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Nr. 57

Ter siebener Nvzei-e, erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertag-.

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Sra*ffurl a. M. U686

170. Jahrgang

Montag, 8. März 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

ZwtMngrnmddnick u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch-1. Stdnöniderei 8.Lange. 5christ!ei!»ng, Srschästrstelle tu Dnderet: Schulstr. 7.

X »nähme rxm L«zeigen f. die TaqeS'nnnnWr vis zum 9lad)mitte« ohne fedeBerdindliMeit. Sg fir l me hshe fftv eigen v.34 m mBe^n ich 26 "ML, cuSiwittC 30 5L: für Reklnme- flnaeigen von 79 ew vre,te S0 Pf. Bei «tat- »orfchrifl20* .AuGehlag. Haupts christleirert flue. Soetz. <kvonti»Mtli* für Politik: Sw«. ®«* für den übrigen 1A* Dr Reinhold 3«q; für den ^ln*eiflcntril: H Beck, sämtlich in Gießen

Entente-Sklaven oder Bolschewismus.

Auf he von uns veröfdentlichlL'.r AuSfüSirungen des Hauptmanns Damm erhalte: wir von entern anderen Baltilumkenner folgende Zuschrift:

Die von Ihnen veröffentlichle Zuschrift de? Herrn .nruptmamis Damm löst natürlich Gegen- Lußerungcn aus: e5 kann reicht unwiderspro<s)eii bleiben, wenn öffentlich, sei es auch an-? vater­ländischstem Motiv, bem Gemeinschaftmachen mit dcm Bolschewistentum da? Wort geredet wird. Er­lauben Die mir, darzulegen, warum ich, gleich« falls von Februar biß November 1919 Baltikums- mann, den lolscheivistischeu QWxmfcn auch s^ud: noch als verderblich für baß befallene Land halten Muß.

Am Vergleich zu der Mutlangenben und schmackwvllen Wirkung des Versailler Vertrags hält Herr Hauptmann Damm den Bolschewismus letzten Endes für das kleinere Hebel.Lieber tot als Sklave." Allerdings würde der hereinb^chendc Bolschewismus für unser Deutschland wohl das Ende bedeuten, sowohl materiell rote ideell.

lieber den materiellen Untergang eines vom Bolschewismus befallenen Landes hat miß der An- schaunngsnnterrM im Osten auß der Nähe unter* richtet Aus so vielen Einzelaussagen gefangener Bolschewisten, aus glaubhaften Berichten baltischer Stamm eSgenossen, oie auß Reval und auß Peters­burg auf Umwegen herunter-, aus solchen von Rus­sen, die auS der Ukraine und dem Innern Ruß­lands über Polen heraufkamen, nicht zum letzten aus den Darstellungen Deutscher, die im Frühjahr 1919 m/ch auß der Zivilgefangenschast emtrafeu, erhellte einwandfrei, daß in dem Ackerbau treiben­den Rußland als Folge des Bolschewismus und seiner Wertzertrümmerung Hungersnot herrschte-, als Einheitsnahrungsmenge gab cd int März 1919 in Petersburg ein Pfund rohen Hafer täglich: im blühenden, nur foflfinnigeren Schleichhandel konnte man in Petersburg natürlich auch Fleisch haben: boß Pfund Pferdefleisch Kostete damals dort 120 Zaren rubel. Allzu volksbeglückend hat der Kom­munismus in seinen Hochburgen also nicht auf die Dauer gewirkt, die Masse des Volks starb in Hunger und Elend, das heute rwch imbegrenzter k-ecrscht, denn für bett IUdorrest der Bevölkerung ist eine Derbessernng der Lebenshaltung infolge dcc fclbstbrwirkten Zertrümmerung der produktiven L^lsiuna unmöglich gemacht. Die Führer imd die Nutmiesier jeder Staatsumwülzung, die Schieber, freiten sich natürlich der guten Tage.

