Samstag, 10. April 1020
Erstes Blatt
170. Jahrgang
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Vie Lage im Ruhrgebiet.
Vertreter der Entente in Esten.
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Sie Spitze abzubrechen.
Es bleibt zur Rechtfertigung des deutschen Vorgehens im Ruhrgebiet we- ®ig mehr zu sagen übrig als was in den amt- liwenKomnrentaren int£> Feststellungen unserer
George als auch Curzem hatten London über tue Osterseiertage verlassm. Donar Law, der den sran-
österreichischen Grenzfragen zu regeln, insbesondere die Frage der Räumung Radkersburgs und die Abstimmung in Kärnten. Dann beschäftigte er sich mit der schwierigen Ernährungslage Oeslerreuhs und der Notwendigkeit neuer Aushilfen «m Nahrungsmitteln und Rohstoffen. Ministerpräsident Nitti gab die Bereitwilligkeit des italieniichTn Volkes kund, den deutschen Bewohnern von der Oberetsch gewisie Einrichtungen und örtliche Auto-
Angelegenheiten gehört werden Millerand wird auch zur gegebenen Beit in d.'r Sanin ei eine öifenllidk' Erllärung abgetem. Weil>:r nie tvi s? - ihij., bat der französische Botsck.iiler in London beauftragt worden ist, der brüifdxn Re ft rung die Antwort der sianzösi elfen Negierung am bi* ihr am Donnerstag zugegangenc Note zu übnintt- teln. Millerat>d bat dieses Dokument g *ftern nach- mittag dem englischen Botsd>if:er in Paris, !rord Terbi), zur Kenntnis gebracht.
Tie belgische Temonstralion.
Paris, 9. April. (WTB.) Ter b c l g i 1 d) c Geschäftsträger in Paris bradttc Inite der ftanzösiscden Regierung vsfiziell den Bg'dfluß der belgischen Regierung zur Kenntnis, sidt den r a n z ö s t s cke n B c s a h u n g v m a ß na h m c n in Teutfdjlano anzuschließen.
die Laqe im Industriegebiet zu informieren. Vo» den zulländigen Stellen Lmnte ihnen l icht nachgewiesen werden, daß bei der Besetzung des Ruhrgebiets die Versailler Friedensvertragsbesftmmun^
Die internationale Finau^onferenz.
Haag, 9. April. (WTB.) Wie dem „Nieutve Eourant" aus London gemeldet wird, wird die internationale Finanz k o n f e r e n z in der dritten Maiwvche in Brüssel tagen, besonders wegen der F r a g e des Wechselkurses der verschiedenen Länder.
„Teilt} News" ging Frankreich vollkommen un abhängig von seinem englischen und ita
Tie Rote Garde in Plauen.
Plauen, 10. April. (WTB) Die Rote Garde besetzte heute die hiesige Jnsanteriekasern« sowie den Bahnhof.
Freundschaftliche Beziehungen Oesterreich- und Italiens.
R o m, 10. April. (WTB.) Staats kanzl er Renner hat bei seiner gestrigen Aussprache mit Nitti den lebhaften Wunsch ans gedrückt, die
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Die Herabsetzung der deutschen Hecresbestünde.
» Paris, 9. April. (WTB.) Havas. Der Präsident der deutschen Delegation Göppert lieft dem Ministerpräsidenten eine Note zugehe i, in der um eine dreimonatlich' Verlängerung, der Frist uachgesucht wird, die am 10 April abläust und nach der die deutschu Hecresbenände gemäft Protokoll vom 8. Autzust 1919 herabgesetzt iverden sollen. Ministerpräsident Millerand hat sich damit einverstanden erklärt, daft die Kommission für auswärtige Angelegenheiten sich in der össentlichn Kammersitzung am Montag darüber ausspricht.
Die Auslieferung deutscher Schiffe.
London, 9. April. (WM.) Die deutsche» Schlachtschiffe „Old nburg* unö „91a Hau" sind gestern audgelterert worden Tie Schifft winden auf So? von dem Schladit- kreuzet „Tiger" und der Zerstövkrslotill m Empfang genommen und nach dem Firth os Forth geleitet Die Besatzungen werden auf ein Devvt- sch'ft übergesührt und nad) Deutschland zorrück- gebracht.
Die Haltung der Entente gegenüber Zranireich.
