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Zranksurt a. M. 11686
170. Jahrgang
Freitag, 9. April 1920
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Such- und Zteindruckerei R. Lange. ZchnsUeittlng, Geschäftsstelle und Druckerei: 5chulstrahe 7.
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Die französische Taktil.
Aus der neuesten Note Millerands an die deutsche Regierung gehl mancherlei hervor. Zunächst die Tatsache, daß Frankreich seine Alliierten nicht nur wegen seines Vormarsches nicht gefragt hat, sondern aucl), daß es gewärtig ist, in London, Washington und Nom aus Widerspruch zu stoßen. Darum hat die Auffassung Berechtigung, daß Frankreich dem deutschen Nachbar eine Warnung, den eigenen Bundesgenossen aber einen Wink geben wolle, daß es geneigt sei, künftighin bei Auseinandersetzungen über die Ausführung des Friedens- Vertrages auf eigene Faust zu handeln. So sehr selbstbewußt tritt übrigens der französische Ministerpräsident in seinem neuesten Schreiben nicht auf. Er weiß offenbar, daß Frankreich schwach ist und gegen anders geartete Auffassungen der Alliierten nur schwer ankämpfen könnte. Vielleicht beziehen sich Millerands Andeutungen, daß Frankreich geneigt sei, mit Deutschland den wirtschaftlichen Apstauschverkehr weiter auszubauen, aus Einsendungen, die von Washington oder Rom bereits gekommen waren. Wir wissen über die Stellungnahme Wilsons und Lloyd Georges noch nichts bestimmtes, während vom italienischen Ministerpräsidenten Nitti gemeldet wird, daß er die Vorfälle als eine innere Angelegenheit Deutschlands betrachtet wissen wolle und den Vormarsch Frankreichs nicht billige. Noch entschiedener drückt sich die öffent- lickze Meinung Italiens in dessen Presse aus. Gewisse Zeitungen fordern, daß die bevorstehende Konferenz von St. Remo es nicht nur bei Worten bewenden lasse, sondern mit Taten einsetzen möge, um endlich eine wirkliche Aera des Friedens einzuleiten.
Amtliche deutsche Stellen haben bereits die Angaben Millerands widerlegt, und aus der Nationalversammlung, die nächsten Montag zusammentreten soll, wird es weiterhin erhellen, daß es eine Militärpartei in Deutschland nicht mehr gibt. Es waren auch in einem französischen Funkspruch „An Alle" vom 6. April, 9 Uhr abends, Entstellungen und Lügen verbreitet worden, gegen welche von amtlicher deutscher Seite Front gemacht wird. Es heißt da, es sei unwahr, daß 150 000 Mann deutsche Truppen im Ruhrgebiet operierten, es sei unwahr, daß es sich nur um 10000 schlechtbewaffnete Spartakisten gehandelt habe, die beim ersten Angriff davonlau^ en würden. Die bisherigen Verluste der Reichswehr, etwa 200 Tote und mehrere hundert Verwundete, sprächen eine andere Sprache. Diese Andeutungen genügen, um aufs neue die französische Taktik zu kenn-- -eichnen, die dahin geht, an der Seite der schlimmsten Terroristen die deutsche Arbeiter- ichast gegen die Regierung aufzuhetzen.
(Eine neue Kote lMllerandr.
