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Erstes Blatt

170. Jahrgang

Mittwoch, 18. Zebruar 1920

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesten

3nnllwgsnm»»r*d u. Deria«: SrShi'jche ii»i».-v»ch- u. Stemüruderei R. lange. Schnstieitiurg, KtschMstell« u.Druierei: sd)nlftr. 7.

Annahme von Anzeige» f. die iaqesnummei vi< jum Nackmillaq vorher ebne jfbrlkrbinMidjrett Preis fflr 1 mm höhe für Anzeigen v.34 mm freite örtiieti 25 l*f, auswärts 30 yt.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm vrette 90 Pf. Bei Platz- oorfterisi20'/.Aufschlag. Vauvtfchri'tleiter: Aug. Goen,. Serantroortlict) für Politik: Aua. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhoi) Zenz; für den AnzelgeiUett: y. Beck, sämtlich in Dieben.

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Ter Sietzenee 2»ze1-er erscheint täglich, außer Sonn- und Fe,ertagS.

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Die Schweiz und der Völkerbund.

Bern, 17. Febr. (Wolff.) In einer Nach­trag S b o t s ch a f t drückt der Bmrdesvat feine Einsicht über den Beitritt der Schmerz zum Völkerbund dahin aus, haft die Bundesoer- hrrnnhnrg im Prinzip den Beitrrü der Schmerz >unt Völkerbünde bereits genehmigt hab: und daß äre Aenderung dieses Beschlusses angesichts der Urgemibhert der Enffchridung der Vereinigten Staaten von dieser Entscheidung nicht abhängig gemacht weichen könne, umsomehr, als offenbar bei der amerikanischen Entscheidung teilwrife Be- ^egsrmr^ der irmererr Pvlittk, teilw.nse Fragen der imerivaniscl;en Außenpolitik (Nichteinmischung in arropäisäze Angelegenheiom) in Betracht kommen,

ist Wri^ens keineswegs endgültig, sondern mit einigen Tücken durchsetzt. Die Entente behalt sich vor, ob sie mit den Leipziger Urteilen sich zufrieden geben will oder nicht. Sie erklärt ausdrücklich, daß sie gegebenen­falls die Angeschuldigten später noch einmal vor ihre eigenen Gerichte stellen werde. Das bedeutet also schon jetzt den unzulässigen Versuch einer Einwirkung auf objektive Rechtssprechung. Das wird den Herren in Laris und London ganz gründlich gesagt wer­den müssen. Unsere Regierung darf kernes- Irnegs Ja und Amen sagen, sondern sie hat aaifs neue ernste Vorstellungen und eine ent­schiedene Zurückweisung dieser Gewaltpolitik Hira Ausdruck zu bringen.

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; Herbei'« zkunft »ahle i^- -wn^ , ß-nni»' ^Kolreng°"s.- *#>

Vie Noten der Entente in den Auslieferungsfragen.

Mit zwei großen Dokumenten ist der oberste Rat unserer Gegner, der diesmal in London versammelt war, wiederum vor die Welt hingetreten. Wer gedacht hatte, die zahl­reichen Stimmen des Auslandes, die ihre Mißbilligung über die schroffe Gewaltpolitik ausgesprochen haben, hätten etwas an dem Geist der Friedensmacher geändert, der fühlt sich stark enttäuscht- Gewiß, es ist wahr, auch in den englischen Regierungskreisen sieht man allmählich ein, daß man auf den bisher be­schrittenen Wegen in den Morast gerät. Praktische Gründe sprechen für eine Revi­sion der bisherigen Taktik. Aber der Geist ist der alte geblieben. Das geht ebensowohl aus der langen, merkwürdig gewundenen und ver­drehten Note an Holland hervor, wie auch aus demEntgegenkommen", das man dem deut­schen Volk zeigt. Es ist klägliche zu sehen, welche moralische Blößen sich die Diktatoren der Weltpolitik dem redlichen kleinen Holland ge­genüber geben. Da werden nicht mehr die un- bestocheneu Rechtsgrundsätze hervorgekehrt, sondern da droht man unve-rblümt mit dem Knüppel des Stärkeren, der es verstanden hat, die Mehrheit der Völker für sich zu organisie­ren. Wir sind gespannt darauf, ob die hollän­dische Regierung von einer solchen Parvenüi- Gesinnung sich ihre Wege vorschreiben lassen wird. Irgend etwas neues wird in diesem Auslieferungsbegehren, das man dreist wie­derholt, nicht gesagt, nur das alte Lamento über das verbrecherische Deutschland wird der Welt zum Ueberdruß noch einmal vorgesetzt. Zwischen den Zeilen kann man dann aller­dings lesen, daß Lolland, wenn es auch nicht vollständig umfallen roofie, doch wenigstens eine Berbeuaung des Entgegenkommens machen und den ehemaligen Kaiser von der gefährlichen" deutschen Grenze weiter ent­fernen möge.

