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die Falkner aufLinöenhöhe

Roman von Reinhold Ortmann.

Nachdruck verboten.) Fortsetzung 33.

Eiw Unklugheit nennst du es selbstverstänb- 'ti mir im Scherz."

Gewiß meine ich es nicht tragisch. Im «ninbe aber ist es wirklich unklug, sich fürs Mze Leben zu binden, ete man die unzähligen viücksinögsichk.iten der Jugend nicht einmal zum "nsvcn Teil genützt hat."

Ich meine, es gäbe kein köstlicheres Glück das an der Seite eines ge'i bten Mannes."

,Ja. Rur daß eben diesei geliebte Mann nicht pner 'gerade der ist, den man geheiratet hat.

du brauchst nicht so entsetzt dreinzuschauen: "spreche nur ganz im allgemeinen inti) gar nicht mir im besonderen. Wan kann ja ein sunges &dvit nickst eindringlich genug zur Vorsicht Mnen, nx'nn es sich ums heiraten handel: Tr: ^»hnier sind immer anders, als sie scheinen."

Nicht vielleicht aud) die Frauen?"

Möglich. Obwohl wir uns eigentlich nur tu ghnigfeiten verstellen können. Als zielbewußte ?^mriVieler großen Stils sind uns die Herren

Schöpfung weit überlegen."

k »Bon Achim wirst du das schwerlich sagen §^nen. Ich brate ihn doch seit seiner frühen «gend."

-..Als Schwester. Das lvill nicht viel bedeuten n®cr Es jst ja auch gar nicht von ihm die Rede." ^..Findest du nicht, daß er leidend aussieht?"

tonnte die Frage nicht länger zurüLlMten. war k^stürzt über seine Blässe und über den

gedrückten Ernst in seinem Wesen. Er war früher ganz anders."

Wie er einmal gewesen fein mag, kann ich natürlich nicht wissen; ich kenne ihn kaum anders. Aber es ist ja möglich, daß ihm di? Heimattust nickst sehr gut bekommt, es wirkt hier wohl, man­ches aus'ihn ein, was rhn nicht gerade erheitert."

Gerd« fragte nicht weiter, und bald nachher machte Achims Eintritt ihrem ersten vertrau!ichen Gespräch mit der Scljwägerin ein Ende.

Doktor Germering ist da," sagte er.Ich möchte dich mit ihm begannt machen, liebe Gerda."

Sie sand sich gleich bereit, und auch Signe, ob­wohl sie von ihrem Manu nicht dazu ausgesordert worden war, schloß sich ihnen an. Ter Arzt stand im Gespräch mit Erika in der Halle. Er iah bet» ter aus, denn er war mit dem Befinden des ftron* Pen heute besonders zufrieden gewesen. Höflich verbeugte er sich bei der Vorstellung gegen Gerda; dann sagte er in seiner frischen, z-.oanglo en Art: Ich muß gestehen, Fräuleiii^Falkner, daß ich dein heutigen Tag mit einiger '^orge entgegengesehen habe. Ich firrchtete, das W-ifefersfehen, von dem man mir gesprochen, könnte Ihren Herrn Va.'er schädigend aufregen, aber ganz osten trat die gegen­teilige Wrtkung ein. Sie sind mir, wie es scheint, durch Ihr itommen zu einer sehr fchätzenÄverfen Helferin geworden."

Ich würde glücklich sein, wenn es so wäre," erwiderte Gerda freudig überrascht. Mit einer kleinen Anwandlung von Schüchternheit ntg-te sie hinzu:Bon meinen Angehörigen ireiß ich. daß wir Ihnen großen Tank schuldig find, Herr Dok­tor! Ich möchte Ihnen darum auch recht von Her­zen danken."