Amsterdam, 9. April (Wolff.) Nach dem Bericht eines be^onderm itorre XJitbenten der
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auch Organe wie das „Berliner Tagebl." für Unwahrheit. Das Blatt schreibt: „Eine Militärportei hat jetzt in Deutschland keine Gewalt!" Vorher las man's leider in diesen Streifen vielfach anders. Ohne Rücksicht auf die Ohren uni) Augen des Auslandes sind von einzelnen Organen weit übertriebene Dar- teHungen veröffentlicht worden, nach denen das Ausland wirtlich annchnien konnte, die Reaktion beherrsck>e Deutschland schon völlig. Die alte Methode, die uns schon vor dem Kriege so sehr geschadet hat! Der General Degoutte scheint ein eifriger Leser der „Frankfurter Ztg." gewesen zu sein. Diese Ijatte in den letzten Märztagen weidlich gegen den angeblich vorherrschenden reaktionären Militarismus sich ereifert, die Abberufung des Generals Walter gefordert und das Vorgehen des Kabinetts Müller gegen die Aufrührer des Industriegebietes als „nicht genügend durchdacht uno daher nicht zweckmäßig" bezeichnet. Wörtlich hieß es in der „Frlf. Ztg.": „Die Regierung mußte wis- en, daß der Aufruhr im Industriegebiet innerlich im Abbröckeln war und bald zu- ammenbrcchen werde, sie mußte wissen, daß >er Einmarsch der Truppen die Arbeiterbevölkerung wieder an die Seite der Roten bringen würde."
Das Blatt hat nicht nur auf Grund unzulänglicher Berichte und einer gewissen Voreingenommenheit die Lage im Industriegebiet falsch beurteilt, sondern es hat auch mit erregten Beschuldigungen gegen die Berliner Regierung den Franzosen Waffen der Recht-
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Das ist das alte, frivole Spiel mit nationalen Interessen, das von dieser Seite her immer getrieften ivorden ist. Nein, da hat der „Bor- oärts" recht, wenn er schreibt, im Ruhrgenei habe zuletzt nicht mehr Arbeiterpolirik, andern Räuberei und Verbrechen geherrscht. 3u ihrem sachlichen Vorgehen war oem kabinett Müller kein Vorwurf zu machen. Es sat indessen seine eigentliche Prüfung noch zu bestehen in den großen^ innerpolitischen Fragen, die in den letzten Tagen neu aufge- taucht sind . . .
Aber die Prüfung, was zu tun und zu unterlassen war, betrifft auch andere Organe rls die Regierung selbst. Der französische General Degoutte hat von dem „Druck !>er Militärpartei" gesprochen, unter dem der Reidjskanzler in den Fragen des kuhrgebietes gehandelt habe. Dies erklären
Wochenrückblick.
In unserer Ofberbetrachtung hatten wir beiläufig erwähnt, daß Frankreich sich noch im Kriegszustand fühle; inzwisck)on hat es durch die Besetzung weiterer deutscher Städte und Sanbesteile wirklich nach kriegerischem Lorbeer gegriffen. Diese Leistung finbet aber in der Welt keinerlei Bewunderung, nicht eitt- mal Billigung, sondern vorwiegend unwilliges Naserümpfen. Soweit die deutsche Zunge klingt, sind durch den Gewaltstreich lediglich Hatz unb Verachtung geweckt worden. Der Ausdruck „S h h l o ck-Po li t i k", den wir auf die französische Praktik augetoanbt hatten, ist uns dann auch in den Darlegungen vec deutschen Regierung begegnet.
Vielleicht aber stehen hinter dieser Shtz- kock-Politik Frankreichs doch noch einige andere Beweggründe, die mehr als Haß und Rache bedeuten? Die neueste Note Millerands Hal Bedacht darauf gelegt, einige mildere Saiten zu dem brutalen Kriegsspiel zu zupfen, indem er nämlich den guten Willen Frantz- veichs betonte, gemeinsam mit Deutschland am Ausbau des Wirtschaftslebens zu arbeiten. Dahinter steckt zu einem guten Teil erzwungene Anlehnung an die Wünsche Amerikas, Englands, Italiens. Die französischen Machtpoli- tifer fühlen, daß ihre .Heldengröße nicht auf festen Füßen ruht. Aber was hat sie nun eigentlich so weit getrieben, daß sie es in engeren Rahmen dem Juden von Venedig gleichtun? - Sie sühlen, um es kurz zu sagen, daß der Eisftlock des Gewalt friedens von Versailles stark durch Verdunsten abnimmt. Sie wollen ihn aber in seiner ursprünglichen Gestalt und Größe erhalten; daher versuchen sie, wieder in die Kältetemperatur hineinzukommen. Ein Gemisch von Angst für die Zukunft und angekränkelter Siegereitelkeit diktiert in Paris die Entschlüsse. Und die Not der Zeit fühlt man dort so gut wie bei uns, denn der Franken- kurs stürzt abwärts ... Da das Gebälk des französischen Militarismus vorläufig noch Wt, da in Frankreich die innerpolitische Be-' rngungsfreiheit noch nicht in jene rasende Un- tebunbenfteit übergegangen ist, wie sie in Deutschland vorherrscht, so schlägt sich das Lerzweiflungsgesühl, die Erkenntnis von der eigenen Hilflosigkeit und Abhängigkeit, auf bie außenpolitische Abrechnung. Voll Ungeduld fordern die eitlen Gallier neue Entscheidungen heraus .. .