Die Note, die diesmal Lloyd George als Vizepräsident der Friedenskonferenz an Deutschland abaefertigt hat, steckt ebenfalls trotz einer sachlichen Annäherung an den deutschen Standpunkt voller ^Brutalitäten und Anmaßungen. Auch hier spricht beileibe noch nicht gerade Rechtssinn, sondern nur der Uebermut des Gewinners. Es Hingt wie rin leiser Hohn die Frage, ob Deutschland rs wirHich unternehmen werde, die von der Entente Angeschuldigten vor dem Leipziger Gerichtshof aburteilen zu lassen. In der Tat, es ist ein starkes Stück, das wir Deutsche da hinunterschlucken sollen. Ursprünglich rogr das deutsche Angebot ja doch nicht so ge­meint, daß die Führer unserer Heere und unserer Politik sich vor fremden Beschuldi- ipmgen verantworten sollen. Sondern man dachte den Gegnern Gelegenheit zu geben, wirkliche Schuldige, die sich bei Kriegshand- liuigen im einzelnen Grausamkeiten oder 'Lebergriffe haben zu schulden kommen lassen, wr einem deutschen Gericht anzuklagen. Un­sere Regierung wird in ihrer Antwort auf trie gegncrifM^c Note zunächst es abwehren «Üssen, daß mit dem BegriffKriegsver- teecher" ein so arger Mißbrauch getrieben Torben ist. Es wird einer nochmaligen Ver­einbarung bedürfen, welcheschuldige" Per- Änlichkeiten da überhaupt in Frage kommen. Gleichzeitig scheint jetzt der Zeitpunkt ge­kommen zu fein, unsere Gegenliste an zubie­ten. DasEntgegenkommen" der Entente

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Beweis, daß I sten Platz der | ten wird. i überflüssig! I 3 Uhr. 18 | >♦♦♦♦♦♦

bi« für die Schweiz nicht von unbedingter Geltung sind. Trotzdem glaubt der Bundesrat, daß Amerika sich nicht dauernd vom Völkerbünde fernchÄten wird und warnt das Schweizer Volk davor, durch den Nichtbeitritt zum Völkerbünde einer Isolierung zu verfallen, die unter allen Umständen für das Land bireft verhängnisvoll werben könnte.

Bern, 17. Febr. (WB.) Wie der Bund er­fährt, wird die Volksabstimmung in der Schweiz über den Beitritt zum Völkerbund nxchv- scheinlich am 18. 4. statt finden.

Sitzung desObersten Rates" in Landon.

London, 17. Febr. lWolff.) Ter Oberste R a t trat gestern vormittag zusammen. An dec Sitzung nahmen Lloyd George, Lord Curzon, Nitti, Cambon, Berthelot, Chinda, Veniselos und eine Anzahl Sachverständiger teil. Ter Rat be­sprach die Orientfrage. Veniselos sprach über die Lage Griechenlands im Zusammenhang mit der türkischen Angelegenheit. Am Nachmittag kam der Rat abermals zusammen. Tie Sitzung dauerte bis in die späte Nacht hinein.

Die neue Note an Holland-

Haag, 18. Febr. (WTB.) DerNieuwe Courant" bespricht ausWhrstch d-ieneueNotean Holland und sagt u. a.:Es wird unserer Re­gierung nicht schwer fallen, auf dieses neue Schrei­ben eine würdige Antwort zu geben. Wenn von ge­wisser Seite darauf spekuliett sein sollte, die An­gelegenheit von dem Gebiete tatsächlickien Rechts auf das Gebiet persönlichen Vorurteils zu bringen, dann müssen wir bemerken, daß diese Spekulation von vornherein zum Mißlingen verurteilt ist."

Sine Konferenz der Neutralen.