Zu ihrem eigenen Verdruß war itt rot gstr-or-

Ht 268. i'tttes r. st'U Siebener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, f3. November 1920

Die Schraube offne Ende.

war voraus;

(ne Von feiten des Verkehrsnrinistr r ui ms damal lusgespvcxken wurde, sich nicht erfüllen Ibrtnic and daß wir alsbald imeber vor b?r Notwendig lest Heben würden, bei dem ständig nxrch'ende:! Milli ar -endesizit der Eisenbalmen eine weitere Erlwlmn.j »er Tarifsätze Vorzunehmen. Kaum ist denn auch in halbes Jahr vergangen und schon mehren sich meder die Anzeichen dafür, daß dem Publikum stne neue Erhöhung der Fahrt- und Gütertarife nvht. Es ist immer ein untrügliches Zeichen ge- »den, wenn die Verantwortlichen Stilen Lurch *n Mund ihres Ministers einen Notschrei über die äwierige Lage der ihren Restarts nn erstehenden tzerwaltunoszirnnge in die Oeffentlichleit haben »ringen lassen, daß dann rn kürzester Frist irgend' -stu neue Belastung des Publikums zu erwarten fand Die Erklärungen, die vor einiger Zeit der KeichöverkehrsMinister Grüner über die Lage der tifenbafmen abgegeben hat, und sein Himveic. ans fes ständig wachende Milliardendefizit bei den­selben, ist nichts Weiler gewesen als die erste ossi- jielle Ankündigung einer wetterenNeureglung" Bet Tarife, was auf gut deutsch nichts anderes be­

deutet als eine weitere starke Erhöhung.

Es ist noch nicht allzu lange her, daß der RtichSverkehrsmstüster General Gröner erklärt hat, daß er von einer weiteren Heraufsetzung der Eisen-- «chntarise lich für die Besserung der allgemeinen kaae der Eisenbahnen wenig oder nich's erhoffe, und daß er auf dem Standpunkt stehe, daß der Ber- Mr durch eine allzu große Belastung des reisenden ßvblikums nicht schließlich völlig an den Rand Abgrunds gebrackst werden dürfte. Nun hat es eter den Anschein, als ob man im Reichsverkehrs- einiftcrhim auch bei der kommenden Neurege- rng der Tarife im wesentlicljen auf die alten Me­thoden der schematisckjen Preissteigerung um 50 wtt 100 Prozent zurückgreifen will. Man stellt ich offenbar iwch immer aus den zwar einfachen der mehr als laienhaften und bedenklichen Stand- mrnft, daß das bei den Eisenbahnen vorhandene Hcfizit einfach dadurch gedeckt werden könnte, daß mm die Tarife um Hunderte von Prozenten bis trs Uferlose erhöht. Schon die hundertprozentige- trhöhnng im Frühjahre 1920 'hat aber den klaren m von Kenner der Verhältnisse längst voraus- idagten Beweis geliefert, daß sich durch sie das Defizit bei den Eisenbahnen nicht verringert, fon- tm nur noch erhöht hat. Es gehört keine grosse Lvphetengabe dazu, wenn man lfeute, wo wir Wnittelbar vor einer neuen Erhöhung der Fahrt- ntb Gütertarife auf der Eisenbahn stehen, vorher- cht, daß eine weitere Steigerung der Sätze eine air noch größere Erhöhung des Desizits der beut <ten Eisenbahnen narfj sich ziehen irruß Das- Wort, hob einmal der deutsche Reichsfinanzminister Dr. Birth vom Verf'elw geprägt l>at, daß er sich näm- |W selbst auffreffe, wird sich an Deutscharck mit Em feinen katastrophalen Folgen für inner Wirt- ichlftsleben erfüllen.

