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Nr. 82
Der Siebener Änjeiaer erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.
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Erstes Blatt
170. Jahrgang
für Politik: Au, für den übrigen l Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: 5-, 1'«*, sämtlich in Gießen.
Donnerstag, 8. April 1920 Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis ▲ zum Rachmitlag vorher
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Teil: Dr.
General-Anzeiger für Gberhesten
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Das selbständige vorgehen Frankreichs.
lieber die Verhandlungen, die Derr Millerand mit seinen Bundesgenossen gepflogen hat, bevor er dem Militär die Anweisung erteilte, in deutsche Gebiete vorzuxücken, sind wir bisher im einzelnen nicht unterrichtet: von einer Botschafterkonferenz, die gestern in Paris ftattgefunden hat, verbreitet Havas nur eine nichtssagende und wie es scheint, verlegene Notiz. Darin steht kein Wort davon, daß irgcndeiiter der Bundesgenossen den militärischen Streid) billige, sondern es heißt lediglich, Frankreich habe die anderen Mächte wissen lassen wollen, daß es auf der Ausführung des Friedensvertrages unter allen Umständen bestehe, und bei irgendwelchen Verletzungen dieses Vertrages selbständig vorgel)en werde. Also eine Drohung und Herausforderung gegenüber Frankreichs Verbündeten! In diesem Zusammenhang wird die amerikanische Presseäußerung verständlich, daß Frankreichs Vorgehen schon jetzt die Auflösung des Völkeo- bundes vorbereite. Im übriaen bleibt es noch abzuwarten, welche Beschlüsse in London, Washington und Rom gefaßt werden. Ob eine heute vorliegende Meldung, Wilson habe in einer Note bei Frankreich bereits Vorstellungen unternommen, auf Tatsachen beruht, vermögen wir nicht festzustellen.
Gerüchte, die gestern und heute verbreitet waren, wonach die Franzosen im Begriffe seien, aus Frankfurt und Darmstadt sich bereits wieder zu entfernen, haben sich leider als unrichtig herausgestellt. Wir verweisen auf die nachstehenden Meldungen. Es ist im Gegenteil in Frankfurt zu sehr ernsten Zusammenstößen zwischen der aufgeregten Bevölkerung und den fremden Eindringlingen gekommen, wobei es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gab. Ein Wunder ist es nicht, daß in der Bevölkerung die größte Empörung über den französischen Eroberungszug herrscht, und die Franzosen selbst hatten ja, wie ihr kriegerischer Aufwand beweist, mit bewaffnetem Widerstand gerechnet. Ein solcher Widerstand mit den Waffen wäre freilich ganz unnütz, und darum fordern die deutschen Behörden mit Recht dazu auf, möglichst die Ruhe zu bewahren. mit der hoffentlich sich- bestätigenden Vertröstung, daß die Besetzung nur einige Tage dauern werde.
Die Haltung der vun-tsgenossen Zrantrelch;.
Amsterdam, 7. April. (WD., Der „Tele- Ittaaf" meßyct aus Paris, daß bie Haltung der Bundesgenossen Frankreichs gegenüber dem Bor- rüden der französi'chen Truppen noch nicht geklärt sei. Die Berichte aus Italien smen mdrt lehr günstig. Die italienische Regierung soll bte fr an fcöin die bereits haben wissen lassen, daß sie Versäbnungsversuche lieber ge'ehcn hätte nne militärische Maßnahmen. Die Berichte ims Washington seien ebenfalls wenig befriedigend. Auf tre direkt. Unterstützung Amerikas habe Frankreich in feinem Falle zu redm.m.
London, 6. April. (WTB.) Die „Times" nennt das Vorgehen Frankreichs den richtigen Schritt. Was die Deutschen zur Entichul- digimg der Verletzung des Friedensvertrages sagen, sei ebenso finbifd) und lmverschämt wie bte Ankündigung Bethmaims mögen der Verletzung der belgischen Neutralität. Tie „Westminster Gazette" bedauert die HandttmsSmeise der Franzosen.
