Ausgabe 
16.4.1920
 
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Kr. 89

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poftschecNonto:

$tawffurt a. M. 11686

Erster Blatt

170. Jahrgang

Zreitag, 16. April 1920

BietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

druck unö Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Stcinöruderei R. Lange. Zchriftlettung, GeschästrfteHe und Druckerei: 5chulftraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer Ins zum Rachmittag vorher ohne jede Derbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf ; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Brette 150 Pf Bei Platz. Vorschrift 20" Aufschlag, .^auptschrlstteiler Äug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Auq. Goetz; färben übrigen Teil: Dr. Reinhold «Zen-; für den Anzeigentett: H. Beäl, sämtlich in Dießen.

Preisrückgang für Gegenstände des täglichen vedarfs und Lebensmittel.

Don yiftänbiger Stelle roirb imö geschrieben:

Tee Preisrückgang auf verschiedenen Ge­bieten des Marktes bei Lebensmitteln und Gegen­wänden des täglichen Bedarfs, der seit Farymi nn« gefent bat, ist auf verschiedene wirtschaftliche Fak­toren zurückzuführen Die geringe Hebung der Va­luta tnrrd) Besserung des Markkurses farm nicht die alleinig Ursache sein. Vielmehr hatten die preise für viele Bedarfsartikel in den letzten Mo­naten eine foötir erreicht, die der überwiegen­den Mehrheit der Bevölkerung allmählich unmög­lich machte, den gewohnten Bedarf wie bisher zu decken. Selbst die Löhne konnten nicht mehr mit; die Beamtengehälter blieben weit zurück. Diese wirtschaftliche Krisis der Berbraucherbevölkerung' mußte schließlich zu einem Stillstand ober wenig­stens einer starken Zurückhaltung im tentihuf fuh­ren. Tielc Erfahrung haben viele Kaufleute und Kleinhändler machen müssen. Tie Besserung un­seres Auslandslredüs und die Aussicht auf aus­ländische Zufuhren zu aünftigeren Shrrlcn hat tixv «r dazu lei getragen, der L-pekulation Zurückhal­tung aufxuerlegen. Besonders auffallend ist die imerwariete Wendung auf dem £>äuiemarft, die auch auf andere Gebiete des Großhandels über- gegriffen hat. Ter Preissturz für Roh- bäute von der ungesunden Löhe der jetzigen Wucherpreise ist cm erfreuliches Zeichen für die ^vorstehende i^esundinrg. unseres Wirffchafts- lebens MlerdingS ist es brixmerlich und befrem­dend, daß die InteressQrtenverbande, wie aus der t-tanffurter Zeitung ziu entnahmen ist, diesen Lreisrückgang lünstlich dadurch abzuwenden stechen, bah sie die Häutkbersteigerungen vertagt haben, ©am dies mit Zustimmung der ReiclZsregierung erfolgt, so ist es zweifellos auherordentlich be­ruflich. Auch auf dem Hvlzmarkt ist der Oöd-ftfkmb der Preise anscheinend bereits Über- schritten. Ein PrerSrückgang steht auch hier zu erroarteu und ist votkÄmrtschastlich drrngend mm- weobia.

Aechnliche Preisrückgänge werden wir auf ver­schiedenen Gebieten erwarten Eörmen. Ter Rück­gang der Väutepveise wird in etwa einem Drertel- ahr auch ein Sinken der Lederpreise be- timaen. Bis zum Derbst rorticn. daher auch die bchuhwaren voraussichtlich erheblich büligei werden.

Auch bei Lebensmitteln zeigt sich em auffallender Preissturz, besonders bei solchen Soren, die Gegenstand des GrotzhandrlS imd der ÄpeÜtlatt'on geworden waren. Es ist alfo die Dit- kuöe festzustellen, daß, verschiedene Roh­stoffe billiger geworden sind, und es steht m erroai-tm, das; eine wettere Senkung dieser Steife eintritt.