Paris, 8. März. (WTB.) Millerand überreichte dem deutschen Geschäftsträ- -tier folgende dkote:
Vor der Besetzung von Frankfurt a. M., Hanau, Darmstadt, Homburg und Dieburg bat dre französische Negierung pflichtgemäß ihre Alliierten benachrichtigt und ihre Meinung eingeholt. 'Seit dem Inkrafttreten des Friedensvertrages hat ■ftc zu wied:rl»ltcn Malen den Willen bekundet, »rit ihren Verbündeten ein enges Einvernehmen aufrecht ju erhalten, indem sie manchmal ihren -Standpunkt demjenigen ihrer Alliierten unterge vrdnet hat. Sie mar an dem Tage gezwungen zu handeln, an dem sie sich nicht nur einer Ver Atzung der al (gemeinen Klauseln des Vertrages reyenü berge stellt sah, die alle Alliierten angeht, und die für die durch die hervorgerufene Lage befon ter» fühlbar ist, sondern an dem auch das Wort ffbrorfxnt wurde, das ihr die deutsche Negierung nit den von ihr eingegangenen Verhandlungen gc xben hatte. Am 26. März erklärte der französische Ministerpräsident in der Deputiertenkammer, es sei ar hoffen, daß die für den Be-rinn der dringendsten Aredergutnxacknmgen notwendigen Beschlüsse nicht lange auf sich warten ließen. Am 29. März er klärte Sxrr G ö ppert der französischen Regie rung, seine Negierung habe die Möglichkeit der Entsendung von Ersatztruppen in das Ruhrgebiet ahne vorhergehende Ermächtigung durch die fran- ;öfische Regierung in feinem Fall in Ansicht genommen. Am 2. April bestätigte öerr Millerand dem deutschen Ge schäft s- : räger in Paris die Erklärung, die er am 28. März gegeben halte: Die französische Regie- mng könne die Ermächtigung nur geben, wenn Üe französischen Truppen ermächtigt würden, gleichzeitig die Städte Frankfurt, Darmstadt, Dornburg, Hanau und Dieburg zu besetzen. Am ! 3. April .rbends gab toerr Göpvert zu, daß üeichswcbrtruvpen die durch den Beschluß vom ). August 1919 sestgesetzte Höchstgrenze überschrit- en haben und in das Ruhrgebiet eingedrungen eien, und verlangte gleichzeitig im Namen der deupchen Regierung, daß die zu diesem Zweck wtmendige formelle Genehmigung nachträglich der Rutschen Regierung gegeben werde. Gleichen Tages । teilte Untcrstaatssekretär im Auswärtigen Amt ). Daniel in Berlin dem Stell Vertreter des Ge- rerals Rollet, dem «General Bertbelemy, mit, die !>ie deutsche Regierung habe dem Neichskommissar 2 e o e r i u g volle Handlungsfreiheit über die angesichts bei Operationen im Ruhrgebiet konzen
trierten Truppen gegeben und nehme die Verantwortung für ihre Tätigkeit in der neutralen Zone auf sich. Die französische Regierung setzte unverzüglich die Alliierten von dieser Lage in Kenntnis. Indem die französisckie Regierung ihren Alliierten anzeigte, daß die deutsche Regierung durch ihr Vorgehen den Art. 44 des Friedensvertrages von Versailles verletzte, dessen Verletzung den Casus belli bedeute, sprach sie die Hoffnung aus, daß die anderen Regierungen gleich wie sie die 4!otwendigkeit eines unverzüglick'en Einschreitens erkennen und der französischen Regierung roirMarne Mithilfe in der Ausführung der militärischen Maßnahmen leisten toürden, die jetzt weder umgangen noch aufgcschvben werden könnte.
Es war dies übrigens nicht das erste Dfel, daß die franzöfische Regierung ihren 9UIn.TMi diese Notwendigkeit darlegte. Am 23. März hatte Frankreich auf der Londoner fron f< reit z d.'N Vorschlag eingebracht, Frank'urt und Darmstad> zu besetzen. Diese drückte aber am 25. März ihre Ansicht dahin aus, daß der Zeitpunkt unpassend sei. Die deutsche Regierung nxtnbtc sich direkt an die französische Regierung, um tue Bewilligung zum Einmarsch von -fnir-pen in das Ruhrgebiet zu erhallen. Dre französisch! Regierung hatte keinen Grund, sich zu Vvrletzimgm des Vertrages hinzugeben, da alle ihre Erkundungen mit denen der Mliierten üf>?reinftimmten und alle Alliierten einmütig dfe muttäriscke Besetzung dcs Ruhrgebiets als unnötig und gefährlich betraäste- teu. Andererseits wie sm alle Vorkommnisse oa- rauf hin, daß die Initiative zu diesen Operationen der deutschen Mxlitär- partei zugeschrieben iverbm müs'e. Es war bte Militärregierung von 5Lapp, die sie ergriffen hatte, und es war die Militärpartei, die trotz der starkm Einwände, die selbst im Schoße der dmtschen Re- gienmg gegen die vorgesch-ene Jmtervention erhoben wurden, daraus bei; irrte, daß es unmöglich sei, ohne Erhöhung der frräste die Ordnung im Ruhrgebiet wi der herzust'llen. Frankreich iah sich soinit einer Maßnahme gegenüber, die nach einstimmiger Ansicht der 2111 vierten nicht ohne Ermächtigung zur Aussikhrung gelangen durfte, ine keineswegs durch die Umstande g.oechtserligt war, und für die die deutsche Regierung Frankreich gegenüber de formelle V.x-pf ichtung eingegangen war, sie nicht ohne Ermächtigung auszuführen. Diese Maßnahme war durch den Umstand besonders schwer auszunehmen, daß die Alliierte ttotz ihrer beständigen Bemühungen die Ausfücheung dr: frlau- setn bezüglich dr Abrüstung Deutsch'ands nach nicht erreichen konnten.