Wie ihre eigenen Bundesgenossen sich da- -u stellen werden, darüber haften wir noch Jöftere Nachrichten abzuwarten. Nicht ob diese Mächte Millerands Politik billigen werden, ist mehr die Frage, sondern wie sie ftanp Bein werden, nm den hochgeslogenen Hahn lieber auf feinen Hof zurückzubringen. Wir Deutsche aber haften einige ernsthafte Prüfungen anzustellen, was wir künftig zu tun oder su unterlassen haben, um ernstlichen Gefahren
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Viesen worden. Aber ob das diplomatische Ge- ßchick unseres auswärtigen Amts in seinen Verhandlungen mit Frankreich so groß und ausreichend war wie das moralische Recht, aut Aas wir uns stützen konnten, wenn wir die Nachsicht der Alliierten in der sogenannten neutralen Zone verlangten, das ist eine an- Se« Frage. Das Kabinett Müller ift sehr zaghaft und schwankend in die politische Arena -^treten. Routine und Sicherheit mangelten hm, besonders in der Formulierung und Ein- chätzung von Kundgebungen. Das Frank- urter Organ der Unabhängigen und auch die Berliner „Freiheit" greisen in der Kritik der Regierung direkt Partei für die Franzosen, fremi Deutschland habe sich einer Verletzung ks Friedensvertrages schuldig gemacksi: die Wähler würden dem Koalitionskabinett die Besetzung deutscher Städte schon ankreiden!
lienrichen Verbündeten Die parlamentarische Lage in Frankreich. erklärte weiter, bie
Paris, 10 ^April. lWTB.) Wie Die Havas-sftLisL Regierung wolle so schnell als möglich Mnntaa^^s fdk’tnt nicht aaenrur b-Tirfttet, anrb Millerand am M on-- die Handelsbeziehungen wieder aumchmen^ Hicrai?
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den hinsichtlich der KVpfstärke rächt übertreten mürben. Aud» überzeugten sich die Vertreter, daß die Reichswehr vom größten Teil der Bevölkerung mit Freuden empfangen wurde und rote simtlos die Behauptung ist, das Einrücken der Reichswehr fei ent neuer Ausbruch des Militarismus. Die frühere staatliche Sicherbeiispolizei übernimmt in der alten Stärke den Sicherheitsdienst in Essen, wieder.
Zum militärischen Einmarsch.
Münster in Westfalen, 9. April. (MTB.) Tausende von Arbeitern verließen die vorn Militär belebten Orte, um sich ins bergische Land zu begeben. Hierzu erklären Reichsroehrkornrnissar Severin g und Generalleutnant Matter, die Truppe komme xum Schutze aller Gutgesinnten und werde nur gegen die verantwortlichen Hetzer und gewissenlosen Führer ernschreitat. Man lege aber Wert darauf, daß die Irregeleiteten aufgeklärt un d zurü ck geroo nnen werden. Die Truppe komme nicht als Räch-rin. Wer nach dieser Zeil der Unruhe aus ehrlicher lieberzeirgung seine ^lbsicht, auf ungesetzlichem Wege etwas zu erreidjen, aufgibt und sich zu seiner bisherigen Arbeitsstätte nft-eder begeben wolle, werde von der Truppe ne Pebier Weise gehindert.
u / V. Ü ■ Berliner Regierung bereits gestanden hat. Die ’l Notwendigkeit des militärisckien Eingreifens . sand fest, ist durch bewegte Hilferufe aus der Ätag. ’0'' fcbrofttcn Bevölkerung unwiderlegltch nachge-
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unmittelbar bevorst-and. Daß die britische Die» gierimq, die franzö'isdx? Be etzung j.'tzt weder formell billigte iwch rnißbilligle, ftatle leinen Grund wahrscheinlich in der Unmöglichkeit, die Ansicht des gesamten Kabinel's einzulolen und mit Jtalim ju beraten. Tie brtlische Regierung war der Ansicht, daß es eine sehr scharfe AuSl.'gung des Frieden-.- verttagcs sei, meiin man Deutschland zwmg n wolle, den llnrulxai üt der lumtral *n Zorn u n tätig zuzulehen. Ter Beridsterstatt'r ist der An- fidyt, daß der Vormarsch eine ousgesprodien.' Sttasrnaftnaftnie ist, und als solche durchaus der biöfterigen Politik Fochs unb Mrllerands entlpridü, womit England und Italien bisher sich ntdät ern- verslanden erklärten.