Sollte m unferm Deutschland, das so viel mehr fndnstricll geworden ist, die materielle Wirkung der enU^rschlagenden Bolschewisten welle nicht noch viel i^lwevender fein? Würde damit außerdem nicht noch Bürgerkrieg und Abspaltung von £an^ des teilen, ganz dem französischen Wunsch gemäß, Darid in Land gehen ? Würde so Deutschlaiw nicht tnicbcr Europas Schlachtfeld, da doch der Gedanke, die (htltnteliuic wären gutmütig genug, uns dann auch den BouckrewiSmus nocl^umachen, nur ettie fromme Illusion ist?

Die verhält sich aber mit der Hoffnung, durch den Bolschewismus von der Versklavung an die Entente frcizukommen? Im bolschewistiic^n Rußland mitet heute die Entente: die russifckten ftodetischiitze gelwren nicht mehr Russen: die Re­gierung TrvtzkiS, das Organ fremder Interessen, teilt heute die Armen als Arbeitssklaven ein, zu deren Bewirtschaftung die fremde «ochfinanz ge­beten wird. Weder Boden noch Arbeitskräfte im Dienste des eigenen Volkes mehr. Könnte das Ergebnis einer Bolschewisten Herrschaft in Deutsch­land ein anderes sein? Wohl brauchten schließlich viele, die tot sind, nicht mehr für, die Entente toten: wohl Tonnten die Vertrags Partner auß 3hmr-n kaum mehr ZinS erpressen, aber di: lieber» lebenden und der deutsche Boden selbst itrirren ihrer AuSbennmg umso sicherer verfallen.

Der bessere Weg, von der Versklavung der Entente frei- und unter uns zurechtzukommen, ist PveifelSolme der der Arbeit und der jetzt eingelci- teten Bekämpfung jeden Schiebertums, säße auch in einer rntnbewrrtiaen Regierung. Finden sich dazu die Leute und schließen sie sich in Erkenntnis dessen, waß es gilt, besonders in den Einwohner­wehren, immer fester zusammen, so kommen die Ereignisse glicht über Uxvoi bereitete, sei eSim Land, sei ' an der Grenze. Dann Hot diese Erwähnung d*S BolschcwistcmtumS etwas Gutes bewirkt.

Mit vorzüglicher öochac^ung Oberarzt Weinberger, (früher int Frw. Laz. Mit au).

Eine deutsche Grpebitioo.

Berlin, 6. März. (DTB) Eine deutsche Erpeditiyn zur Bekämpfung des rrleckfiehers tim*) m lirrzer Zeit nach Ruß­land abgehen. Ti- Erw-diio i wird veranlaßt von einem Komitee, dem Graf Arco, Professor Albert Einstein und Professor Krauß ton der Ellr- ritee und der Berliner Arzt Dr. Fritz Schle­singer an gehören. Ter st-ührer der '.Txprtnticm, die auch Arzneimittel mttnimmt, ist Dr. F rey - ?n u t h. Tie Svwietregrerung, die der GrtxtÄtirm jede Lilse g-wöchren irtfl, übermittelte die Erlaub­nis zur Einreise. Tr. JreckmurU mit fernen Ge- STfcn nnri) sich dem ersten nach Rußland gehenden kricgSgesangenentranSrori anschließen.

Dar wirtschaftrmanifest der Entente.

Pari s, 6. Tlilr^. (Wolff.) Das wir t- !chaftliche Manifest hat, wie d?rDemPS" fctae mittest, auf Verlangen der französischen Regierung einige SCbäi tbcrung.it erfahren ES noll kel.ern abend von Löiidon nach Paris trlcgraDTxfrf) fccrnnttritjrorixn fein und zur Genehmigung dem Ninistcrpräfilxnten Millerand mucrbrvüei verdeu. Inzwischen aber ist in Laudon. hw |

foll5 derTemps" seststellt, ein Auszug deS M<mi- seiteS veröffentlicht worden. Tas Nünnvrandum beschäftigt sich zuerst mir dem Wechselkurse und fährt dann fort :