Die Berbraucherbevölkerung bat ebenso wie der oandel von diesen Vorgängen auf dein Wirt- chaftsmarktt bereits Kenntnis genommen und taktische Schlußfolgerungen gezogen. Mlenthalben ft eine gewisse Zurück ha ltungdes Pub­likums zu bemerken; die Angstkäufe und das Änhamstern haben erheblich nachgelassen. Der Kleinhandel zögert bereits, gröherc Bestellungen bei dem Grobhandel oder den Fabriken zu den bisherigen Tagespreisen zu machen. Vielfach, kamt mly die Beobachtung gemacht werden, daß die Fabriken und »er Großhandel ihre Lager bestände .u vermindern suchen; auch ist in den Großstädten ;u bemerken, daß das Schiebertum ängstlich wird mb zurückgehaltene Warenmengen auf den Markt ürirft. Diese Erhöhung des Angebots gegenüber ter Zurückhaltung in der Nachfrage muß «itur gemäß zu einer weiteren Verbilligung nm ' Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen übten. Dieses erfreuliche Moment kann nur dazu Beiträgen, das gesunken.' Vertrauen des Volkes n unser, eigene Wirtschaftskraft tvieder zu heben ind zu beleben. Das Publikum sollte jedoch wch selbst mithelfen, die Rückkehr ju erträqlidxm Verhältnissen im Wirtschaftsleben zu erleichtern >rnd zu befördern, indem es gerade jetzt wäb- Ecnb der zurückgehenden Konjunktur alle über- lüssigen Ankäufe unterläßt und nur die drin- lenb notwendigen Lebensbedürfnisse an'chasft. Das ßublifum hat es tatsächlich in der Hand, durch eine derartige vernünf­tige Zurückhaltung und Sparsamkeit t»ic Gesundung unferer wirtschaft- 11 eben Verhältnisse zu beschleuni­gen. Daher ist auch eine Aufklärung uni> Seiten erb trihuig der oben erwähnten und an- Kbeuteten wirtschaftlichen Vorgänge von großer Be bcutuufl für unsere deutsche Volkswirtschaft. Das gefährliche Spiel mit dem Gedanken einer Annähe- aing oder Angleichung unferer Inlandspreise an die Wellmarktpv-ise sollte endgültig auf gegeben verbeii. Die tatsächliche natürliche Entwickelung der Verhältnisse ist bereite fiber diesen verzweifelten iS>ebanfen zur Tagesordmrng über gegangen Wenn :atr auch niemals wieder die gleichen Preisverhält- rriffe wie vor dem Kriege bickommen werden, so nüssen dock allmählich erträgliche und Miskömm liche Lebensvcrhältnisse wieder herbeigeführt verden. S>- W.

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Die Konfcrenj von San Remo.

M ailan d, 15. April. (Wolff.) Nitti wird !>eute nach San Remo abreisen, obwohl die Kon- erenz ihre offiziellen Sitzungen erst an: 20. d. M. msnehmen wird, weil Stilleranb nicht eher cm- vesend sein kann. In der Zwischenzeit werden zwischen den englischen und dem italieni­schen Ministerpräsidenten Besprechungen gepflo­gen werden. Die Ablmltung d?r Konferenz iverde etwa eine Woche hi Anspruch nehmen, und zwar «verdat Licht juu' dic adriatischc und lürtische

Frage besprochen werden. Wie verlautet, sollen die Delegierten des russischen Handels, die gegen­wärtig in Kopenhagen weilen, Schritte unternom­men haben, um zu erreichen, daß sie an der Kon­ferenz von San Remo teilnehmen können.

Rom, 15. April. (Wolff.) Der französischc Gesandte 23 arte re wird sich morgen nach San Remo begeben, um dort an der Konferenz der Alliierten gemeinsam mit Millerand lettzuneinnen. Wie die Zeitungen melden, wird sich N i 11 i auf dem Seewege nach San Remo begeben, um dort mit Lloyd George zusammenzutreffen.

Amerika und die Monieren,} von San Nemo.

Paris, 15. April. (Wolff.) Nach dem Petit Journal" ist es nicht wahrscheinlich, daß die amerikanische Regierung auf der Äon? serenz von San Remo vertreten sein werde.

Paris, 15. April. (WTB.) Nach derClff- cago Tribuna" soll der amerikanische Bot­schafter in Rom vom Präsidenten Wilson den Auftrag erhalten haben, der Konferenz in San Remo beizuwohnen, jedoch als einfacher 23eo dachte r.