Amsterdam, 6. ?Lpril. (MB.) Wie der „Telegraaf" aus London meldet, ist die Ansicht der amerikanischen Presse über den Vormarsch der franzöIndien Truppen geteilt. Die „Newport TinreS" und die „World", die der Re- gierung nahestehen, sind der Einsicht, daß Frank- r.'idr zu Unrecht in der Bewegimg der deutschen Truppen eine Bedrohung erblicke, und deuten an, daß Frankreich einen Vorwand gesucht habe, um Ts-va-nfhrrt in besetzen. „Newport Sun" gibt die Ansicht verschiedener republikanischer Senatoren wieder, die in dem gesonderten Vorgehen Frankreichs den Beweis schm, daß der Völkerbund bereits in der Auflösung begriffen sei.
Wilson gegen Frankreichs Borgehen.
Wie die „Boss. Ztg." aus ftöDenbagen meldet, hat Wilson an ben Obersten Rat eine Not ' gerichtet, in der er aus die Gefahr:n aufmerffam macht, die Fr an kr eichS e i ae n m ä ch t i g e s Vorgehen für den Blöd der Alliiert m und für die Lage in Europa bedeutet.
Eine Tagung de» Botschafterrale».
Paris, 7. April. (WTB) Ter Botschafterrat ist hurte nachmittag um 5 Uhr zu- iammengetreten. Die Tagesordnung bildeten die deutschen Noten vom 3. und 6. April. Der Präsident der Konferenz gab eine Note bekannt über die Besetzung Frankfurts und über die Gründe, die das Vorgehen der französischen Regierrmg veranlaßt haben. Millerand teilte dann folgende Note an den deutschen Geschäfts- ttäger mit: Vor der Besetzung der Städte Frankfurt, Darmstadt, Homburg, Hanau und Dieburg hat die französische Regierung großen Wert daraus gelegt, ihre Verbündeten zu b-nachrichtrien und bei chu« 3Ut ewöicholm. Verschiedene Voriälle seit
dem Inkrafttreten des Friedensvertrages haben bewiesen, daß Frankreich gctvillt ist, das enge Bündnis zwischen den Alliierten ausrechtzuerhalt.n und eines Tages, wenn es sich einer Verletzung des Friedensverirages gegenübersieht, aus eigener Kraft z u handeln, um so mehr, als es infolge ferner geographischen Lage besonders ge» ährdet ist. Am 26. März erklärte der Kammerpräsident, daß Frankreich, da? immer noch aus die dringlichsten Wiedergutmachungen warte, nicht wisse, welche endgültigen Beschlüsse es fasicn solle. Am 29. März erklärte Göppcrt der französischen Regierung, daß seine Regierung keine Möglichkeit sehe, ohile vorl)erige Gen.chmigung der sranzösi chen Regierung Öilsstzruppen in das Ruhrgebiet zu entsenden. Millerand bestätigte dem deutschen Geschäftsträger in Paris die Antwort, die er ihm fdx>n am 28. März gegeben hatte, daß die französische Regierung bte Ermächtigung nur geben könne, wenn die iranzösischen Truppen gleichzeittg die Städte Frankfurt, Darmstadt, Syomburg, öanau und Dieburg besetzen di'rrsten. Am Abend des 3. April bekannte Göppcrt, das; Reichswehrtruppen in größerer -Stärke, als durch ben Beschluß vom 9. August 1919 erlaubt, in das Ruhrrevier einmarschiert seien unb bat im Namen der deutschen ^Regierung um die notwendige formelle Genehmigung.
Ter Rat des Völkerbundes.
Neu York, 8. April. (WB.) Reuter. Ter RatdesVölkerbundes ist bis zum 9. April nach Paris einberufen worden, um die Vorschläge des Obersten Rates bezüglich Albaniens unb der innerhalb der Grenzen des türkischen Rcicl-es befindlichen Minderheiten zu erwägen. Ter Rat wird das vorgeschlagene Wallys em für bte Er nennung der Vertreter der Stadt Danzig prüfen.
Berlin, 7. April. (WB.) Die Blätter veröffentlichen einen von Grey, Lloyd George, Beatty, Asquith, Cleans und Cvugh unterzeichneten A u f - ru f, der zur Ausbringung von einer Million Pfund Sterling auffor?eri, um werte Kreise über dm Vö l ker bund zu belehr-rn.
Holländische Prcssestimmen.
