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achtungsvoll die Fvan-osenmü.'ler gmarart hatte, nrie der Name dann allmählich an Klang und An- fehcn gewann, weit über die Gnnarkung hinaus Hochachtung und SckKtzung genoß und schließlich ihm samt der MLHle vererbt wurde. Wenn :t so fern Leben bedachte, so war es rin Gluck und viel, viel Segen gewesen. Er halt: geschafft und ge­schanzt, früh und spät, und Gott war dem Werk seiner Hände gnädig gewesen Stund: um Stunde.

Vom Don kamen Glockentöne herüber, und er faltete dankbar die fcänbc und betet:.

Plötzlich horchte er auf. Fernher klang es wie Jubeln und Schreien-, lauter und gellmder schrien die Glocken.

Das war Sturm: Für die Kirche konnte es ja auch noch garnicht sein, siel ihm m den Sinn. Er sah sich gespannt um in der Runde, aber er sah keinen Feuerschein, nirgends.

Er trat an das Softer. Auch seine Frau um das Gesinde, teilweise schon fast fertig zum Kirch­gang, drängten herM imd tuschelten fragend und meinend.

Das Geschrei im Dorfe schwoll an.

Schreckvoll sahen die Mägde einander an, g> spannt die Knechte.

Wenn das Krieg war'!"' bemerkte eüitr.

Die Weiber schrien auf und bekreuzten sich. Der Müller wiegte bedenklich den Kopf.

llnsinn!" knurrte er zwischen den Zähnen, aber seine Lippen bebten.

Der Klostermüller.

Eine Erzählung von Karl Neurath.

Nachdruck verboten.) Fortsetzung 1.

Noch jetzt fühlte er das Grauen, das ihm da­mals immer über den Rücken gelaufen war, wmn er mit angstvoll neugierigen Augen durch das Gittertor des Kirchhofs nach den beiten Männern geblickt und sich nicht hinem getraut hatte.

War das eine Zeit gewesen: Ja! Jmrgs-ein ist doch das schönste auf der Welt!

Er lehnte den gebräunten Kopf mit den kurzen, grauen Locken an den Holundersvamm und blickte sinnenden Auges durch das duftende Gezwng in oen silberblauen Himmelsglan-. Aber auch so wir es schön auf der Welt! Auch toenn man älter und alt mürbe. Der gute Herrgott schenkte ja sovr:l Freude, so trid Glltck.

Er schloß die lichtmüden Augen und femn lächelnden Mundes. Er sah die hohe Gestalt srines Vaters in der bunten Uniform, mit dem frischen, vollen Gesicht und dem heiteren Mick, danchen den hageren, von Krankheit gebeugten Qbrim mit dm eingefallenen Wangen und den hohlen, glänz.mden Augen ... er sah, wie sie an dem schweren Eichentische saßen und ihre Uniform putzten, daß die Knöpfe blinkten wie reines Gold .... Er hörte sie gehen und neben . ... (St mutzte daran denken, wie man sic damals halb spöttisch, halb

Rr. 161 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)Montag, p. Zull |920

Ta Hangen rasche HuffchlLge heran und gleich darauf tarn der Gendarm Filjinger auf schweißigem Gaul den Fahrweg heraufgesprengt. Ter Staub flog in wallenden Walten um ihn her.

Mobil!" rief er schon van weitem, und die Weiber kreischten entjefct Der Klostermüller aber verfärbte sich und bewahrte nur müfram, das Weichgewicht. Es war ihm, als ob er einen Schlag vor den Kops bekommen hätte.

Krieg?" stammelte er unsicher.Wirklich Krieg? Haben die Franzosen alio doch feine Ruh: gegeben? Und wir Hessen marschieom mit?"

Jawohl, mit gegen Frankreich?" antwortet,: ter Landjäger, der sein teuchend^ Pfttd kaum im Lauf zu hemmen vermochte.

O Gott! Unsere zwei Buben!' jammerte de: Müllerin.

