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Nr. 13

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Erstes Blatt

170. Jahrgang

Samstag, 15. Mai 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Druck und Verlag: Yriihl'fche Univ.-Vuch- und Stelnöruderei R. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle und vruckerei: Zchulstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer oi» zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 'Pf., auswärt» 45 «Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 MM Breit« 150 Pf Bei Platz» Vorschrift 20" Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; färben übrigen Teil: Dr. Reinhold ßenj; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Betrachtungen nach dem Besuche von zwei Messestädten.

In Leipzig war lich nicht zum Besuche der Messe. Berufliche Tagungen hatten mich dort­hin «geführt. Wie ein roter Faden zog sich durch die zweitägigen Verhandlungen die von allen Seiten vorgebrachle bewegliche Klage über die außerordentlich schwierige Gestaltung des Ge­werbes, die in den letzten Monaten beson­ders kritisch geworden sei. Man war auch allgemein der Ansicht, daß eine stärkere Belastung nicht mehr zu tragen sei. Nur ungestörte, intensivste Arbeit sei der einzige schwache 'Hoffnungsanker, aus dem wirtschaftlichen Elend langsam wieder heraus­zukommen. Doch hierauf werde ick) noch zurück­greifen.

Beim Wandern durch die Stadt wurde ich durch die vielen gesprungenen Schei­ben der Schaufenster, durch das Gerüst am Lolkshause an die Unruhen in Leipzig er­innert. Zwei große Messenotbauten auf dem Roßmarkte und neben dem alten Rathause in der Grimmaischen Straße gemahnen an die Wohnungsnot, jedenfalls doch an Platzmangel für Messeaussteller. Leider versperren diese großen Baracken den Blick auf das alte Rat­haus von der einen Seite und über den RoK- platz auf das neue Rathaus mit seinen schönen Anlagen. Das ist zu bedauern. Aber diese un­liebsame Erscheinung muß man schon mit in Stauf nehmen, es gibt heute unliebsamere Er­scheinungen, die nicht nur unser Auge stören, sondern tief und bestimmend in unser ganzes Leben einschneiden. In Frankfurt wurde mir diese traurige Wahrheit in Worten und Taten wieder eindringlich nahe gebracht. Zunächst auf der Messe. 1

Die Ausstellungsräume liegen ja dicht beisammen, so daß |man in einigen Stunden aufmerksamer Betrachtung einen Gesamtein- druck gewinnen kann.

Es fiel mir zunächst auf, daß ich von vielen Ausstellern angesprochen wurde. Viele derselben waren schon einen Tag vor Schluß ber Ausstellung mit Räumung und Packen be­schäftigt, vielleicht war dies ein Zeichen da­für, daß sie mit Bestellungen übersättigt waren. Doch nein. Die Bemerkungen von einem Stand zum andern, aus Gruppen von Verkäufern waren nicht mehr mißzuverstehen. Mil Ausnahme von einigen Frankfurtern hatten fast alle Aussteller miserable Geschäfte gemacht; diese Erklärung wurde mir von ver­schiedenen Seiten abgegeben. Daran wird nicht nur der außerordentliche Mangel an Roh­stoffen Schuld tragen, in nock) größerem Maße die Ungewißheit und Unsicherheit in wirt­schaftlichen und die Spannung in den politi­schen Verhältnissen.

Eine erwähnenswerte Ausnahme machte die Offenbacher Lederindustrie. Das Rohma­terial ist, wenn auch überteuert, im Lande her­gestellt und zu erhalten. Deshalb konnte dieser Industriezweig ungestört in gewohnter Weise weiter arbeiten. Das Ausstellen von durchweg besserer Ware, die heute wohl noch sehr teuer ist, läßt darauf schließen, daß man mit Be­stellungen von Ausländern rechnete. Bei dem rapiden Sinken der Häutepreise ist aber wohl anzunehmen, daß auch ausländische Händler mit Einkäufen zurückgehalten haben. Wäh­rend die Messe am Dienstag geschlossen wurde, bleibt die Kunstmesse im Römer bis zum 20. Mai geöffnet. Darauf möchte ich besonders Hinweisen, da ein Besuch dieser Ausstellung jedem Kunstfreunde schon deshalb zu empfeh­len ist, weil viele kostbare Gegenstände, die im Besitze von Kunsthändlern sind, wohl ins Ausland wandern und den Deutschen dann kaum noch zugänglich sein dürften. Einige Bilder von Böhle, moderner Schmuck von zwei Hanauer Goldschmieden, verschiedene alte Schränke, namentlich Barockschränke, erweck­ten mein besonderes Interesse.

