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Berlin, 8. Mai. (WTB.) DerReichs- ci n i e i g e r" veröffentlicht das Gesetz, betreffend die Grundschulen, das Gesetz, betr. die Aenderung des Gesetzes über die Wochenhilfe und die Wochen­fürsorge vom 26.9., eine Verordnung, betr. die vorläufige Regelung der Luftfahrt und eine Ver­ordnung über den vorläufigen Reichswirtschaftsrat.

Ludwigshafen, 10. Mai. (WTB.) Bei der gestrigen Wahldesersten Bür­germeisters wurde der tion den bürger­lichen Parteien aufgestellte Rechtsrat Dr. Weih aus Nürnberg mit 3000 Stimmen Mehrheit gewählt. Der von den Mehrheits- fozialisten aufgestellte Kandidat Hofmann er­hielt über 13 000 Stimmen. Die Unabhängi­gen halten keinen Kandidaten aufgestellt.

Die Ärontagausgaben der Berliner Blätter.

B e r l i n, !9. Mai. (Priv.-Tel.) Berliner Blätter teilen mit, daß infolge einer -Abmach­ung toiit dem Deutschen Transportarbeiterver- fcanb dem Zci.ungsträgerpersonal feine Zustän­dige Ruhepause gewährt wird. Die Mon­tagsfrühausgaben werden bis auf wei­teres nicht erscheinen. Die ersten Sonderaus­gaben zum Straßenverkauf erscheinen Mon­tag mittag.

Berlin, 10. Mai. Da die Zeitungs­trägerinnen am Montag nicht mehr arbeiten, find nur wenig Zeitungen erschienen. Der Verlag Ullstein wird ein Einheits- m o r g e n b l a t t, der Lokalanzeiger ein Mib- tagsblatt erscheinen lassen.

Berliner Kundgebungen.

Berlin, 10. Mai. In Berlin haben am Sonntag verschiedene Kundgebungen stattgefunden, außer derjenigen der Turner und Sportsleute für ein Spielplatzgesetz auch eine solche der am Kunst­leben Interessierten gegen die Lustbarkeitssteuer, der Versuch einer Zdommunistenkundgebung im Lustgarten mit einem Umzug die Linden hinunter bis zum Königsplatz und eine Massenversammlung von Betriebsräten im Zirkus Busch, in welcher als Vertreter der russischen Sowjetrepublik Schlapnick, Mitglied der russischen Gewerkschafts­leitung französisch sprach, während Däumig dol­metschte. Eine Entschließung der Versammlung sprach die Sympathie des deutschen Proletariats für Sowjettußland aus. Dann sprach Däumig über Sozialisierung und Rätesystem, zum Schluß Richard Müller für die Einheit des Proletariats durch Zusammenschluß der Betriebsräte, die auch in den politischen Kampf eintreten müßten.

Er^ergers Steuererklärung.

Berlin, 8. Mai. (WTB.) Oberstaatsanwalt Krause teilt mit: Die durch die Presse verbreitete Nachricht, es schwebe in der Angelegenheit der Erz- bergerschen Steuererklärungen ein Ermitt­lungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft I in Berlin, ist irrig. Zur Einleitung einer Unter­suchung kam cs auch bei der Staatsanwaltschaft III nicht. Die Staatsanwaltschaft darf nur dann ein­schreiten, ' wenn das zur Untersuchung und Ent­scheidung zuständige Finanzamt die Vorgänge an die zuständige Staatsanwaltschaft abgibt. Eine solche Abgabe sand bisher nickst statt.

Die Bremische Verfassung.