Eine Anfrage über Deutschland und den Friedensvertrag im englische i Unterhaus.

Londo n, 16. April. (WTB.) Havis. Im Unterlaufe fragte ein Abgeordneter, ob Deut! chland den Friedensvertrag l)tn» sichllich der Abrüstung, der Äblieftrung des Kriegs­materials und der Kol^nlieferungen <m Frankreich verletzte und welche Maß:alnnen zutresfendensttls der Oberste Rat und die englische Regierung zu er­greifen gebädrten, damit TeiUschland "eine Bcr- pslichtungen erfülle. Bonar Law erklärte, dies fei eine Frage, die im Unterhause nicht beant­wortet werden föratie. Die Abg-vrdnelen follten wissen, daß die Ausführung des Friedensrertvages durck) den Botschasterrat und Oie Wiedergut- machungskommission sorgsälttg überwacht werde. Tiefe Fragen würden übrigens zweifellos auf der Konferenz von San Remo besprochen werden.

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Deutsche Ausfuhr nach England.

A m st er da m, 15. April. (WB.) W« die eng­lischen Blätter melden, erklärte der Präsident des britischen Handelsamts im Unterhause, aus Dcutxhland seien in den letzten sechs Monaten für insgesamt 2 4 2 3000 Pfund Ster­ling Manufakturwaren nach England eingeführ t worden. Soviel er wisse, habe die deutsche Regierung keinerlei Ausfuhrzoll erhoben.

Ein französisches Dementi.

Frankfurt a. M., 15. April. (WTB.) Auf Befehl der französischen Behörde teilen nnr den Zeitungen folgende Mttiz:

Tas WTB. veröffentlicht in den Berliner Zeitungen eine amtliche Meldung aus Berlin, d. h. von der preußischen Regierung, wonach am 9. April 1920 in Mainz eine Zusammenkunft lZihcrer, ftanzösisckrer Offiziere stattgefunden hätte, in deren Verlauf Fragen rvlitisch-sttategischcr 9frahrt be­handelt worden waren, die auf die Zerstückelung Teutschlands in Leine Republiken d/mansllesen. Tiefe Meldung ist völlig grundlos, ja entbehrt jeden Scheines. Weder am 9. April noch an den vorher gegangenen Tagen hat eine solche Vettamm- limg höherer Offiziere svatlgefumxm in Mainz.

Dies ist eine FalschnEmng mehr, vielleicht auch nur ein Vernich, schon im voraus die Schwie­rigkeiten zu bekämpfen, die die preußisck)e Politik im Inneren Teutsckstands Hervorrufen kann.

Es ist tomisch, wie uns die Franzosen über diepreußische Politik' belehren wollen! Wenn die genannte Meldung auch falsch ist, so läßt doch der Wortlaut der ftanzösischen Wioerlegung Schlüsse auf das Trachten der ftanzösischen Milb- tartulitif zu

Tie schwarzen Truppen am Rhein.

Paris, 15. April i Wolff.) TerPopu- laire" stellt fest, daß in England cm scharfer Feldzug gegen die Besetzung des linken und rechten R heinufers durch schwarze Trup­pen eingesetzt 'habe. General Thomp s o n habe imTailv Herald" geschrieben, daß es eine große Gefahr sei, Wilde zu bewaffnen, sie könnten sich eines Tages der Waffen gjgen die Europäer be­dienen. Auch die ZeitschriftLa Clartä" sprach von vielen Zwischenfällen, tue in Deutschland zwi­schen Schwarzen und deutschen Frauen fick er­eignet hätten, 2lluh derPopulaire" macht heute Andeutungen dieser Art.

Die anmaßenden Greuzansprüche Belgiens.

