Ausgabe 
9.3.1920
 
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170. Jahrgang

Dienstag. 0. März 1920

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

AwlMngrrunddruck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Such- n. StetaürvSerei R. ränge. Zchristlettuag. Seschastzstelle u. vruckerek: ZchnMr. 7.

Nr. 58

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Material für die deutsche Gegenliste.

Ein aus französischer Gefangenschaft -u- lückgekehrter Leser teilt uns folgenden Auf­satz von Georges Bienaime mit, der am 24. August 19,19 in derVictoire" gestanden habc. Er, (ber frühere Gefangene, habe ihn damals abgcschrieben, und er fügt hinzu, daß dies der einzige ungefärbte Aufsatz über Ge- sangenenbehaudlung sei, der ihm im Laufe seiner Gefangenschaft in der französischen Presse zu Gesicht gekommen sei. Gewähr Da­für, daß er keine Uebertreibungen enthalte, biete schon die Tatsache, daß der Auftatz in einem ausgesprochen ^chauvinistischen Blatte, dem Organ des ehemaligen Sozialisten Gustave Scrv6, des jetzigen Bannerträgers der Nationalisten, erschienen sei. Die französische Selbftanklagc hat folgenden Wortlaut:

Auf der FuselGroix.

Trotz des Waffenstillstandes, trotz bet Unter- «eickJlung btti Fricdensvertrags werd-n die in un­seren tKTidndx'ncn stonz-?ntrattonslagern internier­ten Fremden (und sogar die Fwcm»oscn) nach rote vor genau so übel behandelt wie rn der B?rgangen- heit.

DieseUnerwünschtem" teratt man: Männer und Frauen, die feindlichen ober neutralm Staaten <ni(p1)ören und gewöhnlich feinerler ^ rbredien fr* gaiigr.t lynbcn: Männer und Frauen, die verbünde­ten Nationen angelwren, sich aber ernt Verur­teilung zu gezogen haben.

Zusammen Hot man sie gepfercht in unseren Zion z: ntrationSlagern, die Ilnschuüngen und bk Hafb-Berbrrcher: imb in nxlchrr abscheulichen Mr- schung in moralisier und materieller Hinsicht. Die Aesänchte von PrücignS, von Ajdin, von la Ferte-Mace, von FleurY-en-Bferrk, der Kirs-rmat- trn der Insel 05tmx während des Kriegs totrö nicht glänzend fein für Frankreich.

Die Leiter dieser Lager, bt: Berwaltcr, btt Wächter, alle dies« Leute hab-m Schweres aus dem Gemsien. m _

Man fofite mcht glauben, bas bcc BoÄreft, daL Laster, die Bestialität noch sontel Menschen nnch^cir.em halben Iavrhunb.-rt nxltli^er, demo­kratischer ui:b sozialer Republik bel;err chen konn- ten! Tie Insel Groir ist ein Repres'.alrmlager für dieschlechten Köpfe", die sich in den utirven Logrrn nicht allen Launen des Leiters, b't Ver­walter, der Ibiteroifiikrc und bet ganzm schmutzi­gen Bande unterworfen haben, die fnt 6 J'ahren die internierten Männer und Frauen unterdrückt, aus- beutei und brutalisiert.

Tie Frauen! Sie weiden da Schönes erlebt haben, die Unglücklichen. Sie bannten sich in die Türkei versetzt glauben, auf den Sklavenmarkt.

CS gibt Präsekten, die über vieles Kapiti'l Langes und Breites ivisfen. Doch ich will zur Insel Grob zuruckkehren und die sich morgen zurragen sich qestern zutrugen und die sich morgen zutragen werden, solange der Krieg nicht offiziell t>vn- bet fern wird, solange der Belagerungszustand an­hält und die Militärs, zu glücklich über den ihnen sugtfcLenen Fund, ibn in bte Längt zu zieh'n vermögen.

In Groir erfolgt die ärztliche Behandlung seitens des Arztes der Insel. St' wurde kürzlich er; en '.'J antat hindurch aufgehoben aus Re pressali.rn- grün den.

Die Interniertet kaufen in der Stettin? einen Zuschuss an Nalrrung, der unbedingt notwendig ist, um ihre Strafte aufrecht zu erhalten; dies? Kantine beutet sie in abscheulicher Weis? aus.

