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poßjcheNonlo.

ZraaNvrt a. M. 1168)

Erster Blatt 170. Jahrgang Mittwoch, 10. November 1920

Ä Jk vHT Ä Annahme von Anzeige»

IS für d.e2agesnummer di,

GietzenerAnzeiger«

kauplschristleiter: Aug.

General-Anzeiger für Gberheffen MW

Dnitf nnö Verlag: vrühl'fche Univ. Such- und Stcinörutferei R. Lange. Zchristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchnlstrahe 7. ?ämth<t) in Gießen'

Die deutsche Ernährungrpolttik.

Berlin, 9. Nov. Ter D auptausschu ß Reichstags setzte seine Beratungen fort. Reichs- e Aahrungsminrster Tr. Hermes erstattete Be­acht über seine Ernährungspolitik und gab dann »igende Uebersicht über den Stand der Reichs- kirtreideversorgung: An inländischem Ge- wnbe waren bis zum 8. November abgeliefert im ."ihre 1918: 1 908 000 Tonnen, 1919: 1022 645 3-nnen, 1920: 622073 Tonnen: dabei ist zu be- cchten, daß in den Ablicfcrungszahlen für 1918 Eanent und die besetzten Gebiete eingeschlossen sind, f-'ieviel Getreide die selbstwirtschaftenden Komrnu- urlverbände beschlagnahmt haben, kann nur ge­schäht werden; es werden etma 1,2 Millionen Sonnen sein Die Ablieferung ist in den *$tcn Wochen stark zurückgegangen. ^ie «ländische Landwirtschaft muß llirer Ablieferungs- Glicht stärker Nachkommen. Wir werden kein Mittel »versucht lassen, um das zu erreichen. In einer ddrufassung der Reichsgetreidcverordnung sollen xtb härtere Strafen eingeführt werden für schwarz mcchlen, vor allem aber für Verschiebun- etn ins Ausland. Von dem Einfuhrvrvgramm von 5» Millionen Tonnen Auslandsgetreide einfchl -treckunasmais sind heute bereits gekauft 902000 Sonnen, so daß noch 1,6 Millionen Tonnen zu Men sind. Der Gesamtbestand der Reichsgetrerde- ftle bezifferte sich nach der Bestandsaufnahme

30 Oktober aus 363000 Tonnen. Tie Kom- Analverbände sind bis zum 15. November xxx» fogt. Für die Zeit vom 16. November

15. Dezember sind bereits 100 000 Tonnen .^gewiesen. Unter Zugrundelegung eines in- Mdischen Tageseinganges von 2000 Tonnen eines Tageseinganges an Auslandsgetreide tzl 10 000 Tonnen unlrde sich am 31. Dezember « Bestand von 950 000 Tonnen ergeben: die

Drotversorgung wäre dadurch bis Mitte Mr; gewährleistet. An Auslandseinfuhr nach oem \\ Dezember stehen dann noch zur Benügung 1? Millionen Tonnen, so daß nach Deckung des ^dans für die reine Brotverorguug noch 3.V0000 ^ven verfügbar wären, wo u dann bi Jnlands- Mhäng? für die Z:it nach dein 31. Januar kom- rechnet man für diese Eingänge nach dem d*; D?K-mb7r 500000 Tr-nren, so 'rnür'ei Mv- 850 000 Tonnen Getreide zur Verfügung ten, die für Bbürfnisse des Heckes, der Nähr- Melbetriebe, für Kockrnehl usw. Verwendung '^»en würden. Der volle Bedarf für diese Gebiete

Das Zrauenvotum bei der Präsidentenwahl in Amerika.

Bei fern Wahlen am 2. November Halen, wie je# bekannt wird, über 28 Millionen Männer und grauen ihre Stimme abgegese i. Vor vier Jahren mor dos Votum für Wilson uiib Hugh-'S zusammen 18'/, Millionen stark. Tas fetzige Plus upn etwa 10 Millianen ist demnach vollständig aus das groimDotum zLirückzunch.en. Harding ist mit einer Dlfbrlxil, die aus 56 Millionen Stimmen ge- ichäht wirb, gewählt worden. Es ergibt sich bar» ius, daß das J'rauenvotum bei der Wahl am 1 Nopember den ?lusschlag gene st hat

Em devartigcs Ergebnis war im Grunde ge­kommen schon vor adyt Wock-en vorausu'el en, lls der Ausgang der Wahlen im Staate Moire -urch dir Frauenstimmen entsclieide d breinslußt yvcde. In Maine stimmten ungefähr 80 000 } tauen, doS sind, wenn man den Zensus von :910 der Bereämm'g zu Grund« legt, 32 v. Ä. iller im Staate Maine ansässigen, über 21 Jahr?