Mailand, 9. April. (Wolff.) Dem „Cor- riere della Sera" wird aus Rom gemeldet, daft Nitti gestern nachmittag neueroings eine Unterredung mit dem beutfdjen Geschäftsträger hatte. In politischen Kreisen mcht man der Unterredung große Bedeutung bei. Sie wird in Zusammenhang gebracht mit den birrd) die Be- etzung der neutralen Zone verursachten Ereignisseit.
Ein förmlicher Protest Englands.
Paris, 9. April. (Wolff.) Der Spezialkorre- spondent des „M at in" in London meldet: „Man wird gewiß in Frankreich sehr überrascht davon sein, erialycen zu müssen, daft die britische Regierung jeder Erwartung suroiber heute nach Abhalttnug von zwei Kabinettssitzungen be- sdstossen hat, gegen die französische Aktion in Deutsdaland zu proteftieren. Diese Neuigkeit wird lmsere britiid)en Freunde, die in der Mehrheft seit zivei Tagen dauernd uns ihre Unterstützung versichert haben, ebenso überraichen wie uitS selbst. Eine Note osn- ziöscn Charakters, die heute durch eine Agentur veröffentlicht wird ,betagt: „Der Eindruck, der hier verbreitet ist und durch die von Frankreich abgegebene Erklärung bestätigt wurde, daß die alliierten und affogerierten Regierungen, nämlich Öh»Bbrrtamrien, die Bereinigten Staaten, Italien und Belgien, mft der sranzösrsd»en äieflierung vollständig einig seien, ist gänzlich irrig. Die Wahrheft ist, daß die alliierten und assozirerten dleqiermrgen der Politik eines Einrückens in die neutrale Zone immer entgegen gewesen sind. Er macht den Eindruck, datz die französische Regie^mg aus Gründen, die ihr gut schienen, dieses Einrücken aus eigener Initiative vorgenommen hat, ohne die Zustimmung der Alliierten abpmxtrien. Die Stellung der englischen Regierung zu dem Problem der sozialen Unruhen ist die, daß es allein eine Angetegenheit derjenigen Regierung ist, die jetzt^ nach Wiederherstellung des Friedens das deutsche Volk vertritt, imb daß es die Alliierten nichts angeht, da sich die Eretgnme außerhalb derjenigen Zone vollziehrm, für bie sie verantwortlich sind. Ter Korrespondent meldet dann dazu: „Tie offizielle Protestnote roerbe morgen l heute den 9. April) durch Lord Derby an Millerand übergeben roerben. Lloyd George, der gestern abend nad> London zurückgekehrt ist, !>at I/eute früh in der Downing ftrect den ftanzösischen Botschafter empfangen und mit ihm eine längere Unterredung gehabt. Lloyd George wftd am 9. April nach Parts in Begleitung verschiedener Persönlichkeiten reisetr. Die britische Regierung habe Eambon benackirichtigt, daß fie bie Frage der französischen Znterverrtion in Dentsch- land nicht in derselben Weise rote die französische Regierung ansehe.
Eilte dänische Stimme.
Kopenhagen, 9. April. (Wolfs ) Zu dem siattzoftschen B-irgel^n im Rheinland schreibt „Ekstrabladc l' u. a.: Man wacht in Parts mit großer Aitgst darüber, daß Deutschland nicht wi.der zu Kräften kommen tonn; die ganze frarv- zösische Politik ist darauf gerichtet, dies fo lattge wie mögltch zu verh.ndern. Zn England, Amerika und Italien ivünscht man ein Deutschland, mit dem man Handel treiben und von dem man kaufen kann. Es faitn kaum ein Zweift! darüber herrschen, daß die tieft Kluft, die bezüglich der Anschauungen über Deutschland besteht, mi ;tnem offenen gesähr- lidxm Konflikt zwischen «yrankreich und den an deren Ententemächten führen kann, wenn es nicht gelingt, den französischen Standpunkt zu beseitigen. Ehe dieser Standpunkt nicht vollständig bescftigt ift, gibt es auch keinen wirklichen Frieden in Europa. Ter ganz unbegrünb.'te Einmarsch frair- zösisdfer Truppen in grof^ deutsche Städte ift ein grauenhafter Ausdruck dieses Mangels an Verständnis Frankreichs.