Nun wird das Reichsverkehrsministerium aller- ; tr.<r- erklären, daß doch auf irgend eine Weife die toben Kosten für Beamte ,unb Arbeiter, für den 'vlilenverbrauclr und für Materialien aller Art lrßmdwoher gedeckt wecken müß'en, und baji die Tenbabnen auf die Dauer bei dieser Defizitwirt- kost nicht tycitcr arbeiten können. Aber schließlich nrd man sich im Reichsverkehrsministerium doch mH darüber klar sein müssen, daß der Ausfall r_ber Eisenbahn nicht geringer, sondern immer Größer werden muß, trenn der Allgemeinheit Lasten aus die Schultern gelegt werden, die von Millionen ton Staa sangehörigen überhaupt nicht mehr ge- [regen werden können und getragen werden wollen, ts wird der Reichsregierung nichts anderes übrig Eiben, als nach anderen Mitteln zu suchen, um ik enormen Fehlbeträge, wie sie sich im Eisen- ^hnwesen im Laufe der Zeit herausgebildet haben, allmählich Au beseitigen. Dazu gehört in erster 'nie, daß sich die maßgebenden Stellen endgültig « der Erkenntnis durchringen, daß die Fehlbr W in der Eisenbahn durch die Eisenbahn l emals gedeckt werden können. Es'sen an tre Steuerguellci: des Reick?cs erschlossen ober tten Erträgnisse als Zuschüsse den Eisenbahnen 'ittefüfyrt werden, trenn an eine entsckieidende Besse- 119 der sinanziellen Verhältnisse der Eisenbahn- ^twaltungen überhaupt gedacht werden soll. Die lammen, die durch höhere Tarife hineingebrackst ecken, sind nicht einmal ein Tröpfelt auf den iljen Stein. Bor allem aber scknint es auch ttoenbig, baß das ungeheuere Beamten- und rgestelltenheer, das heule bet der Eisenbahnoer- Ätung tätig ober auch nicht tätig ist, bis aufs «ferste herabzumindern. Es ist schließlich wohl

Als im März ds. JA. die Tarife bei der Eifen daha yum größten Sckmerze des reisenden Publi tinni- um hundert Prozent erhöht wurden, äat man wn amtlicher Stelle aus den Trost gespendet, bat­et nun für eine Reihe von Monaten, ja r-ielleichi von fahren mit weiteren Tariferhöhungen vorbei szusehen, baß diese Hoffnung, Berkehrsministerinms bamal

begreiflich, baß die Eisenbahntarife erhöht werden mussten, loctl die fUtaienoIjdften int Laufe der Jnt ms Uwntfijene gestiegen sino Aber einem großen T'.rl des "Lubllkums wird es itnocrsträtdlich letbett, warum beute, wo der Eisenbahnverkehr laum dvn vor 20 Jahren entspricht, ein doppelt so Ü?rves Beamten- mti> Angestell.-enhoer twtn>erti>ig ictit wllte Etm..,ahve 1914, wo der Eisenbahn­verkehr mindestens dreimal io stark war wie heule Wtr haben zwar ein Riesenheer von Beamten ufro.', aber retnen Rirsenveckfehr. Hier könnten offenbar Mtllwnenersparntsie erzielt werden. Und schliefe tch tst zu bedenken, daß die Mell-oden, die mm, btsher versvlgte dne größte ^ärte gegen das Eisen bahnverfonal selbst ftnb, weck sie notw.mdiger.veise

,^lc^.u^eit ZusaTtrmeTrbruch tmseres geiatnlcu 'Berrehrswesens sübren, unb damit eines Tages Tausende brat los macheit müsien. Mu der bis- hertgeit Art und Werse der Sanierung der Eisen bahnstnanzen kommen wir jedenfalls nicht weiter Sie können nremals dazu führen, die Defjzue aus- zuhebc-n, sondern nur dazu, die heute schon orohende vollst)mmetre fBleitc in der Eisenbahn tnwerrneidlüb zu machen.

«nd Schule

Evangelischer Landeskirchenlag.