Zu diesem Abend hatte der Werkbund den Reichskunstwart Dr. Redslob zu einem öffentlichen Vortrage eingeladen. Er sprach übet dieQualitätsarbeit als Grundlage der wirtschaftlichen Gesundung". Er sah die Sage, in der sich Deutschland eben befinde, für außerordentlich ernst an. Die einzige Mög­lichkeit, den Zusammenbruch zu verhüten und aus dem tiefsten Elend wieder heraus;ukonv- men, erblickte er in der Durchführung des Werkbundgedankens, in der unentwegten Schaffung von Qualitätsarbeit durch Befruch­tung des Gewerbes und der Industrie seitens der Künstler.

Daß der Werkbund durch seinen Einfluß auf'die Industrie, namentlich aus seine werk­tätigen Mitglieder bestimmend eingewirkt hat, zeigte wohl die Kölner Werkbundausstellung vor Beginn des Krieges, sowie der Umstand, daß Frankreich nnb England noch während des Krieges ähnliche Einrichtungen ins Leben gerufen haben. Jetzt sucht auch Frankreich das Kunstgewerbe, die QuaIttätsarbeit zu be­

leben und zu heben, wahrend es bis zum Kriege sich begnügt hat mit der Nachbildung von Gegenständen aus der Empirezeit, Louis XIV.- und Louis XVI.-Stil. Es wollte sich 1914 an der Werkbundausstellung betei­ligen, mußte aber davon Abstand nehmen, da es zeitgemäßes Kunstgewerbe nicht pflegte. Schon wegen der mangelhaften Belieferung mit Rohmaterialien dürften wir nur hoch­wertige Produkte fdjaffen, damit wir zum Eintausch der durch unseren Valutastand ver­teuerten ausländischen Rohstoffe möglichst holse Ausfuhrwerte sckzafsen und solche Gegen- stände, die durch ihre Gute und Eigenart von den kaufkräftigen Völkern begehrt werden.

Deshalb wäre es zu begrüßen, wenn der kürzlich von Senator France eingebrachte An­trag burd>giuge, der bezweckt, Deutschland beim Ankauf von solchem Material, das es für seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau not­wendig braucht, beiznstehen. Die Vorlage er­mächtigt eine Finanzoperation, 250 Millionen Dollar zum Ankauf von Lebensmitteln und Rohstoffen zu leihen, wofür die Korporation fiproz. deutsche Wertpapiere erhalten würde. Die Korporation ist mit dem Plan einver­standen.

Allerdings würde diese Anleihe unfern Ruin beschleunigen, wenn bei der neuen Be­lastung durch 6 Prozent Zinsen und Amorti- ätion wie bisher weiter gearbeitet und ge­streikt, gleichzeitig die Schraube der Lohnzula­gen immer wieder angezogen wird. Zum Se­gen kann uns die Anlage nur gereichen, wenn intensiver gearbeitet, mehr Arbeit geleistet wird.

Auf der Rückfahrt-rte ich in der Bahn einen Arbeiter sagen, er wünschte, er sei bei seinen Kameraden im Schützengraben ge­blieben, dies Elend jetzt sei unerträglich. Das ftaube ich ihm gerne. Um so wichtiger ist es, > wir aus diesem verhängnisvollen Zu- tande wieder herauskommen. Aus den hier anaeftellten Betrachtungen ergibt sich mit voller Deutlichkeit, daß wir mit Streiken und verkürzter Arbeitszeit nicht zum guten, sondern zum bösen Ziel gelangen; nur durch intensivste ungefa>rte Tätigkeit und Rückkehr zur alten Arbeitszeit ist heute noch eine Besse­rung möglich. Morgen ist es vielleicht schon zu spät. Man wende nicht ein, bei der jetzigen Ernährung könne man nicht mehr leisten. Das sind nichtssagende Schlagworte. Bei Mehr­arbeit haben wir mehr yrahrung. Und arbeitet nicht jeder nach der Arbeitszeit noch 56 Stunden in Haus, Feld ober Garten? Den größeren Teil Vieser Arbeit müssen eben, die Frauen und Töchter verrichten. Sie haben es während des Krieges uebenihrer beruf­lichen Tätigkeit getan, die jetzt doch fortfällt. Die Töchter sind doch aus den Be­trieben, den privaten sowohl, wie aus den Staatsbetrieben herausgezogen, in den häus­lichen Dienst gehen sie auch nicht, also müssen sie doch daheim sein. Auf den Einwurf, es sei im Kriege notwendig geivesen, antworte ich, der jetzige Wirtsck-aftskrieg ist in seiner Wirkung viel verheerender als der voraufgegangene Krieg mit den Waffen. Der gewollte Vernich- tungswille unserer wirtsck)astlichen Feinde ist die vollbennißte Auswirkung seitens unserer früheren Waffenfeinde.

