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M i t oder ohne Trinkgeld?
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Abänderung öes Zriedenroertrager?
men zu erwirken, die den Frieden und Ruhe stören könnten.
Rotterdam, 15. .Ritirwe Rotterdamsche .Westmmste-. Gazette":
Millerand» Rückkehr nach Pari».
London, 15. Febr. (WTB.) Millerand ist heute nachmittag wieder nach Paris zuruckgekehrt.
Die Türken bleiben in Konstantinopel.
Paris, 15. Febr. (WTB.) Die Pariser Blätter aus London melden, es wurde gestern zwischen den drei alliierten Ministerpräsident ten beschlossen, die Türken in Konstant tinopel zu belassen, aber eine euvopäb- sche Kontrolle über die Meerengen aufzurich- ten. Die Grenzen der europäischen Türkei sind noch nicht festgesetzt worden.
Ferner wurde beschlossen, den alliierten Ländern nochmals eine Mitteilung zugehen: zu lassen, um ihre Aufmerksamkeit auf die tragische Lage Oesterreichs und die Notwendigkeit zu lenden, ihm Hilfe zu bringen.
der heutigen Sitzung der Friedenskonferenz wurde das Schreiben an H: holländische Regierung bezüglich des vormaligen Kaisers endgültig abgeschlossen und von Lloyd George unterzeichnet. Ter Wortlaut der Note wird am Montag veröffentlicht.
Die Note an Holland in der Kaiserfrage.
London, 15. Febr. (Wolff.) Reuter.
— Wiesbaden, 15. Febr. Der Begründer des weltbekannten chemischen Laboratoriums Fr>- sarius, Geheimrat Prof. Dr. Heinrich Frefe- n i u s, ist im Aller von 73 Jahren gestorben.
Wien, 15. Febr f23otff.) Der Karrikllurew zeichner Hans Schließ mann, ein gebürtig« Mainzer, ist gestorben.
Febr. (Wolff.) Laut Courant" schreibt die .Trotzdem seit 15 Mo
berg er: Tast für den Fall der Abwesend Blcmfemisweffe zurückoelasfen werden, ist nichts AustergeWötelichs. Ich verwahre merne Beamten dagegen, daß sie Trinkgelder in Empfang nehmen.
Dr. Helfserich: In dem Wifi steht deutlich: Herr Dr. Rabu <whi?lt von Erzberger „bei einem löslichen Besuch"' den Ausweis. Im übrigen habe ich die Trinkgelder frage nicht aus dem bohlen Faß geholt. Ich werde noch darauf yurücffbmmen.
Tie Verhandlung wird abgebrochen. Der Fall „Anhydrvt" wird erst am nächsten Donnerstag weiterverbandell, da für Montag und Dienstag andere Dispositionen getroffen sind.
Zeuge General v. Oven tefemM, bat rr von dem ÄnhydralSverfahven Kenntnis erhalten und >?s als gutes Verfuhren erkannt habe, daß er aus voller Ueberzeugung unterstützt habe und von Erzberger nur Megentlich über dm Stand ter Sache befragt worden sei. — Tr. Alsberg: ExzÄlenz gingen aber davon aus, daß. Erzberger kein persönliches Interesse halt'? — v. Do en: Gewiß, das Gegenteil ir-öre mir sicher -aufgfiil- len. — Helfserich: Was würden Sie dazu gesagt haben, wenn Sie erfahren hätten, daß während des Zkrieges an das neutrale Ausland ter-- kaust wurde? — v. Oven: Ich würde das nicht verstanden haben und jedenfalls aus das Schärfste mißbilligt. — Dr. Helfferich: Dann überred* ich hier einen Originalbrief der Norwegischer Elektro-C'hemischen Jndustriegefellschaft, aus tem sich ergibt, daß Erzberger das Verfahren während des Krieges an das Ausland verkauft hat. (Bewegung.)
Erzberger: Herr General v. Oven 'nttfm» nen Sie sich, daß, die ganze Unterredung nur binn bestand, daß ich Sie gefragt habe, was Sie von der Sache hallen? — v. Oven: Tas ist richtig, ich hatte auch befohlen, daß. viel Sohle nledw hingeliefert wird. — Erzberger: Da bedurft: es doch gar keiner Einwirkung von meiner Serk:? — v. Oven: Sicher nicht. — Erzb e r g e r: Das Generalkommando Kassel 'bette die Zustimmung dazu erteilt, daß, die Erfindung nach Norwegen verkauft wird. — Bors.: Es ist doch etwas auffallend, daß dies nach Norwegen hin geschah, das doch mehr oder we- nigcrenglisch wa r. — v. Oven: Ich würde, wenn ich befragt worden wäre, mich dagegen ausgesprochen haben. — Erzberger: Bin ich an Sie herangetreten, die Firma zu begünstigen oder zu bevorzugen? — v. Oven: Das ,würde ich auch abgelehnt haben.
Dr. He lfferich hält >es für auffallend, daß Erzberger als einfacher Aktionär solche Verhandlungen wegen des Verkaufes an Norwegen geführt hat. — Erzberger erklärt hierzu, daß er die Verhandlungen gar nicht geführt hat, aber bei seinen persönlichen Beziehungen zu. Rechberg alles mit diesem besprochen habe. Auf eine weitere Frage Dr. Helfferichs weist Erzberger die Vermutung zurück, daß er amtliche Reisen, die er auf Reichs kosten machte, für private Geschäfte, sei -cs in Sachen Rechberg ober anderen, ausgenutzt habe. Es kommt darüber zu heftigen Auseinander- setzungen auf beiden Seiten. Dr. Helfserich nimmt Bezug auf einen ihm z-ugegangenm Brief eines Herrn. Dieser erllärt in dem Schreiben, im Februar oder März 1919 habe er in Berlin einen eRisenden getroffen, namens Dr. Rabu, der einen Ausweis der Waffenstillstandskommission erholten habe, der in beispielsweise befähigte, in Thüringen ein Auto gestellt zu erhalten, als keine Eisenbahnen gingen. — Erzberger: Ich habe diesen Ausweis nicht ausgestellt. Ich itxrr sehr viel fort und. habe viele Blankoausweise dann zurückgelassen. Wer den fraglichen Ausweis ausgestellt hat, ist mir unbekannt. — Dr. Helffer i cb (dazwischenrusend):
naten die Gfichütze verstummt seien, bestehe doch Hein wirklicher Friede. Um die Luft zu reinigen, müßten viele Bestimmungen des Friedensvertrages abgeändert werden. Was die Liste der Kriegsmi'setäter betreffe, fr> rcütze es nichts, wenn Balfour sich auf die Aussage ltzpvthetischer französischer Mütter berufe, bereit Töchter vor ihren eigenen Augen mißhandelt worden seien. Tas Blatt fragt, ob Bethmann- Hvllwsg z. B. einer solchen Tat ficsckmldigt werde und schreibt, gerade Namen wie Bethmamr forderten die Kritik des Publikums heraus. Tie Liste scheine mit Absicht aufgestellt zu sein, um den Frieden wieder in Gefahr zu bringen. Ein Hindernis für den Frieden seien auch die E n t schädi gu ng sbestimm ungen. Je früher der Völkerbund die wirtschof lichen Vertragsbestimimmgen abandere, um so besser fei es zwar nicht allein für Deutschland, sondern vor allem für seine Gläubiger. Wenn der Völkerbund tatsächlich, wie Balfour erklärte, nur ein Name für die Pariser Konferenz sei, dann fei von dem Völkerbund nichts zu erwarten Glück- bcherwefie dürst mau jedoch die Hoffnung hegen, daß, der Völkerbund em Bund aller zivilisierten Nalronen werden wird. Daß Balfour' dieses nickü euyehe, ein Beweis dafür, daß die Regierung
Die polnische Verfassung.
Warschau, 15. Febr. (Wolff.) Tie Ver- faffungskommission bcsÄoß, daß das Staatsoberhaupt rvm La ndta g und dem Senat gewählt werden imb den Titel eines Präs identen der Republik tragen solle.
Ein ungarisches Ansinnen an Oesterreich.
Wien, 15. Febr. (Wolfs.) Der ungarische Gesandte Graz überreichte dem Staatssekretär eine Note, in der es heißt: Die im Fricdensvertrag von St. Germain ausgesprochene und im Entwurf des mrgarischen Frietensvertrages übernommene Bestimmung, wonach ein Streifen Westungarns an die deutschösterreichische Republik an* gegliedert werden soll, würde im Falle der Durchführung ein ständiges Element der Zwietracht zwi- schen Oesterreich und Ungarn bilden.Die ungarische Regierung macht daher ber österreichischen Regierung offiziell den Vorschlag, daß die Frage der künftigen staatlichen Zugehörigkeit des erwähntm Telles Westungarns auf neuer Basis im gegenseitigen freundschaftlichen Einvernehmen entschiede wird. Die ungarische Regierung ist bereit, auf Geltendmachung der historischen Rechte zu verzichten und die Entscheidung der Frage der freien Entschließung der Bevölkerung des gesamten Gebiets zu überlassen. Ungarn ist bereit, der deutschen Bevölkerung Westungarns weitgehende Autonomie zu gewähren, die ihren deutsch- völlerischcn Charakter für alle Zukunft sicher zu stellen geeignet ist. Endlich ist Ungarn geneigt, das künftige wirtschaftliche Verhältnis zwischen Oesterreich Mis der Grundlage des vollen freien gegenseitigen Handelsverkehrs einzurichten. Sie ladet daher Oesterreich ein, in Verhandlungen auf dieser ganz neuen Basis einzutreten.
geordneten Erzberger nicht, gleichzcftig uninter- ef fier ter Vertrauensmann des Parlaments und ins- geheim Interessent größeren Stils zu sein. Dem Anhydratgeschäft ist diese eigenartige Kombination ausgezeichnet bekommen. Tie Rechberg-Erzberger- sche Fabrik hatte sich großer Mlllionenauitrage und vorzugsweisen Zutellung von Leder durch das Kriegsministerium zu erfreuen und hatte sich über die Preise, die ihr bewilligt wurden, in feiner Weise zu beklagen. Umsomehr klagten große Telle der übrigen Lederindustrie über die schier unerklärliche Bevorzugung der Hersfelder Fabrik.
Herr Erzberger hat diese Betelligung auch nach seiner Erneiinung zum Staatssekretär und Reichsminister beibehalten, und ich glaube mich in der Annahme nicht zu täuschen, daß er sich auch heute noch dieser Betelligung erfreut. Ich erwähne in diesem Zusammenhang einen Fall, der kürzlich zum gerichtlichen Austrag gekommen ist. In einer Quartals Versammlung der B u ckauer Schuhmachermeister hatte der Jnnungsobermeister A u g st e n die schwersten Vorwürfe gegen den Minister Erzberger erhoben, den er für, die Erteilung von Aus- fichrgenohmigungen gewaltiger Mengen Schuhleder nach Belgien und England im August vor. Jahres allein um 200 000 Zentner, gleich einem Zentner auf jeden deutschen Schuhmacher, verantwortlich machte: desgleichen für die Preistreiberei für Häute und Leder. Der Reichsfinanz Minister hat gegen den Obermeister Strafantrag gestellt. Die Verhandlung hat mit einem Freispruch geendet, da der Obermeister lediglich Bericht erstattete und in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt hab'. Bon Erzbergers Betelligung an dem Anhydratgeschäft wußte der Obermeister äugen» fchemlich nichts.
Herr Erzberger hat es für richtig gehalten, als parlamentarischer Derttauensmann in dem Auf- sichtsrat der Kr iegs wo ll-A.-G. zu sitzen, in dem Herr Rechberg als Grvßinterefient den Vorsitz hatte. Als zweites parlamentarisches Mit- glich sitzt in diesem Aufficbtsrat Abgeordneter Freiherr v. Richthofen, den ich mit als Zeugen geladen habe und der über seine Beteiligung an dem Geschäft auszusagen hat. So etwas nennt man dann .parlamentarische Kontrolle"
Minister Erzberger: In feinem Land der Welt ist es möglich, daß ein ehemaliger Bizefemzler in seiner Art der Angriffe so tief sinken kann, wie der Ungefragte Helfferich. Fast in allen Staaten Europas gibt es Minister, die an verschiedenen Unternehmen beteiligt sind, z. B. in Holland, wo Minister ganz offen kaufmännisch aus.weten und in Auffichtsräten sitzen. Man hat von Herrn v. Scharlemer auch nicht bedangt, daß er seine Weingüter aufgebe, weil er als Landwirtschaftsminister einen Einfluß auf den Weinbau gewinne. In der Anhydratsache flamt ich folgerte Erklärung atgeben: Herr Rechberg gehört nicht meiner Partei an, aber er ist mir bekannt und ich habe ihn geschätzt und schätze ihn noch als einen sehr hervorragenden, untadeligen Geschäftsmann. Es ist zutreffend, daß ich meine Akiien beibehalten habe, als ich Minister wurde. Das war auch unter dem alten Regime durchaus nichts Unmögliches. Ich kann da auf Herrn v. Schorlemer und andere Hinweisen. — Tr. Hel ffer i ch: In welchen Etappen und Zeitpunkten hoben Sie Ihre Beteil igiing erworben? — Erzberger: Tas kann ich nicht sagen. — Tr. Hel ffer i ch: Dann werken wir das durch die Geschäftsbücher feststellen müssen. Ist Jhtten begannt, ob in der Art wie Ihnen auch anderen Personen, teils in parlamentarischer, teils in beamteter Stellung, eine solche Betelligung cm geboten worden ist? — Erzbserger: Davon ist mir nichts bekannt. — Hel sferich: Ist es richttg, daß der Reichstag Gewicht darauf legte, durch unparteiische Abgeordnete in den Kriegsgesellschaften tertoeten zu sein? — Erzberger: Tas weiß ich nicht. — Bors.: Was sollten denn die Par- lamentarier in den Aufsichtsräten? — Erzberger: Sie sollten kontrollieren. Es war aber mehr eine dekorative Stellung. — Tr. Helfferich: Ich und auch die Budgetkommission haben es nicht als TeLorationsstellung auf gefaßt. — Bors.: Es sollten doch wohl die Parlamentarier eintreten als Delegierte des Kriegsministeriums in den Auffichtsräten? — Erzberger: Ich bitte, Herrn Rechberg über alles Näbeve zu befragen. — Helfferich: Glauben Sie, daß man in der Dudgetkommissivn Eßt hat, daß Sie bet „Anhydrat" beteiligt — Erzberger: Tas weiß ich nicht.
te eigenen Bekannten wußten es zweifellos. Ich muß übrigens bemerken, daß Herr Rechberg in allen Fragen sich nur von der Rücksicht auf das Allgemeinwohl leiten ließ. — Helfferich: Ich Tann sagen, daß Herr Oberstleutnant Köhk fehr erstaunt war, als er von mir hörte, daß Herr Erzberger Besitzer von Aktien des Unternehmens war. Es ist also festzuhalten, daß auch Freiherr von Richthofen Aktien besaß, daß also zwei Männer als Parlamentarier in den Aufsichtsrat von Kriegsgesellschaften delegiert wurden, die bei Anhydrat-Leder interessiert waren. Wieviel hat Herr Erzberger an seinem Besitz von Anhydrataktien verdient? — Erzberger: Tas weiß ich nicht. Fragen Sie doch den Zeugen Rechberg darnach. Er wird ja Auskunft geben können. — Bors.: Jetzt geben die Geschäfte gut? — Erzberger: Ja! (Heiterkeit.)
Siebener Siaüttheater.
Tatterich.
LofeHvsfe von Ernst Elias Niebergall.
Als vor wenigen Jahren die Darmstädter den ^Tollen Hund" auifüljrten, da verlangte man danach, auch wieder den „Datterich" statt aut der Liekhaberbühne von Berufsschauspielern dorgistlllt Hu sehen. Dieje Posse »erträgt :s, mit größerer Kunst gegeben zu werden, wenn ihr auch dadurch manches von ursprünglicher Wärme und Begeisterung, ja auch von zweckdienlicher Unleholfenh ft verloren gehen mag: Das gilt nicht zuletzt oom Tatterich selbst, dessen Persönlichkeit dfe lockere, ziemlich willkürliche Handlung zusammenhält. Tiefer Prachllump will mit Liebe drrgestelll fein, es Darr auch nicht vergessen ivecden, daß rc im Grunde genommen eine tragische Figur ist. Wmn er gegen Schluß wie Niebergall tetont: „mit edlem Stolze" sagt: „Es macht Ihne feine Ehr, tatter ein vom Schicksal Verfolgte zu spotte", so ist das keine neue Hanswursterei, so-ntern das Turchllingen eines Grundmotives, das man hinter allen Münchhausiadm, mit denen er sich jein tägliches Schöppcken erschwätzt, heraushören mußte. Karl V o j k, der im übrigen den Typus noch allen Seiten liebenstvürdig abrundete und mit Fleisch und Blut begabte, hätte dieses Grunpmotio nut AuSmthme von wenigen S-enen, starker b n. v hören lassen dürfen.
Aus Stadt ttttfc Land.
Gießen, den 16. Febr. 1920
Die Braunkohlengruben OberhesienS.
Bei ber augenblicklichen Kohlennot ist es felbst- verständlich, daß sich jede ©taötgemeijibe von der allgemeinen Versorgung durch eigenen Gruben- besitz unabhängig zu machen sucht. Kein Wunder daher, daß die Stadt Frankfurt an den Braunkohlenfeldern ein reges Interesse hat. Aber haben Gießen, der Kreis und die Provinz nicht das gleiche dringende Interesse daran, die auf ihrem Boden lagernden Grubenfelder für ihre eigenen Bedürfnisse zu erhalten? Wir konnten am Freitag eine Information mietet geben, wonach die Stadt Frankfurt die Braunkohlengrube Fried- rich bei Hungen für 10V, Millionen erworben hat. Die Information ist bisher noch nicht dementiert worden. Es ist geradezu unverständlich, daß .die Regierung in Äirmsdadt, in der doch eine genügende Zahl von Ministern sitzt, nicht ten Weitblick und die Voraussicht hatte, dem Verkauf unserer Bodenschätze rechtzeittg einen Riegel vorzuschieben. Man muß erwarten, daß alle Maßnahmen erwogen werten, wodurch dies noch nachträglich geschehen kann. Die Bodens schätze Oberh.fiens müssen zuerst der Puovinz und dem Staate zugute kommen.
--- Hungen, 13. Febr. Zu dem gemeldeten Erwerb der Bramikohlengrube „Friedrich" bei Lungen durch die Frankfurter Gasanstalt wird noch mitgeteilt, daß die bisherige Jahresförderung von 2,4 Millionen Zentnern durch • verbesserte technische Einrichtungen auf 4 Mllionen Zentner, im Tagebau gesteigert werten soll. Die Kohlen sollen in erster Linie zur Unterstützung ter Kohlenversorgung der Frankfurter Gaswerke dienen. Tie darüber hinausgehende Erzeugung wird für andere städtische Zwecke uns auch für die Hausbrandversorgung Verwendung finden. Für letzteren Zweck kommen in Der Hauptsache die auf der Grube erzeugten Braunkohlenbriketts in Frage.
----- Nidda, 15. Febr. Das Braunkohlenbergwerk ber Gewerkschaft Salzhäuser Bergwerk bei Geiß-Niöda ging in den Besitz des Vereins für chemische Industrie zu Frankfurt a. M. und der Papierfabrik zu Ober-Schmitten über. Die Ausbeute des Bergwerks findet ausschließlich in den Betrieben der Käuferinnen Verwendung.
PrciSaufgabcn der Universität Gießen für das Jahr 1920/21.
Für das Jahr 1920/21 sind von der L-cmdes- uniHersiiät folgende Pveisaufgaben gestellt:
Bon der t hev logischen Fakultät: 1. Für den akademischen Preis: Entstelrtng, Entwicklung uttei Wert des Begriffs „Votkskirche". 2. Für den Leydhecfer-Preis: Tas 23erI>aLen Englands gegenüber den deutschen evangelischen Mijfronen während des Westkriegrs.
Don der j u r i st t f ch e n Fakul'ät: Die völfet- vechtliche Hantlungsfätzigfeit ber deutschen Einzel- stauten im bislxrigen und int neuen Reichsrecht.
Don ter medizinischen Fakultät: 1. Für den akademischen Preis: Die Entwicklung der Kehi- säcke. 2. Für den Balser preis: Ter S än regvod des Scketeensekretes und Centn Schwankungen bet terfc^ieeenen Kategorien von virgincllen, nulli- raren und mulliporen Frauen if* fiflzustellen. lln Sonderheit soll auf BeztelMigen zwischen Säure- titer inte bestehender weiblicher Sterilität Rücksicht genommen werden.
Don derveterinärmedtzinischen Fakultät: Im Zusammenhänge mit ten Forschungen über die Ursache der Staupe der Hunde sind in letzter Zeit neue Befunde erhoben worden. Tiefe Befunde, namentlich die von Sinigaglia beige» brachten, sind einer Nachprüfung zu unterstehn.
Don ter philosophischen Fakultät: 1. Aus der mittelalterlichen Geschichte: Die Reick)spolilik des Erzbischofs Verlach von Mainz (1354—1371). 2 Aus der griechischen Philologie: Genealogiae na* bilitatis civit-atum Graeoarum htDeftigentur ex- cnssis nominibus citrätm ab hevoibus patriis in- t-itis. 3. Ausder Kun st Wissenschaft (mitt** lere und neue Kunstgeschichte): Ter HxLlsbuch' meister. Es soll versucht werden, die .Herkunft seiner Kunst aukirtjHlen, seinen Entwicklungsging als Maler und Stecher und womöglich auch fernen Wirkungsbereich tarzu stellen. 4. AusderPhy- f i f: In ter Aküstük sind an offenen und gedeckten
Gietzeuer Uonzerwerei«.
Gießen, 16. Febr. 1920.
Biolinabeud: Prof. Joseph Szigety- Genf.
Am Klavier: Prof. Gustav Trautmann.
Das mufiffreubige und musikverständige Publikum Gießens hat sich weder durch die bevorstehenden musikalischLN Darbietungen ber „Gießener Opern- und Ivonzerttooche" noch durch das beginnende Frühlingswetter abhalten taffen, entern hier ost und gern gesehenen Gaste die Beachtung zu schenken, die btefent zukommt. Sz igety's Be- beutimg als musikalischer Gestalter ruht in der ihm eigenen Rhythmik, die man als Dominante feiner sonstigen mannigfachen Qualitäten empfindet. Dieses bei Szigety in der Veranlagung Legende (blute" Gefühl für Rhythmik äußerte sich am stärksten in der Wiedergabe der rhythmisch charakterisierten Tanzformen der Bach'scheu Sarabande und seiner von ruhig dahinfiießenden Doubles umrahmten, gleich dem prvvenzalischen Rigaudon im Allabrevetakt geschriebenen Bourr^e. Szigetys Kunst in der Behandlung der Doppelgriffe in der Bach'schen Ciacona, jener Komposition, die bei ter Polyphonie des Silles hem solisttschen Diolin- instrument große Ansörderungen stellt, verriet genaueste Kenntnis der Bvlintechuik und ihre Beherrschung
Als musikalisches Erlebnis für sich roirfle Schriberts Rondo brillant op. 70 mit feiner freudigdrastischen Diktion. Als Erlebnis besonders deshalb, well hier zwei harmonisch sich ergänzende Musikalitäten wie Szigety und Professor Traut- ma n n sich zusammenfandem Das llavieristische Können Prof. Trauttnanns, die JitterpretaTions- ausfassung seines eigenen Parts, sowie seine kunstvolle, Anpassungsfähigfeit an. bte Szigetys, trat hier in gleicher Vvllenbung zu Tage. Das reichhaltige Programm brachte als größeres Werk noch eine Händel'sche Diolftrionate (in D-Dur) -— Szäntö spielte neulich bte in G-Mol 1 geschriebene — und vier kleinere, ebenfalls für Violine mit Klavierbegleitung gesetzte Stücke von Händel, Francoeui- Kreisler, Eaudet-NachZz und Tartini-Kreisler. Eine gesprungene Saite am SchLuffe der Wiedergabe von Tarttni-ÄweiÄers „Variationen" bracbtr die stark applaudierende Hörerichast um den Genuß einer Zugabe. L. M.
M noch nicht von ihrem Krtegsvvwrrtetl befreien kann.
Die Antwort in der Auslieferungsfrage.
Berlin, 16. Febr. Wie der Berliner Lokalanzeiger zuverlässig erfahren haben will, sei gestern nachmittag auf der englischen Botschaft in Berlin die Antwortnote anDeutschland über die Auslieferung der Kriegsschuldigen eingetroffen.
In der „Täglichen Rundschau" wird das Einverständnis mit der Bestrafung aller, denen ein Verbrechen nachgewieseu wird, durch ein deutsches Gericht ausdrücklich erklärt, aber auch verlangt, daß auch die Entente das von uns geforderte Gerechtigkeitsgefühl aujU bringt und dieVerbrechen,diewirihr nach weisen, nicht nur vor ihre Gerichte zieht, sondern auch mit derselben Strenge behandelt, welche die deutschen Vergehen finden würden. Von einer Auslieferung auch nur eines Deutschen dürfe nun und nimmer in keinem Vergleiche die Rede sein.
Paris, 15. Febr. (WTB.) Wie die Pariser Morgenblätter melden, wird die Antwortnote bett, die Auslieferung durch den enyttschen Geschäftsträger in Berlin überreicht werden. Das Schriftstück ist vom Präsidenten der jetzigen Konferenz in London, Lord Gpey unterzeichnet. Das Auslieferungsverlangen fei fallen gelassen wo rden für sämtlich e Angeschuldigte ohne Ausnahme. Die Note werde nicht vor Montag abend veröffentlicht werden.
Eine Erklärung des belgischen Ministerpräsidenten.
Amsterdam, 15. Febr. (Wolff.) Laut „Telcgraaf" erklärte der belgische Ministerpräsident in London in einer Untervednng mit einem Vertreter Reuters zur Frage der Auslieferung der „Kriegsverbrecher", die Regierungen der Alliierten feien von der gebieterischen Notwendigkeit überzeugt, praktischePolitikzu führen und sich nicht allein von Gefühlen leiten zu lassen. Es müsse eine Atmosphäre von Frieden und Ruhe geschaffen werden. Um dies zu erreichen, mässe man sich hüten, Maßnah-
Von den zahlreichen Nebenperson m, di: drs klembürgerliche Milieu sich völlig zu eigen mach'n konnten, verdient Heinz Bechstecn mit feinem „grob’ Bengier" tefenteiv Erwähnung. Sprache und Temperament stimmten überein, imi> -s kommt ihm zu Gute, daß seine Rolle das einzige M mjch- ltche unter Tatterichs Y)egenspiel>rn h:rvarkehrt Mit einer Tracht Prügel macht er sich bezrhtt' alle anderen drehen ihm wie Pharisä-r dm Rücken Sellst Spirwes (Kuno Erich Weber), sein schwaches Ebenbild, läßt ihn fallen. Tatterichs Tragik wird er nie erreichen. Tie Komik d's Nicht-mnter-kriegen-iasfens wird ihm nie helfen Im übrigen war die Maste fehr gut und dis Spiel treffend. Für sich geschlossen wirkte die Famllie des Tvehermeisters Dummbach, Vater, Mutter und Tochter durch Harry Noebert, Margarete Wernicke und Liesel Winner gleich aut charakterisiert. Richard Hellborn fand sich sehr geschickt mit dem etwas tumben Dreher gesellen Schmidt ab, an dem Tatterich den Richttgen gefunden hat. Ter Metzgermeisder Fritz Knippelius den Heinz He res gab, war sprachlich kaum verständlich.
Im ganzen toiarte man mit diesem zweiten hesfischen Ab»md sehr zufrieden fein und man freute sich trotz langatmiger Szenen, die kräftige Sttiche vertrügen ber berhen -spräche Nietergrllls Wegen, daß man den Dotter ich unverkürzt spfelte.
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