Einzelbild herunterladen

Fragen W in Anspruch nehmen müssen. Schließ- Lch sei es ihm unangenehnr geworden, Erzbergers Rat so hüufig ohne jei>e Gegenlerstung nachzusuchen. Ties s« die einzige Veranlassung gewesen, Erz- berger in den Au f s i cht sra t auf z nne h- men. Tie Zahlung der 40000 Mar^k erklärt sich dadurch, daß die Thyssenwerfe als Famllien- Unternehmen keine besondere Trvch«cke zahlen. Es könne keine Rede davon fern, daß Erzberger für bestimmte Leistungen entschädigt werden, sollte. Zu der Angelegenheit der Ueberngnung der G r u - ben von Briey, über die sich Thyssen in feinen Aussagen ebenfalls verbreitet, wurde der Geschäftsführer des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, Tr. Reichert, eingehend ver­nommen. Ter Zeuge bestätigte dem Nebenkläger, daß dem Abg. Erzberger keinerlei Geldmittel für seine Propaganda zur Verfügung gestellt worden seien. Erzberger habe stets den Slandpuirkt ver­treten, es müsse dem deutschen Volke klar gemacht werden, daß diese Uebeveignungspläne einer zwm- qenden Nvtwendigjfleit entsprächen. Uelftr bie I uliresolutivn sagte der Zeuge, daß er sie für eine ungeheure Störung der ganzen Friedens" Politik gehalten habe, die ein weiteres Zusammen^ gehmi mit Erzberger unmöglich machte.

Ter Rechtsbeistand Erzbergers läßt sich von Zeugen bestätigen, daß Erzberg.-r später über» hcorpt keine Einwirkung mähr aus die Propaganda des Vereins der Industriellem hatte. Als näch­ster Zeuge wird Freiherr v. Stein vernommen, der über eine Unterredung mit Erzberger .aus du: Zeit der Juliresolution berichtete. Bei tncftr Unter­redung habe Erzberger erllärt, bt2 Angliederung von Ämgwy und Briey stehe der Resolution nicht im Wege. Dieft wie bi; östlichen Wünsche jnen als Grenzregulierung zu erveichm. Ter Nebm- Näger Erzberger läßt sich bestätigen, daß er bei dieftr Unterädung ausgeführt habe, daß die Unterdrückung irgend eines Bvlfes nicht statt- finden dürfe.

Es folgen dann ausgedchnte Darlegungm des Zeugen Geheimrat Semper, der seinerzeit der Schutzverwaltung in Metz angehörte, über die ganze Angelegercheit Lo-ngach-Brfty und die Wün­sche, die vom Thyssen-Konzern in dieser Beziehung an die Regierung geltend gemacht wurden und über die ablehende Stellung der Schutzverw.cktMg gegenüber diesen Wünschm sowie die UntrroLun- gen, die in dieser Beziehung stattgefunden habm. Erzberger habe bei seinem Besuch in Metz im Juli 1915 auf die Frage, ob er als Dussichtsvat von Thyssen oder als Abgeordneter komme, ge­sagt, ,/rls Abgeordneter". Bei den Verhandlungen sei er aber für die Thhssenschen Sonder­wünsche eingetreten, die von der Schutz- Verwaltung nicht als im Allgemeinrnteresft lie­gend angenommen werden konnt.m.

Im weiteren Verlauf oes Prozesses Erzberg Helfferich wird von dem Zeugen Ministerialdu-ektor non Schönebeck bestätigt, daß Erzberger von der-Absicht geleitet irotben war, die Erzforoerung im allgemeinen Interesse zu fördern, mtbefümmert um die finanziellen Interessen des Thyssen-Kv n- zerns. Der Zeuge Dr. Wildgrube bekundet aus Befragen, daß nach seiner Meinung die Trennung Thyssens von Erzberger auf Anregung Thyssens erfolgt sei, nicht umgekehrt.

