demokraten nicht abgeneigt wären, zu versuchen, durch den Abgeordneten Schiffer das Kabinett zustandezubringen. — Die „Vossische Z t g." fafet die vorliegenden, Nachrichten dahin zusammen, daß die Bildung eines auf dem Zentrum und den Demokraten gestutzten Fachministeriums bevorstehe, welches im Herbst den Anschluß nach links anstreben dürfte, um sich aus der mehrheits- sozialistischen Fraktion zu ergänzen, damit würde die alte Koalition wiederhergestellt.
Berlin, 17. Juni. (Wolff.) Staatssekretär Trimborn berichtete heute vormittag dem Reichspräsidenten über den Fortgang seiner Verhandlungen. Der Reichspräsident dankte Trimborn für seine Bemühungen, die, wie er hoffe, wesentlich zur Ueberwindung der bestehenden Schwierigkeiten bcigetragen haben. Zurzeit verhandelt bet Reichspräsident mit dem Präsidenten der Nationalversammlung, Abgeordn. F e h c e n - bad), wegen der Uebernahme des Reichskanzleramtes. *
Der Kommunist Paul Levi im Reichstag.
Berlin, 17. Juni. (Priv.-Tel.) Bei den Wahlen vorn 6. Juni waren auf die kommunistische Partei 438 000 Stimmen entfallen, trotzdem erlangte sie nur zwei Mandate. Im Wahlkreis Chemnitz wurde Heckert, auf der Reick>swahlliste Klara Zetkin gewählt. Wie die „Rote Fahne" beute mitteilt, hat Heckert entsprechend der vorn Parteitag sestgelegten Reihenfolge im Einvernehmen mit dem Zentralkomitee und den Genossen des Chemnitzer Kreises aus die Annahme der Wahl verzichtet, so daß an feine Stelle im Kreise Chemnitz—Zwickau die Genossin Klara Zetkin rückt uitb an ihrer Stelle Paul Levi das aus die Reichswahlliste entfallende Mandat übernimmt.
Ein Erlatz öes Reichspräsidenten an die Marine.
Berlin, 17. Juni. (WTB.) Der Reichspräsident richtete an die Reichs marine folgenden Erlaß: Die M ä r z u n r u h e u und ihre Folgeerscheinungen führten in der M ar ine zu scharfen Gegensätzen und haben die Erhaltung der uns gebliebenen Wehrkraft zur See ernstlich in Frage gestellt. Mit Befriedigung habe ich daher die Meldung des Reichswehr Ministers empfangen, daß am 31. 5., dem Jahrestag der Seeschlacht am Skagerrak, die Offiziere, die nach Prüfung der Vorgänge als unbelastet befimben wurden, den ihnen zufallenden Dienst ordnungsmäßig wieder aufnehmen konnten. Damit ist die militärische Ordnung in der Marine, wie die gesetzlichen Bestimmungen und Organisativnsvorfchriften es verlangen, wieder hergestellt worden. Allen denen, die in den Unruhtagen zur Reichsversassung und verfassungsmäßigen Regierung standen, spreche ich hiermit den Dank des Vaterlandes aus. Pflicht jedes einzelnen ist es nun, in mrbedingter Verfassungstreue und selbstloser Hingabe an das Bolksganze unter Beiseitestellen alles Trennenden redlich, mitzuwirken, daß treue Kameradschaft und gegenseitiges Vertrauen alle der Marine Angehörigen verbinden zu gemeinsamer, auf Pflichttreue und Manneszucht beruhender Leistung. Soll die Marine ihre Aufgabe erfüllen, so muß sie festgefügt im Innern und von dem einmütigen Willen bffeelt sein, sich rückhaltlos der verfassungsmäßigen Regierlmg unterzuordnen. Die Regelung der Dienstverhältnisse in der Marine ist Sach: des Reichswehrministers und der von ihm eingesetzten Dienststellen. Die Mannschaften müssen sich jeder Einwirkung auf militärdienstliche Augelegnt Hellen enthalten. Der Dienst in der Marin: ist freiwillig. Wer den Dienst auf sich nimmt, muß sich aber verpflichten, die Pflichten, di' ihm die Verfassung, die Gesetze und die Dienstordnung auferlcßen.
gewissenhaft zu erfüllen. Sv fordere ich alle Offiziere und Mannschaften auf, die Reihen zu schließen', zu treuer Mitarbeit am Wiederaufbau der Ma-" eine zum Besten des Vaterlandes und feiner- Zukunft.
Ter Termin der Konferenz von Boulogne.
Paris,,18. Juni. (WTB.) Es bestätigt sich,, daß die Konferenz von Boulogne am 24. Juni stattsinden wird. Außer den Vertretern EnglcurdF und Frankreichs sind Italien, Belgien und Japan eingeladen worden, sich vertreten zu lassen.
Keine Vertretung Amerikas in Spaa.
