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Migen Pächters zu ihren Lasten die Pacl-tung Lbeniehmen iv.'I'cii u: d jn>ir unter Umständen, bie eine wesentlich gürr igev; En.wicklung des B - riiebs erlassen lassen und auch finanziell ech.'b- lich günstiger für den Staat sind. Tie vereinbarten Gefäßabgaben betragen mehr als das Doppelt; der zur $nt gültigen; das gleiche gilt für tae zu zahlende Minbestpachtsumme, bte z. B. für 1920 nach dem allen Pachtvertrag 23 000 Mark, nach dem neuen Bert rag 40 000 Mark und später Mehr­beträgen würde. Außerdem wird der Staat an einem späteren Steigen irr Berkaufsprei e für die Mrneralwäs'er durch ent'p-.-end: Erhöhung der Pachtjätze beteiligt. Alich der Gen rralvcr trieb der Salze und sonstigen Bäderzutaten von Bae- Nauheim würde dell Pächtern übertragen lv-'.r- den. Die Pächter beabsichtigen, em; Gesellschaft mit einem Kapital von 2 Millwnen Mark zu gründen, die als großzügiges Unternehmen dm Vertrieb der Qu.ll-enerz'uginse von Bad-Ncnrlnnm im Inland und demnächst int Ausland ausbilden soll (Bad-Nauheimer Sdaaisgue.Ien-Bertneb, G. m. b. Um dauernd Einblick und Einwirkung bei der ganzen l^schäftsführung zu h-iben ist ein; Beteiligung des L-taates mit einem Geschäftsanteil von 150 000 Mark vereinbart, der mit einer Bor-- zugsdividendc von 5 v. £)- ausgestattet ist. Es wird die Ermächtigung beantragt, dielen Betrag von 150 000 Mark zur UcbernälMe des sta-aUichen Geschäftsanteils an der neu zu bildenden Bnftriebs- gesellschaft aufzuwenden. Der Betrag hätte im übrigen als Darlehen der Staatskas e an das Bad Nauheim zu gelten, der aus den Heb Tschüssen des Bades zu verzinsen und zurückzuzahlen wäre.

Aus Statt ttnfc Land.

Gießen, den 12. März 1920

GießenKöln.

Bon Geheimrat Prof. Dr. Somme r-Gießen wird uns geschrieben:

Die Eisenbahnverbindungen zwischen Gießen und Köln nach dem Fahrplan vom Februar 1920 sind außerordentlich schlecht. Außer dem Personen- zug 641 ab Gießen wochentags 3.48, an Köln 9.54 finde ich darin keinen durchlaufenden Zug. Direkte Sckmrllzugsverbindung fehlt vollständig. Diese Mängel sind stärker, als sich aus den allgemeinen Visenbahnverhältnissen erklärt. Oberhessen ist da­durch von dem besetzten Gebiet bei Köln fast ganz abgeschnitten. Wer mit Schnellzug von Gießen nach Köln gelangen rot l. kann abends nach Frank­furt fahren, dort übernachten und dann von Frank­furt früh 8.01 mit D-Zug an Köln 1.02 mittags sahnen, wie dies öfter geschieht. Dies ist vom privaten und staatswirtschaftlichen Standpunkt völlig verfehlt. Die Fahrpläne im Gebiet der Eilenbahndirektion Frankfurt sind ebcn'o wie früher in manchen Punkten hierbei ganz einseitig vom Frankfurter Gesichtspunkt zusammen­gestellt. Dies muß nach Uebergang der Eisenbahnen in Reichsbesitz unbe­dingt aufhören. Im hessischen Sinne ist tzu verlangen, daß die Reichseisenbahnen in groß­zügiger Weise die Interessen irr Länder nach der Reichsverfa sung berücksichtigen und daß nicht in mvnopolisti cher Art einige Zentren, wie z. B 'Frankfurt, v stark bevorzugt werden. Dos Gefähr­liche einer solchen Zentralisation des Eisenbahn Verkehrs haben wir in den Kriegsjahren in schlimm­ster Weise kennen gelernt. Frankfurt ist schon längst eine Zentralstelle des Eisenbahnraubes ge­worden. Nach der Revolution ist es bisher nicht besser geworden, was sich nur zum Teil aus der allgemeinen Lage des Verkehrs erklärt. Hoffentlich schafft das R-Zchseisenbahnministerium in diesem Gebiet endlich Ordnung und Fortschritt.