Bremen, 8. Mai. (WTB.) Boesmanns Bu­reau: Die bremische Nationalversammlung beschloß in erster Lesung die neue Verfassung für die freie Hansestadt Bremen. Die Staatsgewalt soll vom «Volke ausgehen und ausgeübt werden unmittelbar durch die Gesamtheit der sttmmberechtigten reichs­deutschen Einwohner des bremischen Staates, die ihren Willen durch Abstimmung (Volksentscheid) und durch Wahl einer Volksvertretung (Landtag) äußert. Zur Förderung des Wirtschaftslebens wer­den verschiedene Kammern eingerichtet, die bei be­hördlichen Maßnahmen ein Mitbestimmungsrecht haben. Die Verfassung soll am 6. Ium 1920 in Kraft treten.

Katholikentag in Köln.

Köln, 9. Mai. (WTB.) An dem heutigen Katholikentag haben sich Arbeiter, Ange­stellte, Beamte, Akademiker-Verbände, Kaufleute, Gewerbetteibende usw. beteiligt. Nach einem Ponti- fikatamt im Dom, das Erzbischof Dr. Schulte ab­hielt, wurde die Tagung im Gürzenich-Saal ton dem Präsidenten, Oberlandesgerichtspräsidenten Staatssekretär a. D. Franke-Köln., eröffnet. Ober- bürgermeifter Dr. Adenauer übermittelte einen Willkommensaruß der Stadt Köln für einen glück- lichen Verlaut der Tagung. Erzbischof Dr. Schulte begrüßte die Teilnehmer und forderte zum Kampf gegen Unglauben und Materialismus auf. Dann bewegte sich ein Zug von über 3000 Personen mit über 3000 Vereinsbannern, sieben Musikkapellen durch die Stadt dem Versammlungen in 14 Sälen folgten, in denen hervorragende Redner sprachen, so u. a. Exzellenz Wallrafs, früherer Oberbürger­meister von Köln, für die Erhaltung der Kon­fessionsschule. Die Tagung endigt morgen mit Sitzungen der Bildungsausschüsse.

Kartoffetverwrgung un letzten Fahre völlig w sammengetowchen ist, hält die sübwe fldeutsche Land­wirtschaft nach wie vor an ihrem Beschluß vom 4. Februar d. Js. fest und fordert von der Ein­bringung der Ernte 1920 ab freie Wirtschaft für Kartoffeln.

3. Fleisch. Für ine Schlachtvieh-Bewirt­schaftung wird mit sofortiger Wirkung dahingehende Aenderung gefordert, daß das Schwein völ­lig aus der öffentlichen Bewirtschaf­tung he raus zu lass en ist; cben'v wird für Rindvieh völlige Freigabe verlangt. Sollte letz­teres sich nicht ermöglichen lassen, dann sind we­nigstens die Hausschlachtungen fveizugeben mit der Einschränkung daß der Landwirt hiervon kein Fleisch verkaufen dirf. Für Nutzvieh wird völ­lige Freiheit im Handel verlangt, msbesondere im Verkehr von Landwirt zu Lanbwlrt.

4. Mil d). Tie Bewirtschaftung der Milch ist mit Rücksicht auf die Versorgung der Kinder, der Kranken, der werdenden und stillenden Mütter vorerst aufrecht zu erhalten. Tie südwestdeutsche Landwirtschaft verlangt aber, daß die bereits im Februar ds. Js. erhobene Forde­rung zur Tatsache wird, nämlich, daß Mllch- preise und Milchzuleitung ton den Erzeugerge­bieten zu den Verbrauchsgebieten mit soforti­ger Wirkung nach Landesteilen durch Wirt- schaftskollegien geregelt werden gemäß den Vorschlägen der BeziEettsdelle für den Regie­rungsbezirk Wiesbaden tom 2. Februar ds. Js. Diese Wirtschaftskollegien müssen sofort zusammen­treten, d-.i sonst der Wiederaufbau unseres Vieh­standes und die totroepirige Versorgung der Städte mit Milch gefährdet ist.

5. Oelfrüchte. Tie Oelfrüchte und Ge­spinstpflanzen sowie alle übrigen Pflanzen, die nicht Nahrungsmittel sind, sind unverzüglich freizugeben. *

** Der Landesverband Hess. Bür­germeister hält am Mütwoch zu Frankfurts seine 15. Hauptversammlung ab.

Aus Hessen.