R.M.K. Dar m stad t, 10. Nov. Der evange- ltsche Landeskirchen tag setzte heute feine Beratratgen fort. Nach Toeiterer Ausfpracbc üb-r bte ungletckie O r ts ste l l e n zu l a g e in dwr gro­ßen Städten wird das Gesetz über die Gehalt? der Getstltcheit in zweiter Lesung angenommen. Du Teueruncfezufchlag für 1920 wird auf 50 Prozent festgesetzt. Bet der zweiten Lckung des Gesetzes über die stiuhegehalte der Geistlichen und bi*. Hinter­bliebenenversorgung wird ein Antrag Heraus, bie Witwengehalte von 3200 Mk. auf 4000 Mk zu erhöhen, abgelehttt. Auch das Gesetz über di' Diensteinkommen der Beamten der Kirch'nbehörde findet rn zweiter Lesung ohne Llussprache Annahme. Abg Pfr. Fritsch sRuppertsburg) spricht der stirchenbehörde für ihr Entgegenkommen Dank aus, trenn auch noch Scl)önheitsfehler im Gesetz vorhan­den seien. Der Anschluß der Genteitrdt Veitshain an das Kirchspiel Crainfeld wird ohne Aussprack^ genehmigt. Äbg. Dr. Dornseisf berichtet über die bisherige Tätigkeit des Verfassuirgsausschusses. Nach eingeltenber Aussprache und Erklärungen der Kirchenbehörde wird gut geheißen, daß bis zum Frühjahr ein neuer Verfassungsentwurf durch das Kirchenregiment Dorgefegt wird. Der Voranschlag des Zstittralkirchenfonds wird von 1920 auf ein Jahr verlängert. Auf eine Anfrage des Abg. W a i tz berichtet Prälat Euler über die Verlwndlungen über die im nächsten Jahre zu Worms beabsichtigte Vierhundertjahrferer des Lnther- de n k m a l s und erklärt, daß nach einer Erklärung des hessischen Staatsministeriums von Seiten des Generals Degoutte Schwierigkeiten nicht int W:ae stehen nerden. Ueber den Umfang b?r Feier selbst, bzw. der Beteiligung auch des Auslandes sei man noch nicht in der Lage Bestimmtes zu sagen. Freib. v. Hehl tritt trotz der Schwierigkeiten für die Abhaltung der Feier ein. Auf die Anfrage des Abg, Geist bezüglich Ersatz der im Krieg? ver­lorenen Kirchenglocken gibt Geh. Kirchenrat Dr. Merck im Namen der Kirchenbehörde Aus­kunft aus der berborgest, daß von Reichswegen ein wg. Zwangsbewirtschaftrargsausschuß gebildet wor­den fei, der die Sache in der Hand habe. Währmd Bayern, Baden und Württemberg sich gegen biefen Ausschuß ausgesprochen haben, ist die hessische Re­gierung diesem bei getreten.

In der Nachmittagssitzung wirb ein Antrag Her äus angenommen, der den Pfarrern bei Versetzungen die Umzugs kosten bergüfet wissen will. Ein Antrag Dr. Schi an betr. die Gleich­stellung der Ortszuschläge wird abgelehnt, ebenso rin Antrag Müller, der fordert, daß vor her Ortsklasseneinteilung ine Dekanatsairssthüsse gehört 1 verben sollen. Auch der weitere Anttag Schian b'tr. die Zulässigkeit der verschiedenen Höh' der Ort-- zuschläge wirb nach Aussprache abgelehnt. Ein 2ln- trag Geist betr. die Besserstellung der Pfarrtts- töchter wird nach der zusagenden Erklärung der fiiegierung für erledigt erklärt. Eine länger* Aus­sprache veranlaßt das Gesuch des Verbandes der l^essischen Organisten - und Ehordirigenten um lBesserstellung ihres Einkommens und wird im Interesse der grundsätzlichen Wichtigkeit der Frag? an den Ausschuß Derttxe en. Ein Anttag Wiegel- Römheld Mr. Einrichtung von Organiften- schulen wird angenommen. Grät Antrag Mathes (Darmstadt), der die Wahl einer Kommission for­dert, welche die Interessen dw Kirche mehr wie bisher im öffentlichen Leben insbesonder* durch einen Presseausschuß vertreten soll, wird der Kir­chenbehörde zur Berücksichtigung empfohlen, da die Frage noch nicht genügend geklärt erscheint. Ein Antrag Dr. Schian, der die Weiterbeichästiciung der Missionare der Basler Mission im hessischen

