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Diebe sind mittelst Nachschlüssel in bte Sakristei eingedrungen und haben auch auf diesem Wege die Kirche wieder verlassen.

** Brennholz. Bon der städt. Kahlen- mrd Holzstelle verausgabte Bezugsscheine werten an den im Anzeigenteil zu erseheitten Tagen bo

Aula, 8 lltzr, Stutentenversarnmlung der Deut­schen Volkspariei. Lörsaal des Liebigmuseums, Liebigstraße 12, Vortrag Prof. Tr. Schaum. Babnhofstvaße 57, Vortrag des Predigers Rall. Einkorn, 3 Ul/r, Zauber vorstel.üng Bellachmi (für Kinder), 8 Uhr, Zauberabend Bellachrnr. Licht« spüllaus,Eine tolle Kiste" undTer Kvnfck- t^nsrei sende". Lichtspiele, Seltersweg: rote Samstag.

** DaS Jahr 1920 ist ein Schaltj-chr. Das neue Jahr hat also 366 Tage. Ottern ist am 4 und 5. April, Pfingsten am 23. und 24 Mai, Fronleichnam am 9. Juni. Allerheiligen fällt aut einen Montag, Weihnachten auf Sams­tag und Sonntag. Eine kalendarische Seltcir- heit Halen wir im Februar dieses Jahres zu verzeichnen. Der 1. Februar wie auch der 29. F.- bruar fallen beide auf einen Sonntag. Folglich bringt uns der Februar 1920 fünf Sonntage.

Aus SUM und Ccinb»

Gießen, den 10. Jan. 1920.

Hessische und deutsche KricgSverluste einst und jetzt. ,

Der Weltkrieg hat uns auch hinsichtlich der Kriegsverluste an Zahlen gewähnt, die man früher für phantasisch gehalten Hätte. Der Krieg 1866 kostete Preusen und seine Berbünd.ten 10 877 Tote (in der Schlacht gefallene und an Wunder, oder Krankheit gestorbene Mi.itärxe.so: en, chne die Vermißten), deren Zahl stieg im Kriege 1870/71 für die teutsck-eu Truppen auf 40 881 unb schnellte imWeltkrieg auf 1 677 000 hinauf. Die großen B?rluste im Weltkrieg seien durch folgende Zahlen beleuchtet: Tie Stadt Worms allein hat in diesem Krieg mehr tote Militärpersonen (1174) zu beklagen, als die hessisckwn Truppen im Krieg 1870/71 zusammen verloren hl070). Das kleine Des) en hr.tte im Weltkrieg einen Verlust von weit über 30 000 Mann, eine Zahl, die dreimal so grof, ist wie die preußischen Verluste 1866, die riinb 75 Prozent des gesamten deutschen Ver­lustes in 1870/71 ausmacht. Unser Verlust im Weltkrieg mit 1677 000 toten Militärpersonen übesteigt um die Hälfte das gesamte beutfdx £ktt, das im Krieg 1870/71 mit 1 146 355 Mann tnc französische Grenze Der sch ritten bat. Verwundet (ein- o er mel,wma!s) wurden in 1870/71 113 759 Deutsch, im Wettlrseg 4 207 028. In Gesangen- schaft ge.i ten 616 000 deutsche Mi.itärper.onen. Ein besonders schmerzliches Kapitel ist die Bcr- mißtenwagr. Im Kriege 1866 wurden für Preu­ßen und testen Verbündeten 785 Vermiße gr- rahlt, im Krieg 1870/71 hatte man schon 4009 vermißte Deutsck? (darmrter nur* 8 rcrmifjte Dessin) zu beklagen, und jetzt im We.tkrieg gar 374 000 Personen, die größtenteils als tot zu gelten haben.

Da» Kino auf dem Lande.