Per o en weib'iclien Ge äst chts, de e:i Zahl n diesem S.ovte sich aus 2:83 9 be.au ft.

Nach rem inngf.cn Z msus w> hnen in den xmym Vereinigten Staa e i 26 883 566 Fvinrn n wahllälngrm Alter. Nach der Stärke des am }. Nov. abgeg?bei'en Fraue iv<otums yi urteilen, laben an diesem Tage im Verhältnis noch mehr jroirn gestimmt, als vor 2 Monaten in Mnne: lemi 32 v. $). der Gesamtzahl der Frauen in Imerifa würde nur 8,6 Millionen Frauenstimmen ergeben haben, währe id in Wirllicl-keit, wie sckwn iwähnt, annähernd 10 Millionen gestimmt haben.

Aus amtlüben statisi chen Auf st? lun en geht rrntr hervor, daß die Zal/l der in be t Vcreikng- len Swareu an ä'sigen wähl äligen Männer sich ml 29 577 9 60 bläust. Bei der Prä'ien'.enwohj 1916 wurden, genau gezählt, 18 528 743 Stim- abgegeben, das sind 62 v. H. der über 21 alten männ'iclen Bevölkerung der Urion.

Bei den Wahlen in Main« Halen 75 v. H. irr weiblichen Wäh>r für die Republikaner ge» fim'mt. Tas Echebnis der Wahlen vom 2. Nov, tnrrifi klar, daß auch dies«- Mal t?ine erheblick>e Ächckieit der Frauen rcoubli aisch ccoählt hat, ent Mehrheit, bte ofsensiclstlich im Verhältnis roch weit größer ist als die bei den Marnr- Dahlen.

CS wird abruwarbm sein, welche po'ilischen Folgerungen di? Frauen Amerikas aus der Dat­sche ziehen werdet, hab sie den Republikanern zum Liege verhälfe.! la'.«:t. Dabei wird d?r Umstand fc fRedyming zu ziehen sein, daß eine schr große walüfähiger Frauen keiner der beiden Par- txn an geschlossen sind, sondern es vorgezogen 5chen, eigene, irnabhängige Organi'att'one.t zu I i - Sn, um aus dieser Grundlage ihre eig-ne Politik : treiben, d. h um biefentge der beiden geschicht- ' tben Parteien zu bevorzugen, die den F> rderun» M der amerilanischcn Frauen am ivcit sten ent» Pgenommen. Tie Tragweite di ses Umstandes ! ißt sich zur Zeit nvch gar ni.'ht übersel)e!i. Tie «weukanisä>e Frau in der praktischen amerikam- w-ten Politik kann, roeim ne sich von den korrum- menben Ein lässen des Partei/ bens fern?>uballen lniß, uxermes^lich Gutes für das Volksganze leisten.

wird dadurch nicht gedeckt, sondern muß durch weitere Anläufe sicher gestellt werden. Der Mi­nister kündigte bann bi.' Einbringung b.T Forde­rung für di: Bereitsd-ilung der Mittel an und gab der Ueberz.uiung Ausdruck, daß die Ber lillic.ungsaktion für Brot einstwn'en fortdau.ru müsse. Der Minister ging sodann auf die Fragt der Oe le uno der Margarine ein unb gab ein Bild von der Entwick u tg in diesem Jahre.

Im F üh'fabr stocke der Ab'atz n»^gen der hohen Preise vollständig, so daß der Maiga'-inepreis vom Ernährung ^Minister um h rabce etz: ne den mußte. Die freie Wirtschaft erschien zur dgma igen Zeit, zumal der R ichS'uschuß für Ve lnlligun-r aushören muß'«, am günstigsten. Tas Reichsministe'.rum für Ernährung und Srniixinrtfrfvift sand bei seinem Amtsantritt im Neichsausfck/uß für Oele und Fette Bestände im Detra e von 4 Mi Barben Via k vor. Cs wurde damals angcordnet, daß nicht weiter ge» kauft nerbe, aber dein Reich/ausschuß ist mitgeteilt worden, daß das k in abfo u es Verbot sei. sondern daß bei Käufen die vorheri<se GenehmiLmg 'in- geholt werden müsse. Die Wirkung der Frcigab' Ivar befriedigend: ber Absatz der Bestände ging schnell vor sich. Der Minister erörterte weiter die F age derFleischversorgung und gab einen lleberblick über die Bestände. B züglich d-'s Zuckers könne er nur erklären daß die Bnvirtschaf wtg bei- behalten werden müsse. Der Ertrag an Zuckerrüb.n sei gastieren

