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iber abend» ttbrung! RruhkiL HHO mm $»»«»

Ende etwa MU1 U-12'/, Uhr,

llr. 2(5 Zweiter Blatt

vir Einfuhr amerilanischer Milchkühe.

Berlin, 11. Sept. WTB.) In den ber­einigten Staaten hat sich vor längerer ijeit br 8er. migimg American Tain) Sattle Co. ge- bilbct. welch: dre menschenfreundlich- Absicht Der folgt, -ur ^mbcnmg be3 m D.utch and herrschen­den Mangels an Milch imb F.'t. b.ijutrageu. Di. Gesellschaft bot Deutschland 2500 M ilchküh? an. Di.' deutsch: Regi?rung nahm von dem An­erbieten dec Dairy Sattle Co. mit Dank Kenntnis mib tias di- no'ro?ub;g?n Einleitungen zu bei Einfuhr ter Milchkühe, lieber das Angebot der Tarry Satt e So. sind in der deutschen Presse irrige Angaben verbreitet, die zu unliebsamen Änseinand vi cungen geführt haben. Zur Aufklä­rung der Oessintlichkeit sei baruni folgenbe? nnt- geteilt: Di American Dairy Satt.e So IN Chicago hat ltri) bi? Ausgabe g.'stellt, zum Wiederaufbau der deutschen Milchwirtschaft ihr? Hilfe zur Verfügung zu stellen. Sie wandte sich deshalb in einem Aufruf zur Stiftung von Milchkühen und zur Beschaffung von Kraftfutter im W.'g? der Schenkung und lang Triftige: Kredit? an die amerikanische Oeffcntlich feit. Tie deutsche Regierung billigte den Plan und teilte im Februar d. I. der American Sattle So ihre Zustimmung und ihren Tank mit. Ob und welche Anzahl Milchkühe durch die eingeleitcti1 Hilfsaktion t*on amerikanischer Seite gestiftet mür­ben, toa: bisher unbekannt Sicher war, daß es sich nicht entfernt um 100 000 Kühe h an deln konnte, von denen in der deutschen Presse die Rede war. Aus den Verhandlungen mit den in Berlin anwesenden Vertretern der American Dairy Sattle Co vom 5. 7. und 2. 9. und dem am 29. 8 eingelaufcnen Kabeltelegramm des von der deutschen Regierung nach Amerika ausgesandten Beauftragten ergibt sich nun, baß etwa 2500 Kühe gestiftet wurden. Diese befinden sich aber noch in den Ställen der Faftmer und sind noch nicht z u r S a m mel ste l le gebracht worden. Die ersten 500 bis 1000 Stück sollen nebst dem erforderlichen Kraftfutter für vier Monate A n fang Oktober von Port Gaveston ver- . schifft werden. Wer sich klar macht, welch? I Schwieri g it n es zu überwinden gilt, um große Mengen M ilchkühc aus den verschiedensten Teilen der Bereinigten Staaten zusammenzubringen und sie über den Ozean nach Bremen ober Hamburg zu verschiffen, mutz mit sämtlichen ma^gebe'iiben deutsckicii Stellen und der American Dairy Sattle Co. selbst dann einig fein, daß trotz unseres ge- lichte'en Bichbestandes und der harten Abliese- rungssorberung des Friedensvertrages zur He­bung der deutsche Milchwirtschaft in erster Linie Kraftfutter in Frage kommt. Es ist leichter und billiger zu transportieren als Milchkühe, und der Transport ist "alt >hne Risiko und M iLer Wahres,<it möglich fstachdein bie Bitte der deut­schen Regirrung an die Entente, für den See­transport einig? nach dem Friedensvertrage abzu liefernd? deutsch? Schifssneubauten zur Verfügung Wüefien. abgelehnt worden ist, werden voraus- ich die Kosten des Transportes einer Kuh auf ungefähr die Hälfte ihres Verbrauchswertes in Deutschland zu stehen kommen. Der Regierung sind bisher -wei verbindliche Schiffsraumangebote zu­gegangen. Das eine ist in dem erwähnten Kabel- telegramm des Beauftragten der Regierung ent­halten und lautet auf 70 Dollar, das zweite durch das Rote Kreuz vermittelte und ebenfalls aus Amerika stammende ist dem Auswärtigen Amt einige Tag? später, und zwar am 7. 9. 1920, also nid< sclwn Anfang August, zug-sangen. Der tu dem zweiten Angebot geforderte Preis ist um 15 Dollar iriebriger. Das Angebot ist aber lücken­haft, u>ei! es die Seeversicherung nicht einschließt, die bei Einzlverlust 510 Prozent des Wertes einer Kuh K trägt. Zu beiden Angeboten sind noch weitere Angaben erforderlich. Es wird geprüft, welches von den beiden vorliegenden Angeboten das günstigere ist. Die Kühe werden nach Eintreffen in Deut sch and voraussichtlich in die Abmelkeställe der großen Städte gebracht, da diese Unterbrin­gungine größere Gewähr bafür git, bau die Einschevpuntz des Terasfiebers verhütet wird. Die Einfuhr in diesem besonderen Fall be­deutet übrigens kein Aufgeben des Grundsatzes, daß amerikanisches Lebendvieh zur Einfuhr nicht zugelassen roitb Erne weiten- Mtton der Ameri­can Dain, Sattle Co. wirb sich insbesondere nach dem Ergebnis dcr Besprech ing mit dem Vertreter der amerikanische Organisation, der die größere Wirtschaftlichkeit der Einführung von Kraftfutter selbst anerkannte, auf die Beschaffung von Kraft­futter rich en. Das Reichs Ministerium für Er­nährung imb Landwirtschaft hat und wird hier­nach im Einvernehm'M mit dem ?luSwärtigen Amt imb dem Deut,chn Zentralausschuß, dem die Ver­teilung im Inlande übertragen worden ist, alles tun, uni das Liebeswerk amerikanischer Freunde Mir Durchführung zu bringen und ihm für die Zu­kunft die Form w geben, in dec es zum Wieder­aufbau Deutschlands am wirksamsten beiträgt.