Aus 9'evre saliengründen wurde bie Kantin-? 14 Tage geschlossen.

Um Lebensrnittel und Tabak zu kaufen, ver­kaufen die Internierten ihre StTnbung, man sieht welclte, die im Hemde spazieren gehen.

Aus Repreisaliengründen hat man noch bie Internierten während der Nacht einge schlossen mit b.*m Verbog heraus;utreten. Sie haben ihre na­türlichen Bedürfnisse durch die Stäbe, die ihr.' Fenster schliessen, befriedigt.

Schlei te Behandlung, Brutalitäten, Schläge, nichts ist ihnen er'p-irt geblieben.

Sie beginnen übrigens sich zu fragen, warum sie nicht nach Deutschland zurückgekehrt sind, da doch der Stricg beendet ist.

Der Chi wer, der die Leitung hat, ist absoluter Herrscher, ein Potentat ohne Zügel und ahn? Kon- trolle.

Unb bi das nicht genügt, kommt ber ehemalig« Komirnrndant, der heute demobilisiert ist, von Zett jur Zeit von Lori ent nach Orjif um seine früheren Opfer zu sehen. In B.'gieitnng vo?rDamen" kommt er, um sie in ihrem Elend ;u beleiidg?n. Werden di re Schünpflickfeiten imb dr.'e Skan­dale bald ein Ende nehmen?

Sier liegt j wieder einer ber ungemein zahlreichen Fälle vor, bie unsere Reichsregie- rung veranlassen müßten, sehr energisch bie deutschen Rechte gegenüber der Entente gel­tend zu merffen. Noch immer leider zögert ober weigert sich unsere Regierung, den Beschul­digungen unb Strafverfolgungen deutscher Reichsangehörigen durch die feindlichen Mächte unser eigenes Anklagematerial gegen nicht minder strafwürdige Personen und Vor- fälle entgegenzuhallen. Das Verlangen nach einer deutschen Gegenliste wird immer leb­hafter im deutschen Volk. Die beklagenswer­ten Vorgänge im Sotel Adlon in Berlin und neuerdings in der Bremer Kaserne können! zwar Nicht scharf genug getadelt werden, aber daß die Stimmung guter Deutschen gegen das 1

tyrannische Frankreich "u Herorb eutlich auf­gebracht ist, tzst ja lein Wunder. Umsomehr muß mit voller Gerechtigkeit und Gegenseitig­keit aller Zündstoff beseitigt werden, der die Beziehungen beider Länder und Völker noch bedroht. In iben Kreisen unserer Regierung und der Mehrheitsparteien wiewobl die Ausfassungen im Zentrum unb in der benic kratischen Partei in dieser Frage sehr geteilt sein mögen glaubt man bic Notwendig feit der Ueberreichuna einer Gegenliste mit dem Einwand widerlegen zu tonnen, oaß keine neue Saat nationalen Hasses und feinb- seliger Ereiferung mehr ausgestreut werden solle. Ein ganz unhaltbarer Standpunkt, schwächlich, oberflächlich, charakterlos! Wir ertoerben uns keineswegs bie Sympathie und bie Nachsicht der Gegner und des Auslandes, wenn wir dem fremden Lügensystem imb ein­seitigen Verfolgungswahn ein solches Ent­gegenkommen zeigen. Hier muß vielmehr der nationale Widerstand bis zum letzten, nicht bis aufs Messer, sondern bis auf ben letzten Saud) ehrlicher Ueberzeugung, ausgefochten werden. Der oben erwähnte Fall, der von Franzosen selbst bezeugt wird, ist zum Bei­spiel jo kraß unb von dem französischen Ver­fasser selbst als bestialisch charakterisiert, daß man daran nicht Vorbeigehen darf Weim Frankreich unb England sich sträuben, eine berartiQe Gegenseitigkeit in der Verfolgung von Kriegsverbrechen anzuerkennen, fr darf man ihnen doch nicht die Verlegenheit und moralische Niederlage ersparen, die sie sich zuziehen, wenn sie aus gut bearünbete, in echtem Rechtsbenmßtfein wurzelnde Vorhal­tungen der deutschen Regierung zu antwor­ten genötigt sind. Ueberdres erfordert ja auch das bisherige Zugeständnis ber Verfolgung deutscher Staatsangehörigen vor dem Leip­ziger Gerichtshof noch eine ganze Reihe von Klarstellungen. Wer zahlt bte Kosten, wenn die Prozesse ins unendliche anschwellen, und wird Frankreich bereit jein, die Grundsätze und Erfordernisse deutscher Justiz anzuer­kennen? Auch in diesen Einzelheiten ber Gegenseitigkeit müßte ein gemischter Aus­schuß rechtzeitig sich darüber klar werden, wie weit die Prozeßziele gesteckt werden forte n.