Ausführlicher bebambet e Dr. Hermes so­dann die Fraae der Düngemittel. Es sei ein unerträglicher Zustaid, daß wir große Lager lsttttcn, daß aber die Ae.ker le r seien. Eine ent» färbe Berbilli-gimg> fei nicht mea ich, neil f ine Gegenleistung vorhan e.i sei. Mari müs« b rm S ickstofs einen ähnlichen Weg in Aris ich: nehmen wie beim Kali, um die ©esuinne ber Ausfuhr für eine Verbilligung im Innern zu benutzen. Man müfse auch die Möglick-kit eines anderm Vertci- lungsmvdus und eventuell eine stärkere Herml- ziehuug des .Handels ins Ang- sa'sen.

Des rort.ereit b hanlelte der Ernährungsmi-- nister die Frag: des Grenz'ch'nugigels.

Der Reichste nerung fei bekannt, daß an der hollänti'chen Grenz-e ein lebhaf ec Schmuegel sta V finde. Cs zv?en Banden an die holläiLische Grenz«, die zum Teil mit Waffeng«valc aufträt.m. Die Rlieinlanbsbonnnission habe sick> deshalb mit oer Scnhifinung von 75 Mann mit Karabinern und Revolvern einverstanden erllärt, bt? k.'lonnen.veise eingesetzt wer en unb bic eigentlich mit der Grenz- bontvolle bemiftragien Drgtne unterstützen sollte.

Dem Vernehmen nadr oll in Reaierun^skreisen der Gedanke erörtert werden, vom 1 Älvril 1921 ab die Zwangs bewirtschaftung der Milch aufzuheben. (Fran/f. Zig.) -

Tcr 9. November.

Berlin, 9. Nov. (W lsf.) Zur Feier des 9. November veranstal « eil die S. P.D. und die U. S. P. D. gerennt et:ixi 30 Vtrfammlunc,en, die aber nur mäßig besucht waren, da in vielen Bctricben vell gearbeitet Tnune, in anderen mehr ober minder <nofee Teile bet Arbeiterschaft erschienen waren. Die Ve anstaltungen wurden meist durch V-ortiäM be5 Arlei er-Sängerbundes ciöfmct. Nack) den Ansprackien ler deka: n en Füh­rer ber Linlsparteien gingin die Teilnehmer ruhig auseinander, o daß das Stva'tenbild bald wieder sein gewöhnlick>es Geprägo trug. In der Neuen Welt sprach Crispien u. a. übn die Dik.atur des Bürge'.'ums über das Prole ariat Die Rebe fand nur schwach.' Ausnahme und nntrb: lstn und wieder durch verein- l e Zurufe anwesender Kvm» murnsten un:crbvvck)en. Auf tem Hose deS Fabrik­gebäudes der A. E. G. in ber B unw n-Vvl astraße sammelten sich vormi tags einig- hun ert Ar­beitslose an, nxldx bär in den Werkstätten Arbeitenden herauShvle.i unb zur Milfeier zwingen wollten, wur en aber hinauSge'aäug und zogen unter der Tivhung ab, .Verstärlüngm aus der Hem.annstraße vorn Mr bei snack-neis holen zu wollen. Da sie fernen Zuzug erhielten, kehrten sie auck nicht wieder. In den Bureaus der staat­lichen unb fäxi dien Behör «n h-rrsch« überall v/llcr Tienstbetrieb Die Arlei er ces Gaswerkes Eharlodtenburg beschlossen, weiter zu streiß-n unb nur däotslande arbei en anszuführen Eine te'on- bere Veranstal ung sand auf der Spielwiese im Friedrichshain statt, die von etwa 12 000 Peronen be ucht war und ebmfalls einen rufcren Verlaus nahm Bemer.enSW.-rt ist, daß bte K. A P. D. durch Plala e zum Vnr.itcn Generalstreik aufgerusen hatte, wiährend die Rote Fahne, daS Organ der P. T ihren Anhang aufsorderte, in den Be. rieben zu bleiben.

