Ans Stadt und Land.
G i e fj c n, ben 9. Dez. 1920,
Veranstaltungen.
Donnerstag, Nesie Aula, 8 Uhr, Sänger- frans, „Die Jahreszeiten". — Cafs Leib, 8 Uhr, Konzert laiö Vorstellung der Chiemseer. —< Stadt- Mission, LÄerstraße, Vortrag über den „Gott dieser Welt". — Lichtspieltheater wie gestern.
Wettervoraussage
für F r c i t a g :
Fortdauer des trüben Wetters ohne nennenswerte Niederschläge, Temperaturen um Null Grad, östliche Winde.
Die Lage des skandinavischen Hochs hat sich wenig verändert. Eine schwache Depression bewegt sich läu-gs der norwegischen Küste nach Nordoften, während vor Island ein neues Hoch erscheint.
Im Vogelsberg (Lauterbach) beträgt die Schneedecke 10 Zentimeter.
** Der Konzertverein veranstaltet am S o n n t a g, 12. Dezember, als letztes Konzert in diesem Jahre, einen Liederabend von Frau Lotte Leonard aus Hamburg. Der jungen Gesangskünstlerin, die sich hier zum ersten Male Horen läßt, geht ein guter Ruf voraus. Sie ist in den großen Sälen Hamburgs, .Hannovers, Berlins und anderer musikalischer Mittelpunkte ein häufiger und stets freudig begrüßter Gast und gilt als eine der besten Konzertsängerinnen 5er Gegenwart, als eine „geborene" Liedersängerin, wie ein auswärtiger Kritiker sagt, mit einem Organe für sich, um das eine dramatische Bühnengröße sie beneiden könnte. Das Programm umfaßt Lieder von Beethoven
aus Anlaß des 150. Geburtstages —, Hugo Wolfs und Schuberts in einer Auswahl selten gehörter Stücke und wird der Künstlerin Gelegenheit bieten, ihre musikalische Gestaltungskraft und ihren gerühmten echten Sopran glanz zu zeigen.
**DieVolkshochschule veranstaltet am nächsten Mittwoch, 15. d. M., eine Beethoven- feier, zu der die Mitglieder des Vereins, die Lehrer und Hörer nebst Angehörigen freien Zutritt haben. Die Mitwirkcnden find hielige Kunstfreunde. die schon wiederholt in dankenswerter Weile ihre Kunst in den Dienst der Volkshochschule gestellt haben. Das Programm und alles Nähere siehe Anzeige.
** Im Oberhess. Geschichtsver- e i n hält am Mittwoch den 15. Dezember im Hörsaal des Phvsik. Instituts (Eing. Ste- phanstraße) Professor Dr. Rodenwaldt einen Lichtbilder-Vortrag über Wandmalerei in Palästen der griechischen Vorzeit.
** In der gestrigen Schwurgericht s s i tzun g wurde nach zweitägiger Verhandlung der Mörder. Kuchenbecker zum Todever urteilt. Den ausführlichen Verhandlungsbericht werden wir erst morgen wiedergeben können.