Der Sonntagsverkehr am 14. und

21. März.

Auf Grund des § 105 b Absatz II der Reichs- gewerbevrdnung in der Fas'ung der Rcichsvevord- nung vom 5. Februar 1919 ist an den beiden Sonntagen vor Ostern, den 14. und 21. März d. Js., für alle Geschäftszweige des Handelsgewerbes der Gewerbebetrieb in offenen Vertäu'sstellen und die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags zu­gelassen.

Veranstaltungen.

Freitag, 12. März: Stadttlfeater, 7 Uhr, Menschenfreunde. Universität, Hörsaal 54, 8 Uhr, Rezitationsabeich Werner von Blumen­thal. Lichtspieltheater wie gestern.

*

** Zur Abstimmung in Schleswig. Der deutsche Ausschuß für das Herzogtum Schles­wig teilt mit: Es besteht noch bei vielen Stimm- bevechttgten im Reiche die Ansicht, daß sie sich bei der am Sonntag den 14. März statt- ftndenden Mtimmung in der zweiten Zone Schles- Irngs durch eine andere Person vertreten lassen tonnen. Diese Ansicht ist falsch Feder Stimm- berechtvgtc, der wählen will, muß persönlich er­scheinen und seine (Stimme abgeben. Nur die Ausgewiesenen dürfen Vertreter stellen.

** Fremde Geldfort en. Die Zweig­stelle der Generalkriegskasse ersuch die Banken, außerhalb der Durchgangslager fremde Geldsorten für ihre Rechnung vorläufig nicht anzukaufen, sondern nur zum Einzug hereinzunehmen.

** Aus dem Stadttheaterbureau, ddochmals sei nachdrücklichst auf die heutige Auf­führung von Richard DehmelsÄ e n s ch en- freund e", von Mitgliedern des Neuen Theaters in Frankfurt, hingewiesen. Der Aufführung ivirb die Rezitation einiger Dehnrelscher Gedichte vor­ausgehen, so daß der ganze Abend den Charakter einer Feier für den verstorbenen Dichter tragen, wird.

** Fahrraddiebstahl. Am Mittwoch den 10. d. Mts. wurde aus dem Hofe eines Hauses in der Bismarckstraße ein Fahrrad, MarkeGv- ricke 9Zew", mit der Fabriknnmmer 232 503, ent­wendet. Bor Ankauf wird gewarnt.

** Achtung, Schwindler. Es tst hier bekannt geworden, daß Personen lfier in d'r Staot herumgehen, angeblich um Beträge für dm auf- gebrauchten SpendZonds des Durch augslageis zu I am mein. Diese Per, o neu sind Schwindler, vor denen "hiermit gewarnt wird Vom Dulag ist nie­mand beauftragt, für das Durchgangslager zu sammeln.

** Bei der städt. Obst-undGemüse- stelle, Markt.arben, kommen m-vogsn und fol­gende Tage Gelberuben, Stto1 lraben, an Dörr- gemüse: Gelberüben und Weifukaaut zum Verkauf. An Dörrobst: Aepsel und Zwetschen. Kb.ftvabm, zu Futterzwecken g-LÜgnet, w rben ro.e?er morgen, Samstag, und nächste Wock-e abgegeben.

** Ter Allge meine Verband der Deutschen Bankbeamten. Ortsgruppe Gießen, teilt mit: Bei der Bankfirma Joseph Herz, hier, di? jüngst 4 Mill. Mark 4pooz. Gie­ßener Stadtanleitr zum Kurse von über 96 Proz. übernehmen Üonnle. ihren Angestell en je'«och Ge­hälter wie 2900 Mk. lährlich 20jährigm Beamten, 4100 Mk. jährlich 28.älwigen Beamten i nTL Teuerungszulage zMt, sich aber beharrlich, nach monatelangen Verhandlungen weigert, eine bereits im Odovembcr v. I. Von allen anderen l-iesigen Banken gezagte Wirtsck«ftsbril)ftse dell auszu­zahlen, sal-en stch die Beamten am Mittwoch den 10. ds. Mts. gezwungen, in den Aus stand zu treten.

** Ter Internationale Bund der Kriegsbeschäd.gten und Hinterbliebenen hält am Sams'.ag abend 8 Uhr im Gewerksckiafts- Iriufe eine Versammlung ab, in der Carle-Frank­furt überTie Not der Kriegsopfer" sprechen wird.