Aber, wer wird da berat itxüm, Frau Wehrum? Wir verhauen dte Kerle, daß di' Schwarte krackt! Seid froh, daß Ihr schon zwei Buben habt, die mtt können. Wenn fich's machen läßt, reit ich trotz meiner fünfzig noch mtt hinaus. Mein Wilhelm stellt sich heut noch fteiwilllg bet den Mainzer Tragonern; ein nobles Regimntt mit feinen rosanen Kragen. Und gebt mal acht, wie rasch wir mit der DverSxnche fertig sind. Uns immer M>pf hoch! m Margen

Er nahm seinen Braunen, ter mit schlagen­den Flanken schnaufend und zitternd gestanden hatte, fester zwischen bee Schenk! und jagte weiter.

Doppelbesteuerung de? ./res 1920?

Bon Justizrat Grünewald.

Bezüglich der Reichsrintommensteuer ist vtel- W) Hst Meinung verbreitet, das Jahr 1920 werde hchppelt besteuert. Aeuherungen in der Na­tionalversammlung, Auskunft der Steuerbehörden und'namentlich eine Darlegung in der MateNum- mer ter Teutschen Steuer 3'i ung S. 40 bestärken das Publikum in dieser Austsassung. 2tn letzterem Orte heißt es:Ti? Veranlagung für das Rcch- mmgsial/r 1921 erfolgt nach dem steuerpflichtigen Jahreseintominen, das der Steuerpflichtige in dem dem Rechnmtgsjahr mtmittelbar trotang:gangeneti Kalenderjahre bezageit hat (§ 29 Absatz 1). Taraus folgt, daß das im Kalenderjahr 1920 bezogene Gtntommcn doppelt zu versteuern ist, nämlich ein­mal bei der erstmaligen Veranlagung auf Grund des Reichseinldmmensteuergesetzes für das Rech mmgsjahr 1920 (§ 58 Absatz 1), fobann bei der Vevanlagung für das Rechnungsjahr 1921 (§ 29 Absatz 1). Diese Doppelbesteuerung wird durch die Vorsckwift des § 59 gemildert, wonach außer- oidentliche Einnahmeit aus 1920 bei der Ver­anlagung für 1921 insoweit außer Betracht bleiben, als sie für 1920 bereits besteuert werten. Tas Eintommen des Kalenderjahres 1919 dagegen wird überhaupt nicht zur Reicl)seinl!ommensteuer heran- gezogen und hi vieleit Fällen auch nicht mehr zur Landeseink> mm en steuer.

Ter Unterstaotssekretär wies im Ausschuß Bericht 91 hierbei aus die großen Schwierigkeiten hin, welche durch die Besteuerung des Vermögens­zuwachses und des Reichsnotopfers für die Der- anlagung des aus 1919 stammenden Einkommens erwachsen müßten. Diesen Schwierigkeiten beg:gne der 8 58, was im Interesse ter überlasteten Be Hörden sehr zu begrüßen sei. Die Schieber ge­hörten leider im allgemeinen nicht zu den Per- jenen, die ihr Einkommen mit größter Gewissen - baftigfeit rntb Sorgfalt dellarieren. Es sei auch keineswegs sicher, daß terartige Schiebergewinn? im Jahre 1919 in größerem Umfange gemacht Worten seien, als es für das Jahr 1920 in Frage Rommen könne."

Diese Ausführmrgen sind geeignet, irrtümlich onsgefaßt zu toerben. In Wirklichkeit wird die Veranlagung des Jahves 1920 zwei Steuer Pe­rioden, den Jahnen 1920 und 1921, zu Grünte gelegt, aber eine Doppelbesteuerung rines imd desselben Zeitraumes liegt nicht vor. Die Deut­sche Steuerzeitting hat auf meinen Hinweis auf die Unflaten Darstellungen folgendes erwidert:

Wir sind im Besitze Ihres geschätzten an dte Deutsche Steuerzeitung gerichteten und an uns als deren Mdaktion und Gutachterbureau abge­gebenen Schrribens vom 22. ds. Mts., und teilen Ihnen ergeben ft mit, daß Ihre Auffassung zu­treffend ist. Ettte doppelte Besteuerung im eigent­lichen Sirmc des Worbes findet nach Dem Reichs­ein komm en steuergesctz nicht statt, vielmehr wird das Einkommen aus 1920 nur zweimal als Grund­lage gewählt, einmal für das Rechnungsjahr 1920 fetbft und außerdem für das Rechmmgsjahr 1921. Wer im Jahre 1920 ein hohes Einkommen be­zogen hat, schneitet also insofern ungünstig ab, als er infolgedessen für beite Jahre die dem Einkommen von 1920 entsprechende hohe Einkom­mensteuer zu zahlen hat."