Kirckendienst anregt, wird nach Aussprache mit gt wissen Einschränkungen angenommen Nach einem Gtebet und Schlußwort des Borsitzenoett mirb bie arbeitsreiche Tagung abends 7 Uhr geschloffen

v

** Die unerschwinglichen Schul­bücher p re ije. Zu bett ratter dieser Ueberfchrtst in 'Jiranmer o69 derFrankfurter Nachrichten" gemachten Ausführungen schreibt man rats:Es wirb bei llnrntgnoeibten der Eindruck erweckt, als ob die Preise für bte Schulbücher im Vergleich zu bencr. an derer GegetrstäuL»- ratverhältt'.iSmäßig ge­stiegen seien. Dies ist aber n rcht der Fall. Gfegen 1914 sind die Satz- und Druckkosten für Bücher aut das 10 fache, bte "Papierpreise aus das 1b20- radjc und die BuEnderkosten aus das 10» 'acha gestiegen. Dazu kommt die starte Erhöhung ter allgemeinen Geschätsunkosten (Pi>rtv. Fracht, G.'hälter, Löhne, Licht, Heizung ufro. . Temnach tfäu' die Steigerung der Sckmlbücherpretse auf dts 10 ixKbc der Preise von 1914 burchnb5 normal. Tatsächlich sind bte Preise in den meisten Fällen um nxrnigrr gestiegen, ivas ja auch aus den Aus- stlhrmtgen in Nr. 559 hervorgeht. Wenn es heut­zutage noch srembsprachliche Schriftsteller m bil­ligeren Ausgaben gibt, so kann es ftdu nur um solche lxmdcln, die vor Jahren hergestellt wurden, bte aber aus diesem oder jenem Grunde nickst genügend Absatz gefunbejl haben. Es ist gewiß bedauerlich, baß "bie Eltern durch bie er bolzten Sckmlbücher- Pveife belastet werden. Aber werden sie ba-3 nickst ouch durch die Preiserhöhungen für fast olles andere? Es gibt iveitige Gegenstände, bet denen sich die Preiserhöhung in den Grenzen hält wie bei ben Schulbüchern. Mit dem SIKau der Schul­bücherpreise kann nur begonnen werden, wenn die Regierung dafür sorgt, daß die Schnlbuchverleger billigeres Papier erhalten. Es wäre d-shalb zu wünschen, daß die Elternkreise au^ dos Unter­richtsministerium etnzuwirken versucksten, Schritte in dieser Richtung zu unternehmen. "Be.nühtntgen der Verleger in dieser Hinsicht, um die Sckml- bücher zu verbilligen, sind bisher leider ohne Er­folg geblieben."

h. Nidda, 10. Nov. Am 16. November sind es 30 Jahve, daß Kirchmrot Werner tm Dienst der Psarr^ NLda steht. Bor 54 Jahr eit trat er in ben Dienst bet hessischen Lande sktrckre in Wachen^nm. Von 18691878 war er treten» tat im Birken feldschen. Im Jahre 1878 kam er wieder in das Hessische zurück und wurde dem Namen nach zum Pfarver der freiprotestlmtischen Gtemeinbe Wonsheim ernannt. Ick Wttcklichveü ver­sah er die Pfarrstelle in Udenheim imb fltieder- LXlulhoim, in welck)er Zeit er viele Müde mit der Leitung des Kirchenbaues in Nie er-Laulhorm hatte rath sich groß? Verdienste erwarb. 1887 tauschte er diese Pfarrei mit der Pfarrei Lindheim, um nach 3 Jahren nach Nidda zu gehen. Kirckienrat W ist "bon seltener Rüsttgkeü unb hat trotz feiner 54 Tienstjahre keinerlei Hilfe. Er kann auf ein arbeitsreiches Leben zurückblicken.

Schöffengericht.