Die Verhandlung wurde sodann auf Dienstag vertagt.

Au» Stadt und Land.

Gießen, den 10. Febr. 1920,

Revision der Testamente.

Geh. Finanzrat Gil le r macht in der Darm st. Ztg. darauf aufmerksam, daß die außerordentliche Verteuerung der Lebensmittel und des sonst zum Leben Notwendigen, ganz besonders aber die Ver- mSgensabgabe inti) die Abgabe vom Vermögens zu­wachs viele Interessenten schon jetzt veranlassen werde, die von ihnen errichteten Testamente zu revidieren. Tenn wenn die Testatoren ihre Bestimmung in ihrem letzten Willen nicht nach­prüfen und abändern, so kann es geschehen, daß der wahre Wille nicht -um Vollzug kommt. Wird doch in gar vielen Testamenten dem Haupterben auferlegt, eine Reihe von Vermächtnissen auszu- zahlen, die aber nach dem Vermögensstand bestimmt sind, in welchem die Vermögensabgabe, die Teue­rung und der damit verbundene Kapidalverbrauch sowie der Kursverlust und die Kapitalentwertung nicht berücksichtigt werden konnten, weil sie zur Zeit der Errichtung des Testaments nicht in Er­scheinung getreten waren. So kann es kommen, daß, wenn der letzte Wüte bestehen bleibt und nicht revidiert wird, der Erbe wenig oder gar nichts erhält, weil das Vermögen sich auf einen Betrag ermäßigt hat, der nur zur Belieferung der Bemrächtnisse ausreicht. Tiefer kurze Hinweis möchte doch der allgemeinen Beachtung wert sein.

Reu eingelegte Personeuzüge.

Don gestern ab sind wieder 3 neue Personen- züge eingelegt:

Zug Nr. 780 GießenFrankfurt, ab Gie­ßen 12.

Zug Nr. 786 KasselFrankfurt, Gießen an 218, Gießen ab 226. Tiefer Zug verkehrte bisher schon ab Gießen.

Zug Nr. 773 FrankfurtKassel, Gießen an 12«, Gießen ab 1239.

Veranstaltungen.

DienStag, 10. Febr. Deutsche bdmotci# tische Partei: Mitgliederrbend. 8 Uhr, Agurruim. Uferini Zauberabend. 8 Uhr. Einhorn. Lichtspielhaus.Panopta". Lichtspiele «L^lters- weg.Tie Herrin der Welt". 2. Tül.

** Eine Haussam mlung zum Be­sten der aus Elsaß-Lothringen ver­triebenen Deutschen soll vom Rttttwoch bis Freitag dieser Woche hier stattfindrn. Die Franzosen treiben seit der Besetzung des chemalrgen Reick^landes dort eine furchtbare Deutschenvecsol- gung. Alle Deutschen werden aus dem Lande auSgewiesen; ihr gesamte Vermögen irrrb unter ZwcmgsverValtung gestellt und zu Spottpreyen veräußert. Arm und hilflos kommen die Vertrie­benen in die ölte Heimat zurück. Ohne .«itgehmd: Hilfe können sie sich feine neue Existenz grün dm. Der Fürsorge-Ausschuß bittet alle Einwohner Gießens um eine Gabe, damit er in der Lage ist, wenigstens das Notwendigste für die verttrebe- nen Deutschen zu beschaffen. Wohnimgeir musien Hergerichtei, HauShallungs- und Arieiisg^lrt mutz geliefert werden. Die Not ift groß,! Zungen und Mädchen der hiesigen Schulen 1>aben es über­nommen, in den Häusern zu sammeln. Wir intten, die Jugend bei ihrem Hilfswerk zu unterstützen und durch reichliche Gaben den arm gewordenen Deut­

schen zu helfen. r ,.