Berlin, 15. April. (WB.) Die Kommis­sion zur Festsetzung der deutsch-bel­gischen Grenze hat bekanntlich beschossen, Belgien die einzige Bahnlinie des Dein deutschen Kreifts Monschau zuzusprechen. Dieser vertrags­widrige, sachlich unhaltbare und unter Mißachtung der Wünsche der Bevölkerung gefaßte Beschluß bat allenthalben bevechttgte Entrüstung hervorgerufen. Nachdem bereits am 8. Avril zwei Abordnungen aus Monschau und der Stadt Aachen beim Reichs­kanzler vorstellig geworden waren und eindring­lichst um Hilfe gebeten hatten, bat am 13. April eine Abordnung des Landkreises Aachen bei der Reichsregierung vorgesprvchen und darauf hfti- gewiesen, daß mit Verschiebung der neuen Grenze bis an die Balpilinie auch das H^auptniederichlags- gebiet für die Massen Versorgung des Land -und Stadtkreises Aachm in belgische Hand geraten wurde. Damit mürben nziduige Lebensinteressen großer deutl'ck^r Gebierc ndätoDei. Ist das Rue-

Erne Falschmeldung.

Berlin, 15. April. (Wolff.) Ueber die Verhaftung des Generals L ü t t w i tz und des Majors W i s cho f f ist bis zur Stunde an zu­ständiger Stelle noch nichts bekannt. Soweit festgestellt 'werden konnte, murde die ausgc- gebene Meldung über die Verhaftung bem Wolffbureau von unbekannter Seite unter Mißbrauch des Namens eines Angestellten der Presseabteilung der Reichsregierung übev- mittelt.

Die Reichswehr im Vogtland.

Leipzig, 15. Amil. (WTB.) In einem amtlichen Bericht ans dem Vogtland beißt es: Bei den gestern gemeldeten Zusammenstößen mtt der Bande des H ö l z südlich Rautenkranz hatten die Truppen keine Verluste. Die Zab! der hierbei machten Gefangenen hat sich auf 100 erhöht Er­beutet wurde ein Maschinengeivehr, 300 Gewehre verschiedene Personenkraftwagen, darunter der von Hölz. Höl; selbst ist angeblich in Frauenllridung entkommen. Die Bahnlinie F a l k e n st e i n Klingenthal ist an mehreren stellen durch Brückensprengungen und Zerstörungen der Geleise unterbrochen. Bei der Annäherung der Truppen verließ der Aktionsausschuß in Burgstädt die Stadt. Gestern mittag wurden Leukersdorf und Umgegend, heute morgen Hohenstein-Ernstthal kampflos be­setzt. lieber die Amtshauptttadt Glauchau wurde gestern der Ausnahmezustand verhängt. Dort hat sich ein neues Brandkomitee gebildet. Der neu ge­gründete Bürgerausschuß hat eine bewaffnete Ab-

gegen den roten Terror organisiert. I

derschlagsgebiet der beutfdicn Kontrolle entzogen, so besteht keinerlei Gewähr mehr für hygienisch einwandfreie Verhältnisse, insbesondere für die Senchenfteiheft des Bersorgungsgcbietes. Würde aber gar die Talspervanlage in Dreftägerix^tt belgisch werden, so würde sich für die BeSvohner des gesamten unteren Vicküals mit mehreren Dör fern und den Städten Stollbcrg und Eschweiler geradezu unhaltbare Zustände ergeben; denn sch.'ii eme Unachtsamkeit in-6er Bedienung der Sperre würde genügen, um. diese Gegend unter Wasser :,u setzen, also ein Unglück von unabsehbaren falgcn l>erbeizuführen. Tie Reichsregierung, die ftir die Not der betroffenen Bevölkerung vollstes Ver­ständnis hat, wird alles tun, um die Aufhebung des als rechtsungülttg anzusehenden Beschluffes der Gvenzfestsetzungskommisfion hnch-izusähren

teinc deutsche Veschwerdcnote über Belgien.

Berlin, 15. April (WTB.) Tic deutsche Regicrutvg ließ Anfang April in Paris eine um­fangreiche Note übergeben, in der sie nachdrück­lichst Beschwerde führt gegen die unerhörten Gk.'- ivalttnaßnahmen, die die belgischen Behörden im Hinblick auf die Bolksbestimmung in den Kreisen Eupen und in Malmedy zur Anwendung bringen. Tie Note wendet sich endlich an den Völkerbund mit dem Ersuchen, eine Kommission zur Ueber- wachung zu entsenden, und spricht die Erwartung aus, daß Maßnahmen getroffen werden, um die Vergewaltigung einer Bevöl5.rung von mehr als 80 000 Seelen zu verhindern.