Niemals wird eineBeruhigung" im Volke sich einstellen, wenn nicht eine ruhige, unbeirrbare Politik nationaler Gerechtigkeit von ber Regierung geführt wird, die sich da­bei sehr wohl freihallen kann von allen Herausforderungen und Auspeitschungen des Chauvinismus.

Amerikanische Kommissionen in Deutschland.

De rlin, 8. März. (Wolff.) LautBer­liner Tageblatt" befinden sich seit geraumer Zeit Mehrere amerikanische Kommis­sionen in Deutschland, um die Mög­lichkeiten neuer Einfuhren festzustellen.

Amerika und die Milderung de» Friedcnsvertrage-

Arnsterdarn, 8. März. (Wolff.) Dir Times" meldet ans Washington, daß eine Milde­rung ber strengen wirtschaftlichen Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages in den Vereinig­ten Staaten allgemeine Zustimmung finden würde. DieNeuyvrk World" schreibt, ein armes Deutsch­land würde eine wirtschaf liche und sogar politische Bedrohung für seine Nachbarn bedeuten

Rumänische Truppen von Bolschewisten geschlagen?

Stockholm, 8 .März, l Wolfs.) Die Stock­holmer ZeitungAstenbladet" meldet, daß nach einem Telegramm aus Reval bolschewistische Streitkräfte in Stärke von 150 000, 97?ann den Dnjestr an mehreren Punkten überschritten hätten unb bald in Bessarabien einrücken. Die rumänischen Truppen seien geW.agert. In Rumänien halte man bie Lage für kritisch.

Bela Khun.

Wien, 9. März. (WTB.) Ten Blättern zu­folge wurde Bela K h u n vom Swckauer Kran- knchause nach der Landesheilanstalt am Stein­hof überführt.

Der Streit im Hotel Adlon.

Berlin, 8. März. (Wolff! Don franzö­sischer Seite wird derB. Z." mi'tr teilt, daß die französischen Gäste schon seit einigen Tagen den Konflikt hätten kommen sehen, daß sie aber, da das LiedDeutschland, Deutschland über alles" keine offizielle deutsche Hymne sei, feine Ver­anlassung gesehen hätten, der Aufforderung^zum Aufstehen Folge zu leisten. Wäre ba5 Lied offiziell als deutsche Nationalhymne festgestellt, so hätten sie nicht unterlassen, die gebührende Achtung zu erwei­sen. Kaum habe am Samstag abend die Mu ik bte Sönrne zu spielen begonnen, so sei eine Menge von Gästen gegen den Tisch der Franzo en vorgcdrängt und hätte mit oerschretenen Gegenständen zu ioerftn unb die Franzosen zu mißbandeln be.-mnnen. ES habe sich eine regelrechte ?ftauferei entwickelt, worin besonders der Kapitän iclein arg zugerichtet worden sei. Eine Dame anl Ti che ber F.an^r«n sei zunächst aus dem Saale gefe tet worden, u.n sie vor Tätlich­keiten zu sch^tzQt. Crinc L^ahl deutscher Gäste, dar-1

unter auch zufällig der in demselben Saale speisende Kapitän Ehrhardt, Führer der Marinebrigade Ehr­hardt, hätten sich in ritterlicher Weise der Dame angenommen und auch auf bie angreifenden deut ' scheu Gäste beruhigend einzuwirfen versucht.

D e r l i n , 8. März. sWolst.) Das u s w ä r - tigc Amt hat sich Vvrmütags nach b£nt Besin- den der im Hotel A d l o n D e r l e tz t c n ?rhm* di gen lassen intb fein Bedauern übe.- d'n fall onssprechen lassen. Gegen Mitl'g (prarben ber huuöfiidte Geschäftsträger und (Enteral Noll t w der Angelegenheit beim Minist?r des Aeusnrn vor. Der Minister drückte ihnen bc5 Bedauern bT Regierung aus und erklärte, datz eine ürntge* Untersuchung des Falles eingeleit't fei mtb dns^, bie Schuldigen bestraft würden.