** Ein Bahndieb gefaßt. Ter am hie­sigen Bahnhof begangene Stofs- und Schuho^b- stahl 'fort seine Aufklärung gefunden. Der Kri­minalpolizei gelang es, den größten Teil oes ge­stohlenen Gutes im Gewahrsam eines Ansyllfv- schaffners aufzufirrden und diesen in Untersuchungs- Hast zu bringen. Bon dem gestvhienen Hemden­stoff sind bereits 67,50 Meter an andere Per­sonen verkauft. Diese werden aus gefordert, dm Stoff alsbald bei der Kriminalpolizei abzulvefern, andernfalls Anzeige wegen Hchlerei erfolgt.

** Treibriemendiebstahl. Aus einem hiesigen Sägewerk wurde ein Treibriemen, etwa 12 Meter lang und 12 Zentimeter breit, entwendet. Damit sind aus z-vei hiesigen Werfen kurz hinter» einander Treibriemen gestohlen worden. Bor ,An­kauf wird gewarnt.

* Fahrraddieb stahl. Gestern vormittag wurde ein vor dem Lebensmitfelamt Gießen auf­gestelltes Fahrrad, MarkeTorpedo Nr. 42", mit der Fabriknummer 147903 und Polizeinummer schwarzes G 2553, an dem Vorderrad befindet sich ein neuer Reif, entwendet. Vor Ankauf wird gewarnt.

** Freibank. Mittwoch den 11. Februar werden von 13 Uhr die Nrn. 881950 beliefert.

** Kartoffel-Ausgabe. Tie Marken- belieserung der 5. Woche erfolgt nicht wie gestern bekanntgegeben wurde von Nr. 140, sondern von Nr. 110.

** Der Gießener Konzert ve rein ver­anstaltet Sonntag den 15. Februar nachmittags 5 Uhr in der neuen Aula der Universität fern nächstes Konzert mit Prof. Joseph S z i ge t i (Vio­line). Am Klavier Prof. G. Trautmann.

** Deutschnat ionale Volks Partei. Graf Luckner spricht! Es ist fast ein Jahr her, daß der tapfere Kommandant desSeeadler/' aus der Südsee zurückkehrte, wo ihn die Engländer auf einer einsamen Insel unter scharfer Bewachung aefangen hielten. Er war ja chrteuerster Ge­fangenes", wie sie selbst sagten, der kühne Segler mit seiner unerschrockenen Besatzung hatte ihnen tüchtigen Schaden zugefügt. Nun hört man mit Staunen aus des Führers Munde von all den abenteuerlichen, \ schier unglaublichen Erlebnissen, die das Schiff auf seiner Fahrt gehabt hatte. Wenn man von allen diesen. Dingen aus dem Munde des Grafen Luckner erzählen hört, dann gewinnt man neuen Mut, an eine bessere Zukunft zu glauben. Wo er sprach, hat er hohe Begeisterung entflammt, denn seine Taten sind ja so wenig bekannt. Auch uns will er davon erzählen; er spricht am Mitt- nwch den 11. Februar, 8 Uhr abends, im Hotel Einhorn. Einlaßkarten bei Ernst Challier.

** Uferini-Zauberabend. Wer sich für einige Stunden gut unterhalten will, dem kann ein Besuch bei Uferini nur empföhlen werden. Verblüfft und erweitert wird er den geschickten und fixen Vorführungen folgen. Wenn Totenkövfe hell­sehen und orakeln, aus Sägemehl Wasser und Feuer Tauben werden, wenn aus einem Zylinder- Hut ein ganzes ballistisches Arsenal herauskommt, so scheint das nicht mit rechten Dingen zuzugehen; oder wenn Uferini über seine und seiner Tochter Person die Macht des gegenseitigen Austausches hat, man muß seinen unheimlichen Koffer ge­sehen haben und den Teufelstanz, um sich eine Vorstellung von fabelhafter Geschwindigkeit und Sicherheit machen zu können. Wurde aber mit all diesem der Verstand unterhalten, jo kam auch das Auge zu seiner Freude: der Toppelserpentinen-, Tanz von Frau und Tochter Uftriuis mit feinen Beleuchtimgssvielen. Also nochmal: Wer sich nette ' spannende Erholung gönnen will, sei auf Uferini hingewiesen.