Ein Ausschreiben des hessischen Ober- kvnsistoriums in seinem letzten Verordnungs­blatt macht die evamgelisch.n Pfarrämter und Kir­chenvorstände auf "bad Vordringen des Kino- so e s e n s und seiner üblen Begleiterscheinungen aus das Land aufmerksam. Gegen anstößige Vorfüh­rungen solle Einspruch erhoben und vorgegangen Inertem Zu diesen Gegenwirkungen sollte, aber, wie in dem Ansschreib.m sehr richttg betont wird, auch positive Maßnahmen kommen; so sollten sich die Geistliclxn bemühen, den Bewohnern des Lan­des -u guten Kino-Vorführungen zu verhelfen. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß der Zentralausschuß für die Innere Mission eine Kommission für Theater- und Kinofragen ge­bildet hat und gern bereit ist, den Pfarrämtern und Kirchenvorständen in dem Kamps gegen üble Kino-Vorführungen und bei der Veranstaltung von guten Kino-Vorführungen Rat und Auskunst $u erteilen.

erst andere mchören muß, der durch mch durch auf dem Boden der neuesten Fachtechrnk steht

Es darf erwartet werden, daß die hesitsche Re­gierung hierin bald nachholt, was versäumt wurde, und daß den von dem besten Stilen getragenen Vor­schlägen der Geometer das Gewicht beigelegt wird, welches sie verdienen und daß die fachliche Leitung unseres geplanten Landesvermessun Samtes emer Person anvertraut wird, welck>e das Vertrauen der Geometer besitzt. Dann erst wird eine setechsicte Zusammenarbeit ermöglicht und dem ganzen Land ein Nutzen entstehen, der geradezu unschätzbar ge­nannt werden muß.

liefert.

** Selbsthilfe der Verbraucher ge- gen Preiswucher. Gegen den Wucher mit : Lebensmitt, ln baten tie Verbraucher in Pans intb größeren Provinz stäteen Frankreichs sich zu einer Ueterwachung der Meinhändler zuammen- geschlossen .Wie tas RciclfswirtschaftsMLMftermm mitteilt, haben sich in ie.em Stadtteil Ausschüsse gebildet, bte in den früheren Morgenstunden dne Zeutralmarkthalle besuchen und bte Pr,r,e fest­stes en, zu denen die Mei.thändler von den Groß- Iximiern kaufen. Tie Ausschüße setzen dann Kletn- lxtndclspreise mit einem BruttoMtvinn von 20 v. D- sest. Es ergab sich, daß manche Döndler 50 bis 75 Prozent Gewinn verlangen. Tie Aus­schußmitglieder klären in solchen Fällen die Kun­den (über die angemessenen Preise auf. In Wrnsich- keit sind so die Kleinl-andelspreise erlfebltch ver­ringert worden, besonders auf dem öffentlichen Markt und in Geschäften der ärmeren Stadtti tle. So fielen tie Preise der Kartoffeln auf einmal von 70 aus 25 Centimes für das Pfund. Eir von 55 auf 35 Centimes, Kaninchen Vvtt 5 auf 3,50 Fr., Blumenbosil von 1,75 auf 1 Fr., Grün- ko lL von 1 Fr. auf 25 en'imes. Die Kleinhänl-ler versuchen dagegen den Kans von Ware in der Markthalle zu verhindern ~ v

** Niemals wieder Friedens­preise. Die Ten rungs u'chage ter Industrie sind stellenweise bis nabe an 1000 Prozent her- aitgekommcn. Man tonn nicht hoffen, daß d.e Preise jetnals wieder auf die Vorkriegsprersi l)er- untersinken. Tie Industrie rechnet vielmehr te- mit, baß die Grundpreise immer ein Melwsaches ter Vorkriegspreise bleibeit nxrten, selbst wenn später die Teuerungszuschläge zum Teil wieder abgebaut iverden könnten. Die Firmen, dir in der Preisstelle des Zenttalverbandes der tenitsckxm elektrotechmisä^en Industrie zuammeng^chiv sen sind, baten sich desiwlb ent cksto.sen, die Gruni- preise zu erhöbet und die Teuerungszuschläge tem- entsprectend zu ermäßigen. Als neue Grund­preise gelten die dreifa chen Bor­kriegspreise vom 1. Januar 1920 an. Die alten Preislisten sollen so schnell wie mög ich durch neue mit den erhöhten Grundpreisen ersetzt werten.

