• Nachdem eine Gruppe der Studentenschaft
mit
fürder Friedhof werden durchschnittlich pro
20
Beerdigungen vvrgenommen.
^ochschul ^chrkchten
An- Ur
bäume den angrenzenden Fluren bei weitem nicht deu Schaden wie z. B. (.Eschen zufügen. I.B. (gez.) Weicker." — Wie dem Grünberger An- zeiger mitgeteilt wird, beabsichtigen die Antrag- steller eine neue Versammlung cinzube rufen, um
auch bie Zahl der Ärdessälle bedeutend erhöht. In den letzten vier Wochen sind an Grippe 88 Personen, an Lungenentzündung 77 und an Tuberkulose 68 Personen gestorben. Auf dem Frank- Tag
weitere Schritte yi unternehmen.
M. Watzenborn-Steinberg, 10. März. Ter Generalsekretär des „Evangelischen Bundes , Pfarrer Haupt, wird hier Freitag, 12. Marz einen Vortrag halten über Religion und Icatur- wisscrtsÄaft, zu dem auch die Gegner h<,r Kirche willkommen sind. , .
x Wieseck, 10. März. Nachdem unsere Kriegsgefangenen jetzt alle zucückgekchrt, '.o^lte eine Begrüßungsfeier nächsten Sonntag stcut- finden. Ans zwingenden Gründen mutz sre aut Samstag verlegt werden. Ein Begrüßung 2- gottesdienft wird am 21. d. M. vormittags folgen.
Kreis Alsfeld. „
A Alsfeld, 10. Mörz. Am Dienstao fand an hiesiger Oberrealschule das Maturitätsexamen statt. Zwei Schüler wurd-n von der mündlichen Prüfunq ausgeschlossen
A Angenrod, 10. Marz. Vergangenen Sonntag abend fand hier eine landwirtsc^ftlich" Versammluna statt, in her Herr Ruhl "d-' dve Durchführung der Fe l d be r e i n t guu g, besonders über die Kostendeckung eines derartigen unternehmens sprach Im Anschuß an die Ausführungen wurde der Antrag für Fcldbereinigung Leusel und der Antrag zur Feldbercinigung für unsere Gemarkung mit überwiegender Mehrheit gestellt. Dieser Antrag entspricht einem lang gehegten Wunsch der meisten Anaenröder Grundbesitzer.
Hessen-Nassau.
-- Bo d- H o m b u r g v. d. H., 10. März. Der Deutsche Musik.rvcrb.nch hat wegen der andauernden Diftererrzen zwischen dm fturmuiifcri und der A G. Bad-Homb"rg die verschärfte Sperre über' die Kurverwaltung verhängt. Infolgedessen findet nicht eine einzige musikalische Veranstaltung im Bereiche der Kurverwaltung statt. Ter Gr»nd der Sttcitigk-'iten ist m der zum 1 Aprfl erfolgten Kündigung des gesamten Kur- orchesters zu erblicken. Das Orchster tn ferner Gesamtheit verlangt die Zurücknahme der Kündt- gimg. Mit ihm solidarisch bat sich auch bt" Bühnengenossenschaft erklärt. .
mc. Frankfurt a. M., 10. März. Dos Mieteinigiingsamt hat inchi weniger wie 42 Fälle, in welchen für möblierte Zimmer W u che r- preise genommen wurden, zur Anzeige gebracht, da es cur Hi Standpunkt steht, daß audi Zimmer in heutige-, Zeit zu den Gegenständen des täglichen Bed-'.rfs zu zählen sind.
-- F r « n k f u r t a. M., 10. März. Die Frankfurter Hilfspolizei, einst 1400 Mann stark, ist am Dienstag endgültig aufgelöst worden, nachdem ihr zuletzt nur noch 30—40 Personen ange- hörten. An 'hre Stelle trat die Sid-erhntsttoltzei, die auch schon in acht von 22 Polizeirev>wrm den gesamten Sicherheitsdienst übemo mm t. hat.