** Zur Feier der 6.Wiederkehr der Schlacht bei Lodz, namentlich der Kämpfe am 3. Dezember 1914, an denen das Reste rve-Jnfanterie-Regim ent 222 so ruhmreichen Anteil hatte, hatten sich .am 4. d. M. 150 Angehörige, in der Hauvtsache das 1. Batst, im Restaurant Hindenburg zusammengefunden. Ter Führer der damaligen 3. Kompagnie begrüßte in herzlichen Worten den Vertreter des Stammreyi- ments Kaiser Wilhelm Nr. 116 und namentlich den Führer des Regiments 222 Oberstleutnant Freihcrrn von Rotsmann. Dieser hatte es übernommen, uMerstützt von zwei großen Skizzen, die Entwicklung der großen Kämofe bis zum 3. Dezember und dann die Kämpfe selbst zu schildern, die in mancher Beziehung von außerordentlichem Interesse waren. Die Zuhörer bekamen ein klares Bild von der Tätigkeit jeder einzelnen Kompagnie im Rahmen der Gesamthandlung. Manche Tinge, die damals dem Fronckämvfer unverständlich und unklar waren, fanden dadurch Aufklärung, wobei es an offener Kritik über die Mängel, die sich in dem Zusammenarbeiten der einzelnen Verbände der Division zeigten, nid>t fehlte. Mit Stolz konnten die Mitkämpfer erkennen, daß das, was speziell das Regiment 222 an diesem Tage ge-- leistet hatte, für die Entwicklung der Gesamtlage in Polen von größter Bedeutung war. Der mit größter Schwungkraft durchgeführte Vorstoß mehrerer Kompagnien nach Norden, wobei die Dörfer Mala und Tuza-Mierczonska und Slenkowidce mit stürmender Hand genommen und von der 3. Kompagnie und Teilen der 223er eine Batterie mit voller Bespannung erobert wurde, hatte dem schwerringenden 2. Pomm. Kvrvs und namentlich der 5. Brigade die so bringend notwendige Entlastung gebracht. Der ferner nach Osten nach Tlutowek und Ladiska angesetzte Angriff, an dem sich am Nachmittag auch noch aus eigener Jnittative Teile des nördlichen Stoßtrupps beteiligten, ließ die Russen befürchten, daß ihre linke Flanke bedroht ttrütfbe, die sich daraus zurück- rog. So waren die schweren Verluste, namentlich der 11., 3. unb 1. Kompagnie nicht vergeblich gewesen. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgten oie Regimentsangehörigen den klaren und offenen Darlegungen d's hochverehrten Führers und der jubelnde Beifall zeigte ihm, daß ihm auch heute noch die gleiche Liebe und Verehrung entgegengebracht wird wie damals, cand. theol. Kornmann, der Flügelmann her 3. Kompagnie, gedachte in tiefempfundenen Worten der gefallenen Kameraden, und Forstmeister Japina, der Führer der 11. Kompagnie, teilte mit, tote seine Kompagnie die Gefallenen durch Pflanzung von Obstbäumen mit Namensschildern im Bethelschen Hoffnungstal bei Eberswalde bei Berlin geehrt habe. Hauptmann L i n d e n a u brachte die Grüße Des Ofsizierkorvs des Regiments Kaiser Wilhelm. Im Anschluß an den Vortrag wurden die Eroberer der russ. Batterie von der 3 Kompagnie, Off.-Stellv. Bauer, ferner Kornmann, Steinbach, Koehbeck, Eberle, Schubecker vom 1. Zug, Heuvel, Eck. Schad, Engeler I. und Hedrich vom 3. Zug noch beionders ehrend erwähnst Drei von diesen waren anwesend. Auch der anwesende Musketier Schmidt aus Bernsfeld, der trotz schweren Lungen- schusses und einer weiteren Verwuiwung eine wichtige Meldung zurückbrachte, mürbe ehrend genannt. Beim Absingen alter liebgewordener Soldatenlieder, namentlich auch des Liedes „Wir treten zum Beten", das im schweren Artilleriefeuer im Gefecht bei Baby am Abend des 16. Dezember gesungen wurde, beim Austausch alter Erinne-
nmgen verlief der Abend in harmonischster Form, Offiziere und Mannschaften, die da draußen Freud und Leid in so treuer Kameradschaft geteilt hatten, saßen auch hier wieder zusammen im Gedenken an große Tage und allen Teilnehmern wird Dieser herrliche Abend eine bleibende Erinnerung fein.
** Versorgung mit Winterkartoffeln. Es ist dem Städtischen Lebensmittelamt gelungen, größere Kartoffelmengen zu beschaffen, die durch die Kartoffelhändler und das Lebensmittelamt zur Ausgabe gelangen. Alle diejenigen, die sich noch nick)1 mit Winterkartoffeln versorgen konnten, werden aufgefordert, dies unverzüglich zu tun, da mit Rücksicht auf die Frostgefahr und den großen Mangel an Kartoffeln eine spätere Versorgung nicht mehr möglich ist. Der Preis beträgt 35,50 Mk. für den Zenttrer, für Minderbemittelte, deren Anträge genehmigt sind, 23 Mk. für den Zentner. Nähere Auskunft erteilt die Kartoffelstelle des Lebensmittelamts, Zimmer 13.