Tie Dersuckx. die ton den Reg'icrungen unter- roinntat würben, den Wechselkurs zu verbessern, könmm die völlige Wi^xrherstellung der Lage nur verzögern In der Zwischcnzei! müssen Mittel ge­funden werden, den Zusammenbruch der geschöii- lichen Operationen zu verhindern. Ter Oberste Rat glaubt, daß die notwendigen Krünte gefunden werden, sobald die europäischen Regierungen Maß­nahmen getroffen haben, um Vertrauen für ihre wirtschaftliche und finanzielle Politik zu gewinnen, ^er Oberste Rat erkennt an, daß die Wiederaufrich­tung der verwüsteten Gebiete und besonders c| r verwüsteten Gebiete Frankreichs für die ruro päisclx Wiederaufrichtung unbedingt erforderlich ist. Ferner hat er die besondereLage Teutsch- l a n d s ins Auge gefaßt, wo augenblicklich jedes Unternehmen gehemmt und jeder Versuch, Lmndels- kredite zu erlangen, fehl schlägt, und zwar auS dem Grunde, weil seine Verpflichtungen zurWieder- mitmachung noch toi Toni men unbeTcrttnt sind Der Oberste Rat glaubt deslzalb, es wäre außerorbmt- lich wüns^enswert und liege im Interess'! brr alliierten Länder, wie im Zrrxress-: Deutschlands, daß biege|amteSummeberS3iebergut» ma d^ung, die Deutt'ck^land gehalten ist, nach dem Fr eoensvcrtrag von Veriailles zu zahl.ii, sobald n>;c möglich sestgectzt wird. Der Oberste Rat glaubt, da» Deutschland in die Lage verhetzt werden muß. die notwendigen Lebens­mittel und Rvhstvfie zu erhalten, und es muß. wenn dies nach her Ansickrt der Wieder- autmachungSlvmmissivn nolwenbig ifl, berechtigt fern, eine Anleihe int Ausland aufzunehmen.

Der Oberste Rat ist übereingekommen, gewisse Leitsätze auszustellen, um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Europa? zu verringern. Es scheint ihm von großer Bedeutung zu sein, daß die Frie- densverHaltnisse so rasch wie möglich wieder her- gestellt nxrdeu. Die Armeen müssen überall auf den Friedens-uftand zurückgeführt werden. Jede Regierung müßte sofort die Mittel prüfen, um dem Volk die vitale Notwendigkeit klar zu machen, jede übertriebene Ausgabe zu vermeiden. Es müsien auch Maßnahmen getroffen werden für di: Heraufsetzung des Kredits und für die Einschränkung des Banknvtenumlauss. Was die verwüsteten Gebiete, namentlich die im Norden von Frankreich, anbetrifft, erklärt da? Memorandum, daß die Wiederaufrichtung von großer Vedcutung für die wirtschaftliche Wieder­aufrichtung Europas und für die Rückkehr zu den normalen wirtschaftlichen Beziehungen ist. Diese WicHeraufrichtungsarbeit, die große Kapitalien er­fordert, die man nicht aus den Iraifenben Einnah­men bestreiten kann, kann jriwch nicht ausgeschoben werden bis zur Zahlung der im Versailler Vertrag Deutschland auferlegten Summe. Deshalb erachlci der Oberste Rat für notwendig, daß die Kapita­listen für die Wiederaufrichtirng der verwüsteten Gebiete durch Anleihen gefunden werden müssen, als denen Garantien die Wiedergutmachungs- summrn gelten müssen, die von Deutschland in Ausführung des FricdcnsvertragcS zu verlangen sind. Der Oberste Rat ist ferner entschlossen, int ge­meinsamen Interesse Deutschandß und seiner Gläubiger die Deutschland auferlegten Zahlungsfristen auszuwählen und er fat beschlossen, von seinen Telegi^rnten bei der Wieoer.TunnacltungSbomn ij ion zu berfangen, daß sie Deutschland von der Verlängerung bief.T Fristen in Kenntnis setzen, und zu fragen, ob damit einverstanden ist, daß sobald wie möglich auf her Grundlage der Zcchlungsinög.ichkeit die Gesamt­summe festgesetzt werde, bi-: Deutschland als Ent- schÄSigimg zu -cchlen hat.