me. Frankfurt s*. M., 9. März. Die heutige Stadtverordnetenversammlung erledigte eine große Reich' von Magistrats^orlagen debattelos. Den Jnvalidenventnern soll künftig auf der Straßenbahn dir Dergünstiguna eingeräumt werden, für 5 Pß auf beliebig langen Strecken fahren zu dürfen. Eine Reich' von Geländeverkäufen wurde nicht g-nehmigt, da die Versammlung den Standpunkt her trat, daß das Gelände heute noch das einzige reale Wertobjekt sei, das eine Stadtverwaltung bei der Papierwirtschaft im Deutschen Reiche in Händen,haben könne. Eine lange Debatte entstand über die Einführung dec Wassermesser, was Kosten von insgesamt 5 Millionen ausmacht. Die Rechte und die äußerste Linke traten gegen die Einführung geschlossen auf, konnten aber die Annahme der Vorlage nicht
die er kaltblütig gentorbet, einen schwarzen Flor am Ihn er. Arm trägt. Zeuge Amtsgenchtsrat Klitsch- Büdingen, der den Angeklagten zum ersten Mal nach der Tat vernommen hatte, erklärt, daß er ihn äußerst freundlich behandelt und cuigefarbcrt habe, doch ein Geständnis abzulegen, da nur er als Mörder in Frage kommen könne. Ter Angeklagte leugnete jedoch beharrlich feine Tat und schob sie auf unbekannte Tritte. Erst als er durch verschiedene Unglaubwürdigkeiten in seiner Aussage daraus aufmerksam gemacht wurde, daß ein Plan mißlungen sei, änderte er sein Wesen und wurde ängstlich. Am dritten Tage nach der Tat wurde er der Leiche gegenübergestcllt, blieb aber auch jetzt nock hartnäckig beim Leugnen und war vollkommen beherrscht. Am nächsten Tage jedoch war er zu einem Gestäiidnis bereit. Zerknirscht und von Gewissensbissen geplagt,
gab er die Tat als von langer Hend
vorbereitet und wohlüberlegt zu. Tas Geständnis war reumütig und die Tötung tat ihm bitter leid. Von einer Störung seines G.nstes konnte der Zeuge nichts bemerkrn, vielmehr war kr Mörder beim Unterschreiben dieses Protokolls klar bei Verstand, auch frei von jÄer Bemflus- sung Heute behauptet er, jenrs Protokoll tn der Aufregung unterschrieben zu haben. Er habe nicht gewußt, was er tat, mid hätte seine Sinne nicht beisammen gehabt. Trotz der eindringlichen Aöcch- nnng dieses Zeugen und des Vopitzmom bleibt der Angeklagte dabei und wehrt sich ganz en>» gisch, die Tat mit Ueberlegung und Vork^dicht ausgeführt zu haben, vielmetw sei sie int Zorn und Affekt geschehen. Ein weiterer Zeuge, der bei der Geständnis ibnahrne zugegen war, beitätigt btt Angaben des Amtsrichters voll und ganz. Nach seinem Geständnis habe ter Mörder salbst erklärt, daß er sich jetzt viel wohler fühle und sein Hrz leichter sei. Gin Gesaiigenenwärter in Büdrngen und ein Hilfsgefangenenwärter von hier, mit b> neu sich der Angeklagte bei der Vor- bzw. Ab fübrung unterhielt, machen schwer belastend: Aus- mg-m, wonach der Atovd mit AorbedaäL aus geführt morden sei. Hiermtt schloß die Zeug»« vernÄ/mung.
Tie Aussagen der d-ver psychiatrische» Sachverständigen, Prof. Gehringer, Kreisarzt T^. Walger und Medizinalrat Tr. Wagner, sind oahcn zusammen zu fassen, daß tue Handlung mit Ueberlegung ausgeführt worden sei mid ein Affekt nicht vorliege. Sonach sei es am Viord im Sinne des Strafgesetzbuches. Aus der Schmttwuiide, die 1.4 Zentimeter lang war, sei zu folgern, daß bie Tat von langer Hand vorbevnlet gewesen sei. Die Frau sei in >nne Falle gelockt worden, um .'ie dann zu töten. Das HJtotü) dieser Dctt sei allem die Lieb: zu der O ft , bat Tochter des Quartierwirts in Lieblos. Damit schloß der dritte Verhandlungstag. Fortsetzung heattc vormittag V29 Uhr.
und Nervenleir^en.
** Schlichtungsausschuß. Im Sitzungsbericht in Nr. 57 vom 8. März ist am Schluß bei der Antragsache des Verbandes der Gemeinde- imb Staatsarbeiter richtig zu lesen: „solange die durch das Personal nicht verschuldeten Schwierigkeiten bestehen . . ."
Landkreis Gießen.