Die französische Regierung handelte somit gleichzeitig fan allgemeinen und im Intevefse Frankreichs. Es ist übrigens nicht nötig, in Erinnerung zu rufen, daß sie entschlossen ist, die besetzten Städte von ihren Truppen $u befreien, sobald die deutschen Truppen die neutrale Zone vollständig verlassen haben. Tie Haltung der ftanzösisckZen Regierung ist durch das Vvrg.l-m der deutsche Regierung gerechtfertigt. Tie französische Regierung wird übrigens ihre Anschauung in bezug aut Deutschland, mit dem sie auf Grund der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Handelsbeziehungen eintreten will, von denen die Situatton Europas nur gewinnen rann, nichts andern. Am 26. März sprach sich der französisckxe Ministerpräsident in diesem Sinne im Parlament aus, wenn er sagte: ,Lch meinerseits schließe den (ve- danfen eines wirtsckxaftlxchen Zusammenarbeitens nickst aus. Ich habe sckwn gewisse Möglicksteiten im Ange. Tie Grundbedingung, die aber vvran- geht, ist, daß die deutsche Regierung, mit der ich — ich wieder l» le es — bereit bin, wirtschaftlich zusammen zu arbeiten, zunächst den BetveiS ihres guten Mistens erbringt, indem sie ihren Verpflichtungen nachkommt."
Am 29. März bestätigte Herr Millerand Herrn Maver feine Wsicht, eine Aera neuer Beziehungen zu Deutschland auf dem Wege wirtschaf.licker Zn | fammenarbeit zu beginnen. Als die ttanzö)'i)Q)e Regierung am 4. April ihren Vertretern im 91ns- lairbe die Beschlüsse nrittcilte, die sie gefaßt hatte, bat sie, wissen zu lassen, daß, meint sie diese Öaltung eingenommen hätte, sie keinem wmdltchcn Gedanken Deutschland gegenüber gehorch^- Sie wiederhole die Versicherung, Frankreich wüwche bald wieder die normalen Bezielmngen zu Deutsch- land auf der Grundlage wirtschaftlichen liebereür- Ivmmens zu Ixxben. Sie fügte bei, daß die Amre gungen, die in diesem Sinne unt.nrommen würden, bei ihr günstigste Aufttahme finden würden, und machte die Mitteilung, daß unter genauen Umständen die Initiative von Frankreich aus kommen würde.
Eine deutsche Entgegnung.
Berlin, 9. April. (DB.'^ In ber Note ber französischm Regierung an die Bov'ckiasterkonfe- renz wftd behauptet, daß die Militaristen Kapps den Emmarsch in das Ruhr gebiet erzwangen. Auch eine ÖavasMeldung will bewetsen, daß der Einmarsch unter Kapp entstand Unter* staatssekretär v. £> a n i e l toirhe unter beiden Regierungen. Tie fetzige Aufgabe ginge von den kappchnsch/en Rebellen auf die legale Regierung über. Dieser tenden,iöseu unrichtigen xarfttlning gegenüber sei festgestellt, daß .Y?an:d am 17. März eine Znstruktion cm den deutschen Eeichäftstrager in Baris richtete, worin es heißt: „Dte Heeres- und Friedenskommission ersuchte den General Ofellct um die Genehmigung des Einrückens von sechs Bataillonen, ’.njei Eskadronen und drei Bataillonen. Nollet lehnte die Forderung ab und verweigerte die Annahme weiterer Anträge der 5-eerrs^ und Friedenschmmi'swn als Antrag: enter nicht anerkannten Regierung. Bitte unverzüglich an zuständiger Stelle zu beantragen, day die alliierten Negierungen einer vorübergehenden Entsendung der bezeichneten Truvvenmengen zusttm- men. Sie wollen mit Rücksicht aus die .Stel
lungnahme Nollets darauf Hinweisen, daß der Antrag von der verfassungsmäßigen alten deutschen Regierung ausgebt. Größte Eile ist geboten, damit nicht in dem so wertvollen Zndusttiegebiet durch verspätetes Eingreifen der Truppen der Aufruhr weiter um sich greift." Damit wird der Versuch, die Ruhraktiou chs Erbschaft der militaristilchen Meuterei hin zustellen und die Verdächtigung, als ob Spaniel mit der Kappregierung zulammenwirkte, hinfällig.