** Freibank. Freitag, 10. Dezember findet Fleischverkcruf von 1 Uhr mittags an statt.
** Gießener Hausfrauen-Verein. Der Verein veranstaltet am Dienstag, 14. Dez., eine Ausstellung von Spielzeug, das man selbst.gemacht. Mitglieder und Freunde des Vereins haben in gemeinsamer Arbeit manches Stück Spielzeug zusammen genäht, geflebt, gemalt und gebastelt. Gezeigt wird, wie man aus dem einfachsten Material, Zwirnsrollen, leeren Streich- holzschachteln, alten Stoffresten, Pappe usw. reizende Sachen machen kaum Die Ausstellung^ fofi für Mütter und Kinder eine Anregung sein.
** Tie „LichtspieleSeltersweg" bitten uns, mitzuteilen, daß der Film Uriel Acosta anderer Verpflichtungen wegen f)eute nicht mehr aus dem Spielplaii steht, dafür gelangt nur für beute Die Fee von Salut Menard, ein Film- sckauspiel in 4 Akten, in der Hauptrolle Eva May, und Im Schatten des Glücks, Drama eines Gezeichneten, in der Hauptrolle Sybill Smolvwna. zur Vorführung. Ab morgen gelangt der mit Unterstützung der Berliner Kriminalpolizei hergestellte Film „Da s rote Plakatt' sowie das Carlchen-Luftspiet ,.A d i p ip o pex" zur Vorführung. Näheres siehe Anzeige.
Landkreis Gießen.
0'0 Großen-Linden, 9. Dez. Mittwoch abend beendete in unserem VolkZhochschiü'verriu Frau Dr. med Marx (Gießen» ihre Vorträge über Geftmdheitslehre fift Frauen. Sie sprach im Saale von Philipp Schaum IV. vor weit über hundert Frauen diesmal über die häufigsten Frauenleiden. An der Hand, von Anschauungsmaterial, Wandkarten, Hand-eickmrngen und Aussprache haben die Vorträge in votk.ttümlick>er Form dem allgemeinen Interesse in erfolgreicher Weise gedient. Rektor Bach sprach unter lebhaftem Beifall den Dank des Vereins und der Versammlung aus. Die Vortragsreihe „Mutter und Kind" nrrb mit Anfang des nächKen Jahres fortge'etzst Am 5. Januar beginnt Schwester Marie Nagel von der Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen über Vorträge und Anleitungen, über Säuglingspflege. Diese Vorträge sind allgemein zugänglich, also auch für Mädchen und Manner.
M. Grünberg, 7. Dez. In das Reich des Uebersnmlichen und Geheimnisvollen führte am Sonntag abend der Universalkünstler Bellachini eine große Schar Zuschauer von hier und der Umgegend, die sich im Saale des „Rappen" hier versammelt hatten. Kein Gebiet des Ofhiften blieb unberührt, auf allen Gebieten des Geheimnisvollen zeigte der Meister großes Geschick.
O Hungen, 8. Dez. In der Gemeinderatssitzung vom 7. Dezember wurden die von der^Gememde vergebenen Gräberherstellungs- arbeiten besprochen. — Die Stelle des Gemeindeschäfers ist ausgeschrieben, und liegt eine Anzahl Gesuche vor, von denen einige zum engeren Wettbewerb vorgesehen werden. Das von dem bisherigen Gemeindeschäfer eingereichte Gesuch um WieDeöverbleibmig in seinem Dienst wird als undiskutabel erachtet und abgelehnt, da in einer vorhergehenden Sitzung diesbezüglich beschlossen worden ist. — Bezüglich einer Rechtslage in Gemeindeangelegenhetten (sanitär« Verhältnisse im alten Rathause) soll juristischer Rat eingeholt werden. — Für die Grenzspende Oberschlesien wird seitens der Gemeinde der Betrag von 50 Mk. bewilligt.
Lollar, 9. Dez. Das Wohltätigkeits- k o n z e r t der Sängervereinigung Lollar am lebten Sonntag brachte den schönen Ueberschuß von 1221,95 Mk., welche dem Vorsitzenden oer Klem- kinderschule überwiesen touroen. Stark besetzt war das Lokal. Den vorzzüglichen Darbietungen, im besonderen den Herren des Leibschen Doppelauar- tetts Gießen und Konzettsängerin Frl. Pfaff- Gießen wurde stürmischer Beifall gespendet. Bürgermeister Schmitt sprach im Namen des Vorstandes des Sarin finberfteunb und Namen? der Gemeinde allen Mitwirkenden Dank aus.