Haag, 17. Febr. (WTB.) Gestern begannen im Friedenspalast die Besprechungen zwischen den Verttetern Dänemarks, Hollands, Nor­wegens, Schwebens und der Schweiz, um die von den genannten Ländern aufgestellten Ent«, würfe über einen ständigen internationa­len Gerichtshof miteinander in Einklang zu bringen.

Frankreichs Kohlenförderungen.

Bern, 17. Febr. (WB.) Nach der Neuen Korrespondenz mümicht Frankreich bte Ernen­nung einer internationalem Kommission, um die Entschädigungsfrage für die oberfchlesische Kohle zu regeln. Tie deutsche stdegiwung hat gegen biete Forderungen Protests wt. Verhandlun­gen sind «ngelevtet.

Caillaux vor Wem Staatsgerichttzhof.

Paris, 17. Febr. (WB.) Heute nachmittag begann vor dem zum obersten Str«tsgerichtsbot erklärten Senat bte Verhandlung gegm Cail­laux. Caillaux ist angeftogt, gegen die äußere Sicherheit des Staates Anschläge unternommen und ein Einverständnis mit dem Feinde gejucht zu haben, um dessen Pläne gegmübw Frankreich und seinen Alliierten zu begünsttgm. Tie heuttge Sitzung wird mit der Verlesung bn: Anklageakten ausgefüllt sein. Ten Vorsitz hat Leon Bourgeois, als Staatsanwalt fuuutert Escouvre. Von der Anklagebehörd^ sind 71 Zeugen g'- lcchen, von den Verteidigern Caillanxs eb'.nsovtel.

tto«fta»ti«opel Irr Türkei.

London, 17. Febr. (WTB.) Tie Agentur Reuter vernimmt ans offizieller Quelle, daß die beitesche Regiervng den englischen Oberibrnmissar in Konstkmttnopel, Ad«nir.rl Ro be ck, angewiesen habe, der Oefferrtlichteit den Beschluß der Alliier- den mitzuteilen, der TürkeidieStadtKon- stantinopel nicht wegrnnehmen. Tie Alliierten machen die Türkei daraus aufmerksam, daß der FrisdenSvertrag beträchrlich geändert werde, wenn die Armenter-^tzerfalgungen fort- dauern sollten.

Konstantinopel, 17 .Febr. (WTB.) Ter Großwesier xnb der Minister des Aeu- ßern sollen die Absicht haben, sich demnächst $u tat Vertretern der Alliierten zu begeben, um ihnen die Lage darzulsgen. Sie werden röt von der Regierung ausgsarbeitet'es Memorandum überreichen, ivelches verlangt: 1. daß die Gebiete mit türkischer Mehrheit unter türkischer Verwal­tung bleiben und daß ihre Rechte garantiert wsr- den, 2. daß in der Lage der besetzten Gebiete eine Aenderung eixtreten möge, 3 daß drc türkischsi DetegteNen an gehört werden, 6e»jr unwiberruf- licho Beschlüsse gefaßt roetaen. In offiziellen türsischen Kreisen gjknti* man, daß bas Memo­randum günstig ausgenommen werde, und man hofft, daß gewiffc bedauerliche Ereignisse, die eine Folge des langen Waffenstlllstandes sind, kein Hirr- dernis bilden werden für die Anertennrmg der fegirimett Rechte der Türtei. Tie Slagtenrng rechn« mit einer batdigen Erntadung zur Friedens- k o n f e r e n z. In den Krehen der Dsorte wird seit einigen Tog«i zur Berlete-igtrng der tttzckischen Interessen eine große 2ätigteit enriattet.

Bundesstaat »der Gi«heit-staat?

Salzburg, 17. Febr. lWolff.) In der Vänberfonterers frinnnten bei dar Abstimmung vbr den Brrtoag des Land«chanvrmanns von Borarl- bcrg, Dr. (Snbrr,Bundesstaat oder ein- hei tsftaa t^, die noch Ländern inte Barteten rwrgenVmmen wurde, die Bertveter der christlich- sozialen und deuttch-fraheitlichen Partei'M iämtlid) vorbehalllos für den BundesAao-.. Bvn den so- zia ldemokrattschen Bartvcvern erflärtm 'ich die De­legierten von Steterm-rrf, von Wim und Nitder- öfterreich für den Buttb-sstaai. Tcr sozialdemo­kratische Vertvtter Obcrösierr tel's, Grub.'r, erkläre, baß die Meyrheir her oberöfierrrichischen Partei­genossen für bei Einheitsstaat stimmen, wenn abu

ein Bundesstaat nach dem Willen der Ntehrhnt g> schaffen werben solle, würben sich auch bu? iozi^l- dcmokratffchen Abgeordneten Oberösb'.rveichs damit einverstanden erklären. Tie sozialdnnottrtisch.'n Vertreter von Salzburg, Tirol, St'ärnten und Vo­rarlberg sprachen sich für den Ernhclts'stoo.t mit Schaffung von eigenen Berwaltungsgelnetm aus.