Eine -Inksorderung

des D-icdergutmachnngsauSfchufseS.

Berlin, 9. Nov. fWTB.) Der Wieder- gutmachungsausschuß forderte die Regie­rung auf. in der am 15. November in Paris stattfindenden Sitzung sich darüber zu .rußem, in welchem Umfange Deut'ch and in der <?age ist, den von Frankreich. Bckgien, Italien unb Serbien auf Grund des § 2 An »ng 4 zu Teil 8 Abschnitt 1 des Friedmsvertraies an ge­meldeten Ansvrüch n auf Ri idvich, Pferden unb Sckxrfen zu entsprechn. Ti- deutsche Regierung wird ein? Kommission von Sachverständigen zu dieser Sitzung ents-mden.

Die von der Entente beschlagnahmten Rumplerflngzen.,«.

München, 10. Nov lWTB.i Die vor drei Wochen von der Enten'e in Dien beschlagnahmten drei Rumvlerflngzeuge kamen heute nach einer Flugleistung von 2^/x Stunden in München wieder an

Französische Gewerkschafter Über die Ernährungsverhaltnisse im Ruhrgebiet.

Paris, 7. Nov. (WTB) Nack) derBa­taille" teilte Jou h a ur in ler gestr g-n Sijung .»es Na:ioualva:es der C. G. T. über die Creed nicke der im Ruh g.-biet von Benretern ber Ge weri'chaf -i l ernationale veranstal e.e i Eng.:« e mit, hab die Ernrhrungsverhäl nihe ter arl'e.ten- oen Bcvölrerung des Ruh.g biet- s bella^enSweri feien. Er habe sich von dein elenden Zustand Der Kinder überzeugt. Die gesamte jüngere Ge­neration sei unterernährt Es feile i r an den ro wendigsten Gex.cn ^läncen, name«ttl:ch aber an Mi'.ch. ?oufoaur sag c, es sei Pflicht ter interna: ionalen Gewerkchaften, auf Sick^erstellung ausreichender Ernährung ber Geno'sen im Rul-r gebiet zu dringm Der Na ioualrat schlug scktfßß' iiri> eine Resolution vor, die gegen eine eventuelle Besetzung des Nuhrg li :s vro e .i it, und in ber cie clende Lag? btr B v''lfe.ung nameullich aber ie unter den Jugendlichen lyerrid^nben Kiaui- beiten, geschil erl w.-rl-en deute soll über die Re­solution abgestimmt werden.

Deutsche Bertretu'tgen in Italien.

Berlin, 9. Nov. (WTB.) Das deut­sche Generalkonsulat in Neapel ist wieder eröffnet. Sein Geschäftsbereich umfaßt wie früher die Provinzen Neapel, Salermo, Postenza, Cosenzo, Catanzaro, Reggio, Locco, Bari, Foggia, Campobesso, Caserta, Benevent und Avellino. Hinzugekommen ist außerdem die gesamte Insel Sizilien. Um Mißverständ­nissen vorzubeugen, wird hinzugefügt, daß für die Bearbeitung der ganz Italien betreffenden wirtschaftlichen Fragen das Generalkonsulat Mailand, Corso Venezia 42, zuständig ist.

*

Ter französische Botschafterposten in London

Paris, V. Nov. (WTB.) DieChicago Tri­büne" verbreitet die Meldung, ber Pariser Korre­spondent berPall Mall Galette" wolle aus guter Quelle erfahren Haden, Poincars werd« zum Nachfolger Jules Camborrs, also zum fran­zösischen Botfchastrr in London, ernannt werden.

Die irische Frage.

London, 9 Nov. (Mo'ff.) Im Unter­haus kam es wieder zn einer «rregtn Debatte über die Repressalien in Irland Llohb George erklärte, baß nach seiner Ansicht das Land bestimmt mit der Vernichtung der Morb- banhen durch bic Negierung rechne. Das Dans er» *rte bann «inaelxmb den Nerinurrgsvorschlag, der den iri'chen Rat veran'acken io'L ein Proickl über die Schaffung von ztvei Oberhäusern, ein^s für Nord- und eines für Süd-Irland auszu­arbeiten.

London, 9. Nov. (Wolff) Lloyd George, der im Unterhause mit Fragen b'züg.ich der 93er» geltunasmaßregeln in Jrlcmd bestürmt wurde, mied die Dehalrptuirg zurück, daß die Rerierung dafür verantwortlich sei ober gar Vergeltungsmaß­nahmen organisier«.