Amsterdam, 7. April. (WB.) „Allge- meen H andelsblad" schreibt zum Vormarsch der Franzosm: Für Menschen mit gesundem Menschenverstand muß die Politik Frankreichs sehr dunkel sein. Das Organ der niederländischen sozialistischen Arbeiterpartei „,$) et Bolk" schreibt: Von neuem werden einige hunderttausend Untertanen des besiegten Landes den Truppen der ftan- zösischen militärischm Herrschaft ausgesetzt, und von neuem hat das erschöpfte Land erhöhte G c l d l a st e n zu tragen für die Besetzung, die heute mehr kostet, als das gesamte frühere deutsche Heer. Das Blatt nennt das französische Vorrücken eine neue Gewalttat, ja fast eine Kriegshandlung. Das Blatt ist der Ansicht, daß der Protest der deutschen ^Regierung in England, Amerika und Italien Eindruck modern wird.
Zranzöfische Anordnungen in den neu besetzten Gebieten.
Frankfurt a. M., 7. April. Folgende Be-- lar.nrinacf ungen wurden erlassen: Vorschriften be- trefienb den Verkehr, die Telephon-, Telegraphen- und Po stkontrvlle im besetzten Gebiet.
1. Zirkulation des Verkehrs. Jede Person muß einen Jdmtitätsausweis halan sowie einen Nachweis, daß sie im besetzten Gebiet wohnt ober sie muß ihre Anwesenheit nachweisen können während des BelagerungszustaTides in den besetzten Gebieten.
2. Beric'hrstxorschriften in dm Gebieten des Belagerungszustandes, Nauer Brückentopf Mainz. In dm Gebieten des Belagerungszustandes des Brückenk)pses Mainz ist der Verkehr frei in den Grenzen der durch Befehl vom 6. April fe|tgefeWn Stunden.
Um sich aus dem Belagerungsgebiet nach dem unbesetztm Gebiet zu begeben, wird ein deutscher Paß, visiert durch die in Den einzelnen Städten befindlichen Besatzungsbehördm, verlangt, unb zwar Tür Frankfiirt a M. und Umgegend bas Berkelwsbureau Frankfurt a. M., T«umcs.ir1-age 9, für Tarmadt unb Umgegend das Bertohrsburoan Darmstadt, der Armee-ObertomMandant und seine delegierten für die anderen Ortschaften Um tun dem unbesetztm TautsckLand nach dem Gebiet des Belagerungszustandes zu tommen, wird ein Paß verlangt, am besten ein Reisepiß mit Bewilligung der Beialumgsbehörde unb genehmigt durch die Bcrielnsbureaus Mainz,. FoanliiUrl oder Tarm-- stzcht, wohin auch die Gesuche gerichtet werden
R-eiseverkehrskartan. Be'ondere Fälle: Tie De- Besatzungobetördm, der ArrnewberSommandant ober deren Delegierten genehmigen ben Land- und sfiwrikarbeitern, bmm Woftwri und Arbeitsstätte durch bie neue Verkehrsgrenze getrennt sind, Ausweise, damit die Arbeit nicht gestört wird. Diese immer an ober zu erneuernden Ausweise haben eine Gültigkeit Von nicht über einen Msnat.
Brstft, Pvst-, TelegramNr- unb Telephonver- tohr: Terielbe ist im Prrnzip in jeder Einsicht frei. Er wird tonte liiert durch Postzenfur.
Tiefe Vorschriften sind am 6. April in Kraft getreten.
Ter Ehef des Generalsdabes: gez.: Häring.
Blutige Zusammepststze in «jrontfnrt.