1 Landkreis Gießen.

* Climbach, 8. FM. Elstern feierte unfttr i langjähriger Bürgermeister Stein fernen 72. Ge- ' burtstag. Aus diesem Anlaß brachte ihm der hie­sige Gesangverein Liederkranz ein Ständchen. Der t Vorsitzende des Vereins, Herr Burck, gjebadtte der verdienstvollen treuen Amtsführung des Jubilars.

i. Ettingshausen, 9. Febr. Bor gut besuchter Versammlung sprach am Samstag aber-, in der hiesigen Kirche Tr. Schlarb aub Geeßm über den russischen Bolschewismus und fern? Er­fahren. Die ernsten Worte verfehlten iHv: Wir­kung nicht. Ter arrtibolschewistis chen Ligo nur» den MitgliÄrer gewonnen. .

Geilshausen, 9. Febr. Der Bitte der Kommandantur beS Durchgangslagers Greß en um Lebensmittel wurde reichlich nachgekommen. Neben vielen anderen Sachen wurden abgeliefert: 30 Laib Brot, 61 Eier, 8 Pfund DSrrflersch und Wurst, 240 Pfund Kartoffeln.

O Grünberg, 9. Febr. Am Samstag abend hielt der Eisenb ahnerverern Grnn- berg-Mücke und Umgegend in der Wigen Turn- Halle sein Wintervergnügen ab. Em Theaters tun Wir Eisenbahner", sowie Mufikvvrttäge und W moristisch« Darbietungen fanden bei den sehr zahl­reich erschienenen Besuchern lebhaften Anllang.-1 Am Sonntag abend l)atte der Kriegerverern seine Mitglieder mit Angehörigen zu ernem Fa- inaliitnabenö in denRappen" eingeladen. Im Mittelpunkt des Abends stand ein LacMildervar- krag über Thüringen. Ein kleines Theaterstück sowie einige humoristische Sachen vervollständigten das Programm.. t ,

O Grünberg, 9. Febr. H«r wurden teite die durch freiwillige Abgabe aufgelnxu^en Kartoffeln in einem Waggon verladen. Im ganzen waren durch diese Abgabe über 100 Zentner zusammengebommen. Tie Kartoffeln gehen an das Lebens mittelamt Gießen. ,

LJ Lang-Göns, 10. Febr. Der Gesang­verein Germania feierte gestern abend sein 29jähr. Sttftungsfest, verbunden mit einer Gedächtnisfeier für die Gefallenen (20 Mitglieds). Die Gedächtnis­rede hielt der Ehrenpräsident Anton Müller.

X Wieseck, 9. Febr. öeute begehen in?? Eheleute Wilhelm Valentin und seine Ehefrou Margarethe, geb. Drescher, das F-st der silber­nen Hochzeit.

Kreis Alsfeld.

a. Flensungen, 8. Febr. Am vergangenen S)nntag fand im Bahnhofs^staurant die General­versammlung des hiesigen Kriegeroereins statt. Der bisherige Vorsitzende, Karl Schumann, welcher sett Gründung dem Verein 31 Jahre lang Vorstand, wurde zum Ehrenpräsidenten gewählt. Als neuen Vorsitzenden wählte man Gustav Brännig I. Auch noch weitere Vorstandsmitglieder wurden durch neue ersetzt. Die Versammlung ncchm einen recht an­regenden Verlauf.

Kreis Schotten.

0 Gedern, 9. Febr. Die am 8. Oktober vorigen Jckhves vvrgenoinmene Volkszählung ergibt nach einer Bekanntmachung im Kreisblatt eine Einwohnerzahl von 1883 Personen. Gedern ist damit Ansichtlich der Bevölkerungsziffer von der 3. aui die 2. Stelle unter den Kreis gemeindest aufgerückt.

