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Ter Gietzever iBytgtr erscheint täglich, aufcer Sonn- und Feiertags, vezugrprei,:
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geschlossenen Lieferungen im Werte von 390, von Farbstoffen im Sökrtc von 200 Millionen Goldmark, öwie unsere Forderungen gegen Oesterreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei im Betrage von 7000 Millionen Goldmark. Dabei verdient ausdrücklich hervorgehoben zu werden, daß diese Ziffern die zurückgegebenen Werte und Waren, nämlich die belgischen Depots, Effekten usw. im Betrage von 480 Millionen G-oldmark nicht einschließen/' Der Minister betonte, daß die vorstehenden Zahlen mit großer Vorsicht ausgenommen seien, und beispielsweise den Verlust durch Liquidationen mit 12 Milliarden erscheinen ließen, wahrend er von anderer Seite mit Rücksicht auf die Wertfteigerungen auf 30 Milliarden geschäht wurde. Er schloß: „Wer
rulesrage, der Verstaatlichung Kes Bergbaues, der englischen Handelspolitik sowie ein: Reche ton Problemen der sozialen Ges'tzgebung vornehm rn.
Clemcnceau in Aegypten.
Kairo, 9. Febr. (WTB.) Harms. Eiern en ce au ifl im Sonderzug hier eingewofsen.
Bus dem besetzten Gebiet.
mc. Wiesbaden, 9. Febr. Die französischen Besatzungsbehvrdrn gehen gegen Leute, die ohne ordnungsmäßigen Paß das besetzte Gebiet betreten, mit unnach- sichtlicher Strenge vor. Zwei junge Mädchen aus Frankfurt müssen hier 14 Tage Gesängt- nis absitzen, weil sie keinen Paß hatten; ein. Beamter aus Frankfurt bekam in Höchst wegen desselben Vergehens 3 Wochen Gefäng,- nis, und eine Marktfrau in Mainz, die ihren Paß angeblich verloren hatte, muß neben 200 Mark Geldstrafe acht Tage absitzen.
Allenthalben beginnt man also, einzusehen, daß es Keinen Zweck hat, mit Deutsche land so umzugehen, wie mit der Henne, die die goldenen Eier legen sollte, die aber vorher geschlachtet wurde. Auch in Frankreich dürfte die furchtbare Erschütterung, welche die Markvaluta und in ihrem Gefolge auch die Frankvaluta in den letzten Wochen durchgemacht hat, manchen die Augen geöffnet haben. Frankreich, das gerade der treibende Faktor in der Wiedergutmachungsfrage ist, muß sich allmählich darüber klar werden, daß sich, die Wiedergutmachungsforüerungen nur dann in die Praxis umsetzen lassen, wenn man die Leistungsfähigkeit Deutschlands wiederherstellt. Der Franzose Jonnart ist zum Präsidenten der Wiedergutmachungskommission ernannt worden. Davon, wie er und seine Mitarbeiter aus den anderen Ententestaaten ihr Amt führen werden, wird viel für die weitere Entwickelung der wirtschaftlichen Zukunft Europas abhängen.
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d und M )), 1 Porte- Jnhalt, ein Dl. 1 «rief- lautend Zn- Kutter, eine Mk. Inhalt, illjeberhalter, schuh und ein •utter. , tänbe belieben nn an jedem 1 bis 5 llhr r. 1, erfolgen.
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’ die Räude 1 angeordnet
Für den Anschluß Oesterreichs an Deutschland.
Wien, 9. Febr. (Wolff.) Tel. Korr-Bureau. Gestern fanden in mehreren Wiener B'zirk.'n von der national-demokratischen Partei obgehaltene Versammlungen für Dm Anschluß an Deutschland statt, die überall stark besucht waren. Tie Redner und Redn.'rinnen erörterten unter stürmischer Zustimmung der Teilnehmer vor allein die wirtschaftlichen Seiten der Anschluß- ftoge. In allen Versammlungen wurde eine gleichlautende Entschließung angenommen.
H so- Envers Mott in
hmg auf Gold mark geschätzt uwrden ist, sind bisher folgende Leistungen bewirkt worden:
1. die Saargruben mit 1000 Mill. Goldmark,
2. die Liquidation deutscher Unternehmungen im Ausland auf 120(0 Mill. Goldmark,,
3. das Reichs- und Staatseigentum in den abgetretenen Gebieten 6600 Mill, (ist»ldmark,
4. die Handelsflotte mit 8250 Mill. Goldmark,
5. Naturalleistungen:
a) an Kvhbe 240 Mill. Gold mark,
b) an Maschinen 150 Mill. Goldmark,
c) an Eisenbahnmaterial 750 Mill. Gold- mark,
d) an Kabel 66 Mill. 'Goldmark,
6. das zurückgelassene Staats- und Heercs- eigentum, soweit es nicht unmittelbaren Kampfcharakter trägt, 7000 Mill. Goldmark,
7. die bisherigen Kosten für das Besatzungsheer 666 Mill. Goldmark.