Frankfurt a. M., 8. April. Gestern nachmittag 2 Uhr tarn es an der vauptwache zwischen der Bevölkerung und ben fr an zösischen Besätzungstruppen zu blutigen .Zu- s a rn m e n st ö ß e n , die sich bis in bie _ späten 2lbeudstunden jortsctzten und erhebliche Opfer svr-
berten. An der Hauptwack>e hielt seit Dienstag rin größeres Kommando Marokkaner Auf die Kunde von bem angeblich bevorstehenden dlbzng d.w Franzosen sammelte sich um den ab.resperrten Platz eine große Menschenmenge, die mit den Marollanem schließlich in cm Wortgeplänvel geriet. Aus bis- lxr nicht aufgeklärter Uriadie gab die Truppe Plötz- lid) aus einem Maschinengewehr Streufeuer auf die Menge, wodurch 10 Personen getötet und mehr als 30 verwundet wurden. Trotzdem hielt die Menge den Platz weiter umringt. Als dann später Polizeipräsident Ehrler erschien, sich von den Vorgängen Bericht erstatten ließ und dann mit mehreren Offizieren dieser französischen Truppe nach dem Polizeipräsidium fahren wollte, suchte die erbitterte Menge das Automobil zurückzuhalteit und bewarf die Herren bei der Abfahrt mit faulen Fischen unb Steinen. Dann marschierten tarfc Truppenabttrluiigen mit Panzerautos und Maschinengewehren an der Hauvt- wache auf und besetzten diese in weitenr Umkreise. Auch am Hauptbahn Hof kam es mit der Besatzung zu Zusammenstößen. Doch konnte hier BlutveriTießen vermieden werden. Schlimmer gestaltete sich abends gegen 5 Uhr die Sage am Kaiser platz vor dem Frankfurter Hof. Hier drängten Tausende gegen die französischen Soldaten vor. Hierbei wurden, polizrilichen Mitteilungen zufolge, drei französische Soldaten erschlagen und ein Offizier durcheilten Schuß schwer vertu n n d e t. Dieser Schuß durchschlug den Körper des Offiziers und tötete ein dahinterst.l-endes Kind. Eine Anzahl Personen erlitten Verletzungen. Erst gegen 7 Uhr gelang es dem energischen Eingreifen der gesamten blauen Polizei, der Unruhen Herr zu werden und die Gegend zwischen Bahnlwfsplatz Md Hauptwache zu säubern. Während der heutigen Nacht find, soweit Meldungen bisher vor- liegen, keine Unruhen vorgekommcn. Nach einer Meldung des Wvlfburean sind bei den Zusammenstößen 6 Zivilpersonen getötet und 35 verwundet ivorden.
Magistrat und Stadtverordnetenversammlung der Stabt Frankfurt a. M. haben beim Ober st kommandieren den d r Alliierten, General Tegontto, in Mainz, nxc folgt Verwahrung gegen bie Bes etzung Frankfurts eingelegt:
„Der Magistrat unb bie Stadtverordnetenversammlung als die berufenen Vertreter der Frankfurter Bürgerschaft legen stierlichst Verwahrung gegen die dsm Friebenszustand nfider'p elende Besetzung der Stadt Frankfurt a. M. ein Sie erwarten einmütig mit der gesamten Bevölkerung, daß der völkerrechtliche unb gesetzmäßige Zustanb alsbald mieber heryestellt wird."
Der kommandierende General von Frankfurt, De m e tz , erläßt folgende Bekanntmachung: „Tas Olerücht von eitlem Abzug der französischen Besatzung ist durchaus falsch. Die Besatzung bleibt wie gestern angetünbigt."
Kapitän Pomarede äußerte Pressevertretern gegenüber, baß die Besetzung von Frankfurt unter dem Gesichtspunkte erfolgte, baß vielleicht Wider- stanb zu enoarten gewesen fei. Es würbe deswegen durchaus kriegsmäßig borgegangen und alle Maß- nakMen ergriffen. Es sei aber bet ruhigem Verhalten der Bevölkierung zu erwarten, baß innerhalb einer kurzen Frist bas normale Leben wieder seinen Gang nehmen werde. Der Fernsprechverkehr wurde gestern abend wieder freigegeben. Auch der gesamte Sttaßenverkehr von 9 Uchr abends bis morgens 5 Uhr dürfte in den nächsten Tagen wieder eröffnet werden. Der Personenverkehr mit dem besetzten Gebiet hat durch bie Besetzung keine Aenderung erfahren. Auch nach dem unbesetzten Deutschland kann man von Frankfurt aus ohne weiteres gelangen. Dagegen dürfen die ins unbesetzte Gebiet von Frankfurt abgehenden Schnellzüge nicht benutzt werden. Die Franzosen haben in Homburg, Vilbel und Hanau Kontrollstationen eingerichtet.