Die Politik Amerikar.

Washington,?. März. (WTB.) Mit 46 gegen 25 Stimmen stimmte der Senat neuerlich dem Vorbehalt zum Fr i ede n ß ver t r a g zu, nach dem die Vereinigten Staaten es ablebnen, cm den Auslagen des Völkerbundes ohne Zustim­mung des Kongresses der Bereinigten Staaten mit- tragen zu helfen.

Washington, 7. Mar;. (WTB) In ferner Antwort auf die letzte Note Llovd George? und Millerands über die adriatische Frage wiederholt Wilson, daß die Vereinigten Staaten die In­kraftsetzung der Bestimmungen des Londoner Paktes nicht billigen können, es sei beim, daß sie die Ueber- zeugung erhielten, daß diese Bestimmungen im wesentlichen annehmbar und so be'ch.ffen Riat, daß sie der Aufrecht rhakl ung de? Frieden? im südöt- lichen Europa nicht schäden könnten. SR-mt Italien und Iimo-Slawien auf einen Pufferstaat verzich­ten wollten und die Oberhoheit über die Stadt Fiume dem Völkerbund übertragen wollten m der Weise, daß weder Italien noch Iugv-Slawien die scvntrvlle über die Stadt beanspruchten, so seien die bereinigten Staaten damit einverstanden, daß die beiden Stenten in einem Abkommen ihre ge­meinschaftliche Grenze feftlegen.

Die Trennung der Entente von Amerika.

London, 6 März. (Wolff.) Der Schatz- kan,ker veröffentlicht folgende Note:

Kürzlich fanden zwilchen dem englischen Schatzkanzler und dem sranzösischen Finonz- miniiter in London Besprechungen über die Rück­zahlung de? im Irchre 1915 in den Ver­einigten Staaten von Frankreich und Eng­land gemachten An le he nS statt, das demnäcM fällig wird. Neuerungen in Frankreich und England haben befd-Loiieu, dieses Anlehen nicht zu erneuern. Matznahmeu zerr Rückzah­lung sind getroffen.

Eisenbahnstreik und Kabiuettöwechscl in Spanien.

M a d r i d, 6. März. (Wolff.) Nach bat letzten Meldungen aus Portugal I;abc;t gefumi morgen alle Beamten und Mngeftrifan der Eisenbah­nen die Arbeit eingestellt. Sie verlangen eine LohnerhölAing. Tie R-gierung sclstug der Kammer vor, die streikenden Beamten und ringt- stellten zu- entlassen. Ta sich die Kammer dicsetn Begehren widersetzte, reichte dic Reaierung ihre Demission ein, die von dem Präsidenten her Republik angenommen wurde.»Er beauftragte den Fulwer der Ternokraten, Senator Maris- Sil va mit der Bildung des neuen Kobinetts. Tic erste Tat de? neuen Kabinetts nur die Befriedigung der Wünsche der Streikenden, ivas dem ©ircu ein Ende setzte. Es geht das Gerücht, daß der Marino minister sein Portefeuille nicht behalten nrilL

Tie Lage in Portugal.

Paris, 6. März. <^Wolsf.) DemIbnrnal" riufolae trafen gestern tu Paris offizielle Nachrichten auß Lissabon ein, nach denen die AuSstandsbewegung keinen politischen Charakter Hütte.

Lebensmittelkarten in Italien^

Rom, 6. März. (Wvlst.) Eine Verordmmg setzt die Lebensmittelkarten für Brot, Mais, Oel, Fett, Butter und Käse wieder in Kraft.

Konstantinopel unter britischerVesetzung?