Au» Hessen.

Finanzausschuh.

RMK. Darmstadt, 9. Juli. Die Bera­tungen des Finanzausschusses der Kammer werden heute mit ter Regierung bei Kap. 53 fortgesetzt. (Gymnasien.) Hierbei wird ter Antrag Kno ll besprochen, ter bei ter Verdoppelung des Schulgeldes für die höheren Schulen eine Abstufung nach den (Sinfommen vorschlägt, so daß die höheren Einkommen mehr belastet wer­ten und dem Staate durch die geringere Erhöhung bei kleineren Einkommen kein Ausfall erwächst. Der Ausschuß wie die Regierung stehen dem An- ttag sympathisch gegenüber und es wird beschlossen, den Antrag der Regierung zur Durchführung zu empfehlen, nachdem vorherige Feststellungerr üb:r ferne Wirkung ftattgefimten haben. Auch über die Frage ter Vergebung der Freistellen soll v:r- hantelt und eine andere Regelung gefunden w:r- ten. In Kap. 49, Lehrerseminar, war ter Antrag gestellt, die Summe zur Unterstützung bedürftiger Seminaristen von 30 000 Mk. auf 60000 Mk. zu erhöhen. Es wird nach ter grundsätzlichen Zustimmung ter Regierung eine Regelung dahin gefunden, daß diese ermächtigt wird. Die bewilligte Summe im Notfälle bis zu dem Betrage von 60 000 Mk. zu überschreiten. Das Gesuch von Kriegsteilnehmern zur Abhaltung pädagogischer Kurse wurde ter Regierung zur Prüfung über­wiesen. Die Frage ter Vergütungen für Schul­rechner soll mtt ter allgemeinen Neuregelung aller Bezüge für Nebenstellen von Staatsbeamten ge­ordnet werten. In Kap. 49 Volksschulen wird dte Erhöhung ter Vergütung ter Stundengelder für Erteilung des Reltgionsunterrichts, der bis jetzt nur 2 Mark beträgt, besprochen. Es ist nach ter Erklärung ter Regierung auch hier eine Neu­

regelung in Aussicht genommen. Der Betrag von 20000 Mk., ter für Vergütung an Lehrer in un­günstig gelegenen Orten vorgesehen war, wird als nicht mehr nottvendig gestrichen. In Kap. 50 Turn- und Zeichenunterricht wird die Streidjung ter Stelle beä Landes turn inspektors und die Ge­nehmigung nur auf den Inhaber gegen 2 Stim­men, nxldje diesen Posten auch für andere Ge­biete, insbesondere Jugendpflege, für nottvendig erachten, geschllysen. Es wird angeregt, im Falle die Stelle gestrichen wird, den Posten im Kap. 56 unter Jugendpflege wieder aufzunehmen. In Kap. 10 Steuern wird dte Frage der Besteuerung des Geiverbes und des Grundbesitzes durch den Staat angeschnitten und erklärt die Regierung, daß sie zum Ausgleich des Budgets auf diese Steuer nicht verzichten könne. Zu Kap. 8 Lan des t he a t e r wird festgestellt, daß eine bessere Ausnützung des Personals nur durch Sondervorstellungen am Platze, nicht aber durch Aufführungen usw. im Lande zu ermöglichen sei. Dann wird Kap. 12 Staatsministerium beraten. Dte Regierung gibt auf die gestellte Anfrage dahin Auskunft, daß der als Dispositionsfonds angeforberte Betrag von 30 000 Mk. für Repcäsenta.ion, parlamentarische Abende und sonsttge kteme Anforderungen dem Gesamtministerium zur Verfügung steht. Dann nnrd noch die neu geforderte Stelle eines Pvdte- direktors besprochen. Dte Aussprache hierüber wurde aber nicht beendet, sondern abgebrochen und auf nädjften Dienstag vertagt.