Die Bulgaren haben rechtzeitig erfarmt, wie sie dem Untergang entrinnen: durch Einführung des Pflichtarbeitsjahres für bte männliche und weibliche Jugend. Sollte der intelligentere Deutsche nickst zur Ausführung dieses naheliegenden und schon mehrfach an­geregten Gedankens schreiten, ober futb wir noch nicht tief genug im Elend?

Deshalb sollte jeder einsichtige Deutsche, gleich ob Kopf- ober Handarbeiter, Ange­stellter ober Unternehmer, von seinen Kandi- baten .für ben Reichstag eintreten für ver­längerte Arbeitszeit, Einführung bes Pflicht- arbeitsjahres, sowie Maßnahmen zur Wieder- Hebung ber sittlichen und moralischen Zu- sränbe verlangen, genau so, wie die Bauern­vereine von ihren Kandidaten, gleichgültig, welcher Partei sie angehören, das Eintreten für ihre Forderungen verlangen.

Das wäre der erste Schritt zur Gesun­dung. L-

Die Räumung bes Maingnes.

Paris , 15. Mai. (WTB.) General Rol­let ließ bekanntgeben, daß gemäß den be­gonnenen Kontrollarbeiten vorauszusehen ist, daß die deutschen Trupp ende stände in der neutralen Zone als mit den am 8.8. fest» gelegten Zahlen im Einklang gehend anerkannt werden. Infolgedessen er­suchte Marschall Foch den Geireral Degoutte, einen Offizier seines Stabes nach Kassel zu kommandieren, mit der deutschen Regierung über die Einzelheiten der Räumung der seit dem 10. April neu besetzten Zone jettens der französijcheu Truppen zu uLter­

handeln. Die Räunnnrg wird durchgesührtl werden, sobald die Ergebnisse der Zbontroll- arbeiten offiziell bekannt sind.

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Eine französische Hochschule in Mainz.

Main-, 14. Mai. (Wolfs.) Öaoa-j. Gestern sand hier die Einweihung dermilitärischen Mainzer jurrflifcbcn Fakultät und der rheinischen Handelsschule" durch den Oberkommis, ar ber Bibern lande Tirard, statt, der den Zweck der Grün­dung dar'.egte, welche einen Teil des von ihm unb General De go u t te verfolgten Gesamtpro- gramms für die Entwicklung des technichrn Unter­richts bei den Besatzungstruppen bilde. Offiziere unb Soldaten der Rl)einarmee hätten auf_ diele Weist ^Gelegenheit, zum Teil mit Unterstützung beutsckier Organisationen, sich im Reckstsstudmm, in der Technik des Handels, des Ackerbaues unb besonders des im Rheinlandc sthr entwickelten Weinbaues während ber Dauer ihres Wachtrimst- s am Rl)ein auszubilden. Der franzöfische Unter» ricksts-, Handels- und Ackerbauminister stellten Lehrkräfte zur Verfügung.

Vie Vorbereitungen für 5vaa.

Paris, 15. Mai. (WTB.) Millerand Imtb FirunizMinister Marcal sind gestern nach Folkestone abgereist. Auch der französische Bot [d-xifier in London, Paul Cambon, wird zu den Qj-crbmibliDuren erwartet. Nach Meldungen aus Brüssel begr-bm sich der Minister für auswärtige Anqelagcnh.i en, Huysmans, und der belgische Wirtschaftsminister, Caspar, am Montag nach London.

TieTagung de» Völkerbundrates in Rom.

Rom, 14. Mai. (WTV.) Ter Völker- bundrat trat am Donnerstag nachmittag im Ministerium für die SCofonien zusammen. 9luf Vorschlag ton Bourgeois enunmte ber Rat den italienischen Delegierten T i 11 o n i zum Vor­sitzenden In seiner Eröffnungsansprache führte Tttwni meS, daß er aus dem Gern der lieber» ein slim mung, der bis jetzt ben Rat bestell habe, gutes pvopl-czeihe. Damit der Bund feine Ver­wirklichung frnde, müsse sich der Rat von dem Grundsatz ber internationalen Gevecksttgknt letten lassen. Daran schloß sich eine Vorbesprechung über die zu behandelnden Fragen.