Die Summe dieser Leistungen be-
Zur Präsidentschaftswahl in Amerika.
Newyork, 9. Febr. (WTB.) Havas. Hoover wird seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen niederlegen.
Ein amerikanisches Flottenprogramm.
Neuyork, 9. Febr. (Wolff.) Havas. Marinc- minister Daniels bereitet ein großes Flotten- Programm für die Vereinigten Staaten vor, das 16 Ueberdreadnoughts und 10 Panzerkreuzer umfaßt.
Haag, 9. Febr. lWTB? Ter „Nieuwe Cou- rant" meldet aus Washington: Marinesekretär Daniel, Vorsitzenber der Untersuchungskommission des Senates, erklärte: Tie Vereinigten Staaten müßten sich entweder dem Völkerbund anschließen oder die größte Flotte unterhalten. Er versicherte, daß die amerikanische Flottenpolitik von Frankreich und England gebilligt worden sei, und daß er dies durch vertrauliche Tokumente beweisen könne.
Die Eröffnung des englischen Parlaments.
London, 9. Febr. (Havas. > Das Parlament wird am Dienstag mit großer Feierlick/- keit eröffnet werden. Zum ersten Male f*it 1914 wird der König, die Königin intb der Prinz von Wales an der Sitzung lcilnehmen. D.'r König wird die Thronrede verlestn. Die starke. Sn- sron wird namentlich die Bei-andlung der Home-
Vie Aurllefeningrftage.
Berlin, 9. Febr. (Wolff.) Zu der verschiedentlich erörterten Frage der Möglichkeit einess Kompromisses in der Auslieferungsftage wird nach der „Deutschen Allgemeinen Zeitung"
Volkswirtschaft. Eine zerrüttete Volkswirtschaft I kann nicht die schweren Lasten der Wiedergutmachung erfüllen. Die deutsche VolKwirtschaft braucht dringend Kredit und Rohstoffe."
nähme der wirtschaftlichen Beziehungen mit Deutschland entschieden, und alle bisher in-k. or • -----------------....
Belgien angeordneten Beschränkungen aufge- ^snAerhaltung und Stärkung der eigenen hoben seien. Dieser Schritt würbe von Mitgliedern der Handelskammer lebhaft begrüßt. Der Haß sei während des Krieges notwendig, aber im Frieden müsse er verschwinden! Die liberale „Westminster Gazette" behauptet, daß der englische Ministerpräsident, Lloyd George, nicht nur in seiner Haltung Rußland gegenüber, sondern auch Deutschland gegenüber anderer Ansicht geworden sei. Lloyd George soll sogar geneigt sein, die von Deutschland verlangten Leistungen zu ermäßigen. Das Zustandekommen des holländisch-deutschen Kreditabkommens wird von niederländischer Seite mit Recht ein Schritt vorwärts zum Endziel, nämlick zu der internationalen Regelung der gesamten Weltkreditfrage bezeichnet.
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von unterrichteter Stelle erklärt, daß die deutsche Regierung ihren Standpunkt in der Note vorn 25. Januar fest umschrieben habe. Eine Heber» schreitung der dort gezogenen Grenze sei u n m ö g- l i ch. Unmöglich sei auch der Vorschlag, das Gericht in Köln einzusetzen. Damit würden die Angeklagten in die Gewalt der Entente kommen. Äis
dem mitge teilt wurde, daß^die Wiederauf-1 den durch den Krieg entstandenen Schaden wieder mit zu machen. Wir sind auch weiter bereit, nach I Kräften zu leisten; aber Voraussetzung dafür ist.
Der Relchrminister Hermann Möller über die auswärtigen fragen.