Der dritte Petitionsausschuß tagte am Donnerstag Bor- und Nachmittag unter Vorsitz des Abg. Urstadt und wurde dte Vorlage bett, die Uebernahme des Landtagsmandats Gröber durch den Abg. Neff- Michelstadt gutgeheißen. Zu 8 Vorstellungen von Bewohnern in Lich, Gambach, Bingenheim usw. betr. Be­schwerden über Fe 1 db ereintgung wurde eine Ortsbesichtigung durch den Ausschuß beschlossen, die am Mittwoch den 14., nachm. 2 Uhr statt- finden soll. Der dringliche Anttag des Abg. Fenchel bett, dte BezMung der burd) den Frietensverttag abzuliefern den Tiere wurde für erledigt erklärt, ebenso zwei Vorstellungen tes Opernsängers Schwarz und der Schauspielerin Alsen vom Landestheater betr. ihre Kündigung. Der Rest bet Tagesordnung soll am 21. Juli zur Erledigung kommen.

Soeben ist dte Tagesordnung für die am 21. Juli l. Js. beginnende Kammertagung erschrenen. Sie enthält 60 Punkte, darunter an erster Stelle den Staatsvvranschlag. Man hofft in spätestens 2 Wochen das sehr umfangreiche Material erledigen zu können.

Verband der Bureaubeamten und Angestell­ten der Reichs- und Staatsbehörden in Hessen.

Die heute in Frankfurt a. M. am 4. Juli tagende, von ca. 600 Mitgliedern besuchte Generalversammlung des Verbandes der Bu­reaubeamten und Angestellten der Reichs- und Staatsbehörden in Hessen erhebt in einer Ent­schließung energischen Protest dagegen, daß bis heute hinsichtlich der neuen Vergütungssätze für die noch nichtangestellten Staatsfunktio­näre von der Regierung noch nichts bekannt gegeben ist.Diese Staatsfttnktionäre besin- den sich mit ihren Familien in der schrecklich­sten und verzweifeisten Lage, sie müssen der­zeit immer noch mit einem Hungerlobn von 400 bis 500 Mk. ein Dasein führen, das als ein menschenwürdiges nicht mehr bezeichnet lverden kann. Es geht um Leben und Tod von etwa 1000 Familien. Lebensmittel können bei solch traurigen Bezügen unter den heutigen Verhältnissen nicht beschafft werden, da jeg­liche Mittel hierzu fehlen, die Familien müssen elendig zugrunde gehen und verhungern, wenn nicht sofortige Hilfe kommt. Die Versamm­lung fordert von der Regierung die alsbal­dige Bekanntgabe der neuen Vergütungssätze und die Herauszahlung der Differenzbeträge ab 1. April 1920, oder wenn noch nicht mög­lich, die alsbaldige Auszahlung eines Jahres­gehaltszwölftels, wenn nicht Verhältnisse ein­treten sollen, die dem Lande zu unüberseh­barem Schaden gereichen sollen. Die durch die hier vorherrschenden verzweifelten Verhält­nisse hervorgerufene Unzufriedenheit nimmt bolschewistischen Charakter an, der höchst ge­fährlich erscheint und seither geordnete Ver­hältnisse aufs empsindlichfte erschüttern kann, schließlich auch zur Selbsthilfe ausarten muß." Solche Zustände zu verhindern, ist die Re­gierung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Ruhe verpflichtet, sie hat es in der Hand, durch die alsbaldige unaufschiebbare Erfüllung der oben besagten Wünsche das schließlich Unvermeidliche abzuwenden.

Aus Statt ttnt Land.

(Sie feen, den 12. Juli 1920.

Was soll aus der Invalidenversicherung werden?

Dte Landesversidrerung^anstLt Hes'en schreibt: Durch das kürzttch veröjsenttichtcGesetz über Abänderung der Leistungen unb der Beiträge in der Invalidenversicherung" vorn 20. Mai 1920 werden die Reirtm sowie Die Versicherungsbeiträge zwar erhöht, aber eine durchgreifende Beiserung bringt dies den Stempel eines Verlegenheitszeug nisses nur zlu deutlich an der Stirn traaenbe Gesetz nidjt, weber für dte Versicherten noch für die Versicherungsanstatten. Dte Bedürfnifte Der höher gelohnten Arbeit-r bleiben nach wie vor un befriebigt. In der höchsten Lohnllasse, die bei einem Iahresarbeitsverbienst von 1150 Mk. be ginnt, werden demnächst fast alle Bm'icherungs- pflichtigen vereinigt fein, auch die, roeldje 10000 Mark unb mehr im Jahre verdienen. Unb was bietet das Gesetz an Leistungen? Nach Erhöhung der Rentenzulagen dem, der Die Wartezeit in Den untersten Lohnllassen mit Zahlung von im ganzen etwa 40 Mk. vollendet hat, eine Rente von jähr­lich rund 480 Mk., also das Zwölssachc Der ge­zahlten Beiträge, dem, der 30 Jahre lang in bet höchsten Lohnllasse im ganzen etwa 550 Mk. bete gesteuert hat, eine Rente von nodj nicht 900 Mk., kaum ein Zehntel von dem, was er vielleicht zuletzt verdiente. Eine so eingerichtete Versicherung kann berechtigten Anforderungen nicht genügen.