Die deutschen Fischereifahrzeuge.

Berlin, 14. Mai. (WTB.) Die zur Zeit in London weilende deutsche Schiffahrtsdelegation intter dem Boristz des Geheimen Legatioonsrats Sceliger, die über die Abgabe der nach dem Friedensvertrag noch ab&uliesentden deutschen Han­delsschiffe und Frsck>eveisabrzeuge unterhandelt, schloß hinsichtlich der Fischereifahrzeuge mit der interalliierten Schifsalwtskommission cm Abkommen, wonach die Abgabe der Fahrzeuge auf die Anzahl reichseigener Fischereidamp­fer beschränkt wird. Anstelle der übrigen nach dem Friedensvertrag noch abiieserungspslichtigen Fisch'- rcisahrzeuge sind Neubauten sowie Material für den Fisck-ereibedarf zu liefern. Die Fischvecsorgung Deutschlands kann daher in ihrem bisherigen Um­fange aufrechter halten werden.

Ter Kamps gegen den deutschen Säugling.

C o m p i 6 g n e, 13. Mai. (Wolff.) Havas. Ter Zug mit deutschem Rindvieh, der am 10. Mai aus Deutschland a'cgegangen ist, ist heute morgen in Ribecvurt angenommen, wo das Vieh unter die Landwirte des Kantons verteilt wird Sett dem 6. April sind Von Deutsch­land 1600 Stück Rindvieh angefom» men. Es stehen rod) aus 2000 Rinder und 600 Zuchtstuten uni) Hengste.

Schleswig-Holstein.

Paris, 15. Mai. (WDB.) Der Botschaf­ter r a t hielt cyftrrn unter dem Vorfitz von Jules Cambon eine Sitzung ab. Der englische Vertreter in der Kommission für Schlcswig-Holstein, Sir Charles Martina, und der französische Ver­treter, Paul Claudel, wohnten der Sitzung bei. Nach demDemps" scheint es, paß man bei der Verwaltung der Wasserstraßen die Interessen der Bevölkerung ber ersten Zone sicherstellen will, die für ben Anschluß an Dänemark gestimmt haben.

Berlin, 14. Mai (WTB.) Gegen die Internationalisierung der zweiten Zone protestierten in Südschieswig 31 816 Per­sonen durch ihre Unterschrift unter folgenden Er­klärung des Schleswig-Holstein-Bundes^Die Un- teryiditeten protefheren gegen alle Bestrebungen, die pvette und dritte Zone zu internationalisiersr oder zu einem Freistaat yi machen. Nach dem Friedärsvertrag ist durch die flb) timmung am 14. März über das Schicksal der Metten £one und damit Flensburgs endgÄtig entschieden. Jche andere Regelung lebneu wir Schleswig-Hplstettrer als Rechsbruch und Bergewaltrgmrg ab x-ie Unterzeichneten erklären, daß sie bei Deutschland bleiben wollen.

Oer Streit in Zrmttreich.

Paris, 13. Mai. ^Wolff.) Die DtteV- tion ber Staatsbahn hat folgende, an das Personal ber Staatsbahn gerichtete Bekannt­machung erlassen: Die Staatsbahn fordert ihre Angestellten 3um letztenmal auf, die Ar­beit wieder aufzunehmen. Die ausgeiproche- nen Aussperrungen und Streichungen bleiben bestehen: desgleichen die getroffenen sonstigen Maßregeln. Was die Disziplinarmaßnahmen anbetrifft, so verschärfen sie sich je nach der Dauer ber Abwesenheit von ber Arbeit.

Paris, 14. Mai. (WTB.! Der Unter­suchungsrichter Jousselin empfing heute nadMiittAg die Mttolleder des V-TchandsausßtvÜeS

des Allgemeinen Arbeiterverbondes, um ihnen von der vom Justizminister angcorbnctm Verballung Kenntnis zu geben und sie zu verböten. Joudour erklärte namens seiner Kollegen, daß er nicht eler bestimmte Aussagen machen werde, als bis btc Rechtsanwälte Einsicht in die Slrasakt.m genommen hätten unb protestierte gegen das V.rsahren.

Tie Ministerkrise in Ftalieu.

Rom, 14. Mai (WTA.) Ter König patte mit B0selli, Gioli11i und Sala ndra bet* sichtlich ber Ministerkrise Besprechungen.

FricdenSvcrtrag zwischen Rußland und Georgien.

Paris, 14.Mai. (Wolff.') Nach einer Meldung aus London wurde nach einem Funkspruch aus Moskau der Friedens- vertrag zwischen ben So wj e t s unb der Republik Georgien unterzeichnet.