Amsterbam, 9. Nov. (WTB) Nach einer Meldung aus Washington zogen gestern abend 1COO Freunde d« r irischen Freiheit un­ter völligem Stilllch"eigen vor dem Weißen Hause ooriri. Mitgeführt« rote Fabnen zeigt m Inschriften, in dmen die iri'chr Po i it Englands nerurtetft und das Andenken deS Bürgermcist.'rs Mac Swiney gefeiert wurde Ter Zweck b'r .Kund­gebung, die nach einer Erklärung des Führers wiederholt werden soll, ist, die Anerkennung Ir­lands zu fördern.

Der gnädige Wilson.

Amsterdam, 10 Nov. ?WTB ) Nach Dlat- termelbungen aus Neuyvrk lehnte W i l f o n ein Gesuch um Bema'igrmg des weien Er i'.erstä d nisscs mit dem Feind zu 10 Jahren Gefäng - n i s verurteilten sozialistischen Präsi''«ntschafls- fanbibaten Tebs ab Wil'on ist ber Ansicht, daß. ronrn in diesem Fall« en re Brgnoldigung erfolge:« würde, dies eine Ermutigung zum Landesverrat im Falle eines künftigen Krieges bilden würde.

Sowjet-Reformen.

M o s k a u, 9. Nov. (WTB ) Ein Dekret des Nates der Volkskommissare schafft sämt­liche Zahlungen für wirtschaftliche Lei st ungen des Staates ab. Hierunter fallen auch die Abgaben für Gas, Elektrizität, Wasser, Telephon, uno die Kosten für öffent­liche Bauten. Spätestens am 1. Januar wer­den die Zahlungen für den Passagier- und Güterverkehr abge^chafst.

Die Bolschewiki gegen Wrangel.

Sewastopol, 7. Nov lWTB) Wrangel bat die Angriff' der Bo'schewisten grg-n bi Lan - enge von Tschongar und ge]en Pcrckov, das nicht genommen n-u.be abgefeptagen. Tie D l chr- wislen haben an be. gan'^n Front dm Angriff mit überlegenen Kräften aufgenommen.

Iassv, 9 Nov. (WTB0 Ei i zu ammen- tackender Bericht der Armee Wrana-ls besagt: Nacktem die Bolick^oisten rni den P I n Frieden g schlos'en hatten und ü'xc ihr? Kräfte,, welche bis jetzt die p'lnisckie Jwnt h e'ten, frei verfügen tonnten, stell en sie drei Armeen! gegen uns auf und verteilten sie in drei Gruppen:

KachowSka, Nillipol und Tobgi Zu Beginn ihrer Lftenckve (>e cuj ihre Sät' 100 COO Mann, da- ron ein Bier.el Kaval erie Die Bewecvmg.f.eiheit uniern: Armee int Rvr «u und Norder« cn rnnte gehindert. Das >v e Dbcrtontmani» b.sch, un- 'ereil linken Flütel aniug.vifen und tvari stä- vallerie geg:n Kachowka in Richuug ölrui asufa und Saltov», um t iefen Flügel g> gn das A wviche Meer zu drücken und fich dadurch freien Wei nach öcr Krim zu bahnen Augefick» S der g» genwlrlig-.-n L'age zog die ruckftche Ärmo.' ihre Krise wieder zusammen Die erste rote Armee mit Vetlcn unb aiL'cren Jnfauteii'abcilungeu mit wehr als 1<XX) Säbeln und 10 000 Okivelrea mutte in fülböltw licknr Rick» ung ge^p.m Kackicwst'a e wo 6 00 et gcreit Saltono ftiror'cn Wir 'flonventrier en Air- gri sstruppen undiwarfen bi? not Jlcivillcrie zurück, welche im'eve F.vnt bei Süvtsch burdibrodrm ha te. Tie tapfereit Truvren dos Generals fiu o.cto ver­nichteten zwei Regimenter ier le t fdxn Divi io- nen und erbeuteten 15 Ge'chü-e und zahlreiche Maschinengeivehre. Di« Dantosa>n nal mrn rter Regimen'er glangen und erleu ettn 5 Ge'chütut, whlreid« Ma ck,inenge»rehre un) smstig. s Mate­rial. Tie Kväs e dc-s Je.nd s waren jedoch gröfter a'3 untere, besonder^ hy ^w* l'eri«, bic 2') 000 Mann zählte. Im Verlaufe Mx-rtrer Kämp> griff uns ber Feind von brei Seiten an Das D erOom* manbo besckstoß, unsere Truppen aus b le be­festigte Lrnie Siwoch Ferekop zu- rückzuziehen. Diese Linie bietet alle Vor­züge ber Verteidigung Die Schläue, bie unsere Armeen dem Feind« unaufhörlich ver^etzdm und wodurch ein großer Teil ber Bubjennv-Ka* vallerie Vernich et wur>e, «rmögckckü m unsecen Truppen den Rückzug fast ohne Verluste.