Die Forderungen der südweftdeutschen Lano- wirtschaft für das (Wirtschaftsjahr 1920/21.

R.L. In einer am 6. Mai in Darmstadt veranstalteten Vertreterversammlung südwestdeut­scher landwirtschaftlicher Mrufsverttetungen (ver­treten waren die Landwirtschasts-Mimmern Baden, Württemberg, Hessen, Wiesbaden, die Bezirks- bauernschaft .^kurHessen, die Bezirksbauernschost für Nassau und den Kreis Wetzlar und der Hessische Bauernverein: von der Regierung nahm der Leiter der Bezirksfettstelle, Geh. Oberreg ierungsvat Dröge, an der Sitzung teil) wurden einstimmig folgende Forderungen für die Bewirtschaftung «EmrtschMicher Erzeugnisse tm Wirtschaftsjahre n Die südwestdeutsche

Landwirtschaft ist grundsätzlich für die Auf- hebung der öffentlichen Bewirtschaftung des Brot­getreides Falls die Vorbedingungen hierfür vorerst noch nicht gegeben sein sollten, verlangt die füte westdeutsche Larchwirtsäiast, daß zu teil Mindest­preisen, die durch Verordnung vom 13 März b I festgesetzt worden sind, entsprechend der Steigerung der Löhne und der Erhöhung der übrigen Produktionskosten Düngemittel usw» automatisch Zuschläge treten. Da seit 8. Apri ds. Js. alle Futtermittel, die der Landwirt nick erzeugt, freigegeben sind, wird auch bre völlig Frei gäbe des Hafers verlangt.

2. Kartoffeln. In Anbetracht tes c schreckenden Rückganges, den die StartoifekuiGii fläche unter der Wirkung der Zwangsbenstrttcha tung erfahren hat und der Tatsache, daß i>

8 Uhr, ui der Aula aus feinen Dichtungen Vorzug lesen. Aus dem reichlichen Programm seien folgende Vortragsstücke besonders hervorgehoben: Der Dich­ter über sich selber, dieVten ch.,eitsphant)rsie" a .d. Insel, Heldengedicht, Anselm Feuerbach, Eine Erzählung aus unserer Zeit, An unsere Jugend. Außerdem bringt uns der Dichter eine Blutenlese aus seinen Deutschen Sonetten: An die Menschheit, Das biogenetiKhc Grundgesetz, Früh­lingsnacht, Trost vor dem Tode, An die Musiki Abgesehen davon, daß dieser Abend einen imserer größten zeitgenössischen Dichter zu hören Gelegen­heit gibt und der Besuch des Abends schon aus diesem Grunde dringend zu empfehlen ist, kann der Literar. Gesellschaft auf keine Weise für ihre edlen Bestrebungen besser gedankt werden, als durch allseitige Beteiligung der hiesigen ltterarisch inter­essierten Kreise. (Siehe heutige Anzeige.)

** Evangelischer Bun d. "Auf den heute abend 8 Uhr im Jvhannessaal stattfindenden Vor­trag von Pfarrer C l a u ße n-Judenbur^:Auf evangelischem Vorposten in Steiermark "sei noch­mals hingcwresen. Der Redner, welcher auch in anderen hessischen Städten mit großem Erfolg ge­sprochen Hal, ist besonders berufen, über die evan­gelische Bewegung in der alten Donaumonarchie zu berichten, da er ihr seit Jahr und Tag dient.

** Ter Akademische Gesangverein der im vorigen Jahve auf ein 160,ähriges Be­stehen zurückblicken konnte, aber durch die Ungunfl der Verhältnisse verhindert war, des Jubiläums in angemessener Weise zu gedenken, wird die unter­bliebene Feier in der Weise nachhv.'en, daß er am Mittwoch den 9. Juli das Hauptwerk Händels, den seit Jahrzehnten hier nicht gehörtenM e s - sias", in der Stadtkirche zur Ausführung bringt. Nähere Anzeigen erfolgen.