Berlin, 8. März. sWTB.) Prinz Joachim Albrecht hat bei feiner zweiten Bernchmmrg feine Angaben voll aufrecht erhalten, daß er cn dem Skandal im Sotcl Adlon nicht be­teilig i gewesen sei. Sehr belastend für den Priw- xen fhtb die Aussagen zweier Kellner,« die währertd der Szene im Saal anwesend waren, die aussagten, daß ber Prinz zunächst ein Wein glas nach dem Tisch der französischen Gäste ge­worfen imb dann den auf feinem Tisch stehenden Leuchter ergriffen habe, um ihn ebenfalls nach den Franzosen zu werfen. Nur durch ihr Ta- zwischentreten sei der Prin^ daran gehindert wor­den. Im schärfsten Widerspruch da­gegen stehen bte Aussagen der ; ahl - r e t di c u Gäste, die Zeuge des Vorfalls waren, daß sie nichts von einem Angriff des Prinzen auf di: französischen Gäste geieften hätten: das betonte auch der cfjenialige russische Staatsrat v. Sarfeld, der neben dem Prinzen gesessen hatte. Heute nachmittag wurde der Prinz auf Ersuchen ber Staatsanwaltschaft dem Ersten Staatsanwalt Dr. Weis mann übergeben, ber bie Untersuchm'.g weiterführt.

An»schrcituugcn gegeu französische Offiziere in Bremen.

Bremen, 8. März. lWTB.) Zu einem bedauerlichen Vorfall flam es fjeute niachmittag auf dem Küsernenhof. Ä>n ben hier sich aushaltendeu Entente-Mili^rliüTrrnrisfionen, bestehend aus Ita-- Iknern, Engländern und Franzosen, begaben sich Mi Sterbanblungen zw-'i ho Here ftanzöfi- sche Offiziere in Militänrnisvrm in bte Shu-- ferne. Beim Betreten des Hofes fangen die dort anwesenden SoldatenDeutschland, Deutschland über alles"., Jnftlgedessen sammelte sich eine größere Menschenmenge an. Als die Offiziere aus dem Kasernengebäudc zurück- fiamen, wurden sie von der Menge ange- halten unb mißhandelt. Tie inzwischen alarmierte Sicherhnlspi'lizei serfrrnttc bte Menge und brachte die Offiziere in ihre Quartiere. Die Untersuchung wurde fohort emgeteitet

Aur dem rreiche.

Hindenburg» Kandidatur.

Hannover, 8. März. (Wvlft.) Unter der UeberschriftParole Hindenburg" schreibt ber Hannoversche Storier" an der Spitze ein's Leit- artilcls: Wie wir aus der Umgebung Hinden­burgs hören, ist bie Nachricht seiner Genergihnt, die Wahl zum Reichspräsidenten atrzunehmen, in ber Form zutreffend, daß der Feldmarschall be­reit sein würd', seine Dienste zur Verfügung zu stellen, sallsdiesden Wünschen ber ro.t» testen vaterländis chen Streikt znt* spricht.

Tins dem besetzten Gebiet.

Entwicklung aufhalten. Die heutige Aegiermw s Ule beseitigt werden. Durch feine politisch' Aiid'ckws h*'?g wolle man da? bärtfebr Volk beherrschen

Juli 1917 wollte er baj Volk au>klären, nm e4 vor dein Untergänge zu retten Die .hiftnftiox 1917 wurde bie wcttinnj vor dem brabnihnt inneren Zusammenbruch Damall- Iwibr man auf ihn nidxt gehört, bis nach mehr als Iahressrift alles kam nne es kommen mußte. Die Lktober- urrsassung 1918 war ein großer Sieg ber Dem»- tratr. Zum Lcidensgang nach Gompietne Iki6c et sich nicht gedrängt, aber sich dem Zimmge der rocnbiglcit gefügt.