Zur Deckung der erhöhten Zulagen sind die Woc^nbeittäge in den einzelnen Lohnklassen um 72 bis 90 Ps. erhöht worden, während nach den Berechnungen der Versirstn-ungs-Sachverslänbigen die Erhöhung mehr als 150 Ps. betragen müßte. Das neueVerlegenheitsgesetz" kann daher nicht als ein Abschluß, sondern nur als bescheidene M- sdstagszahlung zur Abhilfe der augenblicklichen Notlage der Versicherten tote der Versicherungs­anstalten angesehen to.'rbcn, bas balbmöglidrft durch ein bauernd befriebigmbe Verhältnisse schassendes Gesetz ersetzt werden muß. Der neugewähtte Reichs­tag wird somit eine seiner dringendsten Aufgaben darin zu erblicken haben, daß durch eingreifende Aenderungen, insbesondere durch weitere Er­höhung der Beittäge, durch Aussetzung höherer Lohnklassen und Einführung höherer Renten für höher gelohnte Versicherte etwas Befriedigendes geschaffen *nntb. Tuber mufe auch die Verschmel­zung bet Angestelltenversicherung mit Der Inva­lidenversicherung in Erwägung gezogen werden, zumal durch die Einführung der Rentenzulagen die in der Versicherung verbliebenen Arbeiter zu­gunsten der aus der Versicherungspflicht ausgeschre- benen Angestellten, welche bie Versicherung frei­willig 'svttsetzen, mit rund einet Milliarde belastet werden.

Der Hering.

Eiire Gießener Grofehartdrisftrma schreibt uns: Wann finbet sich endlich der starke Mann, der deit Mut aufbringt, dte Kriegsgriellschasten, diese Schädlinge am deutschen Wirtschaftsleben, zum Teufel zu jagen. 3

Eine hochangefehene holländische Herrngs- firma schreibt uns:

In welcher Weise dem deutschen Volke das Fell über die Ohren gezogen wird, geht Deutlich daraus hervor, daß laut Mitteilung deut­scher Zeittmgen dte Salzheringsrinfuhrgesell- sd-aft, die das Monopol der Emsuhr für He­ringe hat, ihren Mftgliri>ern einen Gewmn von 900 Prozent auszahlen konnte. In letzter Zeit hat die Salzheringseinfuhrgesellschaft ca. 50 000 Tonnen holländische Heringe, Fang 1919, ge­kauft, und zwar je nach Qualität Mw Preise von 28 bis 33 Gulden oder zum heutigen Kurse 400 bis 470 Mk. pro Tonne ab Vlaardmgen und würde es uns interessieren, von Ihnen zu demchmen, welcher Preis jetzt den deutschen ?ll>- nehmem dafür berechnet wird. Bon den An­hängern der Zentralisation wttd vielfa-ch be­hauptet, daß eine Wiedereinführung des freien Handels eine außergewöhnlidx Preissteigerung des holländischen Herings zusolge haben wird. Tatsache ist aber, daß in Belaien, Elsaß-LothrIn­gen und Polen, in welchen fianbem bie Einfuhr für Heringe frei ist, für prima Qualität hol­ländischer Heringe weniger bezahlt wird, als wie der Preis beträgt, den die Salzherings- einfuhrgestllschast in Deutschland für norwegische Heringe fordert."