** Der Spielplatz-Werbetag fand gestern auch bei der Gießener Bevölkerung allge­meines Interesse. Auf tem Platz an der Hardt waren nicht weniger als 6000 Personen anwesend Uinb zur Auffahrt der drei Rudervereine, wobei 20 Bdvte in schöner Ordnung gleichzeitig auf der Lahn schwammen, hatten sich gar 7000 Personen an beiden Lahnufern eingefunden. Sämtliche Ver­anstaltungen, auf die wir morgen noch ausführlich zurückkommen werden, waren ton sckwnstem Maiwetter begünstigt und fanden lebhaften An klang.

** Deuts ch-Oefterreicher in Gießen und Umgegend wohnhaft, werden ersucht, ihre Adresse zwecks Heimatsangelegenheit an den Vorsitzenden der Zweigstelle Wetzlar, Sophiensttaße 10, gelangen zu lassen.

** Der Verband der Bureanbeam- ten beii den Hess. Staats- und Reichs­behörden veranstaltet am Mittwoch, 12. Mai, abends 6 Uhr, im Saale der Restauration Sauer, Oswaldsgarten, eine Versammlung, die Stellung zur Besoldungsvorlage nehmen wird.

** Der Evangelische Arbeiterver­ein unternimmt am Himmelfahrtstag feinen größeren Familienausflug nach Kloster Arnsburg (siehe Anzeige).

** Die Deut fchnation alle Volks- Partei veranstaltet am Mittwoch, 12. Mai, abends 8 .Uhr, im Hotel Einhorn eine öffentliche Wählerversammlung. Reckstsantvalt Brill aus Kassel spricht über Deutschlands Gegenwart und Zukunft.

** Die unabhängige sozialdemo kratische Partei hatte sich für gestern abend zur Eröffnung des Wahlkampfes den Berliner Ab­geordneten Adolf Hoffmann, den preußischen Kultusminister während der Volksbeauftragten zeit verschrieben, der im Caf6 Leib über das Thema Die Reichstagswahlenund b ic USP." sprach. Der Redner suchte seinen Zuhörern zunächst klar zu machen, daß der heutige Zustand nicht die gewünschte Freiheit sei, daß. wir ton der Dik­tatur des dlbsolutismus nur unter die Diktatur des Konstituttonellismus gekommen seien. Er be- schäfttgte sich sodann ziemlich äußerlich mit Schul- und Erziehungsfragen, denen er die Hauptschuld an den heutigen Zuständen beimißt. Man müsse die Menschen zum Denken Und nicht zum Glauben, zum Handeln 'imt> nicht zum Stillhalten und Ka­davergehorsam 'CrsicbeiL Das Gebäude des Kapi­talismus tönne erst dann 'rin gutes Fundament erhalten, wenn die Jugend im Sinne der USP. erzogen fei. Weiter führte Abg. Hoffmann u. a. aus, daß selbst eine unabhängige Mehrheit im Reichstag die sozialistische Gesellschaft nicht ein­führen könne: denn die Gegner des Sozialismus würden erst den Verzweiflungskampf um ihre Existenz führen. Das Proletariat müsse die Macht ergreifen, es müsse die Diktatur des Prole­tariats kommen. Die Wahl fei nichts weiter als 'ein. Weg zur Macht, der Reichstag nichts weiter als eine Tribüne, von der man zu den Massen sprechen und den Gegnern die Maske tom Gesichte reißen könne. Adolf Hoffmann ist ein tempe­ramentvoller Redner, der über sarkastischen Humor verfügt. Der weißhaarige Feuerkopf tat ein übriges, ihm lebhaften Beifall zu verschaffen. So lief es fast bei 'jedem Satze schmunzelnd durch die Rechen der zählreichm Zuhörer:Der saht's 'en awer", nämlich den feisten Kapitalisten und Bür­gern, die sich angeblich lieber eine Kugel durch 'den Kopf jagten, als daß sie arbeiteten. In der Aussprache ergriff nur der Mehrheitssozialist Re­dakteur Vetters das Wort und trat besonders dem Parteigezänk der Arbeiterparteien entgegen. Seine ruhigen und sachlichen Ausfüh­rungen wurden aber dauernd ton gehässigen Zu- rufen unterbrochen und Adolf Hoffmann benutzte das Schlußwort, um denVerrat" der Mchvheits- svzialisten nochmals dick zu unterstreichen. Das Bild ton derEinigkeit des Proletariats" war also sehr zweifelhaft.