Gießen, 9. Nov. 1920

Ein Althändler von Gießen taufte tm Herbst 1919 in Allendorf a. b. Lahn Lum­pen und Alteisen auf. Als er mit seinem Wagen auf der Straße hielt, trug ein öjährtges Mädchen ein Säckchen, in dem sich 2 Pfratd ro!)e weiß: Schafwolle befanden, vorbei, ran sie rn ein an­deres Haus zu bringen. Ter Angeklagte, dem von Kräidern Altsacken gebracht wurden, rief das Mäd­chen zu sich heran, offenbar rn der Meinung, es wolle ihm ebenfalls Lumpen bringen. Er besah die Wolle, schüttete sie aus und gab dem Nind 3 Mk. und einen kleinen geringwertigen Tasckrenspiegll. Als die Eigentümerin ber Wolle dies hörte, ver­langte sie diese sofort zurück, was der Angellagte zunächst verweigerte. Erst nachträglich gab sein Knecht einen Teil davon zurück, während die Hermes gäbe des Restes erst erfolgte, als man ben eilig davon gefahrenen Angeklagt«t eingeholt hatte. Wegen Unterschlagung erhält er wegen An­nahme mildernder Umstände 60 Mk. Geldstrafe.

Ein Kaufmann von Frankfurt a. M. kündigte in der Zeitung an, daß er Gold- und Silbergegenstände zu hohen Preisen an­kaufe unb Samstags in einem breiigen Gasthaus zu treffen sei. Er behauptet, die chm in Gießen^ übergebenen Gold- und Silbersachen mit nach Frankfurt, feiner ständigen GewerbSniederlassunr., mitgenommen, sie dort auf ihren Gewalt geprüft und erst dann erworben zu haben. Tas Gericht schenkte diesen Angaben keinen Mauben, ba es d r Meinung war, es sei völlig ausgeschlosien, daß die Verkäufer ihrer Wertsack-en dem Angeklagten ohne jede Sicherung übergeben hätten. Es ver­urteilte ihn, weil er Gold- und Silbersachen tm Um her ziehen und in Wirtschaften nach erfolgter Anzeige in der Zeitung angefauft hat, mit Rück­sicht auf feinen hohen Gewinn zu einer Geldstrafe von 1000 Mk.

(Rn Maschinenhändler wn San« Göns hat im Juli l. I. tm Güch. Anz. 30 Mtlck> Zentrifugen zum Verkran ängeboten. Ta dies v:- folge ber Zwangsbewirt'chaftung von MUck und Butter verboten ist, erhält er eine Yfeldstrafe yvn 10 Mk.

Tas Bezirksamt Konstanz hatte im Jult 1919 einem dort wohnhaften Kaufmann wegen Unzuverlässiglpit den Handel untersagt. Darauftim zog er nach Gießen unb vertrieb von hier au» Schwarzwälder Uhren tm Großen. Trotzdem ihm der Handel für das ganze Reickiögebie: untersagt war. Seine Angaben, er hätte geglaubt, düs gelte nur für Baden, fracken fernen Glaulvn, weil er wegen ähnlicher Verfehlungen auch fdxm tm Elsaß rack rn Bovcrn bestraft worden ist. 3tt An- betraä't seiner vielen Vorstrafen erhielt er eine Geldstrafe von 1000 Mk.

Ein Geschüftsmann doti hier fuhr am 3. April l. I. mit der Elektrischen imb erklärte dem Schaffner, er habe ernemrrte" Ms er diese vorzeigen mußte, stellte sich heraus, daß er eine Karte für Mär; batte, die abgelaufen war. Er wurde desivlb wegen Betrugs an geklagt. Tas Gerickst schenkte fedoch feiner Behauptung, er fei wogen enter Reife unb des vorherigen Fctertvgs noch nicht in ber Lage gewesen, eine neue Karte 30t lösen, Glauben rack verurteilte ihn deshalb lediglich) zu einer Ordnungsstrafe von 3 Mk.

Tie Sacke gegen eine ht?ftge Wrrttn wegen Uebertretirng der Polizei stunde würd' zwecks Ladratg weiterer Zeugen vertagt.