Blinder Hatz.

Roman von Alfred Sassen.

lpochdruck verboten.) Fortsetzung 30.

Es war ein herzbeklemmend ecfdtfttember An­blick ein wandelndes Marmorbild, das tm Be- gcift ist, den toten Sohn zu begraben! Und man mußte unwillkürlich denken, die ärmste Mutier werde für immer an dem gewölbten Hügel stel-en bleiben als Erinnerung an unerhörte Schick- svlsschläge'

Fast tie Hälfte der Einwohner von Lobeoa folgte dem L-arg.

Dann aber was waren das für seltsame Ge­walten, die den Schluß des Buges bildeten? Sintge davon tonnte Rena Es waren arme Kranke ?ms dvn Siiibtd.e.i Di-- anderen jedoch, gleichfalls ^i-fällig, ärmlich und gebrechlich, sie mußten lvohl

der näheren und weiteren Umgegend d?r- ^mmeu i in.

, Tas junge Mädchen begrifr auf einmal. Sie ^»rten zu den ungezählten, die im Laute der vfibre am Tor desalten Schosses" angell.'pft wttet, um Hilfe zu erbitten, und denen dreie Düst auch zuteil geworden war von der im stillen fv wohltätigen Blinden.

Die TanÜ»arfeit hatte diese Elenden aus ihren mllen Winkeln b-rror getrieben sie waren, ovst- leicht unter Mültz'a cit und Schmerzen, herbei ge­strömt, um der unglücklichen Mutter ihre Teilnahme Mi bezeigen an dem entsetzlichen Verlust, der ste betroffen.

Rena zuckte plötzlich vpn ihrem Sitz empor. 'S» handelten Fremde, arme vom Schicksal Snt* ^-bte um einer milden Gabe willen, die chnen

Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Litauische Zährten.

Von Pros. Dr. L. Berg st räßer

Im Seim.

Kowno, im August 1920.

Der litauisch? Staat entstand aus Sieg und Niederlage der Deutschen. Er hat schrvere Zeiten hinter sich, in denen alles provisoriich erschien und vieles provisorisch war; hnfte noch ist die Regie­rung nicht in der eigentlichen Landeshauptstadt Wilna, sondern in Kowno, das im künftigen Litauen nur Provinzialstadt eines der Gouverne­ments sein wir). So ist es kein Wunder, daß die Behörden eng zusammengepfercht sind; die Aus­gaben der Ministerien wuchen, das Personal mußte vermehrt werden und so kann man fast sagen, daß einer über den andern stolpert.