* Laubach, 8. Febr. Am Somtta-g tagte in Laubach eine M itgllederverso mmlung der freien Weißbindervereirligung von Schotten, Hungen, Grün berg, Laubach und deren Umgebungen, welche sich eines guten Besuches erfreute. Die Versamm­lung genehmigte die Statuten und ebenfalls die Preisliste, welche in einer gemeinschaftlichen Sitzung mit der freien Weißbindervereinigung Büdingen, Nidda ausgearbeitet war. In den Vorstand rourben gewählt: Ehr. Rühl und Fr. Spuck, Laubach, Carl Meiski, Schotten, Fr. Bock II., Grünberg, Gustav Heßler, Hungen und Jvh. Sieg, Münster. Als Ort der nächsten Versammlung wurde Schotten be­stimmt.

d. Oberlais, 9. Febr. Als Abgeordnete zur außerordentlichen Tekanatssynode wurden auf Grund eines Wahlvorschlages Konrad Diehlmann von Oberlais (Stellvertreter Friedrich Schauer- mann I.) und Konrad Müller von Glashütten (Stellvettveter Friedrich Hansel) gewählt.

d. Aus dem südlichen Vogelsberg, 9. Febr. Dir letzten Tage bringen uns das herr­lichste Frühlingswetter, wie wir es um diese Zeit im allgemeinen nicht gewohnt sind. Die höchsten Höhen unseres Gebirges bieten ein prächtiges Bild. Tie warme Witterung hat zur Folge, daß in den Gätten einzelne Bäume bereits Knospen treiben. Ta wir noch in den ersten Tagen des Februar stehen, ist nicht anzunehmen, daß das schöne Wetter von Bestand ist, daß vielmehr sich die Bauernregel bewahrheitet: Wärmt sich die Katz' im Februar in der Sonn', dann liegt sie im März hinterm Ofen.

Starkenburg und Meinhrffen.

RMK. Darmstadt, 8. Febr. Der Reichs­bund der Kriegsbeschädigten, Bezirk Hessen, hatte heute eine Versammlung im städti­schen Saalbmi veranstaltet, die sich von außerhalb eines guten Besuches erfreute. Zunächst sprach als Vertteter des Reichsbundes Maroke (Berlin) über die bisherigen Leistungen des Bundes und die jetzt gestellten, absolut nötigen Forderungen. Ihm schloß sich der Vertreter des Kyfsshäuserbundes Oberst von Neidhardt an, der sich int Allgemeinen mit den Forderungen des Bundes einverstanden erklärte unter Hinweis auf die timt dem Kysshäuserbund bisher geleisteten Unterstützungen. Dr. Franck (Pfungstadt) sprach hierauf über die Schritte, die zur Linderung der Notlage geschehen, können und müssen. Ihm folgte Rauck (Darmstadt), der über die zur Besserung der wirtschaftlichen Lage der Kriegs­teilnehmer und Hinterbliebenen notwendigen