** Ter Kreisziegen zücht Verein Gießen hielt am 8. Mai imEisenbahnhotel" zu Gießen seine diesjährige Generalversammlung ab. Es waren 43 Mitgliwer anwesend. Aus dem ton dem Vorsitzenden, Abq. Fe nche l-Oberhör gern erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen: Dem Verein gehören 1003 persönliche und 48 Drporative Mitglieder (Gemeinden) an. Tie Sante wirtschassskammer, der Kreis Gießen und die *ße- zirissparkassen Gießen und Grünberg unterftübten den Verein auch in diesem Jähre durch namhafte Zuwendungen. Ter Absatz von Zuchtvieh zeitigte ein erfreuliches Ergebnis, wurden doch durch Ver Mittelung des Vereins in 1919 insgesamt 146 Tiere mit einem Erlös ton 23 372 Marr abgesetzt. Ter Voranschlag für 1920 wird auf 6157,08 Mark in Einnahme und Ausgabe feflgeteat. Infolge der gesteigerten Unfbflen mußte der Mitgliederbeitrag ton 1 Mari auf 2 Mark pro Jahr erhöht werden. Ties ist unbedingt nötig, um zur Durchführung der vorgesehenen Förderungsmaßnohmen die erfordere liehen Mittel zu erhalten. Mit Unterstützung des Kreisziegenzuchtvereins werden am 30. Mai in Hattenrod, 20. Juni in Beuern, 27. Juni in Grim berg und 4. Juli in Utphe Ziegenprämi I ierungen durchgeführt. Äußer den vom Kvris-

Ein amtliches Verzeichnis der Schleichwaren.

Von den wichtigsten Gütern, mit denen haupt­sächlich Schleichhandel getrieben wird, enthält die neue Dienstanweisung zur Bekämpfung des Schleichhandels und Schiebertums bei der Eisen­bahn eine lehrreiche Aufstellung. Es gehören dazu Butter, Käse, Kartoffeln, Kartoffelmehl, Knochen, Leimleder, Margarine, Raps, Rübsen, Schmalz, Thomasmehl, Benzin, Benzol, Briketts, Brot, Tachsteine, Darrüben, Druckpapier, Fette, Fleisch, Fleischwaren, Fleischkonserven. Getreide, Graupen, Grieß, Kassee-Ersatzmittel, Kalk, Kar- toffeltrocknerei-Erzeugnisse, Keks, Kleie, Kohle, Koks, Kunsthonig, Kunstspeisefette, Malz, Marme­lade, Mehl, Mtlch, Oele, Oelfrüchte, Oelkuchen, Petroleum, Rohzucker, Rohtabak, Saatgut, Speck, Speisefette, Talg, Teigwaren, Toluol, Vieh, Lylol, Zeitungsdruckpapier, Zement, Ziegestleine, Zucker, Zuckerrüben, Zuckerrübensckmitzel.

Einziehung des schlechten Papiergeldes.