Erzberger perltest stchorn bie Instrut- tionen, die er im Walde 'Jon Eomptegne -mpnn« Darnach telegraphierte Hindenburg em' Reih« fron- Punkten, worin Erleichterung b'i Wanenftw- ft-mbybcbinguitgfjT anzuslreben i Am Schluffe des Telegramms l-eiftt cs- Geltug' bi? Dirkch» ^nma dieser Punlte nicht, 'v wär? ü-otzdem <*- znschlievcn. Der Reichskanzter tcl-'gTr'Mnmr nleitIw zeitig, daß (Sribctirr zur Zeickmung des .:-afteN. stillstandes ermächtigt sei. .11-' ixr '^-i-^e ns schlich, tzcraniuchte, babe er ^Erzberger) für d. VlblelnnfM bie Verantwortung «richt tragen können und wollte aus dem 5Ttibi,ictt ausschriden, da bi? .lblebmMH des Friedens bie Fortsetzung bei bl urig m Krieges, den Verlust der nationalen Einheit unb einit mörderischen Bruder trteg bedeute'. 1)dite. tfirver- sichtlich babe er damit gerrchnet, bu(> brr i rtraa, )o wie er tieftebe, nicht lorihniuTr Ick«r Tag bestätig? brr . I dieser seiner natronafen Pflicksterfülluna sei er he^- txg ongegriflen worden. Drei ^tordgnstbiägc irwur-- btn am ihn verübt. Aach ber Uebentahm- b* ReichSftnanzmimstenurns, dem inibj*fb4Tfbn Amte aller Zeiten, habe er burd) rasch,-s Hru die »Grundlagen für cm rr>chs<-'gene^ Sttucnvesen gc|d>affcn. Erzberger führt txxim die aai-ge- arbeiteten Gesetze unb Gesetzes^rlagen aus und betonte, mit ruhigem Gewissen hal-e et den Ge richts saal betreten unb vcr- lasse ihn erhobenen Hauptes. Alle Fehler eineö guten 6bataf l c i > seien ft-roorgehaben worden: Allzu grefc Hilssbereit schäft, Nächstenliebe auf ber einen Seite und Ber- trauen $u Hilfesuchenden auf bet anderen 3aA^- veiche Zeugen aus allen Kreiscu, auch ^ibigörbnete, Ifttltc:; sich crliotrn, zu betunden, daß bat- von feinet politifdx-n Tätigtest vor ^stricht entworfene Bild em 'terrbild sei Er böttc, nbte sich einem berechtigten Angrisf auözusetzen, iNftlionen »er dienen köimerr, er habe dies ober abgelehnt unb durch ehrlichste unb wirkliche Arbeit sich ein bcfcheioenes Vermögen erworben. Wann er das Finanzministerium verlasse, werde er ärmer sein, als er es betreten l>abe. Was er getan terb, sei auch in anderen Parlamenten üblich. Die Be-- wkioauftälMe habe auch ergeben, daß er keinerlei Mißbrauch mit seinem Mandat unb feinem Ml'- tischen Einfluß getrieben habe Tie meisten vom Angeklagten bemängelten Tatsachn fielen in bie Aintstzeit, ja in das 9tefiyrt Hclfftrichs SBenun hab? Helfferich bis Mitte 1919 geschißenen, ivenr er es für korrupt hielt? Wenn er sich für gr sckM liche Unternehmungc.i crngefttzt habe, so sei cs seiner Ansicht nach immer im Rahmen der All gcmcinintcreffen gewesen. Er werde für seine Ebre tix-iter kämpfen. Niemand tonne behaupten, be> feilte Reden imb feine Abstimmungen von seinen, persönlick/cn Interessen bcemrlufot metbew

i Därrn. Man könne ihm nicht vevarqcn,

uxnn er empört sei. daß angesichts

einer derartigen tendenziösen Ausnutzung einiger Irrtümer und Unvorsichtigkeiten im Lause vieler Jahre rastlosen Wirkens hier dem deutschen Bvlle ein Bild von ihm vorgehalten locrbc, wie es ver­zerrter und abstoßender ferne diabolische

DaS Urteil gegen die Familie Röchling auf­gehoben.

Berlin, 8. März. (Wolff.) Nach einer Meldung aus Saarbrücken hat der Kassa­tionshof in sParis das Urteil gegen die Mitglieder der Familie Röchling, das vor dem Kriegsgericht in Amiens gefällt wurde, aufgehoben und das Verfahren an das Kriegsgericht zurückverwiesen.

Der Prozeh Erzbergerchelfferich.