♦♦ Die Deutsche Vo 1 kspartei veran­staltet morgen ateitb 8 Uhr in ter Neuen Aula eine Studentenversantmlung, in der die Herren Prof. Schian unb Prof. Eigener sprechen rreroen.

* Deutsche Volkspartet und Juoend- grupve. Ti ns ag, 20. Jan., hält Geteimvat Prof D. Dr. Kohl, Berlin, im £>otel Einhorn einet öffentlichen Vortrag über das ThemaMemento vivere".

** Gießener Pädagogium. Wir machen auf die im Anzeigenteil unseres heutigen Mattes näher erläuterten, neu eingerichteten Fortbildungs-- kurse aufmerksam.

Landkreis Gieffen.

rfh. Fürsorge für die ehemaligen Zivilgefangenen. Durch die am 1. Novem­ber 1917 erfolgte Regelung haben die Länder die Fürsorge für die etemalig.it Zivil gefangenen über- trommen. In Preußen sind die Sräper die Pro­vinzialverbände, in Bahern die Krnsregierungeu imb in den übrigen Ländern sind die ausfülwcnten Organe der Fürsorge für die Zioilgefangeuen die Kommunalbehörden des Aufenthaltsortes. Bezüg­lich der SUeiterfürforge für ehemalige Zivilge- fongene wird bemerkt, daß zur Beschleunigung des Verfahrens die tetreffenben Gesuche an die amt­liche Fürsorgestelle zu richten sind, tenen die nöti­gen Vorräte durch Vermittlung des Zentralkomi­tees der deutschen Veveine vom Roten Kreuz, Ber­lin W. 50, Tauefttzienstraße 14, zugewLsen wer­ten. Alle KriegKoerluste, sowie durch die Inter­nierung entftantenen Eigentums- und Gesundheits­schäden sind bei der Reichsentschädigungskommisi- lin W. 8, Unter den Linden 18, «nzumclden. Die erforderlichen Fomulare sind b i der Reickiszentrale für Heimatdieust, Landesabteilung Hessen, Darnt- stadt, Altes Palais, erhältlich.

** Oberhes sischer Kunstverein. Tie Ausstellung ter Künsll rvereinigungD e r Stur m", welkte ntorgat eröffnet wird, verbleibt nur bis einschließlich 1. Februar ausgestellt. Wir verweisen auf die Vorbesprechung dieser Ausstel­lung im heutigen Blatte. Für die nädrften Aus­stellungen nmnx wieder mit bekannten Metstertt für Sonderausstellungen und mit Künsllervereftii- gungen Ver inbarungen getroffen. Im Februar wird die Künsterinnengruppe3 Städtebund" Darmstadt-Franffurt-Mainz eine Ausstellung brin- gcn. ,,Tie Neue Gruppe Berliner Künstler"" wird im Mörz eine Ausstellung gegen und im Avril terAusstellerverband Münchener Künstler"". Wer­tere Verbandlungen mit namhaften Künstlern sind noch «iMs Gange, so V an auch rn Frülxate unb Som­mer tettdurch ter Oterliesffiche Kunstvevnn meinte interessante Ausstellung aufzuweilen Itaten wird.

** Der Gießener Konzertverein veranstaltet fein nächstes Konzert Freitag den 16. Januar, abends 8 Uhr. Näheres siehe An­zeigenteil.

* Die Anlagenmusik der Kapelle des Rei'chsnehr-Jnf -Rg's. Nr. 33 (Obermusikmeister meister Löter» fällt morgen aus.

** Ihren 80. Geburtstag begeht am Montag den 12. Januar in selten geistiger und körperlicher Frische Frau Boeck Wwe., West» Anlage 46 p.