Sowjet-Rußland.

H e l s i n g f o r s, 17. Febr. (WTB.) Trotzki erklärte bem Zenttalexekutiokornitee, daß die Ar­beitspflicht strengstens durchgesühri werde. Ferner sei die Einführung von Natural- hnen notwerrdig. Neue Arbeitsarmoen würden im Uralgebiet sowie in der ITfcaine gebildet.

Helsingfors, 17. Febr. (WTB.) Wie ver­lautet, hat die polnische Regierung der lettischen mitgeteilt, daß Polen wahrscheinlich in der näch­sten Woche Friedensverhandlungcn mit Räterußland beginnen werde.

Kopenhagen, 18. Febr. (WTB.) Russische Zeitungen melden, daß in bem von den Bolsche­wisten besetzten Tell der U k r a i n e eine neue s eld- st ä n d i g e bolschewistische Republik er­richtet wurde, die mit Sowjetrußland den Bruder­bund schloß. 3um Präsidenten der Repachlik wurde Petrowski ernannt.

Der Zusammenbruch der deutschen Valuta macht ss wünschenswert, sich noch einmal rück­blickend die Entwicklung seit K-riegsausbruch zu ver­gegenwärtigen. Eine bequeme Handhabe dazu bieten die Uebersichten, die in den letzten Jahrgängen der Zeitschrift für Schweizerische Statisttk und Volks-- : wirtschaft veröffenrlichr worden sind. Danach kosteten in Schweizer Franken durchschnittlich:

Zeitraum

100 drugche Marn

100 oft errett Kronen

100 fron» $Jran«en

100 itafien. Lire

Jahr 1913. . .

123,67

104,79

100,26

98,47

1914. . .

120,34

100,11

100,39

98,79

1915. . .

109,27

80,39

96,95

88,14

1916. . .

92,67

62,72

88,78

79,68

1917. . .

72,08

45,33

82,88

63,89

, 1918 . . .

74,07

44,40

78,15

56,52

1. Halbjahr 1919

45,59

22,19

84,87

69,30

(Juli 1919 . . .

36,69

15,37

80,57

65,58

August 19119. .

29,14

11,71

72,28

61,06

September 1919 .

22,62

8,56

66,09

56,66

Oktober 1919 . .

20.50

5,70

64,89

54,80

November 1919 .

14,02

4,38

58,90

46,65

Dezember 1919 .

11,06

3,10

50,33

40,95

Im Dezember 1919 war also die Mark gleich 9 Pfennig, bte Krone gleich 3 Heller, der fran­zösische Frank gleich 50 -Centimes, der Lire gleich 41 Centesimi. Inzwischen sind alle diese Devisen­kurse bekanntlich iwch weiter gestürzt. Am 31. Ja- miar 1920 war in Zürich die Mark gleich 51/2 Pfennig, die .Krone gteich 2 Heller, der französische Frank gleich 43 Centimes, der Lire gleich 36 Cente­simi. Den Stand von 3/? des Borkriegsioertes, den jetzt der französische Frank bat, hatte die Mark im Februar 1919, die Krone im Funi 1918. Den Stand von V, des Borkrrsgswertes, den heute der Lire hat, hatte die Mark im März 1919, bte Krone im August 1918. Damals war der Zeitunterschied -wischen Gleichstand von Mark und Krone noch 8 bzw. 7 Monate. Er hat sich seitdem immer mehr verringert. Es hatten nämlich die gleiche Entrver- tung die Mark im Ammst 1919 und bte Krone im Februar 1919, die Mark im Oktober 1919 und die Krone im Juni 1919, bte Mark im November 1919 imb die .Krone im August 1919.