Wieder einmal stand einer der vstlfachen Diebstähle von Kohlen auf dem hiesigen Güferbahichof zur Aburteilung. Eni jung.T Bursche erhielt deslx^h 5 Tage Gefängnis

Von grundsätzlicher Bedriltung ist nachstehender Fall. Ein Zigarrenfabrikant au^ ben Vogelsberg bestellte bei einem hiesigen Großhändler Zigaretten, Mifckmxire, zur Abgabe a?> seine Arbiter. Ter Händler konnte audi solck>e \-- fchaffen unb zeigte ihm »einen f.Nu>'Ierk>arton, ous Dem ber Kleinhande sverkaufspreis mit 8 Pf. an­gegeben und eine Steilerbanderole bis zu 8',8 Pi. angebracht war. Tor Ankaufspreis betrug 8,3Pf., der Verkaufspreis an den Jabrikanlen bageg; i 8,7 Pf. Nachträglich unterbreitete letzterer, dem ber Kauf offen bi. leid ge -orben war, bie Ange­legenheit Cer h.esigen Pr.iLprüsungLsle lc veranlaßte dne Un.cnuchung weg^' 'b-crmäfcfgcr Preistteiberei. Tias «Bericht nahm tn Velrrcfnitün nrung mit einem Sackpi.rständ'gen rars Zigarrai- händlerkreisen an, daß von Wucher ober" übe - mäBi^rer Preissteigerung nicht bte :"iefc sein köm c angesichts des geringen Preisawsck>lag-. Es w. > ab-'r auch der Auffassung, daß keine unlauteren Mack)ensch'aft>2t unb in^btioiibere fein .Mttenhand. i vorliege, tratb daß mich von einer UeberschreittuiH von Höchstpreise:! rsich' gesprochen inerten könn., weil cer auf gedruckte K ein<erklaufspris kein höcknr preis im Sinne des Gesetzes fei, vrclmehr lediglich einen von dem Fabrikanten festgesetzten V genannten Konventionalpreis dar stelle. Die Ueber- schreittrng eines solchen sei aber für sichallein nicht strafbar.

<ffegen einen hiesigen Kaufmann wurde wegen Kettenhandels mit Zigarren eine Geldstraf' von 1000 Mk. ausgesprochen Die übrigen Ge­schäftsleute, die an dem Kettenhandel bsteiligh waren, hatten sich bei den gegen sie wlasseneni Strafbefehle von 600, 1000, 1500 und 2500 Ptark beruhigt.

Zum Schluß mürbe gegen einen mehrfach vor­bestraften Mwirrer von Treis a. Ldn. wegen Dieb­stahls verhandelt. Er war bescknudigt, der Firnra Meter Länge entwendet zu hakxm. Troy s'ines Amendt daselbst eine Fichtenstange von ei.ua z hu hartnäckigen Leugnens wurde er des Diebstahls für über führt erachtet, da die frisch zersägten Teil' oer Stange in feinem Besitz vorgefunden wurdeit, unb er erhielt eine Gefängnisstrafe von zwn Wochen.

GerichtssaaL.

)( M arbnrg, 11. Nov. Das Schwur­gericht befchäftigte sich gestern in einer dm ganzen Tag bauernben Sitzung mit einer Anklage gegen den Eisenbahnarbeiter W. Wiegand aus N:u- ftabt, ber Gepäckscheine gefälscht unb Mehl - schiebereien begangen haben soll. Tas Urt'i! lautete auf ein Jahr Gefängnis, 500 Mk. Geldstrafe unb zwei Jahre Ehrverlust. In ber heurigen Sitzung nnrrbe der wegen Sittlichkeit s vergehens angeklagtc Steinbrucharbeiter Wilhelm Wiegand aus Amöneburg freigesprochen.

Turnen, Spiel «nd Sport.

