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Nr. 209

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Erstes Blatt

170. Jahrgang

Druck und Verlag: vrühi'sche Univ.Vuch- und Stctndruderd R. Lange. Zchnftleittmg, Scschästsftelle und Druckerei: Schulstrahe 7.

45 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf. Bei Platz. Vorschrift 20° 9 Aufschlag. Lauplschrfftleiter: Äug. Goetz. Derantwortlich für Politik. Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold 3«*3: für den Anzeigenteil: H. Deck, sämtlich in Dietzen.

Montag, 6. September 1920 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts

GiehenerAiizeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Der rote Krieg in Italien.

lieber Lugano-Basel wird uns aus Ita­lien geschrieben:

In Italien gehen unheimliche Dinge vor sich und man weiß nicht, soll man sie als poli­tische Umwälzung ober als wirtschaftliche Aus­lösung ansprechen. Mit einem unbestimmten Gerücht sing es an: Die Industriellen hätten eine Sperre der Fabriken beschlossen. Tatsäch­lich war einer der größten Mailänder Metall- betriebe eingestellt worden. Die Arbeiter der anderen Fabriken glaubten, einer allgemeinen Sperre zuvorkommen zu müssen und besetzten ihre Arbeitsstätten militärisch, und zwar ge­schah das in allen italienischen Städten, die Industrie besitzen. Wie ein lodernder Brand entzündete sich die Bewegung auch in Turin, in Spezia (Fiatwerke), in Savona (Eiseih- werke), in Bergamo, Brescia, Venedig, Livor­no, Novarra, Piacenza, Rom, Neapel. Ueber- all wehen auf den Werkstätten rote Fahnen mit gekreuzter Sichel und Dammer. Ueberall bewaffnete Posten, Kommandos und Ablösung wie vier Jahre lang im Felde. Es wimmelt von roten Kommissaren. Diese erklären die Fabrikherren ihres Eigentums für verlustig, bilden Räte und nehmen Direktoren und In­genieure als Geiseln gefangen. Das Ganze macht einen revolutionären und bolschewisti­schen Eindruck, und es erscheint unfaßlich, wie der Arbeitsminister Lab r io la dazu kom­men konnte, diese gewalttätige Umwälzung als wirtschaftliche und unpolitische Erscheinung zu behandeln und fürs erste die Neutralität der Regierung zu erklären. Ja er versicherte einer Abordnung des katholischen Arbeiterver­bandes, die die Umwandlung der Fabriken in Betriebe der Arbeitergenossenschaften befür­worte, die sei auch sein Programm. Was aber zurzeit in den Betrieben geschieht, ist nicht friedliche Sozialisierung, sondern unge­setzliche Enteignung, und mit Recht fordert das Verbandskomitee der Industriellen von der Regierung den Schutz des Eigentums. Doch die Regierung versagt. Sie hilft ficfi mit der Aus­rede, die Arbeiter würden wohl das Unsiw- niae ihres Treibens bald selber einsehen und sich mit den Fabrikherren wieder vertragen. Aber bis dahin haben eben die politischen Wühler, die Kommunisten und Sowjetagen­ten, ihr Werk getan, und alles kann zusami- menstürzen.