Belgien und der Einmarsch in Deutschland.

Brüssel, 15. April. (Wolff.) ,Zounval de Bruxelles" gibt heute unumwunden zu, daß die belgische Regierung Hintergedanken gehabt 'hatte, als fie ein Bataillon nach Frankfurt a. M. entsandte, denn das Blatt erklärt, eine der Folgen des Dienstes, den Belchen Frankreich leiste, sei, daß die Losung der belgttch-ftanzösischen Frage der luxemburgischen Eisenbahnen be--> schleunigt werde. Jedenfalls scheint Belgien die große Genugtuung zu haben, daß wenigstens vor-- erst delegierte für diese Verhandlungen ernannt werden. Im übrigen wehrt sich das Blatt dagegen, daß dieLibre Belgigue" annehmen tbradc, die englische Rechemng könne Belgien seinen Schritt verübeln. Tie belgische Regierung habe übrigens schon ehe der Konflikt zwischen England und Frank­reich beTmrntgeroorben sei, beschlossen, Frankreich beizuspringen.

B r ü s s e l, 15. April. (Wolff.) Tie H e e r e s- komMission hat einftimmig bei zwei Stimm­enthaltungen der Regierung ihre Glückwünsche we­gen der Entsendung eines Tetacktements belgi­scher Truppen nach F r a n t f u r t a. M. aus- gesprochen. ---

HeereSbeschräntung in Italien.

Mailand, 15. April. (WB.) Nach einem Plane des DTiegsministers werden die Streit­kräfte stärker herabgesetzt werden. Die militärisch: Dienstzeit für jeden italienischen Staatsbürger soll acht Monate nicht überschreiten. Die Zahl der Armeekorps soll auf 10 herabgesetzt werden, wodurch 300 Generale zu entlassen wären.

d'Anuunzioö Pläne.

Mailand, 15. April. DerAvanti" ver- öffenllicht Informationen eines sozialistischen Blat­tes in Triest, wönach d'Annnnzio die Absicht haben soll, in Fiume eine Sowjet-Repu­blik auszurufen, die auf Venetien und Julien ausgedehnt werden soll.

Tic italienische Vertretung in Berlin.

Rom, 15. April. (WTB.) Stefani. Der neu­ernannte ftalienische Vertreter in Deutschland, deMar 1 ine, ist nach Berlin abgereift, um die Leitung der Geschäfte zu übernehmen. Zur Ueder- reichung fernes Beglaubigungsschreibens wird de Dtartine die 2lnkunft der anderen alliierten Ber- treter abwarten, um io im Einvernehmen mit bat alliierten Mächten vorzugehen.

Plauen , 15. April WTB Die hiesigen ?l r bei ter bab.ni beschlossen, nicht in den Generalstreik zu ^rettn, da sic in dem Gin- rüden der Reickzswehi nur eine gegen Hölz ge­richtete Aktion erblicken Den hier cingdirachten 182 Rotgardisten wurden annähernd 150000 Mk. ab­genommen.

teilte Suhncfordci uns, der oberschlesischen Arbeiterschaft.

Breslau, 15. April (Wolff.) Der Schlesischen Volkszeitung" zufolge stclltck die o be r s ch l e s i sche Arbeiterschaft gestern in einer Verfannnlung an die Volk><- abstimmungskommission.anläßlich der Ermor düng ides Gütervorstehers Placck folgende. Forderungen: Der Familie des Ermordctenf soll eine Entschädigung von 100 000 Mk in# Gold gezahlt uitb den Verletzten eine <nu^ meffene Entschädigung gewährt werden. Kein französischer Soldat darf außerdienst - l i ch Waffen tragen. Die französischen Be­fehlshaber haben daraus zu achten, das. den Bevölkerung gegenüber die Gesetze der Mensch, lichkeit geachtet werden. Bestrafung des Tä­ters. Sollten die Forderungen nicht angenonu' men werden, droht die gesamte Arbeitcrschaftt mit General st reik. Nach Schluß der Ber- sckmmlung Tarn es zu blutigen Zusamt m e n ftö ßc n zwischen A r b e i t e r n u n d französischen Truppen, bei denen auch sranzösisckze Soldaten verletzt wurden. Die Bestrafung des Täters wurde durch di« Kommission zugesagt.

Breslau, 15. April. (Wolff.) Die Schlesische Zeitung" teilt mit:Als Urheberj der B l u 11 a t an dem Gütervorsteher Pl»- cek in Oppeln wurde der Alpenjäger Jules P a s e n t i verhaftet. Das Kriegsgericht ist auq Dienstag zusammengetreten, um liber den Fall zu verbandeln. Pasenti ist Italiener, steht Aber im französischen Militärdienst. Als Grund tzur Tat gibt er an, daß seine Eltern in (Frankreich von den Deutschen erschossen wurden. Er habe dafür Rache genommen."

Beuthen, 15. April. (WTB.) Der Oberschlesische Wanderer" meldet: Unter demi Druck dcr Arbeiterschaft sahen sich die Orgawist sationsleitungen der Arbeiter und Angestelle ten tzller Richtungen genötigt, für Samstag« in allen größeren Städten Oberschlesiens große, ge meinsamc P ro testku ndge­ll ungen gegen die Anordnungen der. inter­alliierten Kommission zu veranstalten. Der polnische Zentralverband sagte die Beteili­gung tu.

Aris dem Reiche.

Das Deff»it der Reichstisenbahn.

Berlin, 15. April. (WTB.) Im Haus- haltSausschuß der Nationalversammlung er­klärte Reick-sfinanzminister Wrrth, die ur­sprüngliche Hoffnung, das Defizit der Reichseisenbahnen würde sich auf 7 Milliar­den beschränken, sei nicht aufrecht zu erhalten. Es sei vielmehr mit einem Defizit von 12Milliardenzu rechnen.

Die Befriedung dcS ReichstagSgebäudes.

Berlin, 15. April. (WTB.) In der heu­tigen öffentlichen Sitzung des ReichsratS wurde u. a. ein Gesetzentwurf über die Be­friedung der Gebäude des Reichstaaes und der Landtage angenommen. Der Gesetzent­wurf ist begründet durch die Vorgänge deS 13. Januar vor dem Reicystag. Es sollen dar­nach künftig in einer gewissen Entfernung von dem Gebäude des Iicichstages und den Gebäuden der Einzellandtage keine Versamm^ hingen unter freiem Himmel statt finden dürfen.

Gewalfftveichr von Betriebsräten.

Berlin, 15. April. (WB.) Die Betriebs­räte der tfdbrif Knorrbremse in Lichten­berg drangen hcutf m das Verwoltungsgebäudc ein und stellten folgeirde Forderungen an die Direktoren: 1 .Zahlung von 1600 Mk an leben der 3600 Arbeiter, 2. keine Akkordarbeit rnebr, sondern 6 Mark Stundenlohn,3. Be- zahlimg der Äappstreikwge. Bei der Gelegenheit wurden die 'ArbciLr tätlich gegen einzelne Be­amte uno zwangen schließlich ten Direktor, vor bic oraußen versammelten Arbeiter zu geben und ihnen folgend: schriftliche Zulage zu machen, die er angesichts der drohenden Haltung cer Arbeiter auch abgegeben hat: Gattung von 500 Mk Zu Punkt 2 und 3 erklärte er, sich jetzt nicht festlegen zu tonnen. Die Direktion erkannte aber nachher die Erklärung des Direktors nicht an. Auch der Bund der Metallindustriellen lehnte die Forderung ab und beschloß, morgen die Fabrik zu schließen und die Arbefter zu enllassen. Man fürchtet, daß die Arbeiter tnfo(gebenen die Fabrik morgen sabotieren werden. Es ist aber für ausreichenden Schutz durch die Sicherheftspolizei gesorgt.

Die Wahlen in Danzig.

Paris, 16. April. (WTB.) Wie Reuter aus London meldet, hat der Sekretär des Völkerbundes des brittschen Oberkommm'ars in Danzig nriige* teilt, daß die Wahlen zur gesetzgebende» Versammlung der Freistadt DanzfM am 16. Mai ftetifinben.