Bon dem Papiergeld befinden sich bekanntlich die kleineren Stücke, die als Darlehnskassensck-eine im Umlauf sind, in besonders schlechtem Zustande. Sie sind zum großen Teil stark beschädigt ober beschmutzt. Um diesen Uebelstaird zu verringern, hat die Hauptverwaltung der Darlehnsüassen den Reichsbank.nflalten Umtauschstücke zur Bersügimg gestellt. Die öffentlichen Kassen, Postämter usw. sind angenriefen worden d rauf hi izuwirken, daß die nicht mehr umlaussfähigen Darlehnskassen- scheine zurückgehallen werden. Die sch echten Schein: dürfen auch nicht mehr in G.ldbunden aus­genommen werden. Die Rssck-sban km fl alten sind ferner ermächtigt worden ässe Darlehnskttssen- scheine die genau in der Mitte durchgerassen sind, umzutauschen oder Ersatz für sie zu leisten, falls die beiten Stücke deielbe Nummer tragen. Bei Ein- und Zwesmark-Sck-einen müssen sic zusammen einen ganzen Schein ergeben. Es darf auch fein Verdacht eines Betrugsversuches bestehen. Tie Reste von Darlehnsöassenscheinen zu 1 und 2 Mk. werden ferner ausnahms-veise eingelöst, wenn das mit der Nummer nicht kleiner als die Hälfte ernes ganzen Scheines ist, also ittdnigslens g.'nau die Hälfte eines ganzen Scheines beträgt, auch wenn die beschädigten Telle offensichtlich aus Tellen ver­schiedener nicht -usammengehörigcr Scheine be­stehen oder das nummerlose Stück fehlt.

Valuta- und Badetaxe.

Von den vorpommerschen Ostseebädern, denen sich auch die des östlichen Pommern anschließen wer­den, wurde nach ter Meldung eines Frankfurter Blattes beschlossen, für die Ausländerbeson­dere Kurtaxen einzuführen und mit Rücksicht auf die Valuta von den Ausländern die fünffachen Gebühren einzuziehen. Die Bevölkerung soll dahin usttrrrichtet werden, daß sie ausländischen Käufern gegenüber die Preise entsprechend erhöhen muß. Der Aufenthalt dec Ausländer soll auf vier Wochen beschränkt werden.

Ein derartiger Beschluß ist sehr zu begrüßen und hat in Berliner Hotels bereits seit längerer Zeit m der Weise Anwendung gefunden, daß Aus­länder ihre Hotelrechnungen in der Währung ihres Landes bezahlen mußten. Ein derartiger Brauch wäre sicher auch für Bad-Nanheim zu empfehlen, das in diesem Jahve jedenfalls wieder reichlicher von Ausländern besucht wird.

Der Sonutagsvertehr am 16. Mai.

Äuf Grund tes § 105 b Abs. 2 bet Reichs- gewerbeordnung in der Fassung der Reichsverord­nung vom 5. Februar 1919 ist am letzten Sonn­tage vor Pfingsten (d. i. am 16. Mai ds. Js.) für alle Eteschäftszweige des Handels gewer- bes der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen und die Beschäftigung von Gehilfen, .Lehrlingen und Arbeitern von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags zugelassen.

Veranstaltungen.

Montag, 10. Mai: Felsenkeller, 8 Uhr, Hauptversammlung des Gießener Mietervereins. Gewerbesrnus, Kirchstraße 16, 8 Uhr, außerordent­liche Hairptversammlimg der Baugenossenschaft von 1894. Johannessaal, 8 Uhr, Vortragsabend des Evangelischen Buntes. Lichtspieltheater wie Samstag. *

** Per so nal Nachricht en. Als Nack>- folger für den als Direktor nach Lauterbach ver­setzten Physiker Prof. Stein an ter Oberrealschule zu Gießen wurde Dr. Chambr6, bisher Leiter der Höheren Bürgerschule zu Vilbel, berufen.