* Leipziger Solo-Quartett. Das vielen in unserer Stadt schon von früheren Be­suchen her in guter Erinnerung stehende.Leipziger Solo-Quartett für Kirchengesang"" wird am Sonn­tag, 18. d. M., abends 8 Uhr, in der hiesigen Jo- hanneskirche fingen. Von Professor Bruno Röthig begründet und über 30 Jahre geleitet, hat es in vier Weltteilen viele Tausende durch die vollendete Wiedergabe der evangelischen Kirchenlieder erfreut und erhoben. Die Sänger üben ihre Kunst völlig selbstlos aus-, der ganze Reingewinn fließt gutem Zwecke zu, diesmal der Jugendpflege. (S. die An­zeige in ter heutigen Nummer unseres Blattes.)

**TieSchulefürhöheresKlavier- spiel von Minna Körner veranstaltet Sonntag, 18. Jam. ein N»nzert zum Besten des Kinder­garten-Vereins.

** Diebstahl in der Johannes- kirche. In der verflossenen Nacht wurde in der Johanneskirche dahter ein Einbruchs­dieb st a h l begangen und das aus Messing bestehende Taufbecken entwendet. Die

108 Mitglieder zählt, unter denen Anzahl von Nicht-Landwirten beit ...

-r- Laubach, 9. Jan. Der> PräsihW^ Lantesamtes für Bilbungswes^st Dr. S stattete am Mittwoch nachmittag dem MME des hiesigen Gymnasiums,^men Besuch ab, WM hauptsächlich pädagogische Fragen erlebiaEK den. Daß die Diebe sich noch recht fühlen, sieht man daran, daß kurz nach tcu Wäsck>edieb stahl vor einigen Tagen aus Garten an der Südseite ter Wetter mehteE«^ einer Gärtnevei bezogene Stecklinge von beersträuchern aus dem Boden gerissen genommen rourten. Einem schon lan.^.-WW^' auf ter Friedrichshü te bei Lauback, Arbeiter von Gonterekirck-cn lour-w: von Hand seine Taschenuhr, die er. -wahrend der zeit immer in einem tesuuücren Raum austewahrte. entwendet. _ L- ,

e. Schotten, 8. Jan. Im Alter von 76 Jah­ren starb in Eberstadt bei Darmstadt der frWEHicr tätige Lehrer i. R. Ludwig Schultheiß- Latein kräftigen Vorgehen verdankt unsere Stadt dS^«- richtung der hiesigen Turnhalle; auch war er ber Gründer und Erbauer des jetzt in andere »ante? übergegangenen Lehverhcims, das dann allerdings nur mit öilfe des Vereins .LehrerHeun Vogels­berg"' erhalterr werten konnte.

Kreis Friedberg.

sw. F r i e d b e r g , 8. Jan. Der Lebensmittel- ausschuß hat mit Wirkung vom 11. Januar be­schlossen, die bisherige Brotkarte in Form emer S a m m e l k a r t e, die die Brot-, Fleffch-, Zucker­und Nährmittelkarte in sich vereinigt, heraus­zugeben. Die Sammelkarte gilt in der Regel vrer Wochen.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 8. Jan. Die Stadt^ verordneten gencljmigten heute bic lieber» nähme tes städtischen Gutes Gehaborn, dessen bis- Ireriger Pächter Schwarz gestörten tlt, tu Selbst­verwaltung und bewilligte für die lleternahme des auf dem Gute befindliche lebenden und toten In­ventars, bauliche SxrfMlimgen und Neuanschaffun- Eine lebteite Aussprache entiiianb über bte Aus- gestaltmlg tes städt. Fulwparks, testen Notwendr^ (eit von ter Rechten bezweifelt, von der Linvcn aber englisch vertreten wird. Die bis Ende D^>zbr. ge­nehmigte Verlängerung ter Fsierabendstunte in den Wirtschaften an Samstagen, Sonn- und Feiertagen bis 11 Uhr abends soll bis auf Weiteres bestehen bleiben. Endlich wird nach lebhafter Debatte ein Antrag der städtischen Lehrer, Beamten und Bureauhilfskräfte auf sofortige abschlägsiche Aus­zahlung von 50 Proz. einer zu genxihrenden Teue­rungszulage von 150 Proz. dem Finanzausschuß überwiesen mit ter Vollmacht, alsbald mit dem Unterausschuß über die Auszahlung zu verhandeln unb diese zu veranlassen, sobald die Auszahlung auch von fetten des Reiches erfolgt. Der Oberbür­germeister teilt mit, daß die Vmü ligung dieser Zu­lage ter Stadt einen Betrag von über 11 Millionen Mark ausmache. _____