Auch die Landesversammlung, die Volksver­tretung Litauens, d?r Seim, hat nur ganz provi­sorische Unterkunft finden können. Er tagt in der Aula des früheren russischen Gymnaiiums, des­selben Gebäudes, das eine Zeit hindurch die un­selige deutsche Verwaltung Litauen beherbergt bat. Der Saal bat keine Galerie; nur für das Präsi dium ist ein Podium geschossen ivorden; Dipl) matenloge wie Regierungsbank sind einfache Stuhl­reihen zur Seite der Rednertribünen. Deren gibt e-j zwei, eine für die Regierung, eine für die Abgeordneten, beide alte Schnlkatheder. Zwischen beiden etwas nach vorn steht der Pressetisch, der Tisch der Stenograph?«, alles sehr einfach; irgend­woher zusammengerückte Möbel. Das Haus selbst ist renoviert, der Sitzungssaal hübsch mit den Wappen der litauischen Städte geziert.

Verhandlungssprache ist die litauische mit dem vollen Klang ihrer vokalreichen Endimgen; doch darf jeder Abgeordnete in feiner Sprache reden, und einer der jüdischen Vertreter Hal einmal un Jargon eine große Rede gehalten, die nur von ben wenigsten verstanden wurde; denn wer nicht gut deutsch beherrscht, sindet sich aus den hebräisch untermischten Kehllauten nicht leicht heraus. Die drei Polen sprechm ebenso wie der deutsche Ab­geordnete litauisch.

Als ich die Sitzung des Seim besuchte, standen gerade zwei wichtiAe Steuerttorlagen zur Beratung. Die erste betraf Spiritus und Alkohol. Der recht kurz gehaltenen sstogierungsvorlage gegenüber war aus dem Hause ein Antrag gestellt worden Alkohol und Spiritus für medizinische und wissensck>asllick>e Zwecke frei zu lassen; ztvei Aerzte vertraten ihn lebhaft, ein Regierungsvertreter machte Segens gründe geltend, ohne durchzudringen. Die Annahme vollzog sich schnell, abgestimmt wurde durch Hand- aushebung, und die Auszählung ging bei nur 112 Abgeordneten leicht vor sich. Sie sitzen überdies übersichtlich in Reihen wie die Zuhörer bei einem Vortrag. Der Mittelgang scheidet die Mchrl>eits- partei der christlichen Demokraten von den anderen Parteien. Allerdings hatte diese Scheidung bei den Abstimmungen, die ich sah, keine große Bedeutung; man hatte diese Einzelheiten nicht unter den Bann des Fraktionszwanges gejroängt.

Rach kurzer Zeit fptgte als zweite Vorlage eine Tabaksteuernovelte. Sie war schon im Ausschuß vor- beraten worden und sand auch schnelle Annahme; ich muß gestehen, zu meiner Verwunderung, denn ihre Sätze sind enorm hoch. Sie beginnen für Tabak bester Qualität mit 42 Mk. für das Pfund, wobei darauf hinxuweisan wäre, daß hier noch das russische Pfund mit 400 Gramm gilt. Die Währung ist noch die deutsche. Erste Quaktät 40, zweite 16, dritte 6 Mk., während der Machorka, die hier weit ver­breitete «rmgwertige Sorte, die das Pfeifchen des kleinen Manne? darstellt, nur mit 3 Mk. besteuert tvird. So erhoben auch die Sozialdemokraten keinen Widerspruch, und selbst der eine Unabhängige tat den Mund sticht auf. Man hat mir gesagt, dves sei hauptsächlich geschehen, weil die maßgebende Partei der christlichen Demokratie, die mit 59 Mitgliedern die unbedingte Mehrheit hat, sonst den Schnapszoll noch mehr erhöht hätte.

Man ist in Litauen noch nicht zu einer Aus- bilanzierung direkter und inhirefter Steuern ge­kommen, beschränkt sich vielmehr so ziemlich auf indirekte und muß sie deshalb natürlich so sozial gestalten, wie irgend möglich: man kann wohl lagen, daß dies bei der Tabaksteuer gelungen ist. Immerhin werdest' die Raucher in Deutschland sich sagen müssen, daß für sie noch goldene Zeiten be­stehen. Auch dem Zigaivttenraucher geht man tüch­tig an den Kragen. 100 Stück bester Zigarettsn sollen 13 Mk. Steuer kosten 100 Stück Machorka immer noch 4 Mk. Das gilt für solch? ohne ,mund- ftutu". Name wie Sache stammen ans Deutschland und sind Ueberbleib'el der Okkupation; denn früher rauchte man Paphrossen. die umso besser waren, je mehr Papier an iie gewandt wurde. Die litauische Sprache macht jetzt direkt den Unterschied, den man während des Krieges auch in den baltischen Landen erfand, daß ^-garet en als mundstücklos, Paphrossen als bemundftückt gelten.