** Münster (Kr. Gießen), 7. Dez. Vom 6. aus den 7. Dsztonüer wurde nachts bei dem Mühlenbesitzer Sell beim auf der Lessenbrücken- mühle eingebrochen: es ist dieses in kurzer Zeit schon das zweitemal. Die Einbrecher sind von einem niedrigen Doch über dem Mühlrad durch ein Fenster in den zweiten Stock einge- bnmgcn. Beim ersten Einbruch hatten sie Mehl und einen Riemen mitgenommen, beim letzten Einbruch wurde nttr Mehl gestohlen. Bon den Tätern fehlt noch jede Spur.
Kreis Büdingen.
4 Ortenberg, 9. Trz. Für die Not- l Pen de der Innern Mission gingen in unterer Gemeinde bisher 1806 Ml. ein, außerdem mürben für die Anstalt Dethei 100 Mk. bestimmt. Auch Angehörige anderer Stonfeff tonen beteiligten sich freiwillig an der Spend«.
-- Ortenberg, 9. Dez. Der Fußballklub Germania wird am We ihnachtsfest „Glaube und Hei matt' zur Aufführung bringen. Sämtliche Rollen werden von hiesigen Kräften gespielt, die Einübung hat Elektrotechniker Schweikher übernommen. Die Kulissen werden von den Mitgliedern selbst angefertigt.
)( Ortenberg, 8. Dez. Am Sonntag fand hier m einer gut besuchten Versammlung in der Bost die Wahl ber_ Vertrauensmänner für die Landbewerber statt. Rechuungsrot Haas aus Jrteuberg gab einleitend nähere Ausführungen über den Zweck der Versammlung, die Steuerlast einzelnen Stände Orttmbergs usw. Es wurden gewählt: Beigeordneter Pfeiffer als Vorsitzender, ^chuhmackermeisler Zahn. Schreinermeister Katt Meuer, Selterwassersabrikant Gerhard und xxr- I o H^.Cne Zerren als Stellvertreter. Gegen I 2 Uhr wurde die Versammlung geschlossen.
Kreis Alsfeld.
§ Ruppertenrod, 8. Dez. Missionar Walter aus Beuern bei Gießen hielt in unserer dickt gefüllten Kirche einen Vortrag über ferne Erlebnis je in französischer Gefangenschaft in Kamerun.
Kreis Lauterbach. Gemeindesteuern.
— Schlitz, 6. Dez. Der Gemeinderat beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung rnitS teuer frag en, die für unsere Stadt gelöst werden mußten, wenn nicht Schulden wirtschaft einreißen soll. Zu der kürzlich schon eingeführten Wohnsteuer ist nun eine Vergnügungssteuer gekommen, die alle Vergnügungen restlos erfaßt. Bei allen Tanzvergnügungen müssen 25 Prozent des Gesamterlöses an Eintritts- und Tanzgeldern an die Stadlkasse abgeführt werden. Sollte kein Erlös erzielt werden, wie beispielsweise bei Ves- gnügungsveranstaltungen im geschlossenen Vereinskreise, so setzt die Bürgermeisterei auf dem Wege der Vereinbarung einen zu entrichtenden Pauschalbetrag fest. Da Verlosungen, soweit sie nicht in geschlossener Gesellschaft stattfinden, nach § 286 R.-Str.-G.-B. verboten sind, kann auf diese Weise die Steuer» pflicht auch nicht umgangen werden. Diese Vergnügungssteuer wird allgemein begrüßt. Sie kommt nur schon etwas spät, nachdem der Hauptvergnügungstaumel zum Glück schon vorüber, aber leider nicht erfaßt worden ist. Bisher war die Steuer auch schwer durchzuführen, da das Billettsteuergesetz den Gemeiw- den Beschränkungen auferlegt, die durch die neuen gesetzlichen Bestimmungen beseitigt sind. — Angenommen wurde auch ein Entwurf, der die Besteuerung des reich sein kommen steuerfreien Einkommenteils betrifft. Die Steuer tritt in Kraft von einer Einkommensgrenze von 6000 Mk. an.