** Neuerungen bei der P o st. Wichtige Aenderungen treten bei Der Post am 6. Mai in Kraft, die noch nicht bekannt sind. Aenderungen ter Postordnung bestimmen u. a., daß der neu» eingesührte Zuschlag von 10 Pf. auf jede post­lagernde Sendung mit der Freigebühr zu ent­richten ist. Ein Postlagerbrief ist demnach mit 50 Pf., eine Karte mit 40 Pf. freizurnacken. Die neue Paketlagergebühr von 30 Pf. für jeoen Tag wird z. B. erhoben für postlagernde Pakete, un­bestellbar zu meldende Pakete und Nachnahme­pakete, für die Frist verlangt wird. Der Tag des Eingangs des Pakets unö der folgende sowie der der Ausbändigung, Sonntage und allgemeine Feiertage werten nicht gerechnet. Die Gebühr muß der Empfänger bezahlen, sonst wird die Sendung als unbestellbar behandelt. Der Absender kann aber durch einen Vermerk auf ter Paketkarte und dem Paket verlangen, daß die Sendung ihm nach Ab­lauf ter lagergebührenfreien Zeit zurückgesairdt werte. Auf ten Postsendungendurfte" bisher der Msenter seinen Namen, Stand und Wohnort nebst Wohnung vermerken. Jetztsoll" er dies tun. Auf Päckchen, Paketen, Bahnhofsbriefen und Briefen mit Zustellungsurkunde muß dies ge­schehen. Babnhofsbriefe sind nur noch für Bahn- hofsbnchhänd.ler für die von ihnen durch die Post bezogenen und für sie vom Verleger angemeldeten Zeitungs-Bahn^hofsbriese zulässig.

** Städtischer Seefischverkauf. Heute abend trifft wieder 1 Waggon lebendfrischer Cabliau, Schellfisch, Seelachs und Seehecht, Nord­seeware ein, welche morgen Dienstag am Vor- und Nachmittag in ten Marktlauben zum Verkauf kom­men. Wegen tes Himmelfahrttages treffen die Nach­woche keine Fische mehr ein.

** In der Lebensmitteltabelle, die am Samstag im Anzeigenteil veröffentlicht wurde, ist -ein Druckfehler unterlaufen; das Pfund K -A.- Sei fenpu l ver kostet 3 Mk. nicht 3,10 Mk.

** Das Fest der silbernen Hochzeit feiern morgen technischer Rcvisionsbcamter Georg Grünig und Frau.

** Literarische Gesellschaft. Wie­derum wird unseren hiesigen £ derart rcunben ein I genußreicher literarischer Abend tescheri, intern ter bekannte Dichter und geistvolle Dramattkcr Herbert Eulenberg aus Kaiserswerth a. Rhein ter Einladung ter Literarischen Gesellschaft Folge i leisten wird, am Freitag ten 14. Mai, abends I

A«» Stafct und Land.

Gießen, den 10. Mai 1920.

Zur Reichstagswahl

Der Kreiswahlleiter des Wahlkresses Nr. 22 Hessen-Darmfiadt" macht bekannt, daß die Kreis­wahlvorschläge für die am Sonntag ten 6. Juni 1920 stattfindenten Reichstagswahlen spüle­st ens bis zum Sonntag den 16. Mai 19 20 einschließlich bei ihm einzureichen sind. Die näheren Bestimmungen hierüber kommen Diens­tag ten 11. Mai im Amtsverkündigungsblatt zum Ateruck.

Die Wählerlisten für Gießen liegen ab heute bis einschließlich Sonntag, 16. Mai, auf ter Bürgermeisterei, Zimmer 11, zur Einsicht offen. Es ist für jeden Wahlberechtigten von größter Wich- tigfeit, sich zu überzeugen, daß er tatsächlich in den Listen steht, die lvahrscheinlich, itod? einige Mängel aufzuiweisqn haben. So werden besoirters viele Studenten noch nicht eingetragen sein. Wer nicht in der Wählerliste steht, darf nicht wählen.

BegrützungSfeier der Gietzener Heimkehrer.