Schritte sich verbreitete. In der sich anschließende« lebhaften Mrssprache, in der sich auch verschiede^ Vertteter des Internationalen Bundes der Kriegs-i beschädigten resp. der kommunistischen Partei inj ihren Anschauungen zurückweisen lassen mußten, da der Reichsbund auf neutralem Boden ohne irgend­welche Parteipoltti'k seinen Zielen zirsttebt, wurdes nachstehende Entschließung angenommene Die 'beute tagende öffentliche Versammlung be­tont auf das nachdrücklichste, daß sie es als eine unabweisbare Ehrenpflicht der Volksgesamthett be- ttachtet, in der Versorgung der Opfer des Krieges, der Kriegsbeschädigten und Kriegshinter bltebenew bis zur äußersten Grenze der Leistungsfähigkeit zu gehen, in dem Bewußtsein, Treue gegen Treue W setzen. Gaben die Kriegsopfer ihr Leben und ihre Gesundheit, so dürfen sich andererseits Regierung und Volk einer Wiedergutmachungspflicht nicht entziehen. Keine Regierung hat das Recht, vor größeren Aufgaben für die Kriegsopfer etwa zurück­zuschrecken aus Furcht vor dem mangelnden Opfer­sinn des Volkes. Einstimmig unterstützt die Ver­sammlung die von den Kriegsbeschädigten um Kriegshinterbliebenen aufgestellten Forderungen: Gewährung einer einmaligen Wirtschaftsbeihllfe, sofortige wesentllche laufende Rentenerhöhung- Ueberttagung der MittÄ der Nationalstiftung an die amtliche Fürsorge unter weitgehendester Mit­wirkung der Hinterbliebenen, Fortgewährung der Mittel für LLohlfahrtspflege und unverzügliche Verabschiedung des Gesetzes über den Einstellungs­zwang. Das Volk wird in seiner tiefsten Not nicht vergessen, was es seinen Toten, deren Hinterblie­benen und Kriegsbeschädigten schuldig ist." Nach einem Schlußwort des Referenten Maroke ucchw die anregend verlaufene Versammlung ihr Ende, In der Aussprache mußte sich allerdings der Dort lebhaften Zurufen unterbrochene, unvermerdlich- Stadtverordnete Eollmann wieder einmal sag«« lassen, daß er nicht das Recht habe, Polittk in die Versammlung zu tragen und sich als Volks- boglLcker anfzuspielen, da er ja bei allen wichtige« Ausschuß- und .Kornmiflionsberatiatgen fehle und mir erscheine um M Hetzen Und Unfrieden zu stiften, während er praktisches noch gar nicht geleistet habe, (Lebh. Beifall.)

Hessen-Nassau.

X Kassel, 9. Febr. An den Feindbund hat der Regierungsbezirk Kassel jetzt 17 60 Pferde ab-uliefern, während bishtt die Zchl von etwa 700 angenommen worden ist. Für landwirtschaftliche Versuchszwecke bat der Vvch- handelsverband Kässel der Lmdwittschaftsfemm« des Regierungsbezirks Kassel di.' Summe von 300 000 Mk. zur Verfügung geftdlt.

)( Marburg, 9. Febr. In einer heute in den Stadtsälen abgehaltenen, von dm Gruppen aller Parteien innerhalb oer Studentenschatt ein- berufenen allgemeinen Studentenversamm- lung kam durch sämtliche Redner der entschios- jene Wille zum Ausdruck, den schmachvollen Aus­lieferungsforderungen Widerstand zu leisten. Ls wurde ein Ausschuß gewählt, der die in BetvaLt kommenden Marburger dringend auffordern soll, sich nicht freiwillig zu stellen. Die gesamt» Stu­dentenschaft ist genullt, die auszuliefernden Mar­burger Bürger am Verlassen Marburgs zu ver- 'binbmt.

)( Marburg, 9. Febr. Mit der Wftde» belebung unserer heimischen Pferdezucht bffchäs» tigte sich eine heute rm Ledererschm Saale abge- haltene große Landwirte-Bersammlung. Tr. Sprenger von der Kasseler Landwirtschasts- vammer empfahl in einem längeren Vortrag ge­nossenschaftliche Hengsthaltung.

X Schlüchtern, 9. Febr. Wie verlautet, sind die Besitzungen des Grafen v. Huttm-Czopst! im sogenannten Huttenschen Grunde bei Rvmschal durch Küuf an den Besitzer des Schlosses Rnn« Holz (Freifrau v. Stumm) über gegangen.

Stenographie.