London, 6. März. (Wolff.) Reutrr Der Dailp Telegraph" meldet, daß die Regierung int LinNick auf die ernste Lage beschlossen halx, mit britischen Land- und Scestreit- kräften Konstantinopel zu besetzen. Die srauzvsisckx und btt italiatisch: Regierung sind aufgeforbert worden, daran teilzunehmen, man glaubt, daß sie bereit sind, dabei mitzuwirken. Es wird erklärt, daß genügend Streitkräfle für die Besetzung vorhanden seien.

Aus dein Aeictze.

Ein Zusammenstoß de6 Prinzen Joachim Albrecht von Preußen mit Frourofen.

Berlin, 7. März. (Wolsf.) Zu einem schweren Zusammenstoß kam . in ber vergn:genen Nacht im $yo*e[ Ad.'vn zwicken Cent Prinzen Ioachim Albrecht von Preu­ßen, dein Sohne des Priu-en Albrecht und au- bereit deutschen Gästen mit drei Mitgli oern der f r a n-z ö j i s ch e u M i l i t a r m i s s io u , K.rpitä,t Klein, Hauptmann Bouevtti und BotschostS eiTetär Dimerd. Als gegen 3/«ll Uhr die Kaj-elie im ll st­reit Saal neben bem Licht'.o)Deutschland, Teu ts chland über a[tcs>" spielte, erhobm sich die öcutjdxm Gäste, während die Franzos en sitzen blieben. Ter Prinz, der mit entern neben ihm sitzenden früheren russischm Stank-r.it bereit? einige Flaschen Wein g^tnutfai bitte, sprang erregt auf und rief den französischen Her­ren zu:Aufsieben, sonst raus!" Ta der Auffor­derung feine Folge geleistet w.rckoe, warf der PrinzetneDlumenvasenachdemMit- teltifch, wo die Ausiänber saßen. Andere OiiLste folgten seinem Beispiel. Als d-r Prinz in maßloser Erregung mit einem schweren Kerzenl-alter auf bett Gegner, trx sich kräftig ver­teidigte, enizuschlagen versuclüe, umrrngttm chn bi? fitlliscr und drängten ihn hinaus. Drn fvanzösi- scheu Herren, die Zivil trugerr, waren t tlhxnie bre Kleider zerrissen. Auch Ixittcn sie Beulen, Cutt- fdrungcu ir.b Schniti wunden davongeiragen. Der Drin; soll übrigens schon vor einigen Tagen einen persönlichen Zusammenstoß mit dem Kapitän Klein gehabt haben. Der Bor fall wi.d jedenfalls auch ein gerichtliches Nachspiel haben. Prrrz Joachim Albrecht ist 44 Jahre all und gehörte seinerzeit bex Schutztriiv« an.

Berlin, 7. März. (WB.) Prinz Joachim Albrecht bestreitet b?m Wolsfbureau gegen­über, daß er m ber gemckdetm Weise an dem Bor- fall beteiligt gewesen sei. Er hab: in Gesellschaft anderer Dersönlichkriten in nitrr Ecke gesessen und habe den Verlauf des Zwischenfalls nicht einmal verfolgen können, weil zwischen seinem Tische und bem Tische brr franzö­sischen Gäsie sich eine größere Anzahl Dnstonen ausgestellt hätte. Auch habe er keinerlei Ge­genstände geworfen.

Berlin, 7. Marz. (WB.) Der RerchS- wehrminister verfüyb?, bi§ Prinz I oacki rn Albrecht von Preußen und der Rittmeister von Plathen. der gleichfalls an dem Zwischen­fall im Lvtel Aduwi beteiligt ist, vorläufig ui Schutzhaft genommen werden

SirHrntorg als PräsidenlschaftSfkurdidat.