Woraus zu sehen ist. w« einfach eme Sprache

sich zu helfen weiß. Ich erwähne dies, weck mir noch erinnerlich ist, wie während der deutsclien Be­setzung gar oft Schwierigkeiten entstanden und Aus- mnandersetzungen darüber, wie di« oder jenes in Inner Verordnung in litauiidKr Sp.ache wieder- gegeben irrtben tollte. Jetzt, nachdem^ man eine eigene Regierung bat, findet sich die Sprache wic von selbst in die neue Aufgabe, sie ist ein biegsames Instrument für den, der sich ihrer kunstvoll zu be­dienen iveiß. Und wie tne Sprache, w die Meufchen. Man hat sich in Litauen schnell in die Varianten- tarisckte Arbeit gefunden, und die Berufe der Ab­geordneten verteilen sich glücklich. Es, ist für das katholische Land selbstr-erständlich, daß die Geist- lichteit cm ziemliches Kontingent stellt, die christ- lrch-demokratische Partei ist dem deutschen Zentrum zu vergleichen, nur ist sie agrar pol, tisch iveit rad,- fater. Doch umfaßt sie nicht alle Kätholiken, selbst nicht alle Geistlichen. In der Monmoer Stadtduma sitzt ein geistlicher Vertreter, der Mitglied der sozialistischen Partei ist.

Die engeren und kleineren Verhältnisse erleid)- lern natürlich die Arbeit; die ^Ibgeorbnctot kennen sich alle persönlich, sie stehen alle irgend in einem Berufe, viel Kaufleute, Landwirte, imb bilben so, was für ben neuen Staat sehr wichtig ist, burch ü)te Person ein Binbeglied zwischen ber Bevölke­rung und ber neuen Ordnung

Als ick) aus dem Seim herausging, nachdem ich mich noch mit einigen Heroen anregend hatte unterhalten können, stieg ich hinauf auf den Berg und schaute ins Sanb, auf ben Muß mit seinen grünen Ufern, auf die vielen Türme und alten Kirchen der Stabt. So verband sich im geistigen Bilde altes mit neuem, und das Neu- bekam seine klare Bestimmung: Ein aufsteigender Vaucrnstaat, zäh, praktifch, nüchtern und ernst. Er wird seinen Weg mady?n, auch wenn ber kleine Kownoer Seim erst in Wilna in prunkhaftem Gebäude ju einer igroßen Volksvertretung geworden ist. Denn alle­zeit kommt es im Leben auf das Inwendige an, auf die Arbeitsfrei!digkeit, die Gesinnung, die Liebe zum Ganzen.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gie ßen , ben 11. Sept. 1920 (Schluß.)

Zum Schneiden des von ber Stabt gelieferten Ho 1zes sind zwei Bandsäge m a schinen beidjafft worden, die 25 000 Mk. er­forderten. Ter Kredit wird nachträglich bewilligt

Zur Einrichtung eines Konferenz­zimmers im Schulhaus an der West-Anlage wird ein Kredit von 5000 Mk. bewilligt. Es han­delt sich um Möbel, die nach Ansicht von Stadtv. Vetters in andere Schulen Verschtoppt worden l'inb. Oberbürgermeister Keller erklärt das .Ad- lian denkommen der Möbel aus ben Notwendig­keiten des Krieges, wobei von allen Setten ,/m- neftiert" wurde. Stabt». Goertz erhebt gegen das eigenmächtige Vorgehen des Hochbau am tes bei der Möbelannektion Einspruch und stellt einen entsprechenden Antrag. Es sprecken hierzu noch die Stabfb. Krausmüller und Müller.

Zur Abfuhr bau Kohlen schlacken im Elektrizitätswerk ist em neues Schienenglers angelegt worden. Ein Gleis von 150 Metern war erforderlich. Der Preis voii 69,50 Mk für den laufenden Meter wird iiachträglich genehmigt.