* Stenographengesellschaft Ga­belsberger. Aus Anlaß des Gebuttstages des Meisters Gabelsberger veranstaltete am Samstag den 7. d. Mts. die Stenogr.-GesellfchastGabels- äerger" und Damen abteilung Gießen E. V. eine Gedenkfeier auf der Liebigshöhe. Der 1. Vorsitzende schilderte die Bedeutung des Meisters. Gesangs-, Musik- und humoristische Borttäge folgten. End­lich gelangten die Preise, das Ergebnis des Vereinswettschreibens vom 1. Februar d. I., jur Verteilung, woran fick ein Ball schloß.. Preise erwarben: 240 Silben 1. und Ehrenpreis 0kw» Scholl, 200 Silben 1. und Ehrenpreis Ärrl Röhm, 1. Preis E. Pfeiffer, 160 1 Stta 1. und Ehrenpreis Elly Bingel, 1. Preis Lillv Herrmann, 2. Preis 3atob Schmidt, 140 Süten 1. und Ehrenpreis Helene Peter, 1. Preis Tilly Hoffmann, Liefet Lich, 120 Silben 1 und Ehren­preis Anna Bingel, Gretel Breitwieser, Wulr Reinhardt und Karl Heß, 1. Preis Gg. Wahl, Wilh. Momberger, Emil Schmoll, 2. Preis Hd. Ganß und Minna Eichmann, 100 Silben 1. mu> Ehrenpreis Frieda Zink, Kutt Kiel und Hillx Waldschmidt, 1. Preis Mathilde WadenpfilA Willi Schuhmacher und M. Kopf, 2. Preise Wm Philipp, Wilh. Rinn und Hch. Hofmann, 80 bin 1. und Ehrenpreis Theodor Hahn und Wm- Kratz, 1. Preis Marie Reichel, 2. Preis Gg. RiA' berg, 60 Silben 1. und Ehrenpreis Ludw. BrU^ Elis. Kramer, Hans Eise und Ludw. Weiers

0eegefpen)ter.

Roman von Anny Wothe.

Amerikaiachee Copyright 1918 by Amy Wothe-Mihn, Lriprig.

(Nachdruck verboten.) Fortsetzung 39

Wie Tage kam Peter Bvnfen, nach seinem Kinde zu fthen. Esttid fieberte seinem Kommen immer voll heimlicher Angst entgegen. Sie meinte oft, Peter müßte das Kind mit sich nehmen und sie würde es dann nicht wiÄrersehen. Aengstlich verfolgte sie jdie Miene und Bewegung P;ters.

Akte hatte die kleine Wiege dicht an ihr Lager rücken müssen und wenn sie allein mit dem Kinde war, plauderte Estrid mit ihrem Jungen genau so zärtlich und heimlich wie andere Mütter auch.

Du wirst deine arme Mutter nicht verlassen," flüsterte sie eindringlich,und wen-' sie uns tten- nen, die uns gar nicht lieb haben, wittl du immer wieder den Weg zu deiner Mutter finden. Nictt ira^r?"

Peter kam nie ohne eine Aufmerffamteir für Esttid. Eine seltsame Frucht, eine Blume, die soeben in der Heide erblüht und die sie jetzt nicht in ihrer wunderbaren Mütenpvacht sehen konnte, die silbernen Seidenblumen des Bollgraies brachte er ihr und die ersten grünen Zweige der jungen Mrken. Und er erzählte ihr von dem i, ospen- den, würzeduftenden Heidemeer, daß alle Kräuter blühten und daß^ es gewiß schon Sommer sein

würde, wenn er sein Kind über tnc Heide tragen würde, zum ersten Mal.

Esttid sagte nie ein Wott, aber sie lauschte mit dem Herzen auf den verborgenen Unterton, der ihr offenbaren sollte, daß Peter ihr Ferno war.

Sie vermochte rricht, ihn l-erauszulpüren. Heimlich zittette sie vor dem Augenblick, wo sre auffteben mußte. Sie mußte selbst nicht, was sie fürchtete.