Ten Frankfurier Zeitungen ist das Erscheinen ab Tonnersttrg früh wi der gestattet uittor der Voraussetzung, daß sie die Bekanntmachung des Polizeipräsidenten vom Mittwoch auf der Titelseite bringen. Die Redaktionen find jedoch, so wird dekretiert, für jeden Hetzariikel und für jebe falsche Nachricht verantwortlich. Für Zuwiderhandlungen fntb lxche Geldstrafen eventuell Inhaftnahme des betrefknben Redakteurs vorgesehen.
Infolge der gltrigen Vorkommnisse fordern der Oberbürgermeister und der Polizeipräsident in Maueranschlägen die Bevölkerung aus, Ruhe unb Besonnenheit zu bewahren, da der Stellvertretende Kommandeur der Rheinarmee De matz ausdrücklich erklärt bäte, daß die Besetzung nur eine vorübergehende sei. Unbefonnene Handlungen würden nur zu einer Verlängerung der Besetzung führen.
Von einem geflüchteten Beamten der grünen Sicherheitswchr werden uns über die Besetzung Frankfurts folgende Etnzel- beften mitgetrilt: In der Nacht vom 2. zum 3 Friertag wurde die Guteleut-Kaserne, das Quartier der 'Sicherheitswehr, von einer Kompagnie Marokkaner umstellt: niemand nmrbe herein- und herausgelasfrii. Um 2.15 Uhr mittags fuhren eine Anzahl Tanks in ben Safemenl^r, gefolgt von einer größeren Abteilung Marokkaner, woraus bie Entwaffnung der SicherhritspolizMen begann. Mehreren Sickerhritspo iftUen gelang cs vorher noch, in Zivilllrider zu schlüpfen, über die Mauer ;u springen unb sich so der Gefangennahme zu entziehen. Die übrigen wurden nach der Ent- \ nxiffnimg unter äußerst starker Bewachomg, vorn und hinten je juri Tanks, ju beiden Leiten eine Kompagnie Marokkaner mit anjgepilanztem Sei
tengewehr, nach dem Gesangenet,lager Griesheim
Rührend des ganzen Tages kreisten ^ständig eine (Ttoüen? Anzahl französisch.'r Flieger scher der Stadt: am Dienstag vormtttag oft 30—10.
Eine ReichSwehrpatrouille von bett Franzosen beschofie».
n Friedberg, 7. April. Französische Pa- twuillen smd bis zu dein benachbarten Orte Nieber^Wöllstadt vorgerückt unb haben dort ben Bahnhos lvsetzt. Als eine K av a 11 c r iie- Patrouille der Reichswehr gegen ben Ort vorritt, wurde diese von der (rifeJibalntüberitibnmo aus von den Franzosen mit Feuer empfangen. Bei dieser (Kriegenbril erhielt der die Abteilung führende deutsche Offizier einer Bauck) schutz, an dessen Folgen er kurze Zett darauf ver st a rb.
Die zranzosen in varmfto-t.
Darmstadt, 7. April. Die vielen uirrärt* schwirrenden (Gerüchte in Verbindung mit der Tatsache, daß ein Teil der Besatztmg wieder i'lfloc Quartiere verlassen hat mit der Acust<rt .tg, daß sie um 12 Uhr die Stadt verlasseit haben mußten, gaben der Vermutung Raum, daß die iMrinntfl wieder oufgehoften mribe. Slaatspräfidettt Ulrich crtlärt demgegenüber, daß trotz sl-rnes mit aller (Energie veriochtenen Protestes unb des Hinweises, daß die Bes>?tzung Darmstadts u w. rin Vertrags- bruch sei, bislxr ein offizieller GegenlxTehl nicht erfolgt sei, daß also die Besetzung noch MW und bie damit verbundenen Anordmw^zen noch nicht aufgehoben sind. Von der Berliner Regier nmg werde er in seiner Anschauung voll uxb ganz unterstützt. Von anderer Sefte wird der Rückzug eines Teils der ftcmzösii<:»en Besatzung damit crflärt, daß die Franroseir beim Vorrucken mit Widerstand veckMeten uuo MS^lb auch stampftruppeil an der Besetzung trilnaltmcn. Da nun ein Widerst«iü> nickst eintrat, werden die Zlarnpftruppett zunächst zurückgezogen.