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B. Burkhards, 7. Dez. Nach längerem Schwanken entschloß sich die Gemeinde auf Grund einer Anfrage bei jedem Haushaltungsvorstand Nun- Anschluß an Die Lichtversorgung der Ueberlandzentvale. Da auch die beiden benachbarten Gemeinden des oberen Niddertals Kaulstvs und Siechenhausen das teure und schlechte Petroleum müde sind, so besteht die Hoffnung, daß in absehbarer Zeit das game Niddertal mit elektrischem Strom versorgt werden wird. Die Strom- zufühmng dürste dann von Gedern aus erfolgen.
Kreis Schotten.
O Gedern, 8. Dez. Emen schönen Verlauf nahm das Winter- und Dekorierungs- f e ft des hiesigen Zweigvereins vom Vogelsberger Höhenklub. Die Festfolge wies ein« auserlesene Fülle musikalischer und sonstiger Borträge auf. Mit dem silbernen Abzeichen wurden 9 Mitglieder dekoriert, die sich am regsten an den Wanderungen beteiligt hatten.
O Gedern, 8. Dez. Gestern abend erfolgte hier die Gründung einer Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei. Zum Vorsitzenden wurde gewählt Bau-Jng. Jeckel, zum Stellvertreter und Schriftführer Postsekretär Mehring, zur Rechnerin Frau Schneidermeister Kauck. Die neue Ortsgruppe zählt bereits eine größere Anzahl von Mitgliedern.
O Gedern, 8. Dez. Anläßlich der Notspende für die Innere Mission gingen hier ein: durch die Kirchenkollekte 100 Mk.,durch die Haussammlung 1125.75 Mk., so daß der notleidenden hessischen Anstalten der Inneren Mission im ganzen 1225.75 Mk. zugewendet werden können.
Kreis Friedberg.
o. Bad-Nauheim, 7. Dez. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung wurde folgendes beschlossen: Der Verkehrskommis- sion wird ein Zuschuß von 8000 Mk. für Propagandazwecke bewilligt. — Bei dem Mathildenstist in Friedberg nimmt die Stadt ein Darlehen von 500 000 Mr. auf. — Für Herstellung der Hin- denburgstraße werden 120 000 Mk. bewilligt. — In der Versammlung wurde festgestellt, daß die Stadt bis jetzt über 50 Arbeitslose zu versorgen hat und zu befürchten ist, daß ihre Zahl in den nächsten Tagen noch zunimmt.
Starkenburg und Rheinhessen.
RMK. D arm st ad t, 8. Dez. Ern schweres Unglück, bei dem drei Menschenleben zum Opfer fielen, ereignete sich am Dienstag um die Mittagszeit htb er Lagerhalle des Werkstättenamtes II der Eisenbahn im Dornheimerweg. Die bisher als Rottenarbeiter beschäftigten Th. Mönch, 27 Jahre, und Adam Kissinger, 23 Jahre alt, beide aus Griesheim, sowie der 30 Jahre alte Hch. Damm aus Leeheim waren seit Montag in der großen Eisenlagerhalle beschäftigt, in der die ausgedehnten Eifenstäbc usw. auf Holzyerüsten ruhen, die durch eiserne mit Laschen festigte Stützen befestigt sind. Anscheinend ist eine der Laschen mit der Zeit locker geworden, die Stütze gab nach und das ganze Gerüst, auf welchem etwa 200 Zentner Eisenstäbe liegen, legt» sich um, die drei Arbeiter unter sich begrabend. Trotz sofort eingetretener Hilfe konnte nur der Tod der Verunglückten fest- gestellt werden.
X Groß-Steinheim, 6. D^. Zur Feier des 600jährigen Stadtjubiläums fanden in den beiden Kirchen Festgottesdienste statt. Nachmittags bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Straßen der Stadt nach dem Friedensdenkmal, an dem eine schlichte, aber eindrucksvolle Feier stattsand.
Kreis Wetzlar.
Die Butterverlorgung.
sa. Aus dem Kreise Wetzlar, 7. Dez. Das Butteraufkommen im Kreise ist in letzter Zeit so yurücfgegangen, daß jetzt nur noch 15 oder gar 10 Gramm wöchentlich auf den Kops her Vers-wgungsberechtigten entfallen. Auch die Vollmilchversorgung der einzelnen Bedarfsgebiete, insbesondere aber der Stadt Wetzlar, ist sehr unzureichend und hat sich gerade in letzter Zeft noch weiter verschlechtert. In einem an sämtliche Ortsgruppen des KreisbauemvereüiL gerichteten Schreiben stellt der Vorsitzende des Kreisausschusses zu seinem Bedauern fest, daß die seinerzeit gebildeten Orts milchnachprüfungskommissionen nicht den ursprünglichen Erwartungen entsprochen, vielmehr »um größten Teil versagt hatten. Die vom Kreise bestellten Revisoren können wegen der immer noch f)errfd)enben Maul- und Klauenseuche ihre Tätigkeit pmächst noch nicht wieder auhrfymen. Um nun die Milch- unb Butterversorgung wieder einiger-! maßen sicherzustcllen, hat sich der Vorsitzende des!