Zür zn»ft Ofeneinbauten beim Gas- und Wasserwerk waren 22 874 Mk. auTgervenbct. Drs ausführende Werk verlangt nachträg.ich einen Auf­schlag von 100 Prozent, der ebenfalls bewckltgt wirb. Aehnlich liegt der Fall bet ber Benzol­anlage des Gaswerks, wo ber ft'rebit um 20 000Mk. enveitert werden muß. Wcichz?itig wird be­schlossen, daß das Gaswerk das Benzol zu 20 Pro­zent Nachlatz an die städtischen Aernter abgibt.

Zur Beschvisfung eines zweiten Sargsen­kungsapparates für den Friedhof am Radt- berg wird ein Kredit von 2000 Mr. bennlligt.

(Sine weitere Kreditüberschrertung von 6000 Mk. aus '26 000 Mk. bk der Herstellung einer Wohnung der Ho freite Wolkengasse 11 wird ebenfalls bewilligt. Stabt». Müller beantrag ben noch Wohnungslosen neun Wachtmeistern Woh­nungen zu stellen.

Oberbürgermeister Keller bemerkt hierzu, datz die Stadt demnächst mit einem bedeutenden Wohilungsprojekt hervvrtreteii iverde.

Neubildung der Preisprüfungsstelle.

Beig. Seid führt hierzu ans: Die Preis­gestaltung hat zu einem unerträglichen Zustands geführt. Die Verbraucher sind über ihr Vermögen belastet, andererseits stocken Handel und ^nbuftrie, da ber Absatz erschwert ist. Betriebseinitellung^n sind entroeber erfolgt, ober droh eit. Es ergibt sich die eigentümliche Lage, daß großer Bebarf vorhan­den, ber Verbraucher aber nitbr abnahmefähig ist. Durch Erhöhung ber Löhne allein, kann feine grundlegenbe Abhilfe geschaffen werben. Es muß

geworden, kamen sie und bezeugten in so rührender Weise ihre Teilnahme.

Und sie, bte Blutsverwandte ber so beifprel- los Geprüften, sie befand sich nicht m dem Zug! Ihr war die Blinde durch Jochr^ Vater und fUtutter gewesen, hatte sie geliebt und gechcgt allein sie befand sich nicht in dem Tvauerzug!

Und der Tote selbst! Er hatte ihre Kindheit mit brüderlicher Kam?vadsck?aft bewacht, butte i'r später sein Bestes gegeben, fein heißes Herz -- sie aber befand sich nicht in dem Zug derer, die ihn teilnahrnsvoU zu Grabe trugen!

Sie ließ seine arme, blinde Mutter allem dahin schwanden auf dem Martergang, verwerte , te ihr den stützenden Arm, versagte ihr das tröi" e;de Wort in dem bittersten Augenblick ihres Lebens.

Totenbleich stand Rena, mit stostoeise a.ts- unb eingehendem Atem, das Gesicht wühlte sich plötzlich hinein in die Blätterfülle, a's könne sie so dem Hören und Sehen entgehen. Angstvoli rief sie nach den Stimmen in ihrer Brust, cte sie noch vor kurzem ihres guten Rechts versichert hatten.

Wo waren sie? Warum kamen sie ihr nicht 51 Hilfe? .

Dunkel, leer blieb es in ihr 'mb um iie_b?r.

Trüben verstummte ber Gesang Die -spitz? des Zuges war wohl am Grab angelang t. Rena konnte nicht anders, sie mußte die Augen nneöec aufmachen und hinüber starr n.

Ja, soeben glitt den Trägern der Sarg von tun Schultern zu Bolen nieder!

Wie deutlich sie alles sah: Ter Friedhof stieg an ber Stelle, wo sich die offene Grube befand, ein wenig bergan. Das Leichengewlge stand tiefer wie erhöht aber auf einem Södel- erhob

sich gerade ihr g?genüber die sckpvarze, ragende Gestalt ber Bünden.' Sie itmtb so, daß sie Rena voll das weiße Antlitz zuwandte, die taten Augen schienen sich in bte ihren zu bohren

Mit einer automateitbaften Bewegung streckte das junge Mädckaen abivehrend beide Hände aus, als wolle sie sagen: Latz mich, rufe mich nicht es hilft dir nichts! Ich darf ich wiU nicht kommen!

Rein, sie wollte auch nicht Sie bitz bte Zähne zusammen, und ein Zug wild trotzigen Wit-erstandes prägte sich ihrem Gesicht auf. Sie wich und wankte nicht von dieser Stelle, sie ließ sich nicht hinüberziehen nimmermehr!