Die LinLrnalloe an drr Hochstraße.
ga. Queckborn, 10. März. Aus das Gesuch um Beseitigung der Lindenallee an der Hochstraße erhielten die Antragsteller vorn Kreisamt Gießen die solgende Antwort: „Gießen, den 23. Februar 1920. Der Kreisausschuß hat am 30. Januar ds. Js. Ihr Gesuch um Beseitigung der altehrwürdigen Lindenallee der sog. Hochstraße „Grünberg—Hessenbrücker Hammer", die ein Wahrzeichen der ganzen Gegend — ja Oberhessens — geworden ist, einstimmig abge» lehnt. Denn ein eigenartige^ und reizvolles Landschaftsbild wäre unwiderbringlich verloren, wollte man den Baumbestand der Hochstraße antasten Dieser Beschluß fand inzwischen nicht nur die Zustimmung bet Minislerialsocftabteilung, sondern auch des Ministeriums des Innern, tvelches durch Verfügung vom 2. Februar 1920 zu Nr. M. d. I. 2856 die Erwartung aussprach, daß die Behörden mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln auf Erhaltung der wertvolle Kulturgüter dar- fidlenben Alleen hin wirken möchten. Die behauptete Absicht, die herrschende Brennstoffnot zu lin-
Schrvurgericht.
Gießen, 11. März. Wie anzunehmen war, konnte auch gestern das Urteil in Iber Mordsache bes Offizier-Stellvertreters Nein nickst gefällt werben. Ter Vormittag war noch ausgefüllt mit Zeugenvernehmung und für heute ist noch ein weiterer wichtiger Zeuge von dem Vartreter des Angeklagten verlangt und vom Gericht geladen worden. Wie an den beiden ersten Tagen, so waren auch gestern wieder Saal und Tribünen mit Zuhörern dicht gefüllt und mancher Neugierige konnte keinen Platz finden. Der Eintritt in oen Zuhörerraum war gestern nur gegen Karten gestattet, die von den Zuhörern unter sich bis zu 5 Mk. das Stück verkauft wurden.
Wie bereits andere Zeugen an den Vortagen bekundeten, äußerte auch gestern ein Zeuge, der mit Rein beim Militär zusammen war, daß der Angeklagte jähzornig und aufbrausend gewesen fei, bei jeder Kleinigkeit einen roten Kopf bekam, aber sich nie zu Tätlichkeiten hinreißen ließ. Er sei immer leicht von seinem Unrecht zu überzeugen gemeiert. Er hätte öfter über Kopfschmerz und Schwindelansälle geklagt, angeblich als Folge einer Gehirnerschütterung, die er im Felde davongetragen hat. Er sei auch eine ängstliche Natur gewesen. Weiter machte er Rechenfehler beim Zusammenzählen und war auch sonst in Briefstil und Orthographie nicht gut besckstagen. Ein Beispiel für den Charakter des Angeklagten ist die Tatsache, daß er während der Verhandlung für die Fran,
BeranULLtnngeri..
DoitULvstüZ, i-L Lllhttvieltheatec
tote gestern.
.WitLerbefetzunH des Lehrstuhls Erich SHmDts.
Hk. Wie wir erfahren, steht die Wiederbesetzung des seit dem Tode Erich Schmidts verwaisten Lehr- tuhls für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Berlin in naher Aussicht. Es ist bell bsichttch, die Nachfolge unter die Prozessoren Dr. Julius Petersen in Frankfurt a. M. und Dr. Friebr. Gundelsing er in Heidelberg ju teilen. Beide Gelehrte sind gleichzeitig als or- )entliche Professoren berufen.
Di. Gundelsinger (Pseud. Friedr. Gundolf) ist 1880 zr Darmstadt als Sohn des verstorbenen Mathematikers Geh. Hofrats Pros. Dr Siegmund Gundelsinger geboren. In München, Heidelberg und Berlin absolvierte er seine Hochschulstudien unter den Profeft'oren Erich Schmidt, Roediger und Roethe. erwarb in Berlin den Doktorgrad mit der Dissertation über „Cäsar in der deutschen Litera- tur" und habilitierte sich 1911 in Heidelberg, wo er später zum a. o. Professor ernannt wurde. Professor Gundelsinger sckwieb u. cu: „Fortunat" (1903); „Zwiegespräche" (1905); „Shakespeare und her deutsche Geist" (1911, zweite Auslage 1914); „Hölderlins Archipelagus" (1911), zweite Auflage 1916); „Stefan George in unserer Zeit" (1910, zweite Auflage 1914);. „ßfoetbe" (1916).