Berlin, 9. Febr. (WTB.) In einem dem Berliner Vertreter der „Chicago Sribune" gewährten Interview verwahrte sich Reichsminister Hermann Müller mit großer Entschiedenheit gegen die in der Ententepresse immer wieder aufgestellte Behauptung, drß Deutschland den Friedens vertrag nicht erfüllen wolle und bisher so gut wie nichts leistete. Ter Minister bezeichnete diese Beharrptung als grotesk und unwahr. Er versichette, daß man sich nicht genügend klar darüber sei, ivelche ungeheuren Verpflichtungen aus dem Waffenstillstands- und Friedensvertrag Deutschland bereits erfüllt habe. Er bemerkte, daß Frankreich zur Zahlung seiner 4 Milliarden Vdark betragenden Kriegsschuld nach dem Kriege von 1870/71 in weniger als 3 Jahren die Bewunderung der Welt erregte und verglich damit Deutschlands bisherige ünstungen, wobei er darauf hinwies, daß es für die richtige Bewertung derselben natürlich nicht darauf ankomme, was davon nach dem Friedensvertrage auf die erfle bis zum 1. Mai 1921 zu deckende 20 Milliardenrate als Wiedergut machu ng anzurechnen ei, sondern darauf, um wie viel Deutschlands Vvlksverrnögen sich durch die Leistungen verringert habe. „Rach Schätz/imgen der deut- chen Zentralbehörden," fuhr der Minister fort, ,bei denen der Wert an dem Zeitpunkt der Lei-
Blatt erhebt schärfsten Einspruch gegen den Vorbehalt der Begleitnote, wonach die alliierten Regierungen die Verbrechen berjenigen nicht zu amnestieren beabsichtigen, die in den beigefügten Listen nicht einbegriffen sind.
Amsterdam, 9. Febr. (Wolff.) Ter „Tele- graaf" metbet aus London: In der cngli|d)en Presse ist eine ausgesprochene Reaktion gegen die Verfolgung ber deutschen „Kriegsverbrecher" in diesem Umfang wahrzunehmen. Tie Ansicht geht dahin, daß mit der Verfolgung nur der Reaktion in Deutschland in die Hände gearbeitet würde. — Der „Sunday Observar" und die „Sun- day Times" schreiben, es dürfe nichts unternommen werden, was die jetzige deutsche Regierung in Gefahr bringen könnte. Ter Teil des deutschen Volkes müsse gestärkt werden, der ein Bollwerk gegen das Junkertum einerseits und gegen die Sowjetherrschaft andererseits sei.
Ein Beschluß des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten.
Berlin, 9. Fe-br. (WTB.) TerAusschuß fürauswäriige Angelegenheiten faßte das Ergebnis seiner ^Beratungen in der A u slie- ferungsfrage dahin &ulammen, daß er sich mit dem! bisherigen Verhalten und den vorgesehenen Schritten der Regierung in dieser Frage einverstanden erkläre. Tie Besprechungen wcwen streng vertraulich.
Eine Reuter-Erklärung über die AuSlieferuugSsrage.
London, 9. Febr. (Wolff.) Reuter. Tie durch die Auslieferungsliste cmtstandene Lage beruht auf einem Mißverständnis. England hat keine Einsicht in!die französischen und belgischen Listen. Von einer plötzlichen Aende- rung der britischen Ansicht konnte keine Rede sein. Es handelte sich jedoch darum, daß England in Zusammenhang mit den Listen gebracht wurde, die es nicht gesehen hatte. Der Besuch des Lordkanzlers, des Kanzlers und des Attorney- General in Paris hatte zur Folge, daß die Angelegenheit vollständig gehört wurde. Eine Abänderung der britischen Liste ianb nicht statt. Listen werden Gegenstand eines Gedankenaustausches zwischen den Alliierten und den Deutschen sein müssen.
tragt 36 722 Millionen Goldmark. Dazu kommen die bereits begonnenen aber noch nicht ab-
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Die militärische Befttzung von Plauen?
Berlin, 10. Febr. In Plauen i. V. sind laut „Berliner Lokal-Anzeiger" gestern nachmittag Reichs wehr truppen eingerückt. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. Die militärische Besetzung der Stadt steht vermutlich mit Streikgelüsten in der Textilindurstie im Zusammenhang.
Vom Hessischen Volksbund
ist, n>ie uns mitgeteilt wird, folgendes Telv- gramm an die A^ichsregierung gerichtet worden: „Der Vorort Cassel des Hessischen« Volksbundes gibt seiner Empörung Ausdruck über das Auslieferungsbegehren des Verbandes, das, jedes moralischen Rückhaltes bar und aller menschlichen Vev- nunst Hohn sprechend, nur die Vernichtung des deutschen Selbstgefühls, den völligen Meuchelmords Deutschlands anstrebt. Die Reichsregierung möge auf dem Standpunkt ihrer Note vom 26. Januar fest beharren und des Wortes gedenken, das einer der edelsten Deutschen gesagt hat: Nichtswürdig die Nation, die nicht ihr Alles setzt an ihre Ehre."