Tie nationalistifche Bewegung derTürkei.

Konstantinopel, 14. Mai. ((WTB.) Reuter. Es wirb mitgeteilt, daß der nativ- natistische Führer 9)hi|tafa Kemal Pascha in Angora eine Regierung gebildet und an die Friedenskonferenz telegraphiert habe, daß die Annahme ber Friedensbedingungen durch die gegenwärtige Delegation null und nichtig fein würde.

Amsterdam, 14 Mai. (WTB.) Der Konstantinopeler Korrespondent derTimes" meldet, daß die Nationalversamm­lung Mustafa Kemals zum Teil aus gewählten Vertretern, zum Teil aus Abgeord­neten des aufgelösten türkisck>en Parlaments bestehe. Die Nationalversammlung beschloß, die Verträge und Llbkommen, die die türkische Regierung feit dem Waffenstillstand mit einer auswärtigen Macht abgeschlossen hat, nicht anzuerkennen und jeder nicht durch die Ratio- nalversammlung ermächtigten Person dos Recht abzusprechen, das türttsche stieich auf der Friedenskonferenz zu vertreten.

Die tage in Mexiko.

Paris, 13. Mai. (Wolff.) Havas be­richtet aus El Paso: Ein Telegramm des Generals Obregon meldet, daß die den General Carranza auf feiner Flucht be­gleitenden hohen Beamten im Verlaufe eines Gefechtes zwischen Apiraoo und Apam getötet wurden.

Amsterdam, 14. Mai. (WB.) ii-iuf Times" aus Mexiko ist eine vorläufige Re­gierung gebildet worden mit be la Huerva aus dem Staate Sonora als vorläufigen Präsi­denten der Republik, General Collos als KriegS- ntimfter unb Juan Sanchek Assona als Minister des Aeutzern.

Aus Oem Neiche.

Ercherger doch Retchstagskandidat.

Stuttgart, 14. Mai. (Wolff.) Der heu­tige Parteitag der württembergifchen Zert- trumspartei wählte Erzberger mit 356 gegen 27 Stimmen bei drei Enthaltungen wieder zum Kandidaten für die Reichs­tag s w a h l.

Der Miethöchstprei» in Preußen.

Berlin, 14. Mai (Wolff.) Die durch die Presse gehende Nachricht, daß der preußische Minister für Bolkswohlfahrt sich bei Ein­führung der Höchstgrenze für Mietzins- fteigerungen mit einem Zuschlag von 40 Proz. einverstanden erklärte, beruht auf Erfindung. iDer Aufschlag auf ben WohnungS- preis bei Kriegsausbruch beträgt 20 Proz.

Die Bankbeamtenbewegung.

Berlin, 15. Mai. Tie Cinig^rngsoerhonb» lungen in der Bankbeamten beweg ung sind gestern geschettert. Jnfolgebfiseir ist es bereits in einer großen Anzahl ton Süibien im Reiche xu Äussländen geb)mmen. lieber 50 000 Bank­angestellte sollen sich schon im Streit befinden.

Die Einwohnerwehren in Bayern.

Berlin, 15. Mai. Wie berTägl. Rund­schau" aus München berichtet wird, teilte der stell­vertretende Landeshauptmann der Einwohnerweh­ren Bayerns in einer Sitzung mit, daß an zu­ständiger Stelle die Nachricht porliege, daß man sich in Paris mtt dem Wetterbestehen der Ein­wohnerwehren in Bayern abgefunden habe.

» Ein Todesurteil vollstreckt.

Wesel, 14. Mai (WTB.) Das Todesurteil «gen den Eisenträger Christian Köpp aus Duis- tnrrg wurde am 12. Mai abends durch Erschießen vollstreckt. Köpp war vom außerordentliche» Kriegsgericht wegen Aufruhrs und Mordes an einem Leutnant der Reick^wehr zum Tobe ver­urteilt worden.

Aus ßcffeti.

Tagung der Volkskammer in Darmstadt.

NN. Darmstadt, 14. Mai. Entgegen anders lautenden Nachrichten steht unziveifelhaft fest, daß ber Zusammentritt des Hess. Landtags am kom­menden Mittwoch in Darmstadt erfolgt. Wohl war vom Präsidium eine Tagung der Kammer in Oberhessen erwogen worden, im Falle wir noch mit der französischen Besetzung $u rechnen haben werden. Da indessen eine solche Tagung I mu Schwierigkeiten verschiedener Art verbunden