** Von der Landes-Univ er f it at. Der Privatdoienl an der Landes-Uanverftiät Gießen Dr mcd er. jur. Heinrich Göhring wurde zum anßcretatsmäÄgcn außerordentlichen Profasor bei der mÄstzrnischen Fakultät ernannt.
*♦ E i n verwegener Einbruchsversuch. In dec verflossenen Nacht versuchten Diebe den Laden eines hiesigen Uhrmachers auf dem Kirchenplatz auszurauben, zu diesem Z'.veck sie mittelst Nachschlüifel in den* nebenan besind- lichen Gemüseladen eingedrnngen, halt.n ein Loch in die Wano gebrochen, waren aber anstatt in den Laden des Uhrmachers, in einen dahinter gelegenen Raum gelangt. Von da versuchten sie ein Loch in die Wand zum Laden zu brechen, was aber an der massiven Mauer scheiterte, so daß sie un- oerrichtetec Sache abziehen mußten. Tic Töter müssen sick dabei stark mit Mörtel beschmutzt haben.
** Warnung vor Schwindlern. Heute wurde hier ein Schwindler festgenom- men, welcher es verstanden hatte, bei hiesigen Einwohnern Geld für zurückkehrende Kriegsgefangene unberechtigt.einzusammeln. Sein Handwerk konnte ihm jedoch gelegt, und das Geld den.Geschädigten wieder zurückgegeben werden. Das Publikum wird vor derartigen Schwindlern dringend lgewarnt.
♦♦ Marken-Ausgabe. Am Freitag und Samstao, dem 12. und 13. d. M. gelangen in den Bezirken" Fleisch- und Brotmarken zur Ausgabe. ^/rCÄr&3, 12. M-rr. werden von 1—3 Uhr nachmittags die Nm. 1551 bis 1600 beliefert.
** Die Auszahlung der Familten- nnterstütz ungen für bie Zeit Dorn 16. bis 31. März findet Montag den 15. März statt. Siehe Anzeigenteil.
**Branukohleuausgabe. Wo und wann Anmeldungen zum Bezüge von Braunkohlen zum verbilligten Preise von 5.40 Mk. zu erfolgen haben, ist im Anzeigenteil zu ersehen. L 3 .
** Ans den Rezitationsabend von Werner von Blumenthal am Freitag den 12. März abends 8 Uhr im Hörsaal 54 der Universität, sei nochmals hingewiesen.
** Bauer s cher Gesangverein. Dz das für Sonntag den 14. März d. I. vorgesehene Kvnzert des Bouerschen Gesangverräis bereits vollständig auSverkaust ist, werden die, welche bi^m-il leer ausgegangen sind, demnächst Gelegenheit hieben, das Programm zu hören, da vorgesehen ist, das -Konzert zu wiederholen.
**UeberSeeleii--undLeben6krafte spricht Montag den 15. März abends 71/» Uhr im Hotel Schwab (Felsen keller) der Psycho-Physio- loge H Grögor aus Frankfurt a. M. Es sollen -in diesem Vorträge die neueftm Forschungsergebnisse der prakti-chen Psychologe in anschoultcher uno populärer Weise gebracht werden. R^hck enter» essant dürften die Betrachtungen über dm Spin- .tiSmus vom Sttrndpunkte der Naturwissenschaften aus jein. %
” AngestelltenverSicherung. Wrr verweisen auf eine im Anzeigmteil enthaltene B'- ranntmachuna über die Rückerstattung von Beiträgen aus der Angesdelltenversichermrg, die besonders für Kriegsverletzte wichttg ist.
** I m Naturheilverein Gießen spricht Montag abeiäs 8 Uhr im Saale des Hotels Einhorn Fräulein Emmy Spies über: Frauen leben
verhindern nachdem der Magisttatsveitreter aus- gesprock)en hatte, daß an eine Erweiterung der Wasserwerke bei den heutigen Materialpreisen nicht zu deuten sei, man allo den Wasserverbrauch, der eben pro Kopf und Tag in Frankfurt 236 Liter beträgt, einschränken müsse. Schließlich erklärte sich die Versammlung auch noch mit dec Neuordnung des Fachschulwesens einverstanden.