Der Druckerstrcik in Köln.
Köln, 9. Febr. (WTB.) Infolge. des Drucker st reiks können die hiesigen Zeitungen mit Ausnahme der sozialdemokratischen „Rheinischen Zeitung" nicht erscheinen.
Generalstreik in Solingen.
Solingen, 9. Febr. (Wolff.) Seit heute morgen herrscht hier dec Generalstreik, dem sich auch die Buchdrucker- geHilfen angeschlossen haben. Die Zeitungen erschienen nicht. Der Generalstreik ist eine Folge wilder Streiks in gewissen Betrieben, infolge derer die Arbeitgeber den beteiligten Arbeitern mit einer 14tägigcn Frist gekündigt hatten.
gen auf einen bestimmten Betrag, den Deutsch- lend vernünftigerweise zahlen kann, und für Deutschland Schuldverschreibungen auf diesen Betrag auszugeben. Dieses Anwachsen von Deutschlands Fähigkeit, zu zahlen, wird Ver- l wuen in die Welt zurückbringen und Handel und Wandel in der Welt verbessern. Die Auf- mchterhaltung von Forderungen, die nicht be- ?rhlt werden können, erregt Unwillen und er- c-e vernünftigen Folgen." Hält man reden diese Mitteilung eine Stimme aus land, so kann man den Eindruck gewin- allmählich bei der Regelung der wirt- ichaftllchen und politischen Beziehungen der Völker die Vernunft wieder mitzusprechen begannt. Der finanzielle Berater der britischen V.egberung, Scr George Paish, Herausgeber -5 %?"n‘cn wirtschaftlichen Zeitschrift „The Ltattst , sch recht Mitte Dez-ember: „Es sei nilltzlos, auf die ersten Zahlungen Deutschlands an Frankreich und Italien zu warten, denn vrr einem Jahre könnten sie nicht erfolgen. Lasst man Deutschland zugrunde gehen, so 2? p UR Erschütterung auf Frankreich, Llalren, ia sogar auf England übertragen und diese Staaten vernichten. Wolle man rankrerch wiederherstellen, so müsse Deutsch- zunächst wiederhergestellt werden. Ohne vtohstofst für seine Fabriken und ohne Lebens- nrittel für seine Bevölkerung könnte es eine Medergutmachung nicht leisten." Nach einer uListerdamer Meldung vom L.d.Mts. hielt ^Uier der britische Handelsminister dar Auckland Geddes vor der Handelskammer wii Plymouth eine Rede, in der er sagte, die sroße Lehre des Krieges für den Kaufmann daß die Völker voneinander abhängen und licht unabhängig seien. Solange Europa nicht las die Beine gesetzt sei, könne in Handel und Industrie keine Stabilität erwartet werden. Geddes warnte die Zuhörer vor dem Haß und E Neid gegen andere Völker. Eine ähnliche 6deldung bringen die jüngsten Nachrichten aus Belgien. Die Brüsseler Handelskammer trat lor eini^r Zeit zu einer Sitzung zusammen, s hie Zahlen unbefangen prüft, kann es unmöglich oer Präsident verlas ein Schreiben des Mi-l leugnen, daß Deutschland schon jetzt bis an die nslers für wirtschaftliche Angestgenheiten, in| Goenze seiner Leistungsfähigkeit bestrebt gewesen ist.
Zur europäischen Wittschaststrise.
Die Absicht der Entente, wie sie die Auslieferungsforderung wieder mit erschreckende, Deutlichkeit vor Augen führt, aus Deutsch laito ungeheure Summen herauszupressen und gleichzeitig unversöhnliche Rache an ihm zu nehmen, ist undurchführbar. Bald wird man sich auch im Lager unserer Gegner keinen Illusionen mehr darüber hingeben können, daß eine Fottführung der Politik von Versailles gegenüber Deutschland auf die Dauer unmöglich werden muß. Der Versailler Vertrag bedeutet für den überwiegenden Teil unserer Gegner eine Fessel, die sie in wirtschaftlicher Beziehung eng an das Schicksal Deutschlands bindet. größer die Belastung ift die übermütige Sieger den geschwächten Schultern des Unterlegenen aufbürden, desto tiefer wird sie ihn drücken, bis er eines Tages völlig darunter zusammenbricht, in seinem Sturze mit sich reißend, was auf ihm ruht. So geht Europa einer Katastrophe entgegen, wenn es nicht rechtzeitig gelingt, die einzelnen Völker zu gegenseitiger Verständigung und Anerkennung ihrer wirtschaftlichen Lebensnotwendig- keistn zu bewegen. Auch wenn Deutschland den Versuch macht, die Kraft, die es von außen nicht erwarten kann, in sich selbst zu finden und durch angestrengte Arbeit und größte Sparsamkeit wieder hochzukommen, wird all seine Mühe zunächst immer eine beliebig zu seinen Ungunsten verrückbare Grenze finden in dem Frieden von Versailles, der entgegen Wilsons Versprechungen nicht einen Verständig ungsfrjeden, sondern, wie er kürzlich mit Necht genannt wurde, eine unheilvolle Vermischung von Vernichtungs-undAus- beu t u ng s f r jeden darstellt. Das Ver- tcagsinstrument von Versailles stellt wirtschaftliche Ansprüche an Deutschland, die nach sachverständigem Urteil von einem durch einen fünfjährigen Krieg mitgenommenen und durch Gebietsabtretungen verkleinerten Lande nicht erfüllt werden können.