Eine Berliner Nachrichtenagentur verbreitet vlgendc Meldung:

In nxiten vaterländischen Kreisen ist immer lauter der Dimsch ertönt, den Eeneralfeldmarschill ton Lindenburg als Kandidaten für die bevor- klvnte Nemvahl des Reichs pr äs identen, aufzu- tellen Denn einer gteiaaet ist, die £t»ffmtnqm zu erfüllen, dir da? Botk in den neuen Reichs­präsidenten setzt, so ist e? Hindenburg, der über allen politischen Gegensätzen und allem Streit der Parteien stehend da? Vertrauen des (wm-en Volkes gtni-ßt und in seiner Perion den Einheit?- and Ordnungswillen aller wabren Freunde unseres Vaterlandes verkörpert. ES b-ittht bestimmter Grund zu der Annahme, daß der Generalfeldmar- chall trotz des ihm-agemuteten Opfers sich einem vlchen Wunsche nicht versagen wird, sofern er ihm auß unserem Bolle heraus entgegen gebracht wird. Schon in n&feier tiel tato esi iairmr von führenden Männern und Frauen aus allen

Teilen des Deutschen Rcicbes, aus allen BerusS-- ständen und Bevölkerimgsgruppen sich cm miktz ^'tscben Volksgenossen wenden imb zur Wahl X)iirbniburgd zum Reick>sprSsidenten airffardern.

Dik (Stnicrrrflürunfirn ErzürrgerS.

Berlin, 6. Mürz. (Prio.-Telst Vi- der \ .^omlanzeiger" erfährt, sind die amtlichen Unter suchungen über ErzbergerS Steuererklä­rung e n luinmtfr: abgeschlossen Die V-röftent- ndnrngen würde aber nwtzl erst tpcd> der UrtriO- iöHung im Delsferich-Prozeß erfolgen.

Die Erurueruna dks Nederschichtrn. adlommens.

Berlin, 6. März. (W!B.) Wie dieDeut­sche Allg. 3tg." hott, beginnen am Ndnttag die Vv-rhandlimgen über die Erneuerung b e4 Ueberschtchtenabkom mens Außer Sn tretern her M-beitSgerneinschaft im D.nii'M' nrer- ben an diesen Decchandlmigen Reichslnbcitsmrmster Schlicke, dessen Referent für Bergbau. fRcxjtrriincr?- rat Bodenstrin. Eisenlwlmnmiister Oeser, Reads- Postminister GiesbeNS und ein Vertreter Reick^swittschafiSminisLrüuns teilnchlmen

Uus dem besetzten Sebsei.

Ein ltznaskntrlaß.

Berlin, 3. iNärz. (Prir-.-Tek.) Nack) ber TäA. Rundschau" verfügte die tu ter alli­ierte Rheinland-Kornmissivn fümt Gnadenerlaß für olle pvlitisclien Ber^tel»!»', ebenso für nicktpolitisclie Wandlungen, die mit Wr- sängnis bis zu 6 Ddonaren oder mit ('^elbstrme bis zu 3000 Mark bedroht weiden Es handeli sich Izauplsächkicki um ciirsackie Ticbi'tüMc, t^)ehor- (anißtorroeigtrimgen, Widerietzlichkeit gegen oie Be- l)orbmt und Beleidigung von Beamten. In St* tracht kommen alle vor dem 11. Februar begange­nen Vergehen.

Das neue SeMeoergesetz.

Ter Natinialrers.rmmtnng ist ber (füt'ßytr? eines Besitzsteuergesetzes, ixt? an die Stritt ber zuiückgez-ogenen Eraanzungsspener treten soll, nrminchc istigsgangen. '?aid> den Bestimm imgen br. sehr umfangreichen Vorlage gilt jle Reinvermögen, lorueit nichts anderes ooigefchrßs'en i>i, ba? er samt ebeweglich? tntö iinhtn'cqlidw 'JL)Wnrra(Nrot, nach Abzug ber Schulden. Ttr Feststellung br°- DernwuensziNrackises ersoigt erstmals zum 1. Atzrik 1923 für den ht der Zri. vom 1. Januar !92i> bi? zum .31. Tezembrr 1922 entstandenen Der - mögenszuwachs, spätcrl-üi in Zeitabständen vm 3 zu.3 Iavren für den in ben torangeg.rnvwn drei Kalenderjahren entftanbauen Jmvack>s'.