Der Vorsprung Oesterreichs in diesem unseligen Wettlauf wttd immer kleiner. Auch wir stürzen rettungslos in den Abgrund, wenn wir nicht noch in zwslster Stunde unsere öffentlichen Fnian^en sanrevvn.

rcichs, mit ihrem Mutterlande und bekämpf« grundsätzlich und nachdrücklich alle ^ntrebungen, die eine Abtrennung unzweifelhaft deutschen Lan. des und Bolk'>s von Deutschland zunt Ziele haben, solchen Los'lösungsbesttebungen Deutscher von Deutschland kann am besten vor gebeugt lverden durch ehrliche bundesstaatliche Gestal­tung des Deutschen Reiches und seiner Verfasjunz

Eiuc Besprechung zur Vermehrung der ttohlenförderung.

Essen, 17. Febr. (WTB.) Eine für cte Zukunft imseres Wirtsäwftslebens außenordentlich keieiltungsvolle Besprechung vereinigte heute biet Mitglieder der Reichs- und Staatsregierung und anderer Behörden mit Vertretern der Unternehmer, Arbeiter und Angestellten des Bergsta^t^s und der Eisenindustrie. Es handelte sich^pm die Frage, wie die dringend nutrocnbig'B Vermehrung der Kohlenförderung herbeigeführt werden tonn. Reichskanzler Sauer legte in erndringlicher Wrisc dar, daß ver­mehrte yrb.it das einzige Mittel fei, das Volk aus Armut und Elend zu retten. Leider könnte heute aber nur in recht bescheidenem Maße ge­arbeitet werden, weil nicht hrnreickiend Wohle ver­fügbar sei. Tie Kohle sei der Sd)lüssel für unsere gmize wirtschaftliche Stellung. Es müsse u> oberste Aufgabe der Regierung fern, daß biu Friedens- erzeugunq wieder erreicht werde. Tas lasse sich nicht anders erreichen, als indem länger als 7 Stunden gearbeitet inerbc. Ob das Volk länger arbeiten solle, fet eine Zukunftsfrage. 23um einschneidender Bedeutung sei aber im Augenblick, daß es gelinge, die jährliche Lte>hlenerzeu<;ung epi heblich zu fteigent. Tas sei die Auffasjuna der Regierung und der ganzen Volksgemeiistchaft.

Nach dem Reichskanzler legte Herr S t i n n e s dar, daß eine Mehrförderimg von 30 Millvonrir Donnen Kohle eine tägliche Mehrarbeit von ll/s Stunden beanspruche. Diese müßten sich an die reguläre Schicht anschließen. Jede Tonne mehr­erzeugter Köhle machte knappen und teuren Schiffs­raum frei für die Beförderung von Getreide und anteren Lebens Mitteln. Tie Frage der lieber* stunden sei aber gleichzeittg die Frage besserer Er­nährung, die siofori tn die Wege geleitet werden müsse. Ferner müßten auch die Transportarbeiter aus tv.n Eisenbahnen, Wasserstraßen, Umschlag» Plätzen nsw. entsprechend länger arbeiten, so daß eine geregelte Abfuhr möglich wäre. Ileberarbcitent sollten nicht mit 25 Prozent, sondern mit 100 Prozent Zuschlag auf die bisherigen Sätze bezahlt werden. In der Bwkversargung feim. die Untertage­arbeiter mit den Selbstversorgern gl.'ichzust.'llen. Sie müßten also zu den normalen Jnlandspreiien 24 Pfund Brot und 4 Pfund Fett geliefert bekom­men. Die Vertreter der Gkwnffchaften, Jmbusch und Husemarm, forderten vor allem eine belfere Ernährung für den Bergmann und erllärten, daß die Durchführung der geforderten Ueb-rftintö-m ge­genwärtig eine zu große Belastungsprobe für di' Organisationen darstelle. Gegenüber b»m Ein­wande, daß die anderen Berufe zuerst bte Arbeits­zeit verlängern sollten, entgegnete Eisenbrhn- mmifter Oeser, daß der Bergbau vvnangehm müss?, weil er die gegenwärttg wichtigste Jndustri: ftt. Es handle sich hier um keine Arbeitgeber- ooer Arbeitnehmerfragc, sondern um ein,: Angstegenhett des ganzen Volkes. Mit Nachdruck unterstrich die­sen-anken ReichSpvstminister Giesb rts. Wmn die Regierung ins Ruhrgebiet komme, um dr: Bng- leute um eine erhöhte Ävhlnrerzeugung zu bitten, so fei das ein geschichtliches Evergnis. Geling: es nicht, des ZwAenmangels Herr zu werd'n, so gehe dos ganze Volk vor die Hunde. Auch die Eisenbahnen mußten länger arbeiten. Dw Rstchs- wirtschaftsmrnister ließ, durch den Abg. Osterroch mitteilen, daß ihm kern Opfer zu groß fet, um bte Kohlenförderung zu steigern. Er ßn sofort zu Ver­handlungen bereit, rave eiste bffßere Ernährung her­brigeführt werden föraw.