Lebensmittel.

** Die Wochenkartoffel-M arken Nr. 112 der 52. Woche werten beliefert bet: Trechsler, Heinrich, Steinstrahe, Rumpf, Fritz, Zozelsgasse, I. Krack, Riegelpfad, Konfum-Berein, Frankfurter Sttaße. Die Marken können bis ein» schlleßlich Montag, 12. Januar, eingelöst werten.

** Der Verkaufspreis für gelbe Erdkohlraben ist ab heute auf 13 Pf. pro Pfund festgesetzt.

Beranstaltungen.

Samstag: Stadttteater, 7 Uhr, Sinter» tragödie. Postkcller, 8 Uhr, Vortragsabend ter Frauengruppc ter teutschnationalen Volkspartei. Einhont, 8 Uhr, Zauberabend Bellachini. , Lichtfpielteus,Eine tolle Kiste"" undDie kleine Stasiewska". Lichtspiele, Selterswog,Im 100 Kilometertempo"" undWer gewinnt, ter verliert"".

Sonntag: ©tobt!beiter, 3 Uhr, Rotkäpp­chen, 7 Uhr, Tas Schwarzwaldmädrl. Nene

Freiwillige Kartofsclabgabe.

O Grünberg, 8. 3an. Hier war es einer Anzalst Leute im Derbst nicht möglich, ihren Be­darf an Kartoffeln zu erhalten. Insgesamt fehlten den Versorgungsberechtigten noch etwa 250 bis 300 Zentner. Daher ging auf Veranlassung ter Bürgermeisterei dieser Tage eine Kommission von Haus zu £>au5, um sotvM bei den Selbst­versorgern, als auch bet denjenigen Versorgungs- berechttgten, die ihren vollen Bedarf im Keller hatten, zur freiwilligen Abgabe aufzufor- tern. Aus diese Weise ist nun ungefähr die Hälfte ter noch aufzubringenden Menge zusammengekom- men. Da auf anderem Wege wohl kaum Kartoffeln zu beschaffen fein werden, wird man n»W bie Menge für die einzelne Person herabsetzen müssen, um dann durch Enteignung den seienden Betrag zu erhalten. *

** Hungen, 9. Jan. Der Trechlcr Start Ebersohn trat im Jahre 1880 am 7. Januar bei her Firma M. Gregori u. Solm in Gießen ein und kamt nunmehr auf eine 40jährige Tätigkeit bei ter Firma zurückblicken. Von der Firma wurde ihm die gebührende Anerkennung zuteil.

-m Lang-Göns, 9. Jan. Dieser Tage traf ein Sohn unseres Ortes, namens Dorn, aus franzö ischer Eefangenfchast wo'.ffbel'alten in ter Heimat ein. Nachdem er bereits früher einen

Fluchtversuch unternommen hatte, der aber miß­glückte und ihm 30 Tage Gefängnis einbrachte, gelangte er diesmal mit noch zwei Kamerader nach neimtägiger Reise auf deutschem Boten und von da ins unbesetzte Gebiet.

Krcis Büdingen.

4 Ortenberg, 10. Jan. Am Montag abend spricht hier Generalsekretär Wittich von- ber Deutschen Volkspartet.

Krcis Schotten.