Wir konnten den holländischen Freunden bie verlangte Auskunft geben, irnn zufällig erhielten wir auch am gleichen Tage bie Notierung der Salz- herftigseinfubrgesellschaft und dte lautete auf 575 bis 660 Mk. pro Tonne ab Lager Essen oder Tuisburg, also etwa 200 Mk. für die Tonne über den in Holland gezahlten Preis. Wie arm­selig nimmt sich gegenüber diesen Riesenaufschlä­gen der Einfuhrgesellschaft der dem Großhandel zugebilligte BruttoverdieTrst von 4 bis 5 Prozent aus. Würde ein Großhändler derartige hohe Ge- nrärnauff^äge auch nur annähernd berechnen, wie schnell würde ihn dann das Wuchergericht bei den Ohren nehmen, und das mit Recht.

** Stadtverordnete n-Versa mm- I u n g. Aus Wunsch bringen wir nachträglich bas Ergebnis der Abilimmungen über die Bezahlung der Streiktage der städtischen Arbeiter. Der- Anttag Mann auf Bezahlung des vollen Lohnes wurde befanntlid) mit 18 gegen 13 Stimmen bei zwei Entlialtungen abgelehnt. Für den Antrag stimmten bie Stadtverordneten Baum, Diehl, Eichert, Er- hardt, Fourier, Volz, Maier, Mann, '.Vtartin, Michel, Otter, Volz unb Weiß: bagegen stimmten die Stadtverorbneten Biermann, Ebel, ttwerz, Grobe, Höhn, Kreiling, Kramer, KrausmMler, Marx, Müller, Neuenhagen, Naumann, Sdpnahl, Simon sowie bie Beiyeorbneten Rosenberg, Seib, Klingspor und Srengten; bie Stadtv. Noll unb Wenzel enthielten sich der Abstimmung. Für den Antrag der Betriebsbeputatwn auf Gewährung von 3/< des Lohnes, der mit 18 gegen 13 Stimmen bei ebenfalls zwei Enthaltungen angenommen wurde, stimmten bie Stadtverordneten Baum, Biermann, Diehl, Ebel, Eichert, Erhardt, Fourier, Goerz, Lorenz, Ataier, Mann, Martin, Marx, Mick^el, Otter, Simon, Bolz, Weist; dagegen stimmten die Stadtverordneten Grode, Höhn, Krei­ling, Streuner, Krausmüller, Müller, Naumann, Neuenhagen, Schmalst sowie die Beigeordneten Rosenberg, Seib, Strengen und Klingspor. Der Abstimmung enthielten fid) wieder die Stadtver- ordneten Noll und Wenzel.

** Die Honigernte geht, wie man uns aus Jmkerkreijen schreibt, ihr m Ende entgegen. Sie rann als eine gute Mittelernte bezeichnet werden. Der Honig, der in jüngster Zeit als 9tah- nmgs- und Heilmittel sehr beg hrl ist, ist in diesem trockenen Jahre von ausgezeiämrter Qualität. Die Preise, welche für Honig verlangt und bezahlt werden, sind recht verschieden. Sie bewegen sich zwischen 15 und 25 Mk pro Pfund. Der Ober- hessische Bieirenzüchterverein hat als Mindestpreis 15 Mk. für das Pfund feftgclcgt Dieser ist, wenn man die Preise der Bedars^artikel des Bleuen- Züchters in Betracht zieht, sehr mäßig. Brispirls- toeife muß der Imker 1. Kilo Kun twadm Wachs), das er ft.ih.-r für 3 Mk. er ianb. je t m 6) Mk. bezahlen. Die Bien nwo.'mu.ig.n und ft ein gerate sind um das 15 bis 2Jral^ im Preise ge i.gen. Es ist also keinesjalls Gewinnsuck-t, wenn die Bienenzüchter diese Preise for.e.n.