Rotterdam 17. Juni. ’ (Wolff.) Das, Staatsdepartement in Washingtow widerspricht, wie der „Nieuwe Rotterdamfche Cou-. rant" meldet, amtlich den Gerüchten, daß Oberst! Honse nach (Europa gegangen sei, uni die Ver- einigten Staaten in Spaa zu vertreten. Unter den gegenwärtigen Umständen würden die V:r- einigten Staaten wahrscheinlich auf der Konferenz nicht vertreten sein.
Die Entschädigungssumme.
Paris, 17. Juni. (Wolff.) Die Senatskom. Mission erörterte die Festsetzung der deutscher Entschädigungssumme und die demnächst ftattfinbenben englisch-französischen Verhandlungen über diese Frage. In der Debatte wurde verlangt, daß an die Festlegung der deutschen Entschädigung gewisse Bedingungen geknüpft werden müssen. Es müsse eine interalliierte oder internationale Anleihe zustande kommen, deren erste Rate größtenteils dem für die verwüsteten Gebiete geschaffenen Spezialfonds zufließen müsse. Die nächste Rate könnte dann unter gewissen Bedingungen zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands Verwendung finden.
Frankreichs Kriegsopfer.
Paris, 17. Juni. (Wolff.) Das französische Kriegsministerrum gibt bekannt, daß im Kriege auf französischer Selle 1 358 872 Mann gefallen sind. Darunter sind als verschwunden gemeldet 361 854 Mann.
Die Wirtschaftsverhandlungen mit Rußland.
London, 16. Juni. (WTB.) Havas. Der ständige Ausschuß des obersten Wirtschafts- r ckl e s und Krassin sind am Donnerstag nachmittag zu einer Besprechung zusammengetreten.
Amsterdam, 17. Juni. (Wolff.) „Algemeen Hcnchelsblad" meldet aus London: Krassin soll nach der gestrigen Sitzung des Völkerbundsrates der englischen Regierung bestimmt versprochen haben, die bolschewistischen Truppen würden aus Persien zurückgezogen.
Der Bölkerbnndsrat und Persien.
Amsterdam, 17. Juni. (Wolff.) Aus London wird gemeldet: Der Völkerbundsrat Nahm eine Resolution an, in der erklärt wird, die persische Regierung appelliere mit R:cht an die grundlegenden Schlichtungspriuzipien der Vol- öerbundssatzung, wenn sie den Völkerbund ersuche, seine Bereitwilligkeit zur Erhaltung der Unverlch- lichkeit Persiens zu erklären.
London, 18. Juni. (WTB.) Krass in hatte gestern eine Unterredung mit dem persischen Minister des Aeußern, dem Prinzen Firuz.
Amsterdam, 17. Juni. (WTB.) Die „Times" meldet aus Teheran: Der rote vwolli- tionäre Ausschuß Persiens meldet in einer Proklamation die Ausru f ung der Räterepublik in Re s ch t an. Die persischen Bolschewisten gebm in Telegrammen an die amerikanische und fran- zosische Gesandtschaft die Errichtung eines roten Ausschusses und die Abschaffung der Monarchie bekannt. Sie Oroteftierten gegen die fort bauern be Anwesenheit der englischen Truppen in Persien.
Eiu Massenmord der Bolschewisten.
Kopenhagen, 17. Juni. (Wolff.) Nach einem Telegramm aus Warschau meldet der polnische General st absbericht: Im Mlli- tärhofpital in Shitomir, wo es der bolschewistischen Reiterei vorübergehend gelungen war, einzudringen, ermordeten die Bolschewisten 6 0 0 verwundete Soldaten, außerdem das gesamte Personal an Aerzten und Krankenpflegerinnen. Das ganze Spital wurde niedergebrannt.
Eine japanische Rote an China.
Tokio, 16. Juni. (WTB.) Der japanische Minister des Aeußern veröffentlicht nunmehr den Inhalt der am 13. Mai an China gerichteten Note. Darin wird wiederholt gesagt, daß Japan wünfche, Verhandlungen über die Rückgabe von Kiautschau an China einzuleiten und er- flärt, daß Japan zur Rückgabe dieses Gebietes und lur Zurückziehung seiner Truppen bereit ist. Die Note erinnert daran, daß vor dem Versalller Frieden China in die Hebertragung von Schan- tung an Japan eingewilligt habe. Die Rückgabe von Kiautschau an China würde an den Besllm-' mungen des Versalller Friedens nichts ändern.
Eine Sinnfeinerschlacht in Irland.
London, 17. Juni. (WTB.) Ter Morning Post wird aus Londonderry gemeldet, daß sich am Mittwoch zwischen 200 Sinnfeinern und Anhängern der Regierung eine förmliche Schlacht abspielte, die drei Stunden dauerte. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt.
Amsterdam, 17. Juni. (WTB.) Auf dem Kongreß des amerikanischen Arbeiterverbandes in Montreal 'wurde eine Resolution angenommen, die fordert, daß die militärische Be- falrnng aus Irland zurückgezogen und das Selbst- bestimmungsrecht des irischen Volles anerkannt werde.