O Gedern, 9. Jan. Die hiesige Orts­gruppe des hessischen Bauernbundes hielt unter dem Vorsitz von Christimt Guth 11. ihre Generel.e sammlung im Bergtvittsh> ns ab. Nach Erstattung tes Iiechnungsberickstes für 1919 mtd Bekanntgabe ter Satzungen teilte ter Vor­sitzende mit, daß von bat Mitgliedern ter Orts­gruppe für die Braiidgeschädigten Ehristi-.rr Birx I!., Christian Diehl IV. unb Ktarl Rci- ckvrt III. 1293,60 Mk., von ben übrigen Bür- gent 519 Mk. gesammelt toorden feint. Bei den darauf folgenden Wahlen wurden geiväh'.t: Chri- ftian Guth II. als Vorsitzenter, Friedrich Mül­ler als fle.ltKrtretenber Vors ^nter , Karl Franz II. als Rechner und Sch.i t ührec, -als D.sisitzer: Christioit Birx 111., Ehristiait B r agpflt, Heinrich Diehl XI., Karl Franz 111., Wi Oberh «im II. und Reinhard Reinh Weiter wurde beschlossen, demnächst eine, M Dauernversammlung nach Getern einzu in ter über politische Fragen verhandelt tue Erwähnt sei noch, daß die Ortsgruppe ge-

®berl)t|fiid)tr ttunstverein.

nur ganz bedingt anwendbar ist.

22.

Jan. 1920.

Hit in seinen bte von allem

Der Sttttm.

Gießen, den 9.

Ter Okerhessische Kunstpercin Räumen eine Ausstellung zu Gast,

Siebener Theaterverein.

Gießen, 10. Januar.

Cavalleria rusticana. Der Bajaz.^».

Mascagni unb Leoncavallo, bie bahnbrechen- ben Repräsentanten des jnngitnüenifdjen Veris­mus, gel>en lebten Endes auf das deutsche Musik- brama zurück. Ein grundlegender Untersch.ed jedoch zwischen diesem unb den Jungitalienern, bte nichts wissen wollen von Helten der Vorzeit, von Gestaltest aus den Nationalsagen, vom Problem ter Er­lösungsphilosophie und dergleichen sublimen Din­gen: oie Gegmivart, derbe Handlung, möglichst unkultivierte"" Gegenden, wo man, ohne viel ge­stört zu werten, rauben unb morb.m kann, stehen im Mittelpuntt. In der musikalischen Kvnzp- tion dieser Jungitaliener ist »tichts ober fast nichts

Bild exzentrisch. Daher ist auch das impressio­nistische Bild exzentrisch. Wenn man es umkehrt, fällt es als künstlerisch logische Gestaltung von Farbformen auseinander. Das wirkliche (expressio­nistische) Bild fann man beliebig von allen Seiten betrachten, ohne daß es künsllerisch unzulänglich wird.""

Tie Kunst tes Sturm will trotzdem nicht abstrakte Kunst sein, sondern sinnlich und sinnett- fällig.Es ist reinste Malerei, da sie das Material dieser Kunst, die Farbform an sich/ ohne jede sekundäre Vorstellung verwendet. Das Bild hat sich an die Anschauung zu wenden, nicht an das Tenken. Man verlerne das Vergleichen. Man lerne erst wieder unmittelbar feben, bann wird man auch ein Bild unmittelbar sühlen. Man schreite über seine Erfahrungen, über' sich selbst hinweg. Tann erst wird man die Kunst mit den Sinnen und mit ter Seele erleben/"

Aus alledem ergibt sich auch, daß die Titel nicht unbedingt in innerem Zusammenhänge mit den Bildern stehen, sondern vielfach nur Kennworte sind, um sie leichter zu unterscheiden.