Oft dachte sie> daß sie sterben wollte und ihr Kind mit sich nehmen. Wenn jedoch die großen .Kinderaugen sie so sttahlend ansckl)en, als könn­ten sie schon zu ihr reden, empfand sie schaudernd, daß ihr Wünsck)en Sünde mar.

An Inge wart Ferks dachte sie viel und jetzt erst verstand sie, wie weh sie ihm getan.

Die Mutter und Sölve waren zu kurzem Be­such bei ihr gewesen. Mutter Wibke hatte den Segen über des Kindes Haupt gesprochen und Sölve hatte den Jungen geherzt mid geküßt.

Bon Jngematt hatten sie nicht gesprochen wohl um sie zu schonen.

Als die Mutter ging, da hatte Esttid sich ein Herz gefaßt und ganz leise und schüchtern nach dem Kranken gefragt.

Mutter Wibke hatte den Kopf geschüttelt.

Es ist vorbei nut ihm. Sölve hofft zwar siwck) immer. Sie will, wenn es rbm besser geht, "vau toedxn- " WMe wischte sich zornig

Eines Tages trat sie mit Peter im Pesel zu­sammen, da sagte er kurz: , ,

Es geht dir wieder besser, Estrid. Ich habe gedacht, wir taufen den Jungen zu Pfingsten, vom es dir recht ist."

Wann hatte Peter in der langen Zett ihrer Trennung sie nach ihren Wünschen gefragt?

Bestimme das, wie du willst," gab sie av- lehnend zurück. , , ..

Hast du einen besonderen Wunsch, w« o» Junge heißen faH?" fragte Peter, an das brttK Fenster ttetend und auf die Wellen schauend, w drüben leise auf den Sand liefen. r.

Glühende Röte lief über Esttids Gesicht. Fall schüchtern trat sie an ihres Mannes Seite UM die wundervollen Augen vertrauend zu ihm aus' richtend, sprach sie leise:

Ich habe eine große Bitte an dich, du darfst nicht böse sein. Es ist nicht leicht für drL, sie zu erfüllen." ..

Wenn ich deine Bitte erfüllen flamt, so W Uc im voraus gewährt."

Esttid trat ganz dicht zu Peter hin, das hatü sie noch nie getan und scheu und zaghaft sie nach Peters Hand.

Was 'hast du," forschte er, fast verwirrt.

3d) möchte," flam es leise von ihren Ltppe"' daß der Jung Jngewart heißen soll."

(Fortsetzung folgt.)

mit der Hand über die Augenick dacht, Deern," fuhr sie fort, ,^he der Dod Eüjrrmt, müßtest du mal mit Jngewart reden.Een good Woord find't oftt goode S1Ä>."

Damit ivar sie gegangen und Estrid hatte darüber gegrübelt Tag unb Nacht Sie hatte keine Furcht mehr vor dem Gonger. Mochte er sie mit sich nehmen in die Tieft, bis auf den Meeres- grintb, aber chr Kind, das durfte er nicht anrühren Um dieses unschuldige Wesen würde sie mit ihm ringen.

Estrid litt schwer unter diesen unteren Kämpfen, und so kam es, daß sie sich lange nach der Geburt des Kindes nicht erholen konnte.

Peter Bonten war voll Nachsicht und Güte gegen sie, die ertrug sie säst weniger als feint Härte.

Esttid ging nun wieder im Hause umher, ohne indessen ihre wirtschaftlichen Pflichten wreder auf genommen zu haben. Weshalb sollte sie schlieh- ttch? Akte war da und wahrscheinlich brach ja doch alles nur zu bald zusammen ©ebuHng litß Ire sich von Akte die viele Milch aufnöttgen unb die frischen Eier. Sie mußte stark und kräftig werden, um bald fortzukömren mit dem Künde Sorglich hatte sie jeden Gvoschen des kleinen, von ttrrem Vater ererbten Vermögens gehütet Bfti mar es nicht, es sollte chr helfen, wott, weit fort zu fl3nnat.