KreisausschusseS gezwungen gesehen, zu bestimmen baß' wie dies bereits früher der Fall war, die 2 den Milchausnahmen mititnrEenden Landjäger gleichfalls wieder mit Stimmrecht auSncftQttrt werden. In Hweiselsfällen haben die Landjäger dem Kreisausschuß entsprechende Meldung tU er- statten, worauf dieser, soweit erforderlich, ein fach, vcrltändiges Gutachten ein holen wird. Der Vorsitzende des Kreisausschusses bemerkt, daß es den Ottskommissivnen nur angenehm sein könne, wenn die Landjäger mit ihrem unparteiischen Gutachten Nieder mitentscheiden, zumal diese durch iljre lange Mitwirkung bei den Milchnackprüjungen sich die nötige Sachkenntnis versck-afst Hütten. Der Schleich, handel mit Butter blühe gerade in der jetzigen Zeit wie noch nie zuvor. Es sei dies ein sicheres Zeichen dafür, daß bei den Aufnahmen nicht allez richtig erfaßt worden sei. Dadurch aber, daß die Landläger von jetzt ab gleichfalls wieder bei ben Ausnatonen mitjubeftimmen Hütten, was an Butter bzw. Milch abzuliesern sei, werde ein wirksames Mittel zur Unterbindung des Schleichhandels geschaffen. .
d. Großrechtenbach, 7.Dey. Im Bereich, her hiesigen Bürgermeisterei ist die Maul- und Klauenseuche weiter ausgebwchen in Ebersgöns, Hörnsheim. Oberkleen und Reiskirchen Außerdem ist unter der Schafherde zu fNünchhvlz. Hausen der Ausbruch der Müde in einer Stärk, wie jie bisher noch nicht festgestellt wurde, ftjd gestellt worden.
Hessen-Nassau.
Kommunales aus Marburg.
□ Marburg, 7. Dez. In der gestrigen Stadtverorbnereujitzung wurde cm sthon einmal znrückaewiefener Antrag, eine Steuer von 20 Mk. für lebe in der Stadt Marburg über >echs Monate ölte Ziege zu erheben, erneut euige- bracht. Während ent Stodtvero-.dereter sich scharr gegen drefe Steuer wandte und darauf hmwres, daß sie sich auf teilten Fall mit der Sauglmgs- fürjorge vereinbare unb eine Knebelung bet Kleintierzucht bedeute, waren andere Redner gegenteiliger Ansicht. Sie meinten, die, die sich Ziegenmilch leisten könnten, möchten auch bezahlen. Die Vorlage mußte schließlich doch vertagt werden. Bei Erstattung des kriegswirtschaftlichen Berichts wurde mitgeteilt, daß zu Weihnachten aus gesparten Beständen auf den Kopf der hiesigen Sladtbevölkermig 400 Gramm Zucke r gegeben werden könne. Außerdem fei eine Ausgabe von AuslmtdSmehl, etwa 600 Gramm auf den Äopf, das Pfund zu 5 Ml., in Aussicht genommen. Bei der Aussprache wurde über die mangelhafte Milch» uvb Kattoftel- beheferung scharf »"Tage geführt mib banrjf hm- gewißen, daß Marburg, trotzdem es mitten m der Landwittsckxrst liege, mit der KNrtosteloerfov' gung ganz kläglich abgefchnitten Hütte.