Mit diesen tlfeorettschen Grundlagen aus­gerüstet, möge man die Ausstellung aus sich wirken lassen. Es sei vorerst nur gesagt, und daraus wird besonders zurückzukommen sein, daß ter Be­griff Expressionsnismus auf die Bilder des Sturm

Bild. Tie Form, fei sie nun als Ziege ober als Dreieck zu erkennen, ist immer nur Mittel. Erst durch geregelte Beziehungen entsteht ein Bild. Tas impressiomstische Bill» ist regellos, weil es außer­halb des Bildgesetzes steht. Das expressionistische Büd unterstellt sich der künstlerischen Regel, wird also künstlerisch geschlossen, ein Organismus. Die gegliederte Bewegung, ter Rhythmus, ist das Leben tes Kunstwerks.

Tie Schönteit ist kein Begriff, sie ist Erlebnis. Nachaltmüng ist also nie Kunst, denn sie ist nur Erinnerung eines Erlebnisses. Unmittelbar sehen heißt nicht etwa M>enttsizieren oder Wieterervennen ter Formen tes Bildes mit optischen Gebilden von, sstaturtörpern, sondern das Bild, also die künslle- risch logische Gliederung ter Farbsormen durch Vermittlung tes Auges mit dem Gefühl aufneh­men. Die gefül^smäßlge Aufnahme setzt tie Aus­schaltung ter Erfahrung durch den Verstand unb ben gedanklichen Vergleich voraus. Kunst ist die sinnliche Gestaltung dieses unseres FüUens.

Daß Farbformen unmittelbar wirken können, zeigt ein Vergleich mit ter Musik. Tonkunst ist expressionistisch. Impressionistisch ist nur die so­genannte Programmmusik (charakteristisch Ton­malerei genannt). Ter unmaleriiche Mensch (ent­sprechend dem unmusikalischen^ sieht nur dann ein Bild, wenn er sich durch Denken und Vergleichen etwas dabei vorsbellen kann. Der Impressionis­mus begeht ben Fehler', einen äußeren oder inneren Eindruck darzusbellen, statt ihn durch Farbforrnen zur Bildgestaltung zu bringen. Daß es die Mög­lichkeit eines Erinnerns ober Vergleichens gibt, ist nicht so sehr anfechtbar.

Das Kunstwerk muß aus sich stlbst nicht durch Vergleich erkannt werten. Kunst mußum Glauben zwingen. Nur Fühlen ist Wirkung. Die unmittel­bare Wirkuna des erpressionissi'chen Bildes ist die Gewalt tes stchvthmus. Die Sele soll mit schwin­gen in ter lebendigen Bewegung ter künstlerisch logisch gegliederten Fläche.

Tie Künstler des Sturm wollen nichts mit Kunstgewerbe zu tun haben unb weisen einen Ver­gleich ihrer Bilder mit Glasfenstern, Teppichen oder Tapeten weit von sich.Ter innere Unter* schieb ist, daß Kunst Gestattungen formt, das Kunstgewerle Formen gestatttt. Der äußere Unter­schied: das Bild ist konzentrisch, das angewandte

zu spürm von großartiger Kontrapnnkttk ober kunst­voller Motivtechnik. Hier ist alles Melodik, kräftige Melodik, ganz bie lluchtenben, grellen Farben der italienischen Landschaft nnebcrwgcln. Beite, Mascagni und Leoncavallo, tauchen ans dem Getriebe des Alltags bei einer Opernlonkurrens auf, bie ein italienischer Verleger ausschrieb, Mascagni 1-at mitC a v a 11 e r i a r u st i c a n a", Leoncavallo mitPag 1 iacc i" so starke Erfolge, daß bie Aufmerksamst ter ganzen musikalischen Welt sich aus sie konzortriert. Beite enttäuschten dann in ihrem weiteren Schassen von Werk zu Werk.