Darmstadt, 7. April. (WTB.) Bei dem Staatspräsidenten Ulrich sprach heute morgen Oberst Wimpffen in Begleitung mft dem französischen 93erbinbnng5oi fixier vor unb teilte mit, daß er von bet hohen alliierten Kommission in Koblenz beauftragt ;ri, die Verbindung zwischen der hessischen Regienmg, der Bevölkerung, ben hiesigen Besatzungtruppen, bem französischen Cbertommanbeur in Main; imb der Hohen Kommission in LDobtenz herzustrllen. Der Staatspräsident wiederholte seinen bereits gestern ausgesprochenen Protest gegen die Besetzung, die er als unzulässig und ungerecht betrachten müsse, da sie mit bem Friebensoertrag unb bem Rhrin- lanbabEommeu nickst zu vereinbaren sei. Bon feiten des Oberst Wimpsfen wurde daraus wiederholt zugesagt, daß die hessische Regierung in ihrer Amtstätigkeit und in ihrem Verkehr mit ben Reichsbehörden vollkommen frei und unbebinbert bleibe, baß die Besatzung von Darmstadt sobald als möglich eine wesentliche Verminderung erfahren und nach Möglichkeit eine dem Zustand m den bisherigen besetzteic Grineten entspoechende Lag« geschassen werben solle. w
Postzenfur in Koblenz.
Coblenz, 7. April. (WB.) Der interalliierte Oberbefehlshaber in Coblenz hat am 26. März eine Verfügung herausgegeben, baß er mit Rücksicht auf die in bem Grenzgebiet ber Besatzung-, sich abspielenben revolutionären Hanb- lungenvorübergehenbbieZensur für Post,TelephonunbTelegraphwieber einsührt.
$rantreid) fordert die Austösvng der Einwohnerwehren!
Berlin. 7. April. General Noll et hat in seiner Eigenschaft als Präsident der interalliierten militärischen Kontrollkommission der deutschen Regierung eine Note überreicht, in der es heißt: Es ist Vermerk genommen worden von dem Datum (20. April 1920) für die Auflösung der Reichswehr - freiwilligen. Was die Einwohnerwehren anbettifft, so legt die interalliierte Kontrollkommission Wert daraus, bie folgenden Punkte zu präzisieren: Tie Einwohnertvehren können, trotzdem sie sich mit dem Charakter als rein zivile Organisationen zu umfleiben versuchen, nicht mehr gestattet werden, welches auch immer ihre Rolle für bie Aufrechterhaltung der Ruhe im Funem sein mag, da ihre Bewaffnung unb ihre Eingliederung unbestreitbar emc Mobilisation begünstigen würde unb da bie Einwohnerwehren im Widerspruch zu ben Bestimmungen ber Artikel 136, 166, 175, 177 unb 178 bes Friri>ensvertrages stehen. Tie Note sagt barm weiter, baff ber 10. April 1920 als äußerste Grenze für bte Ausführung der Bestimmungen vom 1. ^ciembet, 1919'beftimml ist.
Paris, 7. Aprick. (WB.) Havas. weis, je^t in ganz Deutschland, daß die Fran»o'en entschloifen sind, die fichärfsien Maßregeln yi et* greifen, ramm der Vertrag von Versailles nicht durchgeführt Wirtz. In Frankreich fand käe Entschlv: ^etiheft Miller-ards rin immtg Billiguns. Hätte der französfiche Staat bte e Vm^-walttgutis der Hauptdestimmuua Vertrages gdndbri, dam> hätte er damit aut särftrliche ©ara-rdien her Wirdw- gutmachungen verzick^^ Am 10. Ap i läuft der Vertrag vom 9. Äugmü 1919 ab, ber D-utscbLaiid erlaubt, eine ^raifje Trupprnzahl in ber neutralen Zone zu haltzm. In vier Tagen also müssm sämtliche deutschen. Truvren bie?. Zone veriasfin haben. Millerand crCärte Herrn Mayw m )<i.icnr gestrigen Schvriben, pgß die AuSsührrorg au\ das Schärfste überwache wird.