Für b;e aus der Kriegsgeftrng-Mschaft' heim- getehrten Bürger ter Stadt Gießen tourte am Samstag auf der Liebigshöhe eine Begrüßungsfeier veranstaltet. Don ten etwas mehr als 300 ge­fangenen Gießenern, ine bis auf 12, die sich noch in Sibirien bifmten, heimgesshri sind, hatte ter weitaus größte Teil mit seinen Angehörigen der Einladung der KriegsgefangLnercheimöhr stelle Folge geleistet und füllte ten großen Liebigshöhe- Saass Ter Abend wurde mit einem von Dr. H. Schneider verfaßten und von Frl. M. H o ch- ftettcr vorgetragenen Prolog eröffnet, der mit feinem Einfühlen der Stimmung bereu gerecht wurde, denen nach ost jahrelangem Sklaoenfrohn in Felntesland die Tore der Freihert unb Heimat geöffnet 'wurden. Justizrat Tr. Rosenberg, ter im Nam eil tes Oberbürgermeisters sprach, brachte in kurzen Worten ten Willkomm der Stadt­verwaltung dar. Tie Festrede hielt Dr. Schnei­der. Tas Leiten sei es, das die 9Intoe'enten zu­sammengeführt Habe und dieses Leiden berge eine schöne Erziehungs>aufgabe in sich, intern es einsehen lehre, daß die Verhältnisse nur besser werten in dem Maße, als wir selbst besser werden; ewiges Nörgeln und Kritisieren wurden die Welt auch nicht um Haaresbreite ändern. Als Gelöbnis für die Zukunft gab Dr. Schneider, her reichen Beifall erntetete, ten Heimkehrern folgendes Tichterwori mit: Nun schweige mir ieter von seinem Leid und noch so tiefer Not, sind wir nicht alle zum Opfer bereit und zum Tod. Eines steht fest in den Himmel gebrannt: alles darf untergehen, nur Deutschland, unser Kinder- unb Vaterland, Deutschland mutz bestehen.

In der Pause rourte den Steimgeteerten eine besondere Ueberraschung durch Ueteneicbung eines Liebesgobenpikets vom Roten Kr.-nz bereitet, das allerlei nützliche und angenehme Dinge enthielt; die einftegr-nteii Zigarren und Zigaretten waren von ter Stadt ge'pmtet. Me ter wurde jetem heim gekehrten Gießener cm Getenlblatt überr 'icht, dessen Text von Tr. Schneider verfaßt war. Tte Ausgabe d.-s Vertellers löste Kaufmann Boller mit gutem Humor. Wenn ter Banersche Gesang­verein und ter Orchesteroerein guck erst am Schluss? genannt werten, so trugen sie vielleicht doch das beste bei zu tem schönen und alle Teilnehmer be­friedigenden Verlaus des Abends und tourten auch burtb reiche Anerkennung belohnt.

Gießen int Flieder.

Gießen ist eine Stadt ter Vorgärten und we­nige Städte gleicher Größe sind so bis auf wenige Geschäftsstraßen in wohltuendes Grün eingelagert wie Gießen. Niemals aber ist der Anblick ter Gärt­chen so anheimelnd wie in diesen Tagen, da überall die Miederbüsche ihre vollen Dolden über die Güter mrd Zäune neigen und mit ihrem süßen Duft die Straßen erfüllen. Selten sieht man auch Flieder in )o mannigfacher Artung. Vom zartblauen Lila bis zum rotgefättigten Violett sind alle Schattierungen vertreten und tefenterst reizvoll ist ter Zusammen­hang der Farben mit den in Gießen ebenfalls sehr bevorzugten Sttefmütterckren, deren farbiger Samt bi rate Teppiche zusammenwirtt. Sind uod) blühende Obstbäume in ter Nähe, ober flammt ein Kasta- I nienbauin nebenan, wie ein riesiger Kandelaber mit

Kerzen in den Azur, so entstehen neu man immerzu stehen bleiben ed Keller ausrufen möchte:Trinke dem goIonen

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