Tieböfe Grippe"", durch bic für Lisi Bervneck Fräulein ©ad u r vom Frankfurter Opernhaus und für Herrn von Scheid Herr Häuser vvm Landest Heater in Tarrn stabt einMspriw gen genötigt waren, hatte eine Versch ebnng bet bereits auf den 2. Januar angesetzten Aufführuw gen nötig gemacht. Ausi.wtem wurden gestern abendVerkehrsnöte"" als Grund für bie erst um 7i/i Uhr (statt um 6 Uhr) beginnende Vorstellung angeführt. Ter Wi^ergabe ter beiden untrennbar gewvr tenen Mu sill)rannen war so schon von Dorn fcrein ter Stempel ter Ueberslürzung aufgebriufL Ter Tirigent hatte sicht!.ch Muhe, ein einheilliches Zusammenspiel namentlich von ClZir und Or-- chester zu ermöglichen. Tie richtigeHar­monie"" war erst imBajazzo"" hergestellt. Von den Tarstellern überraschte Emma 5d v 11 (San- ttlzza) durch einen flauen, vollen Sopran, vor dessen gewaltigen Stimmitteln sie jedoch bei ter gegebenen Raumverhältnissen nicht hätte voller Gebrauch machen fallen. DerBajazzo"" (Canio"") Herrn Habens war ungleich vollLinrmener als feinTurrt o" (nickst: Toredo, wie Fräulein Hol» zu fingen beliebte). Herr Häuser vom Lantes- kh.'ater in Darmstadt hatte trotz ter anstrengender Reise einen guten ?ltend. TerProlog" gelang ihm am besten. Frl. Sükur-Frankfurt ,Lola"" war nicht sehr beteutenb, ihre ,,Nedda" zu kokett. Ge­sanglich wußte aber auch sie zu sesseln. Tas durch die spät cinsetzente Aufführung in keiner Weist etwaunruhig"" gewordene Publikum Ivar mit ben Darbietungen tes Abends sehr jufti'ten: bet starte, mitunter spontan kommende Beifall be­wies es. L. M.

Herkömmlichen sv sehr abweicht, daß einige ein­führende Worte noch vor der Eröffnung am Platze weinen. Ohne vorerst ein Werturteil zu fällen, oder zu den einzelnen Bildern Stellung zu neh­men h>jätincr späteren Be prechung rvrteltalien sein möge soll heute lediglich das Wesen der Sturmkunst aufgewiesen wetten. Um völlig ob­jektiv vorziugehm und deine subjektiven Ansichten in die Nachsteigenden Ausführungen hincinzuinter­pretieren, halten wir uns eng an eine Schrift, des Führers ter ganzen Sturmbewegung Herwarth Walden:Die neue Malerei"" (Sturm Verlag).

Tie Schrift geht von der These aus. daß sich in ter Kunstgeschichte in ständiger Wiedersvlung Jnrpressionismus unb Expressionismus ablösen. Impressionismus ist grob gesagt optische Nachalnnung ter Natur, Expres.ivnismus Offen­barung. Ter Impressionismus ist eine primitive Kunstbetätigung, denn statt Bilder schafft er Ad- bilter. Tie SinneseindrüLe, bie er widergibt, sind nicht optisch gefefen, sondern mit dem Verstände. Wenn tzwei perschi.'ten« Individuen ein Haus sehen, so sind ihre optischen Wahrnehmungen höchstens ähnlich, nie gleich. Ter Körper ist ater nur mit dem Tastsinn wahrnehmbar. Der Schluß, das optische Gebilde mit ter Oberfläche tes Körpers ?u itentiftzieren, ist ein Akt tes Intellekts. Wenn ater unser Sehen durch intellektuelle Schlüsse be­einträchtigt ist, fo bat die ^Beurteilung von Kunst* werten burd) Vergleich mit diesem natürlichen Sehen wenig wert.

Aeußere oder innere Eindrücke sestzuhalten, sind Ausgaben ter ptetogrophischen Linse und tes Gedächmisses, nicht ter Kunst. Malerei ist bie Kunst ter Fläche. Jedes reale Ting muß also für ein Bild flächig um gebeutet werten, wenn es Ver­wand für die Gestaltung eines Bildes sein soll. Kunst ist ater tie Sichtbarmachung innerer Ge­sichte: Offenbarung. Hierzu Int die Malerei zwei Mittel: Farbe und Form. Erst bi? föesiebungen von Farben und Formen zueinander ergeben ein