Eine neue deutsche Note an zrantreich.
Berlin, 8. April. (Wolff) Der französischen Regierung ist folgende Note übergeben worden: „Die durch den Friedens vertrag nubt gerechtfertigte und vorher nicht angnünDtgte Besetzutta deutschen Gebietes hat zu zaftlreuhen Zwischenfällen geführt. Dabei hat u. a. eute Anzahl Deutscher den Tod crimen, eine größere An zayl ist pcrromtbet worden. Unter Wahrmtg , aller wer reveit Ansprüche, die der deutschenJKegrermtg aus dem ftarrzösischen Vorgehen erwachsen, em art ire schon jetzt, daß sie die französische Regierung leten- falls für alle Schäden haftbar macht, dte Aeuifdxnt durch die iüngücn Vorkommnis e e standen sind oder : Noch entstehen können. Eine »vefteve Mtttellung, • behält sich die deutsche Stegtenmg bis nach Er- ' lebigung der Einzelsälle vor.
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ertigung in die Hand gedrückt.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß siftse Abart der Demokratie, die nach dem Putsch so leidenschaftlich nach einer Linksorientierung gerufen hatte, sich heute schon in die Lage versetzt fühlt, an die Sozialdemokratie ernste Warnungen zu richten, daß sie beim Hinübertteigen nach den Unofthängtgen die Brüstung der Süoalitron nicht durchbreche. Die Generalkommissron der Gewerkschaften, an deren Spitze Herr Legien steht, hat bekanntlich in rein politischen Fragen ent- cheidend etngegriffen, und sie sucht triefet Verfahren neuerdings fortzusehen. Da wird nun von den führenden ftürgersichen Blättern der Regierungsmehrheit plötzlich allenthalben die Frage gestellt, ob der Gewerkschaftsbund ich zu einer Nebenregierung,zu einer Arbeiterklassenregierung, ausbilden dürfe. Es wird festgestellt, daß zu den Unterzeichnern eines neuen „Ultimatums" der Gewerkschaften neben dem Unabhängigen Crispien auch Herr Molkenbuhr vom sozialdemokratischen Parteivor- stand gehöre. Dazu schreibt die „Voss.Ztg.":
„Es gibt nur ein Entweder-Oder: Hat die sozialdemokratische Partei zu der Regierung in ter itfcc Führer sitzen, nicht das Vertrauen, daß sie die Berfassung und den Staat zu sichern weiß, bann nmß sie ihre Mitglieder abberufen unb entweder zusammen mit den Unabhängigen bie Regierung übernehmen ober bie Verantwortung ben übrigen Parteien überlassen. Unter feinen Umständen aber geht es an, zugleich drinnen unb draußen in der Regierung und in der Opposftion zu stehen." x
Auch das „33erl. Tagebl." meint:'
„Eine Partei, die sich aus lauter Lässigkeit oder Aengstlichkeit ihre Grundsätze unter ben Füßen wegzieften läßt, gibt sich selbst auf Vor diese Frage ist die Demokratische Partei jetzt gestellt, und sie muß an die Sozial de mpkratie die Frage riditen, ob sie noch weiterhin auf der gemeinsamen Grundlage der Demokratie mit den beiden anberen Koalitionsparteien mitzuarbeiten gewlllt ift Die Wahlen stehen vor der Tür: Da muß überall Klarheit geschaffen werden. Da bars es keine Eftterseits-Anberstckspalittk geben."
Der Reichskanzler hat in seiner von uns schon bekanntgegebenen Erklärung einem Vev- lreter der „Germania" gegenüber die Absicht ausgedrückt, sich keineswegs einseitig führen zu lassen. Wie er sich weiterhin verhallen wird, das gehört in das Kapitel der großem politischen Fragen, die wir vorhin angedeutet haben. Der „Vorwärts" verteidigt auch bis jetzt noch die Grundsätze der Demokratie, spricht daftci aber enn'chuldigend von einen „Periode der Erschütterungen", die wieder in ein normales Geleise gebracht werden müsse. Alles in allem: Das sind ebenso interessante wie wichtige Vorboten der Neiuvahlen, über die noch vrel gesprochen und geschrieben werden wird!
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