ure. Frankfurt a. SOL, 9. März. Die Grippe nimmt in Frankfurt in den letzten Tagen in erschreckendem Maße zu. Namentlich hat sich
Gericht-saal.
sw. Darmstadt, 9. März. We^en Totschlagsversuch stand gpftem dec bis jetzt unbestrafte Gastwirt Joh. Danz ans Obertshauseir vor dem Schwurgericht. Danz kam eines Taues unvermutet nach Hause und traf seine Eheftan mü ihrem Geliebten, dem 27 Jahre alten iöone- feuiller Karl Dttö-, Während die Ehefrau ihrem Manne durch das Fenster den Hausschlüs'el reichte, versuchte O. durch den Seitenausgang durch das Wirtstokal zu verschwinden, wo er jedoch mit 2. zusammenstieß. In höchster Wut holte Danz giti dem Schlafzimmer einen scharfgeladenen Bvownrng Revolver und kehrte in den dunklen Hausgang zurück, wohin sich Otto geflüchtet batte und gab auf ihn 7 Schüsse ab, von denen Drei den Otto am Oberkörper und Arm schwer verletzten. Nach m-ehrmonatlicher Behandlung ist Otto sowett hergestellt, daß er der Verhandlung als Zeug', bw wohnen konnte. Danz gibt an, mit einem Angriff des Otto gerechnet und daher die Schüsse als Schreckschüsse abgegeben zu haben. Er ist feit 16 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder: die Ehe war harmonisch. Das Gericht verneilüe die Schuldsrage und sprach Danz frei.
X Hanau, 9. März. Das Offiziersdrama, das sich in der Nacht vom 27. zmn 28. Januar v. I. tn Fulda nach einer Kaiscr- geburtstagsseier abgespielt hatte, fanb heute vor dem Schwurgericht seine Erledigung. An jenem Abend kehrten Ossiziere von einer Kaisergevurts- tagsfeier im Kasino kommend, zurück, darunter befand sich auch Oberleutnant Neiffenbach wm 47. Fell»art.-Regt, in Fulda. Als sie an ds Wohnung des Führers der U.S.P., Malermeisters Fridolin Krönung, angekommen waren, demoi' strierten sie durch Absinguna vaterländischer Std»1 und Ausbringung von Hochrufen auf den Kaftr Der alte Krönung eilte hinunter und gab m Hausflur einen Schreckschuß ab. ^Nun kehrten btt Offiziere zurück und tarnen in einen Wort wem« mit dem alten Krönung. Darüber erwachte os junge Krönung, der 27 Jahre alte Musiter Roben Krbnung, der hinunterlief, unterwegs eine ge* ladene Pistole zu sich steckte und nun seinen Bater bedroht sah. Er gab einen Schuß ab und toi den .Oberleutnant Weifsenbach, der kurz daMl verschied. Die Geschworenen verneinten alle Schuldfragen, infolgedessen das Schwurgericht <ml Frei fpr eaiun g erBaimte.
Nicolai unter schwerer Verletzung a.adennicher Disziplin mrmöglich gemacht hat, ivurde von Ntcolai inis meinem Einverständnis oer schütz be-j a.
Verze!'. tiegr, tonnte in oteiem ö-aue ix.-n juci»- mu Knf, vieler
Ech-ch nicht »xmtaib n.-ch-n, Mmal Linden- km^en
beit wiedecherstellte, übte er die T ä t iS feit eines Ehrengerichtes aus und fällte ertt- g eg en Liner eigenen Aurfassung ein po 1 i 111 che s Urteil, bei dessen Bildung er freilich den völligen Umsturz der Berhöliursse in Deutschland außer acht ließ. Man kann über die Arft, wie Nrcolai leine Ueberzeuguug während des Krieges ausdrückte, verschiedener Ansicht sein. Aber eine akademische Behörde tarnt iricht zur Verurteilung schreiten auf Grund von Handlungen, die unter die allgemeine Anntestie einer vom Volt gewälftten Regierung fallen. Auch Sann der Senat als rein wi|sen|chaft- (id>e Verwal.ungsbehörDe für ein politisches Urteil n i (() f a l s zuständig angesehen toerben. Eine Disziplinarbefugnis steht ihm einem außerordentlichen Viofesior gegenüber nicht zu. _^>ein Spruch hat also keinerlei vechllick-e Folgen. Tagegen,tonn auch nicht eingewandt werden, daß sich yiKOlflt Dem Urteil des Senats freiwillig unterwoNen palx, benn er etl,t)b sofort schriftlichen Protest, als der Senat die Unteisuchung vom ata- demischen auf das politische Gebiet vorlegte Zwar mißbilligte der Senol in seinem Urteil den or'",,rn<T5nnbngien EingriN der Stidenten in tie 8 hrsrecheit, aber er geht Mit Stillschweigen über die hinrveg, datz es