Berlin, 8. Mär». (Wolff.'i Im Prozeß Helfterich er 1 arte Oberstaatsanwalt Krause in feiner Rev'ck: Uns allen liegt die Reinigung unseres öffentlichen Lebens am Herzen. Der Ober­staatsanwalt widersprach fobamt der Auffassung des Geheimrats von Gordon, als ob die Staats- anwoltschasr mit fliegenden Fahnen in bte Reihen ber Gegner überlangen sei. Cs habe sich nut im Laufe der Verhandlungen das Bild zuungunsten deS Neben kl Sa ets ge­ändert. Dem Angeklagten sei eS gelungen, rmc Reihe von Vorwürfen als begründet zu erweisen. 2&> nichts zn verteidigen fei, habe die StacttS- anwaltschcht nichts zu verteidigen Soweit sic sich für die (5fixe des Nebenklägers habe einfetzen können, habe sie es getan. Der Oberstaatsanwalt ging sodann wieder auf einzelne Punkte ein, \o» wftt.sie die Verauickring von parlamentarischer mit geschäftlicher Tätigkeit betreffen. Ter Oberstaats­anwalt schloß mit der Erkläruna, daß er auf feiner Anklage bestehen bleiben müsse. Der Erste Staatsanwalt Clausewitz führte au«, daß Erz­berger in ferner Rede in der Nationalv?rsamm- lung ohne Zwei'el außer anderen Per.'önlichfeiten, wie s. D. Gcheimrat vugenberg, auch den Ange­klagten Helfserich mit der Auslieferung drohte.

Eine SelbstlcbreLe ErzbergerS.

Rach der Mittagspause ergriff Erz­bergerdas Dort zu längeren Ausfüh-l r un gen. Man n»lle mit dem Kampf segen seine Perjou die Demokratie treffen und dre ruhige!

tafle ersinnen könne.

Tie Auffassung des Oberstaatsanwalt-, daß eine Verquickung von Politik unb Geschäft er^ wiesen sei, müsse er auf das ^llerentschiedeMe bekämpfen und als wcltftemd bezeichnen. Die r*>- sehlcnde Weitergabe eines Gesuches durch etnex Abgeordneten bedeute feine unzulässige Beeinslu-- fimg. In dem Kampfe gegen ihn komme der Kampf der alten Bureaukratie im Minister«m gegen die berechtigten Vorstellungen pflicht­eifriger Abgeordneter zum Ausdruck. Z« Dolle habe man den Abgeordneten nicht als lWi' gen, sondern als förderndes und schützendes Ste­rn ent angesehen. Erzberger wendet sich gegen den Vorwurf der Unwahrheit und wirst iodann Helfft« rech vor, daß er seine Meinung übet den U-Bont- krieg im Januar 1917 änderte, weil er Kvnzler werden, den Fricken machen unb das bentfriv Volk in eine neue Aera hineinsühren wollte. Zum Schluß betonte Erzberger, fein g anse s Sem unb Wollen fei dem B atcrlande, der Kirche und den Hilfsbedürftigen ge­widmet gewesen, gestützt vom Vertrauen seiner Partei und seiner treuen Wähler in feiner ge­liebten schwäbischen Heimat.

Hllfterichs Efwiderung.

Berlin, 8. März. Helfserich ei*»?fce6 Erzberger, indem er di? Behauvtn.igen des Neben- klägers zurückwies. Der Wafechnrsbeweis sei 'bei nach Ansicht der Staatsanwaltschaft aeglück' Er ehe dem Urteil ruhig entgegen. Die Lanterfeft fei­ner Motive im Dampf gegen ßnbrrger feien <r- grziveiftlt worden: demgegenüber rxe.z er noch­mals darauf hin, daß Errberger ein Verhäng-iis Ür das Reich und für das Boll sei imb aus Lent politischen Leben verschwinden müsse. Tie erste Iulihälfte 1917 wäre seine sHclsierichsz irrchtbarste Zeft gerod-m I n der Regieru n g hätten damals alle gewußt, tote nabe wir dem Frieden gewesen seien Da hebe Erzbevger mit seiner Frieftensresolution eingrgrrf- fen. Die Der Handlung wurde darauf aut Frei­tag vertagt. Man nimmt an, daß es gleich zur Urteilsverkündung Bcnraut