** Farbenänderung ter Frei­marken. Infolge ber neuen Gebührensätze ist bet Bedarf an den bisher zweifarbig gedruckten Marken zu 30, 40 und 50 Pf. so gestiegen, daß die Reichsdruckerei diesen erhöhten Bedarf mit den vorhandenen Zwei arb n ruck-Mas inen nicht bewältigen kann, stieuc Masd)inen sind unter ten heutigen Berhä tttissen erst mit langen L e.e. ungs- sristen zu erhalten. Die .Herstellung der Marken nach den aus dem Wettbewerb gewonnenen Bil­dern ist infolge Uebcrlaftung der Reichsdruckerei und anberit unvermeidbarer Umstände leider noch nicht soweit vorgeschritten, daß dte am meisten gebrauchten Marlen schon jetzt durch bie Neu­ausgabe ersetzt werden können Die Reichsdruckerei ist deshalb gezwungen, sämtliche Pfennigwerie der Germania-Marke einfarbig neu auizullgen. Bei dieser Gelegenheit sollen gleich-eitig die neuen Gegenwerte des Weltpostverkehrs, früher 5, 10 und 20 Pf., dte infolge bet Valutaverhä ttüsse auf 20, 40 und 80 Pf. erhöht lverden mußten, in der durch dte Ausführungsbestimmungen zum Welt- postverttag festgesetzten Farbentönen grün rot und flau gedruckt werden. Es hat sich daher nicht vermeiden lassen, Marken abweichender Werte der beiden Ausgaben in den gleichen Farben herzu- stellen. Um Verwechs. limgen einzuschränken, sollen die Marken der neum Art möglichst nicht eher ausgegeben werden, als bis mit den alten Bestän­den geräumt ist. Es empfiehlt sich baber zur Zeit, sich nicht mit großen Beständen einzubecken.

Kreis Büdingen.

y. Enzheim, 9. Juli. Das einzige Kind der Familie Kaufmann Heinrich König, rin Sohn von 13 Jahren, ertrank beim Baden in Jber Niddar in der Ncche Der Mühte.

Kreis Schotten.

/X Nidda, 10. Juli. Durch die Umsicht bef hiesigen Gendarmerie wurde in der verflossenem Nackst hier ehre größere Mehl schieb ung ent­deckt unb verhindert. Ein hiesiger Bäckermeister hatte 10 Zentner Weifemehl auf einen Wagen laben und nesch Wa!lernl>ausen sd-asfen la sen. Von dort sollte das Mehl, unter Holz versteckt, in der Nacht nach Bod-Nau!l,eim einem Bäcker in ei'.er über­bracht werden. Dte PiliM beschlagnälgnte das Mehl und ließ es hier in VerwaIrrung nehmen.

y. U n ter-Schm itt en, 9. Juli. Auf den höher gelegenen Aeckem unserer Gemarkung hat man gestern mit dem Schnitt be r Sommer­gerste begonnen. Seit einigen Jahren macht man in hiesiger Gegend schon wied-rl>olt die Wahrneh- muny, daß die Gerste früher reif ist als das Korn.

Hessen-Nassau.

ge. Aus der Rhön, 10. Juli. Ein ver­heerendes Gewitter mit orkanartt em Sturm, roolfenbrucfeartigem Regen und Hagelschlag hat in der Gemarkung des Dorfes Utttichsl>ruien großen Schaden angerichtet. Der Sturm rch große Mengen Obst ab, entwurzelte eine An^lte Bäume

Totensttll war's am Hoftor, und bange Augen hingen an der Gestalt des i'i Staubwolken ent- fchwrndenden Reiters, als ob sie sich verg.'wcsftm wollten, daß nicht alles nur ein trügerftcher Spuk, ein böser Geist gewesen wär:.

Als er in Staub und Feme den Blicken ent­rückt war, atmete der Müller schwer auf intD führte feine Frau, dte mtt verstörtem G:sicht Inte vor sich hin weinte, behutsam in das Haus und bet­tete sie auf das breite Ledersofa. Hier lag sie mtt geschlossenen Augen und harrte in neb:rhafter Spannung auf ihre beiden Buben, die rinnt Früh­gang nach den Wingerten machten.

Wehrum saß niedergeschlagen neben ihr am Tisch, hatte den Kopf in die Hand gestützt und starrte grübelnd vor sich hin. Noch vermochte er kaum das grausame Verhängnis zu fassen, das tfa so plötzlich aus seinen g.ückvollen Träumen tn bte entsetzliche Wirklichen gestürzt halt' und ihm alle Freiheit seines Wlllens ttahm.

Wehrum war nicht mehr der unabhängige stolze Herr, er war nicht mehr d?r freie, nur uchlllbst verantwortliche Marat, er war nun irrte jeder Kitscht anb jeder Taglöhner einem harten, tntbarmberjigat Muß unterworfen, gegen das er nicht an kämpfen fcntnte, gegen das er ganz ohnmächtig war.

(Fortsetzung folgt.)