dem Rektor der UniDerii'.ät nicht gelang, dre ata - dem' fche Disziplin zu wahren. Angeiichtv dieser Tatsachen fühle ich mich im Interesse der unter allen Umständen aufrechtzuerhaltenden Lehrfreiheit verpflichtet, Nicolai, falls er seine Vorlesungstätigkeit fortsetzen will, bei der Ausübung seines Amtes zu stützen und die akademstche Ordnung mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln innerhalb der Untverittat zu schützen. - Nicolai wurde, wie wir in der gefangen Nummer bereits kurz mit teilten, von dem akademischen Senat der Berliner Universität für nicht würdig befunden, seine Lehrtätigkeit an der Univerfttät fortzusetzen. Nach der Begnindung dieser Entschei- Dung Nicolai im Juni 1918 fahnenflüchtft geworden, indem er im Flugzeug nach Dänemar entfloh. Er 'bat im Laufe des Krieges gegen Teuftch- land und seine Kriegführung gehetzt und zur Gehorsamsverweigerung aufgefordEnft.
", Tbent, kann nicht ausschlaggebend fern, da bekannt- mit: ^.TK^nrhettifiiben PvofeslOrs
--7-.- . ,, „2* 19SL -«4 Sinbentoti naie* tS^«in8iten bi?
Gießen, daT 11. Marz 19Zik ^sitzt. Liber auch die schwer bedrängte Boltser-
l näljrung. bereit Hebung den Bel)örden sehr am Herzen liegt, konnte in diesem Falle b.*n Kreis- 1 ' *«•-.<---
Der Fall Nicolai.
Berlin, 10. März. (Wolfs.) In der gelegen heft Nicolai teilte der Minister Wissenschaft, Kunst und Vokksoildung dem Senat der Berliner Universität auf das Urteil solgeiches
Me Gräfin.
Roman von G. W. App le ton. (Nachdruck verboten.) Fortsetzung 1.
Weiß nid]’, Herr Doktor, denk' schon; aber Frau Mulligan bat meiner Ndutter erzählt, was für ’n Wunderdoktor Sie sind, und Adutter hat's wieder der Gräfin erzähll. Jrn gleichen Aug.mblick, wo sie Ihren Namen hört, sagt sie: ,^Jch Barni nid,' emschlasen, ehe ich biegen Dvkwr Pn?.gott) gesehen habe." Das is die ganze Geschicht:. Wollen Sie nun kommen ober nich' ? Ganz wie Sie wollen.
Ich dachte einen Augenblick nach. Ich hatte um diese Stunde keinen wichtigen B.'juch zu machen; unb da meine Neugier ordentlich erwacht war, antwortete ich ohne werteres Bflimten:
Ist recht. Kleine, ich komme mit;
9tad) zehn Minuten erreichten wir bequem dos Haus Pontifex Square 19. Ws das Mädchen die Klinke am Gittertor niederdrückte, blutete sie aus ein beleuchtetes rotes Rv-uloau an einem Fenster im ersten Stock.
Das is ihr Zimmer, Herr Doktor, sagte sie. Sie is aufgeblieben, bis Sie kommen. Ich mußt: 'wohl, daß sie es tim stürbe.
Hat sie hier gemietet? fragte ich
gawohl, Herr Doktor. Sie bewohni den g-or tock, vom und hinten.
Wie lange schon?
Etwa ein halbes Jahr.
Warum nennt ihr sie die Gräfin?
Weil sie so eine is. Sie nennt sich Fron Latimer, aber Mutter sagt, sie sehe i'hr dos an ihvm Fingerringen an — lauter, lauter Diamanten!
Ei was? Ihr habt Glück, solch eine Mieterin gefunden zu hoben, entgegnete ich etwas überrasclft. Das wird doch helfen, das Leben leichter zu er-» tragen.
Und ivie! Es is eine währe Rente, sagt USot.t, imb er, Vater, is ein Maurer. Vielleicht kmnen Sie ihn?
' Wie heißt er?
Mim ms Thomas Mim ms, Herr Doktor.