Und nun begann ber Prediger zu sprechen. Er hatte schon eine recht müde, zitterigc Stimme. Rena konnte nicht versteifen, was er sagte . . Und doch trjig ihr da der Wind nicht em Wart zu, ein einzelnes 6mb traf es sie nicht wie em Schlag mitten auf bte Brust?

Undank!"

3a, das Wort hatte sich wie em Dolchstotz m ihr Herz gebohrt, und das Mut floß.

Sie biß jedoch die Zähne nur fester zusam­men und blieb!

Plötzlich aber meinte sie, von da drüben wende sich die ganze schwarze Menfchenschar zu ihr her, allen voran die Elenden und Kranken, und aus jeglichem Mund erf.ang zermalmend das Wort: Undank! Undank!"

Ta griff sie mit beiden Händen nach dem Tvagebalten der Laube und klammerte sich daran fest. Nein, nein, nein! Sie ließ sich nickx über­winden! Rein!

Und im nächsten Angeublick war sie über­wunden ---

Montag, 15. September 1920

ber Versuch eines Preisabbaues gemacht wer­ben. Hierzu ist ente Preisübenva chungs ko mm ission notivcnbig, bic aue- einer einheitlichen Körperschaft bestehen muß. Tcc butterige Prnprus 1 mgastelle mit 16 Mftgliebern trat zu schwerfällig. Man hat txi» l*r an eine neue Zu'ammcnsetzung aus acht Mit­gliedern, vier aus V^-.braucherkrel'en und vier aus Erzeuger- und Hande!ökreisen gedacht', soivic je zwei Ersatzmftgliebern.

Als Verbraucher sind in Aussicht genom­men die Stadto. Frau Naumann. Diener, Maier und Grobe, als Stellvertreter Fran Sdyubt und Stadto Erhard.

Als Erzeuger und Händler die Herren sauer, Triesch. Gottmann und Sack, als Stell­vertreter Hübel und Loder.

Ferner sollen 3 P rei SÜberwachungs­kommissionen gebck'-e: ..erden u;td -rar:

l. Lebens-und Futter mittel: Stadt­verordnete Fran fDiartin mid Erhard, als Stell­vertreter Professor Rickster und Fvau Lorenz.

2. Bekleidung: Frwi Schudt, Schneider­meister Balser und Lokomotivführer Erle;

3. Wirtschaftsgegenstände Stadto. Gvod?, Fonner C. Seng und L<vidge.ickcksregistoa- tvr Rumpf

Hranckx'kundige Mitglieder sollen den Kommis­sionen angehören, aber nicht in der Mehrl>eit sein. Die Kommissionen sollen bie Preise prüfen und Der* iudxm,^)ie zu senk.n. Dies Bestreben müsse von allen Seiten unterstützt ivcrben. Die Arbeit werbe schwer und reichlich sein und nidu immer gleich in (rrfdjeinung treten. Die Preisprüsilngökominission soll ferner ermächtigt werben, neue Unter ko in Mis­sionen einzusetzen, aber bic vorhandenen zu ergän­zen. Die Anträge werden bebattelos genehmigt.

Tie ZinsenderPeter Wilson-Stif­tung tvcrden wie in ben Boriahren Derteüt.

Ter Voranschlag ocr Söbcr Stif­tung für bas Rachnung-aialn.' 1918/1919 wird genehmigt.

Zur neuen Gebührenordnung über ben Gewerbebetrieb der Tien ft männer mutz ein Zusatz gemacht werben betreffenb Dienste leiftungen, die im Tarife nicht enthalten sind. Die Tiensttnänner sollen verpflichtet fi-in, ihre Auf­traggeber jeiDctii.' darauf aufmerksam zu machen.

Fünf neue Schankwirtschaftsgc- suche: des Jean Krämer für Sonnetrfim&e 29 (Zum Andres-, des O'to Gips für Kanzleilvrg 5 (Zum alten Schloßt, des Friedrich Puppe! für Walltvrstreße 36/38 (Cafe Leib), des Friedrch Schäfer für Neuen Baue 8 (Zum kiihlen Grundl, des Hans Noll für Neutckadt 28, roeit>?n genehmigt. Interessant ist das erste Lonzesiionsgesuch, zu dem Veig. Rosenberg ausführt, daß e-5 nock) nicht entschieden sei, ob der bisherige Konzessionsinhab'r dem neuen Hausbesitzer weichen s.. Die Stabte oewrdnetenverftommlung müsse dies jedoch dem Wohnungsamt überlassen.