Nach §20 der Vorlage beträgt bi? Besitzsteuer' für die erirm rat gefangenen oder vollen

10 000 Mk. deo steuerpflick/tigen iSer

mögensziiwachse? 1 x> 6.

für die nächsten 20000 Mk. des starrer-

pfllchtigen Vermögrnszwvact>s?s 2 v H.

für die nächsten 30000 Mk. des ftener-

rflidjtigcn Berniögensuiwlus'ses 3 v H.

für die nächsten 40 (XK> bf9 fieurr-

pflicktigen Vermögens-uwc.cl.'sks 4 v H.

für ei? nächsten 50 000 Rtk. der- flenrr-

pslichttgm Vermögenszuwachse? 5 v. H.

für die nächsten 50 (XX, Wk. des üener-

pflichtigen Dermögenszimmchsrs 6 v. v.

für üte nächsten 1(X) 000 Mk. b<'y fieuer»

pflichtigen Vermögen?'.nwachs?s 7 v H.

für di? nächsten 100000 Mk. des ftecer-

pflichtigrn Be rmögens >v wachse? 8 t» H,

für ei. nächsten 100000 Mk iv?- fitiivt

pflickuigen Vermög end',uroach' x- 9 t».».

sirr tiÄ-itetc Bktrchr 10 v. H.

Tie Desitzstruer ist in Teilbeträgen zu em- richten. Wer die nach dem Gesetz?,u enttichtenden Stevern dinterzieht, wird mit rater Geldscrafe im 5- biß 20fachen Dettnge der stmtcrEigenen Steamti bestrost.

In ber Begründung des (^legrrrmwiW wirb u a. auSgefüyrt, daß cnß Be»> wuergrsetz, auf bas man sich deshalb gt'timrrr ltoo., weck btr Besitzsteuer weder eine reine Erbschaslsw uer. tw> eine reine Vermögcnssieuer, noch aber ein? f%r- Tammmfinirr sei, in SBrrflin tu eine Mtimbtne*»« aller drei Steuern insofern cnttfilte, als sie wiv-M die Erbschaden, einschließlich berjenigtit ber eße. lizfm Abkömmlinge, als die Vermögen, nändiA das jeweils hinzutretenoe Veowvgen, reif enMi* baß Einkommen, nämlich das rrfpartr EiirLamme»! umfefr.

Tie in der Oeffentltcbketl er?A>bmetsJavVfe hätten nicht dargetan. daß oer Weg, den bv- Re­gierung rat brr Bcrieinennig der (iirrfiomn:m\tntrc in Bezug auf erhöhte Berücksichtigung, brr i»wt- schaftlichen Len>ungsfShigöeir beschreiten wollte, er rich.tig war. Benn sie strb rroybem -mtschi»si«r Habe, diesen Gedanken zur Zeit nicht zu verfolg«, o sei das im wesentlichen auf die besonders m den letzten Wochen stark fortgeschrittene Geldent­wertung lurüthufufcen, deren Rückwirkung (* dos wir' schas .llch: Leber, und auf bte ^f'un'-a-^reeg jedes Einzelnen in ber nüdnoen Zeit rvd) nichr abffuseben sei und die es baher unmöglich nwrir, einen einigermaßen zuverläsllgen Maßstab w dm, waS als ordentlicher Verbrauch anzusedm te* wo? «im außerordentliären Verbrauch ju r?cha«r ei Tie Steuer stelle sich unter Berücksichtigrop es steuerfreien Zuwachs- ovn 5000 Mt. bei 6000 Mk. auf 10 Mk, bei 80(X> M aaf 30E, bei 10000 Mk. auf 50 Mk., bei 15 000 Mk. «tf 100 Mk., bei 20000 Mk. auf 200 ?7tt, bei .3000* Mark auf 400 Md, bei 40000 ML auf 630 Mk , bei 50 000 Mk. am 950 Mk., bei 60 000 Mk. auf 12.50 Mk., bti 70000 Mk. auf 1600 Mk., bei 80000 Mk. auf 2000 Mk., bei 90000 M7 auf 2400 Mt und bri 100000 ML auf 2800 Mk.