Ja freilich. Ich erinnere mich an lernen Namm. Uebrigens, diese Gräfin, oder richtige Frau Lattmcr, ist sie alt oder jung?
O, die is schon sehr alt, bas will icl> glauben! Ja, sicher sehr alt, aber sie kleidet sich rov 'ne Junge. Sie kennen ja die Art von Leutm, Herr Doftor, Sie haben sicher fdjon MMtchi uon dem Schlag geleiten.
Ich mußte über die altkluge Bemerkung b'v Kleinen lachen. Jawohl, sagte ich. Gewiß habe ich welche gesehen, und nun, Fräulein Mimms —
Anna heiß ich, Herr Doktor.
Also. Änn-2, zeig mir den Weg zu dieser prächtigen alten Dame!
Wir betten uns ous leichtverstLndlid>m Grün- I bm iw Flüsterton unterhalten Sie ick oft die I HauStür am unb ließ mtr den Vortniit durch einen 1 engen, durch ein. kleine Petroleumlampe erhellten
Gang; das Lämpchen hing an einem Nagel an der Wand.
In diesem Augenblick Ijorte ich jemand bie Küchen treppe Ijeraufruien:
Bist du's, Anna? i
J-awvtst, S1Jtut ter, und der Doktor is auch da, um die Gräfin zu sehen.
So, is er da? — Im nächsten Augenblick kam eine kräftige Frau von blüiyenber Gesichtsfarbe, in mittleren Jähren, lächelnd durchs den ©ang auf uns zu. Ich sah, daß sie mich forschend liervachtetc und daß das Ergebnis ihrer Untersuchung sie befriedigte.
Das freut mich aber, daß Sie gekommen sind, Herr Doktor, sagte sie, indem sie ihre aufgfltülp-' ten Aermel he runter streifte. Ich hoffe, baß es Ihnen 'Mit gdht.
Jawohl, baute für die Nachfrage, Frau Mimms, sehr gut geht mir's, gab ich zur Antwort.
Das is ein Glück! Der Doktorsberuf muß doch sehr onstTengend sein. Tag und Nacht geht's in einem fort. Aber wegen mtr sind Sie nich' aus Ihrem ersten Schlaf 'herausgerissen wordm, wenn ich audi einmal — t>o mit der Anna — meine id'.iDcre Mühe hatte unb — aber ich wollte ja ganz w.is anderes sagen. Ich hab' nämlich Frau Multi- gai! - bie, welch- Die Zwillinge gehabt Hot, H'rr Doktor — al|j, ich hab Jte soviel von der Wunder- lur erzähleii 'hören, dir Sie an ihr vollbracht hobe.i. Laß ich ganz zufällig ber Gräfin, d. h. oer ötou Latimer davon erzählt habe — gestern «var's
— unb seitdem läßt sie mir Beine Ruhe, bis td) nach Ihnen gesandt habe.
So? Ei was! eiividerte ich. Und wo, ich fragen bart, fehlt es berat der Dame? -dl16 ein ernster Fall? .
Frau Mimms beugte sich vor imb flüstett' mir ins Ohr:
Flausen, Hern Doktor, weiter nichts. Abo sagen Sie ihr ums Himmels willen nich, was tc Ihnen verrate. Was ihr fehlt, is ein Arzt, w- inimer um sie beschäftigt is. Mein Marrn fagtm-- sei ihr Steckenpferd, und das is es auch., Abc. geben Sie nur hinauf und untersuchen Sie sie . • Sie wird Ihnen sicher gefallen. Sie is 'ine sein Dame vom Kopf bis zur Zehe, oder ich habe nv eine gesehen.
Unb in einem Tone, den man auf dem Dach' first hatte hören können, fügte sie bei:
Was stehst du denn immer noch da • Arata? Laß doch die Gräsin nich so lange ivarts- pnd führ' den Herrn Doktor gleich hinauf!
Nunmehr brannte ich vor Neugier, was fa. ein Menschenkind diese „Gräfin" it»r.
der Heinen Anna über die knarrend: Stiege mnar. und blieb stellen, als sie nach einem vvrb:reitenoa Pochen die Tür öffnete. Dann deutet: sie mtt bet’ Finger auf mich und sagte:
Ich 'hab' ’n gefunden, gnäd'ge Frau, da is ec.
Darnft betrat ich dos Zimmer.
(Fortsetzung folgt.)