Hnnger-not in Elftn«,.

London, 9. Nov. (WTB.) Einer Pe­kinger Meldung berTimes" zufolge erstreckt sich die Hungersnot in China über ein viel größeres Gebiet, als man bis jetzt ge­glaubt hat. 58 Millionen Menschen litten Mangel, 14 Millionen seien vom üungerwoe bedroht.

Hus Sem Nelche.

Der Fall Dobner im bayrischen Landtag.

München, 9. Nov. (WTB.) In ber Voll» sitzung des bayrischen Landtags entwickelte sich bei dem Bericht des UntersuchungsausfthusieS, über denFallTobner wobei der Unabhängige Gareis nochmals die ganze Affäre ausrollte, eine sehr lebhafte Debatte. Gareis gelangte zu der Schlußfolgerung, daß Dobner tatsächlich beseitigt werben sollte und daß die Po'izei von einer Kom­mission zur Berguny der Waffen wisse, bie sich auch mit ber Beseitigung von Menschen befasse. D eld (Bayr. Vv.) wandte sich schan gegen bie Darstellungen Gareis'. Die yanze Morbgrschichte sei nichts weiter als eine Schlägerei, hervorgerufen durch Dobner selbst. Nicht die leiseste Svur eines Beweises sei für das Bestehen einet solchen Organisation erbracht. Er werde beweisen, daß es fich in ber ganzen Sache um einen Versuch handle, gewisse Denunziationen bet ber Entente durchzuführen. (Stürmische Zwi- ichenrute bei den Unabhängigen.) Staats'"ekretätf Dr. Sch weher wies die Anschustnuvgei vmr Gareis zurück, bayrische Beamte hätten in straf­barer Wecke gegen ba3 Entwaffnungsgesetz bet* stoßen. Der von Gareis versuchte Nachweis sei gänzlich mißlungen. Nach weiteren verfönlicheu Bemerkungen wurde schließlich der Besch' bc3 var(amentari''chen Untersuchungsausschusses vom Hause zur Kenntnis genommen. Die morgen be­ginnende politi'che Tebatte wird Ministerpräsident v. K a h r mit einer Regierungserklärung einleitend

München, 9. Nov. (WTB.) Der Ge- schästSordnungsausschuß des Landmans lefaßte sich mit dem Gesuch des Justizministeriirms um Genehmigung zur Einleitung her Straf­verfolgung gegen den Bauernbundabgeordne- ten Gandorser wegen Untreue. ES wurde nachgennesen, baß bei den im Dezember 1918 vom Landesbauernrat durchgeführ'en Pferdeversteigerungen ein erheb­licher Teil der in bar eingegangenen Erlöse nachträglich in Kriegsanleihe umge'ourd)t und der infolge des niedrigeren .Kursstandes er­zielte Ueberfchuß von etwa 200 000 Mark ru- rückbehalten wurde. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft besteht der begründete Verdacht, daß Gandorser als Vorsitzender bc5 Bauernrates erheblich an dieser Veruntreu­ung von Staatsgeloern beteiligt ist. Nach dem Beschluß des Ausschusses wird die Strafver­folgung eingeleitet.

München, 9. Nov. (WTB) Die heu­tige Vollsitzung des Landtags genehmigte bie Strafverfolgung Gandorsers wegen Ver­untreuung staatlicher Gelder. Aus einem Schreiben des Just'zministers geht noch her­vor, daß nach Mitteilung ber Er'assungsstelle für Hceresgut Gandorser vor einigen Wochen bei einer S tzung im Landwirtt'chaftämini, sterium zugab, daß 960000 Mk. durch Hinein- schicben von Kriegsanleihe in die Barerlöse von P'erdeversteigerungen erzielt wurden. Diele Summe fei auf Anforderung von Eisner und Genossen für bie Finanzierung der Revo­lution verwendet worden.

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