Diese Erkenntnis hat sich leider in den Köpfen der führenden Politiker der Entente noch nicht durchgerungen. Aber es mehren sich in ihrem Lager die Stimmen der Vernunft, wenn sie auch meistens vorläufig nur von einzelnen klarsehenden Wirtschaftspolitikern oder Presseorganen ausgehen. So hat zum Beispiel der jetzt zurücktretenoe amerikanische Schatzsekretär Glaß dem Präsidenten dec Neuyorker Handelskammer gegenüber soeben in längeren Ausführungen zu dem Valuta-Problem Stellung genommen. Eine iutevessante Stelle seines Schreibens besagt: „Es gibt für die Alliierten keine logischere uno praktischere Möglichkeit, um ihren eigenen Wiederaufbau zu ermöglichen, als ihre Entschädigungsansprüche gegenüber Deutschland sestzulegen durch Verkürzung ihrer Focderun-
Der Prozeh Lrzberger-Helfferich.
Berlin, 9. Febr. (WTB.) Zur heutigen Verhandlung im Prozeß Erzberger-Helf- ferich war Reichsftnanzminister Erz bergen wieder erschienen. Die Zuhörer wurden auf das genaueste nach Waffen untersucht. Nachdem der Vorsitzende die Sitzung mit der Ermalprung zu ruhiger, sachlicher Verhandlung eröffnet hatte, änderte sich Erzberger zum Pinpodin-Fall, wobei er besonders die Veräußerung seiner Anteile zum Pariwert bchttndelle. Er schiloerte den Berkaus seiner Anteile an den
Direktor der sächsischen Oerumtoerle, der
zu einer Zeit erfolgt sei, wo die Anteile gewissen Zukunstswert, d. h. Spekulativnswert gehabt hätten. Von diesem Verkauf habe er der Gesellschaft ordnungsgemäß Mitteilung gemacht. Zu dem Vorwurf, daß er als Abgeordneter die Regierung für die Subventionierung der Serumwerve habe interessieren wollen, wies Erzberger den Alngellag- ten Helfferich darauf hin, datz ihm als ehemaligen Staatsminister ganz genau bekannt sein müßte, daß einmal 25 000 Mark bei dem Millionenhoeres- etat damals gar keine Ro lle spielten, drß ferner bei der Etatsberatung in der Regel Abgxord^ nete allerlei Wünsche Vorbringen, die böbert Mittel verlangen als eingesetzt sind. Gegenüber der Behauptung zwischen seinem Auf- treten im Reichstage und seinen Beziehungm zu den sächsischen Serum werben bestände ein Zusammenhang, erflärte Erzberger imt?r feinem Eid', daß dieser Zusammenbang niemals bestand.
Hierzu wurde die Vorladung neuer Zmgen in Aussicht genommen. Von dem Zeugen Lauterr- schläger werden Erzbergers Aussagen über den Pari- Verkauf seiner Anteilscheine dcchrn bekräftigt, bab für die Serumwerbe die verschiedenstm gefchäst- licken Interessen für den Ankauf vorlagm.
Es folgte dann die Verlesung des PvowLolls über die Aussagen des 72jährigen Senior- chefs der Firma Thyssen, Tr. August Thyssen, der wegen (£rfrantung kommisstwisch
vernommen worden war. In seinen Aussagen, die siich 'cm wesentlichen mit den Bekundungen des i Geueraldirektors Rabe decken, schildert Thyssen Erz- lerger als einen außerordentlich fleißigen und klugen Mann, den .er häufig in wirtschaftlichen
Lrst^Blatt 170. Jahrgang Dienstag, 10. Februar 1920
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General-Anzeiger für Oberhessen
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