** A u s den. Tanzabend, der am Sonntag abend im Hotel Einhorn stattfindet, sei hiermit nochmals hingewiesen. Das Tänzerpaar Frl. Ellen Rütze-SanderS und Herr C. Carter wird mondainc Gesel.schaststänze zur Vorführung bringen.

Kreis Alsfeld.

Np. Aus dem Ohmtal, 11. März. Die Jagdverpachtun,gen, die jetzt zu Ende gel>en, haben durchschnittlich eine Erhöhung der Pachtpreise um das neun- und zehnfache gebracht. Mancher Jagdpächter dürfte sei e Rechnung nicht finden, weil viele Jagden durch den Raubbau während der' Kriegsjahre sehr gelitten haben. Ten Gemeinden \ bringen die Jagten eine beachtens­werte Einnahmequelle.

Kreis Büdingen.

ba. Büdingen, 11. März. Die erste Schnepfe schoß gestern der Rentner Frred-r. Koch von Büdingen bei der Harbeck.

D Orten berg, 11. März. Tas hiesige gräfliche Haus wurde innerhalb weniger Wochen abermals, zum driftenmal, in tiefe Trauer versetzt. In St. Blasiön starb nach langem schweren Leiden, das er sich im Kriege zugeziogen hatte, Prinz Johann August zu Stolberg- Roß la. Er war im Kriege zweimal schwer ver- rouirbet, meldete sich aber immer wieder zur Front. Tie Beifttzung findet voraussichtlich in Rvßla statt. Sein ältester Bruder, der Fürst Jost Ch istian zu Stotberg-Roßla, starb am 1. Juli 1916 infolge schwerer Verwundung im Feldlazarett Kowel den Heldentod fürs Vaterland. Tie ganze Gemeinde nimmt herzliche'.r Aitteil an den schweren Schicksals- schläaen der gräflichen Familie.

P O rtenbetg, 12 März. Auf Veranlas­sung eines Ortenbergcrs, des Pfarrers Heinrich Heutzen rüder in Annanöale, M atn- sotts in Nord-Amerika, übersandten d;sftn Gemeinde- glicder 3000 Mk., die in erster Linie bedürftigen Witwen und Waisen zugute kommen sollen. Gleiche und größere Beträge schickten dieselben amerikani­schen Geber nach Gießen und an ein Erholungsheim in Dassel in Hannover.

Kreis Schotten.

c. Schotten, 10. März. Ter hiesige sehr rührige Volksbildungsverein fytte für di. sen Winter eine Reihe von Voltsbilduugsaben- ben veranstaltet. Nach Beendigung der Vorträg; des Oberlehrers Tr. Stehr spricht Neallebrer Buh über die Obstschädlrnge und deren BeLrmpfung und Landwirlschaf.smspeklvr Metz über die Frage: Was muß der Staatsbürger von der Landwirt­schaft wissen?

e. Ulfa, 9. März Ter Kriegsbeschädigte Otto K r a h l wurde an Stelle des terftorbenm Phil. Hofmann zum Kirchenrechner gewählt. Tie hiesige Kirche verfügt über ein sehr bedeutendes Vermögen. Auch die Sollen eines Spartas ftnrech- ners und des Agenten der Postagentur wurven in anerkennenswerier Weis; mit Kriegsbeschädigten besetzt.

e. Ulrichstein, 10. Marz. Das Reichs- vostministerium hat b c Einrichtung reid^ngener

Kraftwagen Personen Posten auf den Strecken UlrichsteinMücke und UlrichsteinSchot­ten genehmigt. Die Eroftnung der Streck: schottenGedern soll erst später erfolgm. Für die Strecke UlrichsteinLauterbach muß erst di' Finanzierung sichergestellt fein. Diesbezügliche Ver­handlungen mit den betriligten Gemeinden sind tn die Wege geleitet

Kreis Wetzlar.

--- Wetzlar, 11. März. Im Steinbruch bei Albshausen wurde der 21jährige Arbeiter Heinrich Pfeifer tvon einem abstürzenden Felsblock erschlagen.

Hessen-Nassau.

--Frankfurt a. M., 11. März. Eine Spielhölle schlimmster Art wurde heute früh von der Kriminalpolizei in der Wohnung des Tagelöhners Melchior Uffelmann, Klo­stergasse 9, ausgehoben. Die Gesellschaft, oie sich durchweg aus schweren und schwersten Jungen zusammensetzte, spielteMeine Tante und deine Tante" bei Einsätzen bis zu 100 Mark. Der Tagesumsatz betrug oft mehrere tausend Mark. Die festgerrommenen Spieler lockten besonders junge, unerfahrene Bur­schen vom Lande an.

X Hanau, 11. März. Der 21 Jahre alte Ausläufer Kalbfleisch, w.lcher der Juwelenfirma Behrens zwei Armbänder im Werte von 150 000 Mk. unterschlagen hatte, ist in Frank­furt verhaftet worden. Die Armbänder hatte er kurz nach seiner Flucht für 7500 und 8000 Mk. in Frankiurt a. M. verkauft. Der eine der Käufer brachte das Armband freiwillig der bestohlenen Firma und gab dabei auch den Namen des andern Käufers an.

Starkenburg und Rheinhessen.

Ein wandernder Berg.

ch. Lorch a. Rh., 9. März. Der Nvllich- ber g ist noch immer am Wandern. Gewaltig Felsblöcke von 600 Zentner Schönere stürzten n die Tiefe und verschütteten ganze Häuserreihen Wertvolle Garten und Weinberge sind von der Oberfläck>e verschwunden. Ter Berg spaltet sich täglich mriyr und der völlige Zusammenbruch ist nur eine Frage roeiriget Wochen. Durch den Druck, den das gewaltige Bergmaftiv ausübt, sind die Gebäude, die außer der Gefahrzone stehen, aus ihrer Grundstellung tietfdyben worden, so daß sie nicht mehr genau dastehen, too sie gestanden haben. Tie Wanderung des Berges rst noch nicht beendet. Wohin er wandelt, kann noch niemand sagen. Man nimmt allgemein an, daß die Häuser, die am Fuße des Berges gebaut wurden, den Fels­massen den Halt genommen haben. Insgesamt wurden bis jetzt 20 Familien mit rund 100 Per­sonen obdachlos. Ter Schaden beläuft sich bis jetzt schon auf 400000 Mark.

Vereine und Veranstaltungen.

* Annerod, 10. März. Nachdem unsere neun Gemeindeglftder aus französischer Gefangen­schaft zurückgekehrt sind, fand am vergangenen Sonntag eine kirchliche Feier statt. Jedem Heim- gekehrten wurde ein Gedenkschein überreicht. Ferner ist von der Gemei> tleoertretiutg ein Familienabend vorgesehen, der am 20. März stattfinden soll.

X Wieseck, 11. März. Unsere Stefan* genenbsgrüßungsfeier im Saal von Braun unten Mitwirkung aller Gesangvereine ist am Samstag dem 20. Marz.

Sdjtt/Mraericbt

Gießen, 12. März.

Das Urteil rm Rein-Prozeh.

Der vierte Verhand'uugsng begann gestern früh 9 Uhr mit der Vernehmung des nachträglich g.ladenen Zeugen Diem>:r, Frankfurt a. M., der mit dem Angeklagten bet etn;m Schallm ße trupp als Unteroffizier zusammen war, aber nichts wesentlich neues aus sagte. Der Zmge glaubt, daß Rein seine Frau geliebt habe, bmn er 'habe das Bild seiner Frau im Unterstand bei sich gehabt und auch merken lassen, daß er sich sehr nach )ein;r Frau sehne.

Aus den Zeugenaussagen ergab sich folgende Bild über den Umschwung, der tn dem Wc.en d's Angeklagten eingetreten war, als er auf Schei­dung drängte: Es gibt nur eine Erllärung, und das ist der Wimsch, die Tochter seines Quariier- wirtes m Lieblos, Minna Ost, zu besitzen. Sie allein muß a's die Triebfeder des ganzen Undeils angcie:?eii werden. Die Frau wil.ftgt; unter t inen Umständen in die Sck>ridung ein, roctl sie öt* Schande nicht ertragen zu können glaubte und ihren Maim auch zu gern hatte. Da reifte in Rein der teuflische Entschluß, sie zu töten, denn er wollte unter allen Umständen frei fein.

Hierbei dürfte das vom ütngeKagten bevnts in ixr Voruntersuchung abgegebene Geständnis in- teressieven:

Ich gebe zu, meine Frau vorsätzlich und mit Ueberlegimg getötet zuOaben, ich war vnliebt in Frl. Ost aus Lieblos, der Tochter meines Quartter- wirtes. .Um die Heirat mit ihr zu crmöglickicn, faßte ich den Entschluss meine Frau zu beseitigen. Ich ließ sie zu diesem Zweck, unter BorsPiMlung dr Bersohnungsabiicht, durch Fran Arendt nach Nidda bestellen. In meinem Plan lag betritt

die Fahrt nach Gelnhaufrii zu untere recken unK, meine Frau auf einem nächtlichen Spaziergang; zu töten."

Dieses Geständnis, sowie seine späteren Er­klärungen verschiedenen Zeugen gegenüber, daß er nunmehr die Ost heiraten werde, sowie die über- einstimmenden sachverständigen Gutachten, daß^er die Tat mit Ucberlegung ausgeführt habe, lasten keinen Zweifel, daß er des Mordes schuldig ist. Diesen erbärmlichen Maiin liebte die bedauerns­werte Frau mit jeder Faser und es ist rühreiid zu hören, daß sie zu einem Zeugen gesagt hat: Selbst wenn mein Mann sich in Lieblos eines Ehebruchs schuldig geniacht hätte, würde ich die Folgen mit Geld gut machen und meinen Mann wieder annehmen." Bei einer andern Gelegenheit: Ich würde mich ja auf seinen Wunsch hin gern scheiden lassen, aber ich konnte den Gedanken nicht erringen, daß er vielleicht mit einer anderen nicht glücklich wird!" Als er sie nun einlad, nach Nidda zu kommen, wo er sich mit ihr versöhnen wolle, da geht sie freudigen Herzens darauf ein, willigt ouck in den nächtlichen Spaziergang von Büdingen nach Lieblos und sagt aus eine Bemerkung des Salinenwiries, daß es noch 3 Stunden dahin wären: ,Lck» gehe mit und wenn es bis morgen früh 6 Uhr dauert." Es war ihr Todesgang!

Nach Vernehmung des letzten Zeugen folgten die Plaidoyers des Anklagevertreters, Staatsan­walt K n a u ß , der von einem furchtbaren Ver­brechen sprach, so überwältigend und schauderhaft, wie er es in seiner 16jährigen Praxis noch nicht er lebt habe. In nahezu einstündiger Rede führte er den Geschworenen seine Beweisargumente vor.

Rechtsanwalt Katz suchte als Verteidiger des Angeklagten in zweistündiger Rede die Beweisfüh­rung des Staatsanwatts zu entkräften und zu widerlegen und richtete ebenfalls eine eindringliche Mahnung an die Geschworenen, mit ihrem Ge­wissen zu Rate zu gehen und die Schuldfrage nach Mord mit Vorsatz und Ueberlegimg zu verneinen. Den Geschworenen wurden nun vier Schuldfragen vorgelegt: 1. Ist der Angeklagte schuldig, seine Frau vorsätzlich getötet und die Tötung mit Heber* legung ausgeführt zu haben? 2. Ist der Ange­klagte schuldig, seine Ehefrau vorsätzlich getötet zu haben? 3. Ist der Slngeftagte ohne eigene Schuld durch eine schwere Beeidigung, der Ge­töteten zum Zorne gereizt und hierdurch auf der Stelle zur Tal hingerissen worden? 4. Sind andere mildernde Umstände als die in Frage 3 genannten vorhanden?

Die Geschworenen zogen sich zur Wahl ihres Obmannes und zur Entscheidung

über die Schuldftagen zurück. Die Ge­

schworenen» waren sich einig, daß die Tat unbedingt mit reiflicher Ueberlegung und Vor­satz ausgeführt war. Ihr Wahn prnch konnte des­halb nur in die,em Sinne aus»,allen. Atemlose Stille herrschte in dem wie in den Vortag m wieder stark überfüllten Saal und aus der Tribüne, als um i/s2 Uhr nachmittags die (Mdproo^enen wieder den Sitzungssaal heiraten und ihr Obmann der- tunbete, daß die erste Frage mit m;hr als 7 Stimmen beruht wurde. Demzufolge be antregte der Stca sanwa.ft Todesstrafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehren­rechte auf Lebenszeit. Das Ge.icht $i-d)t sich für kurze Zett zurück, um sodann dem Antrag des Staatsanwalts gemäß zu entscheiden. Aui Befragen erklärt der Angeklagte, das Urteil nicht anzunehmen. Nach kurzer Beratirng der Richter erklärte der Vorsitzmde das gefällte Urteil für rechtskräftig.

Der Verurteilte nahm das Urteil mit ziemlich;r Ruhe und GleichgAttgkeit aut. Seine m den irften Verifandlungstagen zur Schau getragene Rrir' be­zog sich roeitiger auf die Tat als auf die Angst vor der zu ernxrrteniien schweren Straft.

Aus dem -lmtsverkündigungsblatt.

** Das Amtsverkündigungsblati Nr. 36 vom 11. März enthält: Betriebsrätegesetz (Fortsetzung). Aufhebung des Handelsverbot- mit Ferro-Silizium. Regäung be^ Viehankauft. Das Ausmahlen des Getreides der Selbst­versorger. Schutz der Brieftauben. Gc- meindeschaferei zu Feldkrücken.

Regelung des Biehankauss für dir Provinz Oberhessen. Die Händlerprovi ron ist fest­gesetzt für Rinder auf 3V» Prozent, für Kälber auf 10 Mk. pro Stück, für Schaft auf 5 Proz. Die Gesamtvergütung, die die Kvmmunalverbände dec Provinz Oberhelfen an den Obechesfifchen Bied- handelsverband yi zahlen haben, ist festgesetzt für Rinder aut 7 Prozent, für Kälber auf 12,50 M pro Stück, für Schaft auf 8 Proz.

Die Ausmahlung von Früchten bei Selbstversorger hat vom 15. März 1920 w bis auf weiteres bei Roggen und Weizen zu 94 vom Hundert zu erfolgen. Bei Annahme eines Satzes von 3 Prozent für Verstaubung hat dtt Müller an den Selbstversorger außer der ftm ergebenden Kleie wenigstens abiu'ieiem: für 9 kg Roggen oder Weizen 8,4 kg Mehl, für 18kg 16,9 kg Mehl, für 36 kg 33,8 kg Mehl, A 54 kg 50,7 kg Mehl, für 72 kg 67,6 kg für 90 kg 84,6 kg Mehl ufro. für je 9 kg Roggen oder Weizen 8,4 kg Mehl mehr. Gerste ist bis aut weiteres wenigstens zu 85 Prozent auszumahlen.

Schutz der Brieftauben. Die Vorschrn^ den der Landesgesetze, nach welchen das Recht, Brieftauben zu halten, beschränkt ist, und muv

Mo Lrskm.

Roman von G. W. App le ton. (9tat6bruct verboten.) Fortsetzung 2.

Zweites Kapitel.

Es war dec reinste Käsig von einem Zimmer, aber sehr nichlich und freundlich ausgeftatiet Im Kamin brannte ein Feuer, aut dem Teppich davor schnurrte behaglich eine große Angorakatze, und aus dem Tische ittmb eine Lampe mit einem roten Lichtschirm.

Mit einem Male erhob sich aus den Tiefm eines umfang:eiä>m Lelmßuhls, der ans Fmei «gezogen war, eine der niedlichste klrinen alten Damen, bie mir je vor Augen gekommen ftno.

Ihr ungewöhnlich reiches Haar war in eine ganze Sammlung einzelner Lo.ken von auftallend blonder Farbe obgeteilt; es bifijct; «. inen ungewöhn-- lichen Hintergrund zu iijrem glitzernden, lohl- rabenfchw.ir<ie!i Augenpaar, das jiä augenblick.ich aut das meinige richtete. Jhve Wangen »var-ri leb- bast gefärbt. Aus ihrer Oberlippe Tonnte ich o.e Slnbeutung ein s Schnurrbärtckxms er c de und mein erster Eindriick verriet mir, daß >. i tue Engländerin fei. Sie trug ein altes Brokatg<'wand, steif wie Schätterternen, darüber mt Spitzm- Umschlagtuch; an ihren Fingern bemerkte ich ein Reihe wertvoller Ringe.

Sie begrüßte mich mit einer sehr vornehmen Verbeugung und bot mir einen Stuhl an.

Sehr liebenswürdig von Ihnen. Herr Dokter, begann sie, daß sie gelommra find. Die Aerzte in der Nachbarschaft sind solche Hanswurste und solche Lügner. Der eine' meint, es ft l. au d r Lunge, der andere an der Leber, ein dritter findet HeczgeschickHen; alles Lügen Lügen nichts als Lügen.

Sv, glauben Sie? sagte ich. Darf ich ftagen, gnädige Frau, worüber Sie zu klagen haben?

Ich weiß es nicht, aber ich möchte es wissen, roiberte sic. Das ist der eine Grund, warum ich heute abend nach Jlmen gesckhckt habe.

Der eine Grund, dachte ich bei mir; was sum Henker kann denn der andere Grund jein? Ich stellte mich indes, als habe ick die teltsam; Bemerkung nicht gehört und begann tofort mit den, üblichen <Sdx-ma. Ich siebte ihr ein; Reihe von Fragen und nahm schließ ich auf ihre Auf­forderung hin meine Zuflucht zum Stetlwskap. Tas Ergebnis setzte mich in Erstaunen.

I Run, Herr Tottor, sagte sie, was halte-n Sie

Nichts, gar nichts, gnädige Frau. Sie smd

brauche mich nicht zu fürchten. Ihnen klaren Wein einzuschenken.

Wenn ich nun auf meinen Eid über meine ersten Eindrücke und Einfosie betragt worden wär;, so hätte ich gestehen müssen,*daß es ftlgmde waren: Ich Ixibe da eine eingebildet; Kranke vor mir. Ich will ihr ein kleines Hebel angebm und werde to einen Keinen Gewinn aus ihr her ausschlag m!" Aber glücklickferw i,e sah ich ein unbesrimmbav>8 Etwas im Auge dec alten Dame, das mich veran- laßte, auf meiner Hut zu sein und die Wahrheit zu sagen. Davon zog ich sofort Nutzen.

Es mag sein, daß es andere Leute für an* gebracht halten, zu schwindeln, gab ich zur Antwort, aber meine Nöetlwde ist das nicht. Arzt und Pa­tient sollten keine Heirnlichkeitm voreinander ha­ben, gnädige Frau. Das ist rin Grundprinzip, wo­ran ick stets feftgehalten habe. Es kommt schließ lich beiden zu gut.

Freilich, sagte sie, gewiß.

Und mm, fuhr ich fort, durch den vorteil­haften Eindruck, den ich bei ihr t-ervorgerufen, kühn gemacht, da wir uns beide über dtefen Puntt im klaren sind, was war, wenn ich ftagen darf, ter zweite Beweggrund, ixe Sie veranlaßte, 'heute abend nach mir zu schicken?

Rücken Sie Jlwen Stuhl rin wenig näher > heran! erwiderte sie. Ich folgte ihver Auffor­derung.

Tas HauS ist Clan, jagte ftc, und d« Wände

sind so dünn rote Papfckeckel. Man nx- nicht, ob nicht jemand horcht. War Nicht Ihr Baier auch schon Arzt?

Tie Frage überraschte mich

Gewiß, fagte ich, er war Arzt.

Ihr Name, Herr Doktor Perigard, ist kein alltäglicher nicht leicht zu vergessen, und als die gute Haut drunten ihn in meiner Gegmwart erwähnte, dachte ich frvftri dach, bevor ich dazu komme, Herr Dokter: Sie sind vielleicht erstaunt, daß ich in einer solchen Umgebung wohne?

Zweifellos macht Ihnen das Spaß, gnädig Frau, erwiderte ich, indem ich mir MÜIte ff3® mich möglichst diplomatifrch auszudrücken.

Es macht mir nicht Spaß, das weiß Gott, bemerRe sie. Es banbelt sich um ein Muß. Tri Umgebung entspricht keineswegs mern;m Geichmack, aber ich bemühe mich, die Mtwendigkeit von chr:r besten Seite zu nehmen. Di: Leute hier sind em wenig rauh und gewöhnlich, aber doch ehrlich uno ftcuudlich. Sie halten mich für eine harmlost Jrrsürnige ober dergleichen. Und gerab; das PM vorzügiick zu mimen Wünschen. Sie nennen mick ,^xt Gräfin". Ich erlaube es ihnen. Ick mutz darüber lächeln. Deim seltsamerweif: brn ich W* fällig wirklich eine Gräfin.

(Fortsetzung folgt.)