Stadto. Krausmüller bebanert, baß ein Gewerbetreibender einfach auf bte Straße gesetzt werden solle, für jemand, ber von auswärts kommt. Er bedauert, daß bas Wohnungsamt hier nicht mehr Macht 'habe und bätet, baß dieses alles tue, um derartige Härten unmöglich zu machen.

Tie Tagesordnung ist erschöpft.

Der neue Dezernent für Wohlsährtsoflege, Dr. Frey, begründet einen brrngltcheii Änwag wie folgt:

Tas Stäbt. Hospital ist bereits in seine neuen Räume IZlfteweg ein gezogen. Es hat sich gezeigt, daß dort Kinder aller Mtersslufen, durch­schnittlich 10 Stück, untergebracht werden müssen. Dies geschieht zwar in getrennten Räumen von den Hospiialsinfassen, die Räume sind aber noch völlig ungenügend. Es banbelt sich um Kink?r, bic aus irgertb einem Grunde der öffentlichen Fürsorge anhetrnfallen. Die Kcknber bleiben dort, bis ent* gültig sei gesteift ist, wer für sie fürsorgepflichtig ist. Das dauert vielfache längere Zeit. Den ihnen v^rbehaltenen Räumen fehlt es an jeder Einrich­tung und an ber notwendigen Aufsicht. Es soll deshalb eine Schwester dauernd tort beschäftigt und die Räume möglichst schnell ausg staftet wer- d'cn. Beig. Frey beantragt einen Aftcbit für die Schwester von 10000 Mk. einschließlich freie Sta­tion. Für bic weitere Einrichtung sind 12 000 Mark erforderlich

Stabti). Frau Lorenz sinbet, daß die Zu­stände im Hospital nach der Verlegung nur schlim­mer geworden seien Sie beantragt, baß bie noch unverwendeten 50 000 Mk. vom Blumentag 1918 verwendet werden, um ben Kindern Betten, Bade­gelegenheit, Wäsche und Kleidung zu beschasfen. Frau Naumann empfiehlt eine in Gießen ver­fügbare Schwester. Frau Gramer verlangt ebenfalls baldige Abhilfe.

Stabti). Otter tritt ebenfalls für die Ver­wendung ber 50*000 Mk. ein.

Oberbürgermeister Keller verteidigt bte Stabt Gießen, bie für Säuglings- imb Kinderfür­sorge mehr aufroenbe, als andere Städte in Hes en.

Trüben am Grab schien plötzft'ch ein Blitz­strahl auf bie unglückliche Mutter niedergezuckt zu sein. Jäh war sie zufammengebrochen wie leblos lag sie über dem Sarg!

Rena stieß einen dumpfen Schrei aus und flog durch den Garten dem Ausgang zu dann hin über die Stvahe die Fnedhofstür stand offen sie merkte nicht, daß ihr Futz übet ein­gesunkene Gräber vorwärts stürmte nur hin, hin zu ber Niedergebrvcherven!

Sie hatte die Tvauernden beiseite g?sckoben, ober war ihr van der f>etroffcnen Menge Platz gemacht worden? 'Niemand wußte es to re Ixt aber ehe sich die dem Grab zunächst Stehenden von ihrer Bestürzung so weit erholt harten, um tatkräftig zu als en zu können, kniete Rena schon neben ber Blinden am Boden und umschang sie mit ihren Armen.

Tante," sagte sie ihr in das Ohr,ich bin da und ich bleibe bti dir! Hier an Oskars Sarg schwöre ich ditis zu, daß ich dich nie ver­lassen wckl, um zu jenem anderen zu gehen! Nie!"

Ein plötzlicher Schwindel hatte die Mttide vorhin nieder geworfen. Nun schien eine ganz neue starke Kraft ihren Körper zu durchströmen. Rasch und sicher erhob sie sich an Renas Ar..l, aufrecht)-? denn zuvor stand sie da in ihrem Gesicht war ein düster heißes Leuchten aufgegangen!

Ihre Hand hielt die der Nichte umspannt, fest, als werbe sie das junge Mädchen nie wieder frei geben!

(Fortsetzung folgt)