Belgien an der Leite Frankreich-.
Brüssel, 8. April. (WTB.) Der Mitt ifte trat trat heule unter dem Vorsitz des Königs zusammen und prüfte die durch die letzten Ereignisse geschaffene Lage. Um den Grundsatz der Solidarität der Alliierteil gegenüber Deutschland zu bestätigen und Frankreich ein Zeugnis der Freundschaft zu geben, beschloß der Ministerrat, die französische Regierung wissen zu lassen, daß er bereit sei, sich an den infolge der Lage im Ruhr> gebiet ergriffenen Besetzungsmaßnal-men durch Entsendung eines Detachements zu beteiligen.
Die bevorstehende Konferenz von San Remo.
Mailand, 8. März. (WTB.) Der „Cor riete della Sera" sagt, daß übtr die Verschiebung der fronserenz o on San Remo mit Rück sicht auf die Vorgänge zwischen Frankreich und Deutschland keine genaue i>luskunst erhältlich war Es sei sehr tntwahrscheinlich, daß die Lage, die beute Anlaß zu einer sehr großen Beunrichigung in Europa gebe, binnen wenigen Tagen auf glückliche W^'isc gelöst werden könne. Die bestehende Sachlage gebe auch Anlaß zu dem Gerückt, daß die Koufevenz, die in San Reuw ftattfinben sollte, inunmebr in Paris abgebalten werde, da Millerand die französische Hauptstadt nicht verlassen könne. Dieses Gerücht wurde jedoch bisher nicht bestätigt.
Die Stimmen ans dem Anslande.
L o n d o n, 9. April. (WTB ) Die britische Regierung hat Carnbon mitgeteilt, daß sie die Frage der französischen Intervention von einem anderen Gesichtspimkt bettachte wie die ftanzösische Regierung.
Nach einer weiteren Meldung aus London loird Llohd George am Freitag früh abreisen und sich direkt nach San Remo begebnt und nicht, wie ursprünglich gemeldet, erst nach Paris. Die Nachricht, daß Belgien eine Truppenabteilung in das Ruhrrevier senden wolle, hat in ßonbon großes Aufsehen erregt.
Amsterdam, 8. April. (Wolff.) Der „Tete- graaf" milbet aus London: lieber die Haltung des englischen Kabinetts gegenüber der Besetzung hessischer Städte wurden verschiedene Berichte veröffentlicht. „Evening Standard" behauptet, daß gewisse Minister die Besetzung neuer deutscher Städte durch bie Franzosen ernst auf- fassen. „Evening News" bagegen erfahren, baß bie Berichte aus Washington und Rom, wonach Englanb unb Amerika einen anderen Stanbpmitt cinnchrnen sollten als Frankreich, volltemmen unrichtig seien. Dem Blatte zufolge erhielt Lott> Derby, ber englische Botschafter in Paris, den Auftrag, auf der Friedenskonferenz voll kommen klarzuslclleu, daß die brittsckeu Staatsmänner die Lage in Deutschland von demselben Standpunkt aus betrachten unb unstreitig mit Frankreichs Haltung sympathisieren. Lloyd George hat Lord Derby ermächtigt, dies in Paris darzulegen. Es besteht kein Grund zur Annahme, daß er den von Frankreich unternommenen Schritt nicht billigen wirb. Tie „Times" meldet, daß bei der Besprechung zwischen der englischen und französischen Regierung über die Besetzung der deutschen Städte vollständige Uebereinstimmung herrsche.
A m >t e r d a m, 8. Aprtl. iWvlft) "SXt „We ft* m in ft er Gazette" schreibt in einem „Em schsecktter Versuch" überschriebenen Leitartikel zu dem Vormarlchder Franzosen, mau dürfe die Macht der beut)den Funker nicht übrsck,ätzen. Das Fehlschlagen ihres Pitt'ches sprech: für sich. Nach allem, was man höre, habe die Masse d:s beirtidxm Volkes die Mllüärpartei satt.
B e r l i n, 9. April. Wie mehrere Blätter melden, teilte ber amerikanische Vertreter in ber interalliierten Rheinlanbs- kommission dem Vorsitzenden der Kommision mit, er lehne es ab, an irgeudioelchen Beschlüssen per interalliierten Rhrinlandskommission zugunsten des französis chen Vor st o ßes ins unbe)etzte Deutschland teilzunehmen. Er habe seine Regierung von diesem Schritt verständigt.
Rom, 8. April. ^WTD.) Der „(Eorrterc della Sera" tadelt in emem langen Artikel den französischen Irrtum und die Beetzung Frankfurts unb Darmstadts durch bie Franzosen. Italien, Englanb und Amerikck gaben ihre Zufttm- nrung dazu nicht. Sie bringen der Sympathie entgegen, da der Haß zwilchen Lutger und Besiegteii dadurch nur gestärkt würde und Frankreich bewiesen habe, baß es bannt bie allgemeinen Interessen Europas unberücksichttgr gelassen yabe. Vom wirt cka'ttichen Ltanbpunkte aus sei es abfurb, sich Europa ohne ein starkes Deutschland und Rußland vorzustellen. Dre italienische Regierung, deren Äufsas ung von der sran- zösrschen start äbweicke. Überla)fe ^rnnkreich^ble Verantwortung für seine Hanblw'.gsweDc. Dieselbe sei ein Zeichen Dafür, daß b;e Solidarität der Alliierten sich auflöfc. Ter „Messagero" befürchtet von dem Vorgehen Frankreichs cme
Störung der europäischen Lciae. Das Blatt weist gleichfalls darauf bin, daß Ine Solidarität der Entente babureb erschüilert \xxvbc Wäre die interalliierte Konferenz nicht von Haß, Rachsucht unb Furcht inspiriert gewesen, fo würde Eiiropa sckweller gesunden. Nitti hatte als erster bie Not- nNtnbigfcit einer neuen AufsissungSweise betont. Die Pawlc einer allgemeinen wirtschastlickren Restauration müsse über die M eiegspsychoie siegen Den Worten müßten xn San Remo Taten folgen.
Prag, 8 April. (Wolff-.) Dxe „Tribun^' bespricht unter b.*r Uebersckirift. „Das Ruvrg'biet" die Bosriximg Frankfurts imd verweist darauf, daß iiicht einmal Emgland und noch nxnxiger Amerika und Italien ix-m Borgeleu Fvankr ick)s zustimmen. Erne offiziöse Not' aus W<rchnuron unb der größte Teil ber i^nlienischm Btttttzw spräckfen offen and, daß bie i'vetTwmifiraa bte?.*4 neuen intematwiuilen >öoiifliftes nicht nur üb*r» flüssig, fmibern schablich sei. Dieser St-.nbt'unFt scheine jedem ber*cf)tigt, ber bie pvlittschl'u Verhältnisse xn Deutschland mit beurteil'».
Die französische Dittatnr in 8rar.t|urt
Frankfurt a. M., 8. April. (Wolff.) Ter Stabtkommanbant der franzör cktcn Militärverwaltung l.at gestern an ben Polizeipräsidenten folgende Mitteilung gerichtet:
Ter kommandierende General kauf tragt mich, I Horen bekamt trugeben, daß er äußerst mrzuft jeden ilt über die Art unb Weise, m ber bie deutsche Polizei voxt Frankfu*rt im Laufe des 7. April ihren Tienst oerfebcit Tjat. Sie hat in äußerst ungenügender Weise MensckxMansantmlungen ent- gegengeroirft. Ich bitte S«, für bie Folge fb genaue Befehle herauszugeben, baß der Herr flpm* manbicTcnbc General bez. id) nicht genötigt smd, selbst jeden Augexcklick fingtrifen zu müllen. Ich muß Ihnen ein sehr bedauernswertes Ereicpris mitteiten, das sich (>cute vormittag in ber Gegend der Hauptpost ereignete. Ein. fallender Jäger ist umgeworfen und verletzt toorben; frarabtner xmb Fahrrad wurden ihm entwendet Ter fbrnmon* btermbe General der Befahmngslruppen ist entschlossen, Feigheiten dieser Axtt nicht mehr zu dulden unb sie als besonders schwere Beleidigung für die Würde der französischen Truppen anjitfe&’n. Ich befehle Ilpren, mtverziüglick) nach»uforschen, falls Sie es nicht bereits gvtan l^ben, wer bte Urheber dieses Angriffes gSpesen sind, unb Ihre Maßnahtnen zu treffen, baß sowohl bas Fahrrad als auch ber Karabiner jo schnell wie möglich h.rbeig'?schafft werden. Sic haben morgen 12 Uhr das Resultat Ihrer Ermittlung mitzuteilen, sowie die von Ihnen getroffenen Maßnalernen.
Frankfurt, 9. April'. Tte Besetzung Frankfurts durch bie Fvanzojen hat im Laufe des gestrigen Tages durch crh-eblich: Verstärkungen, bie aus dem altbesetzten G'biet fernen, nriiett „Fortschritte" gemacht. Auch in vergangener Nacht xmb beute früh trafen neue Truppen em, bte teilweise auch mit ber Eise»tb<khn m ber Rickttung Friedberg iD.iter ttansportiert w ick>:n. Tte fron- zösischen Posten sind nunmehr über das Weickchild von ganz Groß-Franksurt lyerteiü und haben m allen verfügbaren Schu.'en, frafemm, öffentlichen Lokalen unb Gutshö en Unterkunft gefunden. Auf ben Vanbfttai'en und an d,m Straßenecken sind Mascknnengewehve, teilweise wie aus "b.*m Haupt- bahrchof, auch Tanks aufgo'tellt und schußfertig gemacht Für unifornttragenjX- Beamten aller Art ist de Grußpflicht ber I-al/nen unb Offiziere der alliierten Mächte eingeführt iro b.m. Die ftatt- tzöfiscke Militärbehörde hat Magistrat um ibc- ret ellunq Don Bürgerguarttere:, für 239 französische Offiziere bzw. OffizwrSsamllxen ersucht.
Die Beschießung einer deutschen Patrouille durch die Frauzoseu.
Berlin, 8. April. (Dorff.) Zur Fest-stellunS ber vordersten französischen Postenlinie wurden von der zuständigen deutschen militärischen Stelle drei Offizierspatrauillen entfett bet. Der mittleren Patrouille wurde in Oberwöll stadt von einem Zivilisten gefafft, in Niedertvölls odt befinde sich eine französische Patrouille. Ter Pa- tvoxiillensühver Leutnant lvra>K a l n e i n erklärte hteranf, er :volle zur Klärung der Lage, wenn tr^erti) möglich, mit dem französischen Offivter selber sprechen. Ms bi* Pawoullle durch die Untersüh- rung kurz vor Niederwöllfiadt ritt, wurde sie von einem französischen Posten angerufen, worauf der PattourllenMrer L«ttnant Gvaf-Äulnein sofort antnxrttete. Wahrend dieser AntTvort dvan- gen mehrere französische Posten vvm Balmdamm auf bte Straße, so baß bas Pferd des Leutnants scheute und kehrt ntachte. Ohne werteres gaben mm bk* französischen Posten ungefähr zwölf bis fünf- zehtt Schüsse ab Tie Patrouille des Leutnants Graf-fralnein machte te hrt unb ritt in ber Richtung nach Oberwöllsxadt zurück. Hierbei wurde ber Führer Leutnant Graf-Kalneirt durch zwei Schüsse in bat Unterleib und Rücken schwer verletzt. Er ist später seinen Verletzungen erlegen.
Babenhausen besetzt.
Hanau, 9. April. Nagern die Fvanzojen auch die hessische Stadt Babenhausen besetzt haben, ist das dort nt der B:"etzung Darmstab s unter gebrachte ReickSMehrr'gimettt 35 aus Babenl-auseix nach Ascha'f nburg g bracht norden, von wo aus es nach Bad Orb kommen soll.
Weitere Ausdehnung der Besetzung ?
Paris, 9. April. (Frkf. Nachr.) Das „Echo be Paris" melbet, baß bie Besetzung Frankfurts zunächst brei Monate bauern solle. Ter „Matin" berichtet sogar, der jetzigen Besetzuxxg werden noch weitere folgen. Er nennt als nächste der in Betracht kommenden Städte Aschaisestburg.