Geländelauf. Der am 7. November 1920 von ber Gießener Turn-, Spiel- unb Sport-Ber­einigung unter Leitung des Ballspielklrjb Merkur 1904 veranstaltete Geländelauf hatte sich leider feiner allMgroßen Beteiligung zu erfreuen, Ruder- und Raofahrverelne hatten sich überhaupt

den wie ein befangener Backfisch. Aber dreies kind­liche Erröten stand bem großen, hübschen Mädchen fehr gut. Germering, ber über ihve.1 bisherigen Beruf unterrichtet war, fanb, daß sie ganz und gar nicht das Aussehen einer Komörumttn habe. Seine bescheidene Ablehnung ihres Dankes klang sehr lfebenswürdig:Ich darf bfe Anerkennimg nicht annebmen, mein Fcäulem; denn noch ist sie leider verfrüht. Aber wenn Ihr Vater eii^es Tages irieber ganz gesund sein wicd, dürfen Sie sicher sein, daß mich Ihr Dank zur Freude stimmen wird."

Unb er wirb so herÄich fein, nrie Sie es nur wünfchen können," sagte sie, noch- rvährend ber stfede schier erschrocken über ihre plötzliche Kühnheit. Es war ihr lieb, daß sich Signe jetzt mit einer Be­merkung an den Doktor wandte; aber sie Wan gleich- zeittg überrascht durch den ganz ueränberten Ton, in dem sie zu ihm sprach. Tas war nickst mehr bte übermütige, sorglose, fast leichtfertige Art, tn ber ihre Schwägerin sich noch soeben mit ihr unter­halten, sondern bte sanfte, schwennüttg angelxtucht'.- Redcweise einer sehr ernsten Frau. Sie bellagte sich darüber, daß ihr so wemg Gelegvtheit gegeben werde, sich bem Kranken nützlich zu machen.

Ich komme mir hier si> Überflüssig vor," sagte sie.Wann unsere liebe Erife mir schon nicht bte Gaben einer Pflegerin zutraut, zur Gesellschafterin glaube ich doch eintgermaßen zu taugen. Als uh bem Papa einmal oorlesen durste, äußerte er sich sehr freundlich über meine Stimme und mein Ver­ständnis. Aber ich bin trotzdem noch immer ob» gewiesen wvcken, so ost ich mich feilten auch dazu gemeldet habe."

,,Tas waren ge:riß nur zu'Älige Ursachen," versicherte Enka.Ol^e. Onkel Bernhard

daß es Ihnen ein Opfer sei. Wenn ich ihm sage, daß Sie es gern tun, macht er sickerlich mit Ver­gnügen von Ihrem Anerbieren Gebrauch"

So tun Sic es, bitte, liebste Erika! Es gibt nichts Bedrückende res als das Ge'lchl, »'vischm lauter arbeitsamen Menschen Io unnütz umherzn- gchen."

Und dock) lehntest du es ab, mir zu einem Bilde zu sitzen," mischte sich Achim em.Obwohl du weißt, wie es auch mich danach verlangt, mich auf irgenb eine Weise zu betätigen."

Es lag unüberhörbar ein ernst gemeinter Vor wurf rn feinen Worten: Signe aber wandte sich ihm mit einem milden, gütigen Lächeln zu.

Tu hast mich schon so unendlich ost gemalt, lieber Achim, daß das Modell unmöglich tnxl) künstlerisckien Reiz für dich haben kann; ich meint' es nur gut, als ich dich erfuckste, Fräulein Erikck um diese Gefälligkeit zu bitten."

Erika hat dazu feine Zeit," erwiderte er aufe fallend rasch und kurz.Es wick mir nichts an deves übrig bleiben, als mir unten im Ort jem-rni zu suchen."

,,T« Herrschaften gestatten, daß ich mich beut taube," sagte ber junge Arzt.Hosienttich habe ick schon reckst bald Gelegenheit, Sie beim Wort zn nehmen, Fräulein Falkner!"

Ohne Zögern reichte Gerda ihm die Hand

Tas hoffe ich auch, Herr Doktor! Wir alle haben ja nur ben einzigen Wunsch"

Ohne viel Förmlichkeit verabschiedete er sich auch von den anderen; Frau Signe gab ihn raxb nicht völlig frei

Tart ich Sie etn kleines Stück durch den Gar­

ten begleiten, Herr etwas fragen."

Doktor? Ich möchte Sie noch £8»tife6ung folgt.)