Aus bem Reiche.

Das Reichstasswahlsefttz.

Berlin, 17. Febr. (Wolff.) Das Reichstags-Wahlgese^ kommt in der nunmehr vom Reichsminiftenum des Innern geplanten Form noch in dieser Woche im Ka­binett znc Beratung.

Das Kommunalisterumslsefttz.

Berlin, 17. Febr. (Wolff.) Der Ent- ttmrf des Kommunalisierungsgeset­zes mar fertig gestellt. Bei dem Sinken detz Valuta und dem Schmanken des Geldwertes konnte aber die ursprünglich geplante Form, der Gewährung von Entschädigungen, die ähn­lich wie beim Elektrizitätsgesetz fich auf den Wert der Unternehmungen vor dem Kriege gründen sollten, nicht mehr aufrecht erhalten bleiben, wenn man nicht große Unbilligkeiten hätte Hervorrufen wollen. Es mußten deshalb neue Verhandlungen über die Wertfestsetzung in die Wege geleitet weoden, die dem Abschlutz nahe sind. Das Gesetz wird der Nationalver- sammlurig »och vorgelegt.

Die erste deutsche föderrliftliche Koxßerenz.

Kassel, 17. Febr. -Wolff.) Die zur Zeit hier tagende, aus alten Teilen DeLtschtcmds stark besuchte erste deutscheföderalistischeAon- ferenz hat einstimmig eine Erschließung Bfc genommen, in der es heißt: Mr terten ein für rin einiges, freies Deutschland unb wahrhaft gleich» bevechrröe Bundesstaaten unter einer starken, von jedem ®in$dftaai unabhängigen gemeinsamen Lei­tung. Wir ersteeben die Wiedervereinigung der gewaltsam von Deutschland abgrtramten Volks Kämme und Länder, msbestmdere Demschöstrr-

Der Prozeß Lrzberger-Helfferich.

sJ3erl_in, 17 .Febr. (Wolff.) Im Ercherger- Lelfferich-Prozeß wurde beute der Fall Wolff verhandelt. Helfferich behauptete, daß Erzberger genaue Beziehungen zu dem großm Eifmhanvels- untcrnehmen Otto Wolff in Köln unter­hielt, dessen Mittnhaber Ottomar Strauß bem Minister seine Stellung verdankte und dessen Mil- lionen-Ausmhrgewinne auf Bevorzugung und In­formationen durch die Erzberger nabeftebenben Behörden beruhten. Tie Firma urtterhielt eine üppige Gastlichkeit, woran die höchsten Staats­beamten teilnahmen. Erzberger verwies dagegen auf die Gasttnähter bet Hamburg-Amerika-Linie wahrend des Krieges imKaiserhof", woran sich Helfferich beteiligte. Beide Parteien leugneten die Beschuldigung der Gegenseite ab, sich des öfteren in ungewöhnlicher Werse haben bewirten iu lassen . Erzberger erklärte als Zeuge, er sei an der Ernennung Strauß' zum Geheimen Re- giermigsrat unbeteiligt. Er habe mit Strauß und anderen gelegenllich gefrühstückt, weil er aus Beittnmgel wichtige Besprechungen brim Früh­stück erledigen mußte. Dr. Alsberg fragt, ob Erzberger nicht seinen Freunden kurz vor dem Friedensschluß erKärte, der Friede werde unter allen Umständen geschlossen werden, unb ob darauf mit Wisjen des Neben­klägers Valutaspekulationen in der Schweiz vor genommen wurden. Erzberger erwiderte, seine befamrte Stellung zur Fr Lebensfrage habe er in den Beratungen seiner Fraktion selbstverständlich bargefegt. Wie weit dies nach außen hin befaimt genwrbrit sei, wisse er nicht. Tips in dieser stichttrng habe er niemandem gegenm. Aut du: Frage Helfferichs sagte Erzberger, ihm sei Wolff als eine geeignete Persönlichkeit für den Posten des Generalkommissars für die besetzten Rheinlande bezeichnet werden. Die Sache fei aber