sd. Frankfurt a. M., 8. Dez. Die hier unter außerordenllich starkem Besuch stattaefM- bene Taarmg der Mietervereine für Hessen und Hessen-Nassau beschloß die enbgültige Gründung eines Larckesverbandes Hessen, eines Landesverbandes Hessen-Nassau für das unbesetzte Gebiet und die Auerkennuna oes bestehenden Mie- tcrschutzverbandcs der Länder am Rliein. Die drei Verbände schließen sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, deren Sitz vorläufig Frankfurt am Main ist. Dr. Ernst W. Fischer hielt dabei einen Vortrag über die Aufgaben der Micterbe- negung und die Wege zu ihrer Bcrwirllichung. Tr be&anbelte eingehend bat neuen Entwurf zu einem Reichsmietengesetz, die Ablchmmg her geplanten Reichsmietsteuer und den Vorschlag, die Mittel für die Herstellung neuer Wohngebäude durch Heimstätten-Darlehenskassenscheine aufzubriirgen. Der Redner trat für einen Ausbau des Miet- rechtes, insbesondere für eine grundsätzliche Regelung des Künoigungs- unb Räumungsrechtes ein, sowie für ein Zwangsrecht in der Frage bet Reparaturen. Weiter forderte er, baß bie kommunalen Gebühren unb Steuern nicht nach dem Mietwett, sondern nach dem Verhältnis zwischen Miete und lÄnkommen veranlagt werden.
Akvche unb Schrrle.
0 Eschenrod, 8. Dez. Unsere Gemeinde konnte am 2. Adventsonntag bie schon lange ersehnte Einweihung der neuerbauten Kirche festlich begehen. Ta das alte, bereits tot 30jährigen Krieg als Notkirche erbaute Gotteshaus baufällig geworden war, wurde schon im Jahre 1914 der Grundstein zu der neuen Kirche gelegt, deren Vollendung sich aber infolge der durch den Krieg bedingten Verhältnisse nicht eher ermöglichen ließ Und bie wohl nie zustande gekommen wäre, wenn nicht die kirchlichen und gemevi4£irfxn Körperschaften einmütig zusammen gewirkt hätten und durch eine geradezu bewundernswerte Opferwillig- kett der gesamten Eniwvhnerschuft unterstützt worben waren. Ter festliche Tag wurde emgt'leüet durch eine kurze im Schulsaol, der bisherigen gottcsdiarsb liefen Stätte, veranstaltete Abschied)feier, an welche sich der Festzug zum neuen Ättteshans anschloß Nach der Schlüsselübergabe öffnete der Superinttg hent für Oberhessen, Geh. Oberkonsistorialrat D. Pete rsen die Kirchtüre, durch welche die Meng', der Festtellnehmer hereinflutete. Der Weihegotts- dienst war erhebend und wird jedem unvergeßlich bleiben; Kirchen chor, Orgel klang, Glockengeläut und das gesprochene Wott vettieften seinen Eindruck. Tie Weihehandlung wurde vorgcmomme» durch D. Petersen, der seiner Ansprackre dar Sckwiftwvtt: Siehe, ick mache alles neu! zuorum legte. Als £ünrrg fungierte Dekan Volv auS W back. Ti« auf bie Höhe festlicher Freude führende Festpredigt wurde von dem Ortsgeistlichen Pwrirr Stumpf gehalten. Als Organist war Lehrer Würz tätig. Am Nachmitlag fand ein Kirchenkonzert statt, in welchem Einzelgesang (Främem Auguste H aubach-Nidba), Kirckxncmrr, Crgd' spiel (Pfarrer Stumpf) und Ansprachen (Dekan Volp und Pfarrer Schulz aus Ossinthal) to einem harmonischen Ganzen verschmolzen tyaröt- Besonders bewundert wurde die neue Orgel, der, von Förster und Nikolaus in Lich erbaut, ein wahres Kunstwerk ist. Unter den Festgästen bemerk« man noch neben Den Nachbargeiftlick-en, bte 'vöhrmto des Krieges Eschenrod kirchlich versorat hatten, den Kreisdirekwr Geh. Negiermigsrat Boeckmann sowie Schulrat Feuerbach. Tas neue Gottes- hcrirs bildet in ftiner einfachen, aber vornehmer Schönheit bte Zierde unseres Torfes.
Xunft und Wissenschaft.
Hannover, 8. Dez. (WTB.) Der.Polftei- präsident hat, nachdem die gestrige zweite AM- führung von Lauten sackS „Pfarrhaus- ko m ödie" im Deutschen Theater weberum tumultuarische Szenen hervorrief, so daß das Theater polizeilich geräumt werden mußte, dir weiteren dlufführungar des Stückes verboten.
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