Nitti meinte, daß die Nervosität, die mo­ralischen Schwankungen, von denen der soziale Körper ergriffen ist, die natürliche Folge oes äußerst anormalen Zustandes seien, in dem Italien sich vier Jahre lang befunden hat, und er schloß daraus, daß mit der Zeit das Werk der Wiederherstellung und des Friedens sich von selbst ergeben würde. Seine Politik bestand darin, die Kräfte der Natur wirken zu lassen, im Vertrauen darauf, daß die Aus­wüchse automatisch wieder zurückgehen wür­den. Währenddessen organisierten sich die ver­schiedenen Klassen und Partei-Interessen, schu­fen sich eigene Autorität, setzten eigene Zen- lralorganisationen ein, stellten ein Netz von Einflüssen und Kontrollen auf gewerkschaft­lichem, verwaltungstechnischem, finanziellem, industriellem und landwirtschaftlichem Gebiet her, und um diese Bewegungen und innerhalb dieser Bewegung gibt es ein chaotisches Gären von Ungebulö, Rebellion und Einzel- und Massenwahnsinn. Der bekannte Politiker Dal- mo Carnevali hat kürzlich in einem Artikel, der auch durch die deutsche Presse ging, die Ansicht vertreten, es handle sich bei den immer wiederkehrenden Unruhen in Italien nicht um Revolution, sondern um Desorgani­sation. Das war solange richtig, als die planmäßige Bearbeitung der italienischen Ar­beiterschaft durch die Seninmffnner noch nicht eingesetzt hatte. Das ist aber jetzt geschehen. Die Arbeiter sind bolschewistisch geschult^Sie werden tagtäglich in allen Zweigen des Sow- jetsystems unterrichtet. Ihre Räte beschließen rein revolutionär. Die Vertreter der radikalen Räte sind dieser Tage in Bologna zusammen­gekommen und haben die Einführung des russischen Sowjetprogramms in Italien ver­kündet. Gewiß ist die ganze Umwälzung bis jetzt unblutig verlaufen. Aber ist sie deshalb keine Revolution und keine Gefahr für das ohnehin schwer genug leidende Land? Die Or- ganisarion der Arbeiter ist so stark geworden, daß der neueste Beschluß der Industriellen, die Aussperrung für ganz Italien, mit Hohn- gelächter beantwortet wird. Die Arbeiter ar­beiten und besitzen die Fabriken. Sie werden sie in kurzer Frist zugrunde wirtschaften. Bisher hörte man in allen Nöten den Stoß­seufzer: Giolitti wird schon helfen! Aber, auch Giolitti scheint machtlos geworden zu sein.

Mailand, 5. Sept. (Wolff.) Tie Bewegung 0er Metallarbeiter geht werter und erreichte jetzt wohl ihren Höhepunkt. Es wurden weitere 6abrikbetriebe besetzt. In Terni haben Arbeiter die bedeutenden Stahlwerke dieser «tadt besetzt. Wie derSecolo" aus Rom meldet.

ist die Regierung entschlossen, sich in dem Konflikt neutral zu verhalten.

Rom, 5. Sept. (WTB.) Stefani. Ter Kon­flikt mit den Metallarbeitern ist noch nicht gelöst. Ter Sonntag ist ohne Zwischenfall verlaufen. Im Lause des Nachmittags besprachen sich die Minister L a b r i o l a unb Meda. In M ailand traten die Arbeiterdelegierten zu Be­sprechungen mit dem Präfekten zusammen. Tie Arbeiter beabsichtigen, den Sonntag in den Fa­briken zuzubringen, da sie befürchten, nicht wieder znrückkehren zu können, wenn sie die Betriebe ver­lassen. Tie Schwierigkeften der Arbeiter infolge des Rohmaterials steigen. Gestern wurden keine Löhne ausbezahlt.

Paris, 5. Sept. (WTB.) Havas berichtet aus T r i e st, daß sich die Arbeiterbewegung immer noch ausdehnt. In Triest ist der Generalstreik proklamiert worden. Man meldet Zusammen- st ö ß e zwischen Streikenden und Soldaten.

Paris, 5. Sept. (WTB.) Wie derTemps" meldet, haben die bolschewistischen Schif­fer in Genua sich aller im Hafen liegenden Schiffer bemächtigt unb drohen, alle Kriegsschiffe, die den Versuch machen sollten, in den Hafen einzusahren, zu beschießen.

Drei Weissbücher über Gberschlefien.

Berlin, 5. Sept. (WTB.) Amtlich. Der auswärtige Ausschuß des Reichstages hat die Reichsregierung ersucht, chm eine Zusammen­stellung der einwandfrei feststellbaren Tatsachen über Öberschlcsien zu übermitteln. In Er­ledigung dieses Ersuchens werden drei Weiß­bücher zufammengestellt. Das erste wird eine authentische Schilderung aller von den Aufständi­schen verübten Gewalttaten und Morde enthalten. Das zweite wird Beweise dafür erbringen, daß ein Teil der in Oberschlesien verwandten inter­alliierten Truppen es nicht nur unterlassen hat, gegen die Aufständischen einzuschreiten, sondern datz sogar an einigen Stellen von der Truppe offen für die polnischen Banden Partei genommen worden ist. Das dritte Weißbuch wird sich mit den Vorbereitungen beschäftigen, die polnischerseits für die Organisation des Ausstandes getroffen wurden. Das Weißbuch wird sich im wesentlichen auf pol­nisches Material stützen, das durch die Wachsamkeit unerschrockener deutscher Zollbeamter einem wider­rechtlich die Grenze überreitenden Kurier Korfantys abgenommen worden ist.

Eine neue deutsche Beschwerdenote.

Berlin, 5. Sept. (WTB.) Die Reichs- regierung hat dem Präsidenten der F r i e - de nskvnferenz am 21. August eine Note über Oberschlesien zugehen lassen, in der die verbündeten Regierungen aus den Ernst der Lage im Abstimmungsgebiet, sowie darauf hinge- niefen wurden, daß bie Bildung be.vasfneter Ban­den aus der ortseingesessenen Bevölkerung sich mit den Bestimmungen des Friedensoertrages ebensowenig vereinbaren läßt, wie die Anwesenheit ortsfremder bewaffneter Elemente. In einer wei­teren Note, sie am 25. August überreicht wor­den ist, sind die alliierten Regierungen erneut auf die bedrohliche Entwicklung der Tinge in Ober­schlesien aufmerffam gemacht worden und daran erinnert worden, daß die interalliierte Kommis­sion nach den Bestimmungen des Friedensvertragcs ixm Versailles die Pflicht hat, das Land zu schützen, die Ordnung auftech'zuerhalten unb die Be­wohner vor Schaden an Leben und Eigentum zu bewahren. Die Note fordert, daß ohne Verzug die eindringenden Insurgenten vollständig ent­waffnet und die über die Grenze eingedrungenen Unruhestifter des Landes verwiesen werden, die Sicherheitswehr wieder in ihre Rechte eingesetzt und die Verwaltung der infur giert en Kreise und Orte den gesetzmäßigen Behörden zurückgegeben werde. Numnehr ist eine Anzahl einwandfrei fe st gestellter besonders empörender Gewalttaten gegen Deutsche in Ober­schlesien zur Kenntnis des Präsidenten der Fric- denskonferenz gebracht und ist hierbei nachstehende Note überreicht worden:

Tie Nachrichten über Gewalttaten gegen Deutsche in Oberschlesien mehren sich Der deut­schen Bevölkerung im Abstimmungsgebiet wie im übrigen Reiche, hat sich infolgedessen eine steigende Erregung bemächtigt, die eine Atmosphäre zur Be­ruhigung und Arb«t nicht aufkommen läßt, viel­mehr zu Gewalttaten unb Gegenmaßregeln auf- ruft. Die deutsche Regierung ist es dem deutschen Volke schuldig, Klarheit über den tatsächlichen Sach verhalt herbeizuführen und das ihrige zu tun, damit Abhilfe erntrtt. Nach den Abmachungen von Paris ist sie nicht in der Lage, durch ihre eigene Organe in dem von der interalliierten Kommission ver­walteten Gebiete Feststellungen corncbin^n zu lassen. Durch private Beauftragte kann di«,nicht gescbehen. Würden aber die Erhebungen der inter­alliierten Kommission überlassen bleiben, so wäre mit Sicherheit anzunehmen, daß das Ergebnis von der erregten Bevölkerung nicht als unparteiisch anerkannt würbe. Ter erstrebte Zweck wird nur zu erreichen sein, wenn eine an Den Vorgängen in Oberschlesien unbeteiligte Stelle die Ausgabe übernimmt. _ Tie deutsche Regierung beehrt sich daher vorzuschlagen, eine ton Deutschland, Polen und den alliierten Hauptmächten zu wählende Kommissionaus Angehörigen solcher Staaten, die nicht zu den Signatar­mächten des Vertrages von Versail­les gehören, mit der Feststellung des Sach Verhaltes zu betrauen. Sie fofft, daß die Tätigkeit einer solchen Kommission auch dazu beitragen wird, in Oberschlesien die VvMus- I setzung zu schaffen, unter denen allein eine Dem

Sinne und dem Wortlaute der Verträge ent- sprechende Abstimmung erfolgen kann."

Tie Regierungen in Paris, London, Rom und Warschau sowie der päpstliche Stuhl werden von dem Inhalt der Note in Kenntnis gesetzt.

Lin Telegramm sämtlicher deutschen Parteien an General Lerond.

Beuthen, 6. Sept. (WTB.) Sämtlich.' deutschen politischen Parteien richteten an General Lerond in Oppeln folgendes Telegramm:

Die Liste der Deutschen, die nach der deutsch- polnischen Verständigung ermordet worden sind, verlängerte sich um mehre« Namen. Ueber dem Lairde liegt ein Meuter Schnecken. Das mit freier, frecher S im einherschveit>mde Verbrechen versagte allein aus benf Kreise Pleß und Dem Kreise Rrchnik 120 Grubenbeamie und 12 000 teutschgesinnte Arbeiter. Selbst die gütlichen Zu­reden einiger polnischer Arbeiteiffühver, die von der Prinzengrube schmählich vertriebenen 13 B? triebsbeamten wieder enrzusetzen, inaren gegen Die wilde Auflehnung der fanatisierten Arbeiter ver­geblich. Tie Masse ist den Führern entglitten unb von dem Gifte des Aufrührs durck-drängt. Bon Blutrausch hingerissen lebt sie sich nunmeor aus, beim sie fühlt keinen Willen, der Ftar und fest ist und der die Machst hat, ihr entgegenzutreten. Nachdem die Bestie im Menschen einmal geweckt ist, legt sie sich nicht von selber imeder schlafen. Tas Land soll die fri^>liche Arbeit wieder auf» nahmen und die geflüchteten Deutschen sollen wieder zurückkehren. Nach 18 Tagen des Aufstandes wäre es wahrhaftig an der Zeit. Der Gemeindevertreter Pont aus Kars, der von polnischen Bewaffneten aus seinem Hause gehetzt, im Bahnhofsgebäude unter einem Tisch hervorgezerrt und viehisch erschlagen wurde, unb der Sohn Pa du j ch e k's aus Bobrek, der aus der elterlichen Wohnung her­vorgeholt und anderen Tags mit ausgestoche­nen Augen auf der Straße ausgefunden worden ist der Tod hat ihn inzwischen erlöst sind Märtyrer ihres Vertrauens in unsere Veveinbarun- gen mit den Polen und in Ihrem Willen, Herr Präsident. Beide waren geflüchtet. Es drückt uns die eigene Schuld, daß wir durch Vereinbarungen mit den Polen beiden Grund gegeben hatten, an den Frieden zu glauben und heimzuvehren.

Solange dieser Auf st and dauert, hat kein französisches Gewehr auch nur einen Schuß auf die Rebelten ab­gegeben. Die französischen Soldaten haben mit den polnischen Gewehrträgevn Händedrücke aus­getauscht. Französische Offiziere haben neben pol­nischen MascAncngewehven gestanden. Französische Waffen sind in Jnsurgentenhänden gewesen. Die Bandenführer haten sich gebrüstet, irn Auftrag der Franzosen zu handeln, um auf dem Lande Ordnung zu schaffen, während es die Franzosen in den Städ« ten taten. Das ist auch die allgemeine Meinung bei den Polen unb den Deutschen. In der Welt­geschichte ist kein Aufstand wie dieser bekannt, der lohne Zusammenprall mit der Staatsgewalt unb ohne Konflikt mit der bewaffneten Macht sich ent­wickelt und 18 Tage dauert. W i r dulden nicht die Verschiebung der klaren Grund­lage des Rechts und des Schutzes die- s.es Landes. Tie hohe Kommission hat den Schutz des Landes übernommen und außerdem die Verpflichtung, für die öffentliche Ordnung zu sor­gen. Für die öffentliche Ordnung sind Sie, Herr Präsident, uns und vor der Welt verantwortlich. Darum fordern wir nochmals nachdrückliche Siche­rung des Lebens und des Eigentums durch die be­waffnete Macht. Wir fordern, daß die Truppen, statt die ruhigen Städte zu erfüllen, mit Wachen das Land überziehen. Wir fordern, daß die frei um her l au fen den Bandenführer sofort festgesetzt werden. Wir warnen Die hohe Kommission! Der Tatendurst der verbrecherischen Instinkte glimmt Weiler, und die Anzeigen verdichten sich, daß in einigen Tagen, spätestens am 18. dieses Monats, der Aufstand neu losschlagen soll. Wir fordern die militärische Besetzung der Gruben. Eine andere Siche­rung ist zur Zeit nicht möglich. Die durch die Ini­tiative der hohen Kommission gebildete Abstim­mungspolizei hat der französische Kommandant in Myslowitz auf Drängen der Polen bereits desavou­iert unb zurückgezogen. In diese Sorge hinein platzt nun die Verordnung der hohen Kommffsion vom 25. August, wodurch dem besonderen Gerichtshöfe zu feinen bisherigen Zuständigkeiten noch eine lange Reihe von Straftaten unterworfen wird, hierunter im Falle einer dahingehenden Erllärung des Ober- regierungsanwaltes die durch nationalen Haß her­vorgerufenen Verbrechen unb Vergehen. Die öffent- licte Meinung bei den Deutschen und Polen geht dahin, daß hiermit eine praktische Amnestie­rung der von den Rebellen verübten Missetaten erfolgen soll. Ter besondere Ge­richtshof, der bisher aus einer einzigen Kammer bestand mit einem eigenen Staatsanwalt und einem einzigen llntersuchungsrichter, zusammengesetzt aus drei verschiedenen und dieses Landes fremden Natio­nalitäten, hat in seinem viermonatigen Bestehen nur eine sehr geringe Anzahl von Strafverfolg­ungen bis zum littet! zu bringen vermocht. Es handelte sich dabei fast durchweg um einfache und klare Sachen und nur um eine oder zwei bemerkens­werte Beweisaufnahmen. Die Strafverfolgung die­ses Aufftandes, dessen Morde allein das Hundert voll machen oder überschrei­ten dürste, wird umfangreich und verwickelt sein. Einen erheblicheren Teil 'davon durchzuführen, ist der besondere Gerichtshof praktisch außerstande Herr Präsident, dieses Land, gerühmt wegen der Frömmigkeit seiner Bewohner, hat bis vor einem halben Jahre in hoher Kultur von der schweren Arbeit gelebt, deren Segen die Adern von Mittel­und Osteuropa füllt. Nur auf dem Fundament der Gerechtigkeit kann die fnid)tbringenbe Arbeit ge­

deihen. Wer die Gerechtigkeit erstickt, hißt das Ban­ner der Blutrache. Ndit der letzten Glut unserer Seele und mit dem äußersten Llufgebot unseres Willens erheben wir uns gegen ein System, das in seinen Auswirkungen ein hochsteh endes und gesittetes Volk in einen Zustand der Wildheit zurückwerfen würde. Ms die erste Kunde von den 10 Leichen im Walde von Josephstal tarn, soll ein hoher Offizier dec Besatzungstruppen gesagt haben, er fürchte, die Deutschen würden mm nicht mehr zlu hallen: sein. Wir haben sie gehalten, haben sie 18 Tage gehalten. In übermenschlicher Selbstbezwingung haben die Unfrigen außgeljarrt. Aber mit Fug und Recht fordern wir, daß Ihre Führer mit der blanken Waffe die Wiederiehr des Rechtes und dec moralischen Kraft erzwingen.

Das Pl^iszitkommissariat für Deutschland: Dr. Urbane cf für die katholische Volks Partei, U l i tz k a für die sozialdemokratische Partei, Franz für die deutsch demokratische Partei, Dr. Bloch für die deutschnationale Partei und von Brockhausen für die Deutsche Vvlkspartei.

*

Berlin, 4. Sept. (Wvlff.) Aus Oberschlesien wird gemeldet, daß die drei englischen Kreiskontrollenre in Darnoivitz, Gvoß- Strehlitz und Beuthen ihre Entlassung eni* reichten mit Rücksicht auf die in ihnen Bezirken! von französischer Seite geübte Par­teilichkeit. Den K^-iskontrvlleuren in Tarno- witz und Groß-Stvehlitz wurde die Entlassung be­reits bewilligt.

Vie Sühnesorderung für Breslau.

Berlin, 5. Sept. (WTB.) Zu den Forde­rungen, die wegen der Vorfälle in BreSlau von der französischen Regierung gestellt worden find,! gehören auch militärische Ehrenbezei­gungen durch eine Kompagnie der Reichswehr bei der Wiedereröffnung des französischen Konsulates. Aus den Verhandlungen des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten ist bekannt geworden, daß sich die Vertreter aller Parteien in voller Würdigung der Schwere dieser einem Teil der Wehrmacht auserleyten Ausgabe dahin ausgesprochen haben, daß die Forderung nicht abgelehnt werden könne. Die Regie­rung verläßt sich auf den Gehorsam und auf das kPstichtbewußtsein der Truppe, die berufen sein wird, ihrem Eide gemäß, die Weisung der Re­gierung auszuführen. Sie rechnet bei allen An­gehörigen der Wehrmacht auf Verständnis für die schwierige Lage, in der wir uns befinden. Pflicht der Bevölkerung wird es sein, der Truppe die Erfüllung einer Aufgabe, die sie mit Selbstverleugnung auf s i ch nimmt, nach Kräften zu erleichtern.

Simons und Severing beim srauzöfischeu Botschafter.

Berlin, 5. Sept. Ter Reichsminister des Auswärtigen Dr. Simons und der preußische Minister des Innern Severing suchten heute mittag den französischen Botschafter auf. Tr. Simons erklärte Herrn Laurent folgendes:

In der Note vom 30. August haben Euere Exzellenz der deutschen Regierung die Bedingungen mit geteilt, unter denen die Regierung der franzö­sischen Republik die Beilegung des Zwischenfalles herbeifülnen will, der sich auf dem französischen Konsulat in Breslau am 26. August ds. Is. zu- getraaen hat. Zugleich haben sie auf eine Reihe von Kundgebungen und Angriffen gegen zivile und militärische Vertreter Frankreichs in Deutschland hingewiesen. Tabei haben Euere Exzellenz betont, daß die Regierung der französischen Republik mit der deutschen Regierung in einer Atmosphäre der Beruhigung und der Arbell friedliche Beziehungen zu unterhalten wünsche.- Derselbe Wunsch erfüllt die deutsche Regierung. Sie mißbilligt auf das entschiedenste diese Vorkommnisse, die, wie die Vor­gänge in Breslau durch gewisse Umstände utzid Ereignisse erllärt, aber nutzt gerechtfertigt wer­den können. Die deutsche Regierung bedauert alle Zwischenfälle, deren Opfer französische Vertreter oder Staatsangehörige geworden sind, und wird die in der Note vom 30. August gefor­derten Genugtuungen gewähren."

Ter französische Botschafter er­widerte: Im Namen der Regierung der Repu­blik nehme ich Kenntnis von der Er­llärung Euerer Exzellenz unb der Zu­sage der Reichsregierung, daß sie die ihr mitgeteilten Widergutmachungsforderimgen er­füllen wird. Lassen Sie mich, Herr Minister, der Hoffnung Ausdruck geben, daß sich ähnliche Zwischenfälle nicht wiederholen, iptb daß die Be­ziehungen Deutschlands und Frankreichs sich von nun an im Geiste friedlicher Zusammenarbeit gestalten werden, der für die wirtschaftliche W jederaufrichtung und das Gedeihen beider Teile so nötig ist."

Sodann machte der Reichsminister von den durch die Reichsregierung, der Minister des Innern von den durch die preußische Regie­rung in Erledigung der französischen Forderung (tetroffenen oder eingeleiteten Maßnahmen Mit­teilung.

Hauptmann v. Arnim.

Berlin, 4. Sept. (WB.) Eine heutige Mir- tagszeitung brachte die Nachricht, dieBersetzung des Hauptmanns von Arn im,sei auf sei­nen Antrag erfolgt. Ti Nachricht iit nicht zu­treffend. Tie Versetzung erfolgte auf Beschlutz oes Reichskabinetts. Ein Antrag von Arnim aus